Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVII (1932)
- Issue
- Heft 78 (30.9.1932)
- Date
- 1932-09-30
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 376 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 78, 30. IX. 1932 Zeitung-, einen minderwertigen Feuilletonkitsch, der durch geschmacklose Bewit/dung des deutschen Zionismus o3et11)ar den Beifall seiner L.ese'r zu finden meint — ״piz'e ohew". Merkwürdigerweise hat sogar ein prominenter russischer Zionist, der über diesem Niveau stehen sollte, Quallen daran gefunden (wie wir in Frankfurt feststellen kennten). Wie dem auch sei, der deutsche Zionismus ist oft genug Schulter an Schulter mit der jüdischen Arbeiter- Schaft marschiert, trotz mancher sachlicher Meinungsverschicclenhcitcn, und wir werden uns auch durch derartige Entgleisungen des ״Dawar“ nicht zu Entgegnungen hinreiße׳! lassen. Wir erwähnen die belanglose Episode nur, weil sich an solchen Kleinigkeiten zeigt, daß der deutsche Zionismus eine spezifische Physiognomie hat. Aber das Eine muH hinzugefügt werden: daß er Respekt heischt, so wie er auch anderen Nuancen im Zionismus den gcbührenden Respekt zuteil werden läßt. Ernst und würdig muß eine zionistische ,Auseinandersetzung sein. Wir treten in das Neue Jahr nicht leichten Herzens, aber es sind geschichtliche Jahre, die wir durchleben. Und jeder muß an seinem Platz das Seine tun, lind der deutsche Zionismus weiß das, und dämm wird dieses Jahr ein Jahr der intensiven Arbeit, der Hingabe, der mutigen Entschlossenheit sein. Am nächsten Rosch Haschanah haben wir wieder Rechenschaft abzulegen. Neue Einwanderer Jerusalem, 28. September. (J. T. A.) 400 Juden, in der Hauptsache Chaluzim, die vor etwa drei Wochen Polen verließen, sind am 26. September in Jerusalem eingetroffen. An dem gleichen Tage trafen an Bord der ״V u 1 - c a n i a“ in Haifa 500 Juden ein, unter ihnen Touristen aus den Vereinigten Staaten und 390 Juden aus Polen, von denen 50 Touristen, sowie eine Anzahl Chaluzim waren. Das Einwamlerungsdepartement führte an Bord des Dampfers eine scharfe Kontrolle im Hinblick auf die Möglichkeit, daß sich unter den Passagieren illegale Einwanderer befinden, aus. Die Kontrolle dauerte von 7 Uhr morgens bis 5 Uhr nachmittags. Das Ergebnis war, daß sieben junge Leute, die verdächtig erschienen, daß sie beabsichtigten, dauernd in Palästina zu bleiben, ersucht wurden, je 25 Pfund als Bürgschaft dafür zu!unterlegen, daß sie nach Ablauf der Aufenthaltsfrist das Land wieder verlassen. Die Tatsache, daß die Touristen einzeln und nicht in geschlossenen und von Reisegesellschaften geführten Gruppen eintreffen, hat — so wird erklärt — zur Beseitigung gewisser Schwierigkeiten seitens der Behörden beigetragen. Die Einwanderungsbehörden stellen nämlich gewissen Organisationen, die Touristen nach Palästina bringen, mit Mißtrauen gegenüber. ev,;..-־־;־ K. H.-Jahr S693 begim»t •יי- .-־׳־ Anläßlich der beginnenden K. H.-Arbeit im Jahre 5693 sei an den Beschluß des Frankfurter Delegiertentages erinnert. Der Beschluß lautet: ״Für jeden organisierten Zionisten ist die Erfüllung seiner durch die K. H.-Ordnung geregelten Beitragspflicht zum Keren Hajessod verbindliches Gesetz. Es ist unzulässig, dem Keren Hajessod die vorgeschriebene Leistung mit Rücksicht auf andere zionistische oder andere jüdische Aufgaben zu verweigern. Die volle Zahlung an den Keren Hajessod hat den Vorrang vor allen anderen Verpflichtungen. Gleichberechtigt ist nur der Keren Kajemeth.“ Wahlen und Rosch Haschanah Wie wir schon in einer unserer vorigen Nummern feststellen konnten, bemühen sich die Nationalsozialisten, im Kampfe für die bevorstehenden Reichstagswahlen durch stärkste Betoiiung ihres antisemitischen Standpunktes den von vielen Seiten behaupteten Abmarsch von Wählern aufzuhalten. Die Haupt- Organe der nationalsozialistischen Partei ״Völkischer ßeobachtcr" in München und ״Angriff‘‘ in Berlin veröffentlichen fortlaufend heftige Angriffe gegen die angeblich unter jüdischem Diktat stehende Papen-Regierttng und stellen ihre Hauptgegner im Wahlkampfe, die Deutschnationalen, als eine im Grunde verjudete Partei dar. ,,Lokalanzeiger“ und ״Berliner Tageblatt“ werden in einen Topf geworfen, der ״Judenbastard Duester* berg“ kommt nicht besser weg als irgendein ,Marxist. Besonclers scharf wird gegen den ״zersetzenden jüdischen Geist“ in Kunst und Literatur geschrieben, wobei die Theater und die Schauspielcrverbände als Morte der ״jüdischen Verschwörung zur Vernichtung des ursprünglichen deutschen Geistes“ bezeichnet werden. Die Dentschnationalen versuchen, sich von dem Vorwurf, in antisemitischer Beziehung lau zu sein, reinzuwaschen und so stimmen sie trotz aller sonstigen Gegner- Schaft mit nationalsozialistischen Antragstellern in Beschlössener Front, wenn die betreffenden Anträge antisemitisch sind. 1111 Preußischen Landtag wurde denn auch ein Vorschlag der Nationalsozialisten mit Hilfe der Deutschnationalen gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten angenomen. ״dem Landtag alsbald von sämtlichen Staatstlieatern und Staatskapellen eine genaue Aufstellung vorzulegen über die beschäftigten Ausländer und Juden, sowie über diejenigen, die die deutsche Staatsangehörigkeit erst nach 1918 erworben haben.“ Anläßlich der jüdischen Feiertage sind laut der J. T. A., die ihre Informationen von einer ״zuverlässigen Quelle“ bekam, alle erforderlichen Sicherungsmaßnahmen im ausreichendem Umfange getroffen. ״Irgendein Grund für die Beunruhigung der Synagogenbesucher liegt nicht vor“, heißt es in der Meldung. Es ist nicht zu bezweifeln, daß die verantwortlichen Organe tatsächlich alles Nötige veranlaßt haben, um eine Wiederkehr von Ereignissen unmöglich zu machen, wie sie sich itn vorigen Jahre am Rosch Haschanah auf dem Berliner Kurfiirstendamm zugetragen haben. Daß aber die Notwendigkeit vorliegt, besondere Sicherungsmaßnahmen dnrchzuführen, ist ein trauriges Zeichen der Zeit. * Die Wiener Nationalsozialisten haben für den 1. und 2. Rosch Haschanah-Tag Straßenumzüge und Dernonstrationen angekündigt. Bei diesen Kundgebungen werden sich aus Deutschland Gregor Strasser, Rekhstagspräsident Go e ring, Hauptmann Rohm und Dr. Frank als Redner beteiligen. Die Polizei versichert, daß sie für die ungestörte Andacht in den Synagogen Sorge tragen wird. Investierung, Einwanderung, Politik Von unserem palästinensischen Korrespondenten. gl. Tcl-Awlw, 20. September 193Z Vielleicht noch nie ist der jüdische Jischuvv so mit Geldern überschwemmt worden, wie im letzten Jahr. Der Kapitalim port dauert unverändert an. Die Gelder kommen sowohl aus Europa wie aus Amerika, aus allen Ländern, die von der Weltkrise betroffen sind und wo Juden noch die Möglichkeit haben, einen Teil ihres Gutes in Sicherheit zu bringen. Gewissermalkn über Nacht ist Palästina zu einer Sam me!stelle des jüdischen Kapitals geworden, das überall auf der Welt seine Hilfsquellen eintrocknen und seine Arbeitsmöglichkeiten schwillden sieht. Die Banken sind von Depositen überfüllt und jetzt, wo sich mit der abklingenden Hitze die Touristenzeit nähert, muß man damit rechnen, daß der Strom noch weiter amvarhsen wird. Es sei denn — daß sich in Europa-Amerika die wirtschriftliche Komplikation zu entwirren beginnt und damit das Ausland nicht mehr so schreckhaft, Palästina nicht mehr so anziehend erscheint. Solange jedoch die wirtschaftliche Depression draußen anhält, muß der üeldstrom stetig weiter- (ließen. Die Orangenhausse und das Interesse am Hauserba« dauert weiter an. Die Zollfrage, die durch die Abkommen von Ottawa aktuell wurde und große Besorgnisse hervorrief, verliert ihre Schrecknisse. Da ohnehin nur ein Teil der Export- Saison durch den für Südafrika bestimmten Schutzzoll berührt wird, und außerdem die Hoffnung besteht, die Zollgrenze weiter einzuengen, auch von allen Seiten Anstrengungen in dieser Hinsicht gemacht werden, wird weiter über Pflanzungen verhandelt, weiter gekauft und Boden für Pflanzungen vorbereitet. Ebenso hält die Hausse i m H äuserbaü an. Wer schon sein Geld in diesem Zweige investiert hat, klagt freilich über ein Uebermaß an Bauten. Aber die Tatsache, daß diese Investierung schnell geht, daß man noch immer eine ganz anständige Verzinsung dabei herausschlagen kann, daß man mit dem Haus etwas Sicheres in der Hand zu haben glaubt, das alles bringt immer wieder Leute zur Investition aut diesem Gebiete. Wie immer in solchen Zeiten der Hausse, ist die Eile groß, die Kontrolle gelockert, die Arbeit überhastet. Man beklagt sich, daß die Bauunternehmer wie die Pilze aus der Erde wachsen, in vielen Fällen die Güte der Arbeit durch eine übermäßige Konkurrenz herabgedrückt wird, weil immer ein Bauuriternehmer den andern im Preise zu unterbieten sucht und dann durch Materialverschlechterung und überhastete Arbeit die Preis- Senkung wieder auszugleichen versucht. Das technische Departement der Stadtverwaltung hat auch kürzlich auf die Gefahren dieser Entwicklung hingewiesen und strengere Kontrolle in Aussicht gestellt. Wenn sich so im Laufe dieser raschen Entwicklung auch einige Mängel zeigen, so fällt andererseits auch wieder auf, wie viel das Baugewerbe hier im letzten Jahrzehnt gelernt hat, wie die Häuser komfortabler, besser ausgestattet und moderner werden. Die Versuche des letzte« Jahrzehnts, die viel Mühe und Nachdenken gekostet haben, tragen jetzt ihre Früchte, und bei einer vernünftigen Kontrolle und besseren Organisierung wird man die ungebändigta Konkurrenz schließlich auf ein geringeres Maß zurückführen und damit eine befriedigende Ausführung garantieren können. Erst in letzter Zeit macht sich neben diesen beiden Kardinalzweigen der Investition — Zitrusfrüchte und Häuserbau — ein zögernder Versuch geltend, andere Arbeitsmöglichkeiten auszuprobieren. Man beobachtet die ersten Versuche importierten Kapitals, diese ausgetretenen Wege zu verlassen und in die Industrie zu dringen. Ein Teil der alten kleinen Unternehmungen wird durch diese neuen Mittel befruchtet und vergrößer! Aber auch neue Projekte sind in Bearbeitung und der Ausführung nahe. Während die Seidenfabrik von Delfiner, die seit Jahren stillgelegen hat, seit ihr Gründer und Besitzer Palästina verließ, wieder zu arbeiten beginnt — vorläufig mir zum Teil, bald aber mit voller Belegschaft — wird die Gründüng einer zweitenSeidenfabrik in größerem Maßstabe mit Eifer betrieben. Es zeigt sich die Tendenz von seiten mehrerer neuer Unternehmungen, nicht in der Stadt selbst zu bauen, sondern in die Vororte zu gehen, ln Ramat-Gan, einer Vorstadt, früher eine kleine Siedlung, die heute eine wichtige Gemüsequelle für die Stadt geworden ist, entstand schon vor Jahren die Fabrik für Fruchtsäfte ״Assis“. Jetzt soll dort in die Nähe jene neue Seidenfabrik gelegt werden und ebenso zwei weitere Unternehmungen, eine für Röhren, die andere für Nägel. Es scheint, als wollte sich dort ein neues Industrieviertel bilden, was zu begrüßen wäre, da die Zerstreuung der Fabriken in Tel-Awiw und die Anlage einiger Unternehmungen direkt am Meere die Wohnviertel stark beeinträchtigt hat. Es ist noch nicht abzusehen, ob diese Tendenz, den engen Kreis der Investitionsmöglichkeiten auszuweiten, anhalten und sich kräftigen wird. Sie wäre für die Wirtschaft des Landes wichtig, da sie die Akkumulation von Kapital und Energien auf einem beschränkten Gebiet aufhalten und die Möglichkeit bieten würde, neue Arbeitsgebiete zu erforschen und zu erschließen. Freilich sind für diese Art der Arbeit sowohl Wagemut wie Fachkenntnis nötig außer dem Kapital, das in genügender Menge vorhanden wäre. Charakteristisch für die gegenwärtige Situation ist, daß die Typen der Einwanderung überwiegen, die Anlagemöglichkeiten suchen. Immer wieder kommen Leute, die ganz vage Vorstdlungen davon haben, dal! sie ״etwas machen wollen“, ohne näher angeben zu können, was in Betracht käme. Die vielen Informationsbüros, die in der letzten Zeit entstanden sind, arbeiten unter diesen Bedingungen recht lebhaft und werden stark in Anspruch genommen. Freilich liegt nach wie vor ein sehr beträchtlicher Teil der Gelder in den Banken und hat aut die Wirtschaft des Landes keinen Einfluß. Das Land wird zu einem der Speicherungspunkte für jüdisches Kapital. Im Gegensatz zu der letzten Hausseperiode von 1927 tritt immer noch die Einwanderung in ihrem Gewicht hinter dem Kapitalimport zurück. Dennoch bringt jeder Monat 5—700 Mensehen und es gibt Anzeichen dafür, daß die Immigration im Steigen ist. Mit der Ausbreitung der Unternehmungen vergrößern sich naturgemäß auch die Arbeitsmöglichkeiten, und die Immigration sickert stetig weiter, wenn man auch bisher noch nicht von einer bedeutenden Welle sprechen kann. Es ist einleuchtend, daß unter diesen Umständen in einer Situation, die wirtschaftlich durchaus befriedigend ist, das Interesse für die Politik bei dein heutigen Stande der Bewegung immer mehr erlahmt. Es ist schon so gut wie auf dem Nullpunkt angelangt. Ein äußeres Zeichen fiir die Situation ist, daß die Leitartikel in der Presse spärlicher werden. Sogar in den Zeitungen, deren Beruf es doch im Grunde ist, das Interesse an der Politik wachzuhalten und die damit zu* sammenhängenden Themen in das öffentliche Bewußtsein zu hämmern, besteht eine gewisse Apathie. Die alten Streitfragen haben ihre Attraktion eingebüßt. Mit welchen! Interesse hätte man unter der Herrschaft einer anderen Mentalität z. B. die Revisionistenkonferenz in Palästina glossiert und diskutiert! Dieses Mal gab es spärliche Berichte, die zu einem großen Teil auf deti ausführlichen Nachrichten der ״Jüdischen Rundschau“ beruhten und sonst wurde sehr wenig Aufhebens von den Wiener Diskussionen gemacht. All diese Dinge interessieren nicht weiter und man hat anderes zu tun. Bei den Arabern, die nicht in einer wirtschaftlichen Expansion begriffen sind, wo die Mehrzahl der Bevölkerung nach wie vor unter einem gewaltigen ökonomischen Druck seufzt, spielt die Politik eine viel bedeutendere Rolle. Innerhalb dieses Lagers bestehen zur Zeit wieder schärfere Gegensätze zwischen den verschiedenen Gruppen, es zeigt sich die niemals ganz verschwundene Spannung zwischen Moslems u n C 11 r i s t e n in erhöhtem Malle und innerhalb der Führung gibt cs mannigfache Reibereien. Von neuem regt sich in den Kreisen, die in Opposition gegen die Arabische Exekutive stehen, der Ruf nach dem Zusammentritt einer Konferenz, die schwebende Fragen bereinigen und die jetzt im Amte befindliche, zerspaltene und nicht genügend einflußreiche Exekutive durch eine neue und einheitlichere ersetzen soll. Mit dem Besuch des Königs Faisal in Amman und Jerusalem hat die Diskussion über Möglichkeiten und Wege einer Föderation der arabischen Länder einen neuen Anstoß erfahren und der Eintritt Iraks 111 den Völkerbund trifft in Palästina, wo die Idee der Uri,1bhängigkeit“ immer tiefer Wurzel faßt, auf starken Widerhall. Diese Strömungen, Diskussionen und Kämpfe im arabischen Lager sind wie durch eine hermetische Wand von der jüdischen Umgebung abgeschlossen. Es ist, als handele es sich um zwei völlig getrennte Welten, obwohl doch jede Regung in dem einen Lager unfehlbar auf das zweite wirken muß und beider Schicksaie nicht voneinander zu lösen sind. * Der Jerusalemer Korrespondent des ״J e w i s h Chrö• niete“ bringt in der letzten Nummer die bemerkenswerte Meldung, daß Mr. French, der itn Brennpunkt des öffentliehen Interesses steht, möglicherweise von seinem gegenwärtigen Ferienurlaub nicht mehr nach Palästina zurückkehren wird. Inwieweit diese Nachricht auf Wahrheit beruht, wird die nächste Zeit lehren, aber sie kann immerhin als Zeichen einer gewissen Gefühlsrichtung Mr. French gegenüber gewertet werden. Inzwischen reist der Stellvertretende Landentwicklungsdirektor mit mehreren Beamten dieses Departements im Lande umher, um die Interessen ihrer Schützlinge, der landlosen Araber und Beduinen, wahrzunehmen. Weitere Einzelheiten des French-Berichtes sickern allmählich durch. Es scheint, daß Mr. F r e n c h die bisherige Bodenpolitik der Regierung einer ungewöhnlich scharfen Kritik unterzogen hat, die indirekt eine gewisse Auswirkung auf den Bodenkauf durch jüdische Organisationen hat. Zu Beginn des dritten Abschnitts des Ergänzungs-Berichts, der Vorbeugungsmaßnahmen vorschlägt, soll es angeblich heißen: ״Die Ent- Scheidung der Regierung, auf den Ländereien Araber anzusiedein, die von ihrem Grund und Boden depossediert worden sind, den sie bearbeitet haben, bevor die Juden sie daraus verdrängten, bedeutet die Erkenntnis eines Irrtums und eine Maßnahme, um diesen Fehler wieder gutzumachen, der eine Besitzverdrängung, wie sie sich vollzog, bewirkt hat. Es bedarf keines Ar• guments, um zu beweisen, daß eine Wiederholung dieses Fehlers nur zu einer Wiederkehr der gegenwärtigen Situation füllren kann. . . . Die verflossene Laissez-faire Politik der Regierung trägt die Verantwortung für die fortwährend entstehenden Bodenstreitigkeiten, die zu Konflikten zwischen Arabern und Juden führen und eine ernsthafte Bedrohung bilden. Es ergibt sich also die Notwendigkeit für eine begrenzte Kontrolle der Landübertragungen und Landverkäufe. Das Fehlen eines richtig organisierten Landverwaltungs-Systems ist mehr als alles andere verantwortlich für diesen ordnungswidrigen Stand der Dinge.“ Gewiß kann keine härtere Anklage von einem Beamten gegen seine Regierung erhoben werden, wie sie in der vorstehenden Analyse ihrer verflossenen Tätigkeit oder — wie Mr. French es bezeichnet — Untätigkeit zum Ausdruck kommt. Sogar die schärfste Kritik wird nicht leugnen können, daß diese Analyse, so sehr sie auch das Jüdische Nationalheim berührt, richtig ist. Die letzten Zwischenfälle im Emek und im Haifa- Bay-Bezirk, welch letzterer sich erst kürzlich durch das Eindringen von Beduinfen-Hirten in das Gebiert von-Beth-Äl|>hiw1»igetragen hat, zeigen klar, daß die Agitatoren in den Städten und Öörfern die Sachlage genau so einschätzen wie Mr. French es tut und dies bis zum äußersten ausnutzen. Der Zeitpunkt ist nahe, wo die Jewish Agency und die Arabische Exekutive ihre Erklärungen zu den beiden Berichten abgeben sollen. Die Jewish Agency hat, wie man weiß, ihre Erklärungen bereits vorbereitet, unter Mithilfe von sachkundigen Beratern, wie Mr. H. V i t e 1 e s , Generaldirektor der Zentralbank für Genossenschaften und Mr. Walter S. Cohn, Ehrensekretär des Wirtschaftsrates für Palästina, in London. Die Arabische Exekutive hat am 9. September eine Konferenz abgehalten, um ihre Stellungnahme zu den Berichten zu erwägen, die, wenn man etwas von arabischer Taktik weiß, einfach die Bekräftigung ihres ablehnenden Standpunktes bedeutet, eine vollständige Verwerfung aller Dokumente, ohne auf deren Hauptpunkte einzugehen. Im gleichen Briefe wird über die Propaganda für Riro-Bidschan in Palästina berichtet, die hauptsächlich vom extremen linken Flügel der Sozialisten geführt, sich langsam unter den Ostjuden ausbreitet, aber nur geringe Aussicht auf Erfolg hat. Einen aufschlußreichen Einblick in die Politik der Sowjetregierung geben Geheimdepeschen, die in der Palästina-Presse veröffentlicht werden. Danach soll aktiven Mit• gliedern der kommunistischen Partei Palästinas, die lieber nach Biro-Ridschan gehen wollten als ״im erwachenden.Osten“ ihre gute Sache zu verfechten, befohlen worden sein, im Lande zu bleiben und ״die revolutionäre Tätigkeit in Palästina“ zu fördern. Eine Ausnahme sollte nur für jene Kommunisten gemacht werden, die ״von der Polizei verfolgt werden“. Tonrille Dr. Friedemanns tttr den K. H. Eine der letzten Propaganda-Aktionen des Keren Hajessod in Deutschland für das Jahr 5692 wurde im Juni/Juii in Niimberg und in einer Anzahl rheinischer Städte durehgeführt. Für die Tournee hatte sich der Leiter des holländischen Keren Hajessod, Herr Dr. Adolf Friedemann (Amsterdam), dankenswerterweise zur Verfügung gestellt. •Dr. Friedemann sprach zunächst in zwei Zirkeln bei Herrn Dr. Thalmann (Nürnberg) über ״Stunde der Gefahr und Palästina“ und bei Frau Anna Lö wengart (Nürnberg) über das Thema ״Das Schicksal der Juden in der Gegenwart“. Am 15. Juni referierte er in einem Zirkel bei Herrn Dr. Alfred Roseno (Köln a. Rh.) über ״Wirtschaftsniedergang i'n Europa — Wirtschaftsaufstieg in Palästina“, am 19. Juni in einer von Herrn Dr. b. e. Alfred Leonhard Tietz (Köln) geleiteten Veranstaltung der Jewish Agency im Hause des Herrn Dr. Adler in Mayen über das Thema ״Schicksalsstunde der Juden“ und sprach in den folgenden Tagen in mehreren öffentlichen Versammlungen und Privatzirkeln, gleichfalls unter dem Vorsitz von Herrn Dr. Alfred Tietz, in Bonn und Köln a. Rh. Weitere Vorträge fanden am 30. Juni und 2. Juli in Düsseldorf, am 6. Juli in Aachen und am 11. Juli in Trier statt. In Düsseldorf und Aachen sprach neben Dr. Friedemann Herr Oberregierungsrat Dr. Joseph Marcus (Düsseldorf) über seine Palästina-Reise. Der Verlauf der überaus gut besuchten Veranstaltungen hat bewiesen, daß es auch heute, und vielleicht gerade heute, möglich ist, den Palästinagedanken immer weiteren Kreisen nahezubringen, Kreisen, die diesem Gedanken bisher ferngestanden oder ihn gar abgelehnt haben, und daß das Interesse am Aufbau Palästinas immer stärker und reger wird. Das finanzielle Ergebnis der Aktion war ein überraschend günstiges. In einigen Orten ist das Resultat des Vorjahrs nicht nur erreicht, sondern wesentlich überschritten worden.