Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVII (1932)
- Issue
- Heft 80 (7.10.1932)
- Date
- 1932-10-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 390 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 80, 7. X. 1932 Die 10. Weidah des deutschen ״Hechaluz״ (18.—20. September 1912.) In den letzten Jahren haben sich im deutschen Hechaluz bedeutsame Wandlungen vollzogen. War früher der Chaluzgedankt Monopol eines Bundes, des damaligen J. J. W. B. (heute Brith-Haolim), so ist er heute weit über die Grenzen dieses Bundes hinaus in weite jugendkreise gedrungen. Kadi• mäh Hasehomer-Hazair und Noar-Owed nehmen von Jahr zu Jahr mehr Anteil an dem Kontigent, das der deutsche Zionismus alljährlich an Chalu/.im stellt. Daß die chaluzische trkenntms und Forderung der Jugeiulbiinde sich in Einklang mit der gesellschaftliche״ Entwicklung des deutschen Judentums befindet, ja,_ aus ihr hervorgeht, beweist deutlich die immer wachsende Zahl der Mitglieder des deutschen Hechaluz, die, ohne durch die Erziehung eines Jugendbundes hindurchgJSar]gc'n zu sein, durch persönliche wirtschaftliche Not getrieben, in den Hechaluz eintreten. Diese sogenannten Staut- Chaluzim, die bereits als ältere Menschen dein chaluzischcn Gedanken nahetreten, stellen den Hechaluz vor neue Probleme. . Einige Tage vor der Weidah des Hechaluz fand der Delegicrtcntag statt, der die Anerkennung des Hechaluz durch alle zionistischen Vertreter und den Willen, den Hechaluz in seiner Tätigkeit?11 unterstützen, manifestierte. Um so betrüblicher war es, daß auf der diesjährigen Weidah des Hechaluz von einer äußeren Anteilnahme der älteren Zionisten wenig zu spuren war. So kam es, daß auch auf dieser Weidah die Jugend im wesentlichen unter sich war. Dies bestimmte entscheidend die Atmosphäre der Weidah; und Stimmungsmomente spielen auf Jugendkonferenzen, wo der Schleier des parlamentarischen Gehabes fällt und von Person zu Person geredet wird, eine wichtige Rolle. Auf der Weidah des Hechaiuz fehlte der so oft kritisierte und doch so stark geliebte ״Konferenzton“. Eis herrschte die chawerische Stimmung, wie sie zwischen Menschen bestehen muß, die ihr Leben mit der palästinensischen Arbeiterschaft verbinden wollen. — Es war ein guter Gedanke des Merkas Hechaluz, an den Anfang der Weidah — nach der hebräischen Eröffnung — das Referat von Sereni über ״Die erzieherische Idee der chaluzischcn B e w cgun g“ zu setzen. Dieses Referat ordnete sich in eine öffentliche Kundgebung ein, die durch zahlreichen Besuch der Jugend aus den verschiedensten Lagern ihr äußeres Gepräge erhielt. Sereni führte aus, der Chaluz sei der wahre Träger der ״Revolution in der Tat“. Ehe Grundforderung der Chaluziuth sei die Unterordnung des Einzelnen unter die Bedürfnisse der Gemeinschaft, die Zurück- Stellung von Sonderwünschen' zugunsten des Kollektivismus. Dieser Gedanke,_ konsequent zu Ende gedacht, müsse zur Bejahung der Einheit der palästinensischen Arbeiterschaft und der chaluzischcn Jugendbewegung in der Oolah führen. Das erste der beiden Hauptreferate der Weidah hielt am nächsten Morgen Moscheh Schapiro über das Thema ״Jugendbünde und Hechaluz“. Er richtete zunächst einen Appell zur Einheit an die chaluzischcn Jugendbünde, bezeichnete es jedoch als die Hauptaufgabe der Diskussion, sich mit der inneren Erziehungsarbeit der Bünde, soweit sie für den Hechaluz von Bedeutung sei, zu beschäftigen. Am Schluß seines Referates unterbreitete Schapiro zwei praktische Vorschlage: Abhaltung von mehrwöchentlichen Arbeitslagern und Gründung eines ständigen Führerseminars in Berlin. Der Kritik Schapiros an der Erziehungsarbeit der Bünde schlossen sich die meisten Jugendvertreter selbst an. Sie erklärten allerdings, daß Sch. die objektiven Schwierigkeiten (Fortgehen der Führer zur Hachscharah und zur Alijah) nicht genügend würdige. Besonders wurde darauf hingewiesen, daß die innere Tätigkeit 4er Bünde daran kranke, daß Wesentliche Energien, die nach innen hin fruchtbar gemacht werden könnten, für den Kampf nach außen, gegeneinander, eingesetzt würden. So ergab sich — innig mit der ersten Frage verbunden — die alt-neue Frage der Beziehungen der chaluzischen Jugendbünde unter• einander und zu den Stam-Chaluzim. Während die Chawerim des Hasehomer-Hazair der Ansicht waren, daß sich die chaluzischen Jugendbünde auf eine bestimmte politische Auffassung innerhalb des sozialistischen Lagers und auf eine bestimmte Stellung zu den palästinensischen Aufbauproblemen (Kibbusch avvodah, Araberfrage) festlegen müßten, vertraten die übrigen Delegierten der Weidah, insbesondere die Chawerim, die dem Brith-Haolim, der Kadimah und den Stam-Chaluzim angehören, die Meinung, daß eine solche Festlegung schädlich sei und die Bewegung unnötigerw׳eise spalte. Der Rahmen des sozialistischen Zionismus und der Chaluziuth sei weit und eng genug, um eine einheitliche chaluzische Jugendbewegung zu umschließen. Entsprechend diesen verschiedenen Anschauungen ergaben sich auch Meinungsdifferenzen in der Frage des organisatorischen Aufbaues des Hechaluz. Während vom Hasehomer-Hazair mehr der föderative Charakter des Hechaluz betont wurde, wurde von der anderen Seite der Hechaluz als einheitliche erzieherische Bewegung hingestellt. Immer wieder ertönte der Ruf 'nach Uebcrwindung der Spaltung, nach Einheit. — Die Aussprache wurde als geglückt empfunden. Der Abend des IQ. September brachte eine Diskussion über ideologische Fragen des Zionismus, die sich an ein tiefgehendes Referat von Sereni über ״Die Aussichten des Zionismus“ anschloß. (Die Gedankengänge dieses Referates von Sereni werden in Artikelform im nächsten lnformafionsblatt des Hechaluz veröffentlicht werden.) An der Diskussion beteiligten sich Arthur lsraelowitz und Moschch Schapiro. ln der Beurteilung der Gesamtsituation herrschte eine weitgehende Einmütigkeit. Im Mittelpunkt des zweiten Tages der Weidah stand die große Hachscharahdebatte, die einem Referate von Fritz L i c h t e n s t e i n folgte. Fritz L. schilderte die Schwierigkeiten, die sieh heute der Besorgung von Hachscharahsteilen böten: besonders der Antisemitismus auf dem Lande zerstöre viele Möglichkeiten. Damit seien die Pläne zur Schaffung einer Eigenwirtschaft des deutschen Hechaluz und die Frage der Organisierung der städtischen Hachscharah mehr und mehr auf die Tagesordnung getreten. Der Merkas Hechaluz sei bereits dabei, Gartenland bei Belzig (bei Berlin) als Pächter in eigene Regie zu übernehmen. Viele Bathe-Chafuz und Snifc- Hechaluz seien in den Städten neu entstanden. Zur Bcwältigung aller dieser Aufgaben reiche die bisher bekundete Verantw'ortlichkeit der einzelnen Chawerim nicht aus; sie müsse weitaus gesteigert werden. In der Diskussion wurden, wie alljährlich, die Schwierigkeiten und Sorgen der Hachscharah zum Ausdruck gebracht. Die Kleinheit der Chewra, der ständige Wechsel der Chawerim, die ungenügende Vorbereitung vor der Hachscharah, der Mangel an Zeit für die Tarbutharbeit, — all dies erschwert die Arbeit und das Zusammenleben. Dennoch brachte der Austausch der Erfahrungen wohl auch manche positiven Vorschläge. Insbesondere ragten zwei Fragen hervor, als erste die Mädchenfrage. Man ist heute schon sehr weit gekommen. Die Zeit des Strebens nach voller Anpassung der Chawcrah an den Chawer ist vorbei: Die Chawerah ist sich ihres Eigenwertes bewußt geworden und empfindet es keineswegs mehr als Herabsetzung, wenn sie Tätigkeiten, die ihr mehr liegen, wie Hauswirtschaft, in einem stärkeren Maße als der Chawer übernimmt. Man hat erkannt, daß es nicht auf Gleichartigkeit, sondern auf Gleichwertigkeit ankommt. — Gegen den Vorschlag, von neuem einen Mädchenkibbuz zu gründen, sprachen sich die meisten aus; einige forderten dennoch Wiederholung dieses Versuches, Einen großen Raum nahm ferner die Frage der Zusammenarbeit der Jugendbündler und Stam-Chaluzim in Hachscharah und in den Snife-Hechaluz ein. Die Mehrheit der Weidah sprach sich für gemischte Hachscharah aus. In einer Pause während der Hachscharahdebatte wurde in einer längeren Ssichah der neue ״Alijahkibbuz Waw“ gegründet und Heini Charas zum Maskir gewählt. Es muß noch erwähnt werden, daß Dr. J. N. Steinberg. der mehreren Sitzungen der Weidah beiwohnte, in einer kurzen Ansprache den Hechaluz davor warnte, die großen Aufgaben der Golah zu übersehen. Die Clialuzim müßten sich für das ganze jüdische Volk verantwortlich fühlen, müßten Chaluze-haam werden*. — Die Konferenz hat eine Anzahl von Resolutionen gefaßt, die sich auf die künftige Arbeit des Hechaluz beziehen. Darin kommen die in dem vorstehenden Artikel dargeiegten Anschauungen über Hachscharah, über das Zusammenwirken mit den Jugendbünden, Erziehungsarbeit usw. zur entsprechenden Formulierung. Außerdem seien noch folgende zwei Resolutionen, die sich nach außen richten, angeführt: Palästina-Acmter! Die 10. Weidah des deutschen Landesverbandes Hechaluz protestiert aufs entschiedenste gegen den Beschluß des zionistischen Aktjons-Komitces, der den Einfluß des Hechaluz und der übrigen chaluzischen Organisationen in den Palästina-Aemtern auf ein ungebührliches Maß beschränkt. Die Weidah ist der Ansicht, daß die Stärke- Verhältnisse der zionistischen Parteien keineswegs Maßstab für die Zusammensetzung der Palästina-Acmter sein Können, daß vielmehr alle aktiv-chaluzischen Organisationen — ihrem Stärke- Verhältnis entsprechend — zu einem entscheidenden Teile in den Palästina-Aemtern vertreten sein müssen. Zionistische Vereinigung f. Deutschland: Die 10. Weidah des deutschen Hechaluz begrüßt die enge Zusammenarbeit zwischen der Z. V. f. D. und dem Hechaluz und hält die Weiterführung dieser engen Beziehungen für eine zionistische Notwendigkeit. Insbesondere begrüßt die Weidah die Beschlüsse des Frankfurter Delegiertentages der Z. V. f. D., in denen von der Förderung des deutschen Hechaluz und der von deutschen Chaluzim mitgeschaffenen Sied-!ungen in Erez-Israel durch die Z. V. f. D. die Rede ist. Ke Weidah wendet sich an die Z.V-f. D. mit der Forderung, den Hechaluz auch weiterhin auf allen Gebieten seiner Tätigkeit, insbesondere durch Bereitstellung größerer Mittel, tatkräftig zu unterstützen. In den neuen engen Merkas wurden Fritz Lichtenstein und Max Ziniels gewählt, der dritte Chawer des Merkas wird ein neuer Chawer aus Palästina sein. Dem erweiterten Merkas gehören ferner an: Heini Charas, Mariam Drabkin (Brith- Haolim), Heinrich Kressei (Kadimah), Adolf Schift (Haschomcr- Hazair), Zwi Heilbrunn (Noar-Owed), Nechemia Aloni (Stam- Chaluzim) und Arthur lsraelowitz. Eevor die Weidah geschlossen wurde, wurde noch der Tätigkeit von Enzo Sereni und Lilly Rein berg für den deutschen Hechaluz gedacht. Beide fahren in den nächsten Wochen nach Erez-Israel. Mit dem Absingen der T’chesakna und der hebräischen Internationale wurde die 10. Weidah des deutschen Hechaluz beendet. Georg Pape. Neuorganisation der Palästina - Amts - Kommission Vom Palästina-Amt in Berlin wird uns mitgeteilt: Gemäß den Beschlüssen des Kongresses und des Aktions- Comites tritt in der Zusammensetzung der Palästina-Amts-Kommission eine Aenderung ein. Die Palästina-Amts-Kommission wird von jetzt an nach folgenden Bestimmungen zusammengesetzt: §1:1. Die Verteilung der den zionistischen Parteien zukommenden Sitze unter die einzelnen Parteien erfolgt nach dem Verhältnis der Stimmenzahlen, die die Parteien des betreffenden Landes bei den Wahlen zum letzten Kongreß erhalten haben. 2. Eine Partei, die in ihrem Lande die zur Wahl eines Kongreßdelegierten erforderliche Stimmenzahl nicht erlangt, jedoch nicht weniger als 50 0׳״ der zur Erlangung eines Delegiertenmandates erforderlichen Stimmen erhalten hatte, ist berechtigt, einen Vertreter in die Palästina-Amts-Kommissionen zu entsenden, falls nicht weniger als 25 Mitglieder dieser Partei in der praktischen, ihrer Vorbereitung zur Auswanderung nach Palästina gewidmeten Haclischaraharbeit stehen. 3. Die Zahl der Vertreter einer Partei darf 50 0'״ der Gesamtvertretung aller Parteien nicht übersteigen. § 2: 1. Die vom Kongreß anerkannten chaluzischen Hachschara!!-Organisationen sind in der Palästina-Amts-Kommission durch ein Mitglied vertreten. 2. Dieser Vertreter wird auf folgende Weise gewählt: a) Die chaluzische Hachscharah-Organisation, die im betreffenden Lande die größte Zahl von nachscharah betreibenden Mitgliedern hat, schlägt zwei Kandidaten zur engeren Auswahl vor. b) Von diesen zwei Kandidaten wird einer auf einer vom Leiter des Palästina-Amtes einberufenen gemeinsamen Sitzung der Zentralkomitees aller anerkannten chaluzischen Hachscharah-Organisationen dieses Landes gewählt, c) Wenn diese Sit/t: 11g trotz Einberufung nicht zustande kommt, gilt der erste der zwei vorgeschlagenen Kandidaten für gewühlt, d) Falls Meinungsverschiedenheiten darüber bestellen, welche der chaluzischen Hachscharah-Organisationen des Landes die stärkste ist, so hat darüber die Immigrationszentrale in Jerusalem bzw. ihr Vertreter nach Prüfung der Verhältnisse zu entscheiden und diese Entscheidung bis zum 15. Sepember 1932 zu fällen. 3. Bei der Behandlung von Angelegenheiten, welche mit der chaluzischen Hachscharah und Alijah nicht im Zusammenhang stehen, beteiligt sich der Vertreter der chaluzischen Hachscharah-Organisationen nicht an der Abstimmung. § 4: 1. Die Zahl der Mitglieder der Palästina-Amts-Kom* mission beträgt 12, den Vertreter der chaluzischen Hachscharah- Organisation nicht eingerechnet.— Nach den Ausführungsbestimmungen verteilen sich die Sitze in der Palästina-Amts-Kommission auf die einzelnen Parteien nach folgender Berechnung: Die Gesamtstimmenzahi zum letzten Kongreß betrug 8511. Zu besetzen sind 12 Sitze. Der Quotient ist demnach 709,5. Unter Berücksichtigung der Reststimmen ergibt sich folgende Verteilung: Allgemeine Zionisten 3 Sitze, Misraclii 3 Sitze, Vereinigte Linke 3 Sitze, Revisionisten 2 Sitze, Radikale und Unabhängige 1 Sitz. Hierzu kommt noch ein Vertreter des Hechaluz. Wiederum Numerus clausus. In Karpatho-Rußland wurden bei den Schüleranmeldungen an den tschechischen und rutlrcnischen Lehrerbildungsanstalten jüdische Bewerber größtenteils zurückgewiesen. An den übrigen staatlichen Schukn beträgt die Zahl der aufgenommenen jüdischen Schüler kaum 1 0/0. In Polen wird der Numerus clausus an allen Universitäten streng gehandhabt. So fand an der me dizinischen Fakultät in Krakau unter den jüdischen Medizinkandidaten eine Auslosung statt, um auf diese Weise elf Kandidaten die Möglichkeit der Inskription zu geben. Der Dekan hatte nämlich bestimmt, daß unter den neu aufzunclimenden Hörerinnen nicht mehr als 12 <0/י Juden sein dürfen. .“T * " ..— II—* — " — " —' Die Vereinigung der zionistischen Arbeiterparteien Die neu gegründete Zionistisch-Sozialistische Vereinigung in Deutschland bittet uns um Veröffentlichung des folgenden Communiquös: Im Anschluß an die Vereinigung der Arbeiterparteien in Palästina wurden auch in Deutschland Verhandlungen zwischen den Parteien Poale Zion und Hapoel Hazair über eine Vercinigung eingeleitct. Diese Verhandlungen führten im Mai d. Js. zur Annahme eines Vereinigungs-Programms durch die Zentral- Komitees beider Parteien. Das Programm und der Vercinigungsbeschluß wurden durch ein Referendum in beiden Parteien, das sich mit überwältigender Mehrheit für die Vereinigung aussprach, bestätigt. Das Vereinigungsprogramm hat folgenden Wortlaut: J;I. Die Vereinigte Partei trägt den Namen ״Sozialistisch- Zionistische Vereinigung Poale Zion-Hapoel Hazair“. II. Die Vereinigte Partei betrachtet als einziges Mittel zur Lösung der Judenfrage die Errichtung der nationalen Heimstatte in Palästina. Sie kämpft für den Aufbau der Heimstätte auf sozialistischer Grundlage, um das jüdische Volk in ein freies und unabhängiges werktätiges Volk umzuwandeln, das, in samtliehen Wirtschaftszweigen vertreten, seine Kultur selbständig entwickeln kann. III. Die Vereinigte Partei stellt ihr Palästina-Programm in Liebereinstimmung mit dem Programm der Vereinigten Arbeiterpartei Palästinas auf. IV. Die Vereinigte Partei gehört der Monistischen Welt- Organisation und ebenso der Z. V. f. D. an und beteiligt sich an deren Organen. V. Ke Vereinigte Partei kämpft für die Uebcrwindung der kapitalistischen Wirtschaftsordnung und für die Errichtung der sozialistischen Gesellschaft. Sie betrachtet als Mittel zur Erreichung dieses Zieles den proletarischen Klassenkampf im Rahmen der internationalen, der deutschen und der jüdischen Politik. VI. Ke Vereinigte Partei gehört der Sozialistischen Arbciterinternationale an. Der formale Anschluß erfolgt, sobald die organisatorische Verbindung der V. P. mit der zionistisch-sozialistischen Weltbewegung cs gestattet. — Die Mitglieder der Vereinigten Partei dürfen keiner politischen Partei Deutschlands angehören, die nicht auf dem Boden der S. A. I. steht. VfL Ke Partei erstrebt die Vertiefung des nationalen und des Klassenbewußtseins der jüdischen Arbeiter und Werktätigen. Sie arbeitet für die Produktivierung der jüdischen Bevölkerung und die Stärkung der politischen und nationalkulturellen Positionen der Juden in Deutschland. VIII. Ke Partei führt eine selbständige sozialistische Oe* meindepolitik unter besonderer Betonung der sozialen und sozialpolitischen Aufgaben der jüdischen Gemeinde. IX. Die Vereinigte Partei beteiligt sich am Kampf der jiidisehen Arbeiter und Volksmassen in allen Ländern um ihre volle Gleichberechtigung und unterstützt die Forderung nach natio* naler Autonomie ln den Ländern mit dichter jüdischer Siedlung. Sie unterstützt diejenigen Schul- und Erzichungsorganisationen des Auslandes, an denen die Schwesterparteien der betreffenden Länder teilnehmen.“ Nachdem die Danziger Konferenz eine Vereinigung der beiden Weltverbände Poale Zion und Hitachduth vollzogen hat, gehört die Sozialistisch-Zionistische Vereinigung dem neugeschaffenen vereinigten Weltverband an. Sie hat sich am Delegiertentag in Frankfurt als Fraktion beteiligt. Die Leitung der neuen Partei liegt bei einem Zentral- Komitee, das bis zur Neuwahl aus den vereinigten Zentral-Komitees beider Parteien bestellt. Zu den ersten Aufgaben des Zentral-Komitees gehört die Einberufung der ersten Landeskonferenz der Vereinigten Partei. Der sozialistische Zionismus in Deutschland verbindet mit der nunmehr erfolgten Vereinigung große Hoffnungen. Die Einigung ist der wichtigste Schritt auf dem Weg zur Schaffung einer starken und arbeitsfähigen sozialistischen zionistischen Partei. Sie soll der Entwicklung unserer Jugend neue Impulse und der Werbekraft des sozialistischen Zionismus verstärkten Antrieb geben. Allen zionistischen Sozialisten ist nunmehr die Möglichkeit gegeben, sich im Rahmen der neu geschaffenen Partei zusammenzuschließen. Erhöhte Leistungen für den Zionismus und für den Sozialismus Sind das Ziel der Vereinigung, dem ihre Mitglieder mit allen Kräften dienen werden. Wir fordem alle Anhänger und Freunde des sozialistischen Zionismus auf, der Sozialistisch-Zionistischen Vereinigung in Deutschland beizutreten. Wo steht das Zentrum? Wir haben in der vorigen Nummer von einer Erklärung der Zentrumsfraktion im Preußischen Landtage Mitteilung gemacht, die die Zustimmung von Zentrums- Abgeordneten zu einem antisemitischen Antrag mit einer ״Ueberrumpelung“ durch die Nationalsozialisten und mit der Abwesenheit des Kulturreferentcn der Zentrumsfraktion, Dr. Lauschers, motivierte. Wenn, so war der Sinn der Erklarung, Dr. Lauscher in der fraglichen Ausselnißsitzung anwesend gewesen wäre, so hätten die Zentrums-Mitgliedcr des Ausschusses anders gestimmt und der antisemitische Antrag wäre im Ausschuß nicht angenommen worden. Einige Tage nach dem Erscheinen dieser Zentrums-Erklärung begab es sich nun, daß im Unterrichtsausschuß des Preußischen Landtags bei Behandlung eines nationalsozialistischen Antrags, der beim Rundfunk die Beschäftigung nur deutschstämmiger Künstler und Geistesarbeiter forderte, der Zentrumsah geordnete Dr. Lauscher von einem ״U eberwuchern des jiidisehen Einflusses im Rundfunk“ sprach, was nicht in jeder Beziehung der speziellen Begabung der ״j ii d i s c h e n Rasse“ gemäß sei. Im übrigen betonte Dr. Lauscher, wisse er sich ״von jedem Antisemitismus frei und wolle sich auch nicht für irgend welche antisemitischen Tendenzen einsetzen“. Diese Aeußerung des Zentrums-Sachverstündigen für Kulturangelcgenheiten fand sofort die Anerkennung des Ausschuß- Berichterstatters, des Nationalsozialisten Haupt, der mit Genugtuung begrüßte, daß Dr. Lauscher, ein Führer des Zentrums, von ״jüdischer Rasse“ und von ,,semitischem Einfluß“ spreche. Das sei, meinte Haupt, immerhin ein Fortschritt, den man bei der katholischen Kirche und beim Zentrum feststellen müßte... Auch wenn man Lauschers Versicherung, er wisse sich vom Antisemitismus frei und wolle sich nicht für antisemitsche Tendenzen einsetzen, Glauben schenkt, so sind seine Aeußerungen im Unterrichtsausschuß unter den gegenwärtig herrschenden politischen Stimmungen in ihrem Effekt doch eine Unter- Stützung der übermächtigen antisemitischen Tendenzen bei großen deutschen Parteien. Riesengeschäft einer englischen Firma. Die Lebensmittel- Versorgung der beim Bau der Rohrleitung Mossul—Haifa in Transjordanien und in der Wüste beschäftigten Arbeiter ist auf dem Wege der Ausschreibung an die englische Firma S p i n n e y s Ltd. gefallen. Der Kontrakt beläuft sich auf 500 000 Pfund und gilt für die ganze Dauer der Arbeiten. Die Irak Petroleum Company zahlt 18 Pfund pro Kopf und Monat für die englischen und amerikanischen Mitglieder des technischen Stabes und 3 Pfund für die ungelernten einheimischen Arbeiter,