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Jüdische Rundschau · 1934-01-19 · Heft 6 (19.1.1934) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 6 (19.1.1934)
Date
1934-01-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 jüdische Rundschau Nr. 6, 19.1.1934 Ein vergessene! Jubiläum Es sltul jetzt Im Januar 1034 genau 125 Jahre, daß ein für die Rechtsstellung der Juden außerordentlich bedeutsames Gesetz erschien. Der erste badische Oroßhcrzog Kar! Friedrich verordnete, daß alle ״Hausväter der jüdischen Religion, die nicht jetzt schon einen a 11 s z c i e 11 n e n d e 11 er bl!ehe 11 Z 51 n a m c n haben“, verpflichtet sind, in aller Balde einen solchen niiznnelimen. Dieses hadisclie (iesetz, das seinerseits von der österreichischen Gesetzgebung Josefs II, beeinflußt war, war maßgebend für die Gesetzgebung nicht mir fast aller deutschen i.ander (Preußen 1812, Bayern 1813, Württemberg 1828, um nur diese zu nennen), sondern auch für eine Reihe anlkrdeutsdicr Staaten. Die Tendenz war, eine An gleich 11 ng der Namen zu erreichen; es wurden daher bei der Annahme neuer Namen durch die Juden solche biblischer Herkunft vom Ministerium beanstandet; so wurde z. B. Nathan zu Hanf, Israel zu Roll, Moses zu Lang. Die Juden haben diesen Akt der Gesetzgebung in Ihrem großen Teile nicht begrüßt, sic haben mitunter um ihre alten ״auszeichnenden“ Namen gekämpft; so der greise Landrabbiner Salomon Lcvi in Gailingen, so der Oberrat Hayum Lcvi in Karls■ ruhe. Welches sind nun die neuen, angenommenen Namen? Sic kommen, sofern es nicht neue Ortsnamen sind, aus H a usbe- Zeichnungen der J 11 d c 11 g a s s e zu F r a 11 k f u rt her. Zu dieser Kategorie gehören folgende Namen: Aden, Apfel, B'um, Falk, Fisch, Fuchs, Haas, Hahn, Hecht, Lamm, Maas (kommt her von Meise), Roos, Rothschild, SchwarzscluUI, Sichel, Stiefel, Strauß. Interessant ist, daß manche Namen auf bestimmte Gebiete lokalisiert erscheinen. Der Name Pfiiizer wird nur in bestimmten Gebieten Nordbadens angenommen, der Name Picard (kommt vielleicht her von der Picardie) nur in Oberbaden. Viele jetzt noch gebräuchliche Namen!iahen ein ehrwürdiges Alter; so Ist der Name Outkind bereits 1314 in Frankfurt belegt, der Name Herzog schon 1298 in Würzburg. Das neu erwachte interessc für Namens- und Famifienforschung mag, unter Hinweis auf eine ganz, ausgezeichnete Schrift von Dr. E. M. Dreifuß über die Familiennamen der Juden (Vcr- Jag Kauffmann, Frankfurt) diesen kurzen Hinweis auf ein längst vergessenes, aber höchst bedeutsames Gesetz, rechtfertigen. Dr. Otto Simon, Mannheim. tt Frauen״״ Oper im Kulturbund den die Ktilturbundoper zimiiclist Der Weg, den die Ktiltiirlniiidoper zinmciist einznliallen gedenkt, wird sichtbar: er führt hin zu Heiterkeit und linbe* schwertheit. Wo ״krnmpllosc" Musik gemacht werden soll, da sind wir dabei. Den ״Figaro" kann daher wohl kn״ er mehr begrüßen als wir; die ״Neugierigen Frauen" von Wolf• Ferrari aber sind nicht ohne Finwände hiiizuiielmifn. ln dieser Oper, deren Neu,auffülirutig wir kürzlich erlebten, Ist zu wenig Substanz, als ־daß wir über eine bloße Augenblicksunterhai• hing hinwei'gefragen Würden, (iciiüsse solcher Art haben -- besonders heutzutage — einen sehr geringen Nutzen, weil sic uns dein Alltag entfremden, statt uns In irgendeiner Weise — durch das Sujet oder durch die Qualität — zu ״verstehenden“ Menschen zu machen. Der ״Figaro" Ist cm Erlebnis, das uns seelisch wachsen läßt, die ״Neugierigen Frauen" aber, dieses Werk, dessen gehaltlose Musik es vcrschuldet, daß Spiel zu Vcrspielthcit wird, knuti uns mir der Realität entziehen. Es kann nur dankbares Objekt für eine überholte Guckkastenbühne sein. Wir sprechen dies aus, weil wir glauben, daß die Aufführung durch wertvolle Arbeit zustande gebracht worden ist, die Hei einem besseren Zweck mehr gegolten hätte. Es scheint, daß man sich bet der Annahme der Oper von den unausgesprochenen Wünschen des Publikums hat leiten lassen, wobei man den nicht einhcitlichcn Ikgrift ״Publikum" mit denjenigen jüdischen Schiebteil identifizierte, deren Beharrung durch die stärksten Krisen nicht erschüttert werden kann. Die Oper ״Die Neugierigen Frauen" in München 1003 iiratifgeführt und vor einigen Jahren in der Charlottenburger Oper zu hören, stellt in einer Reihe mit anderen Werken, in denen Wolf-Ferrari mit Benutzung alter Texte und alter musikalischer Elemente und Formen die Opera buffa 711m heben erwecken wollte. Sie ha(, wie es sich gehört, Rczitativc, Buffomelodik, Buffoeiiscmbles usw.; es fehlt Ihr das ״Einmalige", das ״Gesicht“, das sie unverwechselbar machen würde. Der Komponist hat die Klarheit und Lebendigkeit der Situationen, die der Text bot, wohl gefühlt — man spürt es an den charakteristischen Rhythmen, an der Deklamation, an thematischen Umrissen, d. h. an dem, was die Thematik sein sollte und was sie nicht geworden ist — aber cs hat ihm an Inspiration gefehlt. So ist eine geschickte illustrative Delegfertentag des indischen Frauenbundes Am 9. und 10. Januar fand in Berlin die 12. Delegierten• fagung des Jüdischen Frauenbundes statt. Zur 1. Vorsitzenden wurde Frau Ottilie Seiümewaid (Bochum) gewählt, ferner wurden neu in den Bundesvorstand gewählt; Prof, Dr. Cora Berliner, Frau Böhme, Frau Wachsmann (Breslau) und Frau Bertha Fracnkel (München). Unter den Beschlüssen ist eine Resolution bemerkenswert, die sich mit der Frage der Er- Ziehung der jüdischen Jugend beschäftigt und verlangt, daß der Z11 s a m 111 e 11 h a 11 der Familien auch Sn der neutigen Zeit erhalten wird, so daß die Trennung von Eltern und Kindern aus erzieherischen Gründen erst nach eingehender Beratung und Prüfung erfolgen soll. Insbesondere wendet sich die, Entschließung gegen Masscnvcrschiektmgcn von schulpflichtigen Kindern, ln der Diskussion, die der Annahme dieses Antrages vorausging, wies Frau Elfriede Bergei darauf hin, daß Palästina für zahlreiche jiidische Kinder und Jugendliche das Land der Zukunit bedeutet, und daß die jungen Menschen, die dorthin gehen, dies in der Zuversicht tun, auch ihren Familien dort eine Heimat bereiten ZU können. Wir können unsererseits dem mir hinzufügen, daß auch wir der Ansicht sind, daß eine Zerreißung von Familien in jedem Falle der ernstesten Prüfung bedarf, bevor man sich zu diesem Schritt im Interesse der Erziehung von Kindern entschließt. Es kann aber nicht übersehen werden, daß die Notwendigkeit einer frühzeitigen Eingliederung in das Lehen Palästinas in zahlreichen Fällen ein Recht dazu geben wird, diesen Schritt zu tun, und daß es im Interesse der Jugend• liehen selbst liegt, iiitien den Weg in eine materiell und psychisch gefestigte Zukunft rechtzeitig zu ebnen, Material für die Feiern des 15. Schwat. Wie alljährlich bringt auch diesmal die Zentrale des Keren Ka.jetneth Lcjisrael verschiedenes Material zur Ausgestaltung von Festen in den Ortsgruppen, Jugendvereinen, Schulen und Kindergärten heraus: Fine Uchtbild*Scric ״Neue Wälder in Erez Israel“ mit einem äußerst instruktiven Begleitvortrag. Die neue Sammlung ״Hebräische Volksmusik", die mit den Hebräischen Chorliedcrn von Ben Uri begonnen wurde, wird mit einem zweiten lieft ״Das Neujahrsfest der Bäume — Sieben liehräische Lieder“ — fortgesetzt. Eine Kindcr-Szene, ״Kow’sclicj Habizah“ (Bezwinger des Sumpfes), enthält ebenfalls einige besonders hübsche Musikstücke von Postulski aus En Charod. Eine vervielfältigte Aufsatz-Sammlung bringt reiches Material über die Aufforstungs-Tätigkeit des KKL in Palästina. Wie bei früheren Anlässen, wird wahrscheinlich auch diesmal bei vielen Eltern der Wunsch bestehen, sich mit diesem Material vertraut zu machen, um den Kindern auch im Hause Gelegenheit ziun Feiern dieses Festes zu geben und sie nicht nur mit Früchten, sondern auch durch die geistige Verbindung mit Erez Israel beschenken zu können. Zionistische ASiiah-Politik. Unter diesem Titel ist soeben Im Verlage des Hcchaluz, Deutscher Landesverband, eine Broschüre erschienen, die ein Referat Ben Gurions enthält, das er im November 1933 vor Pressevertretern in Jerusalem gehalten hat. Die Broschüre gibt eine sehr instruktive liebersicht über die rechtlichen, wirtschaftlichen und politischen Grundlagen der zionistischen Einwanderungspolitik und stellt den Kampf um die Erweiterung der Fin\vandcrunr׳smöglich• keiten nach Palästina dar. Sic ist für jeden, der die zentrale Bedeutung einer starken Alijah erkennen will, höchst leseuswert. Mitteilungen des K. J. V. Dc r K a r t e 111 a g d cs K. J. V. findet am '3. und 1. Februar im Logenhaus, Joaciilnisthalcr Straße 13, statt. Als Vorbereitung zu diesem Karlelltag ist soeben der ״Jüdische Wille“ an alle Bundesbrüder, deren Adressen uns bekannt sind, versandt worden. Wer von Bundesbriidern den ״Jüdischen Willen" nicht erhalten hat, wende sich sofort, unter Angabe seiner Adresse an uns, da dann mit Sicherheit anzunelimen ist, daß wir im Büro seine Adresse nicht haben. Dr. Heinrich Strauß, Mitglied des Geschäftslülircnden .?.״}u<!sc8 ^cr Zionistischen Vereinigung für Deutschland, verlaßt in diesen Tagen Deutschland, um nach Palästina uberzusiedeln. Dr. Strauß war lange Jahre als zionistischer Beamter tätig, und zwar zunächst in Hamburg als Sekretar des zionistischen Gruppcn-Verbandcs und des Keren najessod, in den letzten Jahren in Berlin im Aufträge des Keren Hajessod und als Leiter des Schuldezernats der Ziomstischcn Vereinigung für Deutschland. Die besten Wünsche mJnr Zipnisten begleiten Dr, Strauß, wenn er nunmehe nach Eres Israel übcrsiedelt. Bühnenmusik von minderem künstlerischen Wert entstanden. Es ist klar, daß dem harmlosen Sujet die seriöse Haltung, die Akzentuierung versagt bleibt, daß aer Scherz selten den Schimmer des Ernstes hat, — kurz, daß die Posse nicht zur Komödie werden kann. Was der Partitur fehlte, das versuchte die Aufführung zu ersetzen. Joseph Rose 11 stock hat vorzügliche Arbeit geleistet; das Orchester hat noch nie so farbig und geschlossen geklungen. Der schwungvolle Ablauf der Szene war dein engen Kontakt zu danken, der zwischen Dirigent und Bühnen• geschehen bestand. Das Sängercnsemblc war sehr gut ein• studiert lind besaß — im ganzen genommen — schöne Stimmen. Fs fielen mir besonders Fritzi Joki als sehe!- mische, bewegliche Colomhinn, Walter Oiitzki als gutmittiger und zugleich kluger Arlecchino, Paul F e h £ r als gefühlvoller Liebhaber auf. Die Leistungen von Susanne Stein (Beatrice), Hanna Brand (Rosaura) — schau• spielerisch nicht sehr geschickt —, Erica Storni (Eieonora), Eric 11 Fuchs (Ottavio), Fritz Lechner (Lclio), Marcei Not (Lcandro) u. n. verdienen lobende Erwähnung. Den Pantaionc sollte jemand spielen, der vom Genießerischen mehr versteht. Der Regisseur Kurt Bau man 11 hat richtig den Fnbclcharakter der Oper betont; die Stilisierung der Fraucncnsemblcs war nur konsequent. Es gab aber Momente, wie z. B. das Lebendigwerden der Bilder, das Dtirch-dic• Wand-gehen der wütenden Beatrice U. a. m., wo selbst der Rest von Realität verflog und nichts als ein wesenloses Märdien, ein Fastnachtsspuk iibrigbiieb. Oh dramaturgisch alles geschickt war — das zu häufige Oeffnen des Zwischen vor• iiangcs durch einen Pierrot (Nelly Hirth) und eine Pierrette (Ruth Anselm), noch dazu in einem veralteten Ballcttstil, das Drehen der Bühne im letzten Akt kurz bevor die Frauen durch die Tür in den Saal der Männer purzeln usw. — mag dahingestellt bleiben; vieles jedoch war gelungen (z. B. die Szene am Schlüsse, in der die beschämten Frauen kokett um Verzeihung bitten 11. a.), vor allem fehlte nicht die lebendige Spielatmospliäre. Die Bühnenbilder von Heinz C 0 n d e 1J waren wie entzückende Kinderbilderbogen, — teilweise zu bunt und zu putzig. Die Aufführung hatte ein beifallsfreudiges Publikum. Immer wieder mußten sich die Mitwirkenden zeigen, um den Dank für ihre große Leistung entgegenzunchmen. Hans Nathan. Tag des ״Hcchaluz“ ln Frankfurt n. M. Der HechaiuZ und die chaluzische Jugendbewegung sind in Frankfurt a. M. zu einem entscheidenden Faktor in der jüdischen Jugend geworden. Der Tag des Hcchaluz, am 13. Jan., der in Frank• T11 rt a. M. stattfand, war ein Ausdruck des ernsten Ringens und der Auseinandersetzung großer Teile der Frankfurter Jugend mit dem chaiuzischen Zionismus. Freitag abend sprach Enzo Sereni im Kreis des Habonim über die Stellung des Zionismus in der jüdischen Geschichte. Am' Scliahhnth nachmittag veranstaltete der Hcchaluz gemeinsam' mit den chaliiziseh-zionlstisrhen Bünden einen Olteg Schah• bath für die Frankfurter zionistische Jugend, in dessen Mittel• pimkt die Schilderung eines Arbeitstages in einer Kwuzaht stand. Anschließend sprach Enzo Sereni fn einem stark bc* suchten Führerscmhiar über die aktuellen Probleme der zioliistisrhen Politik. Den Abschluß des Tages bildete eine öffentliche tugnulkundeehung des Hcchahiz unter dem Motto ,,Neutrale Berufsumschichtung oder Chaluziuth" in der Aula des Philanthropius, an der mehr als 500 Menschen teilnahmen. Dieser Abend, eingernhmt von Liedern des Hcbrä• isehen Chors des Hcchaluz, gestaltete sich zu einer ent• scheidenden Auseinandersetzung der chaiuzischen lugend mit den Tendenzen einer ״neutralen" Bcrufsumschichhing. Nach einleitenden Begrüßungsworten von Philipp Rochwerg zeigte toset Horowitz die Fragwürdigkeit und Gefährlichkeit einer Bcnifsumschichtiinpspropagandn, die nicht von einer Gesamt• lH'irnchUnig der Judenfrage und der zionistischen Lösung ausgeht. Fritz Salberg wies darauf hin, wie eng die Verwirk• lichung des Zionismus mit der Frage der Berufsiunscliichhing, des dauernden Ucbcrgnngcs der iüdischcn hurend zur Arbeit verbünde״ Ist. Kurt Enstein erklärte, daß die Clialuziuth nicht nur Berufsumschichtung für Palästina Ist, sondern daß die Einreihung in die Pionierbewcpimg des jüdischen Volkes einen neuen Menschen fordert. Enzo Sereni setzte sich in temperamentvoller Weise mit revisionistischen Zwischenrufen auseinander. j. Ein neues indisches Lied, lakob Schön herg, der Verfasser des Buches ״Die traditionellen Gesänge des israciiti• sehen Gottesdienstes In Deutschland", legt als Ergebnis seiner Forschungen über synagogale und jüdische Musik ein ״IQ. di sch cs Volkslied" vor, ״Land von unser Vergangenhed“ auf einen gar nicht volksliedmäßigen Text von Josenh Zucker-Holland er. Man müßte eine Abhandlung schreiben um das außer in der Gesinnung Verfehlte dieser Komposition * auf• zuzcigcir, denn sm ist nicht jüdisch, sondern etn Gemisch deutscher und italienischer Oncrnromnntik. Mit lüdischer Musik oder gar mit einem Volkslied hat das gar nichts zu tun. Dr. Oskag Guttmann. von 1111 71. Lebensjahr ist 1'n München der Dichter Herrn V» Bahr gestorben. Hermann Bahr hat in seinem langen Leb״, viele Wamlhinpcn durchgemadtt, er war lange Zeit Kämpfer auf literarischem Gebiet, bis er endlich im Kath> Il/ismus eine Heimat fand. Mit Juden und Judentum stind Ifcrnumn Bahr mdufach in Verbindung. Seine erste Frau w« Jüdin. Itu Jahre 1891 veröffentlichte er eine Sammlung yfj|) 38 Interviews mit dem Titel ״Der Antisemitismus, internationales Interview". Er wollte damit nicht Apologetj! treiben, sondern, wie er sagte, für später einmal von der Vtf. fassung de* Geistes um 1893 ein Dokument geben. Zim Zionismus trat Hermann Bahr schon früh in Beziehung^ da er noch von der Universität 11er mit Theodor H e r zI b«! freundet war. Die Verbindung zu Hcrzl kommt in seinem Aufsatz ״Her/ls Tat“ zum Ausdruck, hi dem er u. a. folgend{, sagt (veröffentlicht in ״Zeitgenossen über Hcrzl von Dr, ן Niissentilntt): ״Wir begegneten damals einander eine Zeltlang f״( täglich. Er kam, wenn er aus seiner Redaktion heimgin» an meiner vorbei, gern an schönen Sommerabenden fragend ob ich nicht Inst hatte, noch ein wenig mit ihm zu spazieren' Da sind wir dann oft stundenlang um die Votivkirche herumgegangen, bis mahnend ihr Abendglanz erlosch. Und de• Refrain Fier/Is war immer wieder: ״Es gibt ein Volk ohne Landl Ja noch mehr: es gibt keinen einzigen Menschen ohne Land, er braucht cs nicht zu kennen, er hat vielleicht nicht den Wunsch, es lockt ihn nicht, er ist im fremden Land daheiui, aber er muß wissen, daß es in der Welf irgendein Land gibt, das für ihn und die seinen vorbestraft ist, das ihn cinlasscn muß, das ihn nicht abweisen kann. Es fällt ihm gar nicht ein, sein Land aufzusuchen, er wünscht sich» gar nicht, aber er weiß: es gibt ein Land, das auf midi wartet, das mir gehört und dem ich gehöre. Das km kein Mensch entbehren." Ich lernte, was eigentlich Herz! meinte, doch erst gm verstehen bei seinem Leichenbegängnis, Es währte stunden, lang. Ich ging mit. Da wurde mir bewußt, daß kh in eine fremden Welt ging. Diese leise, meinen Ohren Unverstand• lichcs murmelnde dunkle Masse wälzte sich durch die Wienerstadt nach dem Lande der Verheißung. Das ist die Tat Hcrzls: er gab seinem Volke wieder das Gefühl seine Heimat. __ 3iiefkadm Redaktion A. K., Hamburg. Wir danken Ihnen für Ihre Mitteilung, daß der Urgroßvater vori Sven Hedins Mutter Ahrshs« Berlin hieß, und daß Näheres über die Familie Hedin in dem bei Brockhaus erschienenen Buche von Alma Hedia ״Mein Bruder Sven" zu finden ist. Die Levante-Messe 1934. Der deutschen Vertretung der Levante-Messe 1934, dem Wirtschaftsdienst Deutschland—Pi• lästina, O, m. b. 1L, Berlin, Kuriiirstendamm 221, wird mitge■ teilt, daß alle Pavillons, festen Gebäude und Freifläche; bereits ausverkauft sind. Der organisatorische und pro• pagandistischc Erfolg der Messe ist also gesichert. Bei <Im großen Interesse, das sowohl von den Ausstellungsläniieni wie von den Nachbarländern Palästinas der Messe entgegen• gebracht wird, ist auch mit einem befriedigenden praktisches Ergebnis fiir die Aussteller zu rechnen. Der Wirtschaftsdienst Deutschland—Palästina G. m. b. H. 11 at eine kleine Bro■ schüre hcrausgebracht, in der das Wissenswerteste über die Messe Zusammcngcsteltt ist. Insbesondere enthalt der ProspÄ eine Zusammenstellung der verschiedenen Vergünstigung®, die für P a 1 ä s t i n a - R e i s c 11 d e anläßlich der Messe ge• währt werden, und eine Aufstellung der besten Fahrt• Verbindungen, vor allem aber das Programm eine offiziellen Messe-Reise, die unter Teilnahme alle wirtschaftlichen Instanzen stattfindet. Mitteilung des Palästina- Amtes. Die Landwirt• schaff! ic 11 e Abteilung des Palästina-Amtes hat durch Verhandlungen mit der Gesellschaft für landwirtschaftliche Unternehmungen ״Jacliin“ (Tel-Awiw) erreicht, daß eine An• zahl weiterer Sicdlcrstelien auf Keren Kajemeth-Boden im O biete von Wadi Chawarith (Scharon-Fbcne) für deutsche Jude» reserviert werden. Es soll hier, wie schon wiederholt mit* geteilt wurde, eine Kolonie für deutsche Auswanderer, di! über £ 1000 verfügen, unter folgenden Bedingungen«• richtet werden: 1. Jeder Siedler erhält 20 Dunam Boden zugewiesen, der rur Errichtung einer intensiven Gcmischtwirtschaft geeig• 2. 4. 6. net ist. Die Gesellschaft ״Jachin“ bepflanzt 10 Dunam dies« Bodens mit Orangenbäumen und bearbeitet diese 10 Dunst« während der ersten fünf Jahre, bis die Pflanzung Früchte trägt. Die weiteren 10 Dunam sind für die Errichtung des Wahn־ 11 .רuscs und der Wirtschaftsgebäude vorgesehen und zur Einführung von verschiedenen Wirtschaftszweigen, "י( Gemüse- und Gartenbau, Molkerei, Geflügelzucht, Imker!! zu verwenden. Der Keren Kajcrneth Lcjisrael vergibt den zu gewiesen« Boden zu einem sehr geringen jährlichen. Pachtsatz in Erb* paelit. Für die Bearbeitung des Bodens sind an die ״Jachin‘• Gesellschaft £ 560 zu zahlen, und zwar in bar auf hi״' Jahre so verteilt, daß bei Vertragsabschluß £ 150 und d« Rest in monatlichen Raten von £ 10 entrichtet werd« müssen. Für die Wirtschaftsgebäude, Bewässerungsanlagen, leben• des Inventar und die Weiterentwicklung der Wirtschaft«• zweige sind zirka £ 300 zu zahlen. Die Gebäude konn« auch gemäß den Wünschen eines jeden Siedlers und de® Kapital, das ihm zur Verfügung steht, größer gebaut werden. Die Gesellschaft ״Jacliin“ stellt *mchleute auf gemeinsam«?0r^״ dt•!• Siedler an, die diese in ihrer landwirtschaftlich« Arbeit fiir die ernte Zeit instruieren. Im Laufe der treten fünf Jahre ernähren sich der Siedl« und seine Familie von den Einnahmen der Hofwirtschaiß' zwngc durch Lohnarbeit bei der Gesellschaft ״Jachin UnV'JJJLTc'1 1]'•ו[״ das Kapital, das der Siedler noch bH zu £ 1000 zur Verfügung hat. 9. Diese Einzelwirtschaft ist nach fertigem Aufbau imstand!, «ine funfkopiige Familie gut zu ernähren. Die Einnahm« erreichen nach einigen Jahren den Betrag von zirka £ 200 Pro Jahr. Alle Verhandlungen und Vertragsabschluss! kcanncn mit der Gesellschaft ״Jachin“ durch Vermittlung w,a״,n'V.A״ltN Landwirtschaftliche Beratungsstell«, Berlin W 15, Mcmekestr. 10, getätigt werden. hf״fr^L״llisil״a״־mt״hat bereitä früher wiederholt darauf vlmr״ru\en’ daÖadie .Beratungstätigkeit erhebliche Unkost«» verursacht, und daß daher alle Ratsuchenden gebeten wer• einen Unkostenbeitrag von 1 RM. für die Beratunf 8. den, zu ldsk’8״ח :״ Paliistin a- Amt "wird Tn Zu־ A״{rL;״f!״l-ach<c,n ,mllsse». daß in allen Fällen, ln denen der?ur Entrichtung dieser Gebühr in d« Lage ist, der Unkostcnbcitrag geleistet wird.

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