Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVII (1932)
- Issue
- Heft 103-104 (30.12.1932)
- Date
- 1932-12-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 103/104, 30. XII. 1932 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 50*/ Die Wirtschaftskonjunktur in Palästina In der Beurteilung der jetzigen Konjunktur in Palästina und ihrer Zukunft gehen begreiflicherweise die Meinungen ebenso auseinander wie in allen anderen Wirtsdiaftsdiskussionen, die heute in der Welt geführt werden. Wir geben nachstehend einer Reihe von Autoren das Wort, die sich gegen die in früheren Nummern der Jüdischen Rundschau״ geäußerten Bedenken aussprechen. Wir haben nur noch zu bemerken, daß Adolf Böhm, als er seinen hier abgedruckten Artikel an uns einsandie, keine Kenntnis von den andern mitveröffentlichten Artikeln hatte. p j lieber die Gefahren der fetzigen Hasseneinwanderung Von Prof. Otto Warburg. In der Nr. 101 dieser Zeitung ist unter dem Titel ״Warnung vor drohendem Chaos“ ein Artikel von Mosche Smilansky wiedergegeben, ein ״Alarnmif, worin er die gegenwärtige chaotische Lage in Palästina infolge der ungeregelten Einwanderung schildert“. Er behandelt in dem Artikel sowohl die städtischen als auch die landwirtschaftlichen Verhältnisse, weiß aber keine andere Losung vorzuschlagen als die Reform der Jewisli Agency, die für die neue Aufgabe geeignet zu machen sei, so daß sich ״alle wirtschaftlichen Institute um sie konzentrieren“ und von ihr mit ״praktischem (leist und Erfahrung erfüllt“ werden. Leider wird nicht angegeben, wie das zu erreichen ist, und woher die reformierte Jewisli Agency seihst den praktischen (reist und die Erfahrung nehmen soll, mit denen sie die wirtschaftlichen Institute zu erfüllen hat. Es ist ausgeschlossen, daß sich die Erfahrungen, die Fachmänner in anderen Ländern erworben haben, einfach auf Palästina übertragen lassen, und in Palästina selbst gibt es doch nur für ganz vereinzelte Fächer wirkliche Sachverständige, und diese werden, auch wenn sie sich der Jewisli Agency zur Verfügung stellen, was aus Gründen der Konkurrenz unwahrscheinlich ist, kaum mehr Einfluß haben als bisher. Es ist übrigens eine allgemeine anerkannte Tatsache, die sicher auch für die neu Einwandernden in Palästina gilt, daß man nur durch eigene Erfahrung lernt, und daher haben auch die besten Bestrebungen des Auskunftsamtes der Zionistischen Organisation nicht die Fehlinvestitionen der Jahre 1025 1028 verhindern können. Ebenso wie damals werden zweifellos auch in Zukunft manche neu geschaffenen Werkstätten, Fabriken und andere industrielle und kommerzielle Unternehmungen scheitern, viele werden aber durchhalten oder wenigstens bei ihrem zweiten oder dritten Unternehmer zur Rentabilität gelangen. Den gleichen Rrozeß finden wir fast überall bei neu besiedelten Kolonialländern. Auch die Schaden der Land - und Bau Spekulation nehme ich nicht für so tragisch, wie Smilansky. Es ist doch nur eine Kapifalumschichtung; was der eine verliert, gewinnt der andere, und der Gewinner gehört meist zu den schon in Palästina Eingesessenen, die mit dem gewonnenen Kapital behutsam und daher zum Nutzen des Landes arbeiten werden. Es ist zwar nicht unwahrscheinlich, daß ein Teil der einwandernden sog. Kapitalisten, nachdem sie ihr Cield aufgezehrt oder verloren haben werden, dem Lande enttäuscht den Rücken kehren werden, die Mehrzahl wird aber doch wohl, ebenso wie bei der letzten Masseneinwanderung, im Lande verbleiben und sich mit der Zeit einordnen. Daneben gibt es aber jedenfalls einen beträchtlichen Teil von Einwanderern, namentlich aus Amerika, die vermöge ihres größeren Kapitals die schweren ersten Jahre überstehen werden, und ferner auch manche, welche durch Verwandte in Palästina oder im Oaluth eine Rückendeckung haben. Auch ist selbst im Falle einer Baukrise keine große Arbeitslosigkeit zu befürchten, da die Zahl der neu eirigewanderten Arbeiter infolge der geringen Zahl von Zertifikaten nicht sehr groß ist und die arbeitslos «׳erdenden Bauarbeiter schon durch den zunehmenden Bedarf der heranreifenden Orangen- Pflanzungen schnell aufgenommen «׳erden dürften. Auch ist zu bemerken, daß die ganze Bauspekulation sich einzig und allein auf Tel-Awiw nebst Umgebung bezieht, während in Jerusalem durchaus normale Zustände herrschen, und in Haifa die private Bautätigkeit eher anormal gering ist, d. h. anormal in bezug auf die Zukunftsaussichteil dieser Hafenstadt. Daß die Gescheiterten einen Sündenbock suchen werden, ist psychologisch verständlich, und auch wahrscheinlich, daß sie sich als solchen die Jewish Agency auswählen werden, da sie ja keinen anderen ausfindig machen können, und da sie ja nicht sagen können, wie man in Europa zu tun pflegt, daß ״die Juden an allem schuld“ sind. Aber das wird die Jewish Agency mit demselben stoischen Gleichmut zu ertragen wissen, wie es die Juden allgemein bei ähnlichen Beschuldigungen überall zu tun gewohnt sind. Auch auf die •Einnahmen des Keren Hajessod wird dies einen ebenso geringen Einfluß ausüben, wie die gleichen Beschuldigungen vor einigen Jahren und vielleicht noch geringeren, da die tatsächlich gewaltige Wirtschaftliehe Entwicklung Palästinas der letzten Jahre ja offenkundig ist, von niemandem mehr bestritten wird und ein gewichtiges Gegenargument bildet. Es bleibt noch übrig, einige Worte über den Einfluß der neuen Einwanderung auf die 1 a n d w i r t s c h a f 11 i c h e E n t- Wicklung zu sagen. Es mag richtig sein, daß manche Einwanderer Ländereien zu' übertrieben hohen Preisen gekauft haben, teils als Spekulationsobjekte, teils mit der ernsten Absicht, Pflanzungen anzulegen. Erstere werden vielleicht, wie vor einigen Jahren, gezwungen sein, die Ländereien wieder mit Verlust zu verkaufen, womit sie aber nur das Schicksal der zahlreichen jüdischen Grundstücksspekulanten 'in Amerika «׳ährerid der letzten Jahre teilen. Letztere dagegen werden, wenn sie nicht über genügend Mittel verfügen, selbst gleich Pflan- Zungen anzulegen, das Land einfach vorerst liegen lassen oder verpachten, bis sie vielleicht später, sei es durch Verkauf eines Teiles des Bodens, sei es durch spätere Erlangung eigener oder fremder Gehler, dennoch zur Anlage von Pflanzungen gelangen. Wenn es wahr ist, wie vielfach behauptet wird, daß nur eine geringe Zahl der neuen Einwanderer über wirklich größere Kapitalien verfügt, so wird es auch nur wenigen möglich sein, bereits in Ertrag befindliche Pflanzungen zu erwerben, oder selbst schon im kommenden Frühling mit Pflanzungen zu beginnen. Daher ist es klar, daß der Einfluß der neuen Ein- Wanderung auf die Vergrößerung der Pflanzungen nicht sehr bedeutend sein kann. Jedenfalls kann eine landwirtschaftliche Krise hierdurch nicht eintreten. Eine ganz andere Frage ist die, ob nicht durch die schon bisher angelegten Pflan 7.11 n g e 11 eine Krise in einigen Jahren heraufbeschworen wird, da, wie die ״Frankfurter Zeitung“ nach offenbar sachkundigen Quellen meldet, im laufenden Winter 41/2 Millionen Kisten Orangen, 1936/37 dagegen schon 11 Millionen zu erwarten sind. Diese Frage, die ja im wesentlichen von der Aufnahmefähigkeit Europas abhängt, steht aber nicht in Verbindung mit der diesjährigen Einwanderung, und ist zu kompliziert, um hier in Kürze erörtert werden zu können, Wenn also die großen Befürchtungen Sinilanskys mir nach dem Gesagten übertrieben zu sein scheinen, so sollte man doch versuchen, nach Möglichkeit die Stauung der Einwanderung in Tel-Awiw zu beschränken, und ich glaube, daß dies möglich ist, indem man, was ja auch von sachverständiger Seite in Palästina, besonders von H. Margulies, erstrebt wird, eine große Organisation durch Zusammenfassung aller hierfür in Betracht kommenden Institutionen schafft, um die Einwanderung teilweise nach Haifa ab/ulenkcn. Die von Dr. Landauer verfochtene Idee, seitens der Zionistischen Organisation oder der Jewish Agency eine große Organisation zu schaffen zum Ankauf bedeutender Ländereien behufs Parzellierung und Verkauf von kleinen Pflaimmgsparzellen zu normalen Preisen —- wozu ja die Palcstine Land Development Co. die schon vorhandene organisatorische Basis bieten würde —, ist zwar sehr begrüßenswert, doch bezweifle ich, daß vor Ueberwindung der Weltkrise die Gelder hierfür zu beschaffen sein werden. Aber auch, wenn sich die nötigen Fonds dafür auftreiben ließen, würden die Verhandlungen zum Erwerb der dazu nötigen großen Terrains sowie die Vermessung und Amelioration zweifellos soviel Zeit in Anspruch nehmen, daß das Unternehmen für die jetzige Einwanderungswelle nicht mehr in Betracht kommen kann. Auch kann es sich hierbei ja nur uni höchstens 1000 bis 2000 Kleinsiedler handeln, was nur eine Teillösung bedeuten würde. Immerhin sollte man diesen Gedanken energisch weiter verfolgen, um wenigstens für die Zukunft etwas besser gerüstet zu sein als heute. Keine übertriebenen Beiürchiungen! A Von Adolf Böhm (Wien). Nachdem' ich in Nr. 94 d. BI. auf die Gefahren hingewiesen hatte, die durch die derzeitige Bodenspekulation in Palästina entstehen, hat die ״J. R.“ einen Auszug aus einem kurz darauf erschienenen Artikel von Mosche Smilansky abgedruckt, in dem ausgeführt wird, daß sich in Palästina alle Zeichen einer Ueberspannung der Konjunktur zeigen und ein schwerer Rückschlag unausweichlich ist. Die Redaktion, daran anknüpfend, hat ihrerseits in sehr ernsten und beherzigenden Worten davor gewarnt, sich einer Boomstimmung hinzugeben und das Eingreifen der Exekutive der Jewish Agency verlangt. Da ich selbst ׳zu״ den׳ Warnern* gehöre •und immer gehört habe, ist es mir vielleicht erlaubt, bei allem Einverständnis mit dieser Haltung zu den derzeitigen Vorgängen in Palästina der Ansicht Ausdruck zu geben, daß Smilansky doch zu pessim ist i sch ist. Ich habe schon in dem erwähnten Artikel bemerkt, daß eine Krise, die das Ausmaß jener von 1925 haben könnte, nicht zu erwarten stellt und möchte angesichts übertriebencr Befürchtungen einige Gründe für diese meine Ansicht anfiihren. Es ist zwar unbedingt richtig, und von mir schon 1919 gegen die damaligen Pläne von Trietsch eingewendet worden, wenn Smilansky sagt, daß ohne primäre Aufbautätigkeit eine sekundäre nicht möglich ist, d. h. man kann nicht Wohnhäuser in unbegrenzter Zahl bauen, wenn nicht gleichzeitig ermöglicht wird, daß die erhofften Mieter auch Arbeit finden, um aus ihrem Gehalt oder Lohn die Mietpreise bezahlen zu können. Daß die Steigerung der Bodenpreise u^f damit der Mieten jedenfalls das Wohnen so verteuert, daß j?lte und neue Mieter, selbst wenn sie Verdienst haben, die gefederten Mieten nicht erschwingen können oder durch ihre Be!(ihlung in ihrer Konsumkraft geschwächt werden, so daß der Absatz der heimischen Produktion wie der 'Importhandel leiden, daß ferner ein Umschlag im Hausbau eintreten, die Werte von Grund und Gebäude sinken müssen, wodurch große Verluste entstehen, die Bauarbeiter brotlos werden würden u. a! m., hatte ich selbst schon ausgeführt. Trotzdem ist ein Vergleich mit 1925 in vollem Umfang nicht am Platze, weil die Lage des jüdischen Palästina heute eine ganz andere ist als damals, wie selbst ein flüchtiger Blick auf die Verhältnisse lehrt. 1. Ende 1924 zählte die jüdische Bevölkerung 104 300 Seelen. Die jüdische Einwanderung des Jahres 1925 betrug 33 800 Köpfe, davon 22 000 Unbemittelte, d. 11. nicht weniger als 20 ״» der damaligen jüdischen Bevölkerung. Gegenwärtig zählt diese nach offizieller Angabe (in Wirklichkeit ist die Ziffer höher) 185 000 Seelen. An Arbeiter- Zertifikaten sind vor kurzem 4500 bewilligt, aber nicht vollständig ausgegeben worden. Diese Ziffer beträgt 2(2 0,״ der jüdische!! Bevölkerungszahl. Von dem Wachstum der arabisehen Bevölkerung seit diesen sieben Jahren sei liier völlig abgesehen. (Es beträgt bei der seßhaften Bevölkerung von Ende 1924 bis Ende 1932 ca. 300 000 Seelen.) Was die besonderen Ziffern der Bautätigkeit in Tel-Awiw betrifft, so sind investiert «,Orden in Bauten: 1924 1925 1926 1927 1928 1929 1930 1931 Für 1932 liegen die Ziffern nicht ver, wohl aber die für 5692 (1. Okt. 1931 —30. Sept. 1932) 392 0(» Pfd. Das ist gewiß ein allzu rasches Anwachsen und erklärt die Bodenpreis- Steigerung, aber zusammengenommen ist von 1926 -1932, in sieben Jahren, noch nicht soviel in Bauten investiert worden wie allein im Jahre 1925, wo die Bevölkerung der Stadt 36 000 Köpfe ausmachte, indes sie inzwischen um ca. 40 ",0 gestiegen ist. 2. Die Krise 1925, obzwar vor allem verursacht durch das übermäßige Anscliwellerf von Einwanderung und Wohnbautätigkeit, verbunden mit einer uferlosen Bodenspekulation, wurde ausgelöst von einem plötzlichen Abreißen des Kapital nachschubs. Auch diesbezüglich ist die Situation heute eine vollkommen andere. In den Banken liegen Millionen Pfunde jüdischen Kapitals, die nach Verwertung streben und keine finden, trotzdem aber nicht rückwandern werden. Gewiß ist dies mit ein Grund dafür, daß Anlagewerte in Palästina, 408 000 Pfd. ״ 000 136 1 ״ 000 270 ״ 000 50 ״ 000 60 ״ 000 120 ״ 000 175 ״ 000 310 namentlich Boden, Liebhaberpreise erlangen, allein die Steuerung dieses Uehels wird von der mehr oder minder teuer bezahlten Erkenntnis ausgehen, daß bei Bewilligung so hoher Preise eine Rentabilität nicht möglich ist, es wird aber kein plötzlicher Sturz wegen Kapitalmangels eintreten, wie 1925. An dieser Stelle sei nachdrtickliehst auf ein Hauptmoni e n t der Widerstandskraft der jüdischen Wirtschaft itt Palästina hinge wiesen: Es gibt nur verschwindend weniglangf r i s t i g e Kredite 11ml deshalb ist eine Kreditkrise in der Art, wie sie in den meisten Ländern der Welt gewütet hat, in Palästina nicht möglich. 3. Die Qrsa c 11 e!1 d c r g e g e n w ä r t i g e n K o n j u 11 ktur in Palästina sind besonderer Art. (Siehe darüber D. Horowitz in Nr. 12 der Zeitschrift ״Palästina‘*.) Ein Haupttaktor ist die P f u 11 d e n t w e r t u n g. Diese hat sich für Industrie und Export sehr günstig ausgewirkt. Gleichzeitig sind durch den Sturz aller Warenpreise die Importe, die in Palästina eine große Rolle spielen, verbilligt worden. Die Lebenskosten haben sich daher trotz Entwertung des Pfundes aut -seines Goldstandards nicht erhöht: Der Lebenskostenindex, der nach Commercial Bulletin iin Durchschnitt betrug: (1922 - 100״״ 61,4 : 1930 (״;״, 1931: 55,3 ס״, war im September 1932: 55,1 ״'״. Nach den Erfahrungen in England zu schließen, ist eine schnelle Anpassung der Preise an die Goldparität nicht zu befürchten. 4. Keine Konjunktur ist möglich, die sich nicht aut reaie Unterlagen stützt. Erst die Uebertreibungen der Spekulation vernichten diese rationalen, kalkulationsmäßigen Grundlagen, in Palästina haben wir solche Unterlagen, die noch unerschüttert sind: die hauptsächlichste ist die R e ntabilität des Orangenbaus, die bis heute angehalten hat. In der abgelnufcneu Saison war der Export gegen das Vorjahr von (rund) 2,5 auf 3,6 Millionen Kisten gestiegen, also fast um 50 'ס י und die Ware fand trotzdem flotten Absatz zu sehr guten Preisen. ״Pardeß“ erzielte nach seinem jüngsten Bericht durchschnittlich 313 Mils ״am Baum“. Die Selbstkosten ״am Baum“ sind, je nachdem arabische, gemischte oder jüdische Arbeit verwendet wird — nach Smilansky (Boust’nai Nr. 31) —!47—180 Mil, so daß per Kiste durchschnittlich ein Gewinn von 150 Mil blieb; bei hundert Kisten, die per Dunatn in der Regel geerntet werden, sind das 15 Pfund. Das ist ein glänzendes Resultat, da ja heute mit Anlagekosten von 65—75 Pfund per Dunam gerechnet wird. Wenn auch die Marke ״Pardeß“ infolge guter Qualität besonders hohe Preise erzielte, so werden doch von Smilansky (״Boust’nai“ Nr. 25) für die vorige Saison 51/2 Schilling 275 Mils ״am Baum“ als Durchschnittserlös geschätzt, was noch immer eine Reineinnahme von 11 Pfund per Dunam ergibt. In Grapefruit waren die Ergebnisse noch viel besser. In dieser Saison wird der Erntezuwachs nicht so groß sein wie im Vorjahr, man rechnet mit 4 Millionen Kisten, das ist ein Plus von 11 0״, und auf ungestörte Placierung, aus Gründen, die hier nicht näher ausgeführt werden können. .,Ebenso hat sich der H a u s b a u ,bisher gut rentiert (siehe Goldberg: ״Möglichkeiten der Kapitalsanlage“ Tn' Heft 3 4 von ״Palästina“). Man rechnet bisher mit Verzinsungen von 8 bis 12 Auch hierin liegt eine starke Reserve. Wird es nicht möglich sein, die durch die Bodenspekulation hinaufgetriebenen Mieten — Smilansky spricht von Forderungen von 2—3 Pfund per Zimmer und Monat — hereinzubringen, dann werden sich eben die neugebauten Häuser niedriger verzinsen, ln keinen! Land der Welt gibt es so hohe Mietzinserträgnisse wie derzeit in Palästina. Wenn diese in Tel-Awiw selbst auf die Hälfte des heutigen Standes und darunter sinken würden, so wird das noch keinen Krach verursachen, da die hypothekarische Belastung nicht allzu hoch ist. Es ist sogar fraglich, ob das ein Aufhören der Bautätigkeit zur Folge haben würde, da ja das Kapital heule eine sichere Verzinsung von 4 °.o auf Immobiliarbesitz mit Freude akzeptiert. Zudem wirkt es heute noch als Anreiz, daß, abgesehen vom Bodenpreis, das Bauen, dem Sachwert nach, in Palästina infolge der Pfundentwertung viel billiger ist, als in Goldwährungsländern. Auch die I n d u s t r i e hat bis jetzt gut gearbeitet und sich ständig ausgedehnt. Die Fertigstellung des Rutlienberg-Werks, die Ausdehnung der Potashproduktion, die Gründung zahlreicher neuer Industrien, die Auswirkungen der so erfolgreichen Messe, der Zustrom kaufkräftiger Elemente, die flotte fnvestitionstätigkeit, all dies sind Momente für eine günstige Entwicklung der jüdischen Industrie. Jüdische und arabische Industrien produzieren Artikel um mehr als 4 Millionen Pfund pro Jahr, der Export war 1931 bloß 280 000 Pfund. Der heimische Konsum ist aber infolge Wachstums der Bevölkerung und der Neuanlagen iin Steigen. Die Fellachen, denen es heute infolge der Getreidepreiskrise schlecht gellt, haben nie Industrieartikel in nennenswertem Ausmaß konsumiert. 5. Die öffentlichen Finanzen befinden sich in einem geradezu glänzenden Zustand. Der Ueberschuß des Schatzamtes, der Ende März über 600 (»0 Pfund betrug, hat sich inzwischen um weitere zirka 200 000 Pfund vermehrt, was angesiehts des fast völligen Nachlasses der Agrarsteuern an die Fellachen, vor allem der erhöhten jüdischen Tätigkeit zuzuschreiben ist. Es sind also Reserven da, um im Notfälle, wenn etwa Arbeitslosigkeit unter den Juden in größerem Maße eintreten sollte, die in letzter Zeit gedrosselten Ausgaben füröftentliehe Arbeiten wieder zu erhöhen. Es ist kein Zweifel, daß der neue Oberkommissär eintrctendenfaües hinter Lord Plurner darin nicht zurückstehen würde. Die Handelsbilanz zeigt infolge der erhöhten Orangenausfuhr eine bedeutende Besserung, (m ersten Halbjahr verringerte sich das Passivum trotz einer Mehreinfuhr intolge erhöhter jüdischer Aufbautätigkeit von 330 000 Pfund undeinem erheblichen Rückgang im Export (mit Ausnahme der Zitrusfrüchte) um 300000 Pfund! Der erwähnte Rückgang der Ausfuhr in den letzten Monaten betraf vor allem Artikel der arabischen Wirtschaft, namentlich Waschseife, sowie Wasscrmelonen und andere agrarische Produkte. 6. Was die Unterbringung von Arbeitern be« trifft, so hat die JA 6570 Arbeitsplätze nachgewiesen gehabt und bloß 45(» Zertifikate erhalten. Lieber die Spezifikation des Nachweises ist keine nähere Mitteilung gemacht worden, aber den Ausführungen von H. Frumkin, Leiter des Arbeitsamtes der Histadruth, in ״Dawar“ (September 1923) ist zu entnehmen, daß jene Ziffer gut begründet war. Die Ausdehnung der Orangen- Pflanzungen, sowie die nun schon stark steigenden Ernten und deren Verkchrsbewegung erfordern neue Arbeiter in großer Zahl. Frumkin schätzte, daß Mitte 1933 nicht weniger als 12 bis 15 000 Arbeiter in den Zitruskolonien arbeiten werden, gegen 9500 im Herbst 1932. Ferner: Zum Arbeiterbedarf der stark ausgedehnten städtischen Bautätigkeit tritt der für öffentliche Arbeiten von Städten und. Regierung — wobei diese endlich Nei-