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Jüdische Rundschau · 1932-10-21 · Heft 84 (21.10.1932) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 84 (21.10.1932)
Date
1932-10-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 84, 21. X. 1932 JÜDISCHE R UNDSCH Arü Seite 407 Zionisten! Die Resolution des Frankfurter Delegiertentages zur Lage der Juden in Deutschland hat die Richtung der zionistischen Politik in Deutschland festgelegt. Einmütig hat der Delegiertentag die verantwortlichen Instanzen der Z.V. f. D. beauftragt, den Kampf für die Durchsetzung unserer Forderungen - Wahrung der vollen Gleichberechtigung und Freiheit der Entfaltung unserer Eigenart - mit ganzer Kraft zu führen. Die Situation verpflichtet uns zu höchster Aktivität. Um die politische Arbeit der Z.V.f.D., für die vom Geschäftsführenden Ausschuß Richtlinien beschlossen worden sind, schnellstens zu gröbter Wirkung zu bringen, ist der Poliiisdie Fonds der Z. V. /. D. gegründet worden. Alle Zionisten sind verpflichtet, unverzüglich Beiträge für diesen Fonds zu leisten. Wir wenden uns daher an alle unsere Gesinnungsgenossen mit der Aufforderung, zum Politischen Fonds beizusteuern. Das Ausmab unserer Arbeiten und das Tempo der Aktion werden vom Eingang der erforder» liehen Mittel abhängig sein. Wir rechnen darauf, dab unsere Gesinnungsgenossen in Erkenntnis der Wichtigkeit dieser Sache bereitwillig, schnell und grobzügig Mittel zur Verfügung stellen werden. Nach den ernsten und von Verantwortung getragenen Verhandlungen, die in Frankfurt stattgefunden haben, und nach dem besonderen Beschlub, den der Delegiertentag über die Verstärkung unserer politischen Aktivität gefabt hat, bedarf es keiner ausführlichen Darlegung, welche Bedeutung der wirksamen Darstellung und Vertretung unserer politischen Anschauungen in der jüdischen und nichtjüdischen Öffentlichkeit heute zukommt. Die Aktion für den Politischen Fonds mub in wenigen Wochen durchgeführt und beendet seinl Der Vorsitzende der Z.V. f. D. Kurt Blumenfeld Der Geschäftsführende Ausschub: Alexander Adler, Laxarui Barth, Alfred Berger, Isaak Feuerring. Dr. Georg Landauer, Dr. Georg Lubinskl, Dr. Siegfried Mose*. Dr. Martin Rosenblflth, Dr. Heinrich Strauß. Dr, Oskar Wolfsberg. Der Landesvorstand: Dr. Martin As«her*BerIln, Dr. J. Bamberger-Nömberg, Etlenne B&sdi-Berltn. Herman Bein-Düsseldorf, Dr. M. Btleskl-Berlln, Frau Jenny Blumenfeld-Berltn, Dr. Kolef Daugilajcky-Kanlgsberg, Dr. Walter Deutschmann-Oppeln, Dr. Harry Epstein-Duisburg. Frau Margarete FlSrshetm-Hamburg. Prof. Dr. Fraenkel-Klel, Dr. Sigmar Gtnsburg-K&nigsberg, Dr. Nachum Goldmann-Berlin, Dr. J. Grünfeld-Wflrxburg, Dr. Georg Halpem-Berlln, Rudi Herx-Hattenhof, Dr. Salti Hirsch-Berlin, Rabb. Dr. Hoffmann-Frankfurt 0. M., Max Jacobsohn-Breslau, Dr. Siegfried Kanowltz-Berltn, Dr. Alfred Klee-Berlin, Dr. Max KollensAer-Berlin, Dr. Gustav Krojanker-Berlin, Dr. Hermann Kugel• mann-Kassel, Dr. Alfred Kupferberg-Hamburg, Dr, Alfred Lepdsbejrg-Wiesbaden, ,Dr, Hrbw), IgltqtpJM^ii^lnBaMlpBiwlWr Dr. Fritz LSbensiein-Leipzig, Dr. Fritz LBcrenstein-Berlin, Kurt Löwensteln-Frankfurt«. M., Dr. Erwin Mansbach-Essen, Dr. Josef Marcus• Düsseldorf, Dr. Edgar Marx-Hamburg, Eugen Michaelis-Hamburg, Dr. Rudolf Müller-Hamburg, Frliz Naphtali-Berlin, Dr. Frifz Noack- Gotha, Dr. Meinhold׳' Nußbaum-Nümberg, Georg Pape-Berlin, Aenne Pomeranz-Frankfurt a.M., Dr. J. Rabln-Breslau. Dr. Aron Sandler- Berlin, Dr. Max Soloweltschik-Berlin, Dr, Hugo Schachtei-Breslau, Salmann SAodcen-Berlin, Dr. Elias Straus-München, Max Tischler*, Berlin, Dr. M, Traub-Berlin, Selig Tsdwrtok-Berlin, Dr. Margarete Tumowsky-Beriin, Josef Wahl-Berlin, Dr. Richard Wollheim-Erfur^ Dr. Georg Wollsiein-Berlin. Postscheckkonto: Berlin Nr. 8091 / Bankkonto: Dresdner Bank, Kurfürstendamm 32 ... 111.. Die Intervention des Keren Hajessod. Tatsächlich hat eine zu ehrgeizige, zu wenig den Realitäten Rechrtung tragende Bodenpolitik der jüdischen Bodengcsellschaftcn vor einigen Jahren zu einer schweren Krisis und zur Gefährdung eines erhtblichen Teils des jüdischen Bodenbesitzes geführt. Flächen, in die schon große jüdische Kapitalien investiert waren, als Anzahlung und Abzahlungen auf den Kaufpreis des Bodens, als Ameliorations- und Okkupationskosten, Land, auf dem schon jüdische Siedlungen entstanden waren, wie Herzlia, Afule und Balfouria, gerieten in Gefahr verloren zu gehen. Boden, den jüdische Bodengesellschaften in Voraussicht kommender Ent- Wicklung erworben hatten, der schon in Besetzung und Bearbeitung genommen war, dieser Boden, an den sich schon die Hoffnungen einer in großen Projekten schwelgenden Phantasie klammerten, stand in der Gefahr des Rückfalls an die Vorbesitzen Einer Anzahl miteinander im Zusammenhang stehender Bodengesellschaften drohte der Bankerott mit all seinen Folgen für die jüdische Gesamtheit und für einzelne. Da griff notgedrungen der Keren Hajessod ein, indem er nicht nur die fälligen Zahlungen leistete, sondern auch Verpflichtungen für die Zukunft auf sich nahm, um diese großen Verluste an nationalem Kapital, privaten zionistischen Mitteln und vor allem an großen Eutwicklungsmöglichkeiten zu verhindern. Es ist wahr: Durch diese Intervention sind die Verpflichtungen des Keren Hajessod besonders groß und drückend geworden. Es ist wahr, daß durch die Uebernahme solcher Verpflichtungen die Bewegungsfreiheit des Keren Hajessod und die Beschlußfreiheit des Kongresses besonders eingeengt und beschränkt worden ist. Aber kann man sagen, daß die Aufgabe, die er auf sich genommen hat, deswegen kleiner ist und sich deswegen nicht lohnt, weil sie der Kongreß nicht jahrein jahraus durch seine Beschlüsse zu ratifizieren 11 at? Hier liegt ein deutliches Beispiel dafür vor, daß es nicht das Budgetrecht des Kongresses, jährlich ausgeübt, ist, welches den Maßstab für die Leistung des Keren Hajessod abgeben kann. Es handelt sich in Wirklichkeit darum, ob die durch Keren Hajessod-Mittel erfüllten Aufgaben und geleisteten Dienste in nationaler, Ökosnomjscher und finanzieller Beziehung einen zu dem Aufwand in einem angemessenem Verhältnis stehenden Wert geschaffen haben oder noch schaffen. Investitionen auf Auszahlung. Dasselbe gilt für andere Investitionen, die der Keren Hajessod durchgeführt hat. Er hat 103 000 £ in Ruthenbergs Palestine Electric Corporation, er hat 500(» £ in die Allgemeine Hypothekenbank, er hat 13000 £ in die Potasch Gesellschaft investiert, indem er nicht auf einmal, sondern in jährlichen Zahlungen, das von ihm gezeichnete Aktienkapital erlegt hat. Diese Zeichnung, die den Keren Hajessod und seine Einnahmen für die Zukunft verpflichtete und durch diese Verpflichtung auf Auszahlung künftiger Raten sofort Werte schuf, hat damit erst die Voraussetzung für die Ent• stehung dieser so wichtigen Institutionen geschaffen. Für die Hypothekenbank hat der Keren Hajessod das gesamte Aktienkapital geliefert und damit die Ausgabe von Pfandbriefen (gegenwärtig im Betrage von 154890 £) möglich gemacht. Im Falle der Palestine Electric Corporation una der Gesellschaft zur Ausbeutung der Mineralschätze des Toten Meeres hat er 'durch Zeichnung der genannten Kapitalbeträge diese Schlüssel* Unternehmungen tatsächlich ins Leben gerufen, indem er sie zu einer Zeit, wo es unmöglich war, von anderer Seite auch nur 5000 £ aufzubringen, in den Sattel setzte, die Arbeit ihrer Studiensyndikate ermöglichte und die Finanzierung besorgte, solange die Konzessionen Kampfobjekte waren und noch irreal in der Luft zu schweben schienen. Man hat dafür dem Keren Hajessod nicht immer Anerkennung und Dank ausgesprochen. Es ist oft bequemer, dem Keren Hajessod die Mohrenrolle zuzuschieben, wenn man die Gesellschaften eintrtal auf der Basis prtvatwirtsehaftlfcher Erfolge basiert zu hab&r glaubt und vergessen lassen will, was das nationale Kapital in der schwierigen Anfangsperiode geleistet 41at. Ist es erst einmal einigermaßen gelungen, Privatkapital, das gute Verzinsung erwartet und verlangt, anzuziehen und festzuhalten, so grüßt man den Keren Hajessod nicht gern ״unter den Linden“, Mangelnde Einschätzung durch die Oeffentlichkeit. Aber auch die jüdische Oeffentlichkeit, selbst die zionistischen Kongresse waren immer geneigt, solche wirtschaftliche Leistung, die durch den Keren Hajessod gelang, zu vernachlässigen und zu vergessen. Sie hat an Quantität und Qualität viel weniger Aufmerksamkeit und Diskussion im Kongreß-Plenum in An- Spruch genommen und genossen, als hundertmal kleinere Posten von vorübergehender Bedeutung, um die aufregende Parteizwiste entbrannten und die zu schwerwiegenden Kongreßent- Scheidungen wurden. Worin liegt die Ursache so ungleicher Wertung? Vielleicht liegt eine Erklärung darin, daß im Fall der großen Kapitalzeichnungen, die ganz beträchtliche Teile der Keren Hajcssod-Einnahmen auf fünf Jahre hinaus festlegten, der Kongreß tatsächlich mir ein einziges Mal, das erste Mai, als es galt, das Kapital zu zeichnen, sein freies Bewilligungsrecht ausüben konnte und ausgeübt hat. War die Zeichnung erst erfolgt, hatten die Direktoren des Keren Hajessod auf Grund des sie verpflichtenden und bevollmächtigenden Kongreßbe- Schusses ihre ein für allemal gütige Unterschrift gegeben, so galt in den nachfolgenden Jahren, wenn die jährlichen Raten- Zahlungen fällig wurden, das Budgetrecht des Kongresses als um diesen Betrag verkürzt. Wenn das vielleicht dem Psychologen verständlich ist, so ist es nicht verständlich, daß'vom Gesichtspunkt geschichtlicher und wertender Betrachtung das Verdienst des leeren Hajessod um das Zustandekommen dieser Institutionen nicht genügend anerkannt wird, und daß gerade an solchen Stellen, die sich gern auf ihr Interesse für rein wirtschaftliche Unternehmungen, die wichtige Schlüsselpositianen schaffen, berufen, die Tendenz zu bestehen scheint, die Bedeutung des Keren Hajessod auf diesem Gebiet zu schmälern. Im Schulwesen. Etwas ähnliches gilt auf dem Gebiete des Schulwesens. Ausgaben, die gemacht worden sind, um die Grundlagen eines Schulwesens zu schaffen, Lehrer heranzubilden und all die tausend Schwierigkeiten des Uebergangs zu überwinden, bis ein starker Jischuw die Verantwortung für das nationale Schulwesen auf sich nehmen kann, machen sich — das sollte man nicht erst beweisen müssen — nicht sogleich bezahlt. Ihre Resultate sind überhaupt nicht In Dollars und Cents auszurechnen. Der Keren Hajessod hat vom 1. April 1921 bis 30. Juni 1932 911 177 £ in Erziehung und Schulwesen ״investiert“, um gerade für diese ״unproduktive“ Ausgabe ein so populäres Wort zu gebrauchen. Hat sich diese Ausgabe gelohnt? Laßt sie sich überhaupt vom finanziellen Gesichtspunkt allein ordentlich abschätzen? Ist nicht die Tatsache, daß im Lauf der Entwicklung die sehr widerstrebende Palästina-Regierung dazu gebracht worden ist, wenigstens 20 000 £ jährlich zum hebräischen Schulwerk beizutragen, daß der Jischuw Palästinas selbst gegenwärtig schon über 30 000 £, die PICA, und die Kolonien 6000 £ beitragen, daß die Hebräische Universitat samt Bibliothek jetzt schon ein selbständiges Budget von ungefähr 50 000 £ jährlich aufbringen, nachdem der Keren Hajessod für Universität und Bibliothek über 50 000 £ beigetragen hat — sind all diese seither geschaffenen Tatsachen nicht Anzeichen dafür, daß die Summen, die der Keren Hajessod ausgegeben hat, nicht fruchtlos ausgegeben worden sind? Allerdings hat die Tatsache, daß ein solches Schulwesen zu erhalten war, dazu geführt, daß ein zunächst immer wachsender Teil des Budgets zwangsläufig für diesen Zweck und damit überhaupt festgelegt war. Der Kongreß wußte tatsächlich nicht mehr, wie groß die Bedeutung der Tatsache ist, daß doch immer noch von Jahr zu Jahr ein großer Teil des Budgets seiner freien Beschlußfassung unterlag. Er klagte vielmehr, wie die ganze Zionistische Organisation und die ganze jüdische Welt, und führte Beschwerde darüber, daß nicht mehr zur Verfügung stand, daß also bestimmte Aufgaben, die im undehn• baren Rahmen des Budgets nicht gesichert werden konnten, eben ungesichert blieben, daß zum Beispiel weiterhin Kürzungen und Streichungen im Schulbudget des Keren Hajessod notwendig waren, soweit und weil die Ausgaben eben nicht durch Einnahmen von anderer Seite balanciert werden konnten. So lernte man, sich über den Keren Hajessod zu beschweren und ihn verantwortlich zu machen, wenn nicht alles in Ordnung war im Unterrichtswesen des jüdischen Palästina. Heute steht die Uebertragung des Schulwesens an den Jischuw zur Disktission und zur Durchführung. Wird sie einmal durchgeführt sein und wird dann der Keren Hajessod von Jahr zu Jahr seinen Beitrag von £ 40 000 und allmählich weniger leisten, so wird man doch nicht umhin können, den Beitrag des Keren Hajessod auch auf diesem Gebiete als durchaus bedeutend einzuschätzen. Sollte allerdings dieser Betrag ein für allemal feststehen, so wird vielleicht nach der allgemein gemachten Erfahrung das Interesse und damit die Wertschätzung der erfolgten Bewilligung erlöschen. Wird aber die Bewilligung von Jahr zu Jahr nett erfolgen müssen, so wird das Interesse gar nicht klein sein, und die Körperschaft, die zu entscheiden, und die Exekutive, die vorzuschlagen und auszuführen haben wird, werden ihren Einfluß bewahren und nicht zu fürchten haben, daß die Grundsätze der Einheitlichkeit des Schulwesens leicht preisgegeben werden, wenn sie ihre Bewilligung an Bedingungen knüpfen und so die Arbeit selbst entscheidend zu beeinflussen berufen sein werden. Schulden und Planwirtschaft. Wenn aber gegenwärtig die Oeffentlichkeit vergessen will, daß der Keren Hajessod überhaupt an all den oben angeführten Aufgaben mitgewirkt hat und dauernd mitwirkt, weil sich herausstellt, daß er gegenwärtig gewissen laufenden Verpflichtungen nicht leicht genügt, weil er angesichts der allgemeinen wirtschaftlichen Weltlage schwer zu kämpfen hat, um seine Einnahmen auf der Höhe zu halten, und weil er von seinen Einnahmen die Schulden zu zahlen, die Verpflichtungen zu erfüllen hat, die sich aus der Politik der Finanz- Wirtschaft und dem ökonomischen Aufbau vergangener Jahre ergeben haben, so muß man doch feststellen: Weder die Verpflichtungen, die sich aus Landkäufen oder Hilfeleistungen für andere wichtige Institutionen ergeben haben, weder die Deckung von Zahlungsverpflichtungen, die auf Grund schon geleisteter Dienste zu erfüllen sind, noch die Zahlungen, die zur Aufrechterhattung des Werkes bis zum heutigen Tag gedient haben und ohne die das heutige Werk nicht bestände, sind ohne Zusammenhang mit dem Werk und der Aufgabe der Gegenwart. Sie sind die notwendigen Begleiterscheinungen des Versuches, ״planwirtschaftlich“ auf Jahre hinaus zu arbeiten und zu bauen. Allerdings ist es klar, daß eine ordentliche Planwirtschaft erst noch der Verwirklichung harrt, daß sie bisher nur im Reich der Wünsche, Forderungen und Beschlüsse besteht, dies beruht auf Ursachen, deren Erörterung hier nicht möglich ist. Wahrscheinlich wird es auch in Zukunft nicht nur notwen* dig, sondern auch nützlich und erforderlich sein, Schulden zu machen, das heißt künftige Einnahmen zu belasten und damit die Freiheit der künftig über die Ausgaben entscheidenden Instanzen zu beschränken, wenn man über die Gegenwart hinaus sorgen und bauen will. Es sollte nur vermieden werden, daß diese Belastung der Zukunft in einer unproportionellen Weise geschieht. Es sollte für freie Entscheidung der das Budget beschließenden Körperschaft immer ein ausreichender Spielraum gelassen werden. Es ist aber die Frage, — eine Frage, die nicht von partei-politischen Gesichtspunkten aus betrachtet und erörtert werden sollte, — ob das nicht besser geschieht, indem die parlamentarisch arbeitenden Körperschaften sich wieder in einem gewissen Maß von den Rechten und der drückenden Pflicht der Budgetberatung und Budgetbeschlicßung freimachen und diese Rechte und Pflichten innerhalb gewisser Grenzen den Körperschaften abtreten, die vom zionistischen Kongreß und vom Council der Agency gewählt werden und, einmal eingesetzt, mehr nach sachlichen Gesichtspunkten als unter dem Druck vorübergehender pariamentarisener und innenpolitischer Konstellationen entscheiden können. Davon dürfte auch der Keren Hajessod seinen Nutzen haben und damit die Finanzierung realer Palästina-Arbeit. Seine Propagandakraft und Sammelkapazität wird gestärkt werden, er wird nicht mehr, wie manchmal in den letzten Jahren, das Stiefkind der Bewegung sein, sondern das Instrument, dessen Bedeutung für das gesamte Palästinawerk dauernd deutlich vor aller Augen steht. Prof. Albert Einstein, der nach Princeton (Amerika) geht, hat zugunsten des Verbandes Jüdischer Studentenvereine in Deutschland am 16. d. M. einen Vortrag gehalten, der ein wissenschaftliches und zugleich gesellschaftliches Ereignis ersten Ranges war. Der große Beethovensaal war bis auf aen letzten Platz gefüllt. Hunderte Einlaßsuchender mußten umkehren. Prof. Einstein wird fortan seine wissenschaftliche Tätigkeit zwisehen Berlin und Princeton teilen. Das preußische Ministerium für Kultus und Unterricht hat, nachdem Einstein auf seine Bezüge verzichtet hatte, den Gelehrten verständigt, daß der ersparte Betrag unter der Bezeichnung ״Spende Professor Einsteins“ gemäß Einsteins Wünschen zu wissenschaftlichen Zwecken verwendet werden soll. In schmeichelhaften Worten erklärte das Ministerium, daß es großes Gewicht darauf lege, Einstein unter den Mitgliedern der Akademie der Wissenschaften und des Lehrerverzeichnisses der Berliner Universität zu wissen. Der Revisionist Schlomo Neumann, der wegen Schofar- Blasens am Jom Kippur an der Klagemauer zu 21 Tagen Gefiingnis verurteilt wurde, ist in den Hungerstreik getreten, weil man ihn unter den kriminellen Gefangenen unterbrachte. Er gab den Hungerstreik auf, als man ihn in die Abteilung für politische Gefangene iiberführte.

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