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Jüdische Rundschau · 1932-10-14 · Heft 81-82 (14.10.1932) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 81-82 (14.10.1932)
Date
1932-10-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 81/82. 14. X. 1932 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 397 Für Sabbatheiligung bei öffentlichen Arbeiten Polizei - Knüppel gegen orthodoxe Demonstranten Jerusalem, 10. Oktober. (J.T.A.) Führer der relilösen Judenheit Palästinas hielten unter dem Vorsitz; von abbi Kook, Rabbi M tir Berlin und anderen Persönlichkeiten eine Sonderberatung ab, die der Frage der Ermöglichung der Sabbat lialtung' für die in öffentlichen Diensten stehenden Juden gewidmet war. Es wurde eine Resolution angenommen, in der gegen die Palästina-Regierung die Klage erhoben wird, daiS sie entgegen ihrer Verpflichtung, den bei öffentlichen Arbeiten beschäftigten Juden nicht die Möglichkeit gibt, den Sabbat zu heobachten. Die Regierung wird in der Resolution darauf aufmerksam gemacht, daß sie gemäß dem Palästina-Mandat verpflichtet ist, den jüdischen Arbeitern und Angestellten an Sabbattagen wie an hohen jüdischen Feiertagen Arbeitsdispens zu erteilen. In einer zweiten Resolution werden die J e w i s h Agency, der Keren Kajemeth und der Keren Hajessod in ultimativer Form aufgefordert, ״binnen sechs Monaten die in der Frage der Beobachtung der jüdischen Religion entstandenen großen Lücken zu verdichten“. Sollten, heißt es in der Resolution weiter, diese Organisationen nicht in den von ihnen finanziell unterstützten Kolonien und Kwuzoth Schritte nach der Richtung der Heiligung des Sabbat ergreifen, dann werde die orthodoxe palästinensische Judenheit sich gezwungen sehen, mit Billigung aller führenden Rabbiner einen Appell an die Judenheit in der ganzen Welt z.u richten, für diese Organisationen keine Gelder mehr her zu geben und nur solche jüdischen Organisationen Palästinas zu unterstützen, die das Land auf religiöser Basis aufbauen. Die Konferenz beschloß die Bildung einer Körperschaft zur Förderung der Sabbatbeobachtung durch jüdische Kaufhäuser, Fabriken, Taxichauffeure, Bäckereien; Fleischer u. a. m. Die Konferenz protestierte in einer weiteren Ent- Schließung gegen die Teilnahme der Jewish Agency an dem Abschluß des Arbeitsvertrags zwischen der Regierung und indischen Arbeitern betreffend den Bau des Wasserwerks in tomema, weil dieser Vertrag die jüdischen Arbeiter zu Sabbatarbeit verpflichtet. Die Konferenz protestierte auch gegen jene Organe der Sowjetunion, die die Juden zwingen, an jüdischen Feiertagen zu arbeiten. Am Sonnabend, dem 8. Oktober (Schabbath teschuwah), demonstrierten 400 religiöse Juden aus Jerusalem ln der Vor- Stadt Romema öffentlich dagegen, daß 60 jüdische Arbeiter gemäß Vertrag mit der Regierung gezwungen sind, am Sabbat Arbeit zu tun. Die Polizei trieb die Menge auseinander und machte hierbei von den Knüppeln Gebrauch. Rabbi Abraham Blau, Führer der Agudas Jisroef in Palästina, wurde wegen angeblichen Widerstands gegen die Polizeigewalt verhaftet, aber bald gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt. Eine Abordnung des Waad Leumi besuchte den Distriktskommissar von Jerusalem und bat ihn, den jüdischen Arbeitern an Sabbattagen Arbeitsdispens zu erteilen. Der Distriktskommissar erklärte, dies sei aus rein technischen Gründen sehr schwierig; man könne wohl jüdische Arbeiter, die am Sabbat nicht arbeiten wollen, von ihrem Vertrag entbinden, müßte sie aber dann durch ägyptische Arbeiter ersetzen. * Wobei es sich bei diesem Konflikt handelt, geht auch Mts dem nachstehenden Bericht unseres palästinensischen Korrespondenten hervor, der —- Whne selbst• Stellung zu nehmen — über die in der palästinensischen Judenheit in dieser Frage vorhandenen Anschauungen referiert. Es wäre noch hinzuzufügen, daß die Eroberung der Arbeit in R 0 - m e m a für jüdische Arbeiter, die an Stelle arabischer Arbeiter eingestellt wurden, als großer jüdischer Erfolg empfunden wurde (vgl. ״Jüd. Rundschau“ Nr .70). Unser palästinensischer Korrespondent schreibt (noch vor der inzwischen telegraphisch gemeldeten Demonstration in Romema): Zwei Lebensstile Von unserem palästinensischen Korrespondenten. gl. Tel-Awiw, 3. Oktober 1932. Eine Konferenz, die in letzter Zeit in Jerusalem stattgefunden hat, wirft ein Streiflicht auf eine bedeutsame Entwicklung, die sich im jüdischen Palästina seit langem anbahnt und ihren Fortschritt immer deutlicher manifestiert. Man kann am Vorabend eines Schabbath oder eines Festtages in den Straßen der Städte in Palästina Aufzüge beobachten, die einen Außenseiter sonderbar anmuten. Sobald die Dämmerung hereinbricht, die Arbeit der Woche also der Ruhe des Schabbath zu weichen hat, ziehen die ״Schonire Schabbath“ (Wächter des Schabbath), orthodoxe Männer in Feiertagskleidern, auf die Straße. Einer von ihnen bläst in eine Trompete, um den Beginn des Festes anzuzeigen und wo dem Aufruf nicht schnell genug Folge geleistet wird, kommt es zu Auseinandersetzungen, gelegentlich sogar zu Schlägereien. Gerade in letzter Zleit hat es wegen jüdischer Autofahrten am Schabbath einige Zusammenstöße gegeben, die keinen unbedenklichen Charakter hatten. Die Kämpfe um das Fußballspielen am Schabbath, das von den Orthodoxen mit Fanatismus bekämpft wurde, so daß es zu Störungen auf dem Spielfelde, zu politischen Konflikten, zu einem Eingreifen des Waad Leumi kam, sind noch tinveressen. Und augenblicklich laufen die orthodoxen Kreise turm gegen die Politik der Arbeiter bei dem Bau eines Wasserreservoirs in Jerusalem. Bei diesem Bau waren zuerst kaum Juden beschäftigt worden. Die jüdische Arbeiterschaft, die seit langem mit Unterstützung der Agency t!m einen fairen Anteil an den Regierungsarbeiten kämpft, hatte sich durch ein scharfes Vorgehen den Zugang zum Baugelände erzwungen. Und als dann die Ingenieure erklärten, bei diesem besonderen Bau sei es unmöglich, einen Ruhetag einzuschalten, weil sonst die Betonlagen nicht die gleichmäßige Stärke erhielten, die bei dem Wasserdruck erforderlich sei, stimmten die Juden, die diese neu eroberte Position nicht zu efährden wünschten, dieser Arbeitsregelung zu, was natürlich ei den orthodoxen Kreisen Jerusalems heftige Erbitterung hervorrief. Wir geben diese Beispiele, die leicht vermehrt werden können, wieder, um einen Begriff von der Atmosphäre zu geben, die sich um die Fragen der Einhaltung jüdischer Tradition gebildet hat. Man muß einen Begriff davon haben, um die Konferenz überden Schutz des Schabbath, die kürzlich in Jerusalem tagte, einigermaßen verstehen zu können. Diese Konferenz war beschickt von Orthodoxen verschiedener Richtungen unter Anteilnahme vieler Rabbiner. Der Misrachi hatte dort einen beträchtlichen Einfluß, aber auch Elemente, die ״rechts“ von dieser Partei stehen, waren vertreten. Der Ton der Diskussionen, die Anklagen gegen die sich immer mehrenden Gesetzesübertretungen, waren von ungewohnlicher Schärfe, der Jammer über die Zerbröckelung der alten Tradition groß. Diese Diskussionen und Referate sind interessant als Zeichen dafür, wie sich das Leben des übrigen Jischuv in den Köpfen dieser orthodoxen Opposition snieoeit. die hier die Gesetze, die sie für die Ewigkeit gegründet und gesichert ansah, von weiten Kreisen mit Leichtigkeit beiseitegeschoben sicht. Die Vorschläge, die auf dieser Zusammenkunft gemacht wurden, waren nur von symptomatischer Bcdcutung. Sie zeigen, in ihren Forderungen, eigene Fonds für Erziehung und sogar für Siedlung zu schaffen (sie wurden dann 'von der Mehrheit abgelehnt) den Versuch, sieh von dem ״modernen“ Jischuv völlig abnigrenzen, vermutlich weil man es für aussichtslos hält, ihn nach den! eigenen ideal zu modeln. Eine Abgrenzung freilich, die so utopisch ist wie die Schaffung neuer Fonds, weil auch die orthodoxen Kreise und vor allem der alte Jischuv Jahr um Jahr mehr Boden in der eigenen Jugend verlieren. Im Jischuv werden die im Laufe der Jahre immer wiederkehrenden Konflikte mit der Orthodoxie relativ wenig beachtet. Hier und da wird versucht, irgendwie einen Rahmen für das Leben zu finden, der mit dem hergebrachten Gesetz nicht in Widerspruch steht. Formulierung von Ruhegesetzen für den Schabbath, Ermahnungen öffentlicher Stellen, sich im Rahmen des Gestatteten zu halten und ähnliches mehr suchen der Entwicklung, die sich von den überlieferten Besthränklingen befreit, eine Grenze zu setzen. De facto handelt es sich aber bei diesen Plänkeleien um viel mehr als den Zusammenstoß verschiedener Parteien. Es ist vielmehr der Kampf zweier Lebens anschau ungen, der Zusammenstoß völlig verschiedener Lebensstile, der in den oft etwas lächerlich wirkenden Konflikten sich manifestiert. Für den Juden der Orthodoxie sind die Auffassungen, aus denen die Uebertretungen der ״Neuen“ quellen, völlig fremd und unfaßbar. Sie sind jedoch eine natürliche Folge der Verwestlichung, der Orientierung an Arbeits- und Lebensauffassungen, die im europäischen Kulturkreis wurzeln und die Formbegriffe des neuen Jischuv von Grund auf im Gegensatz zu den herkömmlichen Begriffen des traditionellen Juden wandeln, für die Jugend, die heute hier aufwächst, ist die Synagoge, das Lehrhaus, durchaus nichts anziehendes, nicht einmal mehr etwas Selbstverständliches. Selbstverständlich und attraktiv ist neben der Arbeit der Fußballplatz, der Strand, das Versammlungslokal, das Kino. Es ist aussichtslos, diese Jugend zwangsläufig in die hergebrachten Formen pressen zu wollen, die ihr etwas unbequemes, zum Teil fremdes, jedenfalls durchaus nichts innerlich Notwendiges bedeuten. Die Ausnahmen im neuen Jischuv (wie der Misrachi und der misrachistischc Arbeiter) sind auch nicht fähig, an dem allgemeinen Bilde etwas zu ändern, wenn sie auch vielleicht hier und da das Tempo der Entwicklung verlangsamen. Die jüdischen Instinkte und Bedürfnisse prägen sich in ganz anderer Gestalt aus als in religiösen Formen. Jüdische Arbeit, Fortschritt der Siedlungsarbeit, der ganze Komplex, den man etwas vage unter dem Begriff des ״jüdischen Palästina“ zusammenfaßt, das sind lebendige, schlagkräftige Ideologien, sehr viel greifbarer, für die Mehrzahl des Jischuv verständlicher als die hergebrachten religiösen Formen, zu denen vielfach die zwinende innere Beziehung fehlt, die ihnen Attraktion und Lebenigkeit verleiht. In dem Konflikt um die jüdische Arbeit am Schabbath bei dem Bau des Reservoirs in Jerusalem sieht man den Zusammenstoß der beiden Ideologien sehr deutlich. Das Ideal der ״jüdischen Arbeit“ ist für bedeutende Kreise des Jischuv lebenswichtig und setzt sich durch, auch gegen die ״Heiligung des Schabbath“. Dieser wird aus einem ״heiligen Tag“ zu einem ״Ruhetag“, wo man seinen Neigungen nachgehen, sich erholen, ins Freie will, so daß alle die Beschränkungen des jüdischen Gesetzes, soweit sie nicht sozialen Inhalt haben, also die Arbeit als solche verbieten, durchaus störend wirken. Es ändert sich auch notwendig die Beziehung zu den Festen, bei denen diejenigen;hervortreten, die nationale Reminiszenzen wecken, während |je religiösen 'Inhalte überdeckt und 'verwischt \vfcrdett. 5 ‘ Der Großteil des Jischuv empfindet diese Entwicklung als natürlich. Man hält sie für ein Glied in der Rückkehr zn einem ״normalen“ Leben, zu einem gesunden nationalen Dasein, für eine Befreiung von ghettohaften Gewohnheiten. Wenn es auch unter den nicht-orthodoxen Elementen einzelne _ gibt, die zweifeln, ob diese Entwicklung zn einem richtigen Ziele führe, so ist es ihnen bisher nicht gelungen, einen anderen Weg aulzuzeigen, der mehr wäre als ein starres Zurück, das eben tiir die meisten eine Unmöglichkeit ist. Diese wenigen Zweifler stellen freilich sehr gewichtige und weitgreifende Fragen: ob eine tiefgründige Renaissance, eine Neubefruchtung der ji'idisehen Schaffenskraft bei einer durchgehenden Säkularisierung des Lebens in Pa 1 ii s t i n a möglich sei?, ob die hebräische Sprache und die jüdische Siedlung genügten, um hier eine Erhaltung des Judentums zu sichern und Boden für zukünftige Leistungen des Volksgeistes vor zu bereiten?, ob diese weiter und weitergehende ״Normalisier u n g“, die auf allen Lebens gebieten Platz greift und unsere Städte und Kolonien europäisch-amerikanisehen Vorbildern annähert, zu begrüßen sei und die ureigenen jüdischen Formen und Begriffe nicht zu überwuchern drohe? Eine Antwort auf diese Fragen zu geben, ist nicht Aufgäbe, dieses Berichtes. Sie berühren das gesamte Gebiet unserer nationalen Ideologie, die Art, Form und Zielsetzung unserer Erziehung, die Gestaltung des öffentlichen und zu einem guten Teil auch des Privatlebens. Sie können zudem nur allzu leicht dazu verführen, Dinge erzwingen, ״machen“ zu wollen, die nur wachsen und werden können, wenn man auch den Boden für dieses Wachstum vorbereiten muß. Jedenfalls zeigt auch diese Fragestellung, daß es hier um die Formung eines neuen Lebensstiles geht. Zu einem bedeutenden Teile wird dieser Lebensstil hier im Lande nach westlichen Vorbildern kopiert. Ob später ein eigener aus diesen Versuchen wachsen wird, mag die Zukunft lehren. Jedenfalls ist die Frage der zwangsmäßigen Durchsetzung religiöser Vor- Schriften nur eine äußerliche. Das wahre Problem liegt tiefer. Wir befinden uns auch in Palästina im Stadium der geistigen Gärung, und alles wird davon abhängen, ob eine neue geistige Grundlage des Lebens entsteht, die das Alte fruchtbar in sich aufnimmt. Innerchristliche Konflikte. Der lateinische Patriarch von Palästina, Mgr. Barlassina, hat soeben in italienischer, französischer und englischer Sprache einen Hirtenbrief veröffentlicht, der sich mit großer Schärfe gegen die Young Men Christian Association (Vereinigung christlicher junger Männer) richtet. Bekanntlich soll zu Ostern das Monumentaigebäude der Y. M. C. A. in Jerusalem eröffnet werden. Barlassina erklärt, die Y. M. C. A. sei ״Gift in Form einer goldenen Pille“ und ״eine ganz verwerfliche Institution“ und verbietet aut das strengste jedem Katholiken, der Vereinigung anzugehören, oder sie materiell zu unterstützen oder auch nur das Haiis der Y. M. C. A. zu besuchen, andernfalls ihm die Absolution verweigert würde. Der palästinensische Zolltarif nach dein Stande vom 1. August 1932 auf Grund der Veröffentlichungen des Departments of Customs, Excise and Trade der Palästina-Regierung, ist in deutscher Uebersetzung zum Preise von 0,75 M. und 0,05 Porto (gegen vorherige Einsendung) erhältlich bei der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Berlin W 15, Meinekestraße 10. Postscheckkonto: Berlin 8091. Vor der Tagung der Mandatskommission Jerusalem, 10. Oktober (J. T. A.). Der High Commissioner Sir Arthur Wauchope trat am 8. Oktober die Reise nach Genf an, wo er dem Teil der Sitzung der Mandatskommission des Völkerbundes, bei dem die Fragen Palästinas behandelt werden, als Vertreter der Mandatarmacht beiwohnen wird. Unmittelbar vor seiner Abreise nach Genf empfing der High Commissioner den Leiter der Palästina-Exekutive der Jewish. Agency Dr. Chaim A r 1 o s o r o f f. Wie verlautet, wird der High Commissioner der Mandatskommission die Mitteilung machen, 'daß die Palästina-Regierung sich entschlossen hat, nun auch das jüdische Gesundheitswesen in Palästina, das bis heute noch keine Regierung*-' subsidie erhalten hat, finanziell zu unterstützen und ferner mit Beginn des Jahres 1933 die Staatssubvention für das jüdische Unterrichtswesen, das bisher jährlich rund 20 000 Pfund betrug, zu e r h ö h e n. Auch die Jewish Agency hat, wie alljährlich, der Mandatskommission des Völkerbundes einen Bericht über die Fortschritte des Aufbaus des Jüdischen Nationalheims in Palästina zugehen lassen. Dem Bericht ist ein Mantelschreibcn des Präsidenten der Jewish Agency, N,1 hum Sokolow, beigegehen, in dem ein IJeberhlick über die politische Entwicklung im Verlauf des Berichtsjahres erstattet wird. In diesem Schreiben wird besonderer Nachdruck gelegt auf den Wunsch, die Landentwicklungspolitik im Geiste des Mandats und in der Riehhing der Förderung des Jüdischen Nationalheims zu gestalten und — im Geiste des Briefes des Premierministers Mac Donald an Dr. Wcizmann — die Juden bei Vergebung öffentlicher Arbeiten entsprechend zu berücksichtigen, schließlich die Bodengesetzgebung, die Verwaltungspraxis bei Bodenstreitigkeiten, die Fragen der Einwanderung, der Sicherheit und der Staatliehen Zuschüsse für jüdische Institutionen im Sinne des Mandates und gemäß den Bedürfnissen des Nationalheims zu handhaben. ,. ,. Die arabische Tageszeitung ״Fa last in“ veröffentlich♦ einen Aufruf an alle arabischen Organisationen, sich zu einer Einheitsfront zusammen zuschließen und die Mandatskommission des Völkerbundes zu ersuchen, bei ihrer jetzt in Genf stattfindenden Tagung den Bericht von Sir John Hope Simpson und das Weißbuch des früheren britischen Kolonienministers Lord Passfield erneut in den Kreis ihrer Betrachtungen zu ziehen, ln dem Aufruf wird dann weiter gesagt: Wir dürfen uns nicht auf den High Commissioner verlassen, der zweifellos der Mandatskommission die Gesamtlage in rosigen Farben schildern wird, um den Juden die Möglichkeit zu verschaffen, in größeren Massen einzuwandem. Pionier ־ Gedenkfeier In London Der Anglo Palestinian Club veranstaltete am 5. Oktober eine Gedenkfeier für den verstorbenen früheren High Commissioner für Palästina, Feldmarschall Plumer. Unter den Rednern des Abends befanden sich Feidmarschall Lord Allenby, der frühere Unterstaatssekretär für die Kolonien Sir Robert Hamilton und Nahum Soko 1 ow, der den Vorsitz führte. Alle Redner wiesen auf die großen Verdienste hin, die sich Plumer um die Entwicklung Palästinas erworben hat. Sokolow erklärte, daß auch das jüdische Volk dem Dahingeschiedenen nachtrauere. Zion habe in ihm einen Freund und einen Mitarbeiter an seiner Zukunft verloren. Plumer bewies der Welt, daß es möglich ist, treu zu der Idee des Mandats und des Jüdische« ־NatiofKrifceJifiSf wustch'fiB־ - gleichzeitig sich <Ü$ tiwc,ö^n* achtung der nichtjüdischen Welt zu erwerben. Den faefst«! Eindruck, so führte Sokolow aus, machten seine echte Einfachheit, sein gerader Charakter und seine hohe persönliche Kultur. Plumer war auch ein wahrer Christ, für den Religion eine lebendige Realität war. Wir hoffen, daß die Tradition von Lord Plumer der Leitstern der Vertreter Großbritanniens im Orient sein wird. Sie mögen seinem Beispiel folgen, indem sie durch ihre Autorität und Verantwortung das Werk des Friedens und der Zivilisation, das unter den Auspizien des Mandats für die Befreiung Israels und für das Wohlergehen der ganzen Bevolkerung des Landes getan wird, in seinem Sinne fortführen. Kleine Nachrichten Wie mitgefeilt wird, bereitet die Palästina-Regierung ein Gesetz vor, wonach das gesamte Wasser in Palast5ווa der öffentlichen Bewirtschaftung unterstellt wird. Es wird künftig verboten sein, ohne Bewilligung der Regierung einen Brunnen zu graben oder einen bestehenden zu erweitern, sowie aus Quellen oder Flüssen Wasser zu entnehmen. (Bekanntlich hat schon Simpson in seinem Bericht auf die Bedeutung der Wasserwirtschaft für Palästina hingewiesen und eine zentrale Regelung angeregt.) Wie verlautet, beabsichtigt die Palästina-Regierung eine neue Brücke über den Jordan bei Jericho zu bauen. Die neue Brücke soll doppelt so breit sein wie die jetzige Allenby-Brücke. Die Allenbv-Brücke soll an eine andere Stelle weiter nördlich übertragen werden. Der jüdische Schlosser Schlomo Jochanoff wurde im Hause der Bank ״Haoüm“ zu Tel-Awiw in dem Augenblick verhaftet, als er versuchte, den Banktresor zu erbrechen. Es ist der erste Fall eines Bankeinbruchs- Versuches in Palästina. Die Bank ״Haolim“ ist das Finanzinstitut der polnisch-jüdischen Einwanderer. An der am Montag, dem 17. Oktober, in Jerusalem stattfindenden Zeremonie der Grundsteinlegung für da» Haus des Keren Hajessod werden Vertreter der Jewish Agencv, der Zionistischen Exekutive, des K. K. L. und des Waad Leumi teilnehmen. Das Keren Hajessod-Haus wird in der unmittelbaren Nachbarschaft des N. F.-Hauses errichtet. Am Jom Kippur waren die wenigen Synagogen _ in Moskau derart überfüllt, daß ungeheure Mengen Andächtiger wegen Mangels an Raum auf den Plätzen und Straßen vor den Synagogen an den Gottesdiensten teilnahmen. Ehe jüdischen Kommunisten veranstalteten am Jom Kippur zehn antireligiöse Massenversammlungen. Frag Anneliese Rüll-Saarbrücken Im jugendlichen Alter verstarb nach kurzer, schwerer Krankheit Frau Rabbiner Dr. Rülf. Ihre vorbildliche soziale Arbeit in der Gemeinde wird unvergessen bleiben; ihre ausgleichende und gütige Natur befähigte sie in besonderem Maße, auseinanderstrebende Gegensätze in der Zielsetzung für jüdische Aufgaben zusammenzufassen. Dem Gedanken des Palästinaaufbaus war sie eng verbunden und bewährte ihn durch ihre Tat. Die Erauenarbeitsgemeinschaft für Palästina zählte sie zu ihren eifrigsten und aktivsten Mitarbeiterinnen. Die Zionisten des Saargebietes haben beschlossen, das Andenken der Verstorbenen durch Schaffung eines Anneliese Rülf-Gart e 11 s im Jüdischen Nationalfonds zu ehren.

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