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Jüdische Rundschau · 1934-01-09 · Heft 3 (9.1.1934) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 3 (9.1.1934)
Date
1934-01-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 3, 9. i 1934 Bedeutung für den erzieherischen Weg liegt, den da» deutsche Judentum durch Arbeit an sich selbst zu gehen hat. Der Zio iilsmiw als nationale Bewegung des jüdischen Volkes ist keine Partei, die für einzelne Gruppen von Juden Sonderrechte oder Vorfeile erstrebt. Er geht vielmehr von der An- Rctmiuin;r aus, dal) der Bestand des jüdischen Volkes sowohl physisch und materiell wie auch als kulturell-geistiger Wert gefährdet ist, und da IS es einer gewaltigen Anstrengung dea ganzen Volkes bedarf, um zu einer nationalen Wieder- Igcburt und zur Sicherung des jüdischen Volkslebens zu gelangen; diese Sicherung soll auf dem 1 knien Palästinas durch einen gesunden ökonomischen und kulturellen Aufbau erfolgen, Der Anspruch des Zionismus auf Einordnung in das große Werk der Renaissance richtet sieh daher nicht etwa nur an einzelne Juden, die z. B. durch direkte Teilnahme an der Kolonisation Palastinns damit stark verknüpft sind, sondern er ergeht n n die Gesamtheit der Juden in der Ranzen Welt. Ocwiß ist es klar, daß das konkrete Werk in Palästina nur von einem Teil des jüdischen Volkes ausgeführt werden kann, daß ein „Rest Israels" sich mit dem historischen Boden Pakistinas vermählt, ein Teil, von dem wir Klauben und hoffen, daß er geeignet sein wird, dieses große Werk in einer konzentrierten Anstrengung zu vollenden — aber dieser Teil des Volkes lebt und arbeitet in Palästina sinnvoll nur d a n n, wenn er sich als Mandatar der Gesamtheit dea Jüdischen Volkes empfindet. Der Zionismus hat also einen Anspruch an da» ganze jüdische Volk, auch an «eine zerstreuten und assimiliertestcn Teile und versucht gerade diese durch die Macht seiner umwälzenden Idee und die verpflichtende Kraft seiner täglichen Praxig mit einem lebendigen, zukunftsreichen Judentum wieder zu verbinden. Hu Uaulaj? dt%* llcvtiio'iiUtch,, u f. iL. f k.,. ' i' \,./ ^' ^.1 K.Sh.^:~ -\ f f t n T nr 1 CTJ \.. Dies gilt auch für die deutschen Juden. Es ist nicht so, daß einige Tausend oder Zehntausend deutscher Juden nach Palästina gehen können, und die, die hier bleiben, haben mit ihnen und ihren Bestrebungen nichts zu tun. Die deutsche Alijah kann und wird nur dann gelingen, d. h. die Menschen au& Deutschland werden nur dann in Palästina verwurzeln, wenn das deutsche Judentum als Gesamtheit mit ihnen verbunden ist. Jeder einzelne deutsche Jude muß sieh als Glied in dem großen Organismus empfinden, der jüdisches Volk heißt, und dessen Oc^enwartsaufgabe es ist, sich selbst zu regenerieren, Der Zionismus wird so zu dem Tunkt, an dem gleichsam eine „kopcnükanische Wendung" des Juden erfolgt. Unter welchen Lebensumständen auch immer er existiert er weiß jetzt, daß durch Palästina und durch die auf Palästina gerichtete Kraftanstrengung des ganzen jüdischen Volkes ein neues Element in sein Leben getreten ist. Dieses Element läßt ihn die Ereignisse der Gegenwart anders empfinden, als es früher der Fall war. Wir sind nicht Sklaven einer Entwicklung, die über uns wie ein Sturmwind hinwegbraust, uns hin- und herwirft, ohne moralischen und seelischen Halt, der wir Untertan sind ohne Hoffnung auf eine Zukunft, sondern wir wissen, daß alle Ereignisse, die uns als Juden in der Lebensform der Zerstreuung, der Gallith treffen, zwangsläufiger Natur sind, daß sie aus dieser Lebensform entspringen. Das Leben der Zionisten auch außerhalb Palästinas steht so unter dem Gesetz einer starken Bejahung der Zukunft des jüdischen Volkes und . des Einzelnen als seines unablöslichen Gliedes, So entstehtz wischen Palästina und Galuth eine Wechselwirkung. Die Kräfte, die heute Paliistina aufbauen, strömen aus dem über alle Länder der Welt zerstreuten jüdischen Volk. Sie potenzieren sich in der Berührung mit dem Boden des Landes in ihrer Zusamnienbalhmg und Konzentrierung auf ein bestimmtes, sichtbares oder doch wenigstens erfüllbares Ziel. Zugleich aber geht von diesem sich in Palästina regenerierenden Volkskörpcr ein Strom des Lebens hinüber zu denen, die in der Gallith leben, deren Wille aber auf Palästina gerichtet ist. Zionismus ist daher nicht auf diejenigen abgegrenzt, die in Pallistina leben oder vor der Uebersiedlung dorthin stehen. Zionismus ist vielmehr eine Lebensform des ganzen jüdischen Volkes. Man spricht manchmal davon, daß der Zionismus zwar seine große Leistung für Palästina erwiesen hat, daß er es aber nicht verstand, die Problematik des jüdischen Lebens in den Ländern der Welt zu erkennen, und daß er auf diesem Ocbietc mit zu starren Formeln gearbeitet hat. Nun, wir wissen genau, wie schwierig es ist, das mit Erfolg durchzuführen, was man im Zionismus als „L a n d es po I i t i k" bezeichnet hat. Wir sind uns klar, daß alle Maßnahmen, die im Interesse der in der Zerstreuung lebenden Juden ergriffen werden, nur palliativer Natur sind, die weder politisch noch wirtschaftlich noch kulturell eine Sicherung der jüdischen Existenz bedeuten. Es ist ja gerade das Wesen unserer Galuthcxistenz, daß in ihr keine durchgreifende Sanierung des jüdischen Volkslebens möglich ist. Der Zionismus als einziger hat diese Tatsachen erkannt. Wenn er trotzdem Landespolitik betrieben hat und sich um die aktuellen Sorgen des jüdischen Volkes in den Ländern der Zerstreuung nicht weniger kümmert, als es andere Gruppen tun, so war er sich dieser Problematik stets bewußt. Es ist aber nicht zulässig, ihm vorzuwerfen, daß er mit seiner Forderung von der Notwendigkeit der Ueberwindung des Galuth-Daseins durch die Regeneration des Judentums in Palästina einen falschen Weg gegangen ist. Im Gegenteil: Alle Jene Menschen und Gruppen, die den Juden Hoffnungen gemacht haben, daß ihre Politik, iure sozialen Maßnahmen, ihre kulturellen Bestrebungen das Heil bringen würden, haben Illusionen erregt, die immer wieder klüglich zusammengebrochen sind. Sie waren und sind aber nicht fähig zu erkennen, daß ihr Weg grundsätzlich verfehlt ist. Ihnen gegenüber hat der Zionismus immer ein reales Judentum vertreten. Wenn wir heute im deutschen Judentum den Versuch erkennen müssen, die alten assimilatorischen Gedankengänge, die einige Zeit etwas im Hintergrund gestanden haben, wieder zu propagieren, dann glauben wir, daß in ihnen aufs stärkste die Gefahr der lllusionsbilduug bei den deutschen Juden liegt. Wir setzen dem die klare zionistische Haltung entgegen, die ein neues Lebensgefühl, eine veränderte ethische Position und eine tägliche praktische Aufgabe jedem einzelnen Juden übermittelt. Zionismus ist dann allerdings nicht eine Sache der Auswanderung und nicht nur eine Angelegenheit derer, die in Palästina leben, sondern es ist das bewegende und gestaltende Element des ganzen deutschen Judentums. K, L. Die englische Wochenschrift „Tbc Near Last and India" schreibt in ihrer Ausgabe vom 4. Januar; Die Jahreskoiifercnz der Lnglish Zionist Föderation war bemerkenswert durch die von Dr. Wcizmann an die zionistische Bewegung gerichtete Warnung, nicht mit der traditionellen Freundschaft Großbritanniens zu spielen. Dr. Wcizmann hat auf die Tatsache hingewiesen, daß Großbritannien heute beinahe allein unter den großen Nationen als ein Bollwerk gegen die Brandung judenfeindlichcr Bestrebungen dastehe. Dieser Hinweis kommt zu einer Zeit, wo die Angriffe gegen die britische und Palästina-Regierung von jüdischen Rednertribünen und in der jüdischen Presse üblich geworden sind. Es besteht zwar keine Gefahr, daß die britische Regierung sich durch Drohungen oder Schmeichelei von der streng unparteiischen und nüchternen Politik abbringen lassen wird; aber soweit die alltägliche Vcrwaltungsmaschincrie in Betracht kommt, bestehe keine Frage, daß diese vom jüdischen Standpunkt glatter laufen könnte, wenn sie gelegentlich mit dem Oel der Anerkennung gesalbt würde, statt dauernd mit der Schärfe von Anklagen gepfeffert zu werden. Jede Partei muß ihr Bestes dazu tun, die Situation zu seilen wie die andere sie sieht. Großbritannien meint, daß es unschwer den zionistischen Standpunkt verstehen kann, dagegen scheint keine Bemühung gemacht zu werden, daß auch die Zionismen den Standpunkt Englands erkennen, das die im Wege des «,,finnischen Vorwärtsdrängens liegenden Hindernisse berücksichtigen muß. Wenn der Zionismus diese Hindernisse nicht sehen will, so werden sie dadurch nicht geringer, aber für die Augen der Ziouisten wird dadurch der Grund verdunkelt, warum vorübergehende Barrieren angerichtet werden müssen, um einen Zusammenbruch zu ve-hüten. Dali das Wesen der Hindernisse nicht erkannt wird, zeigt sich durch das unverrückbare Bestreben, die arabischen Argumente mit Logik zu widerlegen, Der Tag ist aber noch nicht in Palästina gekommen, wo die mensch- . liehen Handlungen nur durch Logik bestimmt werden, und die Bemühungen für einen friedlichen Fortschritt Palästinas müssen eher auf den elementaren Grundsätzen der Kinderstube als auf den Feinheiten eines Universitätskollegs aufgebaut werden, Die Londoner „Tim es" vom 6. Januar bringt die Nachricht, daß die Union der Zionisten-Rcvisionistcn in Paris an den französischen Außenminister, ferner an den britischen Botschafter in Paris und an alle Gesandtschaften in Paris einen Brief gerichtet hat, worin erklärt wird, daß „die Unzufriedenheit des jüdischen Volkes wegen der Situation in Palästina einen Punkt erreicht hat, an welchem sie gezwungen sein wird, die Form einer entschiedenen Aktion gegen die Politik der Mandatsbürokratie anzunehmen, welche, in Verletzung des Mandates, die Entwicklung des Jüdischen Nationalheims vereitelt". In dem Brief wird weiter ausgeführt, daß der Anteil der Juden an der Gesamtbevölkerung Palästinas, der 1925 fast 2t) «o betragen habe, Pi ll auf 17 «o gesunken sei und Ende WU noch weniger betrage. Ferner wird Klage geführt, dj| die Mandatsrcgierunir zwar die jüdische Einwanderung rtacb Wcstpalästina einschränkt, aber einen unkontrollierten Strom von arabischen Einwanderern aus Transjordanien ins Land läßt, Trnusjordanien, wo kein Jude wohnen darf, ist arm, Westpalästina hat einen bedeutenden Wohlstand, der g.ir«. lieh den Juden zu d.inkcn ist; dieser Unterschied zieht nnrj Strom von Arabern an, welche die Regierung nicht fernhält, während sie die Einwanderung von Juden beschrankt. iHe? so behauptet das Memorandum, stelle „einen direkten' und überlegten Bruch der elementaren Prin. zipien des Mandates dar". Weiter wird über dit geringe Beschäftigung von Juden im Staatsdienst und br| öffentlichen Arbeiten Klage geführt, insbesondere der gt. ringe Anteil der Juden an der Polizei beklagt, „wahrend ihre Brüder dauernd durch Wiederholung' von Mord imi Gewalttat des Mob1; bedroht sind". (Die revisionistische Demonstration in Tcl-Awiw richtete sich freilich gegen jü. d Ische Polizisten. — A. d. R. „I. R.") Die Bürokratie Palästinas, so heißt es weiter, sei erfüllt von dem Geist drt westlichen Antisemitismus, der nicht einmal immer verborgen wird. Die Revisionisten erklären sodann, daß ihre Aktion zweck« Untersuchung und Revision dieser Sachlage bereits begonnen habe. Der Beschluß der Revisionisten, ihren Anteil an den Imniigrations-Zertifikatcn der letzten Zuteilung abzulehnen und die Tel-Awiwcr Demonstration vom '). Dr/ember, welche nicht vor dem offenen Konflikt mit der Polizei und dem Militär zurückschreckte, bilden „den spontanen Beginn einer Allweitliehen Anstrengung des jüdischen Volkes auf dem Gebiete der internationalen politischen Aktion, gerichtet gegen einen ebenso ungerechten, wie untragbaren Zustand". Die „Times" versieht diese Nachricht mit keinem Kommentar. Der englischen Ocffcntliehkcit ist zweifellos bekannt, daB legitimiert zur Führung der judischen Politik in benig auf Palästina ausschließlich die Exekutive der Jewish Agency ist. Die überaus schwierige und sehr verantwortungsvolle Aufgabe der Jewish Agency wird durch derartige unseriös Schritte nicht erleichtert, und es scheint uns überaus fraglich, ob die Lage der Juden in Palästina und die Chancen der jüdischen Einwanderung dadurch verbessert werden. Aber wahrscheinlich ist der Haupt/weck dieses Schrittes die Provokation eines internen Konfliktes innerhalb der Zionistischen Organisation, da die Jewish Agency selbstverständlich diese selbständige Aktion von Leuten, die auch jetzt noch Mitglieder der Zionistischen Organisation sind, nicht hinnehmen kann. Die Revisionisten glauben offenbar, daß jetzt, nachdem der stär' 'de Mann der Palästina-Exekutive der Jewish Agency ermordet ist und die neue Exekutive noch um ihre iWhsetzung im Jischuw zu kämpfen hat, die Gelegenheit k einem derartigen Vorstoß gekommen ist. Auf der Suche nach Hilfe Pariser Brief s. n. Paris, den 7. Januar 1934. Das Jahr 1033 war durch eine Anzahl von jüdischen Kongressen und Konferenzen ausgezeichnet, und auch niclitjüdische internationale Tagungen beschäftigten sich mit der Judenfrage. Ueber die Bedeutung und die Ergehnisse dieser Zusammenkünfte ist berichtet worden, so daß es sich erübrigt, noch einmal die Bilanz all der Reden, Vorschläge und Beschlüsse zu ziehen. Vorläufig ist alles Beschlossene und in Angriff Genommene erst im Anfangsstadium, und man kann nur wünschen, daß die Bemühungen soviel als möglich von Erfolg gekrönt werden. Wie die Dinge aber im Augenblick liegen, ist die Lage derjenigen Teile der Jttdenheit, die dringend Hilfe nötig haben, leider sehr schwer. Dies empfinden die Opfer der mannigfachen politischen und sozialen Veränderungen und Entwicklungen in den einzelnen Ländern am stärksten, und diese unmittelbare Not findet selbstverständlich ihre volle Resonanz bei den Zentralen der großen jüdischen Organisationen, welche gegenwärtig ihren Sitz, in Paris haben. Es ist daher begreiflich, daß seitens dieser Organisationen eine fieberhafte Tätigkeit entfaltet wird, um je nach dem Sonderzweck der einzelnen Organisation ihr Teil zur Hilfeleistung für die Notleidenden beizutragen. Wenn man sich bei den Personen, die in den genannten Organisationen tätig sind, informiert, was für Arbeitspläne in den Biliös dieser jüdischen Zentralstellen bestehen, so bekommt man die dem Sinne nach gleichlautende Antwort, daß man überall in leidenschaftlicher Weise auf der Suche nach Hilfsmöglichkeiten ist. Man gewinnt auf diese Weise das beruhigende Bewußtsein, daß allerorten der beste Wille vorwaltet, unter Anspannung aller Kräfte sich in das große Hilfswerk einzufügen, welches notwendig ist, um den dringenden Bedürfnissen gerecht zu werden. Fragt man aber eingehender nach dem Substantiellen der Pläne und Absichten, so klingen die Antworten nicht mehr so eindeutig pointiert wie die vorangegangene Versicherung von dem heißen Wunsehe, sieh In der Not der Zeit zu bewahren. Der Weg zwischen Absicht und Verwirklichung ist dornenvoll. Der Aufruf der Londoner Hilfskonferenz, 2 Millionen Pfund-Fonds aufzubringen, ist von den besten Absichten erfüllt gewesen. Die Realisierung dieser Absicht ist naturgemäß nicht so einfach und außerdem nicht im Handumdrehen möglich. Die Einsetzung des Flüchtlingskomitees durch den Völkerbund, die Bestellung eines Hochkommissars, die Beteiligung von 17 Staaten an diesem Komitee, die Mitarbeit der jüdischen Organisationen im VcrwaHungsrat dieser Völkerbundsinstitution sind ebenso wie ilie auf der ersten '.usammenkunft in Lausanne gehaltenen Reden und abgegebenen Erklärungen sowie in Aussicht gestellten Maßnahmen, sehr '•rfreiilich, aber vorläufig herrscht noch Dämmerung und der;chnsiichtig herbeigewünschte Silberstreif am Horizont bleibt unsichtbar. Immerhin sind alle Personen, die sich an den Arbeiten dieses Hilfskomitees beteiligen, fieberhaft tätig, um durch ernste Bemühung den von ihnen bekleideten Aemtern Inhalt zu verleihen. Sie reisen durch die Welt, sie halten Besprechungen und Beratungen ab, und lassen es nicht an Mühewaltung fehlen, den allseits geäußerten guten Willen in Werke umzusetzen. Man ist sieh darüber klar, daß die veralteten Mittel de Hilfeleistung, Wie sie im 19. Jahrhundert üblich waren, in der heutigen Zeit nicht verfangen können. Reine Wohlfahrt und Organisierung einer Auswanderung in andere Länder genügen nicht mehr. So wie die Mehrheit der jüdischen Hilfsbedürftigen geschichtet ist, kann sie weder dort, wo sie sich befindet, noch dort, wohin sie gebracht werden soll, mit Aussicht auf Erfolg1 den Lebenskampf aufnehmen. Eine tiefgreifende Umformung all der vielen bereits auf der Wanderung Befindlichen, der voraussichtlichen Auswanderer und der in ihren Heimatlandern in Not Qeratcnen ist unerläßlich. Und gerade in dieser Hinsicht sind mit Rücksicht auf die herrschende ökonomische Weltkrise und auf das Fehlen der für diesen Zweck notwcmligen außerordentlich gioßcn Mittel die Erfolgsaussichten nicht allzu groß. Auch die Erschließung neuer AuswandcrungshwJtr : ist eine fast unmögliche Aufgabe. Die wenigen Gebiete auf dieser Erde, die unter Umstünden einigen Tausenden jüdischer Menschen Unterkunft geben könnten, bieten für Berufe, dit diese jüdischen Attswanderungslustigen bisher ausgeübt haben, ,. keinen Raum. Bei der praktischen Erforschung aller bestehenden 's Möglichkeiten durch Emissäre jüdischer Organisationen ist die' alte Erkenntnis wieder evident geworden, daß eine wirkliche Hilfe nur durch Normalisierung judischen Volkslebens in geschlossenen Gebieten möglich ist. Territorialistische Oedankengänge tauchen wieder auf, und neue Kolumbussc sind auf der Suche nach unentdeckten Ländern., Jüdische Forschungsreisendc haben Spanien und Nordafrika he- •: sucht und, wenn wir genau unterrichtet sind, rüsten sich andere wagemutige Entdecker zu Expeditionen nach Angola und in andere ferne Gebiete. Sic wollen Land entdecken, um dort den eine neue Heimat suchenden jüdischen Massen eine Existenz- . möglichkeit zu geben. Daß diese Reisen unternommen werden, obwohl die bewohnbare Erdoberfläche längst erforscht ist und man aus geographischen Werken und bei eleu diplomatischen Vertretungen der Länder, denen die ins Auge gefaßten Gebiete gehören, genügend Informationen einholen kann, beweist, wie drückend die Notlage ist. Man hofft trotz aller Wenn und Aber dennoch, bei genauerem Studium der Verhältnisse in den verschiedensten Teilen der Welt eine Ritze zu finden, die als Schlupfwinkel für heimatlos gewordene oder zur Auswanderung drängende Juden dienen kann. Der Seelenzustand, der solche Unternehmungen entstellen läßt, ist nur allzu verständlich. Man kann es nur schwer vertragen, eine Ausweglosigkeit zuzugeben. Es ist eine Art von Beschäftigungstherapie, die eingeschlagen wird, um nicht der Verzweiflung zu erliegen. Denn es wäre Selbsttäuschung, wollte man ernstlich an den Wert neuentdeckter Länder für jüdische Sicdlungszwccke glauben. Israel Za n g wi 11 und seine Freunde haben in einer Zeit, wo die Verhältnisse nicht so schwer waren, wie jetzt, jahrelang mit den schärfsten Vcrgnißcrungslupen den Globus studiert, und haben nichts Passeudes gefunden. Es ist nicht anzunehmen, daB man heute auf der Suche nach neuen Territorien mehr Glück haben wird als seinerzeit die „Jewish Territorial Organisation'1. Die Erfahrung der letzten Jahrzehnte sollte doch zur Lehre dienen, daß in Fragen der Schaffung jüdischer Territorien die graue Theorie aliein nicht genügt. Es handelt sich bei diesen langen um raumgcbumlciie Unternehmungen, die von tausenderlei Faktoren abhängen. Es ist nichts dagegen einzuwenden, wenn versucht wird, in den verschiedenen Ländern Zuflucht für Hunderte oder Tausende Juden zu finden. Es ist eben so verdienstlich, wenn man in den Ländern jüdischer Siedlung eine Umschichtung vornehmen und eine innere jüdische Kolonisation treiben will. Das Hirngespinst eines großen geschlossenen jüdischen Territoriums, mag es Angola oder Madagaskar heißen, sollte man sich besser aus dem Kopfe schlagen. Wie die Verhältnisse in der Welt liegen, innerhalb des jüdischen Volkes und in der nichtjüdischen Welt, kann das notwendige, große Hilfswerk für die Juden nur ein Mosaik au» lauter Detailaktioncn in verschiedenen Weltgegenden sein. Außerhalb Pa lä s tin a s gibt es keine allumfassende jüdische Großtat. Was darüber hinausgeht, ist Flickwerk, gegen welches sich kein verantwortungsbewußter Jude wenden kann und darf, obwohl ihm völlig klar sein muß, daß in all dieser heroischen Arbeit keine wirkliche Lösung des Judenproblems beschlossen ist. tri lan dei crl im Ab Ab dei ein sei Ais na sei sei Im bit kri tis Sh Kirnt dii gii kr. W „d be de öfl tei So Sit W ha ge ein in W. ha s<* MI det iv\ po des utl ke fei N ai st ti k ai n< A K' Iii sc nt Ii la 81 Sl ti C it n % s f a l s v ü s I I < I ] ( An Stelle des an den Folgen eines Autounfalles verstorbenen Staatsanwalt Elliott wurde Musa al Aiami, bisher Privatsekretär des High Commissioners für arabische Angelegenheiten, zum Staatsanwalt ernannt I *

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