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Jüdische Rundschau · 1932-12-09 · Heft 98 (9.12.1932) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 98 (9.12.1932)
Date
1932-12-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 477 Nr. 98, 9. XTT. 1937 Arbeitskonflikte und Politik Von unserem palästinensischen Korrespondenten. gl. Tel-Awiw, 29. November 1932. In Jerusalem wird zur Zeit ein Streik durchgcfochtcn, der sich durch besondere Heftigkeit, durch Zusammenstöße, umfangreiche Prozesse, Verurteilung von Streikenden und durch eine lebhafte Anteilnahme weiter Kreise der öffentlichen Meinung auszeichnct. Die Vorgeschichte des Streiks ist in kurzen Zügen folgende: Die B i s k u i t - F a b r i k Frumin, seit längerer Zeit in Jerusalem tätig, hat sich im Laufe der Jahre vergrößert und modernisiert und beginnt auch mit dem Export ihrer Ware ins Ausland. Seit mehreren Monaten führten die Arbeiter der Fabrik mit Anteilnahme des Jerusalemer Arbeiterrats Verhandlungen über die Arbeitsbedingungen im Betriebe und über die Einstellung neuer Angestellter. Im Laufe der letzten Zeit war ein Teil der Arbeiter nur einen Teil der Woche beschäftigt gewesen, bei Eintreffen neuer Aufträge bestand Aussicht auf mehr Arbeitstage im Monat, wobei jedoch der Besitzer des Unternehmens eine Senkung der Löhne verlangte. Neben den eigentlichen Arbeitsbedingungen war die Z u g e h örigkeit der Arbeiter zur Oe werk schaff eine der Streitfragen, die in den genannten Verhandlungen zur Sprache kamen. Die Beziehungen waren bereits einigermaßen gespannt, da stellte der Besitzer eine neue Arbeiterin ein, die nicht der Gewerkschaft angehört. (Ihrem politischen Bekenntnis nach war die Arbeiterin Revisionistin.) Dieser Schritt der Fabrikleitung brachte einigermaßen das Faß zum Ueberlatifen: es wurde — nachdem während längerer Zeit Versuche zur Beilegung der schwebenden Streitigkeiten auf dem Schlichtungswege gemacht worden waren, der Streik proklamiert. Der Fabrikleitung stellten sich revisionistische Arbeiter zur Verfügung; die Streikenden suchten die Arbeit zu verhindern und es entstand ein langwieriger Prozeß, als ein Lastauto, das die Revisionisten zur Fabrik brachte, von den Streikenden angehalten und am Wetterfahren verhindert wurde, wobei es zu Schlägereien kam. Wähpend eine Reihe von Arbeitern ihre Strafe verbüßen, dauert der Streik fort, der Betrieb arbeitet unter Aufsicht der Polizei, aus ganz Palästina laufen Beiträge für die Streikenden ein und die Arbeiterorganisation einerseits, der Industriellen verband andererseits, sind bemüht, in Pressedeklarationen, Aufrufen und auf jede andere Weise das Recht und die reinen Absichten der eigenen Seite zu beweisen. Der Streik bei Frumin ist nicht nur bedeutsam durch die Heftigkeit der Kämpfe, die er entfesselt, sondern auch durch eine Reihe anderer Fragen, die mit ihm verknüpft sind. Seit längerem, de facto seit dem Vormarsch des Privatkapitals im Lande, steht die Arbeiterschaft in einem heftigen Kampfe um ihre Forderungen. Sie umfassen nicht nur die üblichen Programmpunkte einer Gewerkschaft wie genügende Entlohnung, Achtstundentag und Koalitionsrecht, sondern auch, den speziehen palästinensischen Verhältnissen entsprechend, die Forderung nach jüdischer Arbeit. In der Industrie hat sich dieser Punkt zu einem sehr hohen Prozentsatz durchgesetzt, zum Teil unter dem Druck der öffentlichen Meinung — liegt doch ein Großteil der Fabriken in und um Tel-Awiw! — zum Teil auf Grund ökonomischer Faktoren. In den Kolonien liegt das Problem bekanntlich viel komplizierter und dort verknüpfen die Arbeiter immer stärker die Losung jüdischer mit der ״o r g a n i - sierten“ Arbeit. Der Arbeiterführer Ben Gurion hat erst kürzlich darauf hingewiesen, daß nach Ansicht der Arbeiter- Organisation von ״unorganisierter“ zu ״billiger“ (arabischer) Arbeit nur ein Schritt sei. Die Frage ist jetzt besonders aktuell, weil die Gewerkschaften nicht nur mit der unorganisierten Arbeit zu rechnen haben, sondern auch mit anderen Gruppen, vor allem den ersten Zellen einer revisionistischen Arbeiterschaff. Es hat sich schon mehrmals gezeigt, daß diese von Arbeitgebern dazu benutzt werden, einen Teil der Arbeiter gegen den andern auszuspielen. Der Fall Frumin ist ein krasses Beispiel dafür. Hier wird die Situation für die Linke noch dadurch kompliziert, daß sich in Jerusalem aus den orientalischen Gemeinden ein Proletariat rekrutiert, das noch nicht organisatorisch erfaßt ist und daher leicht für alle möglichen Arbeiten und Zwecke herangezogen werden kann. Der Fall Frumin ist nur ein Symptom des Kampfes, der zur Zeit zwischen der Arbeiterschaft und der Mittelklasse ausgetragen wird. Wenn auch die Arbeiterschaft, die seit langen Jahren mit großer Sorgfalt ihre Organisation ausgebaut hat, noch immer an Disziplin und einheitlicher Führung ihren Gegnern weit überlegen ist, so zeigen diese doch die Tendenz, das Versäumte nachzuholen. Mit dem Anschwellen der Zitrus- Hausse wurde diese Wandlung bei den Pflanzern deutlich, und sie zeigt sich jetzt auch bei den Industriellen. Die Forderungen der Arbeiter werden unbequem; man versucht, sie zu umgehen, sich die Freiheit bei der Auswahl der Arbeiter zu erkämpfen oder zu erhalten. Es handelt sich also bei all diesen Zwischenfällen trm klare K1 a s s e n k o n f 1 i k t e, wobei die Unternehmer ihre wachsende Kapitalskraft und Organisationsfähigkeit, die Arbeiter ihre Koalition und Disziplin zusammen mit ihrem beträchtlichen Einfluß auf die öffentliche Meinung in die Waagschale werfen. Wenn im Zusammenhang mit diesen Problemen wieder die Vorschläge über neutrale Arbeitsämter und Zwangsschiedsgerichte auftauchen, die mehr als einmal ausführlieh bearbeitet worden sind, so muß man über die Möglichkeit zur Verwirklichung solcher Vorschläge sehr skeptisch sein. Es liegen noch Thesen zum Aufbau eines Schiedsgerichts beim Waad Leumi aus den Zeiten jener Fünfzehnerkommission vor, die eine innere Arbeitsgesetzgebung für den Jischuw aus-' arbeitete, ohne daß freilich etwas Praktisches geschah. Daß dem so ist, liegt an dem Fehlen einer zentralen Instanz, die genügend Autorität oder noch besser genügend Machtmittel in der Hand hätte, um eine solche Arbeitsgesetzgebung durchzusetzen. De facto besteht keine solche Institution. Der Waad Leumi, von dem man erhoffte, daß er eine quasi-Regierungsrolle auf diesem Felde spielen würde, ist seit den Zeiten der Fünfzehnerkommission eher geschwächt statt gestärkt worden. Die Pflanzer, eine heute sehr bedeutsame Gruppe der Wirtschaft, sind seit den letzten Wahlen zur Knesseth Jisrael nicht darin vertreten, und es ist charakteristisch für die gegenwärtige Lage, daß bei der jetzt aktuellen Frage der Einkommensteuer die eigentlichen aktiven Elemente die verschiedenen Wirtschaftsverbände sind (Pflanzer, Industrielle usw.) und daß diese Gruppen den Waad Leumi vor ihren Wagen zu spannen versuchen. Unter diesen Umständen ist also jeder Versuch einer inneren jüdischen Arbeitsgesetzgebung theoretisch. Die Anrufung einer Schlichtungskommission bei Konflikten und die Annahme ihres Schiedsspruches bleibt dem guten Willen beider Seiten überlassen. Kompliziert wird die Situation durch das politische Moment, das durch den Eingriff der Revisionisten in den Kampf mit hineingetragen wird. Die revisionistische Propaganda hat sich bemüht, sowohl in Palästina wie auch im Ausland den Streik Frumin politisch auszuwerten. Fs geht zwischen den beteiligten Seiten seit Wochen eine Diskussion darüber, ob *— wie die Linke erklärt -.- es sich um einen ״wirtschaftlichen“ oder — nach den Aussagen der Rechten um einen ״politischen“ Streik handle. In diesen Auseinandersetzungen ist ein gutes Maß Haarspalterei. Insoweit als es sich um Wirtschaftliehe Forderungen dreht, ist selbstverständlich der Streik Ökonomisch. Dasselbe gilt zu einem guten Teile von den Forderungen der Linken nach einer Kontrolle über die Organisierung der Arbeiter im besonderen und das Koalitionsrecht im allgemeinen. Soweit aber dieser Konflikt ein Ausdruck des Ringens um die Machtstellungen von Arbeitern und Unternehmern darstellt, hat er auch eine politische Seite und politische Folgen. Der Sturm, der heute auf der ganzen Welt von den Revisionisten gegen die palästinensische Arbeiterschaft entfesselt wird, zeigt die politischen Absichten dieser Gruppe sehr deutlich. Die Arbeiterorganisation betont mit großem Nachdruck ihre Bereit- Willigkeit, sich in allen Fragen der Arbeitsordnung einem Schiedsspruch des Waad Leumi zu unterwerfen. Freilich weist sie auch selbst darauf hin, daß doch gerade die Revisionisten alles tun, 11m die Entstehung eines geeinigten und starken leitenden Organs der palästinensischen Judenheit zu verhindern, somit auf die Annahme eines solchen Vorschlags von dieser Seite gar nicht zu rechnen ist. Im Zusammenhang mit dem Konflikt in Jerusalem ist von der Linken ein Propagandamittel angewandt worden, das ein recht zweischneidiges Schwert darstellt. Fs wird dafür agitiert, die Produkte der Fabrik Frumin während der Streikdauer nicht zu kaufen. So verständlich eine solche Maßnahme in der Hitze des Gefechtes auch psychologisch ist, muß sie doch als sehr anfechtbar erscheinen. Der Begriff ״Tozereth Haarez“ (Landesprodukte) hat im Jischuw eine bedeutende Ucberzeugungskraft. Die Propaganda, die dafür getrieben wird, übt eine starke Wirkung. Dabei bedeutet natürlich dieser Begriff nicht etwa ״Palästina“-Produkt, sondern jüdisches Produkt und es ist sehr fraglich, ob man mit dieser Einschränkung auf die Dauer der jüdischen Wirtschaft im Lande einen Dienst leistet. Je mehr die jüdische Produktion wächst, muß sic sich an den ganzer! Landesmarkt wenden, nach und nach auch zum Export übergehen, ein Export, der sich zu einem guten Teile an arabische Länder wenden wird. Die Forderung, nur jüdische Produkte zu kaufen (״knu rak tozereth haarez“), die implizite die Ausschließung anderer Waren propagiert, kann" auf die Ausweitung des Marktes eine erschwerende Wirkung haben, ganz abgesehen von den psychologisch-politischen Wirkungen, die durchaus unerwünscht sein können. Neben der Propaganda für jüdische Produkte trat in letzter Zeit die. nur mit organisierter Arbeit hergestellte Waren zu kaufen. Verschiedene Fabriken haben sich diese Propaganda zunutze gemacht, und ihren Waren einen Stempel beigelegt: ״dieses ist das Produkt jüdischer organisierter Arbeit“. Wenn jetzt noch — freilich nur als Kampfmittel und auf kurze Zeit — neue ״Spezialverbote“ kommen, so fragt man sich, wie weit diese Politik noch gehen kann. Wenn zum Beispiel die Arbeitgeber als Antwort auf die Forderung der Linken einen Boyk ott der Produkte von ״T nuvah“ (der Kooperative der Arbeitersiedlungen, die einen großen Teil der Städte mit Milch, Eiern, Gemüse versorgt) proklamierten, so wären wir mitten in einem allgemeinen Absatzkampf, der schließlich der Wirtschaft alles andere bringen kann, nur keinen Nutzen. Wenn an sich auch diese kleine Begleiterscheinung des Jerusalemer Arbeitskampfes nur ein Accessorium ist, so zeigt sie doqh deutlieh eine gewisse Enge der Wirtschaftsgesinnung, die für einen großen Teil des jüdischen Publikums jm Lande charakteristisch ist. Die Kette der Wirtschaftskonflikte, von denen der Frumin- Streik nur ein Glied darstellt, bedeutet für Palästina mehr als den Kampf um bessere Löhnungen oder gerechte Arbeitsverteilung. Sie bezeichnet den Versuch eines Vorstoßes der Unternehmer gegen die Arbeiterschaft. Auch viele Zionisten, die nicht der Arbeiterbewegung angehören, sind der Ansicht, daß einer der großen sozialen und menschlichen Vorzüge des jüdischen Palästina in dem großen Einfluß der Arbeiterschaft lag, die ihre fortschrittlichen Tendenzen auf den Jischuw übertrug. Die Arbeiterschaft kämpft daher heute nicht nur für anständige Löhne und ähnliches, sondern auch für Errungenschaften der zionistischen Bewegung. * In einer in Tel-Awiw von der Allgemeinen Jüdischen Arbeiterorganisation Palästinas (Histadruth) veranstalteten Presse- Konferenz erklärte der Histadruth-Führer Ben ü urion: Alle Arbefterkonfllkte in Palästina könnten bi'nnen fünf Minuten aus der Welt geschafft werden, wenn der Verband jüdischer Landwirte und der Verband jüdlscher Fabrikanten sich verpflichten würden, in ihren Betrieben nur jüdische Arbeiter zti beschäftigen und sich in Arbeitsfragen der Entscheidung einer nationalen jüdischen Körperschaft als Arbeits- Schiedsgericht unterzuordnen. Die Histadruth ihrerseits erklärt sich bereit, Entscheide eines solchen Schiedsgerichts anzuerkennen. Die Histadruth war immer bereit, gemischte Arbeitsnachweise errichten zu helfen, in denen Vertreter der Arbeitnehmer, der Arbeitgeber und der nationalen jüdischen Institutionen sitzen sollen. Die Histadruth hat noch im vergangenen Jahre einen offiziellen Beschluß betreifend Verständigung mit den anderen Arbeitergruppen in Palästina zur Vermeidung von Unruhen gefaßt. Zum Schluß wandte sich Ben Gurion sehr scharf gegen die Arbeiterpolitik der Revisionisten in Palästina und gegen die allgemeine Politik Jabotinskvs. * Vom Exekutiv-Komitee der Allgemeinen jüdisehen Arbeiterorganisation Palästinas erhalten wir folgende Zuschrift :׳ Tel-Awiw, 1. Dezember 1932. An die Redaktion der ״Jüdischen Rundschau“ Berlin. Wir ersuchen Sie, uns einige Bemerkungen zu der Information Ihres gl.-Berichterstatters über die ״Arbeitskonflikte in Tel-Awiw“ vom 18. Oktober 1932 (״Jiid. Rtlsch.“, Nr. 86), zu gestatten, da uns daran liegt, daß über diesen Konflikt, der weite Kreise erfaßte und auch in den Kreisen deutscher Zionisten viel diskutiert wurde, genaue Informationen auch im Ausland verbreitet werden. Wir glauben, daß der erwähnte Artikel das Wesentliche dieses Konfliktes nicht berührt hat. Die ״Jüd. Rundschau“ schreibt u. a.: ״Hier handelt es sich um einen Machtkampf zwischen selbständigen Baugruppen . der Arbeiterschaft und den Bauunternehmern, der schließlich da/u führte, daß eine Anzahl von Bauunternehmern sich weigerte, Mitglieder der Arbeiterorganisation einzustellen und mit Brith Trumpeldor-l.cuten zu arbeiten begann . . . Für die Bauunternehmer handelt es sich um die schwere Konkurrenz der Arbeiterbaugruppen, für die Arbeiter um nicht mehr oder weniger als das Organisationsrecht. Die Unternehmer protestieren hier gegen den Doppelcharakter der Histadruth, die einerseits durch ihre Unternehmergruppen, bei denen sie freie Hand in der Lohnpolitik Hat, den selbständigen Unternehmern Konkurrenz macht, andererseits als Gewerkschaft den Lohnkampf fuhrt und dadurch die Konkurrenzfähigkeit des selbständigen Unternehmers, dem gewissermaßen von seinem ,Konkurrenten* die Arbeitslöhne hinau (getrieben werden, schwächt.“ Wir wollen an dieser Stelle nicht ausführlich darauf eingehen, ob die Existenz selbständiger Baugruppen, wie sie: ja schließlich auch in anderen Ländern, zumal in Deutschland in den wichtigen Bauhütten der freien Gewerkschaften existieren, es überhaupt möglich macht, den ״Konkurrenzkampf“ der Bauunternehmer zu schwächen und ob sie nicht vielmehr ein wichtiges Regulativ im Baumarkt darstclien. Tatsache ist jedenfalls, daß das ״Arbciteruntcrnehmungsamt“ (Misrnd Kabinni) der Histadruth ständig Facharbeiter 711 Löhnen besehaftigf hat, die kein privater Unternehmer bezahlt hat (45- 50 Piaster). Einen durchschlagenden Beweis für die Riehtigkeit dieser Tatsache gibt die im November 1932 seitens der Stadtverwaltung Tel-Awiw durchgeführte Bauarbeiterzählung, deren Resultate in den Mitteilungen der Stadtverwaltung veröffentlicht wurden; danach ergibt sich, daß weniger als 310 Mil verdienten: bl «« der revisionistischen Bauarbeiter, 42 ״« der unorganisierten, 41 ״״ der nicht in Baugruppen organisierten Bauarbeiter der Histadruth und nur 4 ל der in Baugruppen organisierten. Diese Statistik zeigt, wie hinfällig die obige Bemerkung über die ,,freie Hand in der Lohnpolitik seitens der Histadruth“ ist und wer in Wirklichkeit Arbeit zu Schleuderpreisen in Tel-Awiw aufnimmt. Die ,.ernsten Störungen“, wie sie der Bericht bezeichnet, entstanden anläßlich eines seit Wochen proklamierten Boyk o 11 s der H istadru tharbeiter seitens einiger Unternehmer, die sich keineswegs nur weigerten, Mitglieder der Histadruth e i n / 11 s t c 1 I e n , sondern ihre eigenen ständigen Arbeiter, die teilweise Jahre bei ihnen beschäftigt waren, soweit sie Mitglieder der Histadruth und des ״Hapoel Hatnisrachi“ waren, entlassen hatten. Und weswegen dies alles? Daraut gibt ein Aufruf der Bauunternehmer (übrigens nur einiger unter ca. 50) Antwort, in dem es heißt: ״Wir kämpfen nicht gegen irgendeine Arbeiterorganisation; aber cs gibt Organisationen, die bei uns guten Kredit haben und deren Mitglieder wir beschäftigen können, bis Abschluß eines neuen Vertrages; daher haben wir beschlossen, keine Arbeiter einer Organisation zu beschäftigen, deren Absichten uns nicht klar sind“ (״Doar Hajoin“ 17. 10.). Es handelt sich hier um den Versuch, das Abkommen vom Januar 1932, das zwischen allen Bauarbeiter-Verbänden unter Mitwirkung der Stadtverwaltung abgeschlossen war, durch, das Gewaltmittel des Boykotts zu ändern, da dieses Abkommen die Unternehmer zwang, 2וי• aller Arbeiter seitens der Histadruth zu beziehen (entsprechend ihrer Mitgliederzahl). Diesen Versuch der Unternehmer charakterisierte ״Haaretz“ vom 17. 10. folgendermaßen: ״Dieser Boykott als Mittel des Druckes aut die Histadruth, um sie zur Annahme für die Unternehmer günstigerer Bedingungen zu zwingen, ist unter keinen Umständen zu rechtfertigen.“ lieber die Rolle, zu der sich die revisionistischen Arbeiter (39 nach der letzten Zählung unter 906) auch bei diesem Konflikt als Streikbrecher hergaben, zu sprechen, erübrigt sich; es liegt dies im Rahmen der neuen« von Jabotinskv feierlich proklamierten Politik, jeden Arbeitskonflikt zum Streikbrechen auszunutzen und dadurch die Histadruth ״zu zerbrechen“ (siehe die Artikel Jabotinskys im ״Haint“ und ״Chasith Haam“). Angesichts der Bedeutung der ״Jüdischen Rundschau“ für einen großen Leserkreis haben wir uns entschlossen, Sie um Abdruck dieser Berichtigung zu bitten. Mit vorzüglicher Hochachtung E 1. Kaplan. *** In dem Artikel in Nr. 86 der ״Jüdischen Rundschau“, auf den die vorstehende Zuschrift reagiert, wurde schon hervorgehoben, daß es sich um einen Machtkampf zwischen Unternehmern und Arbeiterorganisation handelt, bei dem die Unternehmer zugestanden erweise darauf abzielen, die Arbeiterorganisation zu zerbrechen. Wir haben es hier mit Kämpfen zu tun, die tief in das Wirtschaftsleben Palästinas eingreifen und weit mehr bedeuten, als ideologische Differenzen. Es ist das Bestreben der ״Jüdischen Rundschau", über diese Angelegenheiten, deren Ernst gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann, mit möglichst leidenschaftsloser Objektivität zu berichten. Wir haben, ohne in Einzelheiten eingehen zu können, den Standpunkt der Arbeiter und den der Unternehmer einander gegenübergestcllt. In den in der vorstehenden Zuschrift zitierten Sätzen wurden von uns einige von den Unternehmern geltend gemachte Argumente wiedergegeben, während auf der anderen Seite bei mehreren Gelegenheiten zum Ausdruck gebracht wurde, daß wir aus allgemeinen und speziell-palästinensischen Gründen das Prinzip organisierter Arbeit für unumgänglich halten. Die ״Jüdische Rundschau“ wurde oft der Verletzung zionistischer׳ Objektivität durch Parteinahme für die Histadruth beschuldigt; die Absender der vorstehenden Zuschrift scheinen aus unserem Artikel Sympathie mit den Argumenten der Unternehmer herauszulesen. In Wahrheit sind wir um eine sachliche Information über die Vorgänge und über die Meinungsverschiedenheiten bemüht und müssen dies auch für die Zukunft als unser Ziel hinstellen, trotz der nicht zu vermeidenden Gefahr, gelegentlich dennoch von der einen oder von der anderen Seite als parteilich betrachtet zu werden. Die palästinensischen Arbeitskämpfe haben auch außerhalb Palästinas so heftige Debatten in der zionistischen Welt hervorgerufen und es wurde dabei so häufig über die Schnur gehauen, daß uns die Be- Währung nüchterner Sachlichkeit in diesem Falle als besonders erwünscht erscheint. Red.. Prof. Leo Kestenberg, der vor einigen Tagen seinen 50. Geburtstag beging und fast gleichzeitig von seinem Posten als Leiter des Dezernats für Musik im preußischen Kultusministerium entfernt wurde, ist der Sohn eines Oberkantors in einer kleinen deutsch-böhmischen Stadt. Kestenberg hat sich, wie die Tagespresse bei dieser Gelegenheit hervorhob, um die Organisierung der preußischen Musikpädagogik außerordentliehe Verdienste erworben. Ihm ist die gründliche Reform und Verlebendigung des Musikunterrichtes an den Schulen, die Ausgestaltung der Musikhochschulen usw. zu danken. Kestenberg hat auch für die j ii d i s e 11 c Musik oftmals ein starkes aktives Interesse bekundet. Daß dieser künstlerisch und organisatorisch hervorragend befähigte Mann sein Amt verlassen mußte, ist ein Zeichen der Zeit.

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