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Jüdische Rundschau · 1932-11-29 · Heft 95 (29.11.1932) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 95 (29.11.1932)
Date
1932-11-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 95, 29. XI. 1932 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 463 Interesse für Hebräisch zu zeigen. Durch die hebräische Sprache kann es gelingen, das Judentum im Irak wieder den Anschluß an das Gesamtjudentum finden zu lassen und es mit neuem Geiste zu erfüllen. * BevSlkeraogsaasfaasch zwischen dem Irak and Palästina? Die in Bombay erscheinende ״T i m e s o f I n d i a“ veröffentlich! einen Bericht aus Basra im Irak, in dem der Plan eines Austausch« von in Bagdad und Basra lebenden Juden gegen Araber in Palästina erörtert wird. Ein solcher Austausch würde im Hinblick auf die schnelle Annäherung der Länder Irak und Palästina aneinander im Zusammenhang mit dem Bau der Petroleum-Röhrenleitung zwischen Mordirak und Haifa jetzt durchführbar sein. Im Irak, so heißt es, würden arabische Einwanderer aus Palästina sehr willkommen sein. Zur Beschäftigung dieser Arbeiter müssen aber Kapitalien investiert werden, die vielleicht mit Hilfe der Zionisten zu beschaffen wären. Dafür würde in Palästina ein solider jüdischer Block inmitten einer sonst völlig arabischen Welt errichtet werden. (Diese Idee gehört vorläufig freilich ins Reich der reinen Phantasie, aber es ist nicht uninteressant, daß sie überhaupt ventiliert wird. — Anm. d. Red ) m ' Presseschau C.-V., Auslandideutschtuin und Minderheitenproblem Die letzten Nummern der ״C. V.-Zeitung“ gewähren einen eigentümlichen Einblick in die Mentalität jener Kreise, die dem jüdischen Geschehen unserer Zeit gegenüber offenbar keinen festen Standpunkt finden können. In Nr. 47 wird dem Grafen Bernstorff zu seinem 70. Geburtstag ein länerer Artikel gewidmet, worin über Bernstorffs politische Laufahn das erzählt wird, was ohnedies in allen demokratischen Tageszeitungen zu lesen war, wobei es zum Schluß neißt, daß ״auch wir“ (offenbar sind damit die Juden gemeint — das Wort Jude kommt in dem Aufsatz nicht vor) den Jubilar beglückwünschen in der Erwartung, daß er ״auch künftig seine reichen Kräfte für das Wohl der deutschen Nation, ihre echten Ideale einsetzen möge“. — Diesem Wunsche kann sich wohl jeder anschließen, aber es ist doch merkwürdig, daß in der ״C. V.-Zeitung“, also einer jüdischen Zeitung, bei einem solchen Anlaß mit keiner Silbe erwähnt wird, dal Grat Bernstorff eine direkte Beziehung zum Judentum hat und sich mit seiner ganzen Persönlichkeit für eine jüdische Sache einsetzt, nämlich für das Jüdische Nationalheim in Palästina. Dieser Mann, der hier gefeiert wird, ist Präsident des Deutsehen Komitees Pro Palästina. Gerade in C. V.-Publikationen ist man ja sonst eifrig bemüht, die Aeußerungen vom»Nichtjuden über jüdische Dinge zu sammeln. Wenn schon der Verfasser Dr. Feder, der nicht gewöhnt ist, für ״ungetarnt“ jüdische Blätter zu schreiben, an diesen Punkt vergißt — der Redaktion kann doch diese Funktion Bernstorffs nicht unbekannt sein. Dieselbe Nummer der ״C. V. - Z e i t u n g“ enthält übrigens noch manches Interessante. Da wird z. B. ein in der ״Tagliehen Rundschau“ erschienener Artikel des Führers der lettländischen deutschen Minderheit, Paul Schiemann, wiedergegeben, der auf die Schädlichkeit des Antisemitismus für das A u s 1 a n d s d e u t s c h t u m .hiuw«UtwQl«ctaeittg wird in einem zweiten Aufsatz von Otto Schick. Bukarest, geschildert, wie durch den Einbruch des Nationalsozialismus bei den deutsehen Minderheiten in Rumänien die Zusammenarbeit zwischen deutscher und jüdischer Minderheit gefährdet und dadurch auch die deutsche Sache geschädigt wird. Den Lesern der ״Jüdischen Rundschau“ sind diese Gedankengänge nicht fremd. Schon öfter wurden aus Kreisen der Ausländsdeutschen Stirnmen laut, daß es eine schwere Schädigung des Auslands, deutschtums bedeutet, wenn gerade in Deutschland eine gegen Minderheiten — gemeint sind hier die Juden — intolerante Ideologie gepredigt wird. Die großen deutschen Minoritäten in den verschiedenen Oststaaten sind stärkstens daran interessiert, daß kulturelle Eigenart einzelner Gruppen weder unterdrückt noch als Vorwand für staatsbürgerliche Minderstellung gebraucht wird. Wir haben wiederholt darüber berichtet, wie gerade in einigen Teilen Rumäniens die Beziehungen zwischen Deutschen und Nationaljuden respektvoll, ja manchmal herzlieh sind und daß es oft zu einer direkten Kooperation kommt, wobei ja die Tatsache, daß die jüdische Minderheit deutsch oder jiddisch spricht, vom Standpunkt einer deutschen W e 11 p o 1 i t i k , die nicht so viele Möglichkeiten von Stützpunkten besitzt, positiv gewertet werden müßte. Ein von nationalsozialistischem Geiste erfülltes Deutschland ist aber natürlich für alle außerhalb Deutschlands lebenden Juden kein Ansporn zu Sympathien. Daß die Möglichkeit, solche Gedankengänge überhaupt zu entwickeln, auf der Voraussetzung nationaljüdischer Grundsätze beruht, wird in der ״C.-V.-Zeitung“ leider verschwiegen. Daß aber die ״C.-V.-Zeitung“ die Artikel von Schiemann und Schick dennoch abdruckt, kann vielleicht als Anzeichen dafür angesprochen werden, daß auch in C.-V.- Kreisen undeutlich dämmert, daß auch für die Aufgabe, die s i e sich gesetzt haben, nämlich Bekämpfung des Antisemitismus und Verteidigung der jüdischen Gleichberechtigung, die national jüdische Ideologie und Wirklichkeit ein tragfälligeres Fundament darstellt als die Assimilations-Theorie. Wer aber Konsequenz solcher Gedanken erwartet, würde irren. Die Berufung auf das Auslandsdeutschtum kann doch nur dann einen Sinn haben, wenn man an eine Parallele mit der Lage der Juden in Deutschland denkt. Gewiß sind die Juden in Deutschland keine ״Minderheit“ im Sinne der internationalen Minderheiten-Schutzgesetze, gewiß können sie auch, wie oft betont wurde, aus tatsächlichen Gründen keine ״nationale Autonomie“ verlangen, aber sie sind so etwas wie eine ״Quasi-Minderheit“, eine unterschiedliche Gruppe mit einer kulturellen, religiösen, teilweise auch soziologischen Eigen-Sphäre. Dies ist auch die Auffassung, die Ko 11 e ת sc h e r in seiner hier bereits besprochenen Schrift ״Aktive und passive Judenpolitik“ vertritt. Und nachdem die ״C.-V,-Zeitung“ sich eben erst auf das Interesse der deutschen Minderheiten an einer nicht-imiformierenden, weitherzigen Auffassung des Staatsbegriffes im Anschluß an Schiemann berufen hatte, veröffentlicht sie jetzt in Nr. 48 eine Kritik von Kollenschers Broschüre, worin diese Grundsätze vergessen sind und wieder einer Vermanschung von Deutschtum und Judentum das Wort geredet wird. Kollenscher wird des Strebens nach ״einer verkappten nationalen Autonomie“ bezichtigt, und Hollaender wendet sich scharf gegen den Satz ״Die Juden sollten sich nicht als Lehrer des deutschen Volkes aufspielen“. Man hat also noch nicht erkannt, daß hier eine einfache Wahrheit ausgesprochen wird, die am Anfang,aller Versuche einer Entgiftung des Verhältnisses zwischen Deutschen und Juden stehen muß. Der C.-V. verhält sich in diesen Dingen eklektisch und spricht zwei verschiedene Sprachen. Dem Antisemitismus gegenüber möchte man sich die Chance, auf die deutschen Minderheiten hinzuweisen, nicht entgehen lassen, im innerjüdischen Kampf aber nimmt man eine Haltung ein, die das erwähnte Argument völlig entwertet. Es wäre an der Zeit, sich über diese Widersprüche klar zu werden. S Der nicht den Namen erbte ... Ueber einen Vortrag des Bankdirektors Dr. Georg Sol mssen ״Zukunft des Kapitalismus“, in welchem dieser die Existenz höherer Einkommen durch die ״Vorleistungen und Risiken“ der betreffenden hohen Wirtschaftsfunktionäre rechtfertigt, schreibt die ״Tägliche Ft und sc hau“ u. a.: ״Nun aber glaubt Herr Solmssen noch daran erinnern zu müssen, wie die hohen Einkommen entstanden sind; welche ,Vorleistungen und Risiken‘ nötig waren, um die Stelle zu erklimmen usw. Herr Solmssen hätte besser nicht daran erinnert. Dem alten Rechtsanwalt Salomonsohn und Mitarbeiter von Hansemann war es gewiß zu gönnen, wenn er auf der Stufenleiter emporkletterte, denn er trug wirklich ein Risiko, aber Herr S 0 I m s s e 11, der von ihm z w a r G e 1 d und Pfründe erbte, aber nicht den Namen, hat kein Recht von Vorleistungen und Risiken zu sprechen, zumal nicht nach der Fusion der Diskontogesellschaft mit der Deutschen Bank, zumal nicht nach den Ereignissen des 13. Juli 1931.“ Die ״Tag!, Rundschau“ ist das Organ des von Hans Zehrer geführten sogenannten ״Tat-Kreises“, einer Seitenlinie des Nationalsozialismus. Es ist interessant, festzustellen, daß auch in diesem Kreis mehr Respekt vor dem ungetarnten, seinen jüdischen Namen offen tragenden jüdischen Vorfahr, als vor dem Renegatentum des arrivierten Sohnes besteht. Aus den Gemeinden Bochum. Die Jüdische Volkspartei versendet folgende Entschließung: ״Wir werden uns an der bevorstehenden Gemeindewahl nicht beteiligen, werden auch, soweit wir gewählt werden sollten, ein Amt nicht annehmen. Unsere Vertreter haben seit dem 9. Febr. 1923 wiederholt die Einführung eines gerechten Wahlrechts, vor allem auch des Verhältniswahlrechts, bei der Gemeinde beantragt. Die Anträge wurden stets abgelehnt, zuletzt noch am 19. Okt. d. Js. mit allen Stimmen gegen diejenige unseres Vertreters. Das bestehende und hartnackig aufrechterhaltene Mehrheitswahlrecht macht die Minderheiten rechtlos. Die liberale Mehrheit hat keinen anderen Beweggrund für diese Entrechtung als den, sich dauernd die Macht zu sichern. Die Gemeindefreudigkeit, deren gerade in der heutigen Zeit jede Gemeinde bedarf, wird zerstört, wenn es der Minderheit unmöglich gemacht wird, ihrer Stärke entsprechend auf die Gemeinde Einfluß zu nehmen. Wir lehnen es ab, das Unrecht dadurch zu legitimieren, daß wir uns von 15 Mandaten eins oder zwei schenken lassen und damit die Herbeiführung gerechter Zustände zu hemmen. Wir wollen nicht Gnade, sondern Recht. Der Kampf ums Recht geht weiter.“ Hamborn. Der Kampf um ein gerechtes Gemeindewahlrecht zieht sich hier seit jahrzehnten hin. Als früher die Libcralen die Neueinführung des Dreiklassenwahlrechts wegen der ״Ausländergefahr“ beschlossen, versagte der Oberpräsident die Genehmigung. Später nahmen die Zionisten den Kampf um das Verhältnis- und Frauenwahlrecht auf. Die Liberalen lehnten wiederholt ab. Schließlich mußten sie, da die Regierung nicht nachgab, gewisse Verbesserungen zugestehen, so das Verhältniswahlrecht und das aktive Frauenwahlrecht. Um endlich zu einem Ergebnis zu kommen, verzichteten die Zionisten auf die volle Durchführung ihrer demokratischen Forderungen. Als die Liberalen nun, nachdem sie seit 1925 die Wahlen verschoben hatten, das neue Verhältniswahlrecht zum ersten Male zur An- Wendung bringen sollten, stellten sie den Zionisten ein Ultimatum: Keine Wahl, sondern Ueberlassung der Mehrheit und des Vorsitzes in den Gemeindekörperschaften, sonst Austritt der Liberalen aus der Gemeinde. Als die Forderung abgelchnt wurde, sabotierten sie die Wahl und reichten keine Vorschlagsliste ein. Palästina-Reisende Achtung! Die Schiffe der Palästina-Linie des Lloyd Trfestino sind In der 3. Klasse für die nächsten Wochen ausverkauft. Alle diejenlgen, die in der nächsten Zeit nach Palästina zu reisen wünschen« werden daher gebeten, sich schnellstens mit dem Palestine & Orient-Lloyd, Berlin N 24, Friedrichstr. 12!, ln Verbindung zu setzen, um Informationen über die vorhandenen Reisemöglichkeiten zu erhalten. Eine Gesamtdarstellung der jüdischen Arbeiterbewegung, im Verlag des Hechaluz in Berlin ist soeben als zweites Heft der deutschen Schriftenreihe ״Jessodoth“ des Weltverbandes Hechaluz und Brith Hanoar eine Studie von Walter Preuß über die jüdische Arbeiterbewegung in Palästina erschienen. Die Arbeit von Preuß gibt einen Ueberblick über die Entwicklung der jüdischen Arbeiterbewegung Palästinas vor dem Kriege, während des Krieges und nach dem Friedensschluß. Es werden die einzelnen Einwanderungsphasen von den ״Biluitn“ angefangen bis in die jüngste Zeit dargestellt, die historische Entwicklung und die ideologischen Grundlagen der einzelnen Arbeiterparteien, ihr organisatorischer Zusammen- Schluß, die gewerkschaftliche Bewegung, die landwirtschaftliche Organisation und die Gründung der Arbeiterinstitutionen eingehend geschildert. An Hand reichen statistischen Materials wird die Berufsgliederung der Arbeiterschaft vor und nach der Einwanderung nach Palästina, ihre politische Einstellung, Ein- Wanderung und Auswanderung, Entwicklung und Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, Arbeitskampt und Arbeiterschutz behandelt. Besondere Kapitel sind den Beziehungen der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas zur jüdischen Arbeiterschaft der Diaspora und zur internationale gewidmet. Der leitende Sekretär der Exekutive der ״Allgemeinen Organisation der jüdischen Arbeiter Palästinas“, D. Ben Gurion, hat zu dem Buche ein Vorwort geschrieben. Ein zweiter Band des Werkes, in dem die historische Darstellung des ersten Bandes durch eine svstematische ergänzt werden soll, ist in Vorbereitung. Das Buch ist unentbehrlich für jeden, der sich über die palästinensische Arbeiterschaft sachlich und authentisch informieren will. Es ist ein Handbuch für jeden Zionisten. Dr. Karl Schwarz hielt kürzlich im Rahmen eines Vortragszyklus über ״Die religiöse Kunst im Zusammenhang der Kunstbestrebungen unserer Zeit“, der vorn Verein für deutsches Kunstgewerbe veranstaltet wurde, einen überaus interessanten Vortrag über ״D i e K u n s t im jüdischen Kul t“, worin er speziell das jüdische Kunstgewerbe und die künstlerische Ausführung der verschiedenen Kultgeräte in eindrucksvoller Weise darstellte. Herr Rosenthal, Mitglied des Vorstandes der Berliner Jüdischen Gemeinde, übersendet uns einen Aufrut zugunsten der jüdischen Siedlungsarbeit in Deutschland, w׳orin unter Hinweis auf die Erfolge des jüdischen Landgutes Groß-Gaglow der Vorschlag gemacht wird, daß jede Gemeinde pro Kopf 50 Pfr aufbringe, um es der ״Jüdischen Landarbeit G. m.b. H.“ (Berlin, Kurfürstendamm 200) zu ermöglichen, weitere Siedlungsgüter in Deutschland einzurichten. Interessenten mögen sich an die bezeichnete Adresse wenden. Südwestdeutscher Gruppenverband. Sonntag, den 4. Dezember, nachm. 2Va Uhr, findet in Frankfurt a, M., im Cafe Falk, Eschersheimer Anlage 3SI, eine Sitzung des Arbeitsausschusses des südwestdeutschm Gruppenverfeandes statt, Briefe an die Redaktion Arthur Kahsnei Weg *um Judentum Berlin NW 87, den 23. November 1932 An die Redaktion der ״Jüd. Rundschau“ Berlin. Sehr geehrter Herr, unter den vielen Nachrufen, die mein Vater bekam, haben leider Sie ihn am verzerrtesten gesehen (14. Oktober) in einer Sache, die ihm tief am Herzen lag, in der jüdischen Sache. Mein Vater entstammte. einer anderen Zeit und sah naturgemäß jüdische Dinge — wie auch viele andere Dinge — anders als die heutige jüdische Generation. So trat er aus dem Judentum aus, weil er nicht den Namen einer Religion tragen wollte, an die er nicht glaubte. Wir würden heute, vierzig Jahre später, nicht mehr so handeln. Niemals aber löste er sich aus dem Judentume, niemals war er ein konzessionsloser Vertreter jüdischer Würde. Leidenschaftlich, bis zur Ostentation, bekannte er sich zum Judentum. Nur allem Kultischen und Religiösen glaubte er sich fremd. Mein Vater schrieb sein ״Judenbuch“ aus dem tiefen Bedürfnis, sich mit der jüdischen Sache auseinanderzusetzen und sich zu ihr zu bekennen. Nicht, weil ihn erst der Anti* semitisrnus an seine Abstammung erinnerte; unter Antisemit«- mus hatte er ziemlich wenig zu leiden, er hatte viele Freunde und Anhänger in deutschen konservativen Kreisen, die gerade — neben wesentlichen Anderen — den konzessionslosen und assimilationsfremden Juden in ihm achteten. Er stand nicht im zionistischen Lager, wenn er auch nach dem Erscheinen seines Buches dem Zionismus positiver gegenüberstand. Hierin hätte sich noch ein weiterer Wandei vollzogen, wenn er länger gelebt hätte. Aber unverkennbar geht aus seinem Buche hervor, In welch hohem Grade ihm das Judentum Kardinalfrage war und in welchem Maße er sich zum assimilationslosen Judentume bekannte. Ob man in Einzelfragen seiner Meinung ist oder nicht, ist dabei ganz unwesentlich. Jede andere Beurteilung ist oberflächlich. Und es wäre traurig, wenn der jüdische Mensch, der doch so viel mehr als alle anderen von der menschliehen Seele ■weiß, in einer anderen jüdischen Seele nicht mehr das jüdische Bekenntnis hörte, nur weil es andere Schattierungen der gleichen Sache darstellt. Ergebenst Anselm Kahme. V Wir haben den Briefschreiber um die Erlaubnis gebeten, diesen ursprünglich nicht zur Veröffentlichung bestimmten Brief abzudrucken, nicht nur weil wir einem Verstorbenen Gerechtigkeit widerfahren lassen wollen, sondern auch weil die ergreifenden Tatsachen aus dem Leben des Vaters, die der Sohn hier schildert, charakteristisches Licht werfen aut eine jüdische Zeitenwende, wo eine Generation bereits entfremdeter Juden sich zum jüdischen Zukunftsglauben zurückfindet. Red. Ortsgruppen Zionistischer Gruppenverbandstag für Thüringen. Die Tagung, die am 13. d. M. in Erfurt stattfand, vermittelte allen Teilnehmern reichliche Anregungen, ln der Vormittags- Sitzung sprach Herr Dr. Wolfsberg über die Bedeutung und die Aufgaben unserer Kulturarbeit. Dem Referat schieß sich eine Aussprache an. Die Ausführungen von Herrn Dr. Wollsberg waren von einer besonders starken Hingabe an die zionistische Idee und einer tiefen Kenntnis des jüdischen Schrifttums getragen, ln den Mittelpunkt seines Programms für jüdische Kulturarbeit stellte er die jüdische Schule und die Pflege der hebräischen Sprache, wobei er besonderen Wert darauf legt, die Sprachstudien auf T’nach und Mischnah aufzubauen. Er fordert, daß wir zur Erfüllung unserer Kulturaufgaben ebenso wie für den Aufbau des Landes Opfer bringen. — Die Nachmittagssitzung, die der Ortsgruppenarbeit gewidmet war, wurde von Fräulein Betty Frankenstein eingeleitet. Sie erörterte insbesondere die Frage, wie wir die Gesinnungsgenossen in den weiter abgelegenen Orten, insbesondere im östlichen Teil unseres Bezirks, an uns ketten können. Den Abschluß der Tagung bildete die erste hebräische Sitzung des Gruppenverbandes. Sie wurde von Herrn Dr. N o ac k (Gotha) eingeleitet. Herr Dr. W o 1 f s b e r g sprach dann über die Aufgaben der hebräischen Sprache innerhalb unserer Kulturarbeit. An der Aussprache, die gleichfalls in hebräischer Sprache durchgeführt wurde, beteiligten sich Fräulein Betty Frankenstein, Herr Rabbiner Dr. Schiiftan (Erfurt) (als Gast), Herr Dr. Noack (Gotha) und Herr Poteschmamn (Erfurt). Die Bezirksgruppen Hackescher Markt und Schönhauser Tor der B. Z V. veranstalteten am 24. November d. J. einen geselligen Abend mit Tanz. — Herr Tschertok hielt eine kurze Ansprache. Danach folgten Darbietungen des Barak, der einige Szenen und Songs brachte, die mit großem Beifall aufgenommen wurden. Es folgten Gesangsvorträge, die von Herrn Dr.Hurwitz am Klavier begleitet wurden. — Der Tenor, Herr Ginsburg, sang jüdische Lieder, Herr Kantor Aronv ein Hebräisch-Chassidisches Lied und ein arabisches Hirtenlied. Herr Baer brachte Imitationen bekannter Künstler und Herr Samburski, der Hauskomponist des Barak trug, sich selbst begleitend, einige humoristische Parodien und Lieder teils eigener Komposition vor. Die Darbietungen standen ohne Ausnahme auf sehr beachtlicher Höhe und fanden infolgedessen auch reichlichen, zum Teil begeisterten Beifall. — ln zionistischer Hinsicht darf der Abend als ein voller Erfolg gebucht werden. Es wäre sicher von großem Nutzen, wenn man solche Veranstaltungen in nicht zu großen Abständen wiederholen würde. Duisburg. Die Zionistische Vereinigung Duisburg begann ihre Winterarbeit mit einem Bericht des Herrn Dr. Epstein über den Frankfurter Delegiertentag. Bald darauf fand eine Jugendvcranstahung statt, bei der Herr Moseheh Brachmann über ״Jüdische Jugend und Palästina“ referierte. Hierzu hatten die nationaljüdischen Jugendorganisationen gemeinsam mit dem Jüdischen Jugendbund und der Ostjüdischen Jugendgerneinschaft eingeladen. Beide Veranstaltungen waren recht gut besucht. Am 8. Dezember wird in einem Einleitungsvortrag zu einem Palästina-Vortragszyklus Herr Amtsgerichtsrat May (Köln) über ,,Reisebilder aus Palästina“ sprechen. Die KKL- Arbeit wird von Herrn Brachmann in besonderen Aussprachen mit Jugendlichen neu organisiert werden. Zu den Vorstands- Sitzungen und Arbeitsbesprechungen werden in weitem Maße die Mitglieder der zionistischen Jugendorganisationen herangezogen. Kottbus. Am 19. November sprach der jetzige Leiter des Gutes Winkel, Herr Obergärtner Manfred Gerson, zu einer großen Anzahl eigener Lichtbilder über seine Eindrücke ,,Als Nichtzionist in Palästina“. Nach seiner beruflichen Tätigkeit in Ahlem, Kanada und Kalifornien brachte ihn das jüdische Interesse vor einem Jahre nach Palästina. Dort sah er in fachlicher Beziehung neueste Methoden in der Bienen- und Gefliigelzucht wie beim Citrusanbau angewandt, die ihm seine Mitarbeit zur Freude machten. Ueberall verstand er mit dem Blick für das Wesentliche in objektivster Art Aufnahmen zu machen, . zu denen er interessante Erklärungen gab. Seine Bilderreihe endete mit Purim, Messe und Makkabiade in Tel-Awiw. Eine ansehnliche Zuhörerschaft folgte dem Vortrag m׳t großem Interesse, ft. E,

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