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Jüdische Rundschau · 1932-10-07 · Heft 80 (7.10.1932) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 80 (7.10.1932)
Date
1932-10-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 80, 7. X. 1932 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 389 Politische Palästina « Umschau Verwirrung Im arabischen Lager. — Der neue Aufstieg des Zionismus. — Boykott oder Zusammenarbeit? — Das neue Pressegesetz und anderes. Von unserem palästinensischen Korrespondenten. gl. Tel-Awiw, 26. September 1932. Während im jüdischen Lager von Politik wenig die Rede ist, man sich mit dem wirtschaftlichen Vormarsch begnügt und die ungelösten und drückenden Probleme palästinensischer Politik für eine Weile ruhen lädt, zeigt sich unter den Arabern in letzter Zeit eine steigende Tendenz zu politischer Aktion und Betätigung. Die innere Situation ist dort nicht günstig. Zersplitterung in Parteien, Gruppen, Kliquen, die gegeneinander operieren und sich so stark bcdrängen, daß keiner Seite eine genügende Bewegungsfreiheit gewährt wird. Es zeigt >i 11 jetzt ganz deutlich, daß die Einigungsbewegung, die während und nach den Augustunruben einsetzte, keine Resultate gebracht hat, daß die Differenzen zwischen Christen und Moslems stark wieder zum Vorschein kommen, daß zwischen den großen rivalisierenden Familien, den einzelnen Parteien, die Gegensätze in alter Frische wieder aufklaffen. Es ist nicht ganz leicht, diesen Guerillakrieg von außen zu übersehen und auf allgcmeinverständliche Formeln zu bringen. Denn die Festlegung auf Parteiprogramme und Formulierungen ist dem politischen Fühlen der heute führenden arabischen Kreise noch ein Novum. Und der Rahmen der westlichen Demokratie für diese halb orientalischen, halb levantinischcn Kämpfe ist nicht (oder noch nicht?) passend gezimmert. Es kommt als stark kotnplizierendes Moment hinzu, daß englische Ingredienzen in dem Gericht der arabisch-palästinensischen Politik stark herauszuschmccken sind und oft erst nach längerer Zeit ersichtlich wird, ob eine abweichende Richtung, eine neue Gruppe, von englischer Initiative stark beeinflußt ist oder nicht. In einer ungewöhnlich prekären Lage befindet sich zur Zeit die arabische Exekutive, das Organ, das man — als auf einer palästinensischen Konferenz gewählt —- als die politische Vertretung der palästinensischen Araber anzusehen hat. Diese politische Stellung ist seit reichlich langer Zeit nicht neu besetzt worden; die Mitglieder der Exekutive sind seit mehreren Jahren im Amte und alle Mahnrufe für die Einberufung einer neuen Konferenz, die eine aktionskräftigere Exekutive liefern soll, sind bis jetzt ohne Resultat verhallt, wenn sie auch nie verstummt sind. Gegen die Exekutive, eine Hochburg der Ilusseinis unter dem Vorsitz des alten Politikers Muza Kazim, läuft nicht nur die Naschaschibi-Gruppe Sturm, die sich in der Stadtverwaltung von Jerusalem häuslich eingerichtet hat, sondern vor allem auch der Oberste Moslemische Rat unter dem Mufti, Hadsch Ernin, der zwar ebenfalls ein Husseini ist, aber seine besonderen Ziele verfolgt. Panislamische und panarabische Ideen kämpfen innerhalb und außerhalb dieser Gruppen und Institutionen um Vorherrschaft und Anhänger. Neue Auffassungen und Parteien bringen ein spezielles Kolorit in dieses bunte Gemälde. Es ist noch gar nicht lange her, daß die arabische Presse wieder und wieder erklärt hat, der Zionismus ginge bergab, seinem Ende und seiner Auflösung entgegen. Diese Auffassung gründete sich auf die Berichte vorräer schweren GehfilÖt der öffentlichen zionistischen Kassen,' von dem Stillstand der nationalen Kolonisation, dem Abschwellen der Einwanderung. Jetzt plötzlich hört man in den letzten Monaten wieder genau das Gegenteil. Die starke Bau- und Pflanzungsbewegung, das Hineinpumpen von Geldern aus dem Ausland, die noch geringfügige, aber stetige und zum Wachstum neigende Einwanderung haben ihren Einfluß auf die arabische Oeffentlichkeit nicht verfehlt. In Presse- Schriften und Reden wird die Frage des jüdischen Vormarsch es von neuem diskutiert und vor allem die Frage der Bodenkäufe mit Nachdruck aufgerollt. Jetzt ist nicht mehr von dem ״Abklingen des Zionismus“ die Rede, sondern von seinem Aufstieg und Vordringen. Dennoch spielen die Juden in den politischen Beratungen und Ressentiments der Araber nicht die entscheidende Rolle. Diese fällt zur Zeit den Engländern zu. Die Frage der grundsätzliehen Orientierung der arabischen Politik, ist von neuem aktuell geworden. Kompromißler und Radikale streiten sich um die Stellung gegenüber dem Mandat und der fremden Regierung. Während Teile der arabischen Exekutive zu einem Kompromiß mit den Engländern neigen, mit der Administration Zusammenarbeiten und auch mehr oder weniger offen von ihr gestützt werden, schwenken einzelne in eine schärfere O p p o s i t i o n s s t e 11 u n g ein, lehnen Sich gegen das Mandat und jede fremde Herrschaft auf. Die Entwicklung in den Nachbarländern, vor allem der jetzt erfolgte Eintritt Iraks in den Völkerbund, stachelt diese unabhängige Richtung zu stärkerer Aktivität an. Dabei ist kaum anzunehmen, daß die geschulteren und geweckteren Köpfe unter den arabischen Politikern sich der Illusion hingeben, daß Irak jetzt von der englischen Herrschaft frei sei. Es ist ja durchsichtig, daß hier eine Form der Einflußnahme durch eine andere ersetzt ward, daß der anglo-irakische Vertrag zwar das Mandat anulliert, nicht aber die Bedeutung englischer!Macht im Zweistromland. Dennoch erscheint der arabischen Welt die Umwandlung des Mandats in einen Vertrag und der Einzug Iraks in Genf als ein Schritt vorwärts auf dem Wege zur nationalen Unabhängigkeit. Und zwar mit Recht. Denn wenn das Ideal der nationalen Bewegung auch nicht mit einem Sprung erreicht ist, so lernt doch das irakische Volk mehr und mehr sich in den Künsten einer westlichen Regierung und Wirtschaft auskennen und damit wird es unabhängiger von westlichen Eingriffen und wehrhafter gegen europäische Uebergriffe. Für das sehr empfindliche arabische Selbstbewußsein spielt außerdem die äußere Form eine sehr wichtige Rolle und die — heute noch nominale — Selbstbestimmung Iraks ist eine wichtige Kornpensation für die ehrgeizige arabische Befreiungsbewegung. Ein Ereignis der letzten Zeit wirft ein Licht auf die miteinander ringenden arabischen Strömungen. Die Regierung hat begonnen, die Vertreter der Bevölkerung mehr zu den Verwaltungsarbeiten zuzuziehen, indem sie bei einzelnen Departements gemischte Kommissionen von Beamten und Privatleuten einrichtete, die die Aufgabe haben, die Regierungsabteilungen in ihrer Arbeit zu beraten. Die Juden haben diese Maßnahmen begrüßt; sie entsprechen der weitverbreiteten Ansicht jüdischer Politiker, daß ein Abbau des bestehen• den absolutistischen Regimes durch derartige Kornmissionen und lokale Selbstverwaltung zu erreichen ist, während irgendwelche Vorschläge, die auf die Schaffung eines Parlaments hinzielen, nach wie vor abgelehnt werden. (Bezeichnend ist für diese Haltung der Beschluß der letzten Assefat Haniwcharim, der auf eine Ablehnung einer gesetzgebenden Versammlung auf lange Sicht hinausläuft.) Einer der führenden Mitglieder der arabischen Unabhängigkeitspartei ״Istaklal“, Auni Abdul Hadi, hat nun kürzlich in einem Schreiben an den Oberkommissar seine Demission von einer dieser Kommissionen cingcreicht, mit der Begründung, er könne ״als Araber“ eine solche Ernennung nicht annehmen, da er mit dieser Regierung als Vertreter seines Volkes nicht Zusammenarbeiten könne. ,,Als Privatperson“ sei er wohl bereit, seine Kenntnisse dem Departement zur Verfügung zu steüen, nicht aber als Vertreter der Bevölkerung, da diese zu dem gegenwärtigen Regierungssystem in Opposition stehe. Innerhalb der arabischen Exekutive hat diese Frage das Thema einer lebhaften Ausspräche gebildet, da sich die Meinungen über die Beteiligung an derartigen Kommissionen, bzw. die Form der Beteiligung teilten. Im Grunde läuft das Problem auf die Entscheidung zwischen der radikalen und der gemäßigten Richtung hinaus: Bekämpfung des Mandats und damit des gegenwärtigen Regimes auf der ganzen Linie unef mit scharfen Mitteln, oder Zusammenarbeit mit der Regierung un d schrittweise Besserung der gegebenen Verhältnisse. Es ist kein Zufall, dafl die Einrichtung der genannten Kommissionen von arabischen Politikern nicht als ein Abbau des absolutistischen Regimes gewertet wird, bzw. daß sie diese Maßnahme nicht für so bedeutsam halten. Diese Kommissionen sind vielleicht eine Milderung der gegenwärtigen Situation, wo die Bevölkerung in die Regierung überhaupt nicht drein zu reden hat, aber sie bezeichnen allem Anschein nach keine prinzipieile Schwenkung im Regierungskurs. Es handelt sich mehr um eine nähere Fühlungnahme mit der Bevölkerung, die wohl zu einem guten Teile auf die Initiative des High Commissioners selbst zurückgeht, der unermüdlich bemüht ist, durch Besuche, Delegationen und eine in weitem Maße gewahrte Gastfreundschaft in seinem neuen Schloß in Jerusalem persönliche Be- Ziehungen zu verschiedenen Teilen der Bevölkerung herzustellen. Die faktische Unabhängigkeit der Verwaltung von der Meinung der Bevölkerung und ihre Stellungnahme zu den Organen dieser öffentlichen Meinung hat sich erst kürzlich in dem Entwurf eines neuen Pressegesetzes manifestiert, das praktisch die Druckfreiheit so gut wie auf hebt. Es werden Verordnungen in Aussicht gestellt, die für palästinensische Verhäitnisse eine gewaltige Beschränkung in der Auswahl der Redakteure bedeuten (es wird von einem Redakteur verlangt, daß er urkundlich einen Bildungsgrad nachweise, der ungefähr der kontinentalen Reifeprüfung entspricht; es wird verlangt, daß der Redakteur auch faktisch die Verantwortung trage; daß niemand, der jemals von einem palästinensischen Gericht bestraft sei, einen Redakteurposten innehabe usw.). Wichtiger aber ist die Machtvollkommenheit, die den Behörden bzw. dem Oberkommissariat eingeräumt wird, indem unter bestimmten Gesichtspunkten, die zu einem guten Teile dem Urteil der Behörden unterstehen, jede Zeitung bis auf drei Jahre hinaus verboten werden kann. Macht man sich weiterhin klar, daß das Oberkommissariat die Gründe für eine solche Sistierung des Blattes angeben kann, aber nicht angeben m u ß , so bleibt von der ״Pressefreiheit“ in der Tat nicht viel übrig. Unter ״normalen“ Bedingungen wäre eine einheitliche Stellungnahme der Presse gegen solche Be• Stimmungen eine Selbstverständlichkeit gewesen. Aber die Bedingungen sind eben nicht normal. Die Juden haben unermüdlieh von der Regierung■ gefordert, daß sie ein wachsames Auge auf die arabische Presse halte, da diese durch ihre antijüdische Stellungnahme die Juden und damit die öffentliche Sicherheit gefährde. Wenn nun die Regierung ein Knebelgesetz gegen die Presse ausarbeitet, so sind den Juden bei einer Aktion dagegen die Hände gebunden, obwohl sie selbst nicht wenig unter den neuen Bestimmungen leiden müßten. Die jetzt ihre Tätigkeit steigernde arabische Partei ״Istaklal“ hat in einer ihrer letzten großen Versammlungen heftig gegen das neue Pressegesetz Stellung genommen; aber es ist von vornherein klar, daß auch in diesem wie in den meisten Fällen eine nur von einer Seite getragene Aktion gegenüber der Regierung wenig Aussichten hat. Innerhalb dieser gesteigerten politischen Aktivität unter den Arabern, in dem vielfältigen Gruppenkampf, fehlt auch heute noch völlig der sozial-ökonomische Programmpunkt. Man beschäftigt sich mit reiner Politik. Und daran liegt es wohl zu einem großen Teile, daß die mannigfachen Aktionen ohne einen praktischen Unterbau bleiben, und daß ein umfangreiches Programm bis heute von keiner Seite ausgearbeitet wurde. Es ist bekannt, daß diese rein-politische Orientierung der arabischen Führung begründet ist in dem Früh- Stadium einer nationalen Bewegung, die alles in politischen Formen sieht und das Soziale vernachlässigt, zugleich auch in der Rekrutierung der Führer aus einer dünnen Oberschicht, die entweder die sozialen Fragen nur ungenügend kennen oder sie nicht aufzurollen wagen, da sie damit gegen die eigenen Interessen verstoßen. Dennoch wird in der arabisch-palästinensischen Politik erst dann eine neue Aera anbrechen, wenn sie auch das soziale Problem in ihren Aktionsradius einbezieht und damit das ungeheure Feld der Ökonomischen Tätigkeit, das im Lande gegeben ist, zu beackern beginnt. Diese Kursschwenkung könnte nur durch junge Kräfte vollzogen werden, die aus Europa, seinen Bewegungen und Universitäten nicht nur die Formeln eines schematischen Nationalismtis mitbringen, sondern auch die Verantwortung und das Interesse für die bisher stummen und leidenden unteren Volksklassen. Vielleicht würde sich auf diesem sozialen Gebiet auch eher eine Möglichkeit zu einer jüdisch-arabischen Zusammenarbeit ergeben, wenn es einmal gelänge, die bestehende eiserne Scheidewand und das gewaltige Mißtrauen zwischen den beiden Lagern zu durchlöchern. Dazu gehört freilich ebenso viel Geduld wie Umsicht und Einsicht in die Notwendigkeit einer derartigen Politik. Und von dieser scheint Palästina heute noch weit entfernt. In Nr. 77 der ״Jüdischen Rundschau“ brachten wir eine J. T. A.-Nachricht über einen Fall von A 111 o h r i g a!11 e n - tum, wobei ein jüdischer Chauffeur überfallen und später bedroht wurde. Es heißt in der Notiz, daß der Ueberfall von Arabern bzw. arabischen Banditen ausgeführt wurde. Wie nun aus den veröffentlichten palästinensischen Polizeiberichten hervorgeht, ist die Angelegenheit zwar noch nicht restlos aufgeklärt, aber einwandfrei wurde durch eine ganze Reihe jüd i s c h e r Zeugen fcstgestellt, daß die Räuber keine Araber waren, sondern Europäer, von denen zwei eine arabische Kopfbedeckung trugen, Was ist ״Techcsaknah V* Bei Beendigung des Frankfurter Delcgicrlentages ist, wie berichtet, durch revisionistische Demonstranten ein Zwischenfall entstanden, als die Vertreter der Jugendverbände das Lied ״T e c h e s a k n a 11“ aiistiimnten. Die revisionistische Presse hat, um das Verhalten der braun uniformierten Revisionisten zu rechtfertigen, erklärt, diese Revisionisten, die selbst auf dem Frankfurter Delegierten!;!;:■ nur Gäste waren, seien durch das ״K 1 a s s e n k a m p f I i e d“ provoziert worden. Durch dieses l.icd sei ״die Ilatikwah beleidigt worden“ nsw. Diese belanglose Sache wird von 11ns darum erwähnt, weil sie ein nettes Beispiel dafür ist, wie durch I1 arteihaß und Ignoranz die Tatsachen auf den Kopf gestellt werden können. ״Techesaknah“ ist eines der berühmtesten, rein natio* rialen Gedichte von B i a 1 i k , das nicht das geringste mit ״Klassenkampf“ und ״Internationale“ zu tun hat. Da in Kreisen, die nicht hebräisch verstehen, das Lied anscheinend unbekannt ist, geben wir nachstellend die deutsche lieber- Setzung wieder, wie sie in dem Makkabi-Liedcrbtich enthalten ist. Die l leberset/ung ist freilich in sprachlicher und poetischer Beziehung sehr' schwach und gibt von der Sprachkraft und Wucht des'Originals nur eine blasse Vorstellung. Immerhin wird auch aus ihr schon klar werden, was es mit dem ״internationalen Klassenkampflied“, das die Revisionisten als eine Beleidigung des Zionismus betrachten, auf sich hat. ־— Das Lied lautet: ,,?cid stark, ihr Bröilr, die ihr nut euren itauden die Fluren unseres Landes baut! Wo ihr auch seid, ni'lit sinke euer Mut! Frählicli, jubelnd, kommt Schüller an Schulter dein Volke zum Heil! Siehe, wir messen den Krug eures Leidens urul lieben die Tränen tropfen, den Schmiß, die gleich Tau für Israel fließen und seine müde, den Feinden prehgegebono Seele erleichtern. Für immer und ewig sei heilig jede Träne, die ins Meer unserer dräuen als (iahe dem Volke gefallen ist; jeder Schweiß- Impfen des Angesichts, der den göttlichen Weg bahnt wie Blut und Opfer. Wenn ihr des Dach es Sparren nicht, wenn ihr *such nur den Grund gelegt habt — genug meine Brüder, eure .Mühe ist nicht vergeblich. Die Tage kommen und ihr werdet hauen, tünchen, kalken. Genug ist es jetzt, wenn nur die Furche gezogen ist. Wer schmäht den Tag d״r Kleinheit? Schmach den Verächlern! Rettet euer Volk und arbeitet, bis wir hören die Stimme: Gottes, die von den Gipfeln der Berge erschallt: Steigt emporl“ Die Tatsache, daß es bei der chaluzischen Jugend üblich geworden ist, bei Veranstaltungen dieses Lied zu singen, hat genügt, um es zu einem ״roten“ Tuch für die Revisionisten zu machen. Kleine Nachridiien High Commissioner Sir Arthur W'auchope empfing am 4. Oktober, dem Tage vor seiner Abreise nach Genf, den Mufti von Jerusalem, Hadsch Emin, und Muza Kazim Pascha, Vorsitzenden der Arabischen Exekutive, zu einer längeren Unterredung. Diesem Empfang ging ein Schreiben Muza Kazims voraus, in welchem ausgeführt wird, daß die Palästina- Regierung die arabischen Interessen den jüdischen hintansetze. Die arabischen Führer erließen einen Aufruf an die arabische Bevölkerung, den 2. November d. J., den Jahrestag der Verkündung der Balfottr-Deklaration, zu einem Tag des arabischen Protestes zu gestalten und im ganzen Lande "Versammlungen abzuhalten, in denen Entschließungen gegen das1 Mandat- *und■ <116 :Balfeiw-Deklaration gefaßt •werden sollen. Die Leiche des in Amerika verstorbenen Bildhauers und Malers Boris Schatz wurde nach dem Hafen von C a 1 i b u r gebracht, wo sie auf einen nach Palästina abgehenden Dampfer eingesebifft wurde. Morris Rothenberg, Louis L i p s K y , Abraham ü o 1 d b e r g , David P i n s k y , G r e e n b e r g und Rabbi H. L e v i n 111 a 1 sprachen Worte des Gedenkens. Höre Belisha, der bisherige Parlamentssekretär beim englischen Handelsministerium, wurde bei der Umbildung des Kabinetts zum Sekretär für Finanzen beim Schatzamt ernannt. Er ist der einzige Jude in der gegenwärtigen Regierung Mac* Donald* In diesen Tagen wird das große Monumenlalgebäude des Christlichen Vereins junger Männer (Young Men Christian Association) in Jerusalem fertiggestellt. Die feierliche Er- Öffnung soll zu Beginn des nächsten Jahres durch Lord Allenby statt finden. Die Anlage besteht aus mehreren großen Gebäuden mit einem hohen Turin, nebst Sportplätzen usw. und liegt an der Straße zwischen der Altstadt und dem Bahnhof. Kürzlich brachte die Londoner ״Times“ eine Reihe von Abbildungen dieses Bauwerkes und auch einige deutsche Zeitungen haben bereits Bilder veröffentlicht. Wie die palästinensische Presse mitteilt, haben drei von den acht Mitgliedern der Stadtverwaltung Jerusalem dem Distriktskommissar ein Memorandum übermittelt, worin sie eine Reihe von Mißständen in derStadtverwaltung scharf kritisieren und die Verantwortung für die Geschäftsführting ablehnen. Die Beschwerdeführer sind drei Araber, da die Stadtverwaltung Jerusalem, einer Stadt mit jüdischer Mehrheit, gegenwärtig nur aus Arabern besteht, nachdem die jüdischen Mitglieder der Stadtverwaltung vor mehr als zwei Jahren als Protest gegen die Teilnahme des Bürgermeisters an der arabisehen Delegation nach London ihre Aernter niedergelegt haben. Die arabische Zeitung ״Felestin־‘“ führte Klage darüber, daß di e beiden j ti d i s c h e n G efangenen Flinkes und Urphali, die nach den August-Unruhen 1929 verurteilt worden sind, eine V o r 7. ti g s b c h a n d 111 n g genießen. Die Polizei- Verwaltung veröffentlichte darauf ein Communique, worin erklärt wird',‘ es sei unrichtig, daß 1 linkes freier Ausgang gestattet worden ist. Was Urphali betrifft, so sei er tatsächlich mehrmals während der Arbeit von seiner Frau besucht worden, und außerdem sei er während der Krankheit des Gefängnis- Inspektors in dessen Haus übersiedelt worden. Dies sei gegen die Vorschriften und werde nicht wieder Vorkommen. Zum Rabbiner der der Agudas Jisroel nahestehenden orthodoxen jüdischen Gemeinde Jerusalems wurde —_ als Nachfolger des vor einigen Monaten verstorbenen geistigen Führers dieser Gemeinde Rabbi Sonnenfeld — Rabbi Duschinski aus der Slowakei ernannt. Das State Department in Washington hat als Nachfolger des zuin bevollmächtigten Minister der Vereinigten Staaten in Bagdad ernannten bisherigen amerikanischen Konsuls in Jerusalem, Knabenshue, den bisherigen amerikanischen Konsul in Bagdad, Alexander K. S 1 o a n , ernannt. ln Genf erscheint seit dem 1. d. M. unter der Redaktion von Josue J e 11 o 11 d a eine jüdische Monatsschrift ״La Revue J 11 i v e de G encv e“. Im Programmartikel heißt es, die neue Zeitschrift solle helfen, eine moderne Synthese des jüdischen Gedankens zu finden und die internationalen Kreise über jiidische Probleme aufzuklären. Die erste Nummer der Zeitschrift enthält Beiträge von Stefan Zweig, Andre Spire, Bcgriißitngszeilen vom Oberrabbiner von Frankreich Israel Levi, Minister Justin Godart, Senator De Monzie, Edmound Fleg und einen Bekenntnisartikel Emil Ludwigs.

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