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Jüdische Rundschau · 1932-10-25 · Heft 85 (25.10.1932) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 85 (25.10.1932)
Date
1932-10-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 85, 25. X. 1932 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 413 ״Was geschieht mit den Juden?" Karl Lieblich aus Stuttgart hat einen ״Bund für neues Judentum“ gegründet, und er hat diesem Bund ein Programm- Buch unter dem Titel ״Wir jungen Juden“ geschrieben. Darin proklamiert er ״die Bestimmung des jüdischen Volkes, als einziges üürtelvolk der Erde zu leben“ und fordert ״die Ancrkennung dieses Schicksalsrechts von allen Staaten“. Wir haben uns mit diesem Buch hier bereits auseinandergesetzt, und das ergab eine akademische Diskussion mit einem geistigen Mann, der das Beste für sein Volk in den Gedankengängen einer etwas abwegigen Philosophie sucht. Jetzt aber ist er unter die Politiker gegangen und hat in einem neuen Buch die öffentliche Frage ״Was geschieht mit den Juden?“ an — Adolf Hitler gerichtet.’) Er hat diesem so- Zusagen politischen Dokument einen Aufsatz vorausgeschickt, der in gedrängter Form den wesentlichen Inhalt seines Buches noch einmal wiederholt. Er ist also von der Philosophie in die grolle Politik gesprungen oder von dem geduldigen Papier in jene Arena, in der auch das gedruckte Wort mitunter allerhand anrichten kann. Hinter sich die dreißig Mitglieder seines Bundes, veranstaltet er sozusagen eine Round Table-Konferenz mit Adolf Hitler, der seinerseits nicht erschienen ist. ln dieser Konferenz stellt er seine Forderungen auf: Nämlieh erstens die Forderung der kulturellen Autonomie für die deutschen Juden. Und dann, da er nun einmal im Zuge ist, fügt er noch schnell eine zweite Forderung hinzu: nämlich nicht mehr und nicht weniger als die der Befreiung der Juden vom Heeresdienst. Wäre Hitler erschienen, hätte er sicher geschmunzeit: der Mann wäre sein Mann gewesen. Aber im jüdischen Lager jenseits der dreißig Bundesmitglieder ist das Entzücken weniger groß. Es ist zwar kein Grund zu besonderer Aufregung vorhanden, weil heute von vielen Einzelgängern in vielen Broschüren allerlei gefordert wird, ohne daß das Leben davon Notiz nimmt. Aber man soll cs auch nicht vollkommen bagatellisieren. In dem ohnehin schon hinreichend zersplitterten Judentum erhebt sich eine Stimme, die dann eine gewisse Beachtung finden könnte, wenn es einmal opportun erscheinen sollte, sie zu beachten. Das mußte Lieblieft wissen, und deshalb muß man von ihm verlangen, daß er, wenn schon seine Brust den Ruf nicht länger verschließen konnte, den Dingen mit einigem Ernst und einiger Gründlichkeit nachging, bevor er sie so marktschreierisch herausstellte. Statt dessen gibt er Belletristik, und die gepflegte Sprache, die bei seinen philosophischen Erörterungen ansprechend wirken konnte, wirkt hier als aufreizender Literatenstil. Lieblich, der Förderer, fordert also kulturelle Autonomie. Man sollte nun an nehmen, daß ein Mann, der auch als Dichter in deutscher Sprache hervorgetreten ist (so etwa mit einer Noveile über Thomas Münzer und seinen Krieg) zunächst einmal etwas über den Begriff der jüdischen Kultur in Deutschland aussagen würde: ob er etwa z. B. seine Dichtungen für ein jüdisches Kulturgut in dem Sinne hält, daß dafür der organisatorische Rahmen eines jüdischen Volksstandes notwendig oder auch nur angemessen wäre. Die Forderung der kulturellen Autonomie ist nämlich in Deutschland eine Forderung an die anderen, daß sie uns gesetzlich etwas geben, was wir tatsächlieh nicht mehr haben. Ich weiß nicht, was Lieblich sich unter einer eigenen jüdischen Universität in Deutschland vorstellt, die er auch fordert, aber es sollte ihm bei dieser Forderung doch aufgegangen sein, daß unser Problem gar nicht die Autonomie, sondern die Kultur ist. Wenn wir nämlich hier in Deutschland noch eine jüdische Kultur und die dazu gehörigen bindenden Formen ihres Ausdrucks hätten, dann wäre cs gar nicht mehr so wichtig, ob dieser Tatbestand auch durch eine Autonomie gesetzlich fixiert wäre, weil wir dann ohnehin unser gesondertes, eigenwüchsiges Leben lebten und die deutsch-jüdische Frage in ihrer heutigen Form gar nicht existierte. Daß hier also ein schweres Problem vorliegt, deutet unser Förderer nicht einmal an. Dafür hilft er sich mit Belletristik. Er ist nämlich sehr stolz darauf, ״Autonomie" mit ״Eigenständigkeit“ zu übersetzen und dabei den Begriff des ״Standes" anklingen zu lassen, der in einen ständisch aufgebauten Staat vorzüglich eingegliedert werden könnte. Mit diesem Wortgeklingel pfuscht er über die Tatsache hinweg, daß die Juden zwar einmal ein Stand waren, als sie nämlich eine bestimmte wirtschaftliche Funktion mit bestimmten gesetzliehen Einschränkungen wie auch Vorrechten ausiibten, daß sie aber heute, wenn auch nicht über alle, so doch über einen großen Teil aller Berufsstande hoffnungslos verteilt sind und daß es nicht den geringsten Sinn mehr hat, von den deutschen Juden als von einem Stand zu sprechen. Kurz, Lieblich verlangt etwas zu viel von Hitlers Machtfülle. Der mag uns wohl die äußeren Formen des Mittelalters wiedergeben können, aber nicht ihren Inhalt, auf den cs doch wohl auch nach Lieblich schließlich ankommen dürfte. “ :•fit Flugzeug der Imperial Airways landet auf dem Tibcriassee vor Tiberias Alles in allem: das Ganze ist offenbar darauf angelegt, dem von Herrn Naumann erfundenen Popanz des ״nationaldeutschen Juden“ ' einen mindestens ebenbürtigen ״nationaljüdischen" Popanz gegenüberzustellen. Da stehen nun die beiden blutlosen Programmpuppen als ausgewachsene Vogelscheuchen einander gegenüber und knallen unentwegt mit der Peitsche. Aber es ist nur leerer Wind, der sie bewegt, und wild werden davon höchstens ein paar Spatzen. Gustav K r 0 j a n k c r. * Zu Lieblichs neuer Broschüre erhalten wir von Herrn Prof. S. Dubnow eine Zuschrift, in welcher es u. a. heißt: ״Bei aller Achtung für die Persönlichkeit des Dr. Lieblich, dessen Aufrichtigkeit und ideologische Ehrlichkeit nicht zu bezweifeln sind, muß ich seine ״öffentliche Frage an Hitler" in seiner zweiten Broschüre als einen schweren taktischen Fehlschlag mißbilligen. Die Erwähnung meines Namens in diesem Zusammenhang ist um so mehr unschicklich, als die ״öffentliche Frage" ohne mein Vorwissen publiziert wurde.“ Ein Historiker der ״BUa“ Vor einigen Tagen meldete der Draht, daß in Palästina einer der letzten Bilu-Männer, Dr. C h i s s i n, gestorben ist. Mit Dr. Chissin ist nicht bloß ein einfacher Bilu-Mann aus dem Leben geschieden, sondern einer ihrer ersten Historiker. Chissin hat sich bereits als Gymnasiast im Jahre 1881 der Chibat - Zionbcwegung angeschlossen. Als mit dem Rufe ״Bilu“ anfangs 1862 die jüdischen Studenten der Charkowcr Universität den Beschluß faßten, nach Palästina auszuwandern, fand sich unter den Ersten der verstorbene Dr. Chissin. Obwohl die Biluorganisation schon zu Beginn ihrer Tätigkeit 500 Studenten als Mitglieder zählte, ging unter Führung Israel Beikinds im Tamus 1882 eine kleine Gruppe von 14 Personen als erste Chaluzim nach Palästina an. Einige Wochen später folgte die zweite Gruppe von 7 Personen, zu der auch Dr. Chissin gehörte. Am 9. August trafen sie nach allerhand Schwierigkeiten in Jaffa ein, wo sie sofort mit den dort bereits weilenden Biluim in Mikweh Israel als gewöhnliche Taglöhncr ihre Arbeit antraten. Es folgte eine Zeit großer Entbehrungen, vor denen jedoch die jungen Pioniere nicht zurücksdirecktcn, sondern auch fernerhin ihre Arbeit leisteten, in der Erwartung, daß cs ihnen doch bald gelingen werde, endlich als Ackerbauer ihre Aufgabe zu erfüllen. Die Leidensgeschichte dieser Tage schildert Chissin in einem überaus interessanten, wenn auch einfach gchaltenen Tagebuch, das er in der damaligen führenden russischjüdischen Zeitschrift ״Woschod“ unter dem Titel ״Yz Dnewnyka Palestinskago Emigranta“ im Jahre 1887 veröffentlichte. Dieses Tagebuch, das erst im Jahre 1921 in Palästina ins Hebräische übersetzt wurde1), bildet vielleicht die wichtigste Quelle für die Kenntnis der Bilubcwegung und ihrer ersten Pionierarbeiten in Palästina. Chissin verzeichnet׳.: in seinem Tagebuch in ganz einfacher Form die Geschehnisse innerhalb der Bilugruppe, ihre Erlebnisse und Enttäuschungen, und gab eine interessante Darstellung der damaligen Vorhältnisse in Palästina. Mit besonderer Objektivität zeichnete er die führenden Männer der ersten Alija, die bemüht waren, die jüdische Kolonisation in Schwung zu bringen. Wenn auch hie und da abfällige Bemerkungen über die einzelnen ״Führer“ der Bilugruppe vorkamen, so hat doch die spätere Entwicklung gezeigt, wie klar und mit welcher feinen psvdialogischen Beobachtung Chissin seine Mitarbeiter gezeichnet hat. Chissin hat dann in Palästina mit den übrigen Biluini die Schwierigkeiten der ersten Jahre mitgernaeht. Fünf Jahre verbrachte er im Lande und im Oktober 1837 faßte er den Entschluß, Palästina zu verlassen, da es unter den gegebenen Verhältnissen Chaluzim nicht brauchen konnte und er persönlich sein Dasein nicht auf Unterstützungen der Baron- Rothschild-Verwaltung einstellen wollte. Im Ausland studierte er Medizin, nach Beendigung des Studiums kehrte er dann nach Palästina zurück, wo er als Ar/t tätig war. Wenn er auch in Palästina kenne führende Rolle sniclte, so wird doch sein Name mit der Geschichte des Wiederaufbaues eng verbunden bleiben. Sein Bilu-Tngebuch setzt ihm ein Denkmal in der Geschichte der jüdischen Kolonisationsbewegung. Indem er lins die Geschichte der ersten Bilnim-Vcrsuche in Palästina hinterlassen hat, vollbrachte er eine Tat, für die ihm die zukünftige jüdische Geschichts- Schreibung stets Dank zollen wird. Dr. N. M. G e I b e r. י) Mijoman achad-ha-Bilutm, übersetzt von S. Herberg, herausgegeben von der Histadruth Haowdim in Tel-Awiw. JÜDISCHE VOLKSPARTEI Donnerstag, den 27. Oktober, abends 8 Uhr im ״Frankfurter Hof", Frankfurter Allee 313 Vortragsabend mit dem Thema: Wo stehen wir heute? (Zur Lage der luden in Deutschland) Redner: Rechtsanwalt Dr. Alfrsd Klee Rechtsanwalt Dr. Max Kollenacher Prof. Dr. Heinrich Loews Fest der Erstlinge (Chag llahikurim), Haifa Ein Erntrtan:, mmj-führl vom Studio Ornstein in Tel-Awiw f ■lad Die Philosophie Salomon Maimons Von S. M e i s e 1 s (Wien). Hugo Bergmann, dem wir bereits eine in hebräischer Sprache abgefafite ausgezeichnete Monographie über ״die Philosophie Immanuel Kants“ verdanken, hat jetzt im Verlage der liebrew University Preß in Jerusalem ein hebräisches Buch ״Hapilosophia schel Schelomoh Maimon“ (Die Philosophie Salomon Maimons) erscheinen lassen. Von dem Buche dar) man sagen, daß es nicht nur im hebräischen Schrifttum, sondern auch in der philosophischen Literatur eine Lücke ausfüllt. Wohl ist seit dem Anfang unseres Jahrhunderts mehrfach versucht worden, die Philosophie Salomon Maimons systematisch darzustellen, aber alle diese Versuche, so wertvoll und grundlegend sie im einzelnen auch sind, lassen in der Gesamtdarstellung manches zu wünschen übrig. Das Buch von Bergmann ist die erste umfassende und erschöpfende Darstellung der Maimonsehen Philosophie. Bei vollkommener Beherrschung des einschlägigen Stoffes ist cs dem Verfasser vorzüglich gelungen, die zerstreut vorliegenden philosophischen Gedanken Maimons einheitlich zusarnrnen/ufassen und in ein wohlgeordnetes System zu bringen. Dieser Umriß der Maimonsäien Pliilosopiue — übrigens aus Vorlesungen hervorgegangen, die der Verfasser im Studienjahr 1030/31 an der Hebräischen Universität in Jerusalem hielt — wird viele wie entdecktes Neuland anmuten. Und dies mit Recht. Denn die meisten Schriften über Salomon Maimon befassen sich fast ausschließlich mit seiner Lebensgeschichte und nur selten auch mit seiner Philosophie. Nahezu ein volles Jahrhundert ward das Lebenswerk des Philosophen durch dessen Lebenstragödie ganz in den Hintergrund gedrängt. Eigentlich hat Salomon Maimon selbst dazu beigetragen, daß hier gleichsam das Leben über das Werk triumphierte; er schrieb seine Autobiographie, ein einzigartiges Werk, das oft mit Rousseaus ״Bekenntnissen“ verglichen wurde, und diese Lebensbeichte Maimons ist bis heute sein populärstes Werk geblieben. Es ist auch sonst leicht zu begreifen, daß der Philosoph als Bohemien bei weitem mehr interessierte als seine subtile Vernunftkritik. So kam es, daß man ein Jahrhundert lang über der Lebens-, geschichte des Philosophen seine Philosophie vergaß. Erst in den letzten zwei Jahrzehnten, namentlich seit dem Erscheinen der vortrefflichen Schrift von Friedrich Kuntze ״Die Philosophie Salomon Maimons" (Heidelberg 1012), ist zum mindesten in Philosophenkreisen für die Denkarbeit Maimons ein stärkeres Interesse erwacht. Der Vorzug des Bergmaimschen Buches vor dem Kuntzsehen besteht darin, daß Bergmann auch die hebräischen! Quellen zur Geschichte der Philosophie Maimons reichlich heranzieht, namentlich die hebräischen Schriften von Salomon Maimon selbst, die erklärlicherweise dem Deutschen Kuntze unbekannt blieben. In der Darstellung Bergmanns wird die Philo- Sophie Maimons, die tief gedacht, aber in schwerfälligem Stil vorgetragen ist, möglichst in Klarheit gehoben. Von der Oedankenweit Maimons, seiner Vernunftkritik, die eine Verbesserung der Kantisehen darstellen sollte, von seiner Ethik wird ein abgerundetes Bild gegeben. Die übliche Abstempelungsmethode lehnt Bergmann ab. Bis in die jüngste Vergangenheit wurde Salomon Maimon als Skeptiker verschrien. Noch Raoul Richter in seinem Werke ״Der Skeptizismus in der Philosophie“ zählt neben Platner und Schulze auch Salomon Maimon zu den aus der Kantschule hervorgegangenen Skeptikern. Bergmann dagegen meint, ein Philosoph wie Maimon, der ein rationalistisches Svstem aufgebaut und eine von höherem Idealismus getragenc'Ethik geschaffen hat, könne nicht schlechtweg als Skcptiker bezeichnet werden. Maimons Skeptizismus, soweit er vorhanden war, sei nicht ״aus Freude am Zweifel als solchen, sondern aus intellektueller Redlichkeit" hervorgegangen. Als redlicher Idealist erweist sich Maimon in seiner Anthropologie und Ethik, der in dem Buche Bergmanns ein sehr autschlußreiches Kapitel gewidmet ist. Wertvoll und ungemein interessant sind die als Anhang beigefügten ״bibliographischen Anmerkungen". Wir erfahren daraus, daß drei Nationen um die Zugehörigkeit des Philosophen Salomon Maimon streiten; eigentlich ist ״streiten“ nicht der richtige Ausdruck, denn die drei Nationen streiten nicht um ihn, sondern jede von ihnen nimmt ihn ganz für sich in Anspruch. Zunächst war Maimon ein jüdischer Philosoph. Er kam von der Talmudschule her und stillte anfangs seinen Weisheitsdurst nur an jüdischen Quellen. Seine literarische Tätigkeit begann er als hebräischer Schriftsteller. Er war Mitarbeiter des ״Meaßef“, er übersetzte ein Lehrbuch der Mathematik, ein Werk von Newton und die ״Morgenstunden“ von Mendelssohn ins Hebräische und schrieb einen großen hebräischen Kommentar zu Maimonides’ Führer, den ״Oibeath llamorch“, den Bergmann als eines der größten philosophischen Werke der neuen hebräischen Literatur rühmend bezeichnet. Dann war Salomon Maimon — dies vielleicht vor allem — ein deutscher Philosoph. In der Geschichte der deutschen Philosophie nimmt er einen ansehnlichen Rang ein. Er war einer der bedeutendsten Schiller und Kritiker Kants. Aber auch das polnische Schrifttum erhebt Anspruch auf Salomon Maimon. In polnisch-philosophischen Schriften kann man nicht selten ״o Majmonie, filosofie polskim“ lesen. In Lettland wuu.c «n seü länge* er Zeit bestellender Konflikt zwischen der jüdischen Minderheit und der Unterrichtsbehörde wegen der Rechte des Hebräischen und Jiddischeu als nationaler Sprachen der Juden beigelegt. Der Unterrichtsausschuß des Parlamentes faßte den Beschluß, daß Jiddisch und Hebräisch als nationale Sprachen der Juden obligatorische Unterrichtsgegenstände für die jüdisehen Schulkinder zu gelten haben. Major H. L. Nathan, Mitglied des englischen Unter- Hauses und Frau Nathan haben den Balfour-Wald im Tale Jesreei besucht. Major Nathan ist Vorsitzender des Komitees zur Aufbringung der Fonds für den Balfour-Wald. Als Lieblich die weitere Forderung der Befreiung der Juden vom Heeresdienst aufs Papier schrieb, ist er sich sicher sehr mutig vorgekommen. Es ist der Mut des Mameluken. Lohnt es sich überhaupt, darüber zu diskutieren? Es ist doch jetzt und hier kein Land denkbar, das einem Teil seiner Bevölkerung, ohne ihn in die letzte Pariastellung hinabzuwürdigen, gestattete, sich von der Landesverteidigung fernzuhalten. Vor allem aber wäre cs auch für die Juden selbst, gleichviel welcher Richtung, moralisch völlig untragbar, seelischen, geistigen und wirtschaftlichen Vorteil von einem Lande zu ziehen, ohne ihm gleich allen anderen dienen zu können. Und wenn diese Dienstleistung mitunter problematisch werden kann — sie muß es nicht unter allen Ilmständen sein —, so ist das eben genau das, was wir ״üaluthschicksal“ nennen. Wer aber den Zustand der Zerstreuung als eine Schicksalsbestimmung anerkennt und wer über das einfache Hingegebensein an die Natur der Dinge und ihren Ablauf (im Gegensatz zur zionistisehen Aktivität) so wohlgeformte Sätze zu reden weiß, der sollte nun auch wenigstens ״hingegeben“ sein und sollte eben jene Bestimmung auch da auf sich nehmen, wo sie tragisch w׳erden kann. Denn der Weg einer Sendung ist immer ein tragischer und dornenvoller Weg, der sich nicht ohne Nachteil für das Ziel in einen Lustpfad verwandeln läßt. Einfach empörend ist aber auch hier wieder die wohlklingende Phraseologie, mit der er dies äußerst delikate und ernste Thema seicht umspielt. Da heißt es etwa, daß die Juden früher vom Heeresdienst ausgeschlossen waren, ״weil man vor dem Zeitalter der Maschine viel tiefer verstand, daß nur der für eine Sache mit seinem Herzen eintreten, für sie kämpfen und sterben kann, der sie im Blute trägt". Ich weiß nicht, was die aus angekauften Ausländern und zusammengeprügelten Untertanen bestehenden Söldnerheere des 18. Jahrhunderts im Blute getragen haben, aber bestimmt nicht die dynastische Sache, für die sie kämpfen mußten. Es liegt genau umgekehrt: so nämlich, daß das Zeitalter der Maschine auch das des Nationalismus und damit des Volksheeres wird, — Oder: Lieblieh bringt als Beispiel für die jüdische Situation den Hinweis tuf die deutschen Tschechen, die doch auch schlechte Kämpfer gegen Deutschland sein müßten. Aber richtig wäre das Beispiel nur, wenn er behauptete, daß die deutschen Tschechen unbedingt schlechte Kämpfer gegen Polen sein müßten, weil es auch in Polen eine deutsche Minderheit gibt. Und so fort. Er kann sich gar nicht genug tun, die Kriegsunbrauchbarkeit der deutschen Juden in einem noblen und getragenen Stil mit höchst unzulänglichen Argumenten darzutun. *) Karl Lieblich: ״Was geschieht mit den Juden?“ Oeffentliehe Frage an Adolf Hitler. Zonea-Verlag, Stuttgart '.;f\ '1 /; ־ 'f f J

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