Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1932-12-06 · Heft 97 (6.12.1932) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 97 (6.12.1932)
Date
1932-12-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2651273-2653348-2653445--23314-2681667
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Nr. 97, 6. XII. 1932 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 473 Bücherschau Vom jüdischen Witz und Humor Zum Wiedererscheinen des Buches von I. Olsvanger ״Rosinkeß mit Mandlen“*)• Daß es den Juden an Witz und Humor, jener Kunst des Optimisten, auch noch der tragischesten Lebenssituation eine heitere Seite abzugewinnen, niemals gefehlt hat, ja daß sie wie• keine andere Menschengruppe eine besondere Begabung für die Beleuchtung des Lebens durch die Lichter des Witzes besitzen, ist heute, nach den vielen gründlichen Untersuchungen zu diesem Thema, bereits eine Binsenwahrheit, die keiner neuen Erhärtung bedarf. Sie soll mit den folgenden Ausführungen auch nicht versucht werden. Worauf aber vielleicht einmal hingewiesen werden darf, ist, daß dieses positive Urteil über die Anlage des Juden zur humoristischen und witzigen Betrachtung des Lebens, jenes Urteil, das seinen schärfsten abfälligen Ausdruck in dem Worte von dem ״zersetzenden Witz des Juden“ und seine stärkste wohlwollende Prägung in dem Satze Alexander Mosekowskis ״Der jüdische Witz ist das Fundament und die Krone alles Witzes überhaupt“ gefunden hat, fast ausschließlich auf der Kenntnis der humoristischen und Witzproduldion westcuropäischer Juden basiert. Der Kenner des Lebens der Juden Osteuropas, jenes Teiles unseres Volkes, der in Sprache und Kultur in einem viel höheren Grade die ethnologische Eigenart des Volkes, seine Uranlage, bewahrt hat, konnte zu diesem Urteile immer hinzufügen, daß auch, ja daß gerade da, wo das Leben der Juden in den traditionellen Formen des jüdischen Volkes sich bewegt und von den Inhalten der jüdischen Ueberlieferung erfüllt ist, der Quell des Witzes der Juden noch viel stärker fließt. Beweisen aber läßt sich diese Behauptung für den westeuropäischen Juden, dem der Zugang zu dieser Welt des Ostjuden durch den Mangel der Kenntnis der jiddischen Sprache verschlossen ist, erst, seitdem Immanuel Olsvanger durch die Herausgabe seiner Sammlung ״Rosinkeß mit Mandlen“ in der Ursprache, aber in lateinischer Transkription, die ganze Fülle der Erzeugnisse ostjüdischen Humors auch westeuropäischen Augen und Ohren zugänglich gemacht hat. Die erste Auflage dieser Sammlung von jüdischen Schwänken, Erzählungen und Witzen erschien 1920, und es ist ein gutes Zeichen einerseits dafür, daß der Bedarf an Humor auch in dieser ernsten Zeit nicht gesunken ist, und andererseits auch dafür, daß dieser ursprüngliche jüdische Humor auch das Gefallen westeuropäischer Juden gefunden hat, wenn bereits 1931 das Bedürfnis nach einer Neuauflage des Werkes sich gezeigt hat . Olsvangers Sammlung ist mehr als eine Aneinanderreihung von lustigen, witzigen, komischen und manchmal tragikomischen Schwänken und Erzählungen aus dem Leben der Ostjuden, sie ist ein Dokument jüdischen Lebens in Reinkultur. Die Menschen, von denen diese Schnurren und Witze reden, tragen nicht nur jüdisches Gewand; es ist nicht nur die Sprache, die die Mensche'n dieser Erzählungen zu jüdischen macht, sondern die Art, wie sie die Welt betrachten, jene seltsame Mischung von Heiligung des Profanen und Profanisierung des Heiligen, die auf der zweitausend jährigen Tradition jüdischer LebenshaltÄg be- ״rtiht und letzten Endes aus dem Gefühl des gewöhnt«! und vertrauten Umgangs mit dem Erhabenen dem Juden die Ehrfurcht vor diesem nimmt und ihm erlaubt, es sogar zum Gegenstände des Scherzes zu machen — all das ist wirklich Dokumentation jüdischen Lebens. Da treten sie in langem Zuge an: die Rabbis und Bachurim, die Chasonim, Schammoschim, Schadchonim, die Badehonim und Marschaliks, die alten Weiber, die Medinegeier, die Frommen und die Zweifler, die Chachomim und die Amrazzim — alle sind Gegenstand des Witzes, der Saiire, des Gelächters; weil alle Objekt der Liebe des Volkes sind, darf sich auch der Witz und der Spott, das Lächeln an sie heranwagen. So ist nun einmal das natürliche Leben eines Volkes, auch das des jüdischen Volkes. Wer es kennen lernen will, in seinem Lieben und Hassen, in seinem Ernste und seiner Heiterkeit, in seiner Ehrfurcht und seinem Spott, in seinem Fürchten und seinem Hoffen, bei der Arbeit und beim Spiel, beim Lernen und beim harmlosen Genießen, der lese die Schnurren dieser Sammlung, die nicht ein Mann erdichtet, sondern ein feinhöriger Beobachter dem Volke abgelauscht hat und wiedererzählt. Und wenn vielleicht einen westeuropäischen Juden oder den Nicht juden das Milieu und die Geistesart dieser Menschen und manches von den Begriffen, Einrichtungen und Gewohnheiten ihres Lebens fremd anmuten sollte — Olsvanger hat der Sammlung eine kurze Studie (in deutscher Sprache) ״Aus dem Alltags- und Festleben der Ostjuden“ vorausgeschickt, die den Alltag und den Feiertag, die Menschen und die Dinge des jüdischen Lebens in aller Kürze, aber doch so plastisch schildert, daß der Leser, der sich mit dieser Studie vertraut gemacht hat, ganz eng mit den Gestalten und Einrichtungen der jüdischen Welt verbunden sein wird. Er wird bei der Lektüre des Buches die Distanz zu jenen verlieren, ganz vertraut mit ihnen werden, und mit jenem Schmunzeln des Verstehens, das das Jiddische ״Schmeichel“ nennt, wird sich ihm das Milieu des Juden einschmeicheln; aus Witz, Satire, Spott und Hänselei wird Liebe werden. Dafür verdient der Sammler dieser Schnurren und die (nichtjüdische) Wissenschaftliehe Gesellschaft, die ihm das Wiedererscheinen seiner Samm* lung ermöglicht hat, den Dank jedes, der jüdisches Leben in allen seinen Erscheinungsformen liebt• Dr. G e o r g Herlitz. Fannie Hnrsi eine in Deutschland noch wenig bekannte jüdisch-amerikanische Schriftstellerin, führt uns (wie etwa Edna Ferber und Sinclair Lewis) in ihren beiden Romanen ״Lummox“ und ״Back Street“ (englisch im Verlag Bern. Tauchnitz, Leipzig) in die amenkanische Kleinstadt und zeigt uns den typischen amerikanischen Bürger — seit Lewis haben auch wir uns daran gewöhnt, ihn mit dem Helden seines offenherzigsten Romans ״Babbitt“ zu nennen — bei Arbeit und Spiel, beim Essen und Trinken, daheim und auf Reisen. Aber dieser Fannie Hurst gehört eine Besonderheit des amerikanischen Lebens, die in allen den andern Büchern wohl immer dabei ist, im Hintergründe schlummert, manche Betonung erst richtig verstehen lehrt — aber selten so wie bei ihr in den Mittelpunkt tfts Geschehens tritt. Das ist das Nebeneinander von Jud und Christ —- den Babbiits auf beiden Seiten, durchaus keine überdimensionalen Gestalten, sondern eben gerade den Durchschnittsmen- ) Rosmkeß mit Mandlen. Aus der Volksliteratur der Ostjuden. Schwänke, Erzählungen, Sprichwörter und Rätsel, gesammelt von Dr. Imanuel Olsvanger. 2. völlig veränderte und vermehrte Auflage (Basel 1931, Verlag der Schweizerischen Gesellschaft für .Volkskunde). sehen In beiden Lagern, die nun mit einer manchmal grausam und manchmal ein wenig eintönig wirkenden Ausführlichkeit wiedergegeben werden. So etwa schildert sie in ״Back Street“ das lebenslang wirkende Liebesverhältnis eines jüdischen Bankangestellten, der allmählich zum Bankdirektor, Philanthropen, Hausbesitzer, Ehemann und Familienvater wird, zu einer gescheiten und leidenschaftlichen Christin aus seiner Heimatstadt. Die Frau, die sich damit begnügt, ein Leben hindurch in der ״Back Street“, in der ״Seitengasse“ seines Lebens zu wohnen, und die doch bei allen wichtigen Entschlüssen seiner Laufbahn eher zu Rate gezogen wird als das kindhatte verwöhnte Oeschöpf aus seinen Kreisen, das er geheiratet hat, um den Wunsch seiner Familie zu erfüllen, ist die Heldin des Buches. Unleugbare Sympathie der Verfasserin begleitet sie auf ihrem Leidenswege; während die vielfachen Kleinlichkeiten ihres jüdischen Partners mit einer Feindseligkeit erzählt werden, wie sic vielleicht nur . , . übergroße Nähe zu dem Dargestellten eingibf. Gewiß, diese jüdischen Jungens in den amerikanischen Provinz- Städten sind ehrliche, solide Geschäftsleute mit viel Familiengefühl; ״sie haben instinktiv alle die Eigenschaften, die dazu gehören, um einer Frau das Leben zu verschönen“. Aber die ״Judenjungen“, die ״Itzigs“, wie die Leute sie auch hier nennen, . , , sie lieben wohl die ״Scbikksa“, aber sie heiraten sie nicht.; . . Symptom einer dekadenten Gesellschaftsordnung, wie auch wir es kennen — und wie es (nach der einen oder nach der anderen Seite) wohl in den letzten Jahrzehnten zum guten Teil verdrängt worden ist. Das ist der nachdenkliche Hintergrund dieser gutgeschriebenen und verblüffend beobachteten Unterhaltungsbücher von Fannie Hurst. B. B. St. Am Hugo von Hofmanmthals Nachlaß sind uns soeben zwei kostbare Publikationen zuteil geworden, die alle Freunde dieses Dichters spätjüdischer Abkunft, in dem die altöstcrreiciiische Mischkultur in unvergleichlich poetischer Verklärung kulminierte, entzücken werden. Im Verlag S. Fischer, Berlin, erschien der unvollendete Roman ״Andreas oder die Vereinigten“, die Reise eines jungen Ocsterreichers nach Italien, ein Buch voll tiefster menschlicher Einsichten und dabei in den vollendeten Teilen von einer dichterischen Formkunst, der wenig an die Seite zu stellen ist. Mit Recht sagt Jakob Wassermann in seinem Nachwort, daß dieses Andreas- Fragment eine Zeit überdauern wird, der ״die höheren Maße und Normen abhanden gekommen sind“. — Noch packender vielleicht wird für viele das Drama ״Das Bergwerk zu F a 111 n“ sein, dessen erster Akt seit langem bekannt war, dessen zweiten und dritten Akt jetzt aber die Zeitschrift ״Corona“ (Verlag R. Oldenbourg, München) einer weiteren Oeffentlichkeit zum erstenmal zugänglich macht. Diese edlen und musikalisch bewegten Verse fügen sich zu einem Gebilde, das in die letzten Höhen des Dichtertums reicht. Hofmannsthal, der wußte: ״... es gibt sich jeder Welle der Heimatlose hin“, hat auch hier eine Tragödie des Heimatlosen, des ״Unsteten“ geschrieben; er ist ״der Finstere, dem der Hofhund winselnd auswich“, der schicksalbeladene Wanderer, der in der Fremde geschäftlich erfolgreich wird, aber keine Ruhe findet. Ist das ein Stück jüdischen Weltgefühls, das hier durchbricht? —■ Den vierten und fünften Akt verspricht uns die ״Corona“, die übrigens jetzt in einfacherer, aber unvermindert schöner Gestalt erscheint, für das nächste Heft. (Aus dem Inhalt des ersten seien noch herrliehe Rilke-Briefe und ein in der Bibliothek Warburg gehaltener Vortrag Heinrieh Zimmers ״Der indische Mythos" erwähnt ) Albert Cohen, Sofa!. Roman. Ins Deutsche übertragen von Franz Hessel und Hans Kauders. Drei Masken Verlag, München. Der französische Sephardi Albert Cohen hat uns aus seiner Kenntnis des orientalischen Ghettos heraus ein höchst abenteuerliches und buntes Buch geschenkt. Sefardische Juden in einer griechischen Inselstadt mit allen ihren Besonderheiten und und inneren Gegensätzen: Schnorrer bei Käse und Olivenöl, Rabbiner in pelzverbrämten Röcken, ״froschartige“ Frauen mit langen Perlenketten. Dazwischen die Welt des Abendlandes, Frankreich, Paris vor allem, das seine Fühler ausstreckt nach diesen Halb-Asiaten und sie unwiderstehlich in seinen Bann zieht. All das hat der Verfasser, der offenbar aus Selbsterlebtem schöpft, eingefangen und uns zum Teil in höchst lebendigen, wenn auch häufig etwas zu wortreichen Schilderungen wiedergegeben. Besonders die .Originale der possierlichen Schnorrer und Granden zugleich, der Onkel Saltiei, Fisenbeißer der Rechtsgelehrte und Mathathias der Geizhals wachsen lebendig vor uns, lärmen, zanken, beten und schütteln sich ,; . cs ist, als ob man plötzlich in dem orientalischen Hafen ankäme und nach der stillen Meerfahrt menschliche l aute doppelt grell einem das Ohr zerreißen. Sie alle sind lebendig — schattenhaft bleibt nur der Held, Sola! von den Solals (wie sein Name ursprünglich hieß), gerade weil der Verfasser meint, für ihn des Guten gar so viel getan zu haben und weil er — so scheint es dem Leser — selbst ein wenig in ihn verliebt ist wie alle die schönen Frauen, die sich eine nach der anderen auf ihn stürzen. Und doch gibts auch hier eine packende Szene: wie die junge Französin den angebet eien Gebieter dabei überrascht, daß er im Kreise der Armseligen, die ihm nachgefolgt sind, den Gebetmantel über den Schultern, betet und singt und sich schüttelt wie in den Tagen der Kindheit, die er trotz, allem nicht vergessen kann... Der Schluß des manchmal derb realistischen Buches leitet ganz ins Visionäre hinein; wir glauben ihn nicht recht, wenn der Verfasser auch nach amerikanischem Muster noch einmal selbst hinter seinen Figuren hervortritt und uns ins Gewissen redet. Die Schatten sind ihm nicht zu Gestalten geworden .... B. B. St. Wilhelm Hausenstein, Europäische Hauptstädte. 421 Seiten. In Leinen M. 8.50. Eugen Rentsch Verlag, Erfenbach-Zürich und München. Dies Buch zeichnet die Physiognomien acht europäischer Hauptstädte, nämlich: Wien, Paris, Rom, Brüssel, Kopenhagen, Amsterdam, Prag, Berlin. Der Kunsthistoriker Hausenstein versteht meisterhaft die Atmosphäre dieser Städte einzufangen, und indem er Erlebtem, Beobachtetem seine typische Seite ablihecht, gibt er zugleich eine Analyse des geschiehtliehen, kulturellen, geistigen Wesens der Stadt. Zugleich mit dem Besonderen sient man aber das Verbindende, che Begegnung und Wanderung der Stile und nationalbestimmten Formkräfte. Das Barock nennt Hausenstein den ״Orientalismus der europäischen Kultur“, und darum wohl war das jüdisch durch-, setzte Wien dafür so aufnahmefähig; wie denn überhaupt das jüdische Element in mehreren dieser Städte als mitschöpferisches gewürdigt wird, besonders in Wien, Prag, Amsterdam — die als Städte nationale Mischprodukte sind. Wie der Verfasser die Eigentümlichkeiten der Städte und Völker mit Feinheit und Geschmack enthüllt und nach zeichnet, das mitzuempfinden wird den Lesern dieses schönen Buches ein wirklicher Genuß sein. t. Persönliches. Unser Gesinnungsgenosse Rabb. Dr. Simon Schlesinger (Köln) wurde einstimmis׳ zum Rabbiner der Gemeinde Memel gewählt. HECHALUZ Unser Hachsdiarah - Zentrum in Holland Anfang November besuchte das Mitglied des deutschen Merkas, Fritz Lichtenstein, unser Hachscharahzentrum in Holland. Neben polnischen und rumänischen Chaluzim arbeiten heute dort etwa 25 Chawerim aus Deutschland. Die gesamte Hachscharaharbeit in Holland wird geleitet durch die Verceniging tot Vakoplciding van Palästina-Pioniers, einer privaten Gesellschaft einiger Zionisten. Die Chawerim ar* beiten auf einzelnen Bauernstellen, die sich um Lochern und Enschedc konzentrieren und 12—15 km entfernt voneinander liegen. Die hochentwickelte holländische Landwirtschaft bietet gute Ausbildungsmöglichkeiten in allen landwirtschaftlichen Zweigen, Feldarbeit, Hofwirtschaft und Kuhstall. Durch die Konzerstration wird die Möglichkeit auch für eine theoretische Fachausbildung geschaffen. Zweimal die Woche besuchen die Chawerim landwirtschaftliche Kurse, die von der Verceniging mit Unterstützung der Regierung veranstaltet werden. Um den Besuch der Kurse zu ermöglichen, leiht die Verceniging jedem Chawer ein Fahrrad, das unentbehrliche Verkehrsmittel in Hol-!and. Dennoch sind die Entfernungen zu groß, um eine gründliehe Tarbutharbcit zu ermöglichen. Die Chawerim, die nach Holland gehen, müssen sich für 11/2 Jahre verpflichten, sofern sic nicht schon vorher landwirtschaftlich gearbeitet haben. Außer der allgemein guten und reichlichen Verpflegung erhalten die Chawerim je nach Leistung bis zu 3!/f Gulden wöchentlichen Barlohn. Soweit sie dem holländischen Alijah-Kibbuz angehören, sind sie verpflichtet, Fi davon der Kasse des Kibbuz für den Alijahgeld-Fonds abzuliefern, während 1,4 des Lohnes an den Merkas für allgemeine Ausgaben des Zentrums abgeführt werden. Taschengeld erhält jeder Chawer vom Merkas aus der gemeinsamen Kasse. Im nächsten Frühjahr werden 20—25 Chawerim in Holland neu untergebracht werden können, besonders da eine größere Zahl der dort jetzt arbeitenden Chawerim im Winter zur Alijah kommt. Die Tatsache, daß Chaluzim aus dem Auslande in Holland arbeiten, ist für die zionistische Arbeit in der holländischen jiidischen Jugend von großer Bedeutung. Heute besteht dort eine zionistische Jugend-Föderation, in der die Chawerim des Hechaluz aktiv chaluzisch zu wirken versuchen, was allerdings von den landwirtschaftlichen Arbeitsplätzen aus nur unter Schwierigkeiten möglich ist. Außerhalb der Jugend-Föderation gibt es wertvolle jüdische Kräfte in der sozialistischen Arbeiterjugend, die zum Teil ganze jüdische Gruppen bilden. Durch die Arbeit unserer Chawerim ist es gelungen, einen Teil dieser Menschen zionistisch-chaluzisch zu interessieren. In Amsterdam und Oroningen sind bereits Snife-Hechaluz gegründet worden. Man kann hoffen, daß in dem Maße, wie es uns gelingen wird, das Hachscharahzentrum in Holland zu erweitern, auch die Möglichkeit, die holländische Jugend zu erfassen, steigen wird. Zionistischer Grnppenverbaodstag in Essen Die Tagung des Zionistischen Gruppenverbandes Niederrhein-Wcstfalen, die am 20. November in Essen stattfand, nahm einen ausgezeichneten Verlauf und hinterließ eine starke Wirkung auf Zionisten wie auf nichtzionistische Gaste. Viel trug dazu bei, daß wir uns, wie Blumenfeld sagt«, »auf eigenem Grund und Boden“, AätnHch im neuen jüdischen Jugendheim bewegten, *I!» Tatsache, die allen Teilnehmern ein gewisses Freiheltsgefüh! gab. (Dieses Jugendheim ist ein geniales Bauwerk Erich Mendelsohns, das Dr. Georg Hirschland der Essener Jüdischen Gemeinde gestiftet hat.) 600—700 Menschen waren nachmittags und abends im Großen Saal versammelt, die aus dem ganzen Gebiet zwischen Bielefeld und Köln nach Essen zur Tagung gekommen waren. Die von Dr. Erwin Mansbach gemachten Vorschläge für einen besonders organisierten und disziplinierten Arbeitskreis innerhalb der Ortsgruppe — ״Odud Awodah“ genannt — wurden lebhaft diskutiert. Die Mehrzahl der Diskussionsredner verhielten sich ablehnend. Dennoch scheint der Grundgedanke des ״Gdud Awodah“, wenn auch nicht in der von Mansbach vorgeschlagenen Form, allmählich an Boden zu gewinnen. Blumenfeld, der sich an der Diskussion beteiligte, sprach für die dem ״Gdud Awodah“ zugrunde liegende Idee, wenn er auch den Namen und die dem Gruppenverbaiid vorgeschlagene Form nicht für erforderlich hielt. Die Gegner der Gdud-Idee behaupteten, daß ein guter Ortsgruppenvorstand einer weiteren Unterstützung nicht bedürfe, während Blumenfeld meinte, daß man arbeitswilligen jungen Menschen eine Möglichkeit sinnvoller Betätigung gehen müsse; er erklärte auf die Frage, daß es sich doch bei den Mitgliedern eines solchen Gdud nicht um gewählte Repräsentanten handele, daß man für die Arbeit nicht gewählt zu werden brauche. Fs war dafür gesorgt worden, daß in der Diskussion nur wirklich arbeitende Zionisten zu Wort kamen. — Nachmittags in der öffentlichen Veranstaltung sprach Mosche Br ach mann klar, gut und volkstümlich über die Alijah und die tatsächlichen Vorgänge in Palästina. Darauf sprach BIumenfeld, der durch lang anhaltenden Beifall begrüßt wurde. Sein sehr gut aufgebauter Vortrag, der bittere Wahrheiten über die äußere und innere Lage des Judentums im Gallith enthielt, bildete den Höhepunkt der Veranstaltung. Unsere Propaganda hat erreicht, daß diesmal auch westjüdische Nichtzionisten anwesend waren, die wir sonst nicht erfassen konnten. Audi diese Kreise sind, wie wir feststellen konnten, außerordentlich tief beeindruckt worden. — Störungsversuche der ״Geserd“ mißglückten. Nach vielfältigen Erfahrungen mußten wir uns entschließen, Geserd-Anhänger nicht mehr zu unseren Veranstaitungen einzuladen oder zuzulassen, da es bisher niemals gelang, eine sachliche Diskussion bis zu Ende durchzuführen. Augenscheinlich sind die Vertreter der Geserd nicht fähig, sich in einer Auseinandersetzung zu behaupten, da sie regelmäßig durch plumpe terroristische Methoden die Versammlungen zu sprengen versuchen. Es kann für uns kein Interesse daran bestehen, den gleichen Vorgang immer wieder zu erleben. — Die Abend- Veranstaltung brachte die ״Ahasver“-Aufführung, wie sie I. Reis und Goldberg mit dem Brith Haoiim, Köln, gestaltet haben. Unter der Berücksichtigung der Tatsache, daß es sich um Dilettanten handelt, war die Aufführung sehr gut und der Festspielabend e'in glücklicher Ausklang des Gruppenverbandstages. Der Gruppenverbandstag hat gezeigt, daß unsere Attraktivkraft im Wachsen ist und daß Massenveranstaltungen, richtig vorbereitet und in ihrem Zweck klar erkannt, ein wirksamer und notwendiger Bestandteil unserer Propaganda sind. — In nachster Zeit findet eine Zusammenkunft der Ortsgruppenvorsitzenden statt, die unter dem Namen Gruppenverbandsausschuß schon häufiger tagten. י/ Das Protokoll der Genfer Jüdischen Weltkon'ercnz ist in deutscher Sprache soeben erschienen. Es ist 175 Seiten stark und gibt die Referate und Diskussionen der Genfer Konferenz sowie alle gefaßten Beschlüsse und Resolutionen genau wieder. Das Protokoll ist vom Zentralbüro des Exekutiv-Komitees zur Vorbereitung des Jüdischen Weltkongresses in Berlin (Charlottenburg, Bismarckstr. 106) herausgegeben und von dort zum Preise von 1.80 RM. zu beziehen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.