Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVII (1932)
- Issue
- Heft 89 (8.11.1932)
- Date
- 1932-11-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- Daugavpils 3× ep/1000225
- Martin Buber 2× ep/1009258
- Alfred Nossig 1× ep/1035983
- Berthold Feiwel 1× ep/1020654
- Chaim Weizmann 1× ep/1009290
- Davis Trietsch 1× ep/1010431
- Ephraim Moses Lilien 1× ep/1004392
- Ernst Simon 1× ep/1009494
- Haifa 1× ep/1047930
- Johannesburg 1× ep/1047967
- Leo Motzkin 1× ep/1036851
- Salomon Reinach 1× ep/1027783
- Siegmund Kaznelson 1× ep/1013960
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fr. 89, 8. XT. 1932 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 433;; [Revision des Gesdiichtsunierrichtes g in Palästina? | . Von Dr. Ernst Simon, Haifa, j Wie alljährlich, so hat auch diesmal die hebräische Lehrer- (schaff Palästinas, ungeachtet ihrer nicht geringen Sorgen, die; großen Ferien zu einer pädagogischen Tagung ausgenutzt. Sie;'fand in Tel-Avviw statt, dauerte 3 Tage, war sehr stark aus fallen Teilen des Landes besucht und hatte zum alleinigen Gegenstand: die Frage des Geschichtsunterrichts. I Schon das Einladungsschreiben der ״Kulturkommission״ des . Lehrerverbandes gab die Richtlinien für die Tagung in erfreuflicher Klarheit und Geradlinigkeit an. Es gelte, einem Mangel ־der bisherigen Erziehung abzuhelfen und die palästinensische ״Jugend weit mehr als bisher mit Geschichte und gegenwärtigen :Lebensbedingungen der verschiedenen Judenheiten 'des G a 1 u t h vertraut zu machen. Nur eine dahingehende Um- Stellung des Geschichtsunterrichtes verbürge die Eingliederung j des palästinensischen Jischuw in das gesamte jüdische Volk. : Das hiermit angeschlagene Leitmotiv beherrschte die ganze; Tagung, vielleicht mit Ausnahme des Eröffnungsabends, an dem; ein amerikanisch-jüdischer Pädagoge, der Direktor des jüdischen ^Lehrerseminars in New York, F einberg, in mehr allgemeiner; Art die verschiedenen Methoden modernen Geschichtsunterrichts; nebeneinander stellte und sich für die sogenannte retrospektive j oder regressive, d. h. von der anschaulich greifbaren Gegen-; wart aus in die abstraktere Vergangenheit zurückschreitende; Methode aussprach. Im übrigen aber waren alle Referenten und :■ viele der Diskussionsreden auf den .Ton des Einladungsschrei- | bens abgestimmt. Den Anfang machte Dr. J. L u r i e, der stell-! vertretende Leiter des Erziehungsdepartements der Jewish |Agency, der insbesondere die Erfassung des 19. Jahrhunderts ■;durch den Geschichtsunterricht verlangte und behandelte. Er ge-!langte dabei zu einer innerhalb des Zionismus neuartigen und; gerade in ihm fruchtbaren objektiven Würdigung der jüdischen jLeistungen AbrahamGeigers und seines Kreises, die über; die bekannten Wertungen Achad Haams. hinausführte. Dr. Lurie zeigte nicht nur die relative, historisch funktionelle Wichftigkeit der Geigerschen Gedanken auf, sondern ließ auch jhren 'absoluten Wert noch für uns durchblicken. Würde eine solche Stellungnahme Gemeingut der hebräischen Lehrerschaft werden, :so ließe sich eine neue und fruchtbare Konstellation in der;Auseinandersetzung zwischen Zionismus und jüdischem Liberalismus erhoffen, die nicht mit der; zwar nicht zufälligen, aber auch nach nichts Endgültiges ausf sagenden bisherigen Konstellation der politischen Konkurrenz!,zwischen beiden Bewegungen abgeschlossen sein kann. Gerade;' der Zionismus hat in seiner palästinensischen Verwirklichung, | die ihn dieser innerjüdischen Kampffront enthebt, diese Möglich- | keit einer neuen und fruchtbaren Begegnung seiner Grund- 1. ideen mit denen des jüdischen Liberalismus, soweit sich diese ( von den Flecken der politischen Assimilationstendenz reinigen > lassen. יי*־ Das zweite Hauptreferat hielt Ben-Zion Dünaburg, i der Vizedirektor des allgemeinen (Jellinschen) Lehrerseminars E in Jerusalem, einer der führenden jüdischen Historiker des Lanj. des, der gerade in letzter Zeit wieder durch eine Geschichte der ‘ Cllöwevve Zi6ü:11ervorgefreten״ist untftiessengroßartiges Haupt-׳״ }•' werk,' eine 8—l'Öbandige;'‘äuä alleff *wichtigen Quellen "mosaik-1 | artig zusammengestellte ״Geschichte Israels“ hoffentlich bald gedruckt vorliegen wird (vorläufig sind, von einer früheren, heute überholten Bearbeitung abgesehen, 3 bereits sehr stark i verbreitete BShde erschienen). Dünaburg machte in seinem Re- ׳ ferat, das dem Zusammenhang zwischen jüdischer und all- : gemeiner Geschichte gewidmet war, den geistvollen und von 1' einer ganz seltenen Stoffbeherrschung getragenen Versuch, j Stützpunkte für eine gemeinsame Periodisierung der letzten 150 Jahre bei den Juden und ihrer Umgebung zu konstruieren.. I Er stellte dabei drei aufeinander folgende Bewegungen fest, deren Spuren sich, stärker oder schwächer,׳ in beiden Lagern aufzeigen ließen: die Befreiungsbewegung des Individuums!; (Aufklärung und Chassidismus), der Nation, und der Gesell- Schaft. Die von zahlreichen Beispielen belebte Darlegung suchte׳ ׳ die jüdische Geschichte gleichsam aus ihrem historiographischen;'!:Ghetto herauszuführen und in den Weltzusammenhang hinein- : zustellen, den etwa auch Dubnow mit der Titelgebung seiner (,״Weltgeschichte des jüdischen Volkes“ anzeigen will. : Nach einer sehr lebhaften und zum Teil auch praktische E Fragen und Nöte des Geschichtsunterrichts in den Volksschulen i sehr aufhellenden Diskussion hielt dann Dr. R i e g e r , der! kürzlich von einer zweijährigen Studienreise aus Amerika zu- ( rückgekommene Schulaufsichtsbeamte der Jewish Agency und; Verfasser eines trefflichen Geschichtslehrbuches für die Neuzeit, : sein Referat über ״Chibbath Zion und Zionismus als Zentrum ';׳ des jüdischen Geschichtsunterrichtes in der neuesten Zeit“. In;׳ äußerst methodischer Weise stellte der Referent seinen Ausfüh-; rungen eine Reihe von — auch schriftlich vorgelegten — Leit- . Sätzen voran, die das heute allen zionistischen Parteien gemein-; same zionistische Gedankengut zu formulieren versuchten. Da-;bei war bemerkenswert, daß sowohl das gegenseitige Auf ein- ,;;anderangewiesensein von Palästina und Diaspora wie vor allem;• die ursprünglich dem Brith-Schalom-Programm entstammende und dann von Weizmann aufgenommene Formel ״ohne Herr- [ scher und Beherrschte“ als solche gemeinsame Ueberzeu- Igungen erschienen, während andererseits weder vom Judenstaat ( noch auch nur von der jüdischen Mehrheit die Rede war. j: Mochten auch viele der Einzelbeispiele Dr. Riegers die Gefahr ( eines Tendenzunterrichtes nahelegen, wozu auch seine allzu!־ scharfe Trennung zwischen Geschichte als Wissenschaft und Ge- ( schichtsunterricht verleiten könnte, so gab andererseits׳ sein Re- [־ferat sehr beherzigenswerte und zum Teil sehr notwendige | Mahnungen, hinter der zielgerichteten Eindeutigkeit des eigenen j Urteils und erzieherischen Einwirkens nicht das Streben nach I objektiver Erkenntnis und gerechter Darstellung auch des jei: weils anderen, abgelehnten Standpunktes zu vergessen. > Der Abschluß der Tagung brachte, neben dem wiederum einen Höhepunkt bedeutenden, temperamentvollen Schlußworte VDünaburgs, einen Vortrag Drujanows über seine Beobach-?. tungen im zionistischen (leider nur: im zionistischen) Schulwerk Polens, das dieser alte Vorkämpfer und Historiker der Bewegung in den'letzten Monaten bereist hat. In der Diskussion er-! gänzten zum Teil-ausländische Gäste seine Darlegungen. Vielleicht ist es dem Referenten gestattet, seine Gesamtbewertung der Tagung hier durch eine kurze Wiedergabe der Hauptgedanken einer längeren Diskussionsrede zu Diinaburgs Referat zu bezeichnen. Ich stellte zunächst fest, daß die Tagung , in zwei Punkten wirklich eine Revision des Geschichtsunterrichtes und der ihm zumuideliegendea Haltung bedeutet: der. v ertikale Zusammenhang unserer jüdischen Gegenwart hinein in die jüdische Vergangenheit, ohne daß irgendeine Epoche als Ghetto oder Galuth übersprungen wird, scheint ebenso wieder hergestellt, wie der horizontale zwischen der Judenheit in Erez Israel und der in den Ländern der Diaspora. Es fehlt aber noch eine dritte grundlegende Erkenntnis, ohne welche die Revision auf halbem Wege stecken bleibt: die vom spezifischen, qualitativ von anderen Nationen verschiedenen Sondercharakter des jüdischen Volkes und seines keineswegs normalen oder zu normalisierenden Nationalismus. Diese im letzten weltanschaulich begründete Ueberzeiigung hat dann auch erkenntnismäßige und methodische Folgerungen, so z. B. in bezug auf die von Dünaburg versuchte ״gleichzeitige“ Periodisierung jüdischer und nichtjüdischer Geschichte. So sicher einerseits von Fritz Baer und anderen Forschern der intime Zusammenhang auch des mittelalterlichen ״Ghetto“ mit seiner Umwelt erhärtet worden ist, so darf dieser Zusammenhang doch andererseits kaum als Gleichzeitigkeit angesprochen oder auch nur unter dem Bilde der Gleichzeitigkeit gesehen werden. Der Blick auf den Sondercharakter des jüdischen Volkes wird hier vor allem die Tatsache ins Gesichtsfeld bekommen, daß der eigene Kalender der Juden, sowohl in der Jahreszählung wie im Rhythmus der vergegenwärtigten Geschichtsdaten, zunächst psychologisch und dadurch dann eben auch faktisch ein Mitschwingen der eigenen jüdischen Zeit im Pendelgang der Weltuhr bis in die letzten Jahre hinein unmöglich gemacht oder doch sehr erschwert hat. Die ״chronologischen“ Beziehungen zwischen jüdischer und allgemeiner Geschichte lassen sich also getreuer als durch die Absteckung äußerlicher Gleichzeitigkeiten durch die Vergleichung gewisser einander entsprechender epochaler Punkte bezeichnen: Wenn beim friedlich-schiedlichen Trennungsbunde zwischen Jakob und Laban, also zwischen Juden und Aramäern, von der Thora sowohl die hebräische wie die aramäische Bezeichnung für den ״Steinhaufen des Zeugnisses“ überliefert wird, so mag das etwa den sogen. Straßburger Eiden vom Jahre 842 nach Chr. entsprechen, wo bei der Abgrenzung zwischen Ost- und Westfranken zum ersten Male amtlich die französische und die deutsche Sprache verwandt wurden. Wenn König Salomon von der bisherigen Stammeszur geographischen Einteilung seiner Reichsadministration übergeht, so entspricht das einem genau gleichen Vorgehen des Perikies in Athen. Derartige Beispiele, die sich häufen lassen, zeigen durchweg die frühe Erreichung bestimmter historischer Entwicklungsstufen im uralten jüdischen Kulturvolk und erweisen so seine ihm eigentümlich zugehörende Zeitrechnung. Von 1500 bis 1800 tritt dann freilich das Gegenteil ein: während das allgemeine ״Mittelalter“ zu Ende geht, dauert das jüdische im wesentlichen noch an, so daß der Jude des 19. Jahrhunderts in der chronologischen Zeit von 100 Jahren die historische von 4 Jahrhunderten zu bewältigen hat: ein Jahrhundert mitleben und 3 Jahrhunderte nachleben, was sein überstürztes Tempo, seine ״Nervosität“ und andererseits auch wieder den eigentümlichen Anachronismus erklärt,׳der als inneres Gesetz die jüdische Geschichte durchweitet: die Ströme von außen treffen uns, aber verspätet; aufgehalten und gebrochen an den Mauern unseres äußeren oder inneren Ghettos, unserer Eigenheit. Der Blick für diese Zusammenhänge ist besonders wichtig für Palästina, das unter dem noch eigentümliche- ,.r.en.,Anachronismus,de.s.,Zusammenstoßes zweier Nationalbewegungen verschi|§snen Stadiums steht, und er kann' sich wohl' einem Auge eröffnen, das mit ruhiger Sicherheit auf die innere Zeitrechnung eines Volkes blickt, welches, auch in diesem Sinne ״unter die Völker sich nicht rechnet“. Dreißig Jahre Jüdischer Verlag Die Gründung des Jüdischen Verlags in Berlin wurde unmittelbar vor dem V. (Londoner) Zionistenkongreß im Jahre 1901 beschlossen. Die Gründer des Verlags waren: Chaim Weizmann, Martin Buber, Leo Motzkin, Berthold Feiwel, der verstorbene Maler E. M. Lilien, Davis Trietsch, Alfred Nossig u. a. m. Ende 1902 wurde dem Verlag dann die juristische Form gegeben, indem er als G. m. b. H. ins Berliner Handelsregister eingetragen wurde. Der Jüdische Verlag feiert somit jetzt sein 30 jähriges Jubiläum. 1907 wurde der Verlag von der Zionistischen Organisation übernommen und domizilierte seither in Köln. Als 1911 die Leitung der Zionstisehen Organisation neu gewählt wurde, wurde er wieder zurück nach Berlin verlegt. Der Jüdische Verlag stand von da ab bis 1920 unter Leitung von Dr. A. E 1 i a s b e r g. In den Jahren 1920 bis 1926 bestand die Leitung aus Dr. Martin Buber, Dr. Victor Jacobson und Dr. Siegmund Kaznelson, der seit 1926 den Verlag allein leitet, nachdem in diesem Jahre die Besitzverhältnisse zwecks Wahrung der parteipolitischen Neutralität neu geregelt worden sind. In den Jahren 1926 bis 1931 hat der Verlag eine besonders starke Produktion entfaltet. Diese Jahre sind gekennzeichnet durch die Herausgabe großer Standardwerke, die der Verlag ausschließlich aus eigener Kraft finanziert hat und von denen insbesondere hervorzuheben sind: die zehnbändige ״Weltgeschichte des jüdischen Volkes“ von Prof. Simon Dubnow, samt dem Illustrationsband ״Die Welt der Bibel“, herausgegeben von Dr. Max Soloweitschik, und dem zweibändigen Supplementwerk ״Geschichte des Chassidismus“ von Dubnow; dann das fünfbändige ״Jüdische Lexikon“, dessen Supplementband für das Jahr 1933 vorbereitet wird, die 12bändige vollständige deutscheTalmud-AusgabevonLazarus Goldschmidt, von der sechs Bände bereits vorliegen, während der 7. Band im Dezember 1932 erscheint, Dr. Arthur Ruppins ״Soziologie der Juden“, die 1930 erschienene vierte Auflage von Achad Haams ״Al paraschath derachim“ in vier Bänden usw. Für das Jahr 1933 bereitet der Verlag neben verschiedenen Neuauflagen eine Reihe neuer Publikationen vor. Durch eine die meisten Länder umfassende Vertriebsorganisation ist es dem Jüdischen Verlag gelungen, insbesondere bei seinen großen Standardwerken bisher bei jüdischen Büchern noch nie erreichte Absatzzahlen zu erreichen, die seine finanzielle Unabhängigkeit und die Herausgabe dieser kostspieligen Werke auf einer streng geschäftlichen Basis sicherstellen. Die Keren Hajessod-Kampagne in Südafrika. Wie uns aus Johannesburg telegraphiert wird, ist die vor etwa einem Jahre von Dr. Weizmann und Dr. Alexander Goldstein begonnene und nach Abreise Dr. Weizmanns von Dr. Goldstein fortgesetzte Kampagne für den Keren Hajessod in Südafrika für das laufende Jahr abgeschlossen. Das Ergebnis ist 105 000 Pfund. Dr. Alexander Goldstein hat die Rückreise nach Europa angetreten. Ihm zu Ehren wurde am 3. d. M. eine Abschiedsfeier in Johannisburg veranstaltet, der Vertreter aller großen jüdischen Gemeinden Südafrikas beiwohnten. Richter Greenberg, Schlesinger, Kentridge und andere jüdische Führer würdigten in Ansprachen die Persönlichkeit und das Werk von Dr. Goldstein. Goldstein hielt eine zündende Abschiedsrede. Premierminister Herzog und General Smuts sandten Begrüßungs- Kommission für Organisation und Propaganda Wie das Zentralbüro der Zionistischen Organisation mit■ teilt, hat die Exekutive die Absicht, die vom 17. Kongreß ein; gesetzte Ständige Kommission für Organisation und Propaganda Anfang Dezember nach Berlin, einzuberufen und dorl einige aktuelle Orgarfisationsprobleme zu beraten. Neben Vor• schlagen zur Besserung des Standes der zionistischen Arbeit if den Ländern jüdischer Massensiedlung und zur Erneuerung der zionistischen Propaganda-Arbeit sollen eine Reihe von organisatorischen Reformen besprochen werden, wie: die Frage der Zusammenfassung der Zionisten in den einzelnen Ländern (Territoriale Arbeitsgemeinschaften, Territorialverbände) und die Reform des Schekelwesens. Im Zusammenhänge damit sollen die Forderungen der ״kleinen“ Landsmannschaften zur Be■ sprechung gelangen. Ein besonders wichtiges Problern, mit dem sich die Konferenz weiter befassen soll, ist das der zionistischen Jugendbewegung. Ueberdies werden die Vorschläge in bezug auf eine Reorganisierung der Jewish Agency zur Sprache kommen. Schriftliche Anträge zu den obigen Fragen sind bei der Exekutive einzureichen. Die Fehlschläge Ir Blro-Bidschan Moskau, 2. November. (J. T. A.) Das fernöstliche Rayon-Komitee und das Biro-Bidschan-Komitee der kommupistisehen Partei haben gemeinsam Beratungen über den Aufbau von Biro-Bidschan gepflogen und sind zu dem Schlüsse gekommen, daß der Aufbau infolge unzweckmäßiger Führung große Fehischläge, aber auch man■ nigfache Erfolge aufzuweisen hat. Von den von Januar bis August 1932 eingewanderten 8000 Juden sind 50—60,»/o zurückgewandert. Dessen ungeachtet werden Vorbereitungen getroffen, um bis Ende 1933 weitere 25 000 Juden nach Biro-Bidschan zu bringen. Die nächsten drei Monate sollen dem Bau stabiler Wohnhäuser zur Aufnahme der Einwanderer gewidmet sein, Berufs- und Parteiorganisationen wurden verpflichtet, an diesem Ziele mitzuarbeiten. Kleine Nachrichten Im Alter von 74 Jahren starb in Paris der berühmte Archäolöge und Kunsthistoriker Salomon Reinach. Mit ihm ist der letzte der drei Brüder Reinach (Joseph, Salomon und Theodore) dahingegangen, die im wissenschaftlichen wie im gesellschaftlichen Leben Frankreichs eine führende Rolle spielten. Der Kongreß der Jüdischen Gemeinden Rum ä n i e n s , der drei Tage dauerte, hat unter dem Vorsitz von Dr. Fildermann den Entwurf für eine Gesamtorganisation des rumänischen Judentums angenommen. Da die Gemeinden der neu angeschlossenen Gebiete an dem Kongreß nicht teilgenöiflmen habep, wurde beschlossen, diesen Gemeinden, sowie an; deren interessierten Körperschaften den Entwurf zur Aeußerung zuzusenden, damit womöglich nach einiger Zeit ein wirklicher Gesamtkongreß •des rumänischen Judentums eine Vorlage verabschieden und der Regierung weiterleiten kann. Am 30. Oktober fand in Sofia die XIX. Konferenz der Zionistischen Organisation Bulgariens statt. Anwesend waren 28 Delegierte der Allgemeinen Zionisten, 9 Vertreter der Poale Zion, ferner Vertreter des Makkäbi,;des ״Haschomer Hazair“, des ״Hechaluz“ und der Organisation der jüdischen Lehrerschaft. Die Revisionisten blieben■ def-.Kopk ferepz fern. Der Präsident der Zion. Organisation:׳, Albert, Ro«, märio hielt ein'grbßarigelegtes politisches Referat.1**• ך יך;«*$ Wie uns, zu unserem Artikel in Nr. 77 der ״j. R.“ hach-: fraglich mitgeteilt wird, ist der verstorbene Bagdader Staats-1 mann Sassoon Jecheskel Eff. nicht ein Mitglied der hekannten Bagdader indischen Familie Sassoon, sondern Sassoon war bei ihm, wie bei vielen orientalischen Juden, Vorname. Der Bibliothekar der Hamburger jüdischen Gemeinde, Professor Isaak Markon, ist von der neu gegründeten jüdischen;׳ Fakultät an der Universität von Dorpat aufgefordert worden,; eine Lehrkanzel für die Wissenschaft des Judentums zu übernehmen. Hakenkreuzler haben in der Nacht zum Mittwoch das Grab F erdin and Lassalles auf dem Breslauer jüdischen Friedhof in der Lohestraße besudelt. Die nach der Straße zu gelegene Rückseite des Grabmals, an der sich eine kleine Gedenk*?: tafel befindet, ist mit einem großen'Hakenkreuz in roter Farbe beschmiert worden. ' , •' Die Arbeiter-Tageszeitung ״Da war“ führt darüber Klage, daß beim Bau des Rockef eller-Museums, das in der', Nachbarschaft der Hebräischen Universität errichtet wird und für welches Rockefeller 2 Mill. Dollar gestiftet hat, kein ein: ziger jüdischer' Arbeiter beschäftigt wird. Der Artikel der ״Jüdischen Rundschau“ über die Genfer Jüdische W e 11 k o n f e r e n z (״J. R.“ Nr. 68) ist von der Jüdischen Telegraphen-Agentur im vollen Wortlaut in englischer Uebersetzung verbreitet und von einer An::.1 zahl jüdischer Zeitungen in Amerika abgedruckt worden,, die sich auch redaktionell mit dem in der ״Jüdischen Rundschau“• vertretenen Standpunkt auseinandersetzen. .י ' Palästina-Fahrer. In den letzten Tagen haben drei bewährte Zionisten, die sich besonders in der Gemeindearbeit der Jüdischen Volkspartei betätigt haben, Berlin verlassen, um nach Palästina zu übersiedeln. Frau Lina Wagne’r-*; Tauber, deren Wegzug aus Berlin wir bereits gemeldet■ haben, war vor ihrem Verlassen des bisherigen Wohnortes Gegenstand mannigfacher Ehrungen. FrauenarbeitsgemeirirB schaff, Misrachi-Organisation, Berliner Zionistische Vereini-! gung und vor allem die Jüdische Volkspartei, als׳ deren Vertreterin Frau Wagner-Tauber viele Jahre Repräsentantin der Berliner Jüdischen Gemeinde war, benützten die ve,ranstalteten Abschiedsfeiern, um der scheidenden Mitarbeiterin die Gefühle der Freundschaft, Verehrung und des Dankes zum Ausdruck zu bringen, deren sie sich in ihrer Arbeit immer erfreut hat. — Durch die Uebersiedlung Philipp') Grünbaums verlieft die Jüdische Volkspartei einen ihrer eifrigsten und ergebensten Mitarbeiter. Philipp Grnnbaüm A war der zentrale Organisator der letzten Wahlkämpfe der Jüdischen Volkspartei in der Berliner Gemeinde.• In der Gemeindeverwaltung entfaltete er auf Grund seiner Sach-' kenntnis eine eifrige Tätigkeit. Auch in der B. Z. V. war Grünbaum ein sehr aktives Mitglied .— Schließlich verließ Heinrich Woznianski, ein altbewährter Gesinnuugs-B genösse, der vorher in Danzig besonders als eifriger Werber,״', und Kommissär• für den Keren Hajessod und später in Berlin,' in der B. Z. V. und in der Jüdischen Volkspartei tätig war,.’׳., wobei er sich als volksparteiliches Kommissionsmitglied einer Gemeindekommission besonders hervortat, vor einigen Tagen ' Berlin, um seinen dauernden Wohnsitz in Erez Israel zu nehmen. Heinrich Woznianski, ein Wirtschaftskenner und׳ Fachmann auf dem Gebiete des Speditionswesens, gedenkt in Erez Israel seine Fachkenntnisse zu verwerten. Wir wünsehen den drei nach Palästina Verzogenen Glück und die Erfüllung ihrer an die Uebersiedlung geknüpften Hoffnungen..