Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVII (1932)
- Issue
- Heft 90 (11.11.1932)
- Date
- 1932-11-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 436 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 90, 11. XI. 1932 einigermaßen behaglich leben konnte, einen Minderwertigkeitskomplex gegenüber dem Arbeiter, der fieberte und Steine klopfte, aber dafür die strahlende Gloriole des Chaluz trug. Heute ist davon nur noch wenig zti spüren. Der kleine Angestellte mul auch■ ein bestimmter Teil der Arbeiter ist eher geneigt, die Bourgeoisie in ihrem Geschmack und ihren Neigungen zu kopieren. Die Umstellung der Begriffe und die Steigerung der An- Sprüche wirkt sich ökonomisch aus, indem ein Markt für Waren entstellt, die früher mir wenig verlangt wurden und indem Berufe im Lande möglich werden, an die man früher kaum dachte. Es entstellt ein gewisses Maß von Luxushandel, und es gibt Aussichten für bestimmte Luxusbertife. In den Städten entstehen — um ein vielleicht etwas grotesk anmutendes aber doch charakteristisches Beispiel herausztigreifen — ״Schünhcitsmstitute“, und es besteht kein Zweifel, daß sie stell mit der Zeit durchaus rentieren werden. Es mehren sich die Nachfragen nach erstklassigen Handwerkern verschiedenster Art. Es gibt freilich Handwerker auf jedem Gebiet, aber der Besteller verlangt heute bereits eine besonders exakte, allen Feinheiten entsprechende Ausführung, und so kommt es, daß in bestimmten Gewerben sich die Nachfrage nach ersten Kräften stark bemerkbar macht. Früher galt es, um im Lande durchzukommen, in möglichst vielen Sätteln gerecht zu sein, um die verschiedenen Möglichkeiten, die sich bigten mochten, ausnutzen zu können, bis dann einmal die Gelegenheit kam, feste Arbeit zu bekommen und dabei zu bleiben. Das war die charakteristische Einstellung eines Kolonisationslandes, wo jeder mit allem vorlieb nehmen muß, und wenn es darauf ankam, auch Arbeiten zu •verrichten hatte, die er nur von ungefähr verstand. Jetzt beginnt sich auch das an einigen Stellen zu ändern. Fachmännisches Können wird hoch gewertet. Das hängt nicht nur mit den vermehrten Ansprüchen zusammen, sondern auch damit, daß im Laufe der Jahre ein starker Stamm von Arbeitern verschiedenster Gewerbe herangewachsen ist, der seinen Posten normal versieht. Was darüber hinaus noch verlangt wird, sind Spitzenleistungen. Alle diese Züge sind charakteristische Begleiterscheinungen der starken und durchgreifenden Kapitalisierung, welche die Palästinawirtschaft zur Zeit durehmacht. Das Geld, das befruchtend durch verschiedene Kanäle in die jüdische Wirt- Schaft strömt, ruft nicht nur neue Unternehmungen ins Leben lind wandelt nicht nur die Oekonomie des Landes, sondern auch seine Psychologie, seine Lebensgewohnheiten und seine An- Sprüche. Was sich in den Jahren der ״vierten Alijah" anbahnte, als die städtische Siedlung sich rasch ausbreitetc und neben der Chaluzpsychologic die Ansätze einer Mittelstands- oder Kleinbürgerideologie entstanden, wird jetzt in großem Maßstabe fortgesetzt. Jedoch ist heute die Tendenz mehr eine ״großbürgerliche‘*', die notwendigerweise mit einer Steigerung des Stkndards, mit der Neigung zu Komfort, Bequemlichkeit und Eleganz Hand in Hand geht. Und diese Tendenz ist es, die sich heute überall auf Schritt und Tritt aufdrängt. ״Christenhetze“ In Palästina? Wir haben bereits mehrfach über die neuerlich entstandene scharfe Spannung zwischen Christen und Mohammedanern in Palästina berichtet. In der ״Jiid. Rundschau“ Nr. 88 haben wir eine Aeußerung der englischen Zeitschrift ״Near East and India“ wiedergegeben, die feststellt, einer der Hauptgründe für den neu aufgebrochenen Gegensatz sei die Bevorzugung der (arabischen) Christen bei Regierungsstellen. Nun sendet Dr. Mombini, der Jerusalemer Berichterstatter der Wiener ״R e i ch s p o s t“, des bekannten führenden ehristliehsozialen Blattes, seinem Blatte einen Bericht, der überaus charakteristisch ist und auch zionistische Leser interessieren dürfte. Bekanntlich war 1929 nach den Ueberfällen auf die Juden die Haltung der christlichen Gemeinden Palästinas sehr zweideutfg und man vermißte eine klare Verurteilung der Mordtaten. Um so bemerkenswerter ist jetzt der Schlußsatz des Berichtes von Dr. Mombini, der unseres Wissens auch Vertreter des päpstlichen ״Osservatore Romano“ ist. Die Veröffentlichung der ״Reichspost‘‘ unter der Ueberschrift ״Eine Haßkampagne gegen die Christen in P a 1 ä - stina" besagt: ״Seit einigen Wochen ist Palästina der Schauplatz einer scharfen Kampagne der Mohammedaner gegen die Christen. Der Führer dieser systematischen Angriffe und Verleumdungen ist ein Scheik aus Jaffa, der Leiter des neuen Blattes ״Al Dchiamia al Islamia“. Die übrigen Zeitungen sekundieren ihm in diesem Kampf und leisten sich in ihren Artikeln fanatische Ausbrüche des Christen Hasses. Die Polemik begann damit, daß die Mohammedaner eine größere Zahl öffentlicher Stellen des Staates für sich reklamierten. Daraus wurde alsbald ein Generalangriff auf die Christen, die als ״Unterstiitzer des europäischen Imperialismus“ bezeichnet werden. Die ״Al Dchiamia al Islamia“ graft besonders Msgre. Hajjar, den griechisch-katholischen Erzbischof von Galiläa an, der bis vor kurzem noch als Vorkämpfer der nationalen Sache der Araber Palästinas gepriesen wurde. Nun behaupten die Araber, daß Erzbischof Hajjar nährend seines Aufenthaltes beim Eucharistischen Kongreß in Dublin zu einer englischen politischen Persönlichkeit geändert habe, die christliche Minderheit im Heiligen Lande sei durch die Mandatarmacht nicht genug gegen die Drohungen der Mohammedaner geschützt. Das britische Oberkommissariat in Jerusalem hat bisher keine Vorsorge getroffen, um zu verhindern, daß die Leidenschaffen der Mohammedaner gegen die Christen aufgepeitscht werden. Man darf nicht vergessen, daß auch die Blut■ bäder unter den Juden im Jahre 1929 durch e i n e ä 11 n 1 i c h e Presse k a m p a g n c vorbereitet wurden.“ (Sperrungen wie im Original.) Jona Reismann, der jetzt in Wien verstorbene Schauspieler, war einer der begabtesten jüdischen Künstler und zugleich eine lebendig gewordene Geschichte der jüdischen Bühne für die letzten 60 Jahre. Die Laufbahn Reismanns glich der Kurve der Entwicklung des jiddischen Theaters: er war sowohl Mitglied der ersten Goldfaden-Truppe in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, als auch eine Zierde der Wiener ״freien jüdischen Volksbühne“, welche in den Jahren 1920—1924 bei der jüdischen und allgemeinen Oeffentlichkeit viel Anerkennung gefunden hat. Der große Wiener Komiker Girardi (mit dem Reismann von der Wiener Kritik sehr oft verglichen wurde) pflegte zu sagen, ״es gibt dreierlei Komiker: kleine dicke, große lange und solche, die Talent haben“. Eben zu den letzteren muß man Reismann zählen. Seine ganz große urspriingliche Begabung eines jüdischen Volksmenschen schuf sogar im Rahmen des groben und unkultivierten Schmierentheaters Gestalten, die fiir den, der sie sah, unvergeßlich hleiben mußten. Dabei war seine Art ganz unaufdringlich, intim und zart. Ein imposantes Begräbnis sollte ihn für ein Leben voller Leid und Entbehrungen ״entschädigen“.! . ALL. Aktive und passive Judenpolitik Angesichts der Entwicklung in Deutschland ist das Problem der jüdischen Politik in Deutschi,■ind in seinem ganzen Umfang wieder nufgcrollt worden. Was im Vorkriegsdeutschlaud als jüdische Politik galt, war zum Teil schwächliche Apologetik, zum Teil Berufung auf allgemeine liberale Ideen, in deren Namen man Toleranz gegenüber den Juden forderte. Unsere Zeit ist jedoch erfüllt von einem anderen Geiste, die Anschauungen des 19. Jahrhunderts sind ins Wanken geraten, Und als deutlichstes Zeichen der neuen Entwicklung sehen wir eine Erstarkung des Nationalismus, der in seinen extremsten Verfechtern radikal-antisemitisch ist, aber auch in seinen gemäßigten Vertretern von der Erkenntnis eines gegebenen volkhaften Unterschiedes zwischen Deutschen und Juden ausgeht. Solange die Gedankengänge jüdischer Assimilation in der Umwelt ein Echo?11 finden schienen, war es für Zionisten, die bereits vor vierzig Jahren die Unhaltbarkeit des assimilatorischen Standpunktes einsahen, äußerst schwicrig, ihren Auffassungen von jüdischer Politik in jüdischen Kreisen Gehör zu verschaffen. Der jüdische Liberalismus, der sich im 19. Jahrhundert ausgebildet hat, wurde als unwandelbare Basis angesehen. Diese Position ist heute in ihren Grundfesten erschüttert. Es gilt den Tatsachen ins Auge zu sehen und einer neuen jüdischen Politik, die von der Erkenntnis der alten Fehler ausgeht, die Wege zu bahnen. r Donnerstag, 17. November, 830 Uhrabends Im großen Saale des Lehrervereins hausse am Alexanderplatz Jüdische Hassen- Kundgebung BARA ״EINER VON UNS** erlebt das Schicksal des jungen Juden von heute! BARAK zeigt Im Spiel ]Gdische Wirklichkeit) Szenen•Songs-Sprechchöre Eintritt 39 PIe n n igo In der ״Jüdischen Rundschau“ ist dieses Thema im Zusammenhang mit aktuellen Ereignissen oder bei Besprechung politischer Publikationen oft behandelt worden. Auch der Delegiertentag in Frankfurt und Blumenfelds Hauptreferat waren diesem Thema gewidmet. Eine neue zusainmenfasscnde Formulierung versucht nun Dr. Max Kol len sch er in'einer Broschüre ״Aktive und passive J u d c n p o l i t i k“, die soeben (im Verlag Rubin Maß, Berlin) erschienen ist. Kollenscher geht mit Recht davon aus, daß die veränderte Situation in Deutschland auch eine neue Haltung der Juden erfordert. Es handelt sich, kurz gesagt, um Rehabilitierung des ״Primates des Judentum s“. Um zu diesem Ergebnis zu gelangen, wirft er zunächst einen kurzen Rückblick auf die historische Entwicklung des deutschen Judentums im letzten Jahrhundert. Er zeigt, wie die Emanzipation der Juden aus einer allgemeinen Grundauffassung eines Zeitalters heraus erfolgte, ohne daß die Juden etwas dazu taten, daß aber bei den Vätern der Emanzipation der Gedanke vorherrschend war, den einzelnen Juden in die Staatsgemeinschaft aufzunehmen, aber das Judentum zu vernichtcn. Die Juden selbst sind diesen Tendenzen entgegengekommen und haben ihr Judentum immer mehr seines wesentlichsten Inhalts entleert. Entsprechend dem Geist des liberalen Zeitalters wurde auch itn Judentum ein Individualismus vorherrschend, der der jüdischen Gemeinschaftsidee widerspricht. Die Enttäuschung konnte nicht ausbleiben als die Juden erkennen mußten, daß dennoch unsichtbare Ghettomauern bestehen geblieben sind. Der Schlüssel zur Judenfrage liegt in dem jüdischen Bewußtsein seihst. Die Juden vermochten sich nicht von dem Gefühl der Minderwertigkeit zu befreien. Die Autoemanzipation, die das Werk der Juden selbst hätte seit! müssen, ist noch nicht erfolgt. Kollenscher gibt einen Abriß der von der! Juden selbst zu erfüllenden indischen Forderungen. Die Juden müssen die Möglichkeit wieder erobern, sich eine grundlegende Kenntnis von Judentum, seinem Inhalt und seinen Werken, seinen Formen und seiner Sprache zu verschaffen und sic müssen die Verbindung mit dem lebendigen Judentum der Gegenwart aufrecht 'erhalten. Was nun die Stellung im Staate betrifft, so bestehen die luden auf voller Gleichberechtigung in allen die Gesamtheit der Staatsbürger betreffenden Angelegenheiten, ja gegenüber den seit Trcitschke häufig erhobenen Klagen über ״jüdische Vorherrschaft“ in Literatur und Publizistik muß erklärt werden, daß sich die Juden auch das Recht auf freie Meinungsäußerung nicht nehmen lassen. ״Allein sie werden, so oft sie ihre Stimme erheben, es vermeiden, den Anschein ztt erwecken, als spräche aus ihnen die deutsche Volksseele, als wären sie mit dem deutschen Volkstum zu einer Einheit verbunden. Sic werden nicht Anspruch darauf erheben, daß ihre Aeußerungen von den deutschen Volksgenossen und dem ganzen Volke als ein Stück deutschen Seelenlebens, deutschen nationalen Empfindens hingenommen werden. Der Jude ist nicht praeceptor Germaniae.“ Durch eine solche Grenzziehung würde die Anteilnahme der Juden am öffentlichen Leben entgiftet werden. Lehnen wir also eine ״geistige Autarkie“ ab, so muß der Primat des Judentums um so stärker betont werden. Das wesentliche Mittel hierzu ist die jüdische Schule deren Träger die Gemeinden sein müssen. Die Autonomie der jüdischen Gemeinden genügt zur Erfüllung der jüdisch-kulturellen Bedürfnisse, darüber hinaus ist die Konzeption einer ״nationalen Autonomie“ im staatsrechtlichen Sinne auch nach Kollenscher — in Uebereinstimmung mit allen maßgebenden z!0 nistischen Aeußerungen — abzulehnen. Wenn auch die Juden keine gesetzlichen Minderheitsrechte verlangen, so erwarten sie aber, daß die deutsche Regierung, die auf internationalem Boden den Gedanken des Minderheitenschutzes stets vertritt, den Juden gegenüber weitgehendes Verständnis für ihre kulturelien Notwendigkeiten beweist. Kollenscher betont, daß eine Auffassung, bei der der Staat mit einer Religionsgesellschaft oder mit einer Nationalität hundertprozentig gleichzusetzen ist, unmöglich sei. Die Juden werden den Begriff des ״nationalen Staates“ und des ״christlichen Staates“ im Sinne einer konservativen Kulturauffassung respektieren verlangen aber vom Staat auch Respekt und Schutz für ihre religiösen, ethischen und kulturellen Güter. Zusammenfassend ergibt sich also aus Kollensehers Schrift ein Programm einer jüdischen Politik, das volle Gleichberechtigung und Zusammenarbeit in allgemein Staat liehen Angelegenheiten, hingegen Treu n u n g u n d A 111 o 11 o m i c in der Pflege der kulturelle 1! Güter f 0 r d e r t. Es liegt im Wesen einer Flugschrift von 32 Seiten, daß sic nicht alle Fragen grundlegend behandeln und alle etwa möglichen Einwendungen vorwegnehmen kann. Vielleicht hätte mancher eine tiefere Analyse der historischen Entwicklung oder eine zusätzliche Auseinandersetzung mit gewissen, heute bestehenden Staatstheorien gewünscht, auch wird maneher in einigen Punkten des historischen und theoretischen Teils anderer Meinung sein können als der Verfasser, der uns z. B, die Zwangsläufigkeit des historischen Geschehens zu unterschätzen scheint und das durch die Aufklärung im Judentum entstandene Problem einer weltlichen Kultur (die es im Judentum nicht gab) nicht berücksichtigt. Es ist sehr zu begrüßen, daß durch eine kurze, scharf skizzierte, in ihrer Gcdankenführung einheitliche und klare und dabei populäre Schrift die Diskussion über die jüdische Politik in Deutschland bereichert worden ist. Kollensehers Broschüre, die in ihrem positiven Teil insbesondere den Aufgabenkreis der jüdischen Gemeinden innerhalb des deutschen Judentums eindringlich iimreißt, ist geeignet, dazu beizutragen, daß aus der bisherigen ״passiven“ judenpolitik eine ״a k t i v c“ J u - denpolitik in Deutschland wird. 113 Zertifikate lür Deutschland Das Berliner Palästina-Amt hat soeben von dem Immigrations Departement der Jewish Agency die Mitteilung erhalten, daß für die Zeit Oktober 1932/März 1933 im ganzen 113 Zertifikate zur Verfügung gestellt werden. Davon sind: 65 für Chaluzim, 25 für Chaluzoth und 23 Zertifikate für Handwerker und Besitzer industrieller Kleinbetriebe. Es wird von der Exekutive besonders darauf hingewiesen, daß unter ״Chaluzim“ Mitglieder chaluzischer Organisationen wie Hechaluz, Chaluz-Misrachi, verstanden werden, die in den Hachscharah-Institutioncn dieser Organisationen in Gruppen oder Siedlungen wenigstens eine einjährige Hachscharah-Ausbiidung erfahren haben. Ein Vorrecht haben die Mitglieder solcher Alijah-Kibuzitn, die als organisierte Gruppen nach Palästina gehen, um sich bereits dort befindlichen Kibuzim anruschließen. Auf die zionistische Erziehung der Chaluzim soll besonderes Gewicht gelegt werden. In der Kategorie der Handwerker und Besitzer industrieller Kleinbetriebe sollen nur solche Bewerber ein Zertifikat erhalten, die als ausgesprochene Fachleute in ihrem Beruf gelten können und deren Berufe sichere Aussichten auf Existenz. in Palästina bieten. Jeder Bewerber dieser Kategorie muß dem Palästinaamt naenweisen, daß er im Besitze von wenigstens £ 150 pro Familie ist und es muß weiterhin der Nachweis gebracht werden, daß dieser Betrag vor der Ausreise stell Palästina überwiesen wurde. Die Zertifikate sind nicht für Kaufleute, Angestellte, Akademiker oder sonstige freie Berufe bestimmt. Die Zertifikate für Chaluzim sind ausschließlich für Bewerber zwischen 18 und 35 Jahren. Unter den Zertifikaten für Handwerker und Besitzer industrieller Kleinbetriebe ist eine noch nicht bestimmte Anzahl für Bewerber bis zu 45 Jahren einbegriffen. Anträge für Bewerber, die den mitgcteilten Bedingungen entsprechen, sind an das Palästinaamt Berlin W15, Meinekestr. 10, zu richten; alle übrigen Anträge sind zwecklos. Kleine Nachrichten Wie ״Official Gazette“ mitteilt, sind im September d. Js. 1463 Personen, davon 1259 Juden, nach Palästina eingewandert. Es ist dies die Höchstzahl jüdischer Einwanderer, die während der letzten drei Jahre innerhalb eines Monats nach Palästina gekommen sind. ״Dawar“ bezeichnet die (auch von uns s. Z. wiedergegebenen) Gerüchte, daß der Landentwicklungsdirektor Fr euch nicht mehr nach Palästina zurückkehren würde, für unricht i g. Nach den Informationen des Blattes ist mit der Rückkehr des Beamten in naher Zukunft zu rechnen. Bei den von der Pica veranstalteten W a sserbohru 11• gen wurde in Jawniel in Untergaliläa in einer Tiefe von 130 m eine große Menge Wasser vorgefunden. Man erhofft, daß dies einen völligen Umschwung der wirtschaftlichen Lage in Jawniel und in anderen untergaliläischen Kolonien, denen es in den letzten Jahren sehr schlecht ging, zur Folge haben wird. In der Sitzung* der Anglo Jewish Association am 6. d. M. beschäftigte sich der Vorsitzende, L. Moritefiore, auch mit der Lage der Juden in Deutschland. Nach einer ausführlichen Schilderung der nach den Wahlen gegebenen Situation betonte der Redner, daß das Schicksal der deutschen Juden für die Juden der ganzen Welt von größter Bedeutung sei. Die konstituierende Sitzung des Landeskomitees des Zionistischen Landesverbandes für die Tschechoslowakei, die dieser Tage in Prag stattfand, wählte zum Vorsitzenden Herrn Norbert Adler (Prag), zu Vizevorsitzenden die Herren J. Edelstein (Teplitz), Dr. Walter Kohner (Karlsbad) und Dr. Emil Margulies (Leitmeritz). Spaltung im holländischen Mlsrachi. Die Delegiertenver- Sammlung des holländischen Misrachi lehnte mit 25 gegen 21 Stimmen den Antrag der Exekutive, aus dem Weltmisraclü auszuscheiden, ab. Nach der Abstimmung traten die Mitglieder der Exekutive, die Misrachi-Leitungen in Amsterdam und 1m Haag und eine größere Zahl Delegierter aus dem holländischen Misrachi aus und bildeten eine Unabhäng i g e Misrachi-Partei unter dem Vorsitz, von Z. Mossel. Die Rumpftagung des Misrachi wählte ihrerseits eine neue Exekutive unter dem provisorischen Vorsitz, von More B. de Vries in Amsterdam. Die Entgleisung des palästinensischen Staafsanwaits-Assistenfen Elliot, der vor Gericht die Juden beleidigt hatte, hat in der Judenschaft der ganzen Welt höchstes Befremden hervorgerufen. In der Tagung der Anglo Jewish Assoc i ä t i 0 n in London am 6. November kam die Angelegenheit zur Sprache, doch betrachtete man sie im Hinblick auf die inzwischen erfolgte Entschuldigung Elliots als beigelegt. Der Jüdisch-amerikanische Kongreß hat bei dem englischen Botschafter in Washington gegen das Verhalten Elliots Vorstellungen erhoben. Nach einem Bericht der I.T.A. soll in der Versammlung der Anglo Jewish Association Leonard Stein, der über diese Angelegenheit referierte, sich in scharfen Worten gegen das Verhalten des American Jewish Congress gewandt haben, das er als eine unbefugte Ein* misdiung in englische Angelegenheiten bezeichnete. Da genaue Berichte noch nicht vorliegen, ist nicht festzustellen, was Stein eigentlich gemeint hat. Immerhin aber muß gesagt werden, daß die Angelegenheit Elliot auf keinen Fall eine ״inner-englische“ Angelegenheit ist, denn obwohl Elliot speziell das englische Judentum beleidigt hat, äst doch die Heran- Ziehung eines solchen Argumentes gegen einen Juden vor palästinensischen Gerichten seitens eines palästinensischen Beamten eine Angelegenheit des Gesamtjudentums. Es ist schwerlich anzunehmen, daß ein alter Zionist wie Stein sich auf einen anderen Standpunkt gestellt haben soll.