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Jüdische Rundschau · 1932-11-11 · Heft 90 (11.11.1932) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 90 (11.11.1932)
Date
1932-11-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 438 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 90, 11. XI. 1932 Mittelstands-Kolonisation Von Dr. Jakob Thon (Jerusalem). Wenn man von Ansiedlung des ״Mittelstandes" spricht und sie in Gegensatz bringen will zu der bisher durch die Nationalen Fonds geleiteten Kolonisation, so denkt man dabei liauptsächlich an zwei Momente: 1. Die Mittelstandssiedlung soll Elemente umfassen, die nicht Zugehörige der Arbeiter-Organisation sind. 2. Die Ansiedler aus dem Mittelstände sollen einen gewissen Teil der AnsiedUmgskosten aus eigenen Mitteln bestreiten können und nur einen Teil des Etats, nicht alles, von den Fonds beanspruchen. Die erste Bedingung, die rein negative, die zum Haupt- Inhalt des Kampfes der Parteien geworden ist, wird sich im Lichte des Tages nicht leicht verteidigen lassen. Die Frage des Undankes an demjenigen Element, das der Hauptträger unseres Aufbauwerkes war, bleibe dahingestellt. Wichtiger ist der Versuch, die Kolonisationserfordernisse zu vergewaltigen und das beste Menschenmaterial durch minderwertiges ersetzen zu wollen. Deshalb haben auch Fraktionen, wie der Misrachi oeftr die Revisionisten, dasselbe Verlangen, Kampf gegen die Arbäterorganisation auf dem Gebiete der Kolonisation, auf andere Weise zu lösen gesucht: indem sie innerhalb ihrer Parteirahmen eigene Arbeiterorganisationen zu schaffen suchten. Offenbar geben sie zu, daß ohne Jugend Kolonisation schlechthin unmöglieh sei. Die zweite Bedingung dagegen, das Verlangen eigener Mittel beim Siedler, ist von rein kolonisatorischer Lieber* legung aus durchaus verständlich. Je mehr die Einnahmen unserer Fonds zusammenschrumpfen, desto erklärlicher ist die Angst unseres Publikums, daß die Leistungen der Fonds wegen der hohen Kosten, die für Installierung je eines Siedlers erforderlich sind, geringfügig werden. Wenn deshalb durch Beitragsleistungen der Siedler, in Höhe der Hälfte oder eines Drittels des Installations-Budgets — unsere Kolonisationsleistungen quantitativ verdoppelt oder um ein Drittel erhöht werden können, werden wenige dieses Resultat nicht anzustreben suchen. Die Behauptung, die vielfach verbreitet ist — und jüngst wieder von Heinrich Margulies (״Jüd. Rundschau“ Nr. 76) jiufgestellt wird, als ob das Zionistische Kolonisationsdepartement sich um die landwirtschaftliche Kolonisation des Mittelstandes nicht gekümmert hätte, ist keinesfalls zutreffend. Was war denn die Kolonisation der Transsylvianer in Telades in den Jahren 1922 '23? Was war die Kolonisation der verschiedenen Chassidim-Gruppen im westlichen Emek-Block (Harbadj, Scheich Abreik, Hartie, Medjdel usw.)? Was ist die sephardische Siedlung Kfar-Baruch? Was die bulgarische bei Ness- Zionah? Es ist auch ganz unrichtig, zu behaupten, daß die der Zionistischen Exekutive nahestehende P. L. D. C. keine Mittelstands- Kolonisation getrieben hat. Mit dieser Behauptung widerspricht Margulies sich selber. Einige Zeilen vor dieser Behauptung erwähnt er nämlich Magdiel als erstes Beispiel einer ״blühenden Kolonie“ der Privatinitiative und vergißt nur, daß Magdiel sein Entstehen ganz und gar der P. L. D. C. zu verdanken hat, die den Boden unter großen Opfern wüster Privatspekulation abgerungen, sodann die Siedlung angelegt und durch günstige, auf fünf Jahresraten verteilte Zahlungsbedingungen ihre Entstehung ermöglicht hat. Dann kam noch der K. H. der Kolonie zu Hilfe — wie kann man dies vergessen? Wie kann man auch, wenn man mit großer Freude von den neuen blühenden Pflanzungskolonien spricht, vergessen, daß über 80 Prozent dieser Anlagen durch die Tätigkeit der P. L. D. C. möglich geworden sind; Flächen von über 50 000 Dunam sind dabei von der P. L. D. C. für die private Siedlung erschlossen worden (Das geht über die von Margulies wohl zugegebenen Käufe am Karmel und Jerusalem weit hinaus, die übrigens zur Zeit ihrer Entstehung von dem Jischuw als so bedeutungsvoll angesehen wurden, daß selbst die A. P. C., trotzdem Bodenerwerbungen nicht direkt in den Rahmen ihrer Aufgaben fielen, an den Karmel-Käufen und am Talpioth mit mehr als der Hälfte partizipierte. Daß die anderen Haifaer Erwerbungen der P. L. D. C., insbesondere Hadar-Hakarmel, das moderne jüdische Haifa überhaupt erst möglich machten und die großen Käufe vom orthodoxen Patriarchat dem modernen jüdischen Jerusalem eine ganz neue Physiognomie gaben — das wird heute niemand mehr bestreiten.) Dank dem Aufschwung der Orangenkultur ist die Kolonisation in der Scharon-Ebene und in Judäa, besonders im Gürtel um Rechowoth, gelungen, von wem immer sic auch ausgegangen ist. Die Baukredite in Herzliah waren sicher gut angewendet, aber in den meisten Fällen brauchte man in der Pflanzungszone überhaupt keine Kredite, da man hier Siedler mit eigenem Kapital — als Gesellschaften wie Gan Haim u. dg!., als großkapitalistische Unternehmungen wie Tel Mond, Kalmania (Gredinger) oder Kleinsiedler wie Magdiel, Raanatia, Nathania u. dgl. in genügender Zahl fand. Dagegen erforderten die hauptsächlich auf Körnerbau begründeten Siedlungen (Emek) umfangreiche Siedlungskredite, gleichgültig ob sie ihr Entstellen dem K. H. oder anfänglich anderen Gesellschäften oder privater Initiative zu verdanken hatten, da Siedler mit eigenen Mitteln in ausreichendem Umfange diese Kolonisation mieden oder sie nach einigen schwierigen Anfangsversuchen aufgaben. Margulies macht sich die Sache ein bißchen zu leicht, wenn er im Gegensatz zuin ״großen Erfolg und Musterbeispiel“ Herzlia ungenügende Erfolge ode־׳ Mißerfolge bei Balfouria, Afule, Haifa-ßay mit ״schlechter Verwaltung“ begründet. Balfouria, Afule, Haifa-Bay und Herzlia sind desselben Geistes Kinder (in erster Linie ist hier — geschiehtliches Anständigkeitsgefühl verlangt es — Herr Passmann von der American Zion Commonwealth zu nennen); als geistige Schöpfungen •— im Lande ohne Vorbilder — verlangten Afule und Haifa-Bay viel mehr Schwung, Initiative, Konstruktionsgäbe, als das nach vorhandenen Mustern leichter zu kopierende Herzlia. Auch fernerhin sind keine Equipierungskredite für Ansied- Jung im bewässerten Pflanzungsgürtel notwendig. Was hier nötig ist, ist die Beschaffung siedlungsreifer Parzellen. Aehnlieh wie die P. L. D. C. es in den Städten für den Hausbauer eingeführt hat, braucht der Siedler auch hier nur die Möglichkeit der Uebernahme einer rechtlich und für den praktischen Besitz einwandfreien Parzelle, die in einem lebensfähigen, mit den notwendigsten Straßen und Bewässerungsanlagen versehenen, assanierten Siedlungskomplex sich befindet. Für die Kultivierung wird der Siedler schon selber sorgen. Das einzige, wofür die verantwortlichen Organe zu sorgen haben, ist die Bereitstellung der erwerbbaren Bodenflächen in Verkaufsfähiger Form, ohne durch die einsetzende ungezügelte Spekuiation die Preise unmöglich in die Höhe treiben "zu lassen. Da das Quantum des für Pflanzungszwecke geeigneten Bodens, der erworben werden kann, außerordentlich gering ist, muß im Interesse unseres Aufbauplanes an eine Ration i e r u n g dieses Bodens gedacht werden. Parzellen von nicht mehr als 15—30 Dunam, je nach der Beschaffenheit des Bodens, sollten an je einen Käufer abgegeben werden. Große Plantagenbetriebe sind nach zahlreichen Erfahrungen in Palästina schwer administrierbar (Arbeitskonflikte, Unstimmigkeiten zwischen den Gesellschaftern innerhalb des Verwaltungskörpers, erlahmendes Interesse der ausländischen Teilhaber u. dg!.) und für die Dauer unwirtschaftlich. Sie sind auyh Volkswirtschaftlich anfechtbar, da sie dem kleinen Manne (dem riehtigen Repräsentanten des ״M i 11 e I s t a n d e s“) eine der wichtigsten Möglichkeiten der Begründung einer selbständigen wirtschaftliclien Existenz entziehen. Diese Großbetriebe sollen je eher je lieber sich in Kleinparzellen aufteilen, in gemeinnützigem Interesse und wohl auch in eigenem Interesse und die Administrations-Maschine durch freie, selbständige, verantwortliche Siedler ablösen lassen. Auf Pflanzungsparzellen (!«bepflanzte!) gibt es zahllose Reflektanten im Lande; es ist natürlich, daß sie vor ausländisehen Reflektanten den Vorrang verdienen. Unsere Kolonisation kann sich nicht nur auf die Anlage von Pflanzungen beschränken. Das wäre eine unglaubliche Verkümmerung unserer Nationalhcim-ldee. Die agrikulturelle Kolonisation verspricht keine Reichtümer wie große Plantations-LJnternehmungen, aber Brot in redlicher, schwerer Arbeit. Die bisher gesammelten Erfahrungen ermög• liehen Neuansiedlungen mit bedeutend geringeren Ausgaben als bisher. Der Mittelstand sollte davon auch nicht fernbleiben, sondern in Verbindung mit in der Land• Wirtschaft im Lande erfahrenen jungen Kräften (insbesondere Verwandten) sich auch an diesen wohl schweren, aber für die Dauer vielleicht auch sicheren Erwerbszweig heranwagen, ln diesem Falle ist auch eine weitgehende Kreditgewährung seitens öffentlicher Fonds — im Gegensatz zu den Verhält• nissen in der Pflanzungszone — erforderlich. Zunächst müßte hier der Boden vom KKL in Pacht geliefert werden. Wenn unter Mittelstand Leute eines Standes verstanden werden, die wenigstens über etwa £ 300 eigener Mittel verfügen, so wäre nach Ansicht unserer Siedler im Emek nur ein Kredit von wenigen hundert Pfunden ausreichend zur Begründung einer Existenz in ernster, schwerer Arbeit. Die Organisierung von geeigneten Siedlergruppen, die diesen Erfordernissen entsprechen, ihre Verbindung mit arbeitstüchtigen und erfahrenen Elementen in Palästina wäre eine fruchtbare Arbeit. Dr. Ariel Benslon Nach mehrmonatlicher schwerer Krankheit starb im besten Mannesalter am 9. November in Paris der Schriftsteller und Keren Hajesscd-Dclegierte Dr. Ariel Bension. Der Verstorbene stammte aus einer altangesehenen sephardischen Familie aus Jerusalem. Er genoß seine Erziehung in Jerusalem, studierte in Wien und bekleidete dann ein Rabbinat in Bulgarjen. Wissenschaftlich beschäftigte er sich u. a. mit dem palästinensischen Zweig des Chassidismus, aus dem er stammte, und hat noch in den letzten Jahren zwei Schriften hierüber veröffentlicht, die das Aufsehen der Sachverständigen erregt haben. Dr. Bension war seit Gründung des Keren Hajessod Delegierter des Hauptbüros und hat in dieser Eigenschaft Jahr für Jahr ausgedehnte erfolgreiche Reisen unternommen. Insbesondere besuchte Dr. Bension die von sephardischen Juden bewohnten Länder. Er besuchte Spanien, Portugal, Marokko, Tunis, Aegypten, Syrien, Irak, Indien, die Gemeinden von Shanghai und Hongkong, Charbin und Mukden, Holländisch- Indien, sowie Argentinien, Brasilien und andere Teile Südamerikas. In einer Reihe dieser Länder war er der erste Sendbote des neuen Palästina und legte in ihnen die Grundlagen für die moderne Palästinabewegung. Frau Dr. Bension, die ihren Mann auf seinen Reisen begleitete und einen aktiven Anteil an seiner aufreibenden Arbeit nahm, darf des innigen Mitgefühls aller Zionisten und Palästioafreunde sicher sein. Presseschau Die Bukowinaer Deutschen haben den jüdischen Führer Dr. Mayer Ebner zu seinem 60. Geburtstag durch ihren Führer Dr. Kohlruß offiziell begrüßen lassen. Das Organ des Bukowinaer Deutschtums, die ״Czernowitzer Deutsche Tagespost“, schreibt in einem längeren Aufsatz über Dr. Ebner u. a. folgendes: ״.... Auch wir Deutsche schätzen und ehren Dr. Mayer Ebner. Nicht nur als alten politischen Freund, mit dem die Deutschen dieses Landes schon mehr als einmal Schulter an Schulter manch heißen Wahlkampf ausfochten. Sondern gerade auch wegen seines Bekennermutes, wegen seiner nationalen Gesinnung, wegen seines unbeirrbaren und treuen Festhaltens an einer zielbewußten, reinlich geschiedenen Minderheitenpolitik. Mag es im deutschen Volke in der Nachkriegszeit auch Strömungen geben, aus denen Gegensätze zum Judentum erwachsen, so wird selbst der geschworene Judenfeind dem aufrechten, jedes Assimilantentum entschieden ablehnenden nationalen Juden, wie er in Dr. Ebner verkörpert ist, gerade wegen dieser Gesinnung seine Achtung nicht versagen können. . . . Gerade an dieser Stelle wären "auch seine meisterhafte Beherrschung der deutschen Sprache als hervorragender Journalist und die tiefe Verehrung, die er, der nationale Jude, für die Größe deutschen Geistes und deutscher Kultur hegt, zu erwähnen... * Die bekannte katholische Monatsschrift ״Stimmen der Zeit“ (Freiburg i. Br.) bespricht in ihrem Novemberheft die Genfer Jüdische Konferenz in folgender charakteristischer Weise, die beweist, daß auch in christlichen Kreisen die antisemitische Verhetzung in Deutschland als Schande empfunden wird. Die Zeitschrift schreibt: ,,Weil die rücksichtslose riationale Verhetzung sich besonders gegen die Juden richtet, ist es begreiflich, daß eine von amerikanischen Zionisten im August 1932 nach Genf einberufene Jüdische Weltkonferenz die Organisation des Schutzes der wirtschaftlichen und Staatliehen Rechte namentlich der deutschen Judenheit durch die Judenheit der Welt beschlossen hat. Freilich sagt die ״Frankfurter Zeitung“ (23. August 1932, Reichsausgabe), die Konferenz habe keinen amtlichen Charakter gehabt, und fast alle Gemeinden und großen Organisationen seien ihr fern geblieben. Aber jeder weiß, daß auch ohne amtlichen Zusämmen- Schluß die internationale Judenschaft zur Verteidigung ihrer Rechte imstande ist. Daß sie überhaupt Veranlassung hat, sich darauf vorzubereiten, ist für die Nichtjuden keine E h r e.“ * Die Stadtverwaltung Tel-Awiw hat soeben mit der Herausgabe einer Zeitschrift ״Nachrichten der Stadt- Verwaltung Tel-Awiw“ in hebräischer Sprache begönnen. Das erste Heft, das von Bürgermeister Dizengoff eingeleitet ist, bringt verschiedene Aufsätze über die Probleme der Stadt Tel-Awiw in nächster Zukunft, sowie eine Tabelle über die Einnahmen und Ausgaben der Stadtverwaltung im Jahre 1932, Aufsätze über das Volksschulwesen, über die Baubewegung und anderes, ferner u .a. eine Aeußerung von B i a 1 i k der sich für die Verschönerung der Stadt und für die Anlage von Gärten ausspricht. Sehr willkommen ist auch eine Angabe der Amtsstunden der wichtigsten Büros samt Telephonnummern, der Autobuslinien und Eisenbahn- Verbindungen, sowie der abgehenden Schiffe und ähnliche Angaben. Der Zionismus in Ungarn Für das Wachstum und die Wandlungen im ungarischen Zionismus ist ein äußeres Vorkommnis aus der letzten Zeit charakteristisch: Die Zentrale der Zionistischen Organisation in Budapest wurde von der Kiraly utca nach der Andrassy utca verlegt. Zwanzig Jahre befand sich das Büro der Organisation gewissermaßen im Ghetto, in einer unschönen Gegend, und auch sonst war es nichts weniger als repräsentativ. Kein Wunder, wenn die überwiegende Mehrzahl der Juden in Budapest danach auch den Zionismus beurteilte. Der Tatkraft der jetzigen Leitung gelang es, ein neues Heim in der vornehmsten Straße Budapests mit schönen Büroräumen sowie sehr zweckmäßigen Sitzungs- und Ver- Sammlungslokalitäten zu günstigen Bedingungen zu finden. Außer der zionistischen Zentrale sind dort auch Keren Kaiemeth, Keren Hajessod, Wizo, Pro Palästinaverband und alle sonstigen Abteilungen würdig untergebracht. Jeder, der ln die Andrassy utca kommt, fühlt den starken und lebendigen Impuls, der von dort ausgeht, und neue Perspektiven haben sich für die Ausbreitung des Zionismus in Ungarn erschlossen. Aeltere Gesinnungsgenossen, die die Entwicklung des ungarischen Zionismus von seinen Anfängen an verfolgt haben, wissen, daß unsere Bewegung In diesem Lande vor dem Kriege gar nicht so unbedeutend war. In Budapest, der Geburtsstadt Theodor Herzls und Max Nordaus, hat der Zionismus allerdings damals viel schwerer Wurzel gefaßt, als in anderen europäischen Großstädten. Oewiß lag dies — und liegt zum Teil heute noch — in der assimilatorischen Eigenart der ungarischen Juden, die sich nirgends so stark ausprägt wie in Budapest. Trotzdem gab es von jeher auch in Budapest einen organisierten Zionismus, der In einigen seiner Zellen für die Ausbreitung unserer Bewegung sowohl im heutigen Ungarn, wie auch in Siebenbürgen, der Slowakei und dem jugoslawischen Banat von größter Bedeutung wurde. ^JFer jemals in diesen Gebieten zionistisch gearbeitet hat, wird festgestellt haben, daß fast in jedem größeren Orte, wo heute eine zionistische Gruppe besteht, ein ehemaliges Mitglied der alten zionistischen Studentenverbindung ״Maccabäa“ an der Spitze steht, oder zumindest aktiven Anteil an der Arbeit nimmt. Einen großen, geistig-kulturellen Einfluß auf weite Kreise der ungarischen Judenheit übt die seit nahezu einem Vierteljahrhundert erscheinende Monatsschrift ״Mult es Jövö“ aus, die unser Gesinnungsgenosse Dr. Josef Patai nerausgibt. Auch als Uebersetzer Achad-Haams, Bialiks u. a. sowie als Organisator von Palästina-Kultur-Abenden und ^Palästina- Reisen hat Dr. Patai unserer Sache in Ungarn viele Sympathien und neue Anhänger geschaffen. Bei dieser Gelegenheit sei auch die große, vor kurzem erschienene Herzl- Biographie Dr. Patais jn ungarischer Sprache erwähnt. In der schweren Zeit, die das ungarische Judentum nach dem Kriege durchzumachen hatte, kam leider auch der Zionismus zu einem beinahe vollständigen Stillstand, während in den früheren ungarischen Gebieten Slowakei und Siebenbürgen ein relativ starker Aufschwung erfolgte. Sogar die legale Basis für eine zionistische Betätigung in Ungarn war einige Jahre hindurch nicht gegeben. Erst vor etwa sechs Jahren begann eine neue zionistische Aktivität, und zwar auf verschiedenen Gebieten zugleich. Palästina war auch in Ungarn als eine im jüdischen Leben immer stärker werdende Realität bekanntgeworden. Noch vor Gründung der Jewish Agency entstand in Ungarn ein ״Pro Palästina-Verband“, an dessen Spitze einige der angesehensten Führer der ungarischen Judenheit traten. Dieser aus Nichtzionisten gebildete Verband trat in enge Fühlung mit der neu legalisierten Zionistischen Organisation. Gleichzeitig wurden die ersten zionistischen Jugendgruppen, die sich Schomrim, Barissiah und Awiwah nannten, nach siebenbürgischem Muster gegründet und breiteten sich in kurzer Zeit im ganzen Lande aus. Die erste praktische Arbeit für Palästina leisteten alle diese _Organisationen für den Keren Kajemeth, der innerhalb weniger Jahre in etwa 160 ungarischen Orten seine Sammeltätigkeit aufnahm. Viele Tausende Büchsen wurden aufgestellt und von Jahr zu Jahr größere Einnahmen erzielt. Auch der Keren Hajessod arbeitet seit einigen Jahren in Ungarn und hat sich hauptsächlich durch den Pro Palästina-Verband die Grundlage für eine künftige, größere Tätigkeit geschaffen. In den letzten Jahren kamen verschiedene auswärtige Delegierte und Gäste nach Ungarn und haben an der Propaganda erfolgreich Anteil genommen. Einen größeren Aufschwung nahm der Zionismus, seitdem einige ältere Jugendführer die Leitung der Organisation übernommen haben. Organisatorisch und propagandistisch von starker Wirkung war eine mehrwöchige Tätigkeit von Frau Dr. Nadja Stein besonders in Budapest und eine längere Tournee, die Dr. Werner Bioch zu Beginn dieses Jahres in der Provinz machte. Die Wizo, vorher kaum existierend, ist eine sehr stattliche Gruppe geworden und in der Provinz sind neue zionistische Ortsgruppen entstanden. Von den Differenzierungstendenzen innerhalb der zionistischen Jugend ist auch Ungarn nicht freigeblieben. Aus der mehr scoutartigen Schomerbewegung hat sich ein sehr lebendiger und aktiver ldaschomer Hazair entwickelt, von dem heute bereits ein Kibbuz von etwa 25 Mitgliedern in Palästina ist, zahlreiche Mitglieder sind ,in der Hachscharah und mit der nächsten Alijah beabsichtigt man den Kibbuz auf das Doppelte zu vergrößern. Auch in anderen Zweigen der Jugendbewegung macht sich eine chaluzische Tendenz bemerkbar. Der Zionismus in Ungarn hat unleugbar Fortschritte gemacht, aber er ist dort noch weit mehr in den Anfängen, als in anderen Ländern. Selbst auf dem so stark verkleinerten Gebiet leben heute in Ungarn noch immer 500 000 Juden, davon allein in Budapest 220 000, das also die zweitgrößte jüdische Stadt in Europa ist. Man kann daher mit Recht behaupten, daß Ungarn, ein Land im Herzen Europas, ein zionistisches Neuland ist und daß unserer jungen, kräftig vorwärtsstrebenden Organisation noch gewaltige Aufgaben bevorstehen. Nicht nur die zionistische Aktivität, sondern auch alle sonstigen äußeren und inneren Verhältnisse im dortigen Judentum sind einer Ausbreitung des Zionismus in Ungarn günstig. A d 01 f P o 11 a k. Meinhart Maur-Abend des Beth Am. Der zugunsten des Beth Am Iwri im Hause G r ü n g a r d veranstaltete Vortragsabend vereinigte einen großen Kreis jüdisch-kulturell interessierter Menschen. Ein bis auf den letzten Platz gefülltes Haus verfolgte mit lebhafter Spannung die eindrucksvollen Vorträge des Künstlers Meinhart Maur, der eine Auslese aus seinen 13 erfolgreichen Saal- und Rundfunkprogrammen rezitierte. Von Heines ״Dichter Firdusi“, ״Donna Clara“ über den ״Roten Itzig‘ aus Beer-Hofmanns ״Graf von Charolais“ und die Grotesk- Dichtungen Christian Morgensterns bis zu den volkstümlichen Erzählungen von Perez verstand es der Künstler, durch die wandlungsfähige Art seines Vortrages und seine ausgezeichnete Sprechtechnik die Hörer zwei Stunden lang in seinem Bann zu halten. Meinhart Maur lernte man hier von einer neuem Seite — als Interpret hebräischer Dichtungen — kennen. Ausschnitte aus der Bibel (Jesaja) und Bialik wurden von ihm im Urtext lebendig und gut pointiert vorgetragen und hinterließen einen starken Eindruck. Das Publikum dankte dem Künstler durch lebhaften Beifall für den interessanten und genußreichen Abend 0,

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