Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVII (1932)
- Issue
- Heft 76 (23.9.1932)
- Date
- 1932-09-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 368 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 76, 23. IX. 1932;יון! Ifcii'i zelnen Bünde. Die Aufgabe der Mo’azoth wird sein, im pädagogischen Sinne die einzelnen Organisationen zu beraten in bezug auf die Durchführung der hebräischen Arbeit. Dabei dürfe auf keine Organisation, auch nicht auf den Brith Trumpeldor, verzichtet werden. Jeder Jude, der für die hebräische Sprache Interesse zeigt, ist für uns wichtig. Reznikow spricht dann von den Methoden des Unterrichts und den vorhandenen Lehrbüchern. Aus verschiedenen Gründen lehnt er alle bestehenden Lehrbücher für Erwachsene ab. Es soll ihnen lieber sofort lebendige Lektüre in die Hand gegeben werden. Er schlägt vor, eine Wanderbibliothek zu schaffen. Zu diesem Zweck soll eine Bücherkasse der Jugend geschaffen werden, zu der alle Bünde einen Beitrag zahlen sollen und die dann von allen Bünden in Anspruch genommen werden kann, und zwar so, daß je nach Vorhandensein die verschiedenen Exemplare an die verschiedenen Bünde ausgeliehen werden sollen. Der ״Gescher“, die von dem Referenten herausgegebene Zeitung, soll verbessert und verschönert werden. Die hebräischen Lehrer aus Berlin und aus der Provinz, aber auch die Angehörigen der Jugendbünde selbst, sollen Material einsenden, das sie der hebräischen Presse und Literatur entnehmen und das ihrem Interessenkreis entspricht, ferner sollen sie Aufsätze einsenden, in denen von ihrem eigenen Leben berichtet wird. Dieses cingcsandte Material soll dann im ״Gescher“ zum Abdruck kommen. Die Aussprache. An diese drei Hauptreferate schloß sich eine rege Diskussiom, an der sich fast alle Bünde aus den verschiedensten Städten beteiligten. Teilnehmer an der Diskussion waren u. a.: Georg Pape- Bundesleitung Brith haolim, Nechemja Aloni, Feilchenfeld - Bundesleitung Esra, Dr. S c h ni u e 1 i - Breslau, F r e i f e I d - Leipzig, M i I e k - Bundesleitung Haschomer hazair, A 11 e r-Hamburg, Dr. Hans J. S at o rn o n - Berlin, Erich Ro s e n b I ü t h - Berlin, Jehuda Tschertok - Palästina, Emst D a v id - Bundesleitung Zeire Misrachi, Jehoschua G u t m a n n. Im Namen des Brith Iwrith Olamith schlägt Dr. Rawidowitsch vor, daß die Mo’azah sich als Jugendabteilung dem Brith iwrith olamith anschließt und diesem helfen soll, ein Weltbüro der hebräischen Jugend zu schaffen, ferner den Brith Iwrith bei der vorbereitenden Arbeit für den hebräischen Weltkongreß unterstützt. Folgende Beschlüsse wurden vorgeschlagen und angenommen: I. Irgun arzi (Landesorganisation). A. 1. Einmal im Jahre findet die hebräische Tagung der jüdischen Jugend Deutschlands statt. 2. Die Tagung wählt den Zentralrat für die hebräische Arbeit, der aus fünf Mitgliedern besteht. Der Zcntralrat leitet die Arbeit bis zur nächsten Tagung. 3. Der Sitz des Zentralrates ist in Berlin. 4. Die Beschlüsse des Zentralrates verpfliehten die an der W’idah teilnehmenden Jugendb ü n d e. 5. Jede Bundesleitung wählt einen verantwortlichen Leiter für die hebräische Arbeit innerhalb des Bundes, der auch der Mo’azah merkazith verantwortlich ist. B, Aufgaben des Zentralrates: 1. Es soll eine hebräische Zeitung für die gesamte jüdische Jugend Deutschlands herausgegeben werden. Vorläufig soll die Zeitung ״Hagescher“ das Organ sein, in der die Mo’azah ihre Bekanntmachungen veröffentlicht. Die Jugendbünde werden aufgefordert, diese Zeitung durch Abonnement zu unterstützen und mit Material zu beliefern. 2. Einmal im Jahr findet ein hebräisches Jugendlager in Deutschland statt. 3. In verschiedenen Zentren Deutschlands werden hebräische Seminare eingerichtet. 4. Die Mitglieder des Zentralrates besuchen in bestimmten Zqjtabständen die Provinz zwecks Propaganda und Inspektion der Arbeit. 5. Der Zentralrat unterstützt die Jugendbünde in der Arbeit der hebräischen Sprache und Literatur. Anmerkung dazu: Der Zentralrat enthält sich der Einflußnahme auf die Bünde in bezug auf Tendenz und Inhalt ihrer hebräischen Arbeit. II. Irgun bim’komoth (Ortsorganisation). A. 1. Jede Stadt gründet eine Mo’azah m’komith (Ortsrat; für hebräische Arbeit unter der Jugend. Die Mo’azah ist zusammengesetzt aus Vertretern der Jugendbünde, die in der betreffenden Stadt bestehen. 2. An der Spitze der Mo’azah m’komith kann auch ein nicht den Bünden angehörender Leiter stehen (z. B. einer der hebräischen Lehrer des Ortes, der in engem Zusammenhang mit der Jugend steht). 3. Jede Ortsgruppe der verschiedenen Bünde wählt einen verantwortlichen Leiter für die hebräische Arbeit innerhalb seiner Gruppe. Derselbe ist gleichzeitig der Mo’azah m’komith verantwortlich. 4. Die Mo’azah m’komith ist der Mo’azah merkazith untergeordnet. 5. Die Beschlüsse der Mo’azah m’komith verpflichten die Bünde des Orts. B. Die Tagung schlägt den Mo’azoth m’komijoth (Ortsraten) vor: 1. Gemeinsame hebräische Versammlungen für alle Bünde. 2. Gründung eines hebräischen Chores. 3. Gründung eines hebräischen Studios. 4. Einberufung eines Jom iwri (hebräischen Tages). 5. Beaufsichtigung des hebräischen Lernens und der hebräischen Arbeit. 6, Gründung hebräischer Klubs. III. Weitere Beschlüsse: 1. Die Tagung verpflichtet alle Jugendbünde, die hebräische Zeitung ״Gescher“ zu abonnieren und unter ihren Mitgliedern zu verbreiten. 2. Die Tagung mactii allen Gruppenführern und hebräischen Lehrern zur Pflicht, die Zeitung in dem oben angeführten Sinne mit Material zu beliefern und selbst für die Verbesserung der Zeitung Sorge zu tragen. 3. Die Tagung verpflichtet den Zentrairat, sofort eine Wanderbibliothek aus Lehr- und Lesebüchern, hebräischer Literatur jeder Art, Zeitungen und Landkarten für alle lernenden Jugendgruppen cinzuricliten. 4. Die Tagung verpflichtet den Zentralrat, ohne Aufschub eine Bücherkasse einzurichten für die Gründung der Wanderbibliothek wie für die Erhaltung und Fundierung des ״Gescher“. 5. Die Tagung beauftragt den Zentralrat, zur Klärung der Stellung zum Brith iwrith olamith lind zur Abfassung entsprechender Beschlüsse die notwendigen Verhandlungen zu führen. 6. Die Tagung macht dem Zentralrat zur Pflicht, die hebräischen Lehrer in Deutschland zusammenzurufen, um sie zu einer Stellungnahme zur Art des hebräischen Unterrichtes in Deutschland zu veranlassen. Aut der Tagung wurden einstimmig in den Zentralrat gewählt: Nachum Lewin als Vorsitzender, Georg Pape- Brith haolim, Dr. Hans J. S a 1 o mo n - K. J. V.-Zi. St., Max Ziem eis - Kadimah, Brecher - Esra-Zeire Misrachi. An der Tagung teilgenommen haben 71 Delegierte aus 18 Orten und 10 Organisationen, und zwar: Arbeiterkreis, Brith haolim, Esra, Hamakkabi hazair, Haschomer hazair, Hechaluz, Kadimah, K. J. V., Zeire Misrachi, Zi. St. Es liefen Begrüßungen ein von der Zionistischen Exekutive-London, vom Hauptbüro des KKL-Jerusalem, vom Waad hal’umi-Jerusalem, von der Hebräischen Sprachschule aus München, vom I. P. D.-Leipzig. Die Bundesleitung des Esra, der sich bereit erklärt hat, an der gemeinsamen Arbeit zu beteiligen, bittet jedoch, folgende Erklärung zu veröffentlichen: ״Der Esra will sich der Arbeit der Mo’azah anschließen, erklärt aber im Gegensatz zu den anderen Bünden, daß für ihn keine gemeinsame ideologische Basis mit diesen Bünden besteht, auf Grund derer er sich an Erklärungen ideologischer Art beteiligen könnte.“ Dr. H. J. Salomon. Die doppelte Disziplin Revbionlslen and Zionistische Organisation Warschau, 20. September. (J. T. A.) Das Zentralkomitee der Zionistischen Organisation Polens befaßte sich in seiner Plenarsitzung mit den Beschlüssen der fünften revisionistischen Weltkonferenz hinsichtlich der Disziplin, in denen zum Ausdruck kommt, daß alle, auch die schekelzahlenden, Mitglieder der Union einzig und allein der Disziplin der Union unterworfen sind, während andererseits der Disziplinbeschluß des Zionistischen A.-C., als mit den Statuten der Z. O. nicht vereinbar, für die einzelnen Zionisten nicht bindend sei. Nach eingehender Beratung beschloß das Zentralkomitee der polnischen Zionisten einstimmig, sich an die Zionistische Exekutive in London und Jerusalem, sowie an das A.-C. mit einem Memorandum zu wenden, in welchem dargelegt wird, daß die Haltung der revisionistischen Weltunion in der Disziplinfrage in absolutem Gegensatz zu dem Disziplinbeschluß der letzten A.-C.-Sitzung steht und daß eine Unterwerfung der sehekclzahlenden Revisionisten unter die Wiener Beschlüsse eklatanten Disziplinbruch gegenüber der Z. O. bedeutet. Die Behauptung der Revisionisten, heißt es in dem Memorandum weiter, daß die zionistische Disziplinforderung in Widersprach zu den Statuten der Z. O. stehe, sei durch nichts begründet. Die Stellung der Revisionisten in der Disziplinfrage bedroht die Einheit der Zionistischen Weltorganisation. Die Exekutive möge darum den revisionistischen Sonderverband auffordern, sich bedingungslos der Disziplin der Zionistischen Weltorganisation zu unterwerfen, andernfalls möge die Exekutive auf Grund der ihr vom A.-C. erteilten Vollmachten die zionistischen Gerichtsinstanzen zusammentreten lassen, damit diese die Rechte des zionistischen Sosderverbandes bis zur nächsten A.-C.-Session suspendiert. Bis zur nächsten Session soll auch die Reorganisierung der zionistischen Institutionen wie Palästinaamt usw. ausgesetzt werden. * Zur Frage der ״doppelten Disziplin“ äußert sich Robert Stricker in nachstehender, vieldeutiger Weise: Aber die Mehrheit der Zionisten-Revisionisten hat den Gedanken der Spaltung abgelehnt. Sie will in der Zionistisehen Weltorganisation, der Schöpfung Theodor Herzls, verbleiben, in dieser Organisation für die Herzischen Ideen kämpfen, diesen Ideen die Organisation zurückerobern. Nach hartem Kampf ist es gelungen, auf der revisionistischen Weltkonferenz diese Anschauung durchzusetzen. Die unabhängige Organisation, d. h. die Organisation, welche die Zugehörigkeit zur alten Organisation ausschließt, wurde nicht geschaffen. Der revisionistischen Union gehören von nun ab schekelzahlende und nichtschekelzahlende Zionisten an, welche im Dienste des gemeinsamen Programms gemeinsame Arbeit verrichten. Die revisionistischen Schekelzahler, die eine überwiegende Majorität darstellen, verbleiben aber in der Zionistischen Weltorganisation, um auch dort ihre Pflicht zu erfüllen und für die Regenerierung der Herzl-Organisation zu kämpfen. Dieser Ausgang der Konferenz, welcher die zionistische Bewegung vor einem großen Unglück bewahrte, hat ein schrilles Echo hervorgerufen. Ein Teil der allgemeinen zionistischen Presse, vor allem in Deutschland, Oesterreich und der Tschechoslowakei, und die linke zionistische Presse, fordern mit lautem Geschrei den Ausschluß der schekelzahlenden Revisionisten aus der Zionistischen Organisation. Diese Leute, unter deren Herrschaft die Organisation immer tiefer und tiefer gesunken ist, glauben den Augenblick gekommen, sich der ihnen lästigen Mitarbeit und Kontrolle der aufstrebenden Partei, die auf dem Boden des großen, des nationalen Zionismus steht, entledigen zu können. Ihre Parole lautet: ״Heiligkeit der Disziplin! Die Disziplin der Zionistischen Organisation duldet keine andere!“ Die ״Hinauswerfer“ bedienen sich bei ihrer jetzigen Kampagne ganz skrupellos einer gefälschten Meldung über den Verlauf der revisionistischen Weltkonferenz. Das ist jene Meldung, die behauptet, daß auf der Konferenz die ausschließliche Geltung der Disziplin der Union festgelegt wurde, also ein Primat dieser Disziplin, welches die Anerkennung der Disziplin jeder anderen Organisation unmöglich macht. Diese falsche Version wurde von einer Telegraphenagentur verbreitet und leider in einem Interview des in die Opposition getretenen ehemaligen Leitungsmitgliedes der Union, des Herrn Richard Lichtheim, der voreilig der Falschmeldung Glauben schenkte, bestätigt. ln Wirklichkeit hat die Konferenz gegenteilig gehandelt. Sie hat nach langen, oft heftigen Kommissionsberatungen die Aufstellung des Primats einer Disziplin abgelehnt. Auch hier hat sich ein gesundes zionistisches Gefühl durchgesetzt. Die Vertreter der organisationstreuen Revisionisten haben festgestellt, daß die Union nicht geschaffen wurde, um einen Kampf gegen die Zionistische Organisation und deren Bestand zu führen, sondern zu dem Zwecke, dem unverfälschten zionistischen Programm zum Siege zu verhelfen, überall, also auch in der Zionistischen Organisation. Sie sehen daher keinerlei unüberbrückbaren Konflikt, der sich aus der Zugehörigkeit zu beiden Organisationen ergibt. Maßgebend ist letzten Endes das zionistische Gewissen. Solange dieses nicht verletzt wird, besteht Disziplin. Wird es verletzt, hat die Disziplin ihr Ende gefunden, ebenso in der Zionistischen Organisation wie aucn in der revisionistischen Union. Sind doch die beiden Organisationen nicht zwangsweise Zusammenfassungen von willenlosen Menschen, sondern freiwillige Gemeinschaften von Menschen, die dem gleichen Ziele zustreben. Die organisationstreuen Zionisten sind überzeugt, daß es ihnen möglich sein wird, einerseits in der Zionistischen Organisation, andererseits in der Union fruchtbare Arbeit zu leisten. Sie nehmen daher die Pflichten beider Organisationen auf sich und sehen ruhig, ohne Angst vor ״Disziplinkonflikten“, der Zukunft entgegen. Diesen Standpunkt hat die Weltkonferenz anerkannt und von der Erstellung eines Primats irgendeiner Disziplin, von der Proklamierung der ״Ausschließlichkeit“ einer Disziplin Abstand genommen. * Hierzu ist zu bemerken: Der Beschluß des A.-C., der auch mit den Stimmen der revisionistischen Mitglieder angenommen wurde, stellte eindeutig fest, daß die D i s z i - plin gegenüber der Zionistischen Weltorganisation unbedingt den Vorrang hat. Es drängt sich die Frage auf, ob Mehrheitsbeschlüsse nur für diejenigen, die ihnen zugestimmt haben oder für die Gesamtheit der Mitglieder, solange sie in der Organisation sind, Geltung haben. Von der Zionistischen Exekutive ist zu fordern, daß sie in dieser Angelegenheit schleunigst und unzweideutig im Sinne der gefaßten Beschlüsse Stellung nehme. In Nr. 33 des ״H a o 1 a m“ vom 25. 8. d. J. findet sich ein Aufsatz über die Lage der Juden in Deutschland. Dem Autor ist in diesem Aufsatz ein Irrtum unterlaufen. Bei der Kritik des Verhaltens des nationaldeutschen Max Naumann zu den Nationalsozialisten wird behauptet, Max Naumann wäre Herausgeber der C.-V.-Zeitung und ein führendes Mitglied des C.-V. gewesen. Wer die deutsch-jüdischen Verhältnisse kennt, weiß, daß Max Naumann seit jeher ein Gegner und Bekämpfer des C.-V, ist. Pressesdiau J. Klinow schreibt im Warschauer ״Hajnt“ u. a.: In Wadi Chawarith sind vor einiger Zeit jüdische Siedler von Arabern überfallen worden. Wir sind jetzt in der Lage lestzustellen, wie die damaligen Angriffe organisiert wurden, und wie sich der ,,arabische Volkszorn“ von Zeit zu Zeit ״spontan“ entlädt. Wir lesen darüber eine genaue Darstellung im Moskauer ״Emess“. Ohne Umschweife, im Gegenteil mit einem gewissen Selbstgefühl, wird im ״Emcss“ erzählt, welch roßen Anteil jüdische Kommunisten in Palästina an den Ausrächen des arabischen ״Volkszorns“ haben. Ein Berichterstatt er, J. Langmag — der Name ist wahrscheinlich ein Pseudonym ־— schildert in zwei Fortsetzungen unter der Bezeichnung ״Berichte über den Arbeiter- und Bauernkampf in Palästina“, wie das ״Revkom“ (Revolutions-Komitee) direkten Einfluß auf die Ereignisse in Wadi Chawarith genommen hat. Wenn man diese Berichte gelesen hat, erhält man ein ganz klares Bild. Soll man sich darüber aufregen? Diese Enthüllungen bieten nichts Neues. Neu ist nur, daß wir diesmal authentisches Material von den direkt Beteiligten vor uns haben. Neu ist, daß die jüdischen Kommunisten vor aller Oeffcntlichkeit eingestehen, daß sie die arabischen Fellachen aut jüdische Arbeiter, Frauen und Kinder hetzen. Wer bisher geglaubt hat, daß die blutige Propaganda gegen die Juden in Palästina aut den Mufti und die Effendis zurückzuführen ist, nehme Nr. 181 und 182 des ״Emess“ vom August d. J. zur Hand und lese die Berichte des Oenossen Langmag. Der Gewährsmann des ״Einess“ erstattet seinen Bericht in novellistischer Form. Es ist eine Geschichte einer einsamen Betonhütte bei Chederah, in der die Kommunisten ihren Sitz haben. Diese Hütte wird ״Revkom“ genannt, ln diesem ״Revkom“ arbeitet der Hektograph und von dort organisiert man Streiks, von dort führt man Krieg gegen die Hausbesitzer wegen der Mieten und gegen die jüdisehen Kolonisten, die die Kommunisten los sein wollen. Langmag schildert die Kämpfe mit der Histadruth, aber das alles ist nur Einleitung. In der Hauptsache geht es um die I Schilderung der Zusammenstöße zwischen Arabern und Juden 1 auf dem Boden von Wadi Chawarith. ״Schechtmann“ (wahrscheinlich auch ein Pseudonym des Anführers des palästinensischcn ״Revkom“), schildert der ״Emess“, ״begab sich in dunkler Nacht nach Wadi Chawarith“. Es folgt eine Be- Schreibung der Nachtstimmung. Schechtmann klopft an das Fenster einer Fellachenhütte und der schlanke Mohammed, erstaunt, daß trotz der dunklen Nacht der Führer des ״Revkom“ erschienen sei, ruft aus: ,,Ach du bist es, der trotz der Finsternis den Weg hierher gefunden hat? Ja, man kann sich aut dich verlassen, du bist ein wahrer Bolschewik.“ ״Wir haben keine Zeit zu plaudern,“ antwortet Schechtmann. ״Wir müssen uns an die Arbeit machen, sieht du, was ich gebracht habe? Dieses Paket Flugblätter muß man noch heute verteilen. Es sind Aufrufe der Zentrale. Sofort muß die Verteiiung vorgenommen werden, denn bei Tagesanbruch muß ich in der Kolonie Chederah zurück sein.“ J. Langmag erzählt weiter: ״Frühmorgens, als die Fellachen erwachten, fanden sie an ihren Haustüren weiße Bogen mit blauer Schrift, die die Unterschrift P. K. P. (Palästinensische Kommunistische Partei) trugen, und in denen sie aufgefordert wurden, ihren Boden zu verteidigen, wobei ihnen die Unter- Stützung der Kommunisten in ihrem Kampf versprochen wurde.“ Im ״Emess“ wird der Besuch eines Arabers int ״Revkom“ geschildert. ״Der alte Mustapha beugte sich zu Schechtmann und begann flüsternd seine Rede: Gestern sind die Zionisten erschienen, um unseren Boden zu beackern. Das Dort beschloß, die Fremden bei der Arbeit auf unserem( Boden zu hindern. Es kam zu einer Prügelei. Das ist aber der Anfang. Ich bin gekommen, um mich mit dir zu beraten. Einige unserer Leute haben Angst, es wäre also gut, wenn jemand von der Partei zu uns kommen und eine Versammlung abhalten würde.“ Schechtmanns Antwort lautete: ״Ihr müßt dafür sorgen, daß beim Hügel alle erscheinen. Wir werden einen Referenten schicken, aber bleibet fest und ihr werdet siegen.“ . . . , ,. , An einer anderen Stelle des Berichtes wird geschildert, wie Mohammed aus seinem Gürtel ein Messer zieht und die Schneide prüft. Hierbei sagt er: ״Es geht um die Fellachen oder um die Zionisten,“ und dann verschwindet er in den Bergen. ״Aus der Ferne hörte man später Stöhnen und Hurrarufe“ heißt es im ״Emess“-Bericht . . . Offener und zynischer kann man nicht mehr sein, wie Herr Langmag in seinem Bericht. # Die ״Kölnische Volkszeitung“ veröffentlichte unter denf Titel 10״ Jahre Palästina-Mandat“ einen Aufsatz, in welchem nach der Darstellung der Verhältnisse in Palästina u. a. ausgeführt wird: Für uns Katholiken heißt es, diese veränderte Situation genau ins Auge zu fassen und ihre Weiterentwick- Jung wachsam zu verfolgen, denn bei alldem stehen die wertvollsten Güter, unsere religiösen Interessen auf dem Spiel. England und der Völkerbund haben den Zwiespalt zwischen Juden und Arabern geschaffen, weil sie durch die staatsrechtliehe Bevorzugung der Juden in der Schaffung eines Nationalheimes die Araber benachteiligt haben, wenn auch die politische Praxis Englands die hochgeschraubten Hoffnungen des zionistischen Judentums nicht erfüllt hat. Nichtsdestoweniger hat Palästina heute noch keine Verfassung und die arabische Mehrheit keinerlei Einfluß auf eine parlamentarische oder gesetzgebende Körperschaft. Aber das Entscheidende für uns ist, daß bei der Sorge Englands um die Prosperität Palästinas nur nackter politischer Egoismus maßgebend ist, aber keinesfalls religiöse Rücksichten auf die heiligen Stätten. Die christlichen Interessen sind durch das Palästina-Mandat in keiner Weise gefördert worden; jedoch kann man andererseits England keinerlei unmittelbare Benachteiligung nachweisen. Für den Katholizismus hat das anglikanische England wenig übrig. Es wirbt stark um die Gunst der griechischorthodoxen Kirche, die heute ihres politischen und finanziellen Rückhaltes an Rußland beraubt ist. Das Liebäugeln mit den schismatischen Kirchen, die im yorderen Orient noch weit verbreitet sind, hat natürlich politische Hintergründe, Hinzu kommt die Gefahr des Fanatismus der Moslems, der allzu leicht das politische Missionswerk der Engländer und Amerikaner mit dem unpolitischen katholischen Missionswerk identifiziert. Zurzeit ist die Stellung Englands in Palästina und im Vorderen Orient noch unerschüttert — die Zivilverwaltung des Heiligen Landes ist fast durchweg mit britischen Beamten besetzt —, es ergeben sich aber in Zukunft drohende Gefahren für die heiligen Stätten und das Werk der. Glaubcnsverbreitung im Lande der Bibel. Namentlich von deutscher katholischer Seite ist in Anbetracht des übernationalen Charakters des Heiligen Landes eine Aenderung des staatsrechtlichen Zustandes durch eine Neutralisierung des Heiligen Landes gefordert worden. Daß solche von allen wahren Christen zu billigende und zu unterstützende Forderungen bei der heutigen Lage des Völkerbundes und der mangelnden christlichen Staatsidee bei den ihm angehörenden Völkern kaum Erfolg haben, wissen wir leider nur zu gut; aber es darf uns nicht abhalten, gegenüber dieser neuen Entheiligung und Herabwürdigung des Heiligen Landes zum Spielbali und Zankapfel politischer Machtansprüche einen geistigen Kreuzzug vorzubereiten und durchzuführen. Der Aufsatz schließt mit den Worten: Deutsche Katholiken seid auf dem Posten! Wahrt unsere heiligsten Güter im irdischen Jerusalem! Gott will es!