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Jüdische Rundschau · 1932-11-25 · Heft 94 (25.11.1932) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 94 (25.11.1932)
Date
1932-11-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 458 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 94, 25. XI. 1932 Zeitschriften - Schau Im?weiten Novemberheft der Zeitschrift ״Deutsches Volkstum“ ist ein Briefwechsel von Robert Weltsch und Wilhelm Stapel über das Thema ״Liberalismus und Judentum‘‘ veröffentlicht. In dem ersten Brief wird im Anschluß an gewisse Bemerkungen Stapels in früheren Heften dieser Zeitschrift darauf hingewiesen, daß in der Haitung mancher Kreise gegenüber den Juden ein innerer Widerspruch steckt, da man einerseits den Juden nach deutschnationalen Maßstäben mißt, also ihn direkt und indirekt zur Assimilation verleitet, auf der anderen Seite aber gleichzeitig die üblen charakterlichen Folgen der Assimilation als ״jüdische Eigenschaften“ brandmarkt und den zu sehr ins deutsche Bereich vorstoßenden Juden in seine Grenzen zurückweist. Der Liberalismus, so wird ausgeführt, hat die Juden nicht ״als Juden“ emanzipiert, sondern unter der Fiktion eines allgemeinen Menschentums tatsächlich zur Assimilation an aas Mehrheitsvolk genötigt. Jede wahre Emanzipation der Juden müsse jedoch den Juden ״unter Anerkennung seines Andersseins, aber auch seines Mensch-Seins“ in die Gesellschatt aufnehmen. Dr. Stapel erklärt demgegenüber, daß der Jude in die ״Gesellschaft“ nicht aufgenommen werden könne, da diese kein künstliches, sondern ein organisches, gewachsenes Gebilde sei, dem der Jude eben nicht angehört. Wenn aber auf das ״Mensch-Sein“ verwiesen werde, dann müsse demgegenüber gesagt werden, daß der deutsche Staat ein deutscher Staat und kein ״Menschen -Staat“ sei. Würde, so schreibt Stapel, der Jude vollberechtigter Staatsbürger, ״so wäre der Staat nicht mehr ein deutscher Staat, sondern ein Menschen-Staat, also nicht ein soziologisches, sondern ein ideologisches Gebilde“. — An diese beiden Briefe schließen sich dann noch zwei kurze Repliken an. * In England haben kürzlich zwei neue jüdische Zeitschriften zu erscheinen begonnen. Die eine Zeit- Schrift nennt sich einfach ״V i e w s“ (107, Fleetstreet, London, E. C. 4). Es liegen bisher fünf dicke Hefte vor, die schön gedruckt und ausgestattet sind und auch einen reichhaltigen 111־ halt haben. An der Spitze des Heftes sind jeweils kurze Tagesglossen, darauf folgen dann Aufsätze verschiedener englischjüdischer Autoren, aber auch ausländische Autoren finden wir vor, insbesondere bekannte zionistische Parteimänner. Die Zeit- Schrift ist ihrem ganzen Charakter nach ausgesprochen zioni- *tisch, da es sich aber nicht um eine einseitig politische Publikation handelt, sondern um eine gleichzeitig literarische und populäre Revue, so findet auch der unpolitische Leser viel interessantes Material. Es ist unmöglich, in einer kurzen Anzeige eine volle Uebersicht über den bisherigen Inhalt der Zeitschrift zu geben. Unter den Mitarbeitern sind Männer wie Cecil Roth, Dr. A. Marmorstein, Dr. Gaster, Sokolow, Israel Cohen, Louis Goiding usw. Man wird sie weiter mit Aufmerksamkeit verfolgen. — Fast gleichzeitig wurde eine zweite englisch-jüdische Zeitschrift begründet, die ihrer ganzen Anlage und ihrem Aeußern nach weniger Anspruch auf Volkstümlichkeit als aut literarisches und politisches Niveau zu erheben scheint. Bei dieser Zeitschrift, ״The Jewish Review“, (5, Gower- Street, London, W. C. 1, ganzjährig 12 sh.) sind auch die Herausgeber genannt, nämlich Norman Bentvvich und Harry Sacher, also bekannte zionistische Namen. Die Zeit- Schrift hat die Form einer Vierteljahresschrit't, und demgemäß sind bisher erst zwei Hefte erschienen. In der Einleitung des zweiten Heftes beschweren sich die Herausgeber über die laue Aufnahme, die ihr Unternehmen im englischen Publikum gefunden hat. Der Zweck der Zeitschrift ist, so wird ansgeführt, führende Denker des Judentums und auch nichtjüdische Denker, sofern sie zu jüdischen Dingen etwas zu sagen haben, die jüdische Lage in der Welt beleuchten zu lassen. In den redaktionellen Notizen werden aktuelle Ereignisse des jüdischen Lebens beleuchtet, doch hat man leider das Gefühl, daß die Verfasser der Glossen sich nicht recht zu einer charakteristischen, scharf umrissenen Stellung entschließen können, sondern mehr im Allgemeinen bleiben, zum Teil nur oft Gesagtes wiederholen. Von Artikeln wären zu erwähnen: die Gegenüberstellung zweier Aeußerungen von Einstein und Prot. Alexander über die Frage, ob es eine jüdische Weltanschauung gibt, ferner eine Darstellung der Lage der Juden in Deutschfand von Gustav Krojanker, Aufsätze über Judentum und Dichtkunst von Eduard Roditti, Juden und Wirtschaftsleben von Josef Cohen usw. Von Interesse sind ferner ein Genfer Briet von Dr. Victor Jacobson und das Tagebuch Dr. Eders aus seiner Ito-Zeit über Cyrenaica. Es ist sehr zu begrüßen, daß durch diese Zeitschrift dem englisch sprechenden Judentum ein Forum ernster Auseinandersetzung geschaffen worden ist, die in einer Vierteljahresschrift tiefer und fundierter sein kann als in einer Zeitung. Zwar hat man den Eindruck, daß die ersten beiden Hefte gerade dieser Aufgabe noch nicht ganz gerecht geworden sind und viele Beiträge stark im Journalistischen stecken blieben. Aber es wird den Herausgebern wohl gelingen, die Zeitschrift zu einem wichtigen Instrument modernen jüdischen Denkens zu machen, das auch außerhalb Englands zweifellos Beachtung finden würde. Jabotinskys Ausscheiden aus dem ״Hajnt“. Wir haben bereits kurz mitgeteilt, daß Jabotinsky, der früher Mitarbeiter des zionistischen Tageblattes ״H aj nt“ in Warschau war, Anfang November zu der Konkurrenzzeitung ״M omen t“ übergegangen ist. Die Gründe dieser Entzweiung werden von der Redaktion des ״Elajnt“ mitgeteilt. Jabotinsky hat verlangt, daß sein engerer Gesinnungsgenosse Schectitmann, der bisher in Paris war und jetzt nach Warschau übcrsicdeln soll, vom ״Hajnt“ nicht nur — obwohl auch der ״Hajnt“ .,abbaut“ — als Redakteur engagiert wird, sondern sogar einen Platz im engeren Redaktions-Komitee erhält. Diese Forderung hat der ״Hajnt“ abgelehnt, worauf die revisionistisclien Vertrauensleute mit dein ״Moment“ in Verhandlung traten, der die Bedingungen angenommen hat und auf diese Weise Jabotinsky zum Mitarbeiter gewann. Durch den Eintritt von Schechtmann in die Redaktion des ״Moment“ ist nunmehr der Zustand geschaffen, daß in dieser Zeitung bei allen Streitfragen die revisionistische Version in entsprechender Aufmachung zur Geltung kommt, was sich bereits in diesen Tagen gezeigt hat. Der ״Moment“, der offiziell nicht zionistisch, sondern ein reines Geschäftsunternehmen ist, rechnet offenbar auf einen Leserzuwachs aus den revisionistisclien Kreisen Polens, während der ״Hajnt“, wie er in seiner Mitteilung betont, auf eine Parität aller zionistischen .Richtungen (einschließlich der Revisionisten) Wert legt. Der ״Hajnt“ wendet sich scharf gegen die beispiellose diktatorische Art, mit der Jabotinsky seine Wünsche der Zeitung aufzwingen wollte. Offenbar hat es sich bei den Revisionisten darum gehandelt, eine materielle Existenzgrundläge für ihren Vertrauensmann Schechtmann, der in Polen für den Revisionismus arbeiten soll, zu gewinnen. Die tschechoslowakische Nafionalbank hat auf Grund der Verhandlungen des Abgeordneten Dr. Goldstein der Errichtung eines Auslandskontos beigestimmt, auf welches von seiten des Keren Kajemeth und des Keren Hajessod Beiträge bis Kc. 5 000 000 erlegt werden können, die kompensationsweise für Exportware nach Palästina zur Deckung herangezogen werden. Presseschau Die ״Frankfurter Zeitung" bringt an der Spitze ihres Handelsblatts vom Montag einen längeren Aufsatz ihres Jerusalemer Korrespondenten über die P a 1 ä s t i n a-O rang e, in dem festgestellt wird, daß die ״Jaffa-Apfelsine“ durch ihre Größe und Qualität eine Sonderstellung einnimmt und deren Export fast die Hälfte der palästinensischen Gesamtausfuhr (857 000 Pfund von 1,00 Millionen Pfund) ausmacht. Nun steht man vor einer starken Steigerung der Orangen-Produktion und somit auch vor einer starken Ausfulirsteigcrung. Im Sommer 1032 wurde geschätzt, daß in Palästina 150000 Dunam mit Orangen bepflanzt sind, wovon erst 54 000 Dunam Frucht tragen; von diesem Areal waren 90000 Dunam in jüdischen Händen, von denen 31 OOO Frucht tragen. England ist noch immer der weitaus wichtigste Markt geblieben, aber Deutschland gewinnt von Jahr zu Jahr steigende Bedeutung, und daneben treten Skandinavien, Holland und andere Staaten, in letzter Zeit auch Rußland, als Absatzmärkte auf. In der jetzt beginnenden Orangensaison werden 4,50 Millionen Kisten zur Ausfuhr gelangen. Schon 1936, wenn 110000 Dunam Frucht tragen werden,Werden es bereits 11 Millionen Kisten sein. Das Absatz-Problem wird sich immer ernster gestalten, wenn auch die Palästina-Orangen durch ihre Schönheit und Qualität stets ihren Rang auf dem Weltmärkte behaupten werden. * Der Londoner ״Jewish Chronicle“ veröffentlicht in seiner letzten Nummer einen Artikel 1״ ni dunkelsten Deutschland“, worin Auszüge aus dem nationalsozialistisehen Programm gegeben werden. In der Einleitung teilt die Redaktion mit, daß sie am 25. Juli 1932 einen Brief an Adolf Hitler gerichtet hat, worin sie ihn aufforderte, vier Fragen über die Stellung der Juden in Deutschland im Falle einer nationalsozialistischen Herrschaft zu beantworten. Da keine Antwort kam, hat die Redaktion am 19. August nochmals angefragt. Selbstverständlich hat sie auch auf diesen Briet keine Antwort bekommen und hat sich nun die Antwort aut ihre vier Fragen aus dem nationalsozialistischen Programm selbst herausgesuelit. Es ist immerhin etwas naiv, wenn die Redaktion einer jüdischen Zeitung an Hitler derartige Briefe richtet, und noch naiver, wenn sie sich dann wundert, daß er die Briefe nicht einmal ״aus Höflichkeit'1 beantwortet hat. Bücherschau Zar Geschichte der Jaden in Deutschland Raphael Straus: Die Judengemeinde Regensburg im ausgehenden Mittelalter (Heidelberger Abhandlungen zur mittleren und neueren Geschichte, herausgegeben von Karl Hampe und Willy Andreas, Bd. 61). Heidelberg, Winter 1932. Die vorliegende Arbeit reicht in ihrer Bedeutung weit über den Rahmen einer Spezialuntersuchung hinaus und liefert einen der wichtigsten Beiträge zur Beleuchtung der Geschichte der Juden in Deutschland überhaupt, ln ungemein fesselnder Darstellung zieht das Schicksal einer der bedeutendsten jüdischen Gemeinden vorüber. Die Judengemeinde Regensburg war im ausgehenden Mittelalter eine ״Mutter in Israel“. (Es gab sogar eine besondere Art ״Regensburgischen Lernens“.) Zu gleicher Zeit war die Stadt Regensburg eine der blühendsten deutschen Handels- Städte, zu Zeiten sogar die Residenz der deutschen Könige. Erst vom 14. Jahrhundert an ging die Stadt zurück, von Augsbürg, Nürnberg und Wien weit überflügelt. Schon nach 1450 war sie so weit, daß sie nicht mehr ein und aus wußte und ihre Reichsfreiheit an die Krone Bayern verkaufte. So bewegt wie die Stadtgeschichte, war die Geschichte der Judenschaff. Noch im 14. Jahrhundert, zur Zeit des ״schwarzen Todes“ wurde die Judenschaft von den Bürgern geschützt, die zu diesem Zweck einen schriftlichen Vertrag schlossen, der mit seinen zahlreichen Siegeln ein archivalisehes Kuriosum bildet. Dieser gute Ruf von Stadt und Judenschaft wirkte so nachhaltig, daß noch im ausgehenden Mittelalter, als schon die meisten Städte judenrein geworden waren, der Kaiser die Regensburger Juden nicht vertreiben lassen wollte. Die Stadt mußte um die Vertreibung einen 40jährigen zähen Kampf führen. Dieser Tatsache ist es zu danken, daß ein großer Schriftwechsel entstand. Es ist die einzige deutsche Juden- Verfolgung, bei der auch die Ansichten der Juden ausgiebig ausgesprochen werden konnten. Es ist dem Verfasser gelungen, die hochinteressanten Erklärungen der Juden im Innsbrucker Statthaltereiarchiv aufzuspüren. Diese Nachrichten sind politisch-geschichtlich und wirtschaftsgeschichtlich von großer Bedeutung. Sie zeigen deutlich, daß nicht die Wirtschaftsiibung der Juden, sondern die schweren ungelösten sozialen Notstände jener Zeit die wirklichen Ursachen der Judenverfolgungen waren. Es ist eine höchst lehrreiche Parallele zu den Begebenheiten unserer Tage. — Wir können unseren Freund Raphael Straus zu diesem empfehlenswerten Werke nur beglückwünschen. 1. Dr. H. J. Zimmels: Die Marranen in der rabbinischen Literatur, Forschungen und Quellen zur Geschichte und Kulturgeschichte der Anussim, Berlin 1932, Buchhandlung Rubin Maß. Preis 6,50 M., im Leinenband 8 M. Zum erstenmal wird hier der Versuch unternommen, das Problem der Marranen, das auch in unseren Tagen von Bedeutung ist, auf Grund der rabbinischen Quellen zu behandeln. Der Verfasser, ein guter Kenner der Responsenliteratur, der bereits auf diesem Gebiete einige Arbeiten veröffentlichte, schildert zunächst im ersten Kapitel dis ersten allgemeinen Teiles die Stellungnahme der Rabbiner zu den bei verschiedenen Verfolgungen in den Länden! außerhalb Spaniens gewaltsam Bekehrten, um so im zweiten Kapitel die Gegensätze der zeitgenössischen jüdischen Gelehrten betreffs ihrer Ansicht über die Marranenfrage krasser hervortreten zu lassen. Er weist nun nach, w'ie die verschiedenen Auffassungen entstanden und worauf sie zurückzuführen sind. Im dritten Kapitel werden uns interessante Begebenheiten aus dem Leben der Marranen mitgeteilt. Neben Nachrichten über das Leben der Marranen als Christen, über Auswanderung von Marranen und ihre Rückkehr zum Judentum, erfahren wir wichtige und aufschlußreiche Tat- Sachen über die Sittenzustände der Juden Spaniens im allgemeinen und die der Marranen im besonderen, über ihre Beschäftigung und Bildung usw. Im vierten Kapitel bringt der Autor eine Zusammenstellung der in den rabbinischen Quellen, den Responsen, vorkommenden Namen. Der zweite Teil besteht aus einem Quellenanhang. Der Verfasser hat die Responsen, die wegen der in ihnen enthaltenen kulturhistorischen Daten äußerst wichtig sind, in deutscher Uebersetzung chronologisch geordnet, mitgeteilt. Ein Verzeichnis der Fragesteller, Gutachter und Rabbinatsassessoren ermöglicht eine rasche Orientierung in der großen Zahl der Persönlichkeiten, welche sich mit der Marranenfrage beschäftigten. A. Als Nachfolger des verstorbenen Jerusalemer orthodoxen Oberrabiners Chaim Sonnenfeld wird nunmehr der Rabbi von Satumare, T eitelbaum, genannt, der sich auch berw't erklärt haben soll, das Rabbinat zu übernehmen. Kleine Nachrichten Nachdem, wie vor einigen Monaten gemeldet, die Kalilieferungen der P a I e s t i n e Potash Ltd. (Totes Meer-Kon- Zession) nach Australien begonnen haben, sind nunmehr auch die ersten Lieferungen von Clilorkali ab Port Said nach New׳ York erfolgt. Die erste Ladung umfaßte 5(» Tonnen. Die Revisionistische Fraktion im Aktion 8־ Co in i t e veröffentlicht einen Aufruf an die zionistischeOeffentiichkeit, worin gewissermaßen die Wahlkampagne für den kommenden Kongreß eröffnet wird. Diese Kundgebung ist offenbar als eine!Demonstration (regen diejenigen Kreise innerhalb und außerhalb des revisionistischen Lagers zu betrachten, die Gegner des weiteren Verbleibens der Revisionisten in der Zionistischcn Organisation sind. Im Anschluß an den Pariser Besuch von Dr. Nahum Gold* mann, Leiter des Organisationsbüros des Jüdischen Weltkongresscs, hat sich in Paris ein französisches Komitee zur Vorbereitung des Jüdischen We''’־ongresses gebildet. In den Ländern der Sowjetunion existieren heute mehr als 1200 Schulen mit jiddischer Unterrichts* spräche, die von mehr als 160 000 Kindern besucht werden. Außer den Grund- und Mittelschulen gibt es 9 jiddische pädagogisch-technische Hochschulen, 50 industrielle und!andwirtschaftlich-technische Schulen, 10 jiddische Abteilungen bei den staatlichen pädagogischen Hochschulen und poli* tischen Instituten. Jagend- und Sporthelm am Keilberg Die Eröffnung am 27. November 1932. Die letzten Wochen dienten zur Ausgestaltung und Be- Schaffung der Inneneinrichtung unseres Heimes, die bis zum Eröffnungstage vollständig beendet sein wird. Zur Eröftnungsfeier haben bisher zugesagt der Präsident des Makkabi-Weltverbandes Dr. Lelewer-Berlin, Dr. Rabat!, der Vorsitzende des Deutschen Makkabikreises, ein Vertreter der Z. V. f. D., Fritz Lichtenstein vom Hechafuz und Brith Haolim, sowie Vertreter der Bar Kochba-Vereine und zionistischen Ortsgruppen Leipzig, Dresden, Zwickau, Chemnitz usw. Von Chemnitz fährt «in großer geschlossener Autobus um 8 Uhr 30 Minuten bis zur Grenze. Ebenso kann man um 7.43 Uhr mit dem Eilzug bis Oberwiesenthal gelangen. Von der C. S. R. haben zugesagt Dr. Angelo Ooldstein-Prag, Abgeordneter und Vorsitzender des Vereins Jugend und Sportheim, Herzog, Präsident des tschechischen Makkabikreises,!Dir. Auerbach-Prag, Dr. Justiz* Prag, sowie die Vertreter der Makkabivereine und der zionisti* sehen und jüdisch-politischen Organisationen. Die Feier beginnt pünktlich um 111/2 Uhr mit der Schlüsselübergabe durch Baumeister Ing. Fischer-Karlsbad an den Vorsitzenden. An der Feier nimmt außerdem die gesamte Jugend diesseits und Jenseits der Grenze teil, so daß der 27. November ein großer Tag für die jüdische Jugend sein wird, da der erste Sammelpunkt der Jugend zur Benutzung der jüdischen Oeffentlichkeit über* geben wird. Dr. Holzer, Chemnitz. Briete an die Redaktion Dt.-Eylau Wpr., den 20. November 1932. An die ״Jüd. Rundschau", Berlin. Als Gegenstück zu dem in Nr. 92 Ihres Blattes von Herrn Dr. Mischkowski geschilderten, den vollen Beifall des Provtnzialpublikums findenden Typ des karikierten Filmjuden mochte ich auf ein ״Eingesandt“ eines Militär-Studienrats 1m hiesigen ״Westpreußischen Tageblatt“ hinweisen, in dem sich der Einsender darüber beschwert, daß der Jude im Film ״Ben Hut durch eine Idealgestalt repräsentiert wird. Der Einsender er* blickt darin eine ״Täuschung“, daß ein Jude und nicht ein Germane, der nach seiner Ansicht allein hierzu befähigt ist, einen so edlen Typ verkörpert. Also auch in seinen Augen darf der Jude nur durch die Gestalt etwa eines Jablinsky 1m Film ״Mensch ohne Namen“ dargestetlt werden. Nebenbei ist ihm die Friedensbotschaft ״Liebet Eure Feinde usw.“ ein Dorn 1m Auge. Besser als durch dieses ״Eingesandt“ kann die Mentalität des Bürgers der norddeutschen Kleinstadt, mag diese in der Neumark oder in Ostpreußen liegen, nicht gekennzeichnet werden. Hochachtungsvoll mit Zionsgruß Lewin. Frauen-Arbeitsgemeinschaft für Palästina. Gruppe West. Dienstag, 29. November, nachm. 4y3 Uhr, findet unser nächster Klubnachmittag statt (im Amerikanischen Teerauum, Kurfürstendamm 56), auf welchem die Ausgestaltung der Chanukkahfeier in der Familie besprochen werden soll. Es werden Chanukkahlicder gesungen, und einiges Empfehlenswerte wird vorgelesen. Anschließend werden die damit zusammenhängenden pädagogischen und zionistischen Fragen besprochen. Die Leitung hat Frau Dr. Marie Mayer. — Die Gruppe Grunewald veranstaltet Sonntag, 4. Dezember, vorin. 11 Uhr, im Atlantic-Kino, Charlottenburg, Bismarckstraße 46, eine Aufführung des Films ״Kinderdorf Ben Schemen“ und von zwei Micky-Maus-Filmen zugunsten des Frauenwerkes in Palästina. Karten für Erwachsene ä M. 1,—, für Kinder ä M. 0,50 erhältlich bei Frau Käthe Roth, Steglitz, Opitzstr. 3 (Stegl. 5345), im Bürp der F. A. P., Meinekestr. 10 (Bism. 7165), und an der Theaterkasse am Tage selbst. — Chanukkahgeschenke. Die Gruppe Lichterfelde hat Sonnabend, den 3. Dezember, abends 8Vä Uhr, bei Frau Kreschower, Steglitz, Schloßstr. 67, einen Teeabend, bei dem selbstangefertigte Handarbeiten zum Verkauf gestellt werden. Unter den vielen vorhandenen Sachen wird jeder etwas finden. Eintritt M. 0,50. Wir laden alle Freunde, auch Mitglieder anderer Gruppen, ein. Anmeldungen bis 1. Dezember an Frau Kreschower, Steglitz, Schloßstr. 67 (Steglitz 2414). Volksbank Iv»ru1. Am lu. ,.״״mucr fand im Saal der Synagrago Fasanenstraße die ordentliche Generalversammlung statt. Der Aufsichtsratsvorsitzende, Direktor Georg Kareski, ©röff ncte die Versammlung mit einem längeren Bericht über die Situation der Bank. Die Iwria ist dank einer vorsichtigen Geschäftspolitik gut über die schwierigen Zeiten hinweggekommen, und ist in der Lage, eine Bilanz vorzulogen, die zwar ohne Gewinn abschließt, aber eine völlig wahrheitsgetreue Darstellung der Lage dos Unternehmen! gibt. Alle Verluste wurden in dieser Bilanz durch ©ntsprechende Abschreibungen berücksichtigt, so daß die Verhältnisse der Bank als völlig bereinigt angesehen werden können. Kareski erwähnte auch die günstige Entwicklung der Genossenschaftsbank in Chemnitz, ebenso die Gründung de» Leih- und Sparvereins Esra 0. G. m. b. H״ die a!» Ergänzung der Tätigkeit der jüdischen Genossenschaftsbanken in Berlin sich dem Klein- und Kleinstkralitgcsehäft widmen soll. Die vorgelegta Bilanz, die mit 427 000 UM. auf beiden Seiten abschließt, wurde debattenlos genehmigt, dem Vorstand und Aufsicht*- rat einstimmig Entlastung erteilt. — In den Aufaichlsrat wurden hinzugewählt: Herr Direktor Belilowski, Herr Salomon Drimrner, He— Konsul Dr. Feniger.

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