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Jüdische Rundschau · 1934-01-09 · Heft 3 (9.1.1934) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 3 (9.1.1934)
Date
1934-01-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 3, 9.1.1934 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite S l U i Itlr ¥> K Ii!>IU nd •m, fl7irrt ili, es, C II tl die hei?elld fnd 'he tt. ttCr lcS or- :ks ien Ich tnd cht tär -\U ,1er en- CI1. laß au! c v >llc üsc ch, ticr her rolen esc icr nn. jer tey chzu : I j! h?, :A nn j rnrnr«?^!]" ÜJ i-.» J 1 «V \,h" lL._i p n r i r* »! I j > ' J L I l J k<.i f*^ "*\ k~ J l 1 i i 1 r - - i c v l .4 ra i—* /*■ V. . .1 V. -1, ffem^ .<"••• .1 /- - A LJ L; r t ->sj i' -> f——*: |f - «• 1 fe« I t;JI V*« Vto -M :he dicht Her mf her 1 die "i en, i kn 1 die 1 :he ge¬! he iue 1 IM. i bc i CtC \ in len <■! > 1 IXT'; i cn,! 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Von ihnen ist die Eroberung der Mandschurei durch die japanischen Truppen und die Frrichtung des Scheinstaates Manschukuo weniger von geistiger als von faktischer Bedeutung; es werden in einem Raum, der im Kriiftefeld dreier Großmächte (Rußlands, Japans, Amerikas) liegt, Spannungen geschaffen, die eines Tages zu furchtbaren Entladungen führen können. Die deutsche Revolution hingegen, mitten in Europa, dem — auch heute noch - geistigen Zentrum der Welt, stellt die Umwelt vor unmittelbare Fragen und Entscheidungen. Es ist nicht nur die Opposition gegen den Vcrsailler Vertrag als solche, durch den das nationalsozialistische Deutsch- Und einen neuen Faktor in der Weltpolitik bedeutet. Die Friedensverträge sind innerlich vom deutschen Volke niemals anerkannt worden, und das Ziel der deutschen Politik mußte immer darin bestehen, ihre friedliche Revision durchzusetzen. \ber allerdings ist der Elan, mit dem heute die Forderung nach .Usitnffuug der Diskriminierungen des Vcrsailler Vertrages in den internationalen Auseinandersetzungen aufrechterhalten wird, ein anderer als früher, und diese neue Intensität der deutschen Außenpolitik hängt mit den tiefen Wandlungen im inneren Aufbau Deutschlands eng zusammen. Der aktivistische Nationalismus, der in Deutschland zur Macht gekommen ist, wirkt schon durch seine Dynamik nach außen. Seine größere Energie, »eine, von inneren Reibungen nicht gestörte unbegrenzte Handlungsfriiheit, zwingen zudem die Nationen, deren inneres Leben bisher relativ unbeeinflußt von dem Idecnwandcl der Nach- Vricgscpochc verlief, zu einer gründlichen Prüfung ihrer politischen Methoden. Die antidemokratischen und antiliberalcn Strömungen sind denn auch überall in einem Anwachsen begriffen, dessen Dauerhaftigkeit und Dimensionen allerdings niemand voraussagen kann. Es ist kein nur äußerer Zusammenhang, daß die Macht, die als einzige wirkliche Siegerin aus dem Weltkriege hervorging, Frankreich, zugleich das letzte feste Bollwerk des demokratisch-liberalen Prinzips im kontinentalen Europa bildet. Der Weltkrieg ist von der Agitation der Alliierten als ein Krieg „der Demokratie gegen die Reaktion" ausgegeben worden, wobei selbst die Teilnahme des zaristischen Rußland nicht hinderte, daß diese Parole von einem großen Teil der alliierten öffentlichen Meinung und sogar von einem Teil der beteiligten Staatsmänner (Wilson) subjektiv ehrlich geglaubt wurde. So identifizierte sich der Sieg über die Mittelmächte mit einem Sieg des demokratischen Systems, das dann ja in der Tat eine Welfsckutide Iniig-fast die gesamte bewohnte Erde erobert zu haben schien. Und umgekehrt lag es nahe, daß die Empörung geger: die eisernen Klammem von Versailles Hand in Hand mit einer Revolte gegen die demokratischen Ideen ging, die sich in einer innerlich nicht notwendigen, faktisch verhängnisvollen Weise mit einer einmaligen politischen Situation amalgamicrt "hatten. So bildete sich fast von selbst eine Interessengemeinschaft der fordernden und eine entsprechende der ablehnenden Mächte, eine Gruppierung, die sich beinahe deckte mit der der demokratisch-liberal-konservafivcn und der der aktivistischrevolutionären Nationen. Damit, daß Deutschland auch innenpolitisch vom Lager der demokratischen ins Lager der antidemokratischen Nationen hinüberging, gewannen die äußeren und inneren Gegensätze zwischen beiden Gruppen an Eindeutigkeit und Intensität. In der Entwicklung, die wir so zu kennzeichnen versuchten, bedeutet das Jahresende nur einen äußerlichen Abschnitt. Noch ist nichts entschieden, alles im Fluß. Das gilt für alle augenblicklich umkämpften Probleme. Die Initiative liegt auf seilen der fordernden Mächte, sie haben alle taktischen Vorteile des Angriffs und des Elans, den der Glauben an die Zukunft und die missionarische Aufgabe verleiht. Das ist ihr außerordentlicher Vorteil, aber auf der anderen Seite ruhen jetzt noch die bei weitem größeren materiellen Mittel. So ist der Ausgang noch in keiner Weise zu übersehen, und es wäre eine gefährliche Illusion, wollte man in einer solchen weltgeschichtlichen Auseinandersetzung Entwicklungen eines Jahres verabsolutieren. Selbst der Kampf um den Völkerbund — um nur dies eine Beispiel zu erwähnen — schwankt noch hin und her. Die Genfer Institution hat durch den Austritt Deutschlands eine außerordentliche Schwächung erlitten, aber andererseits scheint der in seinen politischen Zielen schwer durchschaubare Vorstoß Italiens bereits abgewehrt zu sein. England hält zu ihr, und eine Annäherung Rußlands, die die Pariser Diplomatie nach neuen Meldungen anzustreben scheint, würde ihr wiederum neue Kräfte zuführen. Die Existenz eines aktionskräftigen, unvorbclastetcn internationalen Gremiums, wie es der Völkerbund seiner Idee nach sein sollte, und wie ihn auch der deutsche Außenminister in seiner Erklärung vom „wahren Völkerbund" gefordert hat, wäre für die Juden von außerordentlicher Bedeutung. Sie sind in allen Staaten eine verschwindend geringe Minderheit; der ganze Umfang und die ganze Tiefe der durch ihre einzigartige Geschichte und Existenz geschaffenen Probleme können also nur vor einem Forum zur Sprache kommen, das die gesamte Erde tiberblickt und in dem die besonderen, nur lokalen Konfliktsstoffc in den einzelnen Staaten verschwinden. Die Unzulänglichkeit des gegenwärtigen Genfer Bundes, die sich allen ernsthaften Fragen gegenüber, wie dem Mandschureikonflikt oder der Abrüstungsaufgabe erwiesen hat, ist denn auch von jüdischer Seite aus zu bedauern. Der Widerspruch zwischen der Idee eines Völkerparlamcnts und dem Souveränitätsprinzip, von dem kein Staat abzugehen heute in der Lage ist, schwächt die Handlungsfähigkeit des Völkerbundes auch in spezifisch jüdischen Angelegenheiten. Der Völkerbund führt zwar nominell die Oberaufsicht über das Palästinamandat, aber faktisch entscheidet die englische Kolonialvcrwaltung so gut wie souverän. Und auch auf die Tätigkeit des MacDonald-Komitecs zur Linderung der Flüchtlingsnot sollte man bei der Unmöglichkeit, »uf die beteiligten Nationen einen anderen als nur moralischen Druck auszuüben, keine großen Hoffnungen setzen. Weit wichtiger aber ist für das Judentum der Ideen- * and et, der in diesem Jahre durch die deutsche Revolution tintn io bedeutsamen Fortschritt gemacht hat. Der Kräfteverfall des Liberalismus stellt sie In Innerer und Äußerer Hinsicht vor schwerste Entscheidungen. Zwar gab es Juden in allen Parteien, von der äußersten Unken bis zur äußersten Rechten, aber es mag schon etwas Wahres daran sein, wenn behauptet wird, daß die Mehrheit vornehmlich des deutsch-jüdischen Bürgertums den liberalen Parteien besonders nahegestanden habe. Der starke rationale Gehalt des Liberalismus erleichterte ihnen den Zugang, vor allem aber mußten die Juden sich einer Weltanschauung verpflichtet fühlen, die den Toleranzgcdankcn in den Mittelpunkt stellte. So reißt der Untergang des Liberalismus in Deutschland bei vielen deutschen Juden eine Lücke, die mit neuen Gedanken und Prinzipien nicht ohne weiteres sofort gefüllt werden kann. Zunächst entsteht Ratlosigkeit und das Unvermögen, auf die betäubenden Umwälzungen der äußeren Welt eine positive Antwort zu finden. Für die äußeren Schicksale des Judentums kann das Vordringen der antiliberalcn Ideen und Gruppen von unabsehbarer Bedeutung werden. Der Liberalismus ist prinzipiell nicht-antisemitisch, der Faschismus — wenn man mit diesem Namen alle antiliberalcn Strömungen zusammenfassen darl — hat keine bestimmte Haitun? zur jüdischen Frage. Es gibt, wie man weiß, autoritäre Systeme, in denen sogar jüdische Beteiligung eine verhältnismäßig große Rolle spielt — so in Italien, wo ein KablncHsmitgiicd, der Finanzminister Jung, Judenstiimmling ist, und Juden auch sonst sehr hohe Posten bekleiden —, andere, die trotz gewisser antisemitischer Stimmungen doch die theoretische Gleichberechtigung der Juden nicht antasten (Pilsudski). Auch die größte der drei englischen faschistischen Organbationen, die Mosley-Gruppe, ist bekanntlich nicht antisemitisch. Andererseits aber ist in Deutschland eine zugleich aiitllibcrale und antisemitische Bewegung zur Macht gekommen, und die rechtsoppositlonellcn Gruppen in Mittel- und Osteuropa haben fast ausnahmslos antisemitische Tendenzen. Wie es sich bei autoritären Systemen von selbst versteht, richtet sich auch ihre Einstellung zur Judenfrage weitgehend nach den persönlichen Anschauungen ihrer Führer. Wenn die sozialen Voraussetzungen vorhanden sind — und das ist in ganz Mitteleuropa und Osteuropa der Fall —, so kann es von einer ganz persönlichen Entscheidung abhängen, ob die Bewegung antisemitisch wird oder nicht; es fehlen jedenfalls die Hemmungen, die der Liberalismus dem Antisemitismus auf jeden Fall entgegensetzt. Bei Pilsudski und Mussolini mag es ihre Vergangenheit sein, die antisemitische Gefühle bei ihnen nicht aufkommen ließ; bei Hitler, der von Anfang an zum Marxismus im schärfsten Gegensatz, stand, hat gerade die Auseinandersetzung mit der Sozialdemokratie, wie sich auch aus seinem Buch deutlich ergibt, viel zum Entstehen seiner antisemitischen Uebcrzcugungen beigetragen. Wo es in den mittel- und osteuropäischen Staaten eine rechtsradikale Opposition faschistischen Charakters gibt, also in Polen, Ungarn und R u m ä n I en, ist-slo zugleich antisemitisch, muß sie es schon deswegen sein, weil sie auf eine so außerordentlich wirksame Porole nicht verzichten kann. Die immer sich wiederholenden antisemitischen Krawalle an den polnischen und ungarischen Hochschulen sind ihrem politischen Sinn nach Demonstrationen gegen die Regierungen Pilsudski und Qömbös, von denen der eine nie antisemitisch war, der andere nach rassenschützlcrischen Anfängen später den Antisemitismus abschwor. Es ist offenbar, daß eben die tolerante Judenpolitik dieser Staatsmänner einen „schwachen Punkt" ihres Systems bildet. Achnlich liegen die Verhältnisse in Rumänien, wo das Verbot der antisemitischen deutsch- und italienfreundlictun „Eisernen Garde" durch den liberalen und frankreichfreutuHichcn Ministerpräsidenten Duca vor wenigen Tagen zu dem Attentat auf ihn geführt hat. Hier verbinden sich die Gegensätze in der Judcnpolitik mit außenpolitischen Meinungsverschiedenheiten, aber auch hier ist der Antisemitismus für die Opposition das sichtbarste und wirksamste Agitationsmittel, die Verteidigung der jüdischen Bevölkerung für die Regierung ein Quell ständiger Verlegenheit. Auch in Oesterreich finden wir verwandte Verhältnisse. Hier ist die nationalsozialistische Opposition selbstverständlich antisemitisch, «her auch die herrschende christlichsoziale Partei, die ja schließlich von dem Antisemiten Lutger gegründet worden ist, steht der Rassentheorie nicht von vornherein ablehnend gegenüber, wie u.a. die Stellungnahme des in ihr sehr einflußreichen früheren Kultusministers C/ermak beweist. Da in Oesterreich die sozialen Voraussetzungen dem Antisemitismus fast noch glinstiger sind, als in Deutschland, bedeutet der Verzicht auf jeden Versuch eines gesetzlichen Eingriffs für die Christlich-Sozialen ohne Zweifel eine Innenpolitische Belastung. Für ihr Verhalten dürften in erster Linie außenpolitische Gründe maßgebend sein, die bei der engen Abhängigkeit Oesterreichs von dem Wohlwollen der Großmächte in Wien besonderes Gewicht haben. Während also in Mittel- und Osteuropa die antisemitischen Strömungen durch den Sieg des Nationalsozialismus eine wesentliche Stärkimg und moralischen Rückhalt erfuhren, hat die deutsche Rassengesetzgebung in Westeuropa und in Amerika fast durchgängig Ablehnung erfahren. Auch die deutschen politischen Kreise sind sich darüber im klaren, daß die Ablehnung der Rassentheorie im westeuropäischen und amerikanischen Ausland die Stimmung gegen die neuen Verhältnisse in Deutsehland nachteilig beeinflußt hat. Die Kundgebungen, mit denen das englische Unterhaus und Oberhaus im April zu den deutschen Ereignissen Stellung nahmen, zeigten, wie die englische Stimmung gegen Deutschland in dem Augenblick umschlug, in dem die aus der Ra'sentbrorie abgeleiteten Maßnahmen verwirklicht wurden. Wir deutschen Juden haben gewiß bedauert, daß wir hier zum Objekt außenpolitischer Auseinandersetzungen wurden; aber es war einleuchtend, daß der englische Liberalismus die Ihm als Basis der europäischen Zivilisation geltenden Grundsätze der Toleranz verteidigte. Andererseits aber ergab sich aus den Verhältnissen von selbst, dr.B aus dieser moralischen Unterstützung der deutschen Jueien keine erheblichen praktischen Ergebnisse entstehen konnten. Eine offizielle Einmischung des Auslandes hätte die deutsche Regierung ah Eingriff in innerdeutsche Verhältnisse strikt abgelehnt; sie ist denn auch niemals ernstlich in Erwägung gezogen worden. Da aber, wo staatsrechtliche Bedenken nicht bestanden, bei der Aufnahme deutscher Auswanderer und der Arbeitsschaffung für sie, ergaben sich, nach einem sehr kurzfristigen Entgegenkommen, sehr bald fast uberall Hemmungen anderer Art. In den angelsächsischen Ländern bestand von vornherein nur eine sehr geringe Aufnahmebereitschaft. In Frankreich, das zuerst dem Auswandcrerstrom die Tore öffnete, regten sich ziemlich bald die ersten, aus Konkurrenzfurcht geborenen Widerstände. Sic ließen es der Pariser Regierung rasch ratsam erscheinen, die Grenzen ziemlich rigoros zu sperren, um nicht im r.gcnen Lande ein jüdisches Problem entstehen zu lassen. Die Unterbringung der Auswanderer wird allerdings durch die Wiitr.'.-.aftskrise maßlos erschwert; zugleich zeigte sich aber auch hier, wie das alte liberale Dogma von der Freizügigkeit an Oeltungskraft verloren hat. Als nach der bolschewistischen Revolution Millionen politisch gefährdeter Russen die Heimat verließen, hat unseres Wissens kein einziges Land zu Abwehrmaßnahmen gegriffen; jetzt wird die Unterbringung von einigen zehntausend deutscher Juden zu einem internationalen Problem, dem eine eigens geschaffene Völkerbundorganisation zu Leibe gehen muß. So ist heute, unter dem Einfluß äußerer Spannungen und innerer Wandlungen, die Situation der Juden fast überall auf der Welt labiler als seit langer Zeit. Es ist gut, das zu wissen, weil nur aus der Erkenntnis der Gefahren der seelische Mut stammen kann, ihnen ins Auge zu sehen. Aber so wichtig es ist, Gefahren zu kennen, so verhängnisvoll ist es, sie zu überschätzen. Die schweren Schicksalsschlägc in Deutschland haben zweifellos bei den Juden auch zur Einsicht in begangene Fehler und damit zu einer inneren Kräftigung geführt — neben den sehr erheblichen äußeren Verlusten, die fle mit sich brachten. So kann gerade aus der Not die Kraft entstehen, sie fruchtbar werden zu lassen. „Wo Gefahr ist, wächst das Reitende auch" heißt es bei Hölderlin — jede Gabe des Schicksals, sei sie freundlich oder feindlich, ist so viel wert, wie wir aus ihr machen. —hr. Nochmals: Das «Niederländische Dankgebet" Die Zeitschrift „Musik und Kirche", Kassel, beschäftigt sich in ihrem Novcmbcr-Dczcmbcr-Hcft in einem Aulsatz von Ernst Sommer mit dem Text des „Niederländischen Dankgebetes". Der Verfasser sagt hierzu u. a. folgendes: „rirjjrn eines nber müsien wir rntvhicdcn und mit «<li;irfilem Niirhilrmk Kinspiurli erlieben, niimtirh gegen den heule in Deutschland allgiiiirin zu der alten Weine gesungenen neuen Text, der von einem Juden stammt. Geroile jetzt, wo dm I.ieil zu einem HekcnnhiMiril der nulionalsoiialistiwlicn Bewegung wird, und lx*i «lein Kintrelcn ihrer I'ührcr (ür flu» echte Kunstwerk und die Ahlelmuiifj des Kitsches, i«st es nn der Zeit, »ich bewullt zu werden, d;iß da» Niederländische Dankgebet in der heute verbieitclen Form patriotischer Kil«ch übelster Art i*t, ... Die .rclx-rst-UHngcn' der alten Texte lieferte der Jude Josef Wey!, der sie ohne die nötige Sprnchkennlni», ohne den gebührenden Frust und die schuldige Treue gegen die ehrwürdige Vorlage anfertigte.... Diese liestimnning, dieser Inhalt des I.icdc* kommt in den Versen Wcyls ül>eihau|>t nicht mm Auxlrtuk. Es handelt nicli vielmehr um cm gmu neues Lied, das der Jude Wevl für lionlstische Zwecke auf die alte Weise gedichtet hat. Schon im Versmaß, erst recht nber im Text, kommt die völlige Verfälschung des Originals zum Vorschein, von dem nicht« übernommen wurde als dir ersten lieiden Zeilen, in denen Wcyl nus ,Gott dem Herren' einen ,Gotl den Gerechten' gemacht hat. Ebenso spricht aus dem pnii7.cn weiteren Text nicht der fielst der allen niederländischen Freihcitskümpier, deren .Frommheil' die Triebkraft ihres Kampfes und Sieges ist, die vor ,Golt den Herren' treten und seinen .lieben % Namen' preisen, sondern jüdische Art, die das .Recht' siegreich * sein läßt und vor ,Gott den Gerechten' tritt, der ein .strenge» Gerichl' hält. Und während der niederländische Dichter vom .Arglosen' spricht, scheidet Wey! gant alttestamentlich nach des Psaimistcn Art die .Guten' und die .Schlechten'. Gant verfehlt und unpassend ist auch der von Krcmser-VVeyl hiniuerfundene, für patriotische Gemüter besonders wirkungsvolle Schluß .Herr, mach uns frei!', der dem alten Tent geradetu ins Gesicht ichlägt und aus der echten Volksweise, einen patriotischen Kitich macht. An uns liegt <•» nun, da» alte deutsche Lied wieder in sein Recht gegenüber der jüdischen Umdichtung einzusetzen." Wir haben bereits früher darauf hingewiesen, daß Joseph Wey! nach Informationen aus unserem Leserkreise Nichtjude war. Jedenfalls ist der Text nicht für Juden gedichtet, so dafi der auch schon von Lueken seinerzeit erhobene Vorwurf „zionistischer" Tendenz unverständlich ist. Wir halten aber diese um ein Lied entstandene Diskussion für sehr lehrr-ich auch für uns Juden, weil sich hier zeigt, wie subtil und empfindlich die Volksseele selbst gegen seit Jahrzehnten eingebürgerte Texte reagiert, wenn jüdische Einflüsse vermutet werden. Hermann Hesse über deutsche Juden In der „Basler Nationalzeitung" leitet der Dichter Hermann Hesse eine Besprechung der neuen „Bücherei des Schocken-Verlages" mit folgenden Sätzen ein: „Man hört nicht selten sagen, die deutschen Juden hätten ihr Los verdient, und zwar nicht bloß die erfolgreichen und gerissenen Ge«c!iäft»judcn. sondern die deutsche Judcnschaft als (ianzes, und man belegte da« Urteil mit dem Hinweis auf die oft unwürdigen A n p a s % u n g s v e r s u c h e deutscher Juden an ihr \Virt«volk und auf die in der Tat feige und unedle Art, mit der die Mehrheit der deutschen Juden ihre Brüder, die Ostjuden, ablehnte. All dies ist richtig, es wird aber meist vergessen und ist ülxrhaupt wenig bekannt, daß gerade in jüngster Zeit aus der deutschen Judenschaft, und zwar nicht der angepaßten, sondern der echt jüdiichcn, hohe geistige Werte und Leislungen hervorgegangen sind. Ucbrigens haben die Juden willst (zum Beispiel in dem buch .Wir Juden' von Prinz, Verlag Erich Rciss, Iterlin) zum Teil auf ihr jetziges Unglück durchaus würdig reagiert, die schönsten Worte dafür fand Martin Buber in seinem Vorwort zu dem kleinen Almanaeh des Schocken-Verlage»." Dieses Urteil icigt, daß das zionistische Judentum die Achtung hochstehender Nichtjuden m gewinnen vermag, die über die assimilatorische Haltung nicht »ehr respektvoll denken.

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