Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVII (1932)
- Issue
- Heft 94 (25.11.1932)
- Date
- 1932-11-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 456 ׳J 0 DI S'C'ffE'R UN D S CFTA'Ü Nr. 94, 25. XI. 1932 Jewish Agency besorgen, die leider heute keine anderen Mittel haben, den Auswüchsen m steuern. Auch in der Pflanzungszone zeigt sich ein sprunghaftes Ansteigen der Bodenpreise angesichts der verstärkten Nachfrage. Es sind manche Fälle bekannt, wo die Steigerung gleichfalls 50 0/0 und mehr beträgt. Bei den Pflanzungen spielt der Bodenpreis innerhalb der Oesamtkosten gewiß keine entscheidende Rolle. Dennoch drückt das Hinauftreiben der Preise nicht<*1ur die zu erwartende Rentabilität, sondern das allgemeine Niveau der Bodenpreise im Lande wird dadurch!Tunstlieh gesteigert, was für unsere weitere Kolonisationsarbeit natürlich sehr nachträglich wäre. Dies muß wohl nicht näher ausgeführt werden. Der Keren Kajcrneth verhandelt schon lange wegen Kaufes von weiteren Pflanzungsböden, und es besteht die Gefahr, daß die Preise gesteigert werden und die Fläche, die mit einem bestimmten Betrag erworben werden kann, viel kleiner sein wird, als sie zu den bisherigen Preisen gewesen wäre. Auch bezüglich der Pflanzungsböden gilt es, die Käufer vor Bewilligung von Phantasiepreisen zu warnen. Dies um so mehr, als niemand heute sagen kann, ob die gute Rentabilität des Orangenbaus unverändert durch Jahre andauern wird. Dies hängt von soviel unberechenbaren und unvorhersehbaren Faktoren, giinstigen und ungünstigen ab, daß man auch den Pflanzern anraten muß, die Anlagekosten, wie es jeder vorsichtige Kaufmann tut, von vornherein auf das mindestmögliche Maß zu drücken, und sich nicht einem Konjunkturtaumel hinzugeben, bei dem eine vernünftige Kalkulation vergessen wird und ein ״Wert-Wahn" entsteht, dessen Folgen, wie es ja jetzt die ganze Welt erlebt, von jedem, auch von dem, der an dem Treiben unbeteiligt ist, aufs schmerzlichste empfunden werden. In dem berühmten Wiener Ofenheim - Prozeß (vor 50 Jahren) sagte der Angeklagte: ״Mit Sittensprüchlein baut man keine Eisenbahnen." Die Anklagen, die manche palästinensischen Blätter gegen die Spekulation erheben, werden wirkungslos verhallen. Nur zwei Wege gibt es heute, ihr entgegenzuarbeiten: Der erste, schon genannte, ist die Aufklärung derjenigen, die ihr Geld investieren, daß sie gegen ihr eigenes Interesse handeln, wenn sie Boden zu Phantasiepreisen kaufen. Die Exekutive der Jewish Agency wäre verpflichtet, in aller Oeffentlichkeit, so daß es jedermann hören und lesen kann, diese Aufklärungsarbeit mit gehörigem Nachdruck zu leisten. Der zweite Weg ist die Stärkung des Keren Kajemeth, der allein heute imstande ist, in Stadt und Land Bodeftreserven zu erwerben und sie nach gesunden "Prinzipien zur Verwertung zu bringen. Wenn auch die Spendeneingänge infolge der heutigen Situation bei aller Anstrengung der Sammler kaum sehr beträchtlich gehoben werden können, so gibt es auch andere Wege, dem KKL Mittel zuzuführen, z. B. den der Anleihe. Der KKL hat auf diesem Wege in den letzten Jahren schon größere Mittel erhalten, er ist ein absolut ״guter“ und sicherer Schuldner. Auch die Devisenvorschriften sind kein absolutes Hindernis. So hat erst kürzlich die Prager Regierung bewilligt, daß die Valuta für eine Anleihe für den Keren Kajemeth durch Verrechnung nach Palästina überwiesen wird. Die Bedeutung des KKL für das Aufbauwerk ist leider noch immer nicht richtig erkannt worden. Schmerzliche Erfahrungen, wie die mit dem Boom der Bodenpreise 1925, werden schnell vergessen. Trachten wir, daß unsere Einsicht künftig den Ereignissen voraneilt und nicht nachhinkt. Prof. H. C. Becker, der ehemalige preußische Kultusminister, hielt auf dem Gesellschaftsabehd des Hilfsvereins der deutschen Juden am 22. d. M. einen Lichtbildervortrag ״Durch biblische Lande“, in dessen Verlauf er auch auf Palästina zu sprechen kam. ln der Einleitung hob er hervor, welche gewattigen Veränderungen sich heute im Nahen Orient vollziehen, insbesondere durch die Berührung des Arabertums mit der europaischen Weit und durch die großartige Renaissance des jüdischen Volkes in Palästina. Der Vortrag selbst paßte sich insofern dem Charakter eines ״Gesellschaftsabends“ an, als er weniger die sachlichen Probleme erörterte, sondern mehr eine Reiseschiklerung im Plauderton als Begleitung zu den interessanten Lichtbildern gab, die, mit einer einzigen Ausnähme, von dem Vortragenden selbst aufgenommen waren. Die Reise führte durch Persien, Irak, Syrien, während Palästina nur auf der Durchreise von Damaskus nach Haifa durchquert wurde. Demgemäß hielt sich der Vortragende auch bei seinen Urteilen über Palästina zurück, doch erklärte er, daß ihm der Anblick des Emek J esreel, das er vor 30 Jahren als verwahrlostes, unbewohnbares Sumpfgebiet gesehen hat und das mit seinen blühenden Dörfern ״wie eine Landschaft Thüringens“ aussehe, einen überwältigenden Eindruck gemacht und die tiefe Ueberzeugung von der ungeheuren Kulturleistung des zionistischen Aufbauwerkes vermittelt habe. Er schloß mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß die vier Elemente, die in Palästina zusammenstoßen, nämlich Mohammedaner, Juden, Christen und Emopäer, sich zu harmonischem Wirken im Interesse des Landes vereinigen mögen. — Dem Vortrag von Prof. Becker ging eine Vorführung des Tschaikowsky-Trio, op. 50, A-molI, voraus, das vom Spiwakowsky-Kurtz-Trio hinreißend gespielt wurde. Nach der Veranstaltung blieben die Anwesenden noch in angeregter Geselligkeit in den Räumen des Kaiserhofs beisammen, wobei die auch von Herrn Willy Dreifus in seinem Schlußwort entschuldigend erwähnte Pikanterie des Ortes (neben Hitlers Hauptquartier) zu manchen Bemerkungen Anlaß gab. Die Regierung des Irak hat einen Wettbewerb für den ersten Teil des gewaltigen Irrigationswerkes am Euphrat und Tigris veröffentlicht. Dieser erste Teil des Plans, der das Wasser des Euphrat in einem riesigen Staubecken auffangen und dann für den Sommer verwerten soll, wird 11/4 Millionen Pfund kosten. Ein gleiches Werk am Tigris soll im nächsten Jahr ausgeschrieben werden. Zn den Arbeiterkonflikten in Palästina Revisionisten gegen Histadruth Die Berliner Revisionisten haben dieser Tage 1n Berlin eine Versammlung abgehalten, die durch Flugzettel unter dem schreienden Titel ״Protestkundgebung gegen die Terrorakte in Palästina“ angekündigt war. Diese Thema-Formulierung, die das jüdische Publikum irritieren mußte, wurde in manchen Ankündigungen dann näher erläutert durch den Zusatz ״Terrorakte der Histadruth“. Es darf uns nicht wundern, daß auch im Zionismus das jetzt modern gewordene Vokabular von Kraftwörtern angewandt wird, obwohl im Interesse zionistischer Verantwortung man wünschen würde, daß solche unberechtigte Panik-Erzeugung unterbleibt. Bei der Versammlung in Berlin führte Herr Kareski den Vorsitz, das Referat hielt Dr. Hans Bloch. Die Sache, um die es sich handelt, sind die Zusammenstöße zwischen gewerkschaftlich organisierten und revisionistischen Arbeitern in Palästina. Die ״Jüdische Rundschau“ hat über diese bedauerlichen Vorfälle berichtet, ohne die Dinge ungebührlich aufzubauschen. Man muß sich aber gegen die Tendenz wenden, Erscheinungen des palästinensischen Lebens, die ähnlichen Vorgängen in Wirtschaftskämpfen anderer Länder entsprechen, mit den Fragen des Zionismus zu verquicken und zu Angelegenheiten innerzionistischer Politik zu machen. Wenn die Arbeiterorganisation in Palästina auf dem Standpunkt steht, daß nur durch das Prinzip organisierter Arbeit eine geordnete Regelung des Arbeitsniarktes erfolgen könne, so wird ihr jeder zitstimmen, der auch sonst das Prinzip gewerkschaftlicher Organisation bejaht. Wer hingegen der Meinung ist, daß dem Fortschritt der Wirtschaft besser gedient ist, wenn der Arbeiter als Einzelperson der Willkür des Unternehmers anlieimgestcllt ist, der wird auch in Palästina ein Gegner der Histadruth sein. Die Histadruth kann außerdem für sich geltend machen, daß sie in Zeiten der Arbeitslosigkeit den ganzen Druck auszuhalten hat und nur durch ihre Arbeitsämter, die eine Rationierung der Arbeit vornehmen, eine völlige Verelendung und Radikalisierung eines Teiles der Arbeiterschaft verhüten kann, ln der Tat erfüllt die Histadruth Aufgaben, die in anderen Ländern staatliche Instanzen auf sich nehmen (z. B. Arbeiterversicherung, Krankenkasse usw.), und sie kann diese überaus schwere verantwortliehe Arbeit natürlich nur dann durchführen, wenn ihre Autoritat anerkannt ist. Das ernste Unternehmertum und die großen Betriebe anerkennen auch durchaus diese Vorteile und arbeiten nur mit organisierten Arbeitern. Die Arbeitsämter, so wird von der Histadruth betont, kümmern sich nicht um die politische Zugehörigkeit des Arbeitsuchenden, sondern verlangen nur die Beachtung der gewerkschaftlichen Grundsätze, und die Histadruth sei jederzeit zu einer gerechten Verständigung mit jeder außerhalb der Histadruth stehenden Arbeiter gruppe bereit. Was sie aber, wenn nicht ein Chaos entstehen soll, nicht zulassen kann, ist eine grundsätzliche Ablehnung organisierter Arbeit durch die Unternehmer, und wenn eine solche Haitung der Unternehmer durch gewisse Arbeiter unterstützt wird, dann wehrt sich die Histadruth gegenüber diesen Arbeitern. Auf der anderen Seite behaupten die Revisionisten, daß das Prinzip des gewerkschaftlichen Zwanges eine Gefährdung des zionistischen Aufbaus ist, da das Unternehmertum einer privatwirtschaftlichen Pionierkolonisation nicht an gewerkschaftlich fixierte Arbeitsbedingungen gebunden sein könne. Aus allen revisionistischen Aeußerungen geht außerdem klar hervor, daß ihr Kampf gegen die Histadruth innerzionistische Absichten hat, denn sie betonen, daß die Machtstellung der Arbeiterpartei im Zionismus und ihre ״Unterstützung der Weizmann-Politik" gebrochen, werden müsse. So ist es vielleicht zu erklären, daß diese Kämpfe nicht einfach als palästinensische Wirtschaftskämpfe, sondern als innerzionistisch-politische Parteifragen auftreten. Die Revisionisten benützen demgemäß ihre Brith Trumpeldor-Organisation, um das Prinzip der organisierten Arbeit in Palästina zu durchbrechen und damit die Histadruth zu zerstören. Es ist kein Zufall, daß in den Streitigkeiten, die sich an die Vorfälle in Palästina angeschlossen haben und deren Behandlung in der hebräischen und jiddischen Presse einen sehr großen Raum einnimmt, Wortführer fast aller zionistischer Gruppen gegen die׳Revisionisten Stellung nahmen, auch der Misrachi (in seinem palästinensischen Organ ״Hator“), die Radikalen (Grünbaum im ״Hajnt“), Allgemeine Zionisten (Dr. Osias Thon im ״Hajnt“). Demgegenüber veröffentlichte jabotinsky einen Artikel, worin er der Histadruth den Krieg erklärt und die Schaffung einer ״neutralen Instanz“ vorschlägt, die das Recht haben soll, den Betrieb jedes Unternehmens genau zu überprüfen und dann zu entscheiden, welchen Arbeitslohn das Unternehmen ohne geschäftlichen Nachteil zahlen kann. Die Vertreter der Histadruth (M. Ncistadt im ״Hajnt“) erwidern darauf wohl nicht mit Unrecht, daß sich die wenigsten Unternehmer diese Kontrolle gefallen ließen, wobei darauf hingewiesen wird, daß der Arbeitgeber, bei dem sich die Zusammenstöße in Jerusalem ereignet haben, nämlich die Bisquitfabrik Frumin, eine solche Untersuchung und auch eine neutrale Vermittlungsinstanz abgelehnt hat. Das Problem der Beziehungen von Arbeitgebern und Arbeitnehmem ist in Palästina wie überall in der Welt ein überaus heikles und es wird gewiß dabei immer wieder zu Reibringen kommen. Die gegenwärtige Ordnung Hißt sicher noch zu wünschen übrig, aber ein Chaos wäre weit schlimmer. Man sollte sich vor einer ״Stellungnahme auf weite Distanz“ hüten, besonders wenn man nicht die Möglichkeit hatte, die Sachlage eingehend zu studieren. Die Parteiredner, die überall in der Welt in Versammlungen auftreten, geben natürlich die Version ihrer Partei und die revisionistische Zentrale verbreitet an ihre Gruppen entsprechendes lnstruktionsmaterial. Dieses Material wurde auch in der — hauptsächlich von revisionistischen Parteigängern besuchten — Berliner Versammlung vorgetragen. Wenn der Vorsitzende dieser Versammlung, Herr Ka reski, erklärte, daß gerade im Interesse der Gestaltung des Arbeitsmarktes und zur Abwendung von Gefahren für das ganze Aufbauwerk eine Wiederholung derartiger Kämpfe, die nur die Arbeiterschaft selbst schädigen, vermieden werden müsse, so bleibt noch die Frage offen, ob es der Rolle des Friedensstifters dienlich ist, wenn er sich zunächst einmal mit derjenigen Gruppe identifiziert, gegen die von den Arbeitern der Vorwurf des ״Streikbrechertums“ erhoben wird. Die ursprünglich von der Moazoth Poaloth in Palästina herausgegebene Sammelschrift ״Arbeiterinnen sprec hen", die auch in der ״Jüdischen Rundschau" auf Grund der hebräischen Ausgabe ausführlich gewürdigt worden ist, erschien jetzt in einer englischen Uebersetzung von Maurice Samuel unter dem Titel ״The Plo u gh Woms n“, herausgegeben von der poalezionistischen Pioneer Women’s Organisation in Amerika (Verlag Nicolas Brown, New York; Adresse der Pioneer Women’s Organisation: 1133 Broadway, New York). Das Buch enthält bekanntlich eine Reihe von Erinnerungen und Schilderungen, Tagebuchblätter usw. aus 30 Jahren jüdischen Arbeiteriebens in Palästina. Es gibt ein Bild von dem ungeheuren Elan, der Kraft und der Leistung der jüdischen Frau beim Autbau des arbeitenden Palästina. Es ist sehr zu begrüßen, daß dieses Buch in einer würdigen Ausstattung jetzt auch in einer europäischen Sprache erscheint und dadurch einer weiteren Oeffentlichkeit zugänglich ist. Jahresfest in Benschemen Von Nanny Margulles-Auerbach (Tel-Awiw). Es scheint, als ob zu den neuen Festen, die das Leben in Erez Israel neuschöpfend hervorbringt (Chamischa-Assar, Bikurim, Balfourtag usw.) sich eines organisch eingefügt hätte: das Fest der alljährlichen Zeugnisverteilung an die Schulabsolventen (Bogrim) in BenschemCn, kurz genannt das Jahresfest. Obwohl diesmal die Einladungen recht knapp ergangen waren (im Vorjahre sollen etwa 2000 Menschen teilgenommen haben), machte der Tel-Awiwer Autohalteplatz und die Straße Ludd-Benschemen an jenem Frühabend des 19. Oktober den Eindruck einer kleinen Völkerwanderung. Eigene Autobusse brachten uns Tel-Awiwer am Abend ins Kfar Noar. Wir kamen gerade zurecht zu der Zeugnis- Verteilung, die eingeleitet wurde von Musik der Hauskapelle und begleitet von einer Ansprache des Schulleiters an die Absolventen. Die meisten der Kinder verbleiben zwecks beruflicher Ausbildung weiter in der Gemeinschaft, sind jetzt aber Mitglieder der eigentlichen Gruppe des Kfar Noar. Was jedem Besucher zuerst auffiel, war die große Menge von Autos und Gefährten aller Art, dazu der Ordnerdienst, der sofort jedem Ankommenden den Weg wies. Und unter den vielen hundert Besuchern die große Anzahl von Arabern in ihrer Tracht, von denen zu unserem Erstaunen viele recht gut hebräisch sprachen. Der große Rasenplatz, war als Zuschauerraum hergerichtet worden, mit Bänken umgeben und mit eigener Festbeleuclitungsanlage versehen. Sehr geschmackvolle Lampen und einfache!Dekorationen, natürlich von den Kindern selbst hergestellt wie alles in Benschemen, gaben dem Ganzen einen ungewöhnlichen festlichen Schmuck. Vom Hause aus über einen Laufsteg erreichte man die Bühne, auf der sich nun der zweite Teil des Programms abrollte. Die Kinder spielten eine Pantomime: ,,Der Kaiser und die Nachtigall“ von Andersen; und mm erhielten wir wieder einmal einen unvergeßlichen Eindruck von dem Können und Schaffen dieser Gemeinschaft. Wenn man sich vergegenwärtigt, wie diese Kinder waren, als sie in dieses Haus kamen, oder wie jene Kownoer Kinder, die Lehmann vor sechs Jahren hierherbrachte (denn diese ganze Herrlichkeit ist, fast unglaublich, nicht älter als sechs Jahre) und was sie uns als Ausdruck ihres Könnens jetzt präsentierten, dann .glaubt man wieder einmal, daß die Zeiten der Wunder in Erez Israel wiedergekommen sind. Das war nicht ein kleines Theater von Kindern, gut gemeint und nachsichtig aufgenommen — das war eine künstlerisch gut gespielte, tänzerisch hochstehende, musikalisch ausgezeichnet begleitete Aufführung einer fabclhaft eingespielten Truppe; das Ganze in Kostümen, die in ihrer entzückenden Primitivität doch eine Farben- und Formen- Wirkung hervorriefen, die das Ganze zu einem wirklichen Erlebnis gestaltete. Preis und Ehre der Lehrerin für Gymnastik und Rhythmik, die die Einstudierung leitete und die aus diesen Kindern solche Leistungen herausholt; Preis auch der Musikkapelle, die dieses reizende Spiel so verständnisvoll und exakt mit der ״Kleinen Nachtmusik“ Von Mozart begleitete und erst dadurch die vollendete Gesamtwirkung ermöglichte. In Erschütterung verließen wir den Spielplatz; viele von uns besichtigten noch einige der Kinderhäuser und Zelte, Gärten und Ställe, um nicht gleich wieder in den festlichen Trubel zu geraten, der sich nunmehr nach der anderen Seite des Gartens verzog. Dort, an dem famosen Schwimmbassin, das so reizend von einem ehemaligen Orangenbrunnen zu diesem Zwecke umgestaltet worden ist, stehen eine Reihe von Tischen, an welchen sich die Besucher erfrischen sollen. An einem improvisierten Büffett erhalten wir für einen Piaster eine ״manah“, Sandwich mit Obst, und das Kfar Noar stiftet seinen Gästen Ströme von Zitronenlimonade dazu. Aber wer kann hier lange stillsitzen! Es zieht uns zu dem Tanzplatz, auf dem sich ein unvergeßliches Bild vor uns abrollt. Die größeren Buben sind in wildem, freudigen Tanz begriffen mit den jungen Arabern der Umgebung, die älteren beider Gruppen schauen begeistert zu und klatschen den Takt der Horra und der anderen Tänze, und neben mir sagt ein deutscher Tourist: ״Das ist doch schon Verbrüderung!“ Ja, wenn wir viele Benschemen hätten.... Zuviele Gedanken drängen sich uns auf, zuvicle Eindrücke stürmen auf uns ein. Dies ist nicht nur eine lokale Feier; das ist ein Zukunftsbild, das ist eine herrliche Vision von glücklicher Jugend, das ist eine Synthese von Arbeit und Lebensfreude, das ist eine Hoffnung auf Verständigung mit unseren arabischen Nachbarn; das ist ein Werk, wert genug, um die besten Kräfte des jischuw und der Golah daran zu setzen. Schon heute ist es ein immer wieder neues Wunder: wie war es möglich, in so kurzer Zeit dies alles zu schaffen? Als ich vor vier Jahren dort war — Baracken, primitivste Küche, wenig Kinder, alles ein kleiner Anfang — und heute stehen Häuser, wohnen Gruppen in Kleinwohnungen, musiziert man, turnt und tanzt man, sind Ställe und Auto und Milch- Überschuß da, — wie kann man denn das alles an einem Abend erfassen? Ich weil! nicht, ob die Methode von Dr. Lehmann die einzig richtige ist; ich weiß nicht, ob die Wirtschaft und Rentabilität jedem buchprüferischen Auge rcstlos standhält; ich weiß nicht, ob irgendwo Fehler gemacht werden — ich will das alles gar nicht wissen. Jede kleinliche Kritik fällt in sich• zusammen vor dem großen Erlebnis, das Theodor Herzl einst vorausgeahnt hat, als er sagte: ״Wann erscheint mir als gelungen mein Bemüh’n auf dieser Erden? Wenn aus armen Judenjungen stolze junge Juden werden!“ Er hat es nicht erlebt — aber wir, wir durften es erleben, und für dieses Erlebnis danken wir dem Schöpfer von Ben- Schemen. Sozusagen zum Abklingen folgen zum Festesschluß noch einige sehr eindrucksvolle Tänze einiger Mädchen und der Lehrerin, dann spielt uns die Hauskapelle zum Abschied mit der ״Kleinen Nachtmusik“ hinaus. Zum Abschied? Nein, wir kommen bald wieder. Immer wieder, wenn wir unseren Freunden von draußen etwas Wunderschönes zeigen wollen; immer wieder, wenn wir uns für unsere Arbeit neuen Auftrieb holen wollen; immer wieder, wenn wir von schlechten Zeiten und schweren Krisen hören; immer wieder, wenn wir die Unzulänglichkeit unserer Jugendfürsorge im Lande fühlen; immer wieder, wenn wir sehen wollen, wie Kfar Noar fortschreitet. Und daß es immer weiter so fortschreite, wie in diesen kurzen Jahren, dazu wollen wir seinem Schöpfer mit allen Kräften helfen. Strafe für Logenpropaganda Die Palästina-Regierung veröffentlicht im Amtsblatt einen Gesetzentwurf, worin das Gesetz von 1929 zum Schutz der öffentlichen Ruhe und Ordnung durch 101• gende Bestimmung ergänzt wird: ״Jede Person, die eine Er- Klärung, ein Gerücht oder einen Bericht, der Befürchtungen und Unruhe in der Oeffentlichkeit erregen oder den öffentliehen Frieden stören kann, veröffentlicht oder weitergibt, obwohl sie weiß oder zu dem Glauben Grund hat, daß die betreffenden Angaben falsch sind, wird mit Gefängnis von drei Jahren bestraft.“ Der Entwurf bringt auch nach einige andere Aenderungen des genannten Gesetzes. Der Präsident des Board of Deputies of British Jews, O. E.. d’Avigdor Goldsmid, hat sein Präsidentenamt siedergelegt.