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Jüdische Rundschau · 1932-12-09 · Heft 98 (9.12.1932) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 98 (9.12.1932)
Date
1932-12-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 478 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 98, 9. XU. 1932 Die Eroberung der Wiener Kultusgemeinde (Von unserem w, st Korrespondenten.) Wien, Anfang Dezember 1932. Der überwältigende Erfolg der Zionisten im Kampf um die Wiener Kultusgemeinde bedeutet den endlichen Sieg in einem nunmehr 35 Jahre dauernden Ringen. Bei den Wahlen des Jahres 1928 hatten die in der ״Union deutschösterreichischer Juden“ organisierten Liberalen immerhin noch die Hälfte der Mandate behauptet, wozu noch die drei ״Werktätigen“ (Sozialdemokraten) kamen, die sich gleichfalls zur Assimilation bekannten, so daß die Zionisten nur 15 von den 36 Mandaten besaßen, wogegen seit dem 4. Dezember das Zahlen Verhältnis sich gerade umkehrte, indem jetzt 15 ״Nichtnationale“ 21 Zionisten gegenüberstehen. Schon der Name ״Nichtnationale“ kennzeichnet das rein Negative dieses unnatürlichen Wahlbündnisses zwischen den alten Liberalen, den Vertretern der Bourgeoisie, unter welchen noch immer ein Mitglied des Bank-, hauses Rothschild figuriert, und den ״Werktätigen“, für die sogar ein einstiger Kommunist an sicherer Stelle kandidierte. Die ״Union“ hatte von diesem mehr als seltsamen Wahlbündnis eine offizielle oder mindestens offiziöse Beeinflussung der sozialdemokratischen Juden durch die sozialdemokratische Parteileitung erhofft. Eine zweimalige, ganz eindeutige Erklärung dieser Parteileitung in der ״Arbeiterzeitung“, daß sie in keiner Weise zu den Kultuswahlen Stellung nehme, zerstörte zwar diese Hoffnungen, konnte aber begreiflicherweise die zahlreichen verärgerten bürgerlichen Wähler nicht mehr in das Lager der Union zurückbringeu. Zu diesem Schritt mag sich die sozialdemokratische Parteileitung, deren jüdische Mitglieder sonst gern assimilatorischen Tendenzen huldigen, nicht nur mit Rücksicht aut die sozialistische Liste (Poale Zion—Hitachduth), sondern vor allem im Hinblick auf drohende Nationalratswahlen entschlossen haben. Zweifellos beweist das überraschend starke Anwachsen der poalezionistischcn Wählerzahl, daß die sozialistisch eingestellten Juden die Richtigkeit eines offen jüdischen Sozialismus anstatt des assimilatorischen zu erkennen beginnen, sicherlich eines der am meisten erfreulichen Resultate dieses Wahlkampfes. Der peinliche Anblick eines zionistischen Bruderkampfes drohte allerdings lange die Chancen Her ״Nichtnationalen״ zu verbessern. ״Allgemeine Zionisten“ und ״Revisionisten“ hatten sich zwar auf Initiative des ״Herzl- Klubs“ dank der Vermittlertätigkeit des Gg. Obering. Otto Krasny auf ein gemeinsames Wahlprogramm und eine enge Wahlgemeinschaft geeinigt, die nach den Wahlen zur Bildung eines zionistischen Klubs in der Kultusstube führen sollte. Aber die numerisch kleine Gruppe der ״Radikalen Zionisten“ unter der Führung Dr, Plaschkes und Dr. Israel Wald mann war für ein Zusammengehen nicht zu haben, da sie in Form und Inhalt unannehmbare Bedingungen stellte, so daß es nicht einmal zu einer Koppelung mit der ״Zionistischen Liste“ kam, während eine solche mit der ״misrachistischen“ und sogenannten ״unpolitischen Liste“, deren Listenführer Dr. Leo Landau schon in der vergangenen Funktionsperiode immer mit den Zionisten gegangen war, zustandekam. Die ״Radikalen Zionisten“ haben zwar eine zahlenmäßige, immerhin ganz ansehnliche Stirnmenzahl aufgebracht, konnten aber doch nur das* Mandat ihres Listenführers gewinnen. Drei Listen, darunter die des noch aus Herzls Zeit bekannten Dr. Saul Rafael Landau, des einstigen Herausgebers der dem Zionismus feindlichen ״Neuen National- Zeitung“, konnten nur Bruchteile der Wahlzahl aufbringen. Der Erfolg der Zionisten ist noch deutlicher, wenn man bedenkt, daß bei der für Wien sehr starken Wahlbeteiligung von über 50״/« der Wähler auf die Zionisten 14 500 von den 26000 abgegebenen Stimmen entfielen, so daß die Stellung der Zionisten durchaus gefestigt ist. Die Gruppierung der Zionisten in der Kultus Stube zeichnet sich bereits ab, da die Allgemeinen Zionisten und die Revisionisten einen Klub bilden werden, mit dem auch der misrachistische Mandatar und Dr. Leo Landau in engster Gemeinschaft bleiben wollen, und in zionistischen und nationalen Angelegenheiten auch die ״Sozialistischen Juden“ (״Poale Zion—Hitachduth“) mit ihnen koopieren werden, so daß die zionistische Mehrheit gesichert ist, wozu sicherlich auch in allen wesentlichen Fragen Dr. Plaschkes kommt, der eine Sonderpolitik nicht machen kann und wohl auch nicht will. Daher wird schon die Frage der Wahl des Präsidenten der Wiener Gemeinde lediglich eine innerzionistische Angelegenheit sein. Dann aber werden alle die Aufgaben zu bewältigen sein, die das zionistische Programm in den 35 Jahren des Kampfes ausgemacht haben: die Umwandlung der Kultusgemeinde in eine ״Volksgemeinde“, die via facti dadurch vorbereitet ist, daß schon die bisherige Gemeindeführung politische Aufgaben, z. B. Interventionen bei den staatlichen Behörden, durchgeführt hat; die Reform der jüdischen Erziehung, darunter vor allem die Uebernahme des Chajes-Realgymnasiuras, dessen Direktor Dr. Viktor Kellner seit Jahren einen wahrhaft heroischen Kampf um die Existenz der Schule führt, durch die Gemeinde; die Sorge um die kulturelle und materielle Zukunft der Jugend; der Kampf gegen die fortschreitende Proletarisierun g der Wiener Judenschaft und schließlich die Durchführung des Allgemeinen Wahlrechtes als Voraussetzung jedes wirklich demokratischen Gemeindclebens. Der Verwirklichung dieser Forderung wird freilich nicht mir die finanzielle Lage der Gemeinde Schwierigkeiten bereiten, sondern vor allem der Widerstand der ״Nichtnationalen“, die schon während des Wahlkampfes das Gespenst des Austritts der wohlhabenden Juden aus der Gemeinde an die Wand gemalt und auch schon unmittelbar nach der Wahl diese Drohung wiederholt haben, falls die Zionisten politische und finanzielle Experimente wagen sollten. Es unterliegt keinem Zweifel, daß ungeachtet aller dieser Drohungen mit wesentlichen zionistischen Postulaten Ernst gemacht werden kann, da die bisherigen Führer der zionistisehen Mandatare in der Gemeinde, Dr. Desider F r i c d m a n n und Dr. Josef Löwen herz, das Vertrauen nicht nur _rier zionistischen Wählerschaft zu erwerben verstanden. Die Zionisten Wiens verfügen über eine ganze Anzahl von Fachleuten auf allen Gebieten der Verwaltung. Vor allem aber werden die Mandatare der Gemeinde getragen sein vom Enthusiasmus und von dem Bewußtsein ihrer Wähler, daß die Arbeit an dieser jüdischen Großgemeinde eine wichtige Etappe atif dem Wege zur Erneuerung des Gesarntjudentums ist * Jas endgültige Wahlergebnis Das Ergebnis der am Sonntag, dem 4. Dezember, durchgeführten Wahlen in die Vorsteherschaft der israelitischen Kultusgemeinde (s. vorige Nummer) liegt nun vor. Abgegeben wurden insgesamt 26 159 Stimmen; etwas mehr als die Hälfte aller Stimmberechtigten. Davon erhielten: 1. Gemeinsame Liste der ״Union österreichischer Juden“ und der ״Werktätigen Juden“ 10 194 Stimmen und 15 Mandate; 2. Zionistische Liste (Allgemeine Zionisten und Rcvisionisten) 8934 Stimmen und 14 Mandate; 3. Poale Zion- Hitachduth 2859 Stimmen und 4 Mandate; 4. Radikale Zionisten 1331 Stimmen und 1 Mandat; 5. Misrachi 837 Stimmen und 1 Mandat; 6. Unpolitische Zionisten 1011־ Stimmen und 1 Mandat. Von den 15 Mandaten der Liste 1 erhalten die Union 10 und die ״Werktätigen“ 5 Mandate. Von den 14 Mandaten der Liste 2 erhalten die Allgemeinen Zionisten 10, die Revisionisten 4 Mandate. Im neuen Vorstand stehen den 21 Zionisten 15 Angehörige der Union und der Werktätigen Juden gegen• Ober. Nach Verkündung des Wahlresultats Sonntag nachts kam es zu Siegeskundgebungen der zionistischen Jugend vor dem Hause der Kultusgemeinde in der Seitenstettengasse, auf dem von unbekannter Hand die blau• weiße Fahne gehißt wurde, die dann behördlich heruntergeholt worden ist. Die Polizei hielt die Ruhe aufrecht. Zeitschriften ״ Schau Im Novemberheft der ״Contemporary Review“ veröffentlicht der bekannte englische Palästinafreund Captain Owen Tweedy einen Aufsatz über ״Die Romantik Palästinas“, der sich leider auf die Wiedergabe zufälliger Reiseeindrücke beschränkt und daher dem Leser ein ziemlich chaotisches Bild der Zustände gibt. (Welches Bild würde wohl vom heutigen Deutschland entstehen, wenn ein Ausländer nur ein paar zufällige Gespräche mit dem ״Mann aut der Straße“ über Politik, Wirtschaft und Kultur wiedergeben würde?) Nachdem Tweedy sich beim Grabe des indischen Mohammedaner-Führers Schaukat Ali von seinem arabischen Führer hat versichern lassen, die Juden versuchten, Palästina zu ihrer Nationalen Heimstätte zu machen, die Mohammedaner aber würden Jerusalem zu ihrem Nationalen Mausoleum machen, repartiert er ausführlich die Kannegießereien eines Juden über das schlechte Verhältnis zwischen Arabern, Engländern und Juden, über die Nutzlosigkeit eines Legislative Council, und über die Notwendigkeit, das Palästina-Mandat den Vereinigten Staaten zu übertragen oder etwa einen schwedischen High Commissioner einzusetzen. Ja, der jüdische Gastgeber versichert Tweedy sogar, den Juden sei es nicht um die Erlangung der zahlenmäßigen Mehrheit zu tun, noch um den Besitz des größten Teils des Bodens, — aber sie seien, als Europäer, unbedingt in der ״geistigen Majorität“ (!) und müßten deshalb bei jedem Versuch eines palästinensischen Self-Government die Schlüsselpositionen, nämlich die (.)öffentliche Sicherheit, Finanzwesen und Justiz beherrschen. Ein anderer Jude, und zwar ein deutscher Vorkriegssiedicr, versichert Tweedy, wenn nur die englischen und die — zionistischen Beamten, die beide nur wegen ihrer großen Gehälter im Lande seien, machen würden, daß sie hinauskämen, so würden die ansässigen Juden sich mit den Arabern leicht verständigen. Dagegen läßt sich Tweedy in einer arabischen Gesellschaft erzählen, Palästina stehe zwar unter englischem, aber England selbst unter jüdischem ״Mandat“; ein Legislative Council wäre nur dazu da, den Arabern Sand in die Augen zu streuen, und das einzig Reelle vorn arabischen Standpunkt sei absolute lntransigenz; dann würden es nämlich die Juden schon satt bekommen, für zionistische Zwecke immer neues Geld zu geben. — Es ist wirklich bedauerlich, daß ein Autor, der sonst nützliche Informationen zu geben pflegte, in dieser feuilletonistischen Manier ernsten Problemen zu nahe tritt. ״Es gibt keine Judenfrage" in der ״Jüdischen Rundschau“ wurde unlängst (Nr. 72) unter dem Titel ״Juden wider Willen“ berichtet, daß eine assimilierte amerikanische Jüdin, Frau Carolyn Lisberger, in der ״North American Review“ ein außerordentlich bezeichnendes Klagelied über den amerikanischen Antisemitismus und die Unlösbarkeit der Judenfrage angestimmt hatte. Jetzt veröffentlicht die gleiche Zeitschrift die Erwiderung eines Juden, Joseph Gaer, unter dem Titel ״The Jewish Problem Myth“ (״Das Märchen von der Judenfrage“). Obwohl die Grundeinstellung Gaers noch naiver ist als die der Frau Lisberger, hat er in manchem sicherlich recht, vor allem aber ist die Diskussion als Symptom für den Stand der amerikanischen Judenfragc ungemein interessant. Gaer meint, die Idee, in Amerika bestehe überall eine Art Numerus clausus gegen die Juden, beruhe nur auf Einbildung. Selbstverständlich hatten die Juden überall schwer zu kämpfen — aber alle anderen Nationalitäten auch! Selbstverständlich gebe es Unternehmer, die gegen Juden voreingenommen seien. Aber andere hätten etwas gegen Italiener oder Iren usw. Unter der ganz armen Klasse seien die Juden keineswegs zahlreich vertreten, ja viele von ihnen, die sich heute in den Elendsquartieren aufhielten, sammelten dort nur Material für soziale Romane ä la Gorki. Im übrigen solle man doch ehrlich genug sein einzugestehen, daß die Juden selbst es verschmähten, Farmer oder Schiffer zu werden oder sonstige wenig einträgliche Berufe zu ergreifen, und daß sie es eben vorzögen, Juristen, Mediziner, Musiker, Journalisten usw. zu werden, ln all diesen Berufen seien sie auch tatsächlich recht zahlreich; ein Numerus clausus existiere nicht, aber manche Juden redeten sich und anderen seine Existenz ein, tim "ihre persönlichen Schwächen zu verdecken, und sich als Märtyrer zu fühlen. Gewiß würden oft auch tüchtige Leute verdrängt, aber keineswegs nur unter Juden! Im übrigen seien die Juden heute an amerikanischen Universitäten sehr stark unter den Professoren vertreten, und wenn nicht alle Juden, die es gerne möchten, Professoren wiirden, so sei daran nicht der Antisemitismus schuld, sondern die außerordentliche Annehmlichkeit des akademischen Berufes, die natürlich immer einen starken Wettbewerb um die freien Posten hervorriefe. In vielen anderen Berufen könne ein Numerus clausus schon deswegen nicht existieren, weil man vielfach gar nicht wisse, ob die Bewerber Juden oder Nichtjuden seien. Wer wisse denn,-daß Hunderte von ganz amerikanisch aussehenden jungen Damen, die gute Posten hätten, jüdischer Abstammung seien, aber ihre Namen aus Kohn in Kohl, aus Lcvy in Leigh usw. geändert hätten? In gewissem Sinne gebe es freilich einen Numerus clausus, aber das entscheidende Merkmal hierfür sei nicht die Abstammung oder Relig i o n , sondern der Reichtum! Ucberall versuchten mehr Leute in die vornehmen Institutionen (Universitäten. Klubs usw.) aufgenommen zu werden, als tatsächlich dort Aufnahme fänden. Bei den Juden äußere sich der soziale Ehrgeiz oft in den kuriosesten Formen, wovon der Dichter H. L. Mencken folgende Geschichte erzählte: Eine reiche New Yorker Jüdin, Frau Arnstock, deren sozialer Ehrgeiz unbefriedigt war, tritt zur Episkopalkirche über, um endlich unter die wirklich feinen Leute zu kommen. Als sie nach einiger Zeit noch immer niemandem von der Gemeinde vorgestellt ist, beklagt sie sich beim Geistlichen, der sie daraufhin mit einigen anderen Damen bekannt macht, aber bei deren Anblick ruft Frau Arnstock enttäuscht aus: ״Aber wir kennen uns ja schon alle aus dem Tempel Sherith Jisroel!“ Auch wer der Ansicht fet, daß man sich vor jeder übertriebenen Darstellung des Antisemitismus sehr hüten soll, da sie für zionistische Zwecke überflüssig ist und im übrigen nur schadet, wird nicht im Zweifel sein, daß Gaer voreingenommen ist und vorhandene Tatsachen wegdisputieren will. Die Zeit, da eine solche Vogel-Strauß-Politik in Amerika zusammenhrechcn wird, wie sie bei uns zusammengebrochen :st, dürfte nicht mehr fern sein. A. P. In der jüdischen Siedlung Nahalal im westlichen Emek fcsreel, deren Bewohner seit der Gründung bis jetzt in Baracken ’wohnten, wurde mit dem Bau von Steinhäusern begonnen. Kleine Nachrichten * Am kommenden Montag begeben sich 300 C h a 1 u z i nt aus Polen nach Palästina. Im verlaufe des Monats Dezember werden weitere 400 Chaluzim auf Grund der neuen bewilligten Zertifikate nach Palästina gehen. Insgesamt hat das polnische Palästina-Amt für den Monat Dezember 1932 1000 Zertifikate für die Reise nach Palästina ausgefolgt. Der Jahrestagung der Vereinigung jüdischer Fa b r i kanten Palästinas lag ein Bericht vor, dem zu entnehmen ist, daß sich die Produktion der in jüdischen Händen befindlichen Industrien in Palästina jährlich auf zwei Millionen Pfund beläuft. Etwa 8000 jüdische Arbeiter sind in diesen Industrien beschäftigt, der jährliche Gesamtlohn beläuft sich auf 480000 Pfund. Die Organisation der arabischen Orangen-Ex* porteure hat 30 norwegische Schiffe zur Verschiffung der arabischen Orangenproduktion gemietet. Die englischen Schifffahrtsgesellschafien haben daraufhin den Preis für den Transport einer Kiste Orangen von Palästina nach England von 1,7 sh. auf 1,3 und dann auf 1 sh. herabgesetzt. Die arabischen Orangen-Exporteure haben an die Mitglieder ihrer Oe- Seilschaft einen Appell gerichtet, sich durch diese Ermäßigungen nicht verlocken zu lassen, da es darauf ankomme, den Fremden zu zeigen, 'daß die Araber imstande sind, ihre Geschäfte selbst zu organisieren, Edwin Samuel, Sohn Herbert Samuels, wurde zurrt stellvertretenden Kommissar des palästinensischen Nord• distrikts (Haifa-Distrikt) ernannt. Dieser Tage wurden die ersten großen Umbauten bei den heißen Quellen von Tiberias fertiggestellt. Die De- Seilschaft, die die Konzession erworben hat, beabsichtigt die Errichtung großer moderner Badeanlagen, deren erster Teil jetzt beendet wurde. Wie verlautet, wird der pan-arabischeKongreß nicht, wie ursprünglich beabsichtigt, in Bagdad stittfinden, da von seiten Ihn Sauds Einwendungen erhoben wurden. Angeblieh besteht der Plan, als einen Kompromiß zwischen Bagdad und Mekka den Kongreß in Jerusalem abzuhalten. Lord M e 1 c h et t hat das Präsidium des englischen Landeskomitees für den Jüdischen Weltkongreß übernommen. Wie das Zionistische Zentralbüro meidet, hat der Kongreßanwalt, Herr Dr. A. Barth, gegen den Sonderverband der Zio nisten-Revisionisten, sowie gegen Herrn Dr. S. E. Soskin beim Vorsitzenden des Ehrengerichtes,Herrn Gronemann, die Ehrengerichtsklage erhoben. Die Exekutive der jüdischen Arbeiterorgani* sation (Histadruth Haowdim) in Palästina bittet uns mitzuteilen, daß sie gegen Herrn Meir Großmann und die Redaktion des revisionistischen ״Raswiet“ wegen Verbreitung falscher Beschuldigungen die Klage beim Ehrengerieht erhoben hat. Es handelt sich um Aeußerungen, in denen gesagt wird, daß die Histadruth revisionistische Arbeiter bei der Regierung denunziert habe und lieber arabische als revisionistische Arbeiter in jüdischen Betrieben sieht. Herr Großmann hat daraufhin erklärt, daß er die zweite Aeußerung zu beweisen bereit sei. Znm jüngsten Bodenkonflikt Der stellvertretende Distriktskommissär des palästinensischen Norddistrikts hat bekanntlich in einem Bodenstreit zwischen dem Kavaran-Beduinenstamm einerseits und dem Keren Kajemeth, der Haifa Bay-Devclopment Co. und der Bayside Land Corp. andererseits, den Bescheid herausgegeben, daß den Beduinen, die 10 000 Dunam von dem den erwähnten Gesellschaften gehörenden Boden beanspruchten, 3500 Dunam dieses Bodens übergeben werden sollen. Diese Maßnahme, die gemäß dem neuen Verfahren nur den provi* sorisehen Besitz regelt, ist von der jüdischen Oefrentlichkeit vielfach mißverstanden worden. Die Leitung des Jüdischen Nationalfonds veröffentlicht daher eine Erklärung, in der mitgeteilt wird, daß der Entscheid des Vizedistrikts- Kommissars kein endgültiger sei, sondern nur eine administrative Maßnahme darstelle, die nur bis zur Verkündung einer gerichtlichen Entscheidung Gültigkeit hat. Das umstrittene Land ist noch keineswegs in arabische Hände übergegangen, sondern es verbleibt im Eigentum des KKL, und der erwähnten zwei anderen jüdischen Körperschaften. Der Rechtsfall wird vor das Oberste Gericht Palästinas kommen, welches bisher sämtliche Bodenstreitigkeiten im Gebiet der Haifa-Bucht zugunsten des Jüdischen Natio• nalfonds entschieden hat. Schweizerischer Delegiertentag. Sonntag, den 27. November, fand im Rathaussaat in Zürich der 37. ordentliche Delegiertentag des Schweizerischen Zionistenverbandes statt. Der Vorsitzende der Landesorganisation, Gg. Dr. Marcus Cohn aus Basel, eröffnete die Tagung mit einem Nachruf auf die jüngst verstorbene Frau Dr. Augusta Weid ler- Steinberg, die auch in einer mehrjährigen Tätigkeit als jugenddezernentin des Zentralkomitees nachhaltig gewirkt habe. Die Berichte zeigten eine ruhige, wenn auch langsame Fortentwicklung des Verbandes und seiner Leistungen. Sie gaben zu keiner großen Auseinandersetzung Anlaß; dennoch macht es den Anschein, als ob dieser Delegiertentag einen neuen Abschnitt in der Bewegung der Schweiz einleitete, indem sich eine den Kinderschuhen schon entwachsene zionistische Jugend bemerkbar machte, die, mit Energien geladen, die ältere, bereits ermüdende Generation abzulösen verspricht. Als neuer Typus der schweizerischen jüdischen Jugend trat ein aus St. Gallen stammender, in Kfar Gileadi arbeitender Chaluz auf, der in einem Referat das Leben in seiner Kwuzah schilderte. Die zionistischen Jugendvereine forderten von der neuen Landesleitung, sich um die Zuteilung von Zertifikaten für die Schweiz, zu bemühen. Die Wahlen ergaben eine nur wenig veränderte Zusammensetzung des bisherigen Zentralkomitees mit Dr. Cohn als Vorsitzenden und dem Sitz in Basel. nw. Der ״Kadimah“ schreibt uns: Am 31. Dezember jährt sich zum erstenmal der Todestag unseres Führers Walter Meck- 1 e n b u r g. Wir bauen ihm zu Ehren ein Haus in Ben Schemen,” in dem Schulkinder aus der jüdischen Jugendbewegung in Deutschland Unterkommen sollen, die hier nicht die Möglichkeit haben, die Schule zu beenden. Vor wenigen Tagen sind die ersten sieben Jungen nach Ben Schemen abgefahren. Die Bausumme bringen wir durch eine Aktion auf, an der sich jeder Aeltere und Mittlere des Bundes mit einem monatlichen Kontin* gent beteiligt. Freunde W. Mecklenburgs u. alle jüd. Bünde und Organisationen haben uns Hilfe zugesagt. Zum Abschluß der Aktion, die am 31. Dezember 1932 beendet sein soll, veranstaltet der Kadimah und der Britli Haolim am 10. Dezember in den Sophiensälen eine Feier, deren Reinertrag der Walter Mecklenburg-Aktion zugute kommt. Auf dieser Feier wird neben Chor, Orchester und Kindertheater ein Theaterstück aufgeführt und ein Film gezeigt werden, der ein Bild von unserem Fahrten- und Bundesleben gibt. Karten sind nur noch in begrenzten Mengen bei den Chawerim der Bünde Kadimah, Brith Haolim, Haschomer Hazair und an der Abendkasse zu haben. Erwachsene 0,75 RM., Jugendliche 0,40 RM.

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