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Jüdische Rundschau · 1932-12-02 · Heft 96 (2.12.1932) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 96 (2.12.1932)
Date
1932-12-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 96, 2, XU.1932 JODTSCHE RUNDSCHKtS Seite 467 In der Stunde der Prosperity Anregungen zur Jüdisch-arabischen Zusammenarbeit Von Dr. med. Arthur Brünn, Tel-Awiw Die Frage der jüdisch-arabischen Beziehungen, die in der ersten Zeit nach den Unruhen Gegenstand leidenschaftlicher Debatten und ernsten Studiums in den zionistischen Kreisen war, ist schon seit geraumer Zeit gänzlich in Vergessenheit geraten. Parteikonferenzen und Aktions-Comitd-Sitzungen finden statt, ohne daß man dieser wichtigsten außenpolitischen Frage des Zionismus die gebührende Beachtung schenkt. Man verschließt die Augen absichtlich, weil man anscheinend nicht weiß und nicht wissen will, wie man diese peinliche Frage beantworten soll. Wenn man das Gespräch darüber vom Zaune bricht, so bekommt man bestenfalls die Antwort: ״Ueber diese Frage zu sprechen ist verboten“. ״Was soll diese Frage“?, sagt der Durchschnittspalästinenser; ״im jüdischen Jischuw herrscht seit Monaten eine wirtschaftliche Prosperity, während der arabische Teil der Bevölkerung in einer wirtschaftlichen Depression verharrt; eine starke Polizeimacht hält Ruhe und Ordnung, der neue High-Commissioner ist jüdischen Dingen günstig gestimmt. Geist? Wozu! Thora? Wozu! Juden tum? Wozu! Nur weiter vorwärts, schnell vorwärts!! Mensehen ins Land! Alijah! Bodenkauf und noch einmal Bodenkauf!“ In diesen beiden Forderungen erschöpft sich die ganze politische Weisheit des palästinensischen Bürgers. Nun denkt kein Zionist daran, die hochwichtige Bedeutung von Bodenkauf und Einwanderung zu unterschätzen, aber es sollte eigentlieh überflüssig sein zu betonen, daß mit diesen beiden Problemen der Zionismus bei weitem nicht erschöpft ist. In dieser Zeitschrift wird immer wieder hervorgehoben, welch schwerer Fehler die Bagatellisierung der jüdisch-arabischen Frage ist. Es ist notwendig, diese Sache wieder und wieder aufzurollen; sie ist die verwundbarste und schwächste Stelle unseres Aufbauwerkes und kann unser ganzes großes Werk ernsthaft gefährden. Gerade jetzt, wo alles schweigt, wo die Prosperity alle Herzen höher schlagen läßt, ist es notwendig, darüber zu reden, sine ira et Studio, gerade jetzt ist es notwendig, darauf hinzuweisen, daß allein schon aus rein utilitaristisehen Gründen (pazifistische, humanistische, jüdisch-geistige Gründe sind in unserer scharf und sachlich denkenden palästinensischen Ocffentlichkeit höchst unbeliebt) ein Zusammengehen mit den Arabern die Voraussetzung für eine gedeihliche Entwicklung des Aufbaus ist. In einer Zeit wirtschaftlichen Stillstandes ist es viel schwieriger, zum Gegner zu gehen und ihm Frieden und Verständigung anzubieten, als in einer Zeit, in der wir die absoluten wirtschaftlichen Sieger sind. Es gibt hier Wirtschaftsradikale, die im Ernst von einer jüdischen autarken Wirtschaft träumen. In Wahrheit ist wirtschaftliche Autarkie auch in größeren Ländern heute unmöglich, für den kleinen jüdischen Jischuw von 200 000 Mensehen ist sie völlig indiskutabel. Unsere junge jüdische I n - d u s t r i e, die sich in der ersten Entwicklung befindet, ist auf arabische Käufer in- und außerhalb Palästinas angewiesen und schwebt ohne diese in der Luft. Der Boykott jüdischer Waren, der nach' den Unruhen recht stark war, hat zwar nachgelassen, steht aber als Drohung dauernd vor uns. Es ist ein warnendes Zeichen, daß syrische und palästinensische Araber sich nicht unter den Ausstellern der Tel-Awiwer Frühjahrsbefanden:hier haben wir das Beispiel eines, gut durchgeführten Boykotts! * Eine alte Binsenweisheit ist es, •daß arabische und jüdische Industrielle und Orangenbesitzer dieselben Ziele und Interessen haben und auf Zusammenarbeit angewiesen sind. Dasselbe gilt vom jüdischen und arabischen Arbeiter. Es ist Sache der Histadruth Haowdim (Gewerkschaft), in aktiver Weise sich für wirtschaftliche Hebung des arabischen Arbeiters und Fellachen einzusetzen. In manchen Werken, wo jüdische und arabische Arbeiter Zusammenarbeiten, kann man beobachten, wie der jüdische Arbeiter in seinem kleinen Hauschen oder sauberer Baracke wohnt, der arabische daneben in Blech- oder Lehmhütten; wie der jüdische Arbeiter in einer sauberen kooperativen Küche sein Essen bekommt, zubereitet von einer in der ״Wizo“-SchuIe ausgebildeten Köchin, während der arabische Arbeiter, dem Sinn und Vermögen für Kooperative fehlt, einzeln auf dem Boden sitzt und sein trocken Brot mit Oliven ißt. Der arabische Arbeiter mit seinen geringeren Ansprüchen ist ein dauernder Lohndrücker für den jüdischen Arbeiter. Heute arbeitet noch der jüdische Unternehmer aus nationalen Gründen mit dem teueren jüdischen Arbeiter. Wie lange noch? Noch 5 Jahre, noch 10 Jahre? Nach klaren kapitalistischen Gesetzen wird auch der national-jüdische Unternehmer sich eines Tages nach der billigeren arabischen Arbeit umsehen. So liegt also die Hebung des wirtschaftlichen Niveaus des arabischen Arbeiters im eigensten Interesse der jüdischen Arbeiter-Gewerkschaft. Eindeutig klar ist die Notwendigkeit gemeinsamer Arbeit auf medizinischem Gebiet. Das gegenwärtige hohe sanitäre Niveau des jüdischen Jischuw wird sich auf die Dauer nicht halten können inmitten einer unhygienischen Umgebung. Eine in unhygienischen Verhältnissen lebende arabische Bevfilkerung ist eine dauernde schwere Gefahrenquelle für die Juden. Fm Land wüten mehr oder weniger stark Trachom, Dysentherie und Typhus. Es ist absolut klar, daß der Kampf gegen diese Epidemien nur gemeinsam geführt werden kann. Im arabischen Lager herrscht eine hohe Säuglingssterblichkeit, fast dreimal so hoch wie im jüdischen. Es wird nicht möglich sein, die Kurve der jüdischen Säuglingssterblichkeit auf dauernd absteigender Linie zu halten, wenn in dichtester Nähe die Mortalität der arabischen Säuglinge so hoch ist, daß jeder fünfte arabische Säugling stirbt. Der Gedanke einer medizinischen Autarkie ist noch unmöglicher als der einer wirtschaftlichen. Es soll nicht geleugnet werden, daß die Schwierigkeiten einer gemeinsamen medizinischen Arbeit große sind. Wir haben unsere Institute mit soviel Anstrengung aufgebaut und sollen sie jetzt einem anderen Volk, das nichts für den Aufbau der Institute getan hat, zur Verfügung stellen? Dennoch wird es notwendig sein, unseren hochausgebildeten, administrativen medizinischen Apparat unter gewissen Kautelen auch der arabischen Bevölkerung zur Verfügung zu stellen. Die praktischen Möglichkeiten sind mannigfache. Es ist möglich, arabische Mütter in unsere Säuglingsfürsorgestellen heranzuziehen; es ist möglich, arabische Mitglieder für die Krankenkasse zu werben. (Die Krankenkasse hat bereits damit einen ersten wichtigen Anfang gemacht.) Eine wichtige Aufgabe hätten die Gesundheitshäuser von Nathan Straus in Jerusalem und Tel-Awiw, die ja gerade zu dem Zweck gegründet worden sind, prophylaktische Hilfe ״ohne Unterschied von Rasse und Religion“ zu gewähren. Diese medizinische Seite des jüdisch-arabischen Problems ist bisher wenig beachtet worden. Zwei Artikel, die Ich über dieses Thema geschrieben habe (״Dawar“ vom 16. März 1932 und ״Palästina“ August/September 1932) haben kaum Resonanz gefunden. Es sind also allein schon Zweckmäßigkeitsgründe, die zwingend auf allen Gebieten gemeinsame Arbeit fordern. Es ist die Anschauung eines kurzsichtigen Menschen, der nur den סודו• mentanen kleinen Vorteil und nicht die große Linie der Ent- Wicklung eines Volkes sieht, sich nicht um das Wohlergehen des benachbarten arabischen Volkes kümmern zu wollen. Jetzt ist es Zeit zu handeln, gerade wegen der prosperity. Juden und Araber befinden sich, milde ausgedrückt, in einem Zustand völliger Fremdheit, gegenseitiger Verständnislosigkeit und Gegnerschaff. Daß ein solcher Zustand für beide Teile verhängnisvoll werden kann und den Keim zu kommenden schweren Vcrwicklungen in sich trägt, ist klar. Das sind keine Kassandrarufe, keine Furchtkomplexe, das sind nüchterne Erwägungen nackter Tatsachen, die jeder, der Augen im Kopfe hat, sehen muß. Es ist ein Fehler, das Problem zu verschweigen, zu vertuschen, vergessen zu wollen. Das Problem steht da, es muß angepackt werden, mit allen Mitteln muß versucht werden, es zu lösen. In Syrien und im Irak ist die Gegnerschaft gegen die Juden im Steigen, in Aden und Tunis waren schwere anti-jüdische Unruhen, die zum Teil antizionistischen Charakter trugen. Leider wollen Viele diese Zusammenhänge nicht erkennen. Gemein- Same Arbeit ist ein Versuch, eine Möglichkeit, aus diesem Wirrwarr heraus zu einer Besserung zu gelangen. Sie muß sofort ernsthaft und zielbewußt versucht werden. 0er wirtschaftliche llmban des Osiindeatoins Eine Darstellung Dr. Bemh. Kahns. Dr. Bernhard Kahn, Generaldirektor des American Joint Distribution Committee und Direktor der Joint Reconstruction Foundation, der in den letzten Wochen eine Reise durch Polen, Litauen, Lettland und Rußland gemacht hat, empfing dieser Tage die Vertreter der jüdischen Presse und gab ihnen eine Darstellung der jüdischen Wirtschafts- und Umschichtungsprobleme in den Ländern Osteuropas. Nach einigen Informationen über die geplante Fortführung der ״Joint“-Arbeit, die jetzt — infolge der amerikanischen Wirt- Schaftsdepression — eine ״Atempause“ hat, schilderte Dr. Kahn zunächst die Verhältnisse in den Oststaaten außerhalb Rußlands. Die Lage der jüdischen Massen sei furchtbar, aber nicht hoffnungslos. Es sei wohl entmutigend, zusehen zu müssen, wie im wirtschaftlichen Konkurrenzkampf die jüdische Mittelschicht niedergeht und wie bei den maßgebenden Stellen der Regierungen, wenn auch kein Antisemitismus, so doch eine Interesselosigkeit an dem jüdischen wirtschaftlichen Schicksal festzustellen ist. Was tun? Selbsthilfe, Um- Schichtung, Umstellung, Eroberung der wirklichen jüdischen Gleichberechtigung in der Form des Mitvertretenseins in der staatlichen Beamten- und Angestelltenschicht. Heraus aus dem zurückgebliebenen Handwerk und hinein in das Industrie-Handwerk! Dieser Umstellungsprozeß muß aber kontrolliert und geregelt werden. Und hierin liegt der eigentliche Zweck der Kreditgenossenschaften, denen Joint in den letzten Jahren 300 000 Dollar allein für diesen Umschichtungsprozeß zur Verfügung gestellt hatte. Nachdem Dr. Kahn eine Parallele zwischen dem spezifisehen Judenschicksal in Polen, Litauen und Lettland gezogen hatte, gab er einen kurzen Abriß der Entwicklung in Ruß- (and. Es Ist bekannt, daß in Rußland eine Nahrungsmittelkrise ausgebrochen ist, die besoncKrs in der U k r ai n e schwere Forrttn aifftimmt.' Aber es gibt dort kaum mehr jüdische Rechtlos«, denn die junge arbeitende Generation zieht die ältere Generation mit sich. Man sieht in den russischen Städten keine herumlungernden Arbeitslosen, keine Bettler. Der Prozeß, der sich für die russische Judenheit vollzieht, ist von Bedeutung für den ganzen Osten. Hier hat sich der Eintritt der jüdischen Masse in die Industrie mit scharfer Eindringlichkeit vollzogen, ln Rußland ging die Emanzipation der uden In der Form eines Gesamtanteils an der ndustrialisierung vor sich. Trotz des Marsches der Jugendlichen in die Fabriken ist auch die agri kulturelle Entwicklung der Juden in der Sowjetunion von Wichtigkeit. Alexander Goldstein, der bekannte erfolgreiche Propagandist des Keren Hajessod, der im Verlaufe der letzten zehn Jahre bereits in vielen Ländern des ganzen Erdkreises tätig gewesen ist, kehrte dieser Tage aus Südafrika zurück, wo er zuerst mit Dr. Weizmann, dann nach Dr. Weizmanns Abreise die Kampagne des Keren Hajessod geleitet hat. Das Ergebnis dieser Kampagne beträgt 105 000 Pfund, womit Südafrika wahrscheinlich derzeit infolge des Versagens der Vereinigten Staaten von Amerika an die erste Stelle der Keren Hajessod-Länder rückt. Dr. Goldstein war bei seinem Abschied von Südäfrika Gegenstand zahlreicher Ehrungen. Auch die Südafrikanische Regierung hat sich für seine Tätigkeit sehr interessiert, und der gegenwärtige Premierminister, General Hertzog, sowie der Führer der Opposition, General Smuts, sandten zu seinem Abschiedsbankett herzliche Telegramme. Gegenwärtig ist Dr. Goldstein in England. — Die Kampagne in England wird bekanntlich von Leib J a f f e geleitet, der soeben zwei Wochen lang in Leeds tätig war, wo auch Lord Melchett in einer großen Versammlung gesprochen hat. Die englische Wizo hat einen speziellen Aufruf zur Unterstützung der Kampagne Herrn Jaffes erlassen. Dr. Hans Kohn (Jerusalem) hielt am 29. November in Berlin an der Hochschule für Politik einen Vortrag über die soziaien Struktur w a n d 1 ungen der kolonialen und halbkolonialen Lander, worin er in mehr als einstündigen Darlegungen die für die Weltwirtschaft und für die Weltpolitik gleich bedeutungsvollen Aenderungen charakterisierte, die sich im letzten Jahrzehnt in Asien, Sow׳jet-Rußland, Südamerika usw. vollzogen haben. Diese Länder waren früher für Europa Gebiete wirtschaftlicher Ausbeutung, zugleich aber geistig-missionarischer Tätigkeit: sie nahmen die (minderwertigen) Waren, zugleich aber die Ideen Europas auf. Durch drei Ereignisse, nämlich den russisch-japanischen Krieg, die russische Revolution von 1906 mit den darauffolgenden Revolutionen in Asien, und schließlich den Weltkrieg nebst allen seinen Folgen, wurde eine neue Phase der Europäisierung herbeigeführt, die charakterisiert ist durch drei Momente: eine Aktivierung der früher geschichtslosen und vielfach analphabetischen Massen, eine selbständige Industrialisierung und die Technisierung, insbesondere des Verkehrswesens. In den letzten zehn Jahren ist in den früher zurückgebliebenen Ländern ein neuer Menschentypus entstanden, und der veränderten soziologischen Wirklichkeit entspricht das Auftreten des Nationalismus, der sich dem Imperialismus entgegenstellt. So vollzieht sich jetzt die ״Europäisierung“ dieser Länder gegen Europa. Es liegt, so schloß der Vortragende seine überaus instruktiven und klar disponierten Ausführungen, eine gewisse Tragik darin, daß Europas Sieg in diesen Ländern die Vorherrschaft Europas bedroht. Durch das Eintreten bisher passiver Mitglieder der Völkergemeinschaft als aktiv und gleichberechtigt agierende Glieder entsteht eine neue weltwirtschaftliche Zusammenhangsordnung, die unsere künftige Entwicklung gestalten wird. Das jüdische Bergheim am Keilberg Eröffnungsfeier am 27. November 1932. Die Z. O. G. und die nationaljüdischen Jugendgruppen von Chemnitz veranstalteten als Vorfeier eine Jugcndkund• gebung, die außerordentlich stark von Jugend und Erwachsenen besticht war. Für den Zeire Misrachi sprach Dr. Fried• mann, Chemnitz. Für den in letzter Minute verhinderten Vertreter des Brith Haolim, Fritz Lichtenstein, sprang Dr. Lu* bin ski, Berlin, Vertreter der Z.V.f. D. bei der Eröffnung unseres Heimes, ein. Dr. L. wies auf die Not der jüdischen Jugend in allen Ländern der Zerstreuung hin, besonders in Deutschland, und zeigte, wie nur Palästina eine wirkliche Lösung für die jüdische Jugend darstellt. Begeistert von der Idee und der Durchführung des Heimes zeigte Dr. Leiewer, Berlin, der Präsident des Makkabi-Weltverbandes, die Notwendigkeit einer geschlossenen nationaljüdischen Jugendbewe» ung, wie sie der Makkabi darstellt. Der Vorsitzende der .0.0. Dr. Holzer leitete die eindrucksvolle Kundgebung. Trotz Regen und Wind kamen mit der Bahn, mit Autobtissen und vielen Privatwagen 250 Menschen am Sonntag vormittag beim Waldschlößchen am Keilberg zusammen zur feierlichen Eröffnung unseres Heimes. Gegen 111/4 Uhr ging der gemeinsame Zug zti dem Heim, das stolz aut der Anhöhe des Berges stand, ,mit Fahnen geschmückt und bekränztem Eingänge. Auf dem Vorplatze eröffnete Dr. Holzer die Feier, Baumeister Fischer übergab feierlichst den Schlüssel in die Obhut des Vereines, der Architekt des Heimes, Otto Löbel, Karlsbad, schlug die Mesuse an die Pfosten des Hauses und in bewegten Worten begrüßte der Bürgermeister von Stolzenhain das Haus und die Erbauer. Baumeister Franz aus Weipert überbrachte als Präsident des Weiperter Skiclubs, die unsere nächsten Nachbarn sind, ein Bild von Weipert und Dr. Angelo G o I d s t e i n , Prag, begann tschechisch und fuhr dann deutsch fort, die Bedeutung des Hauses für die kommenden Geschlechter der Jugend atifzuzeigen. Dr. Lubin ski, Berlin, als Vertreter der Z. V. f. D., wies aut das Symbol des Hauses auf Bergeshöhen hin und wünschte, daß neben der körperlichen Ertüchtigung auch das Geistige in dem neuen Jugendheim gepflegt werde. Dr. W. K o h n e r, Karlsbad, gratulierte für die westböhmischen Zionisten. Wegen starken Regens wurde die Feier in dem großen Aufenthaltsraum des Hauses fortgesetzt, der voll besetzt wurde. Dr. Justitz, Prag, begrüßte das Heim für den jüdischen Wintersportverband und den tschechischen Makkabikreis, Dr. Rabau, Berlin, für den deutschen Kreis. Ing. Cohn, Chemnitz, vom neutralen Jugendverein 32, brachte die Grüße und Glückwünsche, Dr. Holzer überreichte Bilder des Heimes an Robert Heller, Komotau, Franz Kohner, Brüx, Dr. Justitz, Prag, Dr. Rabau, Berlin, Dr. Goldstein und Dr. Leiewer. Als letzter sprach der Präsident des Makkabi-Weltverbandes, Dr. Leiewer; erst ernst auf den Wert solcher Heime hinweisend, dann heiter, sagte er den Dank an die, die das Heim in der schönen und geschmackvollen Weise vollendet haben. Nach der offlzielten Feier blieb ein Teil der Gäste im Heim, schnell wurden Tische aufgestellt und dem gespendeten Büfett zugesprochen, ln vielen Gruppen wurde das Heim besichtigt und alte waren zufrieden und begeistert über die Zweckmäßigkeit und Gediegenheit des Baues und der Einrichtung. Die übrigen Gäste nahmen an einem gemeinsamen Mittagsmahl im Waldschlößchen teil, dort sprachen noch Landgerichtsrat Dr. Cohn vom jüdischen Jugendring Chemnitz, Jarolim vom Wintersportverband Oll mutz und Dr. Leiewer. Das Wetter heiterte sich auf, man hatte einen herrlichen Blick auf den Fichtelberg und Oberwiesenthal, viele machten eine Wanderung auf den Keilberg oder gingen nochmals ins Heim, um mit Freunden ,aus der C. S. R. 711 plaudern. jQegen, 4 Uh*- trennte .man sieh, alte waren begeistert von dem Heim« und verspraebin eifrigste Mitarbeit an der Erhaltung des jüdischen Heimes. Wir danken allen Vertretern der Vereine und Organisationen für ihre Glückwünsche, ebenso für die vielen Schriftliehen Beweise der Freude von allen Seiten über die Eröftnung des jüdischen Bergheimes am Keilberg. Endlich sagen wir unseren herzlichsten Dank alten Gönnern und Spendern von Sachwerten und Geld, nur durch die gemeinsame Leistung von vielen ist es uns möglich gewesen, dieses Heim in der jetzigen Zeit zu erbauen. Der Ausschuß des Jfldischen Jugend- und Sporthehnes. * Die Z.V. f. D. hat den Plan der Gründung eines Jüdisehen Jugend- und Sportheims freudig begrüßt. Wir beglückwünschen unsere Gesinnungsgenossen in Sachsen und Nord* böhmen dazu, daß das erste Heim in ihrem Gebiet entstanden ist. Die unermüdliche Tätigkeit unseres Freundes Dr. H 01 z er hat das Beste zum Gelingen dieses Werkes beigetragen. Dr. Holzer glaubte an die Möglichkeit der Durchführung und hat allmählich alte in Frage kommenden Kreise von der Güte und Bedeutung dieser Sache überzeugt. Heime dieser Art $ind in der Tat erforderlich geworden. Wenn jüdische Jugend sich heute ganz unbefangen bewegen soll, sich freudig und frei fühlen will, dann kann sie es heute nur in jüdischer Umgebung. Nur in einem jüdischen Jugend- und Sportheim wird mit sportlichem Leben zionistische Erziehung verbunden sein können. Es wird dort ein Zusammenhang zwischen jugendlichen und erwachsenen Zionisten entstehen können. Zionistische Treffahrten und Tagungen werden uns dort zusammenführen und das erste jüdische Haus dieser Art zu einer Stätte zionistischen Lebens machen. Wir hoffen, daß viele Zionisten das Heim besuchen werden. Es ist geräumig und bequem. Da Mitglieder des Vereins Jugend- und Sportheim, der das Heim unterhält, Vorteile bei der Belegung genießen und für einen sehr billigen Preis im Heim übernachten können, wird sich hoffentlich eine große Zahl unserer Freunde entschließen, die Mitgliedschaft zu erwerben. Den Gründern und Erbauern des Heims sei nochmals herzlich gedankt. Kurt Blumenfeld. Berichtigung. In dem Artikel von Adolf Böhm ״Konjunktur — und dann?“ in Nr. 94 der ״J. R.“ ist ein Fehler unterlaufen. Im vorletzten Absatz muß es richtig heißen, daß die Prager Regierung bewilligt hat, daß die Valuta für eine Anleihe für den Keren Hajessod (nicht Keren Kajemeth) durch Verrechnung nach Palästina überwiesen wird. Sterbefall. Am 26. November verschied unser Gesinnungsgenösse Georg Lewin im Alter von 49 Jahren. Georg Lewin gehörte viele Jahre hindurch dem Vorstand und der Vertreter- Versammlung der Berliner Zionistischen Vereinigung an und hat dort eine ungewöhnliche Initiative und Arbeitsfreudigkeit! entfaltet. Eine Reihe von Aktionen und Unternehmungen der Berliner Zionistischen Vereinigung verdanken ihr Entstehen seiner Aktivität. Politisch trat Georg Lewin als eines der aktivsten Mitglieder der radikalzionistischen Gruppe in Deutschland hervor. Das tragische Schicksal ereilte die Familie unseres Freundes 14 Tage vor ihrer Uebersiedlung nach Palästina; Georg I.ewin war es nicht vergönnt, das Ziel seines Strebens, Erez Israel, zu erreichen. Die Berliner Zionistische Vereinigung wird ihn! ein ehrendes Gedenken bewahren. An der Beerdigung nahmen Vertreter der Z. V. f. D. und der B. Z. V. teil.

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