Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1932-10-25 · Heft 85 (25.10.1932) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 85 (25.10.1932)
Date
1932-10-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2651273-2653348-2653433--23241-2681582
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 412 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 85, 25. X. 1932 nisten, die diesen Rat beherzigten. Die meisten standen dieser neuen Frucht fremd und pessimistisch gegenüber, um so mehr, als die Orangen in diesen Jahren fabelhafte Preise erzielten, so daß man vor 3 Jahren nur 30000 Kisten Grapefruit produzierte, und als man zum erstenmal einen größeren Transport nach England schickte, war selbstverständlich das Verbalten Englands dieser neuen Grapefruit gegenüber, die zum erstenmal dort erschien, fast pessimistisch, aber die Engländer haben sich bald davon überzeugt, daß die Qualität der palästinensischen Grapefruit der aus Florida nicht nachstand und daß nur die besten amerikanischen Sorten mit der palästinensischen konkurrieren konnten. Dieser Erfolg der Grapefruit, und vor allen Dingen die Durchschnittspreise, die erzielt wurden und die 7—8 Shilling und darüber über dem Durchschnitt lagen, gab weiteren Anlaß für die Ausbreitung dieser Kultur im Lande. Das Sinken des englischen Pfundes gab die Mögürhkeit einer erfolgreichen Konkurrenz gegenüber der amerikanischen Frucht, ln der Saison 1931/32 erzielten die palästinensischen Grapefruit fabelhafte Preise, die alle Erwartungen ühertrafen. Es sind mir mehrere Kolonisten bekannt, die 8—10 Shilling netto per Kiste Grapefruit über dem Durchschnitt erzielten. Selbstverständlich gaben diese hohen Erträge erst recht Anlaß für die Erweitenitig dieser Kultur, so daß man mit 100 000 Kisten für die Saison 1032/33 rechnen kann. Die Grapefruit-Preise, die äugenblicklich im Lande gelten, sind durchschnittlich 40.30 ״:״ höher als die Preise, die man für Orangen erzielt. Die allgemeine Stimmung ist infolgedessen sehr optimistisch. Wir wollen aber das Problem der Grapefruit näher betrachten, und zwar nicht nur unter dem Aspekt der augenblicklichen Hausse-Stimmung, sondern unter dem normaler Verhältnisse, in denen man mit der Konkurrenz der Grapefruit aus Florida ernsthaft rechnen muß. Wir wollen auch die Wertdifferenz der englischen Pfunde und des amerikanischen Dollars außerhalb unserer Betrachtung lassen. Vor allem sei erwähnt, daß der Baum außerordentlich widerstandsfähig sowohl in bezug auf Krankheiten als auch in bezug auf klimatische Einflüsse ist. Er hat diesbezüglich einen großen Vorzug gegenüber der Orange, die vier־ empfindlicher ist und gewissen Krankheiten physiologischer Natur unterliegt. Während bei der Orange die Frage der Grundlage heute noch ein Problem darstellt, über das verschiedene Meinungen und Anschauungen herrschen, und das eine weitere Forschung und Beobachtung verlangt, bedarf diese Frage in bezug auf Grapefruit keiner Diskussion. Der Chuschcnusch oder Brigadier ist eine ideale Grundlage für die Grapefruit, auch bezüglich der Qualität des Bodens ist sie nicht so anspruchsvoll wie die Otange. Selbstverständlich müssen die Bäume in genügendem Maße gegen den Wind geschützt werden. Die Entwicklung in einem schweren Boden geht relativ langsamer, die Fruchtbarkeit ist eventuell auch eine geringere, aber man kann immer mi<t einem Mindestertrag rechnen, auch bei ungünstigen Verhältnissen. Weiterhin muß man betonen, daß das Pflücken und Packen dieser Frucht relativ billiger ist, als das der Orange. 80—100 Grapefruit bilden bereits eine Kiste, während man bei der Orange mit durchschnittlich 160 Stück und mehr für eine Kiste rechnen muß. Ich schätze allein diesen Unterschied auf einen halben Shilling pro Kiste. Was die Fruchtbarkeit anbclangt, so sei als besonders wichtig erwähnt, daß Grapefruit bereits im zweiten Jaifr nach der Veredelung Frucht trägt, die mindestens die Ausgaben der Bearbeitung deckt. Nach der Erfahrung, die ich mit Grapefruit gemacht habe, kann ich feststellen, daß eine Grapefruit- Plantage, die im Herbst 1929 mit veredelten Bäumen angelegt wurde,- bereits in der Saison 1930/31 ca. 50 Kisten per Dunatn erjjab, was nicht nur die Unkosten der Bearbeitung, die man mit 8—9 £P. berechnen muß, deckte, sondern auch einen kleinen Netto-Ueberschuß ergab. Das Jahr 1932 brachte eine Ernte, die man mit einem Minimum von 90 Kisten per Elunam berechnen muß. Wenn wir bei unserer Kalkulation nicht vom heutigen Marktpreis ausgehen, der bereits 6Vs—7 Sh. auf dem Baum beträgt, und wir als Grundlage unserer Kalkulation nur 4 Sh. per Kiste rechnen, d. h. mit 60 —70 0׳״ weniger, als man in dem letzten Jahr erzielte, so wird man doch zu aem Resultat kommen müssen, daß Grapefruit bei veredelten Bäumen bereits im vierten Jahr, bei unveredelten Bäumen im fünften Jahr, ca. 9—10 £P. Nettoertrag ergibt. Selbstverständlich steigt in den weiteren Jahren der Ertrag bis auf 15 £P. netto per Dunam. Es sei nochmals betont, daß man bei dieser Kalku- Iation die heutigen Preise nicht in Betracht zieht, sondern mit einem Mindestpreise rechnet. Wenn man berücksichtigt, daß solch eine Grapefruit-Anlage heute ca. 65—70 £P. inkl. Boden und Wasserinstallation kosten muß, so muß man zu der Ueber- Zeugung kommen, daß diese Art von Geldinvestierung einen Nutzen erbringt, den man mit 19—20 0/0 errechnen kann. Pessimisten werden wahrscheinlich einwenden, daß diese Berechnung etwas optimistisch ist, und daß die Absatzfrage bei weiteren Anlagen zu einem Problem werden könnte. Ich rechne damit, daß jährlich ca. 1000 Dunam Grapefruit neu angelegt werden, d. h. daß wir in Palästina im Laufe von ca. 10 Jahren zwei Millionen Kisten haben können. Wer die Geschichte der Florida-Grapefruit studierte und die starke rapide Erweiterung der bebauten Fläche beobachtete, kann nicht zu solch pessimistischer Anschauung kommen. Es ist klar, daß diese neue Frucht sich allmählich den europäischen Markt erobert. Länder wie beispielsweise Frankreich, Holland und Schweden, in denen noch vor einigen Jahren die Existenz der Grapefruit tinbekannt war, beziehen jetzt schon ansehnliche Quantitäten, die jährlich progressiv steigen. Die Regierungsstatistik in England weist darauf hin, daß der Verbrauch von Grapefruit per Kopf in den letzten Jahren um mehrere 1Ü0»0׳ gestiegen ist. Die Grapefruit ist schon kein Luxusartikel mehr, der nur begrenzten Schichten zugänglich ist, sondern die breiten Volksschichten beginnen sie zu verbrauchen, so sind z. B. die englischen Kohlenarbeiter bereits Abnehmer der Frucht geworden. Bei einer Kalkulation von 4 Shilling per Kiste im Lande am Baum können wir mit 11—12 Shilling in England verkaufen. Dieser Preis ist für Florida-Früchte ein so minimaler, daß der Export dieser Frucht nach England nicht lohnt. Bei der heute existierenden allgemeinen Tendenz der Aerzte, Früchte und besonders Grapefruit für Kinder zti empfehlen, gibt es eine genügende Sicherheit dafür, daß die palästinensische Grapefruit auch andere Märkte außerhalb Englands, Deutschlands und der vorhin erwähnten Länder erobern wird. Zusammenfassend müssen wir zu der LJeberzeugung kommen, daß diese Art Plantagen, vom agronomischen wie auch vom rein kommerziellen Standpunkt aus, eine sichere, gute Anläge für Kapital bietet. Honigprodukiion Von Robert Blum, Chedera-Tel-Awiw. Vor einigen Tagen hat der bedeutende deutsche Bienenforscher Prof. Armbruster den wissenschaftlichen Beweis erbracht, daß Erez Israel in der biblischen Zeit tatsächlich ein Land war, wo ״Honig floß“ zum Unterschiede der meisten Bibelforscher, die der Ansicht waren, daß das Wort ״Dwasch“ (Honig), so oft es in der Bibel vorkommt, Dattel- resp. Traubensaft bedeute. Ein bekannter Bienenfachmann wollte sogar die Tatsache bestreiten, daß der bibl. Jude jemals Bienenzucht betrieben hätte. Der Schreiber dieser Zeilen ist nahezu 10 Jahre in der modernen Bienenzucht im Lande tätig, und die bisherigen Resultate und Beobachtungen scheinen die Annahme zu bestetigen, daß Erez Israel bereits vor 2000 Jahren ein reiches ״Honigland“ sein mußte und mit Recht ein ״honigfließendes Land“ genannt werden durfte. Heute infolge neuer landwirtschaftlicher Kulturen sind natürlich die Honigblüten nur reicher geworden und bieten große Möglichkeiten für eine moderne, rationelle Bienenzucht. Diesem nicht unwichtigen landwirtschaftüchen Zweige wird mit Unrecht zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Wie bereits angedeutet, verfügt das Land über eine überaus reiche^ Honigblüte, welche die wichtigste Voraussetzung für eine Honigproduktion bedeutet. Von Mitte März bis Ende Juli stehen den Bienen große Blütenmengen zur Verfügung, und selbst in den Wintermonaten, wo in Europa die Kälte die Bienen zwingt, den sogen. Winterschlaf zu halten, arbeitet hierzulande die Biene ungestört, zumal es auch zu dieser Zeit vereinzelte Blüten gibt, die die Bienen anlocken. Die mit Drangen reichbepflanzte Küstenebene, ein Teil des jtidäischen Gebirges, der westliche Emek, der Galil und andere Gebiete lassen jährlich Tausende Tonnen von Honig in ihren Blüten unausgenützt vertrocknen, nur ein kleiner Teil, ungefähr 120 Tonnen, werden jährlich durch die Bienen herausgcholt. Infolge leichter Transportfähigkeit der Bienenstöcke können im Laufe des Jahres verschiedene Blütengegenden ausgenützt werden. Es gibt gegenwärtig im Lande ungefähr 150 000 Dunam Orangenpflnn/ungen, deren Blüte allein eine jährliche Horrig- Produktion von nicht weniger als 1000 Tonnen (20 000 dcutsehe Zentner) ermöglichen, während nur höchstens 20 Tonnen von dieser wertvollen Honigqualität geerntet werden, was einer Ausbeute von nicht mehr als 3000 Dunam entspricht. Im Jahre 1925 lieferte in Deutschland ein Bienenstock 5,750 kg, und trotzdem kamen 2,6 Bienenstöcke auf je 100 Einwohner. Trotzdem in Erez Israel ein Bienenstock ungefähr 30 kg Honig- Ertrag gibt, kommen auf je 100 Einwohner nur 0,75 Bienenstocke. In Anbetracht dieser Tatsache könnte die Bienenzucht in Erez Israel 18 mal vergrößert werden, resp. müßten 13,5 Bienenstöcke auf je 100 Einwohner kommen. Doch selbst in diesem Falle wären noch lange nicht alle Möglichkeiten ausgenützt. Ungefähr 100 Menschen gibt es im Lande, die sich mit Bienenzucht befassen, ein Teil davon hauptberuflich, während viele Hunderte in diesem Fache ihr Auskommen finden könnten. Die Anforderung, die dieser Beruf an den Produzenten stellt, hat der! Vorteil, daß weniger physische als geistige Leistung verlangt wird, und daher auch die Frau Vollwertiges zu leisten imstande ist. Es bedarf keiner jahrelangen Schulung, um sich in dieses Fach einzuarbeiten. Eine Arbeitsperiode, womöglieh hierzulande unter einer guten Anleitung, würde im allgemeinen genügen, um späterhin selbständig arbeiten zu können. Es sollen sich vorwiegend jüngere Leute diesem Berufe widmen, zumal Eigenarbeit bei Bienenzucht eine sehr wichtige Forderung ist. Ein Bienenstock verlangt eine jährliche Arbeitsleistung von 3—4 Stunden, die sich hauptsächlich auf die Frühjahrs- und Wintermonate erstreckt. Ein Mensch kann daher leicht 200 bis 300 Bienenstöcke allein bearbeiten, bei einer guten Organisation und Inanspruchnahme einer Hilfskraft auch bedeutend mehr. Die Verkaufsfätigkeit des Produktes ist in dieser Arbeitsperiode nicht inbegriffen, da der Verkauf auf genossenschaftlichem Wege zu erfolgen hätte. Denn die erzeugte Menge eines Einzelnen wird immer eine viel zu kleine sein, um einen eigenen Verkaufsapparat ertragen zu können. Wir hatten bereits hierzulande Gelegenheit, die Vorteile eines genossenschaftlichen Verkaufes kennen zu lernen. Der hiesige Honig hat eine sehr hohe Qualität, und es ist wohl dieser Tatsache zuzuschreiben, daß er Auf aosjändisehen Märkten bedeutend höhere Preise erzielt als Honig anderer Exportländer. Die Nachfrage nach hiesigem Honig ist größer als unser Angebot, und noch sehr große Mengen können wir erzeugen, bis wir auf Absatzschwierigkeiten stoßen dürften. Es sei auch bemerkt, daß sowohl der Inlandsals auch der Auslandsabsatz sehr erweiterungsfähig ist. Die allgemein unbegrenzte Haltbarkeit des Honigs bedeutet einen wichtigen hande’stechnischen Vorteil. Bienenzucht ist nicht an einen eigenen Bodenbesitz gebunden. Zum Unterschiede von Orangenpflanzungen, die großes Kapital verlangen, und bei denen einige Jahre auf Ertrag gewartet werden muß, ist die Anlage einer modernen Bienenzucht verhältnismäßig keine kostspielige, und es genügt, auch nur einige Monate vor Anfang der Blüteperiode mit dem Betriebe zu beginnen, um bereits gleich nach Blüteende ganz gut ernten zu können. Natürlich kann es auch manchmal eine Mißernte geben w׳ie in einem jeden anderen landwirtschaftlichen Betriebe. Nachstehende Zahlen mögen eine Uebersicht über die Rentabilität eines Bienenbetriebes gewähren: Anlagekos ten: 1 vollkommen ausgestatteter Bienenstock 2,- £ (30 RM.). Bruttoertrag: 1 Bienenstock liefert per Jahr durchschnittlich 30 kg Honig zum Nettopreis von 1/- s!1. per kg 1,10 £ (22,- RM.). Betriebsspesen: 1 Bienenstock per Jahr 0,10 £ (7,50 Reichsmark). Reinertrag: 1 Bienenstock per •Jahr 1,0 £ (15,— RM). Der Schreiber obiger Zeilen ist gern bereit, auf Wunsch mit näheren Angaben zu dienen. Nene Formen der Bau ■Finanzierung Die Berliner Zeitung ״Industrie und Handel“ meldet aus Tel-Awiw: Die fortgesetzte Invasion europäisehen und amerikanischen Kapitals nach Palästina, die um vieles größer ist als die Anlagemoglichkeiten, hat den Anstoß zu einer ganz neuen Form von genossenschaft- Heller Bauweise gegeben, da es möglich ist, Beträge von 75 'ס/י der Bausumme mit einer Verzinsung von 9 'Vo auf 8—18 jährige Auszahlung zu erhalten. Unter diesen Voraussetzungen gehen Gruppen von 5—6 Familien dazu über, gemeinsam mehrstöckige Häuser zu bauen, die je eine Wohnung für die Beteiligten enthalten. Diese Methode hat eine Reihe von neuen rechtlichen Problemen aufgerollt, um deren Lösung die Regierung augenblicklich bemüht ist. Das gegenwärtige auf dem alten türkischen basierende palästinensische Bodenrecht kennt bisher nur zwei Besitztitel: 1. das Mafrussystem, bei dem jeder Teilhaber an einem Stück Land ein genau abgeteiltes Stück erhält, das ihm nach türkischer Auffassung vom Himmel bis zur Erde gehört, und zweitens das Musha’arsvstem. Nach diesem hat jeder Eigentümer eines Immobilienobjekts den Besitztite! für einen Bruchteil. Da beim Vorhandensein mehrerer Bauherrn die Inhaber der oberen Stockwerke nicht identisch mit denen des unteren sein werden und da außerdem Eingänge, Treppen und Korridore allen Hausbewohnern gemeinsam gehören, bemüht sich das Landdepartment der palästinensischen Regierung darum, die neuen Besitzbegriffe durch eine ordinance zu definieren• Im letzten Jahre wurden in Haifa im Zusammenhang mit dem Hafenbau Gebäude mit einem Kostenaufwand von rund 250 000 Pfund von Privatleuten, von denen die Hälfte luden sind, errichtet. Lord Readiog Ober Palästina Marquis of Reading, der frühere englische Außenminister und einstige Vizekönig von Indien, der gegenwärtig in New York weilt, gab einem Vertreter der J.T.A. ein Interview, in dessen Verlauf er sich über Englands Pflicht in Palästina wie folgt äußerte: ״Großbritannien hat vor aller Welt das feierliche Versprechen abgegeben, daß es ein Jiidisehes Nationalheim in Palästina errichten •werde. Es ist seine Pflicht und es ist auch seine Absicht, dieses dem jüdischen Volke gegebene Wort einzulösen. Ich persönlich bin. fest davon überzeugt, daß die englische Regierung sei sie konservativ, liberal oder eine Arbeiterregicrung — die den Juden in der Balfour-Deklaration gegebenen Versprechungen erfüllen wird.“ -- Reading, der bekanntlich vor mehreren Monaten Palästina besucht hat, äußerte sich enthusiastisch über die Erfolge der jüdischen Arbeit. Eine zionistische Volksnniversilät in Riga (Brief aus Lettland.) Riga, 20. Oktober. Am 5. Oktober d. J. fand in Riga (wie schon kurz gemeldet — Red. ״J. R.״) die Einweihung einer jüdischen Volksuniversität statt, die durch die Organisation allgemeiner Zionisten Lettlands begründet wurde. Die Eröffnung gestaltete sich zu einer imposanten Feier, an tler äußernden Vertretern der jüdischen Oeffentlichkeit und den zahlreichen Zionisten auch der lettländische Bildungsminister Kehn in sch teilnahm. Die Begrüßungsansprache des Ministers, in der er zunächst über die allgemeine Bedeutung von Volksuniversitäten sprach, sodann im Zusammenhang mit der Eröffnung einer jüdischen Volksuniversität seiner besonderen Sympathie für die national-jüdischen Bestrebungen kundgab, wurde von den Anwesenden mit starkem Beifall aufgenommen. Nach den Begrüßungsansprachen des Vorsitzenden der. Allgemeinen Zio• nistischen Organisation Lettlands, Ing. Ettingcn, und des Vorsitzenden des Rigaer Waad, R.-A. B. (Jure witsch, hielt die akademische Festrede Dr. Ernst Marc u s (Bcr^ lin) über das Thema: ״Das historische Recht des jüdischen Volkes auf Palästina vom Standpunkte des internationalen Rechts". Aus dem Lehrprogramm der Volksuniversität für das laufende (erste) Semester seien besonders zu erwähnen folgende Vorlesungen und Seminare: ״Geschichte des jüdischen nationalen Gedankens von Jehuda Halewi bis zur Gegenwart“ (Lektor-Rcd. W. L a t z k i - B e r t o 1 d i), ״Geschichte des Zionismus“ (Dr. H. Srago), ״Geschichte des Judentums in Lettland“ (Dr. J. Joffe), ״Einführung in das Rechtsleben Erez-Israels“ (Prof. M. Laserson), ״Einführung in die Wissenschaft des Islam“ (Doz. Dr. J. N 0 - d e 1), ״Der Anteil der Juden in der Weltwirtschaft“ (Dr. B. Siew), ״Geschichte der lettischen Kultur“ (Doz. Radz in sch), Seminar für die hebräische Sprachwissenschaft, verschiedene Sprachkurse usw. Außerdem sind eine Reihe von Gastvorlesungen ausländischer Lektoren vorgesehen, in der ersten Reihe aus Deutschland. Das neugeschaffene Institut findet in der ganzen jüdischen und nichtjüdischen Oeffentlichkeit Lettlands große Beachtung. Bei dieser Gelegenheit soll mit Befriedigung festgestellt werden, daß die Organisation Allgemeiner Zionisten Lettlands, die in den letzten Jahren kaum von sich hören ließ, seit der zweiten Sommerhälfte d. J. eine sehr rege Tätigkeit zu entwickeln begann. Diese Aktivität ist hauptsächlich und vor allem auf die ״Verjüngung“ der Organisation zurückzuführen — die neuen Mitglieder kamen fast alle aus den hiesigen K. J. V.-Verbindungen. We-Em. Kleine Nachrichten Der Verband jüdischer Vereine Frankreichs veranstaltete in Paris eine Kundgebung für die Idee des Jüdischen Weltkongresses, in der Dr. Nahum Goldmann (Berlin) Hauptredner war. Dr. Goldmann führte aus, der Jüdische Weltkongreß, der alle jene, die jüdisch fühlen, vereinigen will, bilde die Idee der Alliance Israelite Universelle fort- Der Generaldirektor des American Joint Distribution Committee, Dr. Bernhard Kahn, traf in Begleitung von Direktor D. Schweitzer am Montag, dem 24. Oktober, in Warschau ein, um an einer Reihe von Tagungen teilzunehmen, die in der letzten Oktober-Woche in Warschau stattfinden. ״United Hebrew Trades“, die Organisation der jüdisehen Gewerkschaften in den Vereinigten Staaten von Amerika, protestieren in einer einmütig gefaßten Resolution gegen die ״Streikbrecher-Taktik‘• der revisionistischen ״Nationalen Gewerkschaft“ in Palästina. Der Revisionismus, heißt es in der Resolution weiter, nimmt in der letzten Zeit den Charakter des Faschismus an. Die jüdische Arbeiterschaft Amerikas erklärt ihre Solidarität mit der Histadruth Haowdim, dem jüdischen Arbeiterverband Palästinas. Die Palästinaregierung hat den Leiter der Abteiiung für landwirtschaftlichen Unterricht an der Versuchs- Station der Jewish Agency, S. Zemach, zum Vertreter Palästinas auf dem demnächst in Rom stattfiudenden vierten Internationalen Landwirtschaftskoiigreß ernannt. Am Freitag, dem 21. Oktober, wurde in Tel-Awiw die palästinensische Sport-Olympiade eröffnet. Etwa 400(1 jüdische Sportler aus allen Teilen Palästinas wohnten der Eröffnung bei. Der High Commissioner für Palästina, Sir Arthur Wauchope, der frühere High Commissioner Sir John Chancellor und Feldmarschall Lord Allenby nahmen au einer Aussprache über palästinensische Ausgrabungen teil, die von der British School of Egvptian Archeology im University College zu London veranstaltet wurde. Professor. Sir Flintlers Petrie berichtete über die von ihm in Gaza, im südlichen Palästina, geleiteten Ausgrabungen. Am 18. Oktober, dem 15. Todestag von Sara Aron•• sohn, die im Krieg wegen Spionage zugunsten Englands von den türkischen Militärbehörden gefoltert wurde, pilgerten 1000 Angehörige des Verbandes der Kolonisten-Söhnc ״Bnei Benjamin“ und des Brith Trumpeldor zum Hause des greisen Vaters der Sara Aronsohn in Sichron Jakob und von dort zum Grabe der Aronsohn auf dem Friedhof der Kolonie, wo Kränze niedergelegt wurden und der Bürgermeister von Sichron Jakob eine Ansprache hielt. Am 13. Oktober wurde der Autobus-Verkehr Jerusalem— Cairo eröffnet. Die Autobusse gehen von Jerusalem an jedem Montag und Donnerstag ab und treffen aus Cairo an jedem Sonntag und Mittwoch ein. Die ganze Route, die über die Wüste Sinai führt (laut Bibel-Bericht brauchten die Juden zur Durchwanderung der Wüste 40 Jahre), nimmt 12 Reisestunden in Anspruch. Wie aus Haifa gemeldet wird, werden dort für die kommende Orangen-Versendungssaison bereits große Vorbereitunen im Hafen gemacht, da man erwartet, daß infolge der ertigstellung des Haifaer Hafens in diesem Jahre mindestens zwei Millionen Kisten von Haifa abgesandt werden gegen 750 000 im Vorjahre.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.