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Jüdische Rundschau · 1932-12-23 · Heft 102 (23.12.1932) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 102 (23.12.1932)
Date
1932-12-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 102, 23. XU 1932 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 501 Die Orangen-Saison in Palästina »3.?!»»ft•.•:.׳׳ י*׳■•!* . *ÄifÄ'fc;׳;«. ׳i ta®?! pÄ:‘ *x /■י: r.-tt■»• ׳ # ׳1 üWh«1t> f‘-w!r Ä«', ״ ־. .J&I V^SS«; 4*#!-.״ 5«' %- )*' ׳* ׳ “ ,;9» ■?tjfa ist bereits in vollem Gange, Allwöchentlich werden viele Tansende Kisten ins Ausland exportiert. Durch die in den letzten Jahren erfolgten Neupflanzungen hat sich die Orangenproduktion Palästinas vervielfacht. Sie steigt sprunghaft von Jahr zu Jahr. 1930 31 wurden 2 460 980 Kisten exportiert, 1931/32 3 631 541, in der laufenden Saison rechnet man mit über 4 Millionen Kisten. Die Jaffa-Orange ist eine in der ganzen Welt anerkannte erstklassige Qualilätsfrucht. Die Orangenproduktion ist der wichtigste Wirtschaftszweig Palästinas. Unsere Bilder zeigen einen jüdischen Arbeiter beim Ornngen-Pflücken und ein neues Packhaus für Orangen in einer jüdischen Pflanzungskolonie. Beschlösse der Vereinigten Arbeiterpartei Palästinas Die Jüdische Arbeiterpartei Palästinas hat bekanntlich Anfang November ihre zweite Konferenz abgehalten (s. ״Jüdische Rundschau“ Nr. 92), die jedoch den ganzen Stoff nicht bewältigte, so daß — ein immerhin ungewöhnlicher Vorgang — innerhalb kurzer Frist eine ״zweite Session“ derselben Konferenz angesetzt werden mußte. Diese zweite Session fand jetzt in Tcl-Awiw statt und war in der 1 Iauptsache der Diskussion über Ben G u r i 0 n s Referat, einer ״volkszionistischen“ Erweiterung der Arbeiterpartei und Gewinnung der Macht in der zionistischen Bewegung (s. Berieht unseres Korrespondenten in Nr. 94 der ״J. R.“) gewidmet, ln der Aussprache kam zum Ausdruck, daß im Hinblick auf die gegenwärtig in den verschiedenen zionistischen Gruppen Palästinas vor sich gehende Kräftc-Mobilisierung der Kampt um die Führerschaft auf dein bevorstehenden Zionisten-Kongreß ein sehr ernster sein wird, daß aber die zionistische Arbeiterschaft entschlossen ist, die Arbciteriront auf dem Kongreß zu einer ausschlaggebenden Kraft zu gestalten und ihre Bereitschaft darnitun, die Verantwortung für die zionistische Führung zu übernehmen. Die zionistischen Arbeiter-Organisationen der ganzen Welt wurden in einer Entschließung aufgefordert, alle ihre Kräfte für den kom-< menden Kongrcflwalilkampf zu mobilisieren. In einer weiteren Entschließung forderte die Konferenz eine Neuorganisation der zionistischen Bewegung in der Weise, daß in jeden! Lande eine einzige Vereinigte Zionistische Organisation besteht, die alle Schattierungen des Zionismus, wie Allgemeine Zionisten, Arbeiterpartei, Misracht u. a. m. umfaßt; eine solche Neuorganisation sei das beste!Mittel zur Konsolidierung der Kräfte des konstruktiven Zionismus. Es wurde eine Reihe Resolutionen über Kolonisation und Wirtschaftspolitik gefaßt, deren Kernstück die Entschließung ist, einen unabhängigen Arbciter-Kolonisations» fonds zu schaffen, der dem kooperativen Kolonisationsinstrument der Histadruth, ״MIR“, zur Verfügung stehen soll. NiR soll als eine Agentur der Arbeiterklasse für Angelegenheiten landwirtschaftlicher Siedlung fungieren und mit nationale!) und privaten Institutionen im Kolonisationswerk Zusammenarbeiten. Die Konferenz erließ einen Aufruf an alle jüdischen Arbeiter und an alle Freunde des palästinensischen Arbeiterwerks, Aktien des NIR zu zeichnen. In einer anderen Resolution werden alle Versuche, die nationalen Fonds zu diskreditieren und zu schwächen, scharf verurteilt. Ohne Keren Kajemeth und Keren Hajessod, heißt es in der Resolution, kann es keine Massen ein Wanderung und keine Siedlung geben. Die Konferenz protestierte gegen die jetzt in Palästina zunehmende Bodenspekulation, die dazu angetan sei, die Aussichten auf eine Einwanderung im großen Maßstabe zunichte zu machen. Der Keren Kajemeth, so schließt die Resolution, ist die einzige wirksame Sicherung gegen diese Gefahr. In einer weiteren Resolution verpflichtete sich die Arbeiterpartei, allen jüdischen Einwanderern, die sich eine produktive Existenz, sei es in der Landwirtschaft oder in der Industrie, begründen wollen, ihre Hilfe angedeihen zu lassen. Die Local Government BiH wurde von der Konferenz sehr eingehend behandelt und in einer Entschließung als eine reaktionäre Maßnahme, dazu angetan, Arbeiter und Frauen von Munizipalarbeit auszuschließen und die Munizipalautonomie auf Null zu reduzieren, zurückgewiesen Die Konferenz beschloß, allgemeines Wahlrecht in den Stadtverwaltung gen, das auf dem Proporz basiert, ferner Ausdehnung der Befugnisse der Munizipalverwaltungen und Einführung eines Systems progressiver Besteuerung zu fordern und für diese Forderungen einen Kampf zu führen. Aus Anlaß des 25. Jahrestages des Erscheinens der ersten hebräischen Arbeiterzeitung ״Hapoe! Hazair“ erließ die Konferenz einen Appell zur Schaffung eines Presse-Fonds zur Kräftigütig der Partei-Presse. Ein ״Bialik ~ Monat“ Zu Biallks 60. Geburtstag Am 10. Tebeth (8. Januar 1933) begeht Biaiik seinen 60. Geburtstag. Dieser Tag wird in der ganzen jüdischen Welt, soweit sie an der Bewegung des jüdischen Erwachens unserer Tage Anteil hat, gefeiert werden. Ist doch Bialik nicht nur der größte lebende hebräische Dichter, sondern auch eine Figur, in der sich die jüdische Renaissance-Bewegung geradezu verkörpert. Der 60. Geburtstag Bialiks ist daher für das jüdische Volk nicht nur eir! Anlaß persönlicher Ehrungen, sondern auch ein Tag des Erlebens stärkster Verbundenheit mit jüdischer Kultur und Literatur. An diesem Tag wird uns bewußt, was dieser Mann in einem mehr als 40jährigen Wirken für die hebräische Dichhing und das jüdische Volkstum geleistet hat. Der Verband der hebräischen Schriftsteller Palästinas teilt uns mit, daß er einen ״B i a 1 i k - M 0 n at“ proklamiert, der am 10. Tebeth beginnt und in allen Orten, wo Juden wohnen, feierlich begangen werden soll, ln dem Aufruf heißt es: ״Wir rufen das ganze Volk und seine Organisationen, seine Lehranstalten und Kulturvereine und sonstige jüdische Grupen allerorts auf, mit uns dieses Fest unserer Literatur zu egehen. Es soll kein jüdisches Haus geben, das nicht die vom Jubiläums - Komitee herausgegebenen Schriften, die dem Dichter als Festgabe überreicht werden, erwirbt. Der Ausschuß des Schriftstellerverbandes wird außer einer Jubiläumsnummer der Zeitschrift ״Mosna'im.*‘ ein großes literarisches Sammelbuch unter dem Namen ״Sefer Bialik“ herausgehen. In diesem Sammelbuch werden die bedeutendsten jüdischen Schriftsteller ausgewählte Arbeiten veröffentlichen. Außerdem gibt der Schriftstellerverband anläßlich des Bialik-Monats eine Marke zu Eimen des Dichters heraus. Der Schriftstellerverband ersucht alle Institutionen, welche das Bialik-Jubiläum begehen, ihm ihr Festprogramm mitzuteilen, und der Schriftstellerverband seinerseits ist bereit, allen Veranstaltern von Feiern mit Rat und Tat an die Hand zu gehen.“ Die Adresse des Schriftstellerverbandes ist: Agudath Sofrim, Tel-Awiw, P.O. B. 50. __׳ Der jüdische humanitäre Verein ״lubirea oameni“ (Menschenliebe), welcher in Jassy ein jüdisches Spital und zwei Ambulatorien erhält, veranstaltete am 18. Dezember einen Fall zugunsten seiner Wohlfahrtsfonds. Plötzlich drangen zahlreiche, mit Stöcken und Dolchen bewaffnete cuzistische Studenten in den Saal ein und begannen, auf die Teilnehmer der Veranstaltung einzusclilagen. Es entstand eine untreheure Panik. 40 Personen wurden verletzt, 15 wurden in das Hospital eingeliefert. Die Erregung über den Ueb-’rfaü ist in jüdischen und fortschrittlich gesinnten rumänischen Kreisen groß. Dr. S. Adler von der Universität Jerusalem wurde von der französischen Gesellschaft für tropische Medizin eingeladen, aus Anlaß des 25. Jahrestages der Gründung der Gesellschaft Anfang Februar 1933 eine Vorlesung im Pasteur-Jnstitut ia Pars to halten. 1וווו!וווווו1ווו!ווווווווו1וווו1ו1ווו1ווווווו!1וווווו1]1וווווו1!וח11ווו»ו1ווו»וווו1)1ו1וו1וווווו1וווווו1ווו1)ווו!1ו1ווווווווו1ווווו1ווווווווו1ווו111!ווווו»ווווו1וו!וו11וווווו!וו)11)11וווו»וו!!!ווווץ!וו!1)ו1ו1ווווווווו!ווווו!!1וווו1!1וווו!וווו!ו1וו!1ו!!ו!״ווווו1ו1ו1וווו1ו1וו1ווווו!ווווו1ווו!11ווווו!ווו1!וו!וו!ו!!ו!ו1וח» Aus der Gesdiichtsliterahir Von Professor Heinrich L o e w e. Während die historische Zeit, in der wir leben, literarischen Werken weniger günstig ist, scheint sie für geschiehtliehe Arbeiten trotz der materiellen Schwierigkeiten, die namentlich auch dem Verlagshuchhandel entgegenstehen, doch noch Verständnis entgegenzubringen, so daß m jüngster Zeit eine ganze Reihe von Werken jüdisch-geschichtlichen Inhalts erschienen sind, die beachtet werden müssen. Vor allein handelt es sich um literarische Kunstwerke, die auf Geschiehts- Studien beruhen. Das trifft aber nicht bloß auf diese Schöpfungen zu, die an der Grenze der Geschichtsdarstellung und der Kunst liegen. Dahin gehören Bücher, wie der neue historische Roman, in dem Lion F euchtwanger die Bücher des Josephus neu aufleben läßt, und die poetische Schau K a s t e i n s zum Sabbathai-Zwi-Drama. Vor allem hat die ״Jüdische Geschichte“, die Kastein herausgebracht hat, nicht bloß künstlerischen Wert, den sie freilich in hohem Maße in Anspruch nehmen darf, sondern weiß für die wirkliche Geschichte neue Farben zu finden, die das alte Gemälde in neuem leuchtenden und blutigen Lichte erscheinen lassen. Dann aber hat Elias Auerbach den Meistergrift getan. Er, der das Geburts- und Jugendland des jüdischen Volkes wohl am genauesten kennt, und am tiefsten erlebt hat, gibt jetzt den ersten Band einer neuen Geburts- und Jugendgeschichte des jüdischen Volkes, wobei der klare Himmel des Heimatlandes und der frische Atem palästinischen Lufthauches mit dem würzigen Duft seiner blühenden Gärten den Leser umfächelt (s. die ausführliche Würdigung in Nr. 78 der ״J. R.“ — A. d. Red.). Aber hier ist nicht bloß eine lebendige greifbare Erzählung der Geschichte gegeben, sondern überall neue ernsteste Forschung, die die neuesten Ergebnisse und Kenntnisse der orientalischen und jüdischen Forschung kennt und auswertet. Mit meisterhafter Kenntnis weiß er auch da Interesse zu erwecken, wo sogar der Leser seinen klar begründeten Abweichungen vom überlieferten Text nicht folgen will oder kann. Denn wenn auch Auerbach sich nicht scheut, den überlieferten Text nicht bloß zu unterpretieren, sondern auch, wo er es für gegeben erachtet, auf seine ursprüngliche Gestalt zuriiekführt, so ist doch die Besonnenheit, mit der er den Ueberlieferungen aus alter Zeit gegenübersteht, ebenso weit von einer gläubigen Hinnahme entfernt, wie von dem zerstörenden und auflösenden Svstem früherer Jahrzehnte. Vor allem hat Auerbach es verstanden, seinen kritischen Apparat, dem er dem Leser nicht vorenthält, nicht zum Zersprengen alter Pietät und sogar inniger Gläubigkeit zu benutzen, sondern als breite Quadersteine, um auf ihnen den neuen geschichtlichen Bau zu errichten, der sich bemüht, dem alten Geschehen möglichst nahezukommen. Bei aller Kritik bleibt sich der Verfasser bewußt, daß oft der unverständlich gewordene überlieferte Text eine bessere Konjektur ist, als die geistreichste Kombination. Nicht die Kritik ist hier die Hauptsache, sondern der lebendige Aufbau, der intuitiv in der Idee vollkommen vorhanden war und vom Autor mit hellen Augen gesehen wurde. Man kann daher das Buch wie einen großen Roman oder besser noch wie ein packendes Drama lesen, und empfindet nur eine einzige Lücke, daß nämlich der zweite Band des groß angelegten Werkes noch nicht vorliegt. Wer schließlich Freude an wirklich schön ausgestatteten Büchern hat, und wer es sonst bedauert, daß gerade jüdische Bücher oft das Unglück haben, sogar einen sehr würdigen Text in unwürdiger Form zu geben, der wird das Werk doppelt herzlich begrüßen, das jedem bibliophilen Vereine Freude und Ehre machen würde. So wie hier das älteste geschichtlich schart zu erfassende Bild jüdischen Volkslebens gegeben wird, so sind in den letzten Jahren auch der neueren Geschichte des Judentums eine Reihe von Darstellungen zuteil geworden, wenn sich diese auch noch nicht in einem Gesamtbilde vereinigt haben, außer vielleicht bei Kastein, der aber doch nicht in die Einzclforschung geht oder auch nur gehen will. Es soll hier gar nicht auf Werke hingewiesen werden, die in Amerika erschienen sind, auch nicht auf die namentlieh in Palästina und in Wilna verfaßten Arbeiten auf dem Gebiete hebräischer Renaissance und jiddischer Vergangenheit. Aber wer die in der Z ei tsc hri f t für Geschichte der Juden in Deutschland erscheinende regelmäßige Bibliographie dieses nicht umfangreichen, aber wichtigen Teilgebietes verfolgt, muß erkennen, welche reiche Fülle von kleinen, aber auch größeren Arbeiten auch diesem Gebiete jüdischer Geschichtsforschung zuteil wird. Dazu kommt, daß kaum ein polnisches historisches Werk erscheint, das nicht, wie das ganz natürlich ist, einen größeren Teil der Geschichte der Juden in Polen widmet. Das sind nicht immer objektive Betrachtungen. Aber das erwarten wir ja gar nicht. Wir sind schon zufrieden, wenn nicht Feindschaft historische Werdegänge völlig auf den Kopf stellt. Und wir sind seit Jahren in Deutschland ebenfalls so wenig verwöhnt, daß wir immer schon einen recht milden Maßstab an die Bilder von der jüdischen Geschichte anlegen, die von nichtjüdischer Seite gemalt werden. Sie erinnern gar zu oft an das Paradoxon; Nicht der Mörder, der Ermordete ist schuld! Daß aber auch jüdische Historiker auf diesen Gebieten forschen, ist um so wertvoller. Statt vieler Einzelheiten wollen wir nur auf den einen jüdischen Gelehrten hinweisen, der sich in erster Linie der objektiven Erforschung der jüdischen Geschichtsvorgänge in Polen widmet, auf Majer Bai ab an. Viel intensiver als auf dem Gebiete der jüdischen Geschichte in Deutschland wird auf einem — landschaftlich gesehen — Seitengebiete gearbeitet, das aber vom Standpunkte historischer Verbindungen aus von der Geschichte des deutsehen nicht zu trennen ist: das Judentum in der tschcchoslowakischen Republik. Auch von diesem Standpunkte will es gewertet sein, wenn die Gesellschaft für die Geschichte in der tscliechoslowakisehen Republik unter der bewährten Leitung von Professor Samuel Steinherz eine überaus wichtige Forschungstätigkeit eröffnet hat, die seit vier Jahren alljährlich, von anderen Publikationen abgesehen, ein ebenso stattliches wie inhaltlich überaus ,wertvolles Jahrbuch vorlegt. Es hat seit seinem ersten Erscheinen vor vier Jahren (1929) nicht bloß an Umfang und an der äußeren Erscheinung erheblich gewonnen, sondern man sieht eine Schule fleißiger und exakter Historiker in mühsamer Quellenarbeit das wertvolle Material aus Bibliotheken und Archiven herbeischaffen und sichten, um aus ihnen den Rohstoff herbeizuschaffen und Einzelteile zu zimmern, aus denen die Mauern des zukünftigen Geschichtsbaues errichtet werden sollen. Es ist hier nicht der Ort, um auf die zahlreichen wertvollen Einzelarbeiten hinzuweisen. Natürlich sind die Aufsätze nach ihrer Problemstellung und nach ihrer Behandlung weder gleichartig noch gleichwertig. Aber allein schon das kleine Beiheft, das dem dritten Jahrgange beigegeben war, und das vierzehn Pläne enthält, die als Illustration zu der Arbeit von Frantisek Roubik (in deutscher Bearbeitung von Anton Blaschka) über die Judensicdlungen in Böhmen auf den Ortsplänen vom Jahre 1727 erschienen sind, geben auch dem historischen Laien, der zugleich ein Freund geschichtlichen Werdens ist, ein lebendiges Bild von der Verlebendigung jüdischen Lebens aus früheren Jahrhunderten. Soeben kam ein viertes J ahrbuch heraus, das den bisher erschienenen nicht bloß würdig zur Seite steht, sondern bereits wieder einen erheblichen Fortschritt ihnen gegenüber bedeutet. Darin weist Bernhard Heilig der Wirtschaftsgeschichte in der tschechoslowakischen Republik neue Ziele und Wege. Daneben steht eine wichtige Publikation von Zdenka Münzer, in der er die Geschichte der berühmten Prager Aitneuschul von historischem und kunstgeschichtlichcm Standpunkte aus auf neue Grundlagen stellt und, ohne aber voreilige Schlüsse zu ziehen, zeigt, wie alt hier die Siedlung deutsch-böhmischer Juden ist. Daneben stehen eine ganze Reihe von anderen Veröffentlichungen aus den Archiven jüdischer Gemeinden und staatlicher wie städtischer Sammlungen, vereinigt mit lebendigen Darstellungen der Geschichte einzelner Gemeinden. Dieses neue, vornehm gedruckte Jahrbuch bedeutet in diesem Zusammenhänge ein großes Verdienst, das sich die Gesellschaft um die jüdische historische Arbeit erworben hat. An dieser Steile muß dem Bedauern Ausdruck verliehen werden, daß die Akademie für die Wissenschaft des Judentums in Berlin, die einen organisatorischen und wissenschaftlichen Fortschritt auch der historischen Arbeiten bedeutet, durch den schwer empfundenen Mangel an Mitteln, in ihrer Tätigkeit erheblich eingeschränkt ist. Hier Hegt eine Ehrenpflicht, vor allem der deutschen jüdischen Gemeinden vor, um das Werk von Gustav Bradt und anderen nicht Schaden leiden zu lassen. Immerhin darf man sagen, daß jüdische Geschiehtsforschung auch heute noch fortschreitet, wenn auch die maleriellen Schwierigkeiten, mit denen die Judenheit in allen Ländern kämpft, sich auch auf diesem Gebiete sehr stark geltend machen. Wenn man sich aber vergegenwärtigt, daß die Nation sich stets aus ihrer eigenen Geschichte erneuern muß, und daß national sein heißt, die eigene Geschichte organisch fortzusetzen und das neue Leben aus dem alten lebendig und doch im Sinne der Uebcrlieferung zu entwickeln, so gibt es neben der Volkskunde keine Wissenschaft, die so national wäre, wie die der Geschichte, und das um so mehr, je mehr sie sich mit Erfolg bemüht, ohne vorgefaßte Tendenz das geschichtliche Werden so objektiv darzustellen, wie der mcnschliehe Geist dazu imstande ist. Durch die Pflege der jüdischen Geschichte erfüllen wir eine im höchsten Maße jüdische nationale Pflicht. In der Serie hebräischer Ausgaben philosophischer Quellenschriften, die die Hebräische Universität Jerusalem herausgibt und über die wir bereits mehrfach berichtet haben, ist soeben als neues Bändchen die ״Metaphysik“ des Aristoteles i!1 einer Uebersctzung von Leon Roth, dem Professor der Philosophie an der Jerusalemer Universität, erschienen.

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