Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 1-2 (5.1.1934)
- Date
- 1934-01-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 1/2, 5.1.1934 Ein abgesagtes Kinderfest Von unserem palästinensischen Korrespondenten gl., Tel-Awiw, 26. Der. 1933 Te!-A\viw feiert gern Feste. Ganz Palästina feiert gern Feste. Man begeht die Feiertage auf neue Weise, begeht sie öffentlich, in Massen, sie werden wieder zu einer Sache des sozialen Lebens. Man liebt Aufzuge, große Versammlungen auf den Straßen rur Festzeit. Zu Chanukkah hat sich in Tel-Awiw seit etlichen Jahren ein neuer Brauch herausgebildet. Am Tag, wo das erste Lfcht zum Andenken an das nach dem Makkabäcrsieg im Tempel brennende Oel anfreundet wird, sammeln sich die Schulkinder der Stadt, jede Schule mit ihrer Fahne und jedes Kind Lichter in den Händen, auf einem öffentlichen Platz. Es werden Reden gehalten, es gibt Musik und dann begibt sich der lange Zug der Kinder mit den Tausenden von Lichtern durch die Hauptstraßen der Stadt, wo sich die Bevölkerung auf den Qchsteigen drängt und sich des Anblicks freut. Voriges Jahr fand ordnungsgemäß diese Lichtcrnrozcssirm statt. Man sammelte sich an der großen Synagoge, wo eine riesige Mcnorah am Dache leuchtete und machte sich mit Musik, Fahnen und Kerzen auf den Umzug durch die Stadt. Unter den vielen Schulen war auch das „Beth Chintich lcjalde Ovvdim" angetreten, eine Anstalt der Arbeiterschaft, auf den Prinzipien der Arbeitsschule aufgebaut, und sie beteiligte sich am Umzug, wie jedes Jahr. Mitten auf dem Wege gab es von revisionistischen Jungens einen Angriff auf die Fahne dieser Schule. Es gab eine kleine Schlägerei, es geschah kein Unglück, aber die Sache machte Aufsehen. In diesem Jahre zu Chanukkah leuchteten wieder die zwei riesigen, siebenarmigen Leuchter, die während der acht Festtage über der Stadt stehen, am Himmel auf. In der großen Synagoge sammelte man »ich zum Gottesdienst und die Straßen waren in lebhafter Bewegung. Aber der Umzug war in letzter Minute von der Stadtverwaltung abgesagt worden. Es hatte nämlich einige Tage vorher jene Demonstration der Revisionisten stattgefunden, die zu den Zusammenstößen mit der Tel-Awiwer Polizei führte. Die Stadtverwaltung war nervös. Sie erinnerte sich an den Angriff der Revisionisten auf die Schulkinder der Arbeiter im vorigen Jahre, an die Gereiztheit der Polizei, die nicht gerade davon erbaut war, in den Straßen der Stadt mit Steinen beworfen zu werden; und sie sagte den Umzug ab. Diese Haltung ist verständlich. Das Risiko von ein paar verwundeten Kinderköpfen wäre ein hoher Preis für ein Lichterfest. Dem Absagen der Prozession folgen Interpellationen in der Stadtverwaltung, wo die Arbeiter siel* dagegen auflehnten, daß man aus Angst vor den Revisionisten sich nicht mehr getraut, einen Umzug zu veranstalten und di? Stadt nicht einmal versucht hat, für dieses Fest der Kinder die öffentliche Sicherheit zu garantieren. Mit der Diskussion im Stadtrat und einigen Zeitungsäußerungen scheint die Sache erledigt. Sie ist es jedoch nur als Einzelfall, nicht als Symptom für die politische Entwicklung innerhalb der palästinensischen Judenheit Der Revisionismus schien, nach dem Morde von Arlosoroff in seinem Vormarsch aufgehalten, nach den Wahlen zum Kongreß stark zurückgedrängt. Heute fühlt er wieder festeren Boden unter den Fußen. Er hat mit allen Mitteln, ohne sich Skrupel zu machen, die Strafte zu einem Teil von neuem erobert, er sprei/t sieh im Gerichtssaal, wo der Prozeß über den Mord verhandelt wird, er spreizt sich in seiner unwahrscheinlich unfairen Presse, er organisiert die heftige Propaganda gegen die judischen Arbeiter. Die Partei hat jetzt, seit den erschwerenden Eiuwanderungsbestimimmrren der Regierung, vor allem seit der „Touristenjagd", leichteres Arbeiten. Viele, die die vtrn ickfen Wege der palästinensischen Politik nur ungenau über- <i len, versprechen sich etwas von dieser Taktik der lärmen- l n Demonstrationen. Unter den neuen Einwanderern, die über l'ilästina und seine Bedingungen, über die Arbeiter und die Araberfrage nur sehr spärlich unterrichtet sind, fängt sich der! evisionismus durch seine simplifizierte Darstellung so manchen .vmpathisierenden. Vielleicht ist das zügellose Draufgänger- ' im heute den Massen überhaupt sympathischer und verstandener als eine langsame, Zucht, Verständnis und Selbstbeherrschung fordernde Arbeit. Hinter der Politik stehen jedoch ausgreifende wirtschaftliche Kräfte. Die Struktur des jüdischen Palästina ändert sich mit reißender Schnelligkeit. Die Wirtschaft kapitalisiert sich, sie importiert Kapital, schluckt es, verbreitert damit ihre Basis, stellt neue Unternehmungen auf die Beine, erweitert alte, hebt die Lebensanspriiche, den Komfort, modernisiert die Betriebsmethoden und Lebensformen. Damit verdichtet sich die Klasse der Unternehmer und Besitzenden, sie wächst mit jeder neu angelegten Plantage, jedem neuen Industriebetriebe, Jedem fertiggestellten Gebäude. Damit wächst ihr Gewicht!n der Wirtschaft. Was früher eine dünne Schicht von Einzelnen war, wandelt sich zu einem organisierten Faktor. Der Industriellenverband erhält neuen und bedeutenden Zuzug, ebenso wie die Pflanzervcrcinigung. Zum ersten Male besitzt die Oberschicht jetzt eine Tageszeitung, nachdem Möschen Smilanski die Redaktion des „Doar Hajom" übernommen hat. Sie tritt mit der Regierung in Verbindung und findet dort offene Ohren, Sie eröffnet auf immer breiterer Front einen Kampf gegen die organisierte Arbeiterschaft. Diese hat heute entscheidenden Einfluß in der Exekutive der Jewish Agcncy. Und gegen diese Exekutive richtete sich gleich nach ihrer Einsetzung ein konzentrischer Angriff aller ihrer Gegner. Der Arbeiter ist seit langem nicht mehr der gefeierte nationale Heros, der „Chaluz.", der Pionier. Man ahmt nicht mehr seine Lebensformen nach, man versucht nicht mehr, in der Bedürfnislosigkeit mit den landwirtschaftlichen Arbeitersiedlungen zu wetteifern. Mit der Kapitalisierung des Landes geht nicht nur eine „Normalisierung" der Wirtschaft, sondern auch der sozialen Begriffe Hand in Hand. Eine — anscheinend unvermeidliche — Begleiterscheinung dieser Entwicklung ist ein Abflauen in der Bedeutung der Argumente und Ideologien. Die Basis des Kampfes, die Mittel, die angewandt werden, verschieben sich. Zuerst bei der einen Seite, dann aber oft genug auch auf der anderen Seite. Matt kann nicht gut diskutieren, wo man gerade verprügelt wird. Und so konnte es sich die Stadtverwaltung dieses Jahr nicht leisten, den traditionellen Kinderumzug zu Chanukkah stattfinden zu lassen. Es war nicht nur ein abgesagtes Kinderfest . . . Tel-Awiwer Demonstranten vor dem Richter Jaffa, 30% Dezember. (J.T.A.) Der Jaffaer Richter Bodilly hat zwei von den siebzehn Jugendlichen, die ihm im Zusammenhang mit den letzten Unruhen in Tel-Awiw vorgeführt wurden, freigesprochen. Das Verfahren gegen die übrigen wird {ortgeführt. Jahres - Ifonf erenz . des Niederländischen Zionisfcnbunde» (Von unserem it.•Berichterstatter.) Amsterdam, Ende Dezember. Die 31. J.ihreskoiifcreriz des Niederländischen Zionkten- Bundes am '2-1. und 25. Dezember war von 121 Delegierten der 31 Ortsgruppen besucht. In einem 80 Seiten starken Blaubuch ist der Jahresbericht niedergelegt. In seiner Kröfititings. rede beschäftigte sich der Vorsitzende des N. Z. IV, Fritz Bernstein, auch mit dem Schicksal der Juden in Deutschland und wies darauf hin, daß die Entwicklungen in Deutschland ein neues Licht auf die Jiidcufrage geworfen hat. Sie haben gezeigt, daß die jüdische Frage nicht durch Assimilation lösbar ist. Der Zionismus versuche, auf diese Frage eine konstruktive Antwort zu geben und verspreche sich nichts von Protestdemonstrationen oder gar von einer gegen Deutschland gerichteten Aktion. Dagegen hält es der N.Z.B, für besonders wichtig, an Hand der deutschen Ereignisse, auch den holländischen Juden zu zeigen, worin die Schwierigkeiten des jüdischen Lebens im Gallith bestehen und sie vor Illusionen zu warnen und zum Zionismus hinzuführen. Innerhalb der Hilfsarbeit legen die holländischen Zionisten besonderen Nachdruck auf die Mitwirkung bei der Ueberführung jüdischer Kinder aus Deutschland nach Palästina. Im Laufe des Jahres hat sich Infolge der zionistischen Propaganda die Zahl der Mitglieder des Bundes um 50 «> vergrößert. Im weiteren Verlauf seiner Rede ging Bernstein auf die Frage der politischen Betätigung von Zionisten in Holland ein. Die holländischen Zionisten halten die freie und unbeschränkte Ausübung aller staatsbürgerlichen Rechte für eine natürliche Folge ihrer loyalen und genauen Erfüllung aller staatsbürgerlichen Pflichten, Bei ihrem Auftreten im politischen Leben Hollands lassen sich die luden selbstverständlich nur von holländischen Gesichtspunkten leiten. Bei der Wahl ihrer politischen Richtung müssen sie frei sein. Für die Juden kommen naturgemäß programmäßig antisemitische Parteien nicht In Frage und genau so ist die M i t g I i ed s c h t f t zu einer kommunistischen Partei mit dem Zionismus unvereinbar, weil die Dritte Internntionate den Zionismus mit Wort und Tat bekämpft. Zum Schluß beschäftigte sich Remstein kritisch mit der Haltung der Zionistischen Exekutive und mit der Politik der Mandatarmarht in Palästina und schloß mit dem Appell, das Parteiwesen im Zionismus zu überwinden, um die Zionistische Organisation zu einem starken Instrument des Aufbaus zu machen. Das Hauptreferat der Tagung hielt Herr A. Ehrenfeld (Haag) über den „Zustand in der Zionistischen Weltorganisation und in Palästina". Der Redner wandte sich scharf gegen die jetzige Zionistische Exekutive, gegen die englische Politik in Palästina und erklärte, das Ziel des Zionismus müsse die Errichtung der jüdischen Mehrheit in Palästina sein, wobei den Arabern der Schutz ihrer religiösen und bürgerlichen Rechte gewährt werden soll. Aus der Diskussion ist insbesondere die Rede von Prof, D. Cohen hervorzuheben, der gegen die Parteikämpfe polemisierte und dafür eintrat, der auf dem letzten Kongreß gewählten Zionistischen Exekutive gegenüber Disziplin ru halten, Cohen sprach sich auch gegen eine Politik der Vorwürfe an die Adresse Englands aus. Im weiteren Verlaufe der Debatte sprachen noch die Herren Mogendorff, Rabbiner de Vries, Prof. Dr. L. S. Ornsteüt, Ing. A. D. Leeuw, Dr. Fraenkcl, J. Hartorj u. «. Am Montagvormittag hielt der Präsident des Indischen Nationalfonds, Herr Maarssen, ein Referat über die N.F.¬ Arbeit. Sodann hielt Bernstein das Schlußwort, worin er besonders bedauerte, daß die Zionistische Exekutive nicht genügend aktive Führung zeige. Gegenüber der Mandatarmacht müsse von jüdischer Seite energischer für die jüdischen Forderungen eingetreten werden. In der Nachmittagssitzung nahm die Tagung eine Reihe von Resolutionen an, die sich u. a. auch auf die strikte Durchffthrtmg des Palästina-Mandates durch England bezogen. Unter lautem Beifall wurde der Bundeslcitung die Entlastung hinsichtlich ihrer Führung ausgesprochen. Am Schluß der Versammlung gestaltete sich geradezu dramatisch die unter ungemein starker Beteiligung der Delegierten geführte zweistündige Debatte Aber den Antrag der Bundesleitung, Herrn A. M, T eitel jttn. als Mitglied des N.Z.B, ru streichen, da er In einer Versammlung des Vereins „links richten" Im Haag Worte gesprochen hat, welche ihm den Vorwurf der Untreue gegenüber den zionistischen GrundsRtzen und der Sympathie mit kommunistischen Ideen einbrachten. Die Erklärung des Beschuldigten, er erblicke In der kommunistischen Partei nicht den größten Feind des Zionismus und des Palästina-Aufbauwerkes, genügte u. a. der Versammlung, mit 63 gegen 16 Stimmen den Angeklagten aus der Partei auszuschließen. * Wie der Amsterdamer JTA.-Vertreter erfährt, wurde der Sekretär de« Komitees für jüdische Interessen in Holland, einer von den holländischen Juden gegründeten repräsentativen Körperschaft, Professor Dr. D. Cohen, zum Vertreter der holländischen Judenheit im Beirat des Emigrantenkommissars ernannt. Was ist uns die Nationalbibliothek? Anläßlich den SO. (lehtirtxtags von thi%o Bergmann erhallen wir noch eine Würdigung »einer \Vlrltiamh«it ln Jrr Nattonalhihliiilhrh. Wir entnehmen dem Aufiatt fr>U fcntl« l\her den Anlaß hinaus henclitinmrcrte Teilt: Bergmann hat die Jüdische National- und Universität«, bibliothek mit einem Bestände von 30WO Bänden übernommen und in knapp drei/elm Jahren verneunfacht. Von der qualitativen Leistung, die in ihr steckt, von all dem Kample und all der Mühsal, die sie gekostet hat, verrät diese Ziffer sehr wenig. Ein bloßer Bericht wird aber dem Manne nicht gerecht, der erst den kleineren Teil dessen geschaffen, was da« jüdische Volk von ihm noch zu erwarten hat; nur wer für sein Werk eintritt, wer dabei mittut, würdigt es auf angemessene Weise. Die Bibliothek steht schon heute im Mittelpunkte, ist diu Herz eines Kulturkrcisl.nifes, der durch das ganze Land hindurchgeht. Nicht nur die Universität, ein jeder auf Bücher Angewiesene im Lande, eine jede Volksbibliothek und sogar der Kranke im Kr.inkcuh.iuse wird versorgt. Ohne diese Bibliothek wäre kein Schritthalten mit dem europäischen Geistesleben und kein so rasches Werden eines eigenen möglich; sie ist aus dem Lande nicht mehr wegzudenken. Wie t. B. die „Deutsche Bücherei" in Leipzig das gesamte neue deutsche Schrifttum in sich vereinigt, so soll auch "unsere Nationalbibliothek eine lückenlose Sammlung «Her neueren und eine tunlichst vollständige aller alteren Druckwerke (und Handschriften) in hebräischer Sprache, in anderen Sprachen über Juden, Judentum, Erez Israel umfassen. Die Tragweite dieser Funktion der Nationalbibliothek Ist noch nicht allgemein erkannt und voll gewürdigt worden; es wird noch viele Mühe kosten, bis die kostbarsten Unika am Privatbesitz und wohl noch mehr, bis auch die anspruchslosesten jüdischen Druckerzeugnisse (Flugschriften, Berichte, Schulprograrnme, Perindira usw.) von selbst den Weg nach dem Skopusbergc finden werden, Schätze birgt freilich die Bibliothek bereits in nicht geringer Zahl. Sic kann sich als eine der reichsten judaistisehen und orientalistischen Sammlungen, als die bedeutendste Bücherei Im Nahen und Mittleren Osten, als — die groflte deutsche Bibliothek in Asien (10-1500 Bände) sehen lassen. Die erfolgreiche Bücherspende-Aktion der Berliner Zionistischen Vereinigung hat den Beweis erbracht, daß für die Nationalbibliothek nicht nur unendlich viel noch zu tun ist, sondern auch mit Leichtigkeit viel getan werden kann. Diese Arbeit ist zeitbedingt, also dringend. Der jüdische Bücheibesitz unterliegt allem Anschein nach in vielen europäischen Ländern einem Schrumpfungsprozeß. Morgen wird manches nicht mehr zu haben sein, was heute noch gerne gespendet wird. Es gibt keine persönlichere Form der Mitarbeit an Frei Israel vom Oalnt aus, als die an der Bibliothek. — Für jüdische Mäzene gibt es hier Tafeln, — die auch später nicht entfernt werden. Und wenn sie doch ausbleiben, dann werden schon die kleinen Förderer und Freunde dafür sorgen, daß unser Wunsch zu Hugo Bergmanns fünfzigstem Geburtstage bald in Erfüllung gehe: Möge das David Wolffsohn-Haus der Bibliothek bald zu img werden! Emst H of f m ann. Die Palästina-Oranne in Deutschland Wie uns von sachverständiger Seite mitgeteilt wird, ist der Absatz der Jaffa-Orangen in Deutschland gegenwartig ein sehr guter. Die Preise der letzten Hamburger Orangen-Auktion, die ca. 14000 Kisten umfaßte, lagen zwischen 7,50 und 10 M., Durchschnitt 8 bis 9 M. Diese Preise können als sehr günstig bezeichnet werden. Da in Spanien infolge des Frostes Ausfuhrverbot für 14 Tage erlassen wurde, so ist damit zu rechnen, daß auch in Zukunft der Absatz der Palästina-Orangen nicht zu wünschen übrig lassen wird. In Palästina ist ein Delegierter des spanischen Handelsministeriums aus Madrid eingetroffen. Der Delegierte wird versuchen, wirtschaftliche Beziehungen zwischen Spanien und palästinensischen Erzeugern und Verbrauchern herzustellen. Unser Mitarbeiter Hans Kohn hat eine Berufungals ordentlicher Professor für neueste europäische und asiatische Geschichte an das Smith College, Northampton, Massachusetts, auf den Lehrstuhl, den Prof. Skiney B. Fay vor seiner Berufung nach Harvard innegehabt, erhalten und angenommen. Hr. Kolm, der sich derzeit auf Einladung des Institute ot International Fducation in New York auf einer Voriesungsieise an amerikanischen Universitäten befindet, wird im Februar 1034 nach Palästina zurückkehren und Anfang Oktober seine neue Tätigkeit antreten. In den letzten Wochen sind zwei seiner Bücher in Amerika erschienen. „Nationalism in theSoviet Union" (deutsch im Socictäts-Verlag, Frankfurt a. M ) im Verlag der Columbia Univcrsity Press, New York, und ..Orient and Oceidcnt" im Verlag lohn Dav Co., New York Der gleiche Verlag wird ein .lahrbuch „East and West", das die kulturellen, sozialen und politischen Probleme der Europäi- Sterling des Orients behandeln und von William Emcst Hockuig, Professor der Philosophie in Harvard, und Hans Kolm herausgegeben wird, veröffentlichen. Der erste Jahresband wird im Januar 1035 erscheinen. Aus palästinensischen Zeitungen Das religiöse Problem in der Arbeiterschaft Im letzten Heft des „N i w ha-K\vu/a", des Organs der Vereinigung der Kwuzoth, erörterte I.ewi ben Amital, ein junger Dichter, der Mitglied der Kwuza Dagania B ist, das religiöse Problem in der Arbeiterschaft. Er knüpft daran an, daß für den Vorabend des Versöhnungsfestes in der Kwuza die Veranstaltung einer gesprochenen Zeitung geplant war und schreibt: Im Eßsaal sah Ich die Ankündigung, daß die „gesprochene Zeitung" Nummer 3 heute abend, am Vorabend des Jörn Kinpur, verlesen werden würde. Ich fühlte mich verletzt und erbittert, ich sah darin eine böswillige Nichtachtung unserer Religion. Ich bin sicher, daß diese Meinung bei meinen Genossen auf stärkste Gegnerschaft stoßen wird. Vielleicht hatte die Nummer 3 der gesprochenen Zeitung auch wirklich einen würdigen und passenden Inhalt. Aber bei aller Anerkennung für die Institution der gesprochenen Zeitung — ihre beabsichtigte Verlesung am Kol-Nidre-Abend hat mich tief aufgewühlt. Alles, was vom Staub des Alltags verdeckt war, trat hervor, die jüdische Seele, das heilige Gefühl, der Hunger nach dem Verborgenen, und der Durst nach Glauben. Im Herzen eines jeden von uns lebt eine Erinnerung an Jörn Kippur. Und wenn er auch nur einmal in fernster Jugendzeit ihn erlebt hat, so weiß seine Seele doch von dem Ocheimnis, der Schönheit, dem Kummer und dem Glauben des Juden und er wird es sein Lebtag nicht vergessen. Keine Ungläubigkeit und keine Gaben des Verstandes können der jüdischen Seele dieses Out ersetzen. Ja, je mehr wir uns von ihnen entfernen, desto mehr sehnen wir uns nach den Festen der Uebcrliefcrung, denn sie hatten Charakter und Fülle. Unsere neuen Feste aber sind ohne Schönheit, ohne Reiz und ohne Festlichkeif. Die gesprochene Zeitung Nummer 3 kann für diesen Mangel nicht aufkommen, sie kann Jom-Kippur nicht ersetzen, ihr Inhalt und ihre Worte können nicht das ferne und tiefe Echo des Kol-Nidrc-Gebets übertönen, da» in jedem Ohre und in jedem Herzen klingt. Sind wir wirklich so verarmt? Ist unsere Oeneration so arm und so elend, die sich rühmt, fortschrittlich und aufgeklärt zu sein und dem Menschen die Befreiung zu bringen" Achtlos verschwenden wir den Reichtum der Vergangenheit: die Schätze der Vornehmheit, Schönheit und Wahrheit, die Feste unserer Väter entleeren sich mehr und mehr. Wir aber haben nichts geschaffen, was sie ersetzen könnte — wie sollen wir der kommenden Generation gegenübertreten? Die Frage kann hier nicht in ihrer ganzen Tiefe untersucht wcrden._ Der Zweck dieser Worte ist nur, die Unzufriedenheit mit ihrer gegenwärtigen Lösung zu erwecken. Ich denke trotz allem nicht, daß wir die Feste wieder in ihrer alten traditionellen Form übernehmen werden können. Aber wir müssen von der Vergangenheit das Oute und Schön« übernehmen und es in passender Form der kommenden Generation überliefern. Hier kann nicht auf Einzelheiten eingegangen werden — der Grundzug aber muß sein, daß wir die Tradition wieder zur Grundlage unserer überlieferten und Wieder erneuerten Feste machen, und wenn wir moralische, ästhetische und künstlerische Zutaten hinzufügen, so sei dies nur, um unseren Durst nach dem Gebet zu stillen, den Durst eines Geschlechts, das die Gottesfurcht und die Furcht vor der Sünde verloren hat. Vom Jewish Coionlal Trust London, 31. Dezember. (J.T.A.) Der Jewish Coionlal Trust Ltd., London, teilt in einem Rundschreibett mit, daß er seine banktechnische Arbeit am 1. Januar einstellt. Die Geschäfte gehen an sein Tocliterinstitut, die Anglo Pale st ine Bank Ltd., über, deren Londoner Oc- ■chäftsstelle die gleiche Adresse hat.