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Jüdische Rundschau · 1932-11-11 · Heft 90 (11.11.1932) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 90 (11.11.1932)
Date
1932-11-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Aktive und passive Judenpolitik Einzelnummer 0,25 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jedenDiens tag u.Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark. Auslancisahonn#mem* werden m der Währung der einzelnen Länder berechnet. AnzeiEenpreis: ees'p- Nonpareillezeile 0,50 G.-M. Stellengesuche 0,25 G.-M. Nummer 90 | Berlin, 11. XI. 1932 Redaktion, Verlag und Anzeigen-Verwaltung: Jüdische Rundschau G.m. b. H-, Berlin W15, Meinekestr.10. Telefon: J 1 Bismarck 716570־. Anzeigenschluß: Dienstag und Freitag mehmi rt *g■ 4 Uhr Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Postscheck ־ Konten : Berlin 17392, Basel V 9355, Belgrad 680 32, Brüssel 39433 Budapest 59693, Danzig 1973, Haag 140470. Prag 59410, Riga 4155, Strasburg 16430, Warschau 190708, Wien 156030. Bank-Konten: Dresdener Bank, Depositen ־ Käme Berlin, Kurfuuratendamtn 52; Rumänische Kreditbank, Cemauti (Rumänien); Anglo Palestine Co. m Haifa, Jerusalem, 1 el ״Aviv. י״ב מרחשון תרצ״ג | xxxvo. jahrg. Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. ״Baseler Programm.“ Steigerung des Siandards V orübergehende Krise der Agency-ExeKufive? Farbstein und Neuman drohen mit Demission Die Palästina-Exekutive der Jewish Agency war zwei Tage lang von einer Krise bedroht, indem die beiden Mitglieder Farbstein und Neuman demissionierten. Gemäß den nach Schluß des Blattes eingetroffenen Telegrammen ist jedoch erfreulicherweise die Krise bereits wieder beigelegt. Wir geben nachstehend die vorliegenden Meldungen wieder. London 8. November. (J. T. A.) Der Präsident der Jewish Agency, Sokolow, erhielt heute ein Telegramm von den Mitgliedern der Palästina-Exekutive der Jewish Agency, F arbstein und Neuman, in weichem ihm diese Ihren Austritt aus der Exekutive zur Kenntnis bringen. Sie wollen ihren Austrittsbeschluß als Protest gegen Beschneidungen des Budgets, sowie gegen die ihrer Meinung nach von den Vertretern der Arbeiterschaft in der Exekutive konsequent befolgte Tendenz, mit Hilfe der nichtzionistischen Mitglieder der Exekutive der Gesamtarbeit ihren Stempel aufzudriicken, aufgefaßt wissen. Seitens des Präsidenten Sokolow und anderer zionistischer Faktoren werden alle Anstrengungen gemacht, um Farbstein und Neuman zur Rücknahme ihres Austrittsentschlusses zu hewegen, damit eine Krisis in dar Exekutive der Jewish Agency vermieden wird. Das Erho in Palästina Jerusalem 9. November. (J. T. A.) In Palästina besteht allgemein der Wunsch, daß die Krise der Exekutive durch Einigung an Ort und Stelle gelöst werde, ohne daß sich die zentralen zionistischen Instanzen im Auslande mit ihr zu beschäftigen brauchten. Am 8. November abends fand eine im dringlichen Wege einberufene gemeinsame Beratung von Vertretern der Arbeiterpartei, der Allgemeinen Zionisten und der Misrachisten statt, in der ein Weg zur Beilegung der Krise gesucht wurde. Die Verhandlungen werden fortgesetzt. Dr. Arlosoroff, der nach dem Rücktritt von Färbstein und Emanuel Neuman der einzige Repräsentant des /ionistischen Teils der Jewish Agency innerhalb der Palästina- Exekutive ist, erklärte dem J. T. A.-Vertreter, er sei bereit, jeden zu unterstützen, der die Verantwortung für die Führutig des Schatzmeisteramtes auf sich nehmen will; sein ganzes Bestreben sei darauf gerichtet, das bestehende Budget-Chaos zu beenden. Auch die führenden Kreise in T e 1 - A w i w sind intensiv damit beschäftigt, die in der Exekutive der Jewish Agency entstandene Krise beilegen zu helfen. Vertreter des Misrachi und der Allgemeinen Zionisten von Tel-Awiw hielten eine Beratung ab, der Farbstein und Neuman beiwohnten. Die Tagung beschloß, für Farbstein und Neuman einen großeren Wirkungskreis innerhalb der Exekutive der Jewish Agency zu fordern. Einigung erzielt Jerusaie.n1, 10. November. (J.T. A.) Die Krise ist nach einer eingehenden Aussprache zwischen den Repräsentanten der Auffassungen innerhalb der Exekutive unter Mit- Wirkung der Führerschaft fast aller Kreise des Jischuw beigelegt worden. Farbstein und Neuman kehren in die Exekutive zurück. Der Ausgleich Ist auf folgender Grundlage zustande gekommen: Im Rahmen des von Dr. Senator verwalteten Schatzamtes wird ein K o 11 e g i u m gebildet, dessen Vorsitz Farbstein übernimmt und dem auch Neuman angehört. Herbert Lehman Gouverneur von New York Bei den amerikanischen Wahlen, die den bisherigen Oouverneur des Staates New York, Rooseveit, zum Präsidenten der Vereinigten Staaten machten, wurde der bisherige Vizegouverneur des Staates New York, Herbert H. Lehman, mit einer verhältnismäßig gleichen Mehrheit zum Gouverneur des Staates New York gewählt. Präsident Rooseveit und Gouverneur Lehman arbeiten seit vielen Jahren in enger Freundschaft zusammen. Lehman, der während des Weltkrieges Oberst im Generalstab der amerikanischen Armee war, hat sich stets jüdischen philanthropischen und kulturellen Werken, namentlich dem American Joint Distribution Committee, dessen Präsidium er angehört, gewidmet lind fördert auch das Aufbauwerk des Verbandes ORT, ferner interessiert er sich auch für das Palästina- Werk der Jewish Agency und ist Mitglied der P a - lestine Economic Corporation. Herbert H. Lehman wurde im Jahre 1878 in New York geboren. Sein Vater, Mayer Lehman, war einer jener ״Achtundvierziger“, die mit Karl Schurz, aus Deutschland nach Amerika auswanderten. Seine politische Laufbahn begann er 1908. Als die Demokratische Partei im Jahre 1928 den New Yorker Gouverneur Smith als ihren Kandidaten für die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten aufstellte, nominierte sie Rooseveit für das Amt eines Gouverneurs und Lehman für das Amt eines Vizegouverneurs von New York. Smith fiel durch, aber Rooseveit und Lehman wurden gewählt. Zwei Jahre später, 1930, wurden Rooseveit und Lehman mit einer kolossalen Mehrheit wiedergewählt. Lehman bekam damals die größte Zahl Stimmen, die je ein Kandidat in New York auf sich vereinigte. Durch seine Geschäftsführung und Un- Parteilichkeit hat er sich die Anerkennung aller Volksschichten errungen. Die New Yorker Presse nennt ihn den ״Gouverneur der Taten“. Er hat immer die Sache des armen Mannes Dr. Senator wird in allen die Einwanderung und Ansiedlung von Angehörigen des Mittelstandes betreffenden Fragen sowohl Dr. Arlosoroft als den Vertreter der Arbeiterschaft, als auch Färbstein als den Repräsentanten des Mittelstandes zu Rate ziehen. Audi die Schulkrise besieht weiter Jerusalem, 9. November. (J.T. A.) Der Waad Leumi hat soeben eine Erklärung veröffentlicht, daß er nicht in der Lage sei, das'Schulnetz der Jew i s h Agency in seine Verwaltung zu ii b e r n e hmen, da er die Forderung der Lehrer nach sofortiger Aus- Zahlung der Gehälter für 4 Monate des Jahres!932 nicht erfüllen könne; die Jewish Agency hatte definitiv entschieden, daß diese Gehaltsschuld erst im Verlauf von 5 Jahren zur Begleichung gelangen soll. Ferner erklärt der Waad Leumi, er könne den Lehrern für das Jahr 1933 nur das Gehalt für 9 Monate garantieren. Die Lehrerschaft weigert sich entschieden, diesen Vorschlag zu akzeptieren. Infolge dieser Differenzen zwischen Waad Leumi und Lehrerschaft können die Schulen vorläufig nicht eröffnet werden. Unter der jüdischen Elternschaft in Palästina herrscht große Bestürzung über die Fortdauer der Schulkrise, die man schon beendet glaubte. * Es war seit längerer Zeit bekannt, daß zwischen Färbstein und Neuman auf der einen Seite und anderen Mitgliedern der Palästina-Exekutive auf der anderen Seite tiefgehende Meinungsverschiedenheiten bestehen. Dennoch ist die Begründung, die für die Demission von Farbstein und Neuman gegeben wird, etwas befremdend. Die Kürzungen des Budgets der Jewish Agency sind eine Folge der stark zurückgegangenen Eingänge, insbesondere aus den Vereinigten Staaten. Als auf der Londoner A.-C.- Sitzung der bisherige Treasurer der Exekutive, Dr. Senator, sein Amt niederlegte, war unseres Wissens weder Herr Färbstein, noch Herr Neuman bereit, dieses dornige Amt zu übernehmen. Die zionistische Oeffcntlichkeit, die früher ein Eintreten für ein höheres Budget für ein Zeichen größeren zionistischen AufbauwiUcns hielt, hat inzwischen verstehen gelernt, daß es vor allem auf die Deckung des Budgets ankommt und daß fiktive Budgets, die nicht durch Einnahmen gedeckt sind, nur schädlich wirken, weil sie die Bewegung mit Schulden belasten, an denen man später schwer zu tragen hat. Sollten gerade jene Mitglieder der Exekutive, die als Vertreter des ,,kaufmännischen Prinzips“ in die Exekutive entsandt wurden, eine andere Haltung einnehmen? Aus den JTA.-Telegrammen ist zu schließen, daß man Dr. Senator, der in London das Amt des Treasurers niederlegte, zur Weiterführung dieses Amtes bewogen hat, offenbar weil sich kein anderes Mitglied der Exekutive zur Uebernahme bereit findet. Was die Mittelstands-Einwanderung und -Ansiedlung betrifft, ist heute wohl die ganze zionistische Oeffcntlichkeit für eine energische Durchführung dieser Agenden, und es ist unklar, um was für Konflikte es sich auf diesem Gebiete eigentlich handelt. Hoffentlich ist durch die erzielte Einigung eine reibungslose Zusammenarbeit für die Zukunft gesichert. zu der seinen gemacht, und darin liegt die Ursache seiner großen Popularität. Lady Erlefgh Aus Anlaß der Anwesenheit von Lady Erleigh in Berlin fand Donnerstag, den 10. d. M., im Marmorsaal am Zoo eine festliche Veranstaltung der Jewish Agency und des Keren Hajessod statt, an der ein großes jüdisches Auditorium teünahm, das dem Gast eine herzliche Ovation bereitete. Lady Erleigh, die zwischen dem Vorsitzenden Dir. Wassermann und Professor Einstein Platz genommen hatte, schilderte in ihrer Rede die gewaltigen Leistungen des jüdischen Palästina und forderte zur Unterstützung des Werkes auf. Ihre in englischer Sprache mit großer Ausdruckskraft und innerer Wärme vorgetragenen Ausfühiungeii machten einen tiefen Eindruck. Der Vorsitzende Dir. Wassermann, der in seiner Eröffnungsrede die Vertreter des Auswärtigen Amtes und der Reichs- Pressestelle sowie des Deutschen Komitees Pro Palästina begrüßte, hob hervor, daß die Stellung des Vaters und des Scliwiegervaters von Lady Erleigh beweisen, wie sehr man seinem Vaterlande dienen und doch sich voll für das Judentum einsetzen kann. Die Redner des Abends, Rabb. Dr. Baeek, Dr. Hantke,.Frau Jenny Blumenfeld (Wi/.o), Dr. Friedenthal (Weltverband Makkabi), Zimels (Hechaluz, spricht hebräisch) und schließlich Rabb. Dr. Prinz betonten die Bedeutung Palästinas in dieser Schicksalsstunde des jiidischen Volkes. Die Veranstaltung war ein großer Erfolg des jüdischen Renaissance- und Palästina-Gedankens. Donnerstag Mittag gaben Herr und Frau Großindustrieller Leo Simon zu Ehren von Lady Erleigh ein Frühstück, an dem neben mehreren jüdischen Persönlichkeiten auch eine Anzahl Herren des Auswärtigen Amtes teilnahmen. Für die nächsten Tage sind noch mehrere Veranstaltungen vorgesehen. Einen ausführlichen Bericht behalten wie uns Wie man in Palästina lebt Von unserem palästinensischen Korrespondenten. gl. Tel-Awiw, 1. November 1932. Bei der gegenwärtigen stürmischen Entwicklung Palästinas zeigt sich die Aenderung nicht nur in der Expansion — dem Wachstum der Städte, der Dörfer, der Anlage neuer Kolonien, der Steigung der Einwandcrungs/iffcrn; sie manifestiert sich auch in einer stetigen und besonders in den Städten stark fühlbaren Hebung des Standards. Diese Besserung des Lebensniveaus beginnt sich auf den verschiedensten Verbrauchsgebieten auszuwirken, in den Wohnbauten ist sie besonders auffallend, und sie wird bereits als selbstverständlich angenommen, da das Publikum von neuen Häusern eo ipso alle Bequemlichkeiten verlangt, die die letzten Jahre gebracht haben und daher auch die Bauunternehmer von Beginn an mit diesen Ansprüchen rechnen. Bei der heutigen starken Nachfrage nach Wohnungen, die durch die Einwanderung bedingt ist, werden trotz der starken Bautätigkeit hohe Preise verlangt und gezahlt, so daß die Neubauten trotz der höheren Jnvestitionen ihre Rente leicht hereinbringen. Aber auch auf allen anderen Lebensgebieten zeigt sich die Standardsteigerung sehr klar. Die letzten Jahre brachten eine erhebliche Besserung der Hotels, weil sich auch der nicht übermäßig reiche Reisende nicht mit den primitiven Gasthäusern begnügen wollte, die ihm bis vor einem Jahrfünft im Lande zur Verfügung standen. Und als ein paar Hoteliers die initiative zu neuen modernen Bauten ergriffen und sich ihr Wagnis als durchaus bercchtigt erwies, folgten andere nach. Auch in den alten Gast- Stätten wird nach und nach versucht, die primitive Wirtschaft der ersten Zeit durch eine komfortablere zu ersetzen. Dadurch daß die letzten Jahre wohlhabendere Elemente ins Land brachten, hat sich auch der private Lebens- Standard gehoben. Zwar zeigt der größte Teil auch der bemittelten Einwanderer die Tendenz, bei der Uebersiedlung nach Palästina seiner Lebensführung einen b e - scheidenercn Rahmen zu geben. Im Ausland ist die Beschneidung der gewohnten Bedürfnisse nicht so leicht, sie verlangt Aufgabe der gewohnten groß«! Wohnung, Umände« rung des Gesamtstiles, eine Umstellung, die man unter den üblichen Bedingungen nur unter dem Drucke der großen Not vornimmt und die vielerlei Unbequemlichkeiten und einen beträchtlichcn Teil von Initiative bedingt. Bei der Uebersiedlung liegen die Verhältnisse anders. Man muß sich ohnedies umstellen; man hat in vielen Fällen nur einen Teil des Kapitals gerettet; man braucht dieses Kapital für Investitionen, die sich nicht sofort rentieren und ist daher gezwungen, bescheidener zu leben; man ist vielleicht auch im Stillen froh, sich von der Gefangenschaft und den Verpflichtungen eines großen Haus- Halts frei machen zu können, der immer drückende Bindungen mit sich bringt. So kommt es, daß sehr viele von vornherein entschlossen sind, primitiver zu wirtschaften und zu leben. Aber was für diese Kreise der gehobenen MittclstandseinWanderung nach Primitivität aussieht, bedeutet für Palästina noch immer Wohlhabenheit und bisher nicht üblichen Komfort. Die Beobachtung des städtischen Straßenbildcs zeigt die Tendenz der Standardsteigerung sehr deutlich. Bessere und elegantere Kleidung, Eindringen der Mode, Beobachtung der in Europa üblichen Etikette sind charakteristisch für die herrsehende Strömung. Es ist kein Zufall, daß erst vor wenigen Monaten Tel-Awiw das erste moderne Geschäft für Damenkleidting bekommen hat mit gut hergeriehteten Schaufenstern lind allen Attributen eines derartigen Unternehmens. Es war eben noch vor zwei Jahren, vielleicht vor einem Jahre nicht das Publikum da, das ein solches Unternehmen hätte tragen können. Es gab zwar eine dünne Oberschicht, die an diesen Waren ein Interesse hatte, und sie klagte auch oft und gern über die Unmöglichkeit, im Lande etwas Erstklassiges und Eiegantes zu bekommen, aber sie löste die bestehende Schwierigkeit dadurch, daß sie auf den ohnehin üblichen Europareisen, die jedes Jahr oder alle zwei Jahre unternommen wurden, ihren Bedarf deckte. Heute ist die Schicht so stark angewachsen, daß man daran gehen kann, ihr die Waren im Lande selbst vorzulegen. Waren verschiedenster Art, von Konfektion und Schtilnverk bis zu elektrischen Artikeln, Porzellan und tausend Kleinigkeiten, mit denen man sich das Lehen angenehm machen kann. Daß diese Art Entwicklung mit der Einwanderung zusarnnienhänc't und zwar mit jener Einwanderung, die den Kapitalimport in die Wege leitet, sieht man daraus, daß bei all den Neuerungen Tel-Awiw an erster Stelle steht. Früher war Jerusalem als das internationale Zentrum des Landes, wo die englische Beamtenschaft und die bunte Reihe der Konsuln ihren Einfluß auf die Gesellschaft ausübte, bekannt für höheren Standard, für Neigung zur Eleganz, während Tel-Awiw mehr einen demokratischen Massencharakter hatte. Heute kommt die Bourgeoisie von Jerusalem gelegentlich schon nach Tel-Awiw, um eitmikaufen und wie man etwas ironisch, aber auch etwas ernsthaft sagt, ״Großstadtluft einzuatmen“. Wenn auch in Tel- Awiw der demokratische Massencharakter durchaus nicht verschwunden ist, wahrscheinlich auch so bald nicht verschwinden wird, so ist doch die Aenderung sehr auffallend. Es gibt bereits heute Lokale, w'o der Arbeiter nicht hingeht, einfach, weil es ihm zu teuer ist und er sich auch dort nicht recht wohlfiihlt. Ein regsamer Hotelbesitzer hat vor einigen Wochen zum Staunen der Masse, die sich vor dem Gitter drängte, die erste ״M odensc 11 a u“ in T el-Avviw veranstaltet. Daß dieses Steigen der Lebensansprüche nach und nach auch auf die anderen Klassen abfärben muß, ist selhstverständlieh. Früher war es in Palästina anders; da hatte der Beamte 1 oder der Arztj der ein anständiges Auskommen hatte und der

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