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Jüdische Rundschau · 1934-01-19 · Heft 6 (19.1.1934) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 6 (19.1.1934)
Date
1934-01-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
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I Nr• 6, 19.1.1934 jüdische Rundschau Seite 5 וויטוו fllili (II lll! ). tu 1, War von 1 * in relik Vcrlum tgen, 1 he• hteni ndps *. T. fast t|rn!,?end,!reu, lim• der ihne )11 ne K״r 1(1ן1ז X׳'clt mmt arm, seht midi sann t«nt den•!iner ind• die die :iner «nff, ham 1 in edio der •Pa• <£«• dien pro• dem lem zen- :hen enst ro■ die pekt B“! gert• iner aller rt• urdi Iche An• Oeiden mitdie er• zur!rig• eses nam chte )hn• zur wie :erd •nen Erb• ln“• fünf der •den ben- 1its• men dem aaut «me :hen dier »ftshin“ bi» nde, men 200 üsse lung «Ile! rauf »ten «׳eruns: Zu• der d« fihlOA S 1 w׳־- v*jy׳^ JgdischQ Geschichtsdeutung in den ersten )leiden nachchristlichen Jahrhunderten ygpfniffl Norbert Glatzer, Untersuchungen zur Geschieht«• lehre der Tannallcn. VIII, 126 S. Berlin (Schocken-Verlag) 1933. M. 5,—. Eine der seltenen Arbeiten, die nur durch die Vereinigung fj״er exalden modernen wissenschaftlichen Methode mit einem fundierten, fast nur mehr im Osten erwerbbaren organischen Bdischen Wissen zustande kommen. Hier tritt dam eine {,sonders glückliche Friigcstellung und eine gcscliichtsphilolophische Schulung, die in ihrem Zusammenwirken der Lösung der allgemeinen Frage nach der ״Geschichtlichkeit“ und dem Orschirhishcwußtscin unserer klassischen biblischen und nach• biblischen Urkunden nahekommen. Es ist scheinbar ein eng begrenztes Thema, das sielt Glatzer vorninmit: die Geschieht*- lehre der Tannailen. Die Gcsetzcslchrcr des 1. und 2. nach• christlichen Jahrhunderts schweigen im ganzen über die eigene Zeitgeschichte, bringen aber auf der anderen Seite sehr viele Aussage», Deutungen und Berichte zur Geschichte der Vcr• gangmhrit. Von der Geschichte her wurde die trostlose und furchtbare Gegenwart nach dem Fall Jerusalems, besonders nach der Katastrophe von Betar (135) gerettet, wie in der Oegcnströrnimg der Apokalyptik von der Gegenwart aus die 0?schichte verworfen wurde. Aus den tannaitisclicn Midrasch* werken und aus jenen Stücken des späteren Schrifttums und der Sammlungen, die tannaitischen Ursprungs sind, aus etwa 500 Lehrstücken und Texten über geschichtliche Themen, zieht Glatzer in drei Untersuchungen die Geschichtslchrcn der eigentlichen Schöpfer und Retter des Judentums nach strengster Qucllcnpriifung aus. Geschichtslchrcn, das sind nicht etwa die Lehren der Geschichte, sondern vor allem die Geschehensdeutungen und Verknüpfungen eines gegenwärtigen Sollen« (in erster Linie der Gcsetzcsbcfolgung) mit vergangenen Geschichten, dann aber auch das gesamte Geschichtsbewußtsein, ferner die Aktivierung bzw. Entwertung der Geschichte und vor allem ״die Historisicrung des Ungeschichtlichen“. Glatzer hat mit seinen streng methodischen Untersuchungen das zentrale Problem des Judentums, die Hincinstcllung des Oesetzes in eine Geschichtsdeutung, wie kein anderer zuvor gefordert. Die Aktivierung der Historie fiir die Religion, während gleichzeitig (in den ersten zwei nachchristlichen Jahrhunderten) die wirksamsten religiösen Bewegungen die Oeschichte von Grund aus entwerteten, ist die denkwürdige Leistung der Tannailen. Diese ״Aktivierung“ besteht > wie gesagt auch darin, daß allgemein gefaßte Texte mit einem historischen Inhalt erfüllt werden. ״Ein seinem Charakter nach außerhistoriseher Ausspruch wird in den Geschichtsraum gestellt.“ Beispiele: Die Vorstellung, daß beim Zug durchs Schilf• mecr die Kinder und die Säuglinge im Angesichte der Schechina den Lobpreis Gottes anstimmten, wird von Rabbi Jose Haglili zum Inhalt des Psalmwortcs (Ps. 8, 3): ״Aus dem Munde der Kinder und der Säuglinge hast du dir Macht gegründet.“ Oder in dem Satze (des Psalmverses 37, 14): ״Das Schwert zücken die Frevler, sie spannen ihren Rogen, den Armen und Elenden zu Fall zu bringen, mied erzürn etzefn, die enden Weges sind“, bezieht R. Elieser b. Ffyrkanos ״die 1 reder“ auf Amrafel und seine Genossen, ״den Armen und Elenden“ auf Lot, ״den geraden Weges״ aut Abraham. Der Bejahung der Oescbichtc in ihren planhellen Zeiten steht die Abwendung von der Zeitgeschichte als einer plandunklen Epoche gegenüber. Aber darin, daß gerade sic es war, die das Augenmerk auf die Geschichte und ihre Kräfte gerichtet hat, ist ein Bemerkenswertes zu erkennen: daß die Abkehr von der Gegenwart nicht (wie in der Apokalyptik und im Christentum) in ein Jenseits geführt hat, sondern eben in die Geschichte, in der sich die Wirkung Oottes und der Sinn menschlichen Tuns in Phmhelllgkeit dargestrilt hat (S. 41). Vor allem Werden ״Gesetz“ und ״Geschichte“ aneinander geschmiedet. Die Lehre der Tannaitcn versucht, die Geschichte als den Raum der PlanverwiTklichung Oottes zu retten. Die Herrschaft des Menschen, die in der Zeitgeschichte (Fall Jerusalems) ihre heilloseste Form angenommen hatte, erweist sich gegenüber der Herrschaft Gottes, die in der Vergangenheit waltend aufgewiesen wird, als nur scheinbar und vor• läufig. Das Königtum Gottes, dessen Durchsetzung sich die Zeitgeschichte entgegenstellt, findet sein Reich vorläufig nur mehr in dem privaten Raum des menschlichen Lebens. ״Die Hdacha erscheint demnach als die Verfassung eines Bezirkes, der sich ganz und gar zun» Königtum Oottes be* kennt« (S. 44). ״Daraus erklärt sich« — das ist die bedeutsamste religionssoziologische Entdeckung Giatzers — ״die große Bedeutung, die die Halacha und der Gedankenkreis des gesetzlichen Lebens für die Interpretation der Oeschichte gewinnt und die sehr häufig zu einer Gleichstellung von Ge• *eizeserfüllung und Planerfüllung führt, die sonst unver• •ländlich bleiben müßte.“ Rat neue geschichtspliiiosophisclie Werk Nahum Giatzers *weist sich durch die exakte Quellenfundierung als eine *beng wissenschaftliche Leistung ersten Ranges. Für die picht fachlich Geschulten existiert kein Mittel, das ihn sicherer in die reiche Welt der Midraschim einführt, als dieses Buch, *1 dem wir den Verfasser beglückwünschen. Dr. Lud wi g Feuchtwanger. st׳ r %**־׳ ח t! / ״ f / '׳•יי ״״*% / S e h 0 n i 1 t er»ehi»**n•‘ MAX BROD Die Frau, die nicht enttäuscht Roman In Lainan febund•!» RM 6,75 ¥ E. P. TAL & CO. S VERLAG Wi•■ VII, l i « ä > J 4 ' י r*T ■m ״Der Junge David“. Sieben Bilder von Richard Bccr-Hof• mann (S. Fischer-Verlag, Berlin 1933). Die Historie von König David: das ist ein Stoff, der dem Herzen eines jeden Menschen, der mit dem Buche der Bücher aufgewachsen ist, von jeher nahe und vertraut war. Morgen- Irische Kühnheit des Hirtenknaben mit seiner Schleuder und seiner Harfe; höchster menschlicher Glanz und tiefste inen sch• liehe Verstrickung. Kein Wunder, daß ,die Künstler aller Völker immer wieder zu diesem Stoffe zurückkehren. Denken wir heute an den Jungen David, so steht uns alsbald die furchtlose Jtinglingsgestalt Michelangelos vor Augen, der ״Gigante“, wie er hoch oben über Florenz Wache haltend ins Arnotal hineinschaut. Gedenken wir des itarfcnspielcnden Hirten, der mit seinen süßen Tönen den finsteren König erheitern soll, so stellt sich — tmgorufeu und unvergeßlich — Rcmbrandts unübertroff enes Bild von Saul und David ein und verkörpert uns den ewigen Gegensatz von hoffender Jugend und verzweifeln• dem Aller. König David mit der goklucn Krone ist auch zum Lichlingshelden der jüdischen V olkssage geworden: immer wieder wird er dargcstcllt, wie er in der unterirdischen 1 fohle schlafen muß, dcu Krug reinen Wassers zu Füßen, die Harfe 711 I!impfen — auch wir haben ja unsern Barbarossa, den König, der ״einst wiederkommen wird . . Erst wenn Einer kommt und den Krug heiligen Wassers ausgießt, — dann springt der König von seinem Lager, dann ergreift er wieder die Harfe — dann endlich kommt der Mnsehiach ben David, den das jüdische Volkslied an jedem Sabbath-Ausgang in immer heißeren Tönen und immer wilderen Takten herbei ruft — ja, hcrbcibeschwört. — Und fiir die Volkstümlichkeit dieses tinseres Hcldcnkönigs spricht cs endlich auch deutlich genug, daß es immer noch — heute, in unsern Tagen — unter uns deutschen Juden Familien gibt, die ihren Stammbaum in gerader Linie bis zum König David hinleiten — nicht bis zu irgendeinem Rabbi David etwa, sondern geradewegs bis hin zum König David mit der Krone. — immer noch gibt es unter uns Menschen, die hüten diese Fainiiicn-Sage wie einen heimlichen Schatz und lassen sich nicht beirren — •wenn ihnen auch ein jeder ״Cha• cli,am ans der Mah-Nisch-Tannah" die Unhaltbarkcit nachzuwcl• sen imstande ist . . . Nur rin Dichter reinen Herzens und reiner Hände konnte sich an diesen gewaltigen Stoff wagen. Nur ihm konnten sich die lebendigen Wellen endlich zur Vristallnen Kugel ballen. Der große Stoff hat in Richard Beer-Hofmann einen großen Dichter gefunden. ״Nomim premattir in airnum“ — so hieß die klassische Kunstregel, die der KunstricMer der Antike den jungen Dichlern in seiner Ars Poctica anempfahl. Beer-Hofmann hat sie in seiner unendlichen Werk-Treue bei weitem übertroffen. Vor fünfzehn Jahren erschien sein gedankenreiches Spiel ״Jaa- 1cob* Trau m“,' dessen unvergeßliche Darstellung wir in Berlin erleben durften. Schon damals wußte man, daß diese Dichtung nur ein Vorspiel für eine große Trilogie sein sollte, die ״Historie von König David“. Heute nun, nach mehr als einem halben Mcnschenaitcr, halten wir den ersten Teil dieser Trilogie in Händcni Das Schauspiel ״Der Junge Davi d“. Nun wissen wir wohl, daß Richard Beer-Hofmann cs nicht eben gerne hört (oder sollte man lieber sagen: nicht mehr gerne hört?), wenn man ihm dauernd erzählt, wie lange er an seinen Werken arbeite. Ef meint, man solle lieber sagen: ״wie lange er an seinen Werken nicht arbeite" und berichtet, daß er an dem Schauspiel ״Der hinge David“ in dem ganzen Jahrzehnt von 1917—1927 nicht einen Fcdcrsprlch getan nabe. ״Verdrießt es ihn mit Recht?“ dürfen wir darauf wohl fragen, wie einst Gott der Herr den Propheten Jonah fragte. In unsrer Zeit der Unrast und Schnellfertigkeit, des Auf und Ab und Hin und Her, saß dieser Mann lange Jahre hindurch in seinem gläsernen Hause wie Merlin der Zauberer — und fügte mit un• erhörter Treue in allen Wirren der Nachkriegszeit einen Stein zum andern, bis das Oebäude erwuchs, dessen Grundriß schon damals, als er den Jaakob schrieb, ihm in der Seele wohnte. Das ist ein seltenes Schauspiel — "wohl geeignet, uns nachdenklich zu stimmen. Denn er selbst )gibt ja zu, daß er auch in jenen zehn Jahren von 1917—1927, als "er kein Wort am ״Jungen David“ schrieb, immer an ihm weiter baute. Da erstanden piotz* lieh und ungerufen Momente und Bilder ans den beiden späteren Dramen der geplanten Trilogie ״König David“, dem Drama des Fünfzigjährigen, und ״Davids Tod“, dem Drama des greisen Königs, der den Frieden seiner Seele erst wieder findet, nachdem er sich von der Krone getrennt hat. Es ist klar, daß der Dichter den Mann und den Oreis kennen mußte, ehe er den Jüngling schaffen konnte. Mit diesen Worten etwa hat Beer-Hofmann selbst kürzlich den langen Zwischenraum zwischen dem Vorspiel und dem ersten Teil seiner Trilogie erklärt. Schlagen wir nun das Buch selbst auf, das uns nach so lan« gen Jahren wie ein sorgsam gehüteter Schatz zuteil wurde, so . . . wartet unser zunächst ein leises Befremden. Was wir nicht suchten, das finden wir; und was wir suchten, das . . . vermissen wir schmerzlich. Hier ist zunächst, so scheint es uns, nicht ein einzelnes Drama — sondern eine Welt. Fast drei* hundert Seiten umfaßt der Text mit den Anmerkungen, die ihn, als wär's ein magnum opus der Wissenschaft, bcglciteil; gegen 80 Personen umfaßt das Personcn-Verzrirlinis. Was wir aber erwarteten, das vermissen wir: hier ist nicht mehr die Rede von dem Goliath-Sieger, dem Harfen-Spieler, den wir bis jetzt den Jungen David nannten. Den eigentlichen Inhalt des Dramas bilden nur die wenigen Tage, in denen König Schaut unterging und der junge David zum Throne Aufstieg. Dies Ocschelicn aber ist in einen Rahmen gespannt, der so weit ist wie . . . unsre jüdische Vergangenheit. Beer-Hofmann hat auch dies anfängliche Befremden kürzlich einmal im Gesprach zu widerlegen gewußt. Nicht nur kam es dem Künstler darauf an, daß wie bei einem Werke der Orchestermusik alle Instrumente, die ihm zu Oebote standen, ihren eignen Ton In die vicltönigc Harmonie hinein entsandten: alle diese Mengehen, die hier im Schauspiel des Jungen David auftauehen, gleichsam In! Vorübcrgehcn nur auftauehen und den flüchtigen Leser wohl ab und zu durch den Gleichklang ihrer Namen ver• blüüen und verwirren, gehören wie Bausteine zum großen Bau• werk dieses Königsschicksals. Alle werden sie in Zukunft noch einmal auftauehen und ihr Wort zu sagen haben. Und wem wie Beer-Hofmann selbst das biblische Urbild immer gegenwärtig ist, der fühlt, wenn Gestalten wie das Weib von Endor oder der Knabe Uri ab oder der schlangenkluge Acht י tophel auftauehen, daß alle ihre Schicksafe geheimnisvoll ver• flochten sind mit dem Schicksal des Helden, Man hat von der Buher-Roscnzwcigschcn Bibcl-Uchersetzung das Wort geprägt, daß sie eigentlich am lebendigsten wirkt, wenn man sie neben da* hebräische Original hält; so scheint auch dies biblische Schauspiel immer vieltöniger und farbenreicher, wenn man den gesamten Lfbrnsraiiin der biblischen Urzeit im Hintergründe der Handlunp mit auftauehen sieht — wie es offenbar der Dichtcr tat, als diese Gesichte sich ihm zeigten. Alles schwingt hier mit; Land und Zeit und Umwelt. Nun versteht man, warum hier mit so vieler Sorgfalt, die sich noch in den ausführlichen Regie- Anweisungen und «len schon erwähnten Anmerkungen kenn)• zeichnet, Kostüme und Ausgrabungen studiert wurden, ob es mm die hetliitisclicn D0|1pcla«licr oder die aus den Gräbern auftauchenden Goldgehänge von Ur waren. Hier soll ja nicht allein das Schicksal eines Einzelnen dargestellt werden: sondern eine Zeit erhebt sich vor uns und schaut uns an — Aug in Auge, fordernd und beschwörend. Nun versteht man auch — was manchen Betrachter zuerst befremdete —, «laß von den sieben Bildern, in die das Werk gegliedert ist, eigentlich nur drei,dem Helden selbst gehören. Ein großes Bild — und eins der erschütterndsten dazu — stellt den abendlichen Gegenpol des jungen David, den gewaltigen, glücklosen und verfinsterten König Sc h au I dar, wie er noch einmal mit letzter Kraft versucht, eine junge Menschenscele zu sich heranzuziehen. Drei Bilder gelten dem jungen Helden, den die Liebe eines Volkes vergöttert und mit schwerer Verantwortung belastet. Aber die drei andern Bilder malen Davids Umwelt: die junge, begeisterte Gefolgschaft des Führers unter den Kriegern und Bauern, die Menge, die zu ihm andrängt, die Freunde, die ihm zur Seite stehen. Um das Schicksal eines ganzen Geschlechtes handelt es sich, das in David seinen Retter aus Fremdherrschaft und Verzweiflung erblickt. David und seine Altersgenossen werden nun in dem merkwürdigen Prolog «ies Dramas in den Zusammenhang der Geschlechter in Israel eingeordnet. Denn dieser Prolog ist nichts anderes als eine Vorlesung des Buches Ruth, die mit wohlerwogener Zurückhaltung des modernen Dichters an dem biblisehen Texte kein Wort ändert, ihn nur durch farbige Bilder von den goldnen Aehrcnfeldcrn, der steinernen Tenne «Ies Boas, von Bcth-Lechcms Hügeln im Mondlicht ergänzt und begleitet. Die Ahnfrau Ruth, die Hundertjährige, die Gott der Herr noch aufsparte, erscheint daun im Drama selbst noch zweimal, wenn es gilt, den späten Enkel in der Stunde der Entscheidung zu beraten. David, der Rebell, der Verbannte, hat den Dienst beim König der Philister auf sich genommen. Nun fordert ihn der fremde Dienstherr zum Feldzug gegen sein eigenes Volk, gegen den König Israels, der ihn einst vertrieb und den er immer noch liebt. Im dunklen Zwiespalt der Gefühle kommt ihm das Wort der Ahne ״Sei treu!“ — Und er weiß, daß er seinem Volk die Treue halten muß, sollte er auch selbst darüber zum Opfer werden. Er verzichtet auf die Krone, die ihn schon in Hebron erwartet, und zieht aus, um sich allein dem Philister zu stellen. Aber Oott rettet ihn in letzter Minute: das Mißtrauen des Philisterkönigs — er selbst empfindet es als rettenden Freundesdienst! — stößt ihn von sich, zurück in die Reihen seiner eignen Volksgenossen. Frei ist er für die große Aufgabe des Königs• tums in Israel. Da aber stirbt sein geliebtes Weib M a a c h ah, die Tochter des Königs von üesclui; und wild verzweifelnd will er alles von sich werfen, sich mit seinem Schmerz in Einlamkeit verkriechen. Nichts vermag der Priester über ihn, und nichts der Prophet; selbst die Heimat, die aus dem Mund eines Uralten zu Ihm spricht — hundert Jahre seines Volks, kdn elnzges ruhevoll, verstört ein Jedes — er hört sie nicht, kann sie nicht hören. Noch ist er nicht fähig, seinen eignem Schmerz in dem unermeßlichen Leiden seines Volkes untergehen zu lassen. Da erscheint ein letztes Mat die Ahne Ruth. Erst dieser Augenblick hat sie selbst gelehrt, wozu sie Oott noch aufsparte. Denn nun darf sie dem Enkel offenbaren, worin der Sinn seiner ״Erwählung“ liegt, — schon einmal kämpfte David mit dem machtgierigen Freund um den Sinn dieser ״Erwlh* lung“ — In einem Gespräch, das gestern und heute gesprochen sein könnte: — Nur, so lang Du zu tausend schweren Pflichten selbst Dich wählst Bereit, Dich hinzugeben, wenn es ruft. So — lang ״Erwählt“-and keinen Atem I ä n g erl“ Nun aber fügt die Ahne das Letzte hinzu! ״Er ist ,erwählt!‘ — so wird er einmal klagen: ,Wo blieb der Segen — welches Glück ward mein?* Laß dann ihn ahnen: Ueber allen Segen Thront noch ein Segen: Andern Segen se’mi“ Sie allein ist’s, die den Urenkel endlich dazu bestimmt, die Last der schweren Krone auf sich zu nehmen. Und wie eine silberne Säule — vielleicht wie jene Wolkensäule, die das Volk in der Wüste gelcitefe — steht hinter dem junge« Fürsten die Gestalt der Ruth, des Urbilds der Treue. Das Lied von der Treue: so könnte man «Bei merkwürdige und ergreifende Schauspiel am ehesten nenne«. Treu ist die einsame Frau, die in Endor lebt (wie hat Beer-Hofmann hier die verrufene Hexe von Endor umgestaitet!) und nur noch für ihre Gräber, für einen blühenden Baum und für einen alten, blinden Hund zu sorgen hat. Treu ist der vierzehnjährige Uriah trotz allen Qualen und Verlockungen seinem fernen Herrn, Und treu ist die junge Mannschaft, der ״Heilige Frühling“ Judäas, dem erwählten Führer. — Ob auch der König David selbst der erwählten Aufgabe treu bleiben wird? Das wird uns das Drama vom ״König David“ er• zählen. Sein Dichter hat uns die Vollendung — er, der selten verspricht — in einem Zeiträume von zwei Jahren ver• sprochen. Mögen ihm alle guten Oetoter helfen, sein Versprechen zu erfüllen! Bertha Badt-SirauB. Der Verlag Sefatenu, Tel-Awiw-Berlin, übersendet uns dh neue Ausgabe seines Schreibheftes für hebräischen Unterricht. Da« Heft ist in ein«• besonderen Art und Welse liniiert, um dem Bedürfnis der Erlernung der hebräischen Schreibschrift Rechnung zu tragen. Wir nehmen an, dafi dieses Heft sich bei »Hen Lernenden, besonders bei lugend• liehen, einbürgern wird. ׳

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