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Jüdische Rundschau · 1932-10-14 · Heft 81-82 (14.10.1932) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 81-82 (14.10.1932)
Date
1932-10-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sehe 398 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 81/82, 14. X 1932 Neue hebräische Dichtung Wir nehmen heute die in früheren Jahrgängen der ״Jüdischen Rundschau״ begonnene periodische Besprechung von Werken der modernen hebräischen Literatur unter besonderer Berücksichtigung der Neuerscheinungen Palästinas wieder auf. Die ״Jüdische Rundschau״ wird sich auch weiter bemühen, die Erzeugnisse unserer hebräischen Literatur durch sachkundige und ernste kritische Betrachtungen dem deutschlesenden jüdischen Publikum nahezubringen. Im vergangenen Jahre sind Veröffentlichungen dieser Art u. a. in Nr. 8, Nr. 25126, Nr. 71 und Nr. 1011102 der ״Jüdischen Rundschau״ erschienen, in diesem Jahr in Nr. 23/24. G. Schofmann Der ohnmächtige Kampf der von der Natur Zurückgesetztert, Schwächriehen, Kränklichen gegen die Starken, Gesunden, Lebensvollen steht im Mittelpunkt seines Interesses zu Beginn seines Schaffens. Den 16 jährigen, empfindsamen und anfälligen Sauf, dem die strotzende Gesundheit seiner Kameraden die große Kränkung seines Lebens bedeutet, tröstet nur der eine Gedanke: daß auch für die Gesunden ein, wenn auch ferner, Tag kommen wird, an dem Ihr Lebensfaden reißt. Einstweilen bemüht er sich krampfhaft, das nervöse Zucken unterhalb seines Auges zu verbergen. Der 25 jährige Student der Philosophie Bedalon vergleicht seine rigene Unzulänglichkeit mit der jenes zu engen Rei fens, den der Böttcher dem Faß umzwängt: wenn der Reifen die eine Seife fest umschlingt, gleitet er an der anderen unwillküfßch ab. Ihn beengt die Scheidewand zwischen seinem windgen ,,ich“ Und dem großen ״Draußen", die er niemals zu durchbrechen vermag. Gefühle grausamer Rache beschleichen den schwindsüchtigen Lehrer Jona, wenn er seinem Schüler heim Privatunterricht dessen fette und gesunde Wade zurechtrückt; die körperliche Frische seines Schülers wirkt auf ihn herausfordernd. Das Ist derselbe Jona, dem schon als Knaben seine unglückliche Neigung zu den kraftvollen und gesunden Karnerädert seiner Klasse deren Spott und Verachtung eintrug; Jona, der jetzt, als 22 jähriger, nur dann sich von Todesfurcht frei fühff, wenn der Arzt, bei der Konsultation, sich tief über ihn beugend, sein Herz behorcht, und der sich ins Buch des Lebens geschrieben fühlt, wenn der Arzt beim Aufschreiben des Rezepts nach seinem Namen fragt. Den Gipfelpunkt des lächerlichen erreichte seine überfeinerte Lieb« bedürft! gkert im Rasiersalon, wenn Jona die warme Hand des Gehilfen an sich hantieren fühlt: dann bricht er vor Rührung und Mitleid mit sich selbst in Tränen aus. Und Hillel Sanpir, ebenfalls einer der Erzählungshelden dieser ersten Periode Schofmanns, beklagt sein Schicksal, das ihn nie mit der Welt der Gesunden, Frohen, sondern immer mit den seelenverwandten Blassen, Kalten, Weichliehen zusammenbrachte, jener Gesellschaft, bei der er sich stets der ״Hauptsache“ beraubt fühlt. Das ist die innere Welt Schofmanns zu Beginn seiner Schriftstellerischen Laufbahn. Ohne große Horizonte, aber bereite mit vertiefter Seelenanalyse. Bald jedoch sollte sich diese enge Basis jugendlichen Psyclroiogierens stark erweitern. Zeitumstände treiben unseren Dichter aus seiner russischen Heimat 8r ist 1880 in Orscha, Gouvernement Mohilew, geboren) nach alizien und von dort nach Wien. In dieser seiner zweiten Periode schildert er in mehr realistischer Art Begegnisse und Erlebnisse seines vielbewegten Wanderlebens. Jetzt finden wir Szenen aus dem russischen Soldaten- und Gefangenenleben, dem Leben der russisch-jüdischen Flüchtlinge in Galizien, Erlebnisse und Eindrücke ans dem alten Oesterreich vor und während des WeMcrieges, ergreifende Genrebilder aus all den Lebenswinkeln, in die der jüdische Flüchtling aus Rußland als ״feindlicher Ausländer“ verstoßen wird. Szenen und Momente aus der nisslsehen Revolutionszeit, dem nahenden Kriegsende, dem Ztisammenbruch des Kaiserreichs, der Ankunft der ersten ״Sieger“ in Wien, jener arroganten französischen, englischen, serbischen Offiziere, deren freche Zudringlichkeit dem gebliebenen Rest öffentlicher Moral den letzten Stoß versetzte, dem großen Elend der Kriegszeit selbst und der ersten Nachkriegsjahre werden hier in erbarmungslosem Wahrheitsdrange gezeichnet. Charakferistischerweise beschäftigt unseren hellhörigen Dichter am meisten die große Frage der Heimkehrer, die immer wieder in diesen Skizzen auftaucht: Was nun? Sie, deren Augen den furchtbaren Mechanismus einer miserablen Weltordnung griindlieh am eigenen Leibe erlebt haben, was sollen sie jetzt, nach all dem Geschauten, tun? ״Sich in den Gefängnissen umherwälzen, Zwangsarbeit verrichten, ja aufs Schaffot steigen — konnten sie. Aber eine einfache Arbeit zu bestimmten Stunden jeden Tages verrichten —- das haben sie verlernt!“ Und so zieht jene schreckliche Zeit in krassen Bildern an unserem Auge vorbei, in der Raub und Totschlag an der Tagesordnung sind, hl der der Richter mit dem Mörder mehr Mitleid hat als mit dem _ Ermordeten. Den modernen Verbrecher umstrahlt der Glorienschein des schuldlosen, zufälligen Opfers einer zwangsläufigen historischen Entwicklung. Raubmord wird zur alltag- Sehen, fast gleichgültigen Erscheinung nicht nur in der Stadt, sondern auch auf Wegen und Stegen des dörflichen Rayons, der Gebirgswelt. Touristen und Touristinnen werden in den Alpen plötzlich rücklings überfallen. ״Mehr als der Mord an sich“, sagt der Dichter, ״erschüttert mich diese Gleichgültigkeit, diese zynische Mißachtung des Mörders gegenüber der inneren Welt des Ermordeten. Sie gilt in den Augen des Mörders nichts; wie als unvergleichlich höheres Wesen mit besonderen Rechten dazu ausgestattet, führt er seine furchtbare Tat aus: Was kümmert mich deine Liebe zur Natur, was dein Entzücken über diese Berge — ich erschlage dich, nehme dein Geld und bestelle mir ein Gulasch“. Seine persönlichen Verhältnisse verschlagen den Dichter ln seiner dritten Periode in das ländliche Milieu Kärntens und der Steiermark, wo er sich zu dauerndem Aufenthalt niederläßt und auch heute, nahe bei Graz, lebt. In dieser Epoche seines Schaffens kommt seine besondere künstlerische Eigenart zu vollkommenem Durchbruch. An dem seiner Herkunft und Rassefradition fremden Bauerntum der Steiermark entzündet sich sein Genius zu neuem Schaffen. Hier erst beginnen die unruhigen Wogen seiner Sturm- und Drangzeit sich zu glätten, soweit bei diesem ewig Jugendlichen eine Beruhigung überhaupt möglieh ist, hier reift der nach dem Weltkrieg fast schon 40 jährige seiner Vollendung entgegen. Die Sujets seiner Darstellung sind nun dem Spezifisch-Jüdischen fast völlig entrückt, nur hier und da dringt auch in diese ״judenreine“ Provinz der Widerhall inhaltlich-jüdischer Erlebnisse und Begebenheiten. Das Bauerntum der Alpen mit all seinen Härten und Rührseligkeiten, seinen Schatten- und Lichtseiten erlebt Schofmann unter vollkommener Bewahrung der Distanz eines diesem Menschenschlag innerlich Unverwandten. Aber gerade in dieser Distanzierung liegt ein großer Reiz seiner Steiermärkischen Genrebilder. Das Entzücken über dieSchönheit der Alpennatur gerät in scharfen Widerspruch mit den grausamen Gepflogenheiten der sentimentalrohen Gemütsart des Alpenbewohners. ״Die schöne Land- Schaft“, so heißt es an einer Stelle, ״hat hier erst so recht den häßlichen, mit dem Blut seiner Haustiere befleckten Menschen mit seinem elcHgen Kropf, der üblichen Landesplage, kenntlich gemacht. Ja, der Mensch hat hier die Natur verunstaltet“. Die fast vertierte Grausamkeit des Schweine- und Hühnerschlachtens wird durch volle naturalistische Darstellung verächtlich gemacht. Unvergeßlich bleibt jene alte, ״empfindsame“ Bäuerin, die beim Schlachten des von ihr eigenhändig gemästeten Schweines sich im Hause versteckt hält mit der Bemerkung: ״Ich kann dabei nicht helfen, ich hab’ meine Tiere zu lieb dazu.“ Und doch weiß dieser grobschlächtige Bauernknecht, der weder vor Vergewaltigung noch Mord zurückschreckt und mit den Mägden so unflätige Witze reißt, mit seinem nächtlichen Harmonikaspiel das Herz unseres Dichters so tief zu rühren! Und wie versteht die schöne 17 jährige Rita im Tanze mit dem jungen Petritsch, dem Busenfreund ihres zur Zeit Tu»■' Gefängnis •sitzenden־‘-Litte steil, sein Herz zu erobern 1 Und wie bewundert er den alten Steiermärker Josef Mariznig, Bienen- und Obstzüchter seines Gewerbes, wegen seiner Liebe zu seinem übelriechenden Kautabak, den er bei seiner Arbeit unablässig kaut, und dem bitteren Enzian, den er, trotz seines ausgesprochen ״süßen“ Handwerks, allherbstlich von den hohen Berggipfeln herabholt. Diesem eigenartigen Milieu scheint gerade der Fremde besondere Reize abzugewinnen. In einer bloßen Darstellung des Genres und Milieus, die unser Dichter mit schaffendem Auge durchschritt, darf sich eine Würdigung Schofmanns nicht erschöpfen. Mindestens ebenso charakteristisch wie das ״Was“ ist für seine Kunst das ״Wie“. Man muß offen gestehen: die hier aufgezählten Lebenssphären sind (mit der einen Ausnahme der spezifisch österreichischsteiermärkischen) in der neuhebräischen Literatur vielfach episch-breit behandelt worden: die ostjüdische Kleinstadt hat bei Schalom Asch, das russische Soldaten- und Gefangenenleben bei Brenner, das jüdische Kriegserlebnis bei Awigdor Hamdiri eine inhaltlich packendere Darstellung gefunden. Schofmanns künstlerisches Interesse geht weniger auf die Bewiltignrig des rein Stofflichen als auf die Linienführung der Darstcllung selbst. Er ist auf dem Wege einer ständig verschärften Selbstkontrolle seiner Strichführung zu einer Kunst des Skizzierens gelangt, für die es in der neuhebräischen Literatur kaum ein zweites Beispiel gibt. Schofmann, der sich nicht mit dem Festhalten bereits gewordener, ״fertiger“ Milieus begnügt, vielmehr mit dem sicheren Instinkt des modernen Schriftstellers! gerade das Werdende, noch im Fluß Befindliche seiner Genres; ausfindig macht, ist auch darin ״modern“ im guten Sinne des Wortes, daß er seine Bilder auf eine würzige, dem Tempo un-t serer Zeit angemessene Kürze bringt, die wie eine Art ak-l tueller Künstlerreportage anmutet. Fast alle seine! Skizzen der letzten Periode und viele der früheren Jahre erstrecken sich über nicht mehr als 30—40, manche auch nur auf 5—10 Zeilen. Aber in diesen zehn Zeilen zwingt er sich; zum Verzicht auf jede sprachliche Koketterie, die böse Krankheit; einer Literatur, die im Material einer alten Sprache mit ihren historischen Stilschichten arbeitet. Hier fehlt jene müßiggängerische Art des sprachlichen Ausdrucks, die so große Teile der modernen hebräischen Literatur ungenießbar macht. Jedes Wort wirkt hier als natürlicher Zwang, ist vielsagend und doch eindeutig, jeder Satz ein einprägsames Biki, jedes Bild eine plastisehe Einheit, im Freilichtraume unverkrampft stehend, das Ganze ein Nacheinander malerischer Bilder, deren epische una dramatische Verbindung die Phantasie wie von selbst vollzieht,1 Schofmanns Reportage zeigt manchmal formale Nähe zur Anekdote, ist hier rein objektiv referierend, dort persönliches Erlebnis. Sie behandelt Gegenstände des öffentlichen Lebens! unserer Tage, die moderne Hakenkreuz- und Monarchistenbewegung so gut wie ihre politischen Gegenströmungen. Auf' der Post, in der Trambahn, im Kleiderladen, im Krankenhaus, auf dem Jahrmarkt, überall findet sie ihre Themen. Aber lntimeres noch als die Grazer Straße und das steiermärkische* Dorf gibt ihm sein eigenes Heim in dieser Landschaft an intcressantem Beobachtungsstoff. Besonders der Vater Schofmann* hat uns eine Reihe entzückender Miniaturen, aus dem Interieur seines eigenen Familienlebens gegeben, deren tiefer Glanz und stille Resignation sie zum Schönsten machen, das er uns geschenkt hat. Wir müssen es uns hier leider versagen, all die psychologischen und künstlerischen Feinheiten dieser intimen Kabinettstücke aufzuzeigen. Der hebräische Leser findet sie im dritten Bande seiner gesammelten Schriften*). All dieser Stoff erhält auf dem Wege über die Palette des Künstlers ein gewisses Etwas, das überall fühlbar, aber schwer mit Worten ausdriiekbar ist, jene Schofmannsche Pointe, die nichts zu tun hat mit der Pointe des Witzes oder der Anekdote. Sie ist die plötzliche, blitzartig überraschende Erhellung einer Lebens- Situation, der besondere Genialitätsstrich dieses Meisters der Kontur, der nicht künstlich aufgesetzt wird, sondern aus der Komposition des Ganzen herauswächst und sich am Schlüsse wie von selbst ergibt. Nicht umsonst schließen viele dieser Skizzen mit dem Satze: ״Jetzt verstand X. Y., was er bisher nie verstehen konnte.“ Dabei schmeichelt Schofmann nie dem Spießergeschmack einer seichten Gesellschaftskritik. Sein Blick geht tiefer, bis an die Wurzeln der menschlichen Triebe im Bösen wie im Guten, Er weiß um das im Letzten herrschende Chaos der Vernichtung: ״Zum Tode verurteilte Gefangene sind wir alle, zurrt Tode verurteilte Gefangene, für die die Vollstreckung ihres Urteilsspruches aus irgend welchen technischen Gründen auf unbestimmte Zeit verschoben ist.“ Das ist der lächelnde, fast elegante Pessimismus, der seinem Denken zugrunde liegt. Banalität ist dieser geistigen Konstitution ein unüberwindbarer Greuel, vielmehr lebt sie gerade im Ungewöhnlichen, seltene Gefühle Erzeugenden. Der Durchschnittsleser mag daher manchmal gerade die feinsten Pointen überspitzt, das Exquisite der von ihm bevorzugten Situationen abgeschmackt finden, Aber das ist ja die alltägliche traurige Erfahrung auf dein Gebi et der Kunstwirkung, die uns bei Schofmann um so weniger anficht, als das Gesunde, Gerade und Menschlich-Ergreifende seiner ganzen Persönlichkeit hocherhaben über die Dekadence- Schnüffelei kleiner Zeitgenossen ist. Jerusalem, Max Mayer. *) Kitwe G. Schofmann, SztybI-Verlag, Tel-Awiw 1027/29., 3 Bde. 3x216 S. In deutscher Sprache erschien u. a. zugleich mit einer ausgezeichneten literarischen Würdigung des Dichters die Uebersetzung seiner Novelle ״Rache eines Leierkastens“ von Z. Diesendruck in der in den Kriegsjahren von Leo Herrmann im Auftrag der Z. V. f. D. herausgegebenen Sanunelschritt ״Treue" (Jüdischer Verlag, Berlin). BIWMntMnWIlllWWailMWHHIIMlIWHMIIIIIWIIlmHMWWMIHINIHHlWIlltMIMMHMIIllllliaWIllllUIMMmBUIIIMM Erfolgreicher Beginn der Winterarbeit in Südwestdeutsdiland (Von unserem Korrespondenten.) Der Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, der aus Süddeutschiand besonders stark besucht war, hat den Boden für die Winterarbeit in Frankfurt und Umgebung aufs glücklichste vorbereitet. Das zeigte sich zunächst bei einer Aktion für den Keren Hajcssod, die Dr. Michael Traub in unmitteibarem Anschluß an den Dclegiertentag in Frankfurt und im Bezirk Hessen-Nassau unternahm. Den Anfang bildete ein Vortragsabend, der am 13. September im Klub-Haus der , Gesellschaft für Handel, Industrie und Wissenschaft“ in Frankfurt a. M. unter Vorsitz von Justizrat Dr. Blau stattfand und auf dem Dr. Arthur Ruppin- Jerusalem und Dr. Michael Traub über ״Weltwirtschaftsrise und jüdisches Schicksal“ sprachen. Eine ganze Reihe bisher unserer Arbeit fernstehender Persönlichkeiten waren an diesem Abend zum erstenmal unsere Gäste. Während Dr. Traub in seinen Ausführungen _ besonders die Lage der Juden in Deutschland lind in Amerika schilderte, die in steigendem Maße Parallelen zu der der osteuropäischen Juden aufweise, und die doppelte Entwurzelung der Juden durch die allgemeine Wirtschaftskrisen!«! durch die Verdrängung der Juden aus ihren bisherigen Berufen analysierte, gab Dr. R u p p i n ein Bild der Entwicklung Palästinas im letzten Jahrzehnt unter landwirtschaftlichen, industriellen und Siedlungsgesichtspunkten. Beide Referate machten in ihrer gegenseitigen Ergänzung starken Eindruck auf die Zuhörer. Außerhalb Frankfurts war Dr. Traub zunächst in Darm- $fadt tätig, wo er auf Einladung der neugegriimieten Zio- «!»tischen Ortsgruppe am 15. September in einer gut besuchtenöffentliehen Versammlung über das gleiche Thema wie in Frankfurt sprach. Der Erfolg äußerte sich sowohl in spontanea Beitrittserklärungen zur Zionistischen Organisation als auch anläßlich der nachfolgenden KH-Arbeit. ln Fulda sprach Dr. Traub am 47. September in einer öffentlichen Versammlung über die Neugestaltung jüdischen Lebens in Palästina. Außerdem fand in Fulda im Hause von Herrn und Frau Ferdinand Schuster ein Vortrag in kleinem Kreise statt, hei dem Dr. Traub über ״B i r 0 b i d s c h a n und Palästina“ sprach. Es war von besonderer Bedeutung, von dem Redner, der das einschlägige Material ausgezeichnet beherrscht, in überzeugender Weise die außergewöhnlichen Schwierigkeiten dargestellt zu hören, mit denen das Kolonisationswerk in Birobldschan zu kämpfen hat. Demgegenüber trat um so stärker die überragende Bedeutung Palästinas als Zentrum der nationalen und sozialen Erneuerung des jüdischen Volkes hervor. In Mainz hatte Dr. Traub Gelegenheit, als erster Redner in diesem Winter in der dort bestehenden Arbeitsgemeinschaft der jüdischen Organisationen (Loge, Zionistische Organisation, Centralverein, Frauenbund tisw.) zu sprechen. An den durch sehr interessantes statistisches Material belegten Vortrag: ״Die Wirtschaftslage der Juden ln der Welt“, schloß sich eine bemerkenswerte Diskussion an, die erneut bewies, wie aufgeschlossen heute alle jüdischen Kreise dem Judenproblem sind und wie Menschen, die da» Vorhandensein eines besonderen jüdischen Wirtschaftsprobferns in Deutschland bisher verneinten, durch die zwingende Logik der Tatsachen zum Nachdenken fehracht werden und nun ihrerseits wertvolles Material zur nalyse der jüdischen Situation beizubringen wissen. Den Abschluß der Tournee bildete ein Vortrag in Wiesbaden: ״Vor geschlossenen Toren — Tatsachen und Probleme“. Hier behandelte Dr. Traub das jüdische Wänderungsproblem und zeigte, wie bei dem immer kleiner werdenden Einwanderungsraum, der uns zur Verfügung steht, Palästina immer bedeutungsvoller auch für diejenigen wird, die bisher ihr Ziel nicht in Erez-lsrae! gesucht hatten. Die im Zusammenhang mit den verschiedenen Vorträgen eingeleitete KH-Arbeit brachte sehr beachtliche Erfolge; so ist cs auch gelungen, zahlreiche neue Zeichner für den KH zu gewinnen. Al» besonders erfreuliche Tatsache muß vermerkt werden, in wie immer steigendem Maße der Mitarbeiterkreis, Zionisten wie Nichtzionisten, sich an der KH-Arbeit beteiligt. Der Südwestdeutsche Bezirksausschuß ist Herrn Dr. Traub sehr dankbar dafür, daß er ihm seine erfolgreiche, von nachhaltiger Wirkung getragene Arbeit erneut zur Verfügung gestellt hat. _ P. P, Briefkasten der Redaktion R. S., Frankfurt a. M. ln unserer Notiz ״Was ist Techesaknah?“ in Nr. 80 der ״Jüdischen Rundschau“ haben wir uns lediglich mit der törichten Hetze gegen dieses nationale Lied auseinandersetzen wollen, die im Anschluß an die Zwischenfälle am Schluß des Frankfurter Delegiertentages in der revisionistischen Presse betrieben wurde; keineswegs war es die Absicht der Notiz, nochmals diese bedauerlichen Vor-: gänge in ihrer Gänze zu rekapitulieren. Daher scheint uns Ihre Besorgnis, unsere Notiz errege den Anschein, als ob der Zwischenfall erst bei Absingen des ״Techesaknah“ entstanden sei, unbegründet. Jeder Teilnehmer des Delegiertentages weiß, daß während des Absingens der ״H a t i k w a h“ die Revisionisten ihre Demonstration veranstalteten, so daß der Vorsitzende sich sogar veranlaßt sah, das Singen der ״Hatikwah“ zu unterbrechen, bis die Störung beseitigt war. Es bleibt eine Tatsache, daß die Revisionisten die ״Hatikwah“ bei einer zionistischen Veranstaltung gestört haben. Wenn sie in ihrer Presse dies dadurch vertuschen wollen, daß sie gegen das Lied ״Techesaknah“ losziehen, so war es der Zweck unserer Notiz, zu zeigen, daß dieses plumpe Manöver gleichfalls danebenhaut. Niederlassungsmöglichkeit für Tierarzt, In einer Stadt der Grenzmark bietet sich für einen Tierarzt eine gute Existenzmöglichkeit, — Interessenten erhalten nähere Auskunft durch die Z. V. f. D., Berlin W 15, Meinekestr. 10.

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