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Jüdische Rundschau · 1932-12-06 · Heft 97 (6.12.1932) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 97 (6.12.1932)
Date
1932-12-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 472 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 97. 6. m 1932 Jüdisdte Gegenwart jüdisches Schicksal Vortrag Kastein wurde, daß die Juden die Universität als ״Buße für Lernberg“ verlassen müssen, Nach der Versammlung stürmten die Teilnehmer die Uörsäle, trieben die jüdischen Hörer in die Korridore hinaus und schlugen dort auf sic ein. Im Hof der Universität leistete Professor Dombrowski acht verletzter! jüdischen Studenten erste Hilfe, ln der Nähe der Universität wurden noch einige jüdische Studenten erheblich verletzt. An! schwerwiegendsten waren die Vorgänge an der War• schauer Technischen Hochschule, wo die Studenten mit Gewalt aus den Hörsälen vertrieben und viele verletzt wurden. Am nächsten Morgen blockierten die Nationaldemokraten den Eingang zum Polytechnikum und ließen die jüdisehen Hörer nicht hinein. Der Rektor appellierte an die Demonstranten, das Tor freizugeben. Seinem Appell wurde Folge geleistet, aber in den Korridoren wurden verschiedene Male jüdische Studenten überfallen, schwer mißhandelt und mit Spitcknäpfcn beworfen. Mehrere n i c 111 - jüdische Studenten, die sich ihrer jüdischen Kollegen annahmen, wurden barbarisch mißhandelt. — Der Rektor des Polytechnikums verfügte die Schließung der Anstalt für unbestimmte Zeit. Die Lage in Lemberg Nach der Bestattung des Studenten Grotkowski, Ober die wir schon berichtet haben, setzten sich die Unruhen fort. An den folgenden Tagen wurden zahlreiche Juden überfallen und verletzt. Der Gesundheitszustand der bei den sonntägigen Geschehnissen schwerverletzten Juden Dr. Rawiez und des Studenten Ostrower hat sich so verschlimmert, daß an ihrem Aufkommen gezweifclt wird. In einem bedenklichen Zustand befindet sich der jüdische Kaufmann Jizchak Flisfer, der aus der Straßenbahn hinausgeworfen und von einer entgegenkommenden Bahn erfaßt und überfahren wurde. Am Mittwoch Mittag wurde der jüdische Postbeamte Hartmann, der am Montag unter den Händen des ihn mißhandelnden Mobs — vor Aufregung an Herzschlag — gestorben war, unter polizeilichem Schutz zu Grabe getragen. Unter den Trauergästen sah man viele christliche Kollegen des Verstorbenen. Wie cs heißt, werden sich die drei Juden Katz, Keller und Schmer, die wegen der Ermordung von Grotkowski verhaftet worden sind, nicht vor einem Standgericht, sondem vor einem normalen Gericht zu verantworten haben. Sogar die antisemitische Warschauer ״Gazetta Warszawska“ gibt zu, daß die jüdischen Teile von Lemberg das Bild einer verwüsteten Stadt bieten. In der Affäre des bei den Zusammenstößen in der Kopernikus-Gasse schwer verletzten polnischen antisemitischen Studenten Zamorski (s. letzte Nr. der ״J. R.“) ist eine sensationelle Wendung eingetreten. Es hat sich herausgestellt, daß Zamorskis Verletzungen nicht von Schüssen, die auf ihn abgegeben worden seien, herrühren, sondern von einer Petarde, die er in seinen Kleidern versteckt hielt. Zamorski hat ein diesbezügliches Geständnis bereits abgelegt. (Bekanntlich hat die Verletzung Zamorskis ebenso wie die Ermordung Grotkowskis Anlaß zu schwerster antijüdischer Hetze gegeben und zur Verhaftung einiger Juden geführt.) Die PAT. veröffentlicht einen Aufruf der Rektoren aller Lemberger Hochschulen, in dem die Studentenschaft aufgefordert wird, die Ruhe zu bewahren; andernfalls würden die schärfsten Maßnahmen zur Anwendung ge! *i*ng*n. Auch die höchste katholische Geistlichkeit Lembergs fordert die Studentenschaft zu Ruhe im Geiste des katholischen Glaubens und der Ethik auf, die den Grundsatz ״Auge um Auge, Zahn um Zahn“ verneint. Die letzten Meldungen aus Lemberg besagen, daß die Stadt sehr stark durch Polizei, die aus Warschau, Sosnowiec und der ganzen übrigen Umgebung von Lemberg zusammengezogen worden ist, besetzt ist. Abg. Dr. Rosmarin intervenierte bei der Lemberger Leitung der Bank Polskie wegen Verlegung der Wechselzahlungsterm i-ne für die jüdischen Kaufleute, die infolge der Unruhen ihre Läden geschlossen halten müssen und darum über keinerlei Barmittel verfügen. In Lemberg laufen täglich Hunderte von Depeschen von Verwandten Lemberger Einwohner aus Deutschland, Pa- Iästina, Amerika usw. ein, in denen sich die Absender über das Schicksal ihrer Angehörigen erkundigen. In der Nacht zu Donnerstag, dem 1. Dezember, explodierte vor der Synagoge in der D/iulkiewska-Gasse eine Petarde, wobei sämtliche Fensterscheiben der Synagoge in Trümmer ingen. in der gleichen Nacht explodierte eine Petarde auf dem emberger jüdischen Friedhof, ohne viel Schaden anzurichten. Der Jüdische Parlamentsklub hat beschlossen, in der kommenden Sitzung des polnischen Sejm eine Anfrage an die Regierung wegen der antisemitischen Ausschreitungen zu richten. * Die Hintergründe (Von unserem Korrespondenten.) —g. Warschau, 2. Dezember. Im Augenblick, da diese Zeilen geschrieben werden, scheint die Welle der antijüdischen Krawalle in Polen, insbesondere in Lemberg, über die die ״Jüdische Rundschau“ detaillierte Nachrichten bereits veröffentlichte, sich zu beruhigen. Allerdings ist cs nicht sicher, was der nächste Tag bringen wird. Waren doch erst vor zwei Wochen fast sämtliche Hochschulen in Polen, insbesondere in Warschau und Lemberg, Schauplatz antijüdischer Demonstrationen und Exzesse, und zwar anläßlich des ersten Todestages des während der vorjährigen Ausschreitungen in Wilna umgekommenen polnischen Studenten Waclawski. Schon damals, knapp nach dem Beginn des neuen Universitäisjahres, als sämtliche Hochschulfaktoren, ohne Unterschied, welcher politischer Richtung sie angehören, mitgeholfen haben, den numerus clausus für Juden strengstens durchzuführen, ging man auf das Häuflein jüdischer Studenten los und die Behörden mußten energisch eingreifen, manche Institute zeitweise schließen, um den wüsten Hetzereien ein Ende zu machen. Einige Tage später kamen aus Amerika von den Vertretern der dortigen polnischen Kreise, u. a. auch polnischer Jugend, Appelle, die antijüdische Bewegung in Polen einzustellen, da sie dem polnischen Staate und dem polnischen Namen im Auslande großen Schaden bringen. Und doch genügte kurz darauf eine Rauferei zwischen Betrunkenen, wie sie oft in einer Großstadt vorkommt, auch manchmal mit tödlichem Ausgang, um wieder antijüdische Krawalle auszulösen, die zeitweise sogar, in Lemberg, pogromartigen Charakter annahmen. Drei Tage lang lebte die jüdische Bevölkerung im Pogromschreck und Hunderte Juden wurden tätlich angegriffen, jüdische Geschäfte und Wohnungen geplündert und ausgeraubt. Das Gespenst der unglücklichen Novembertage 1918 stieg wieder auf und die jüdische Bevöl- Die Frauen-Arbeitsgemelnschaft für Palls t i n a veranstaltete am 22. November einen Abend mit Dr. J. Kastein. Nach einer kurzen Begrüßung durch Frau Blumenfeld sprach Kastein über das Thema ״Jüdisehe Gegenwart, jüdisches S c h i c k s a 1“. Der Redner ging davon aus, daß die Stellung, die ein Volk zu den Zeitbegriffen «innimmt, seinen Charakter deutlich sichtbar werden läßt. Es gibt Völker, fjir die nur die Gegenwart bedeutsam ist (zu ihnen gehören die Deutschen). Andere, bei denen alles Vergangene und Gegenwärtige vor dem Zukunftsgedanken untergeht (zu diesen gehören die Russen). Und wieder andere, in denen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gleichwertig nebeneinander stehen, in denen also die Gegenwart durch die Vergangenheit bestimmt und nur als Uebcrgang in die Zukunft bewertet wird — ihr vornehmster Repräsentant sind die Juden. Während der Deutsche die Erklärung für eine quälende Gegenwart in einer feindlichen Umwelt sucht, sieht der Jude die tiefste Ursache seines Schicksals in sich selbst. Umgeben von einem panisch verängstigten Heidentum hat er ein ordnendes Prinzip aus sich hcrausgestellt. Die Frage, wie der Jude heute auf sein Schicksal reagiert, ist allerdings nicht aus dem tiefsten Sinn des Judentums heraus zu entscheiden. Sie setzt eine zweite Frage voraus: Will der heutige Jude sich sein Schicksal noch selbst bereiten? Die Gegenwart der großen Masse der heutigen Juden ist ebenso zweckbelastet und ohne Ausweg wie das Leben der anderen. In diesem Zusammenhang polemisierte Kastein gegen den historischen Materialismus bei Marx und die Scheinlösung, die ein großer Teil der jüdischen Jugend in seiner Lehre findet. Das Judentum hat vom Sinai her die Idee über die Wirklichkeit gestellt und die Realitäten der feststehenden Grundidee anzupassen gesucht. Jede wirkende Idee braucht aber einen Lebensraum, um sich in ein Geschehen umzusetzen. Dieser Lebensraum fehlt dem heutigen Juden. Kastein brach diesen Gedanken, den er später wieder aufnahm, hier ab und gab eine kurze Analyse der Zeit und der wesentlichen Zeitideen. Die jetzige Krisis charaktcrisierte er als eine Krisis der Gesinnungen, nicht als Krisis der Wirtschaft. Neu aufbauend und in die Zukunft wirkerung wurde der Unveränderlichkeit ihrer Lage trotz manchem gegenteiligen Anschein inne. Die Studenten und der ihnen bald folgende Pöbel benutzten die altbekannten Methoden und Verleumdungen. Die sich zur Wehr setzenden angegriffenen Juden wurden als ״Angreifer“ vor die Polizei zitiert, Zeugen fanden sich, die gesehen haben wollten, wie Juden Gewehre benutzt haben, wie aus jüdischen Wohnungen geschossen, heißes Wasser gegossen wurde usw. Ja man bekam sogar zu hören, an dem getöteten polnischen Studenten sei ein — ״Ritualmord“ verübt worden . . .; Jüdisches Blut floß aus zahlreichen Wunden, viel jüdisches Vermögen wurde vernichtet und es käme sicherlich zu noch ernsteren Ausschreitungen, hätte nicht die Regierung energisch eingegriffen. Dies muß ausdrücklich fest-' gestellt werden, wenn auch hier und da die untergeordneten Polizeiorgane manche Verfehlungen sich zu Schulden kommen ließen. Auch ein Teil — der regierungsfreundliche — der polnischen Jugend und manche Kreise der polnischen Gesellschaft und die gesamte polnische Presse mit Ausnahme der nationaldemokratischen, haben gegen die Exzedenten scharf Stellung genommen. Für die Nationaldemokratie ist nämlich die Judenfrage gegenwärtig ein Sprungbrett zum Auftreten gegen die Pilstidski-Regierung und kein Mittel, kein Anlaß ist zu schlecht, um ihn nicht für diese Politik auszunutzen. Dies beweisen die letzten Ereignisse in Lemberg. Dazu kommt letztens noch ein Grund hinzu. Um die Vorherrschaft der Nationaldemokraten an den Hochschulen zu brechen, geht die Regierung daran, die bestehende und bisher als unantastbares Heiligtum angesehene Autonomie der Hochschulen zu beseitigen, bzw. stark einzuschränken.. Die Juden haben angesichts der bestehenden Verhältnisse gar keinen Grund, der Universitätsautonomie, die in den letzten Jahrzehnten ein Deckmantel für antijüdische Bewegungen und Straflosigkeit gemeinster Verbrechen war, eine Träne nachzuweinen. Trotzdem haben auch manche prominente jüdische Führer in Polen, wie Prof. Sch or r und Abg. Thon, sich aus prinzipiellen Gründen gegen die Aufhebung der Hochschulautonomie ausgesprochen. Die Entscheidung ist übrigens von keiner einzigen jüdisehen Stimme abhängig; dennoch wird die Frage zum Anlaß einer wüsten antijüdischen Hetze genommen. Man bekam jetzt wieder scharfe Forderungen absoluten Boykotts der Juden, vollständiger Eliminierung aus wirtschaftlichen Positionen usw. zu hören. Als oh erst Krawalle und Ausschreitungen dazu nötig wären. Das nationaldemokratische Programm wird seit Jahren unbarmherzig durchgeführt. Das jüdische Leben und Eigentum wird im Ausbruchsfall seitens der gegenwärtigen Regierung zwar geschützt, aber Juden in Polen wird es mit ״friedlichen“ Mitteln immer schwieriger gemacht, sich am Leben zu erhalten, die Existenzbedingungen werden mit jedem Tage unerträglicher. Der jüdische Student, dessen Tragödie wir unlängst in diesen Blättern geschildert haben, befindet sich gegenwärtig in Polen auf dem exponiertesten Posten der jüdisehen Kampffront, er ist der Blitzableiter, der alle Fun* ken aus jeweiligen Zusammenstößen, sei es politischen, sozialen oder wirtschaftlichen, auf sich rieht. Zur Ehre des jüdischen Studenten in Polen sei gesagt, daß er stolz und mutig allen Faktoren gegenüber sich zu verteidigen weiß und diese seine würdige Haltung bringt die Antisemiten aus der Fassung. Zumal wenn sie, wie letztens oftmals, wo sie auf jüdische Bürger stoßen, energische Abwehr erfahren. In Stuttgart mußte ein vom nationalsozialistischen ״Kampfbund für deutsche Kultur“ angekündigtes Konzert, auf dessen Plakaten vermerkt war, ״Juden haben keinen Zutritt“, abgesagt werden, weil die Künstler mit Rücksicht auf diese den Konzertbetrieb politisierende Bemerkung ihre Mitwirkung verweigerten. kend sind allein die Ideen, die auf das Kollektiv gerichtet sind. Auch für Juden liegt nur im bewußten Anschluß an Gemeinschaften die Möglichkeit zu einer neuen Lebensgestaltung. יDer Gemeinschaftsraum, dem sich der — seine individualistische Einstellung verlassende — Jude cingliedert, kann ein dreifacher sein: Der Jude kann durch bewußte Assimilation an die Umwelt völlig aus dem Judentum herausgehen, er kann als ״Randjude“ leben, oder bewußt an der Gestaltung einer neuen jüdischen Gemeinschaft mitarbeiten. Als ״Randjuden“ bezeichnete Kastein die Masse der Juden, die in ihrem täglichen Leben der Umgebung ganz angepaßt sind und mehr dem Namen nach als der Wirklichkeit nach Juden bleiben. Es ist falsch, wenn sie dies Beharren als ״Treue“ bezeichnen, denn Treue setzt Willen und Klarheit voraus. Der Randjude bedeutet für das Judentum eine Gefahr, weil er die jüdische Idee ver* fälscht: sein Restbestand an Judentum wird für das Ganze ausgegeben. Im wahren Judentum steht zwischen dem Einzelnen und dem Kollektiv das Prinzip der freiwilligen Dienstb a r k e i t. Das dynamische Bewegtsein, der Wille sondert den Volljuden vom Randjuden -*- nicht immer die Wirklichkeit seines Tuns. Der Drang zum Aufbauen der neuen jüdischen Gemeinschaff, in der das Leben ganz von der Idee aus bestimmt werden kann, zwingt zur Bejahung Palästinas. Schon heute offenbart sich in Palästina die zeugende Kraft des Volkskerns, von der Wirkungen nach der Peripherie hin ausstrahlen. Kastein schloß mit einem besonderen Appell an die Frauen, deren kameradschaftliche und mütterliche Mitarbeit unentbehrlich ist, nachdem die zionistische Idee bereits begönnen hat, Wirklichkeit und Tatsache zu werden. Frau Blumenfeld knüpfte an die Schlußsätze von Kastein an und bat die Frauen, in Erkenntnis der Notwendigkeit eines neuen Gemeinschaftsaufbaus, an den wichtigen praktischen Arbeiten der WIZO teilzunehmen. Der Abend wurde durch einen wertvollen musikalischen Vortrag abgeschlossen: Frau Marg. Moses (Klavier) und Jacob M e i r o w i t z_ (Geige) spielten in starker Vertiefung in die Musik und sicherer technischer Beherrschung Werke von Haendel, Grieg und Bloch. M. T. Kleine Naduidiien In der rumänischen Kammer interpellierte der jüdische Abgeordnete W e i ß m a n n die Regierung wegen eines Artikels in einer Studentenzeitung, in dem die Juden beschuldigt werden, Ritualmorde zu verüben. Weißmann wurde darauf von dem Abgeordneten Georg Cu za, den! Sohn des Antisemitenführers Professor Cuza, beschimpft und geschlagen. Weißmann wehrte sich erfolgreich.. Der Disziplinarausschuß der Kammer schloß Cuza für zwanzig Sitzungen ,aus. . ...... Als Abschluß der großen Feierlichkeiten des Krakauer Polentüms aus Anlaß des 25. Todestages des polnischen Dichfers Stanislaw Wyspianski fand im Krakauer jiddisehen Theater eine Festaufführung der zwei Wyspiankisehen Dramen ״Daniel“ und ״Die Richter“ in jiddischer Sprache in Anwesenheit der polnischen Behörden und Würdenträger statt. Die Festvorstellung gestaltete sich zu einer Manifestation polnisch-jüdischer Freundschaft. Wie ,,Dawar“ auf Grund der Ergebnisse der amtlichen Volkszählung mitteilt, haben von den 174 610 in Palästina wohnenden Juden rund 166000 Hebräisch als ihre Muttersprache angegeben. 4600 Juden gaben Jiddisch, die übrigen Deutsch, Englisch, Persisch oder Russisch an. ln der Nahe von Hamath am Jordan hat eine Expedition der Universität Jerusalem eine alte Synagoge aus d e qj 5. Jahrhundert ausgegraben. Die Mauern tragen Inschriften in Hebräisch und Aramäisch, sowie die Namen verschiedener Spender für das Synagogenwerk. Auch Reste einer Thora- Lade wurden gefunden. Wie wir bereits gemeldet haben, ist an Stelle des deutsehen Generalkonsuls in Jerusalem Dr. Nord, Generalkonsul Wolff ernannt worden. Gleichzeitig tritt auch ein Wechsel im Vizekonsulat ein. An Stelle des nach Belgrad versetzten Vizekonsuls Heß tritt Gesandtschaftssekretär Ringelmann, Belgrad. Zum deutschen Konsul in Jaffa wurde Timotheus Wurst, der Direktor der Templer-Bank, an Stelle des verstorbenen Hoffmann ernannt. Anläßlich des 70. Geburtstages von Gerhard Haupt* mann veröffentlicht die palästinensische Literaturzeitschrift ״M 0 s n a j i m“ (Tel-Awiw) einen Aufsatz von MoscheCalvyy über Hauptmann. Gleichzeitig wird die von David Schimonowitz stammende hebräische Uebersetzung eines Abschnittes aus der ״Versunkenen Glocke“ wiedergegeben. In die Setzerei der New Yorker jiddischen Tageszeitung ״ J e w i s h M o r n i n g Journal“ drangen am 29. November Banditen ein und raubten 2300 Dollar. Die Räuber konnten bisher nicht ermittelt werden. Aut einer in Warschau abgehaltenen Konferenz, von Vertretern der Allgemein-Zionistischen Landesorganisationen Kongreßpolens, Ostgaliziens und Westgaliziens wurde eine provisorische Vereinigung dieser drei territorialen Organisationen vollzogen. Es wurde ein Zentralkomitee ewählt, dem fünf Vertreter des Warschauer, drei des Lernerger und zwei des Krakauer Landeskomitees angehören. Dank der Freigebigkeit der Familie K a d o o r i e ist es der Alliance Fsraelite Universelle möglich gewesen, mit, dem Bau hygienisch, modern und prachtvoll ausgestatteter jüdischer Schulgebäude in Damaskus, in Istahen und in Hamadan, Persien, zu beginnen. Die Familie Kadoorie hat sich auch erboten, die Marranen-Synagoge in Oporto wesentlich auf ihre Kosten bauen zu lassen. Zertifikats-Verteilung. Die Tewish Agency hat die für Arbeiter und Handwerker bestimmten E i n w a n derungszertifikate für das laufende Halbjahr auf die einzelnen Länder wie folgt verteilt: Polen 1060 Arbeiter und 300 Handwerker; Rumänien 215 und 45; Litauen 195 und 18; Aden 130; Deutschland 90 und 23; Lettland 90 und 5; Tschechoslowakei 75 und 5; Griechenland 52 und 40; Amerika 40 und 25; Oesterreich 35 und 6; Rußland 30; Jugoslawien 30; die restlichen Zertifikate wurden auf 24 weitere Länder in Europa, Amerika und Asien verteilt. Die 1200 Zertifikate für Verwandte von Palästina-Einwohnern sind in den obigen Ziffern nicht einbegriffen. .....

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