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Jüdische Rundschau · 1932-12-16 · Heft 100 (16.12.1932) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 100 (16.12.1932)
Date
1932-12-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 487 932 kt der jessodid der e. Die Wiirt- ׳ wertn u. a. et! Oestand- Schuld schätzt igerem ideren, id vernachert ischaft, 1g und Unsere Schulen agogen t'nöiig lestand ׳setz.eshaben, wieder indiffcne Anid antis gibt׳, as den unserer — als; guter ten mit t u m s illionen 11 ästin a n wird, 1, nicht inismus t i n a - er Kraft en litismus ein sagt lern die r selbst n. Der ent ums, luUiert, üdisehe ist eine kommt, •cli den jt. '•Vir ralisiert 1 Afrika und in ist' das 1 wollen 1 k e r\ ln. Als irdische de; und dlur.gen suchen, )liothek, rd, und mderem ewertet, Deshalb tnderem e n ern; und . Diese , für das 1s Erbe, hte ge- *ine Arig mehr 1 selbst würden, ■n, denn i s t i n a die he- Deshalb * Opfer- Finanzir wirkiien und , In Paal ist 1ני sermann;egrenzt. üionisteit len, daß aß trotz enheiten Einigf g a b e nalheims ui dieser vertritt, ,aiästinaie nichtn Zionisbendiges I bestimauch die 1 fruchtlen, daß liot lriat iw), die .*r Stadtt, jedem »gesandt Betrages Nr. 100, 16. Xn. 1932 Zu den Arbeitskonflikten in Palästina Der Kernpunkt Von Richard Lichtheim Die letzten Nummern der ״Jüdischen Rundschau“ enthalten eine Reihe von Artikeln und Zuschriften, die sich mit den Konflikten zwischen Unternehmern und Arbeitern in Palästina, Insbesondere aber auch mit den Kämpfen zwischen Histadruth und Revisionismus befassen. Es sei im Sinne der von der Redaktion der ״Jüd. Rundschau“ gewünschten Objektivität versucht, die Hauptpunkte herauszuschälen, auf die es nach revisionistischer Auffassung vor allem ankommt. t. Im Falle des Streiks in der Biskuitfabrik Frumin in Jerusalem muß auch die etwas gewundene Darstellung des Tel-Awiwer Korrespondenten der ,,Jiid. Rundschau“ zugeben, daß der unmittelbare A n i a ß zum Streik nicht eine Lohnfrage, sondern die Einstellung einer revisionistisehen Arbeiterin war. Ein aus solchem Anlaß herbeigeführter Streik mußte natürlich zur Folge haben, daß revisionistische Arbeiter sich der bestreikten Fabrik zur Verfügung stellten. Diese Arbeiter wurden dann von Angehörigen der Histadruth überfallen und verletzt. Der Sachverhalt ist zu einfach, um langer Kommentare zu bedürfen: Der Streik war — gleichgültig ob zuvor nocli aridere Konflikte bestanden — ein ״politischer“ in dem Sinne, daß die Histadruth die Ver- Wendung von Arbeitskräften zu verhindern suchte, die nicht der Histadruth, d. 11. einer politischen, im Rahmen der H. Internationale auf sozialistischer Basis organisierten Partei, angehören. 2. Damit sind wir beim Kernpunkt: Ist es zulässig oder nicht, daß die Histadruth (wie ja auch die in der ״Jüd. Rundschau“ veröffentlichten Berichte deutlich zeigen) nur solche Arbeitnehmer in Palästina dulden will, die ihr angeschlossen sind? Ben Gurion hat — wie in Nr. 9S der ״J. R.“ in Fettdruck mitgeteilt wurde — die Erklärung abgegeben, ״die Histadruth war immer bereit, gemischte Arbeitsnachweise errichten zu helfen, in denen Vertreter der Arbeitnehmer, der Arbeitgeber und der nationalen jüdischen Institutionen sitzen sollen“. Sehen wir von der Erörterung der Frage ab, ob die Histadruth wirklich ״immer“ hierzu bereit war, so bleibt die wichtigere Frage offen: Wer sind die ״Vertreter der A r b ei t n e h m e r“? Gemeint ist wiederum ausschließlich die Histadruth — und eben damit sind wir wieder beim Kernptiiikt des Konflikts. Genau ebenso steht es mit der Forderung der ״Linken“, es dürfte nur ״organisierte Arbeit“' verwendet werden, weil von ״unorganisierter“ zu ״billiger“ (arabischer) Arbeit nur ein Schritt sei. Wiederum verbirgt sich hinter dem Ausdruck ״organisierter“ Arbeit das Verlangen, daß die in Palästina zur Arbeit zuzulassenden Arbeitnehmer in der Histadruth organisiert sein müßten. 3. Dies ist der Kernpunkt: Es handelt sich um den An- Spruch der Histadruth, daß alle Arbeitnehmer in Palästina ihr angeschlossen sein müssen, wenn sie Arbeit erhalten wollen. Dieser Anspruch aber kann nicht gerechtfertigt werden, solange es im jüdischen Volke Arbeiter gibt, die aus achtbaren Gründen der Histadruth nicht beitreten können und wollen. Wäre die Histadruth eine unpolitische Vereinigung von Arbeitnehmern oder die Zusammenfassung von Gewerkschaften verschiedener Richtung, so dürfte auch darin auf den einzelnen Arbeiter kein unbilliger Druck ausgeiibt werden, dieser gewerkschaftlichen Organisation beizutreteii. Immerhin würde sich dann wahrscheinlich sehr rasch in der Praxis die Einigung aller oder fast aller Arbeiter im gewerkschaftlichen Rah■ inen vollziehen. In den wirtschaftlichen Fragen, in Lohn- und Tarifangelegenheiten haben die jüdischen Arbeiter aller Riehtungen im Grunde dieselben Wünsche und Interessen. Auch die revisionistischen Arbeiter würden sich — als eigene Gewerkschaft oder durch individuellen Beitritt — an einer wirklich überparteilichen echten Arbeiterorganisation gern beteiligen und würden wieder als ״Lohndrücker“ noch als ״Streikbrecher“ die gemeinsamen Interessen der Arbeiterschaft verraten. Dieser — im Interesse der Arbeiter wünschenswerte Zustand wird aber solange unerreichbar sein, als die Histadruth in ihrer jetzigen Gestalt und mit ihrem jetzigen Programm den Anspruch erhebt, als ״die“ Repräsentanz der Arbeiterschaft zu gelten. Was würde in Deutschland geschehen, wenn die sozialdemokratischen Gewerkschaften durch Streik, Boykott und Gewalttat erzwingen wollten, daß nur ihre Mitglieder in Deutsch- Land Arbeit fänden? Müssen alle Menschen Hungers sterben, die sich nicht auf das Programm der il. Internationale verpflichten wollen? Darf es in Deutschland keine christlichen oder deutschnationalen Angestellten und Arbeiter geben? Dies ist die Forderung, die von der Histadruth für Palästina erhoben wird. Dieser Forderung tritt heute der Revisionismus im aktiven Kampfe entgegen, nicht um Arbeiter zum Streikbruch und Lohndruck zu erziehen, sondern um die völlig ungerechtfertigte Vormachtstellung der Histadruth zu beseitigen, die keine neutrale Gewerkschaft, sondern eine politische Partei ist — eine Partei, die ihre Mitglieder auf das sozialistische Programm verpflichtet, eine Kongreßpartei zugleich, die den Weizmannismus gebilligt und gestützt hat, eine Partei, die sich in entscheidender! Fragen (Araberfragc) in deutlichem Gegensatz zu anderen zionistischen Parteien befindet. 4. Die Zionisten können und sollen nicht zulassen, daß in Palästina die Gewaltherrschaft einer ausgesprochen politisehen Arbeiterpartei errichtet wird, die jeden Menschen aus dem Arbeitsprozeß herauswerfen will, der sich nicht auf das Programm dieser Partei verpflichtet und nicht durch ihre Vermittlung Arbeit sucht. — Das ist der Kernpunkt. Redakteur 1. Klinow war in Lemberg Zeuge der letzten j 11 den feindlichen Ausschreitungen. Die Berliner Zionistische Vereinigung beabsichtigt, Herrn Klinow in mehreren ihrer Bezirksgruppen sprechen zu lassen. Die erste dieser Veranstaltungen ist am Montag, dem 19. Dezember, 20.45 Uhr pünktlich in der Gruppe Hansaplatz, in der Städtischen Filmschule, Lcvetzowstr. 12 (Hörsaal I pt. Zimmer 128) über ״Judennot in aller Welt (Was lehren uns die Pogrome in Polen)“. Wir machen auf diese Veranstaltungen besonders aufmerksam und bitten alle Zionisten, zu diesen Vortragsabenden möglichst viejLQäste piitzubringen. Nochmals: Revisionisten nnd Histadruth Die Materie, in die der zionistische Leser durch die Beschältigung mit den Arbeitskonflikten in Palästina versetzt wird, ist eine ziemlich komplizierte, und sie wird noch dadurch besonders schwierig, daß jede Partei ihre Darstellung als ״objektive“ hinzustellen bestrebt ist. Gewiß hat jede der interessierten Gruppen das Recht, ihren Standpunkt zu vertreten und dafür zu werben. Aber es liegt im allgemeinen Interesse, herauszuschälen, welches der sachliche ״Kernpunkt“ des Konflikts sei. Nach unseren Informationen ist Lichtheims Darstellung irrig. Die Histadruth bestreitet sowohl in ihren Erklärungen, als auch z. B. in dem an die ״Jüdische Rundschau“ gerichteten (in Nr. 98 abgedruckten) Briefe, daß sie auf dem Standpunkt steht, nur Mitglieder der Histadruth hätten ein Recht auf Arbeit in Palästina. Die Histadruth vertritt vielmehr seit Jahren die Forderung einer proportionalen Berücksichtigung aller Arbeiter-Organisationen und hat diesen Grundsatz trotz aller sonstigen politischen oder weitanschaulichen Differenzen gegenüber dem Hapoel Hamisrachi, der Jcmeniten-Organisation usw. angewandt. Die Zuschrift in Nr. 98 erwähnt ausdrücklich, daß z. B, in Tei-Awiw unter Mit- Wirkung der Stadtverwaltung ein derartiges Abkommen zustände gekommen ist. Was die Histadruth den Revisionisten vorwirft, ist nicht, daß revisionistisch gesinnte Arbeiter in gleicher Weise wie andere Arbeiter Arbeit suchen, sondem etwas ganz anderes, nämlich folgendes: Gewisse Unternehmergruppen, wie die Kolonisten, manche Industrielle, Fabrikanten usw. haben ein Interesse daran, die Macht der Histadruth zu brechen, um bei der Auswahl der Arbeiter und der Lohnpolitik freie Hand zu haben, ohne daß eine Vertretung der Arbeiterschaft sich einmischen kann. Es handelt sich hier primär nicht um einen politischen, sondern um einen rein wirtschaftlichen, bzw. sozialen Konflikt. Diese Unternelimerkreise werden von der revisionistischen Partei ideologisch und propagandistisch unterstützt, teils aus klassenkämpferischen Gründen, teils aus innerpolitisehen Gründen, weil die Revisionisten durch Bekämpfung der Histadruth die Arbeiterpartei treffen wollen. Wenn nun von der Partei, die zugestandenermaßen diesen Kampf führt, gleichzeitig Arbeitergruppen gebildet werden, die den Unternehmern den Kampf gegen die die große Mehrheit aller Arbeiter umfassende Gewerkschaft erleichtern, so handelt es sich hier offenkundig um einen Konflikt, bei dem die sozialen Errungenschaften der Arbeiterschaft gefährdet werden. Daraus ist die Gegnerschaft der Histadruth zu verstehen, ungeachtet des Umstandes, daß — worauf uns Ing. Lubotzky in einer Zu- Schrift hinweist — die revisionistischen Arbeiter in einem ״Irgun Ovde Hazohar u Betar“ organisiert sind, der als solcher von der revisionistischen Organisation unabhängig sei, so daß es sich (nach Ing. Lubotzky) nicht um ״unorganisierte Streikbrccher“ handle, sondern um den ״Kampf um die Anerkennung der revisionistischen Arbeiterorganisation seitens der Histadruth“. Der ״Kernpunkt“ ist folgender: Es besteht ein öffentliches Interesse an einer geordneten Verteilung der Arbeit, insbesondere in einem Land, das Arbeiter-Einwanderer aufzunehmen hat. Für diese Arbeitsvermittlung gibt es bisher nur e i n geeignetes Organ, nämlich die von der Histadruth geschaffenen Arbeitsämter, die keineswegs nur Mitgliedern der Histadruth Arbeit vermitteln, sondern allen gemeldeten Arbeitern nach dem Turnus. Wenn die revisionistischen Arbeiter sich aus dieser Liste ausschließen und sich — gerade als Spaltpilz gegen die Histadruth — in besonders gutes Einvernehmen zu den Unternehmern setzen, so liegt hier der Keim zu einer Methode, die das umgekehrte von dem bewirken könnte, was Herr Lichtheim befürchtet: daß nämlich die revisionistisehen Arbeiter bei der Arbeitsverteilung in einem ungebührliehen Maße bevorzugt würden. Der Londoner ״Haolam“ schrieb kürzlich über diese Sache: ״Es ist unzulässig, z. B. einem Bauunternehmer in Tei-Awiw die Möglichkeit zu geben, daß er aus politischen Gründen bei seinen Bauten nur revisionistische Arbeiter beschäftigt, während unter den 907 eingetragenen Bauarbeitern Tel-Awiws nur 39 revisionistisch sind. Hier müßte ein Verteilungsschlüssel zwischen den einzelnen Verbänden geschaffen werden, wie es in dem Arbeitsbüro der Stadtverwaltung Tei-Awiw geschehen ist, nur daß er nicht eingehalten wurde — und zwar nicht durch die Schuld der Histadruth.“ Das Arbeitsamt ist eine ״Machtposition“, mit der wichtige Forderungen der Arbeiterschaft durchgesetzt werden können, wenn seine Geltung allgemein anerkannt wird. Die Forderungen, die au! solche Weise geltend gemacht werden, sind sozialer Natur, vor allem Tarifverträge. Es ist noch nie bekannt geworden, daß die Arbeitsämter eine Innerpolitische Forderung vertreten oder gar durchgesetzt hätten. In einem Lande wie Palästina, in dem es (mit der kleinen Ausnähme des Unfali-Entschädigungs-Gesetzes) keine Spur einer sozialen Gesetzgebung und bei den Kommunen keine Spur freiwilliger sozialer Regulierung gibt, ist der Kampf für die allgemeine Anerkennung der Arbeitsämter das einzige Mittel zur Sicherung sozialer Forderungen. Dazu kommt noch, daß die Histadruth in Krisenzeiten die Last der Arbeitslosigkeit zu tragen hat, und die großen sozialen und zionistischen Gefahren eines solchen Zustandes nur dann wirksam bekämpfen kann, wenn ein anerkanntes In strument der Arbeitsverteilung vorhanden ist. Die überaus erwünschte Neutralisierung der Arbeitsämter würde auch die Schaffung von sozialpolitischen Garantien erfordern. Aus dem vorstehenden ist auch zu verstehen, wanim die Histadruth-Arbeiter gegen die ohne Vermittlung des Arbeits anites erfolgte Einstellung der revisionistischen Arbeiterin bei Frumin protestiert haben. Daß cs sich hier nicht um einen Existenzkampf ״revisionistischer Arbeiter“, die es ja nur in ver schwindender Zahl gibt, handelt, geht schon daraus hervor, daß die übrigen ״unorganisierten“ Arbeiter auch nicht revisionistisch organisiert sind, sondern meist aus orientalischen Juden bestehen, die von den Revisionisten angeworben wurden, um den Kampf gegen die Histadruth führen zu können. Aus diesem Grund, weil es sich um ein Glied in dem Feldzug der Revisionisten handelt, den Unternehmern die Ausschaltung des Ar beitsamtes zu ermöglichen, verlangt die Histadruth die Entlassung der revisionistischen Arbeiterin. Man wird auch als Zionist in dieser Sache Partei ergreifen je nach dem man die Durchsetzung sozialer Forderungen von Arbeitern billigt oder nicht billigt. Revisionistische Führer und auch nichtrevisionistische Allgemeine Zionisten haben oft genug dargelegt, daß sie in diesen sozialen Fordeningen eine Erschwe rung des nationalen Aufbaus sehen. Andere Zionisten sind der Ansicht, daß nur durch eine anerkannte Organisierung der Arbeiterschaft der nationale Aufbau gesichert und vor Kata Strophen bewahrt werden kann. Wie immer man Partei nimmt man sollte nicht zu verwischen versuchen, daß der Kern punkt und Ausgangspunkt des Kampfes ein sozialer nämlich der Gegensatz von Unternehmer- und Arbeiterinteressen ist. Daß nachträglich auch politische Momente in die Diskussion und Kämpfe hineinverwoben wurden, ist ja in allen derartigen Fällen unvermeidlich. Für jüdisch-arabische Verständigung Ein Memorandum Kclvariiky'i Chaim M. K a I v a r i s k y , der durch seine Bemühungen um eine jüdisch-arabische Verständigung bekannte jüdische Poli• tiker Palästinas, der auch früher eine Zeitlang Leiter einet Büros für arabische Fragen bei der Exekutive in’Jerusalem ge• wesen ist, sendet uns ein Memorandum, in weichem ein« Plattform für eine arabisch-jüdische Verständigung vorgeschla• gen wird. Dieses Programm ist vor einigen Monaten in eitiei arabischen Zeitung veröffentlicht worden, und daraufhin sind dem Verfasser eine Reihe von Anfragen zugegangen, oh das Dokument authentisch sei, ob er die Veröffentlichung veran• laßt habe und schließlich, wie sich die offiziellen jüdischen Stellen zu diesen Vorschlägen beziehen. Daraufhin teilt Kaiva• risky nun in einer an die Redaktion der ״Jüdischen Rund■ schau“ (und offenbar auch an andere zionistische Zeitungen) ge• richteten Zuschrift folgendes mit: 1״. Der Inhalt des in der arabischen Presse veröffentlichten Dokumentes ist a 11111 e n t i s c 11. Es handelt sich um ein Me• morandum, das ich auf Bitten einiger meiner a r a b i scher Freunde ausgearbeitet und einem einflußreichen Kreise von Arabern als meinen persönlichen Vorschlag interbrcitet habe. Dies geschah Anfang August 1930 nach der Rückkehr der Araber-Delegation aus London. 2. Keine andere Persönlichkeit und keine offizielle Stelle hat mich zu diesem Schritt bevollmächtigt. Ich habe alles lediglich auf meine eigene Verantwortung getan, und nach meiner Meinung liegt darin die ״Schwäche“ des Dokumentes. Denn aus diesem Grunde hatte das Memorandum in den arahisehen Kreisen kein besonderes Gewicht, da diese die Stellung der offiziellen Stellen in dieser Sache wissen wollen. 3. Einen ähnlichen Schritt habe ich bereits im Jahre 1920 gemacht, als arabische Delegierte aus Palästina an der Errichtung des syrischen Königreiches des Königs Feisai in Damaskus teilnahmen und mich um ein Gutachten über Wesen und Forderungen des Zionismus und um meine Meinung über die Möglichkeiten einer jüdisch-arabischen Verständigung baten. 4. Das Dokument wurde nicht von mir veröffentlicht. Hätte man mich gefragt, hätte ich mich entschieden gegen die Veröffentlichung ausgesprochen. Ich halte diesen Weg der Publizität nicht für eine richtige Einleitung von Ver- Handlungen. Da aber die arabische Presse ohne mein Zutun das Memorandum veröffentlicht hat, so sehe ich keinen Grund, es der jüdischen Öffentlichkeit vorzuenthaltcn. Diese hat nun darüber zu urteilen. Ich möchte noch hinzufügen, daß nach meiner Meinung meine Vorschläge keineswegs ein definitives Programm darstellen. Sie sollen nur eine Basis für Ver- Handlungen sein, die von den beteiligten Kreisen mit Aufrichtigkeit und in Erkenntnis der Wirkiiclikkeit geführt werden sollen.“ Wir geben nun den Inhalt des Memorandums in gekürzter Form wieder, ln dem Memorandum wird ausgeführt: a) Da Juden und Araber ein und derselben Rasse angehören, kann die Neubelebung der einen Rasse keineswegs der anderen schaden, sondern nur beiden Rassen nützen; b) Das Ideal der Araber: arabischer Staatenbund, und das Ideal der Juden: Jüdisches Nationalheim in Palästina, widerstreben einander nicht. Wird ein arabischer Staatenbund gegründet, so wird ihm Palästina als Mitglied beitreten, vorausgesetzt, daß die Rechte der Juden innerhalb des Staatenbundes gesichert sind. Kalvarisky schlägt eine arabisch -jüdische Aliianz auf folgender Basis vor: 1. Die beiden Völker, Araber und Juden, verpflichten sich, einander ln allen Zweigen menschlicher Tätigkeit, auf wlrtschädlichem, sozialem und geistigem Gebiete, zu helfen. 2. Die Araber begrüßen die in den Orient zurückkehrenden Juden und öffnen vorbehaltlos ihre Länder jüdischer Elnwanderung- 3. Die Juden Ihrerseits verpflichten sich, den semitischen Orient mit Hilfe ihres Kapitals, Ihrer Energie und ihrer Kenntnlsse so zu entwickeln, daß er einer großen Zukunft entgegengeht. 4. In allen Ländern des semitischen Ostens, in denen Juden leben werden, werden sie die gleichen Rechte genießen, wie sie laut internationalen Verträgen den nationalen Minderheiten in zivilisierten Ländern, wie Tschechoslowakei usw. zustehen. 5. Palästina wird ein autonomer Staat mit eigener Verfassung, laut der das Land beiden Völkern in einem gleichen Grade gehört, ohne Rücksicht darauf, welches der Völker die Mehrheit oder die Minderheit der Gesamtbevölkerung bildet; diese Regelung gilt für alle Zeiten. 6. Die hebräische und die arabische Sprache sind in Palästina gleichberechtigt; arabische und hebräische Kultur entwickeln sich harmonisch nebeneinander. 7. Die Juden proklamieren den Grundsatz, daß sie nicht eineVorherrschaftln Palästina und nicht die Verletzung der Rechte anderer erstreben, aber auch wünschen, daß auch sie nicht beherrscht und daß ihre Rechte nicht verletzt werden. 8. Die Juden verpflichten sich, den arabischen Fellachen nicht zu schädigen und die Rechte des arabischen Arbeiters nicht zu verletzen; mehr noch, sie versuchen mittels ihrer ausgedehnten zivilisatorischen Arbeit und des von ihnen einge- Führten Kapitals die Position der arabischen Fellachen zu verbessern und dem arabischen Arbeiter mehr Arbeit als bisher zu verschaffen. 9. Die Juden widersetzen sich nicht den nationalen Aspirationen der Araber. Wird ein arabischer Staatenbund ganz oder auch nur teilweise gegründet, so tritt Palästina ihm bei. 10. Kalvarisky weist aut die Nachteile der Schaffung eines Legislative Council in Palästina hin, versichert aber, daß die Juden sich der Schaffung eines Legislative Council nicht widersetzen, wenn sie Garantien dafür bekommen, daß die Araber diese Institution nicht zur Schädigung der Juden und zur Störung des Aufbaus des Jüdischen Nationalhcims benutzen werden. Palästina-Broschüren. Das Hauptbüro des Keren Hajessod (Jerusalem) hat soeben zwei neue Broschüren in dcutscher Sprache herausgegeben ״Das jüdische Dorf“ und ״Die jüdische Stad t“. Beide Broschüren sind mit sehr schönen Bildern ausgestattet. Die erste gibt ein eindrucksvolles Bild vom Wachstum des jüdischen Dorfes, der allmählichen Höherentwicklung der jüdischen Landwirtschaft und der Entstehung einer neuen jüdischen Bauerngeneration; den verbindenden Text hat sehr sachkundig Agronom S. Zemach geschrieben. ״Die jüdische Stadt“ ist selbstverständlich Tei-Awiw. Hier hat ö. Hanoch geschickt alles Wissenswerte über die ungewöhnlich schnelle Entwicklung der Stadt und ihre jetzige Struktur, ihre wirtschaftlichen Unternehmungen und kulturellen Institutionen usw. zusammengestelit. Die schönen Bilder zeigen alle Seiten des Tel-Awiwer Lebens, vom Karneval und Strand bis zu der Arbeit in den Fabriken. Auch Kennern Palästinas werden die beiden schönen Broschüren Freude machen, für Unkundige werden sie geradezu eine neue Welt erschließen,

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