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Jüdische Rundschau · 1932-09-23 · Heft 76 (23.9.1932) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 76 (23.9.1932)
Date
1932-09-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 76, 23. IX. 1932 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 367 Delegiertentag der deutschen Wizo Frauenarbeit in Palästina Hebräische Jugendiagung in Berlin Die erste hebräische Jugendtagung Deutschlands wurde am Sonnabend, dem 17. September, im Rahmen einer großen zionistischen Kundgebung mit dem Motto: Arbeit ~~ Boden — Sprache eröffnet. Ungefähr 1500 Personen, zum überwiegenden Teil Jugendliche, nahmen an der feierlichen Eröffnung teil, die Nachum L e w i n , der Vorsitzende des hebräischen Jugendrates, mit einer kurzen Ansprache einleitete. Nachdem Nachum Lewin die wuchtigen Worte des Propheten Ezechiel, Kap. 37, vorgelesen hatte, ging er auf die Tagung selbst ein und führte ungefähr folgendes aus: Trotz der größten Schwierigkeiten von außen sowohl wie von innen ist es doch gelungen, diese Tagung einzuberufen. Zu ihrer Begründung, gerade in der heutigen Zeit, sei gesagt: Der Zionismus, die jüdische Renaissancebewegung, beruht auf drei Fundamenten, auf Land, Sprache und Menschen. In der hebräischen Sprache finden sie alle ihren Ausdruck. Der Zionismus ist keine losgelöste Bewegung. Wir sind Glieder einer langen Kette, die sich durch die vielen Generationen hindurchzieht und der wir organisch verbunden sind. Die jüdische Jugend von heute beginnt den Sinn dieser ununterbrochenen Kette zu verstehen, die, ausgehend vom Liede der Prophetin Deborah, sich fortsetzt bis zu den neuesten poetischen Schöpfungen der hebräischen Literatur, von den Heldentaten eines Simson bis auf die Leistungen unserer jüngsten Pionierarbeit in Palästina. Die Jugend von heute beginnt zu verstehen, daß es nur eine Möglichkeit gibt, ein organisches Glied dieser Kette zu werden: durch die Beherrschung der hebräischen Sprache, die zu ihr den Zugang eröffnet. An einem dem Dibbuk entnommenen eindrucksvollen Beispiel versuchte Nachum Lewin zu zeigen, daß es einen Weg zur Vollkommenheit gebe, und dieser bestünde in der Vereinigung der drei Hauptmomente: Boden, Arbeit und Sprache, d. n. Keren Kajemeth, Chaluziuth und Hebräisch. Die Tagung selbst fand am Sonntag, dem 18. September, in den Räumen des Bcth-Am statt. In aas Präsidium wurden gewählt: Nachum Lewin als Vorsitzender, Heini Charas- Brith Haolim, F eilchenfeld - Esra, Lutz S c h i 11-Kadimah, Dr. Hans J. S a I o m o n ־ K. J. V. als Mitglieder. Die Arbeit in Deutschland. Die Tagung wurde eröffnet mit einem Referat von Mosche Schapiro. Der Redner sprach von dem allgemeinen Stand der hebräischen Arbeit in Deutschland, der zur Zeit noch schlecht sei. Die Sorge um die hebräische Arbeit in Deutschland hat den hebräischen Jugendrat veranlaßt, zu dieser Tagung einzuladen. Der Kampf um die hebräische Sprache in der ganzen Welt zeigt, daß unsere Arbeit noch unvollkommen ist. Wir haben im Laufe der Jahrhunderte vieles verloren. Was uns aber als Wesentlichstes verlorengegangen ist, das ist die Sprache. Die Verbreitung der hebräischen Sprache ist unsere Aufgabe. Sie ist aber nur da möglich, wo eine Verbundenheit mit Palästina besteht. Soll die Sprache lebendig werden, soll sie zur gesprochenen Sprache werden, so muß sie mit der Wirklichkeit verbunden sein. In Deutschland, wo die Zahl der Juden verhältnismäßig klein ist, gibt es keine jüdsiche Atmosphäre. Es ist hier anders als z. B. in Polen, wo jedes hebräische, jedes jiddische Wort mit dem Judentum verbindet, das dort Wirklichkeit ist. Hier muß diese Atmosphäre erst geschaffen werden. Zum System des Lernens führt der Referent aus: Es sei falsch, das Lernen mit dem Studium der Grammatik zu beginnen, wie man das in Deutschland zu tun pflegt, vielmehr müsse man die Sprache lernen wie das Kind, das von Grammatik noch nichts weiß und die Regeln der Sprache als selbstverständlich in sich aufainunt. Es sei nicht so wesentlieh, ein gutes, als vielmehr ein lebendiges Hebräisch zu sprechen, wie es auch der Arbeiter in Palästina tut. (Diese Anschauung fand in der Diskussion wiederholt Ablehnung.) Man solle sich daher nicht darauf beschränken, mit der älteren Jugend und den Erwachsenen Hebräisch zu treiben. Man müsse schon mit dem Kinde (8—10 Jahre) beginnen, Hebräisch zu lernen. Wenn diese Kinder dann groß geworden sind, werden sie das hebräische Publikum stellen sowohl für die hebräische Presse als auch für die hebräische Literatur, sie werden sich bis dahin das Verständnis dafür erworben haben. Hebräisch und die Jugend-Bünde. Das zweite Hauptreferat hielt Nachum Lewin. Er wies auf die Schwierigkeit dieser ersten hebräischen Jugendtagung hin. Die einzelnen Bünde kennen sich und die gegenseitige Einstellung zur Sprache, zum Lernen und zur hebräischen Arbeit zu wenig, als daß eine gründliche Vorbereitung für die Diskussion möglich gewesen wäre. Der Jugendrat habe sich aber für diese Tagung eine Frage gestellt, die eine Hauptfrage der Tagung sein müßte: Wie kann man die Mitlieder der Jugendbünde veranlassen, sich ernsthaft mit der ebräischen Sprache zu beschäftigen. Bisher wurde zwar auch hebräische Arbeit geleistet, sie wurde aber neben der anderen Arbeit gemacht. Sie muß aber in allen Bünden zu einem organischen Bestandteil der gesamten Jugendarbeit werden. Diese Tagung muß allen Teilnehmern das Gefühl einflößen, daß die hebräische Arbeit den wesentlichsten Platz in der gesamten Jugendarbeit einnehmen muß. Diese Arbeit muß aber auch, wenn sie fruchtbringend sein soll, mit dem arbeitenden und schaffenden Palästina organisch verbunden sein. Hebräisch ohne Palästina ist heute undenkbar. Ebenso aber ist auch Palästina ohne Hebräisch unmöglich. Palästina ohne Hebräisch ist Biro-Bidschan. Man mag dem entgegenhalten, daß auch vor dem Zionismus, vor dem lebendigen Palästina eine große hebräische Kultur bestand. Wenn auch diese Entgegnung richtig ist, so muß doch anerkannt werden, daß heute Palästina allein uns die Kraft gibt, eine große hebräische Bewegung wachzurufen. Es geht nicht an, daß man eine Scheidung trifft, hie Palästina, hie hebräische Sprache. Wer zu uns kommt mit dem Wunsche, Hebräisch zu lernen, leitet diesen Wunsch von irgendeiner Beziehung mit Palästina her, wie mannigfach und verschieden auch diese Beziehung sein mag. — Es gibt zwar noch viele Zionisten, die nicht Hebräisch lernen, es gibt aber schon Nichtzionisten, die mit großem Eifer Hebräisch arbeiten. Die Zionisten werden aber zu Hebräern werden müssen, sowie die Hebräisch Lernenden notwendig zu Zionisten werden müssen. — Die hebräische Arbeit wird nur dann Erfolg haben, wenn sie ein organischer Bestandteil der gesamten Arbeit aller Bünde sein wird. So wird es möglich sein, eine hebräische Atmosphäre zu schaffen, die solche Arbeit fundiert. Die hebräische Atmosphäre wird dann geschaffen werden, wenn die hebräischen Kräfte aller Bünde zu einer großen Kraft zusammengeschlossen werden, und zu diesem Zweck hauptsächlich ist diese Tagung einberufen worden. Durch die Konzentrierung soll die Arbeit innerhalb der Bünde befruchtet werden, es sollen sich daraus gemeinsame Arbeiten, Veranstalfungen, Tagungen, hebräische Lager, große hebräische Feste, hebräische Chöre, hebräische Studios und hebräische Seminare ergeben. Diese Gemeinsamkeit der hebräischen Arbeit muß eine Angelegenheit der Jugend selbst werden. Die Beschlüsse des hebräischen Zentralrats, der auf dieser Tagung gewählt werden soll, als auch der örtlichen Mo’azoth, die nach dieser Tagung gewählt werden sollen, sollen für die Bünde ebenso verpflichtend sein wie die Beschlüsse der eigenen Bundesleitungen. Durch die Zentralorganisation sollen jedoch die Am 8. und 9. September fand in Frankfurt a. M. im Synagogensaal, Unterlindau 17, und in den Räumen der Israel. Haushaltungsschule der 111. Delcgiertentag des Verbandes Jüdischer Frauen für Palästinaarbeit (Deutsche Föderation der ״Wizo“) statt. Es muß an dieser Stelle ausgesprochen werden, daß dank einer ausgezeichneten Vorbereitung durch den Berliner Vorstand die Verhandlungen in straffer disziplinierter Art geführt wurden, der umfangreiche Arbeitsplan des Delegiertentages sich in knapper und präziser Form abwickelte und die innere Einheit der deutschen Wizo sichtbar hervortrat. Die Frauen der Wizo haben nicht nur an Sachkenntnis, sondern auch an Methode gewonnen. Die beiden Hauptreferate hielten Frau Blumen fehl, Berlin, über ״Die Entwicklung der Weltorganisation“ und Frau Dr. Turnowsky über ״Probleme der deutschen Arbeit“. Frau Blumenfeld schilderte das Erstarken der Wizo, ihre räumliche und zahlenmäßige Ausdehnung, die Uebernahme neuer Tätigkeitsgebiete und Institutionen. Zu der Ursprungliehen Aufgabe, die Ausbildung der Frau für die landwirtschaftliehen und hauswirtschaftlichen Berufe, ihre Eingliederung als schöpferisches Element in den Produktionsprozeß Palästinas, ist nunmehr durch den Anschluß an die palästinensische Histadruth Naschim Iwrioth die Fürsorge für Mutter und Kind in das Arbeitsprogramm der Wizo aufgenommen worden. Auch die Tatsache, daß bei der letzten Alija die weibliche Einwanderung 40 Prozent der Gesamteinwanderung beträgt, erweitert den Aufgabenkreis der Wizo. Für diese völlig unvorbereiteten Frauen heißt es Ausbildung- und Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen. Dank einer vorsichtigen Finanzgebarung der Londoner Exekutive stand die Wizo in Palästina diesem Zustrom nicht völlig ungerüstet gegenüber. Die Konsolidierung der landwirtschaftlichen Mädchenfarjnen bildet ein weiteres wichtiges Projekt für die nächste Zukunft. Frau Dr. Turnowsky appellierte an den Delegiertentag, trotz der schwierigen Verhältnisse in Deutschland alle Kräfte für die Aufbringung des Budgets einzusetzen, das die Verwirklichung dieser Aufgaben erst ermöglicht. Doch haben wir für Palästina nicht nur Geld, sondern auch Menschen bereitzustellen. Frau Dr. Turnowsky gibt Richtlinien für den inneren Ausbau der deutschen Föderation, der jetzt entscheidend wichtig ist, nachdem die Verschmelzung beider für Palästina arbeitenden Verbände restlos vollzogen und die Zusammenarbeit von Zionistinnen und Nichtzionistinnen kaum irgendwo noch ein Problem bildet. Die von uns geforderte Kulturarbeit darf nie Selbstzweck werden, sondern durch die Beschäftigung mit den Problemen des Judentums muß der Wille zur Mitarbeit am Aufbauwerk wachsen. Die Schulungs- und Erziehungsarbeit der Mitglieder ist ein wesentliches Mittel zur Gemeinschaftsbildung. Ueber die Art, wie diese Schulungs- und Erziehungsarbeit zu leisten ist, sprach in der Generaldebatte Frau Dr. Rahel Straus s, München. Erfahrungsgemäß ermöglichen kleinere Arbeitszirkei mit einheitlichem Thema eine intensivere Erfassung und Durchdringung der Mitglieder als Vorträge in größerem Rahmen. Wenn auch der Palästinagedanke in den Wizogruppen leitend sein muß und zeitweilige Informationsabende über alle Gegenwartsfragen unerläßlich sind, muß durch Bibel- und Geschichtskurse die Vergangenheit des Judentums lebendig gemacht werden, eine Forderung, die von der Berliner Gruppe mit Ihrem in der letzten Arbeitsperiode abgehaltenen und als Fortsetzung geplanten Schulungskursus vorbildlich erfüllt worden ist. Von besonderer Werbekraft hatte sich die Behandlung pädagogischer Fragen erwiesen, die dem jüdischen Kind ein jüdisches Leben in- und außerhalb des Hauses vermitteln soll: Gebet, Feste, Lektüre, Kindergarten, Schule, Bünde. Ein wohlgelungener Versuch der Wizo, das sehr stagnierende Leben der zionistisehen Ortsgruppe München neu zu beleben, soll erwähnt und gegebenenfalls zur Nachahmung empfohlen werden. Die Ortsgruppen-Mitglieder wurden in 15 Gruppen eingeteilt, jede Gruppe in ein bestimmtes Haus eingeladen, wo ein diesem Milieu angepaßter Vortrag, Konzert usw. geboten und im An- Schluß daran zwangsmäßig eine allgemeine Aussprache über zionistische bzw. jüdische Fragen herbeigeführt wurde. Die Männer haben diese zionistische Intensivierung durch die Frauen sehr begrüßt. Besonders lebhaft gestaltete sich die Debatte, ob und inwieweit die Wizo soziale Arbeit im Galuth in ihr Arbeitsprogramm aufnehmen soll. Der Haupteinwand gegen eine solche Programmerweiterung war der, daß durch eine Zer- Splitterung der Kräfte und Geldmittel das Palästinawerk ernstlieh gefährdet werden könnte. Frau Harriet H u r vv i t z - B a e r, Berlin, die im letzten Sommer eine Ferientageskolonie für 50 Kinder im Norden Berlins begründet und geleitet hat, wies überzeugend nach, in welcher Weise dieser Gefahr begegnet werden kann; Wie gerade durch diese Arbeit neue Frauen ge- Wonnen, brachliegende Kräfte aktiviert und sowohl bei diesen mitarbeitenden Frauen als auch bei den Kindern und deren Müttern der Palästinagedanke Wurzel geschlagen hat. Die Geldmittel waren fast ausschließlich von Nichtzionisten aufgebracht worden. Sie befürwortete weitere Gründung von Tagesheimen für die auf den Straßen berumlungernde schulentlassene und erwerbslose jüdische Jugend und auch für Erwachsene. Der Delegiertentag empfahl den Gruppen, die soziale Arbeit im Galuth im Sinne der nach Palästina orientierten Volksarbeit in ihr Programm aufzunehmen; sie darf aber nur als Zusatzarbeit geleistet werden, ohne daß das Palästina-Budget der Wizo beeinträchtigt wird. In den letzten Monaten konnte in den Kreisen der erwerbslosen weiblichen Jugend ein verstärkter Drang zur Auswanderang nach Palästina beobachtet werden. Um die Verhängnisvolle Auswirkung eines planlosen Hinübergehens ohne genügende Ausbildung zu verhindern, wurde die Errichtung einer Berufsberatungsstelle für Mädchen beschlossen, die in Zusammenarbeit mit dem ״Hechaluz“ und anderen jüdischen Tendenzen der einzelnen Bünde in bezug auf ihre hebräische Arbeit nicht berührt werden. Die Mo’azoth sollen nur dafür Sorge tragen, daß in den einzelnen Bünden die hebräische Arbeit geleistet wird und daß diese sich an den allgemeinen, von der Mo’azoth veranstalteten Arbeiten beteiligen. Durch positive hebräische Arbeit in der Jugend wird es möglich sein, auch Einfluß zu nehmen auf die Erwachsenen, die heute noch dieser Arbeit fernstehen, und dadurch wird die Gründung wirklicher hebräischer Schulen und Kindergärten in Deutschland, wie sie bisher immer noch nicht bestehen, ermöglicht werden. So wird eine wahre hebräische Atmosphäre in Deutschland geschaffen werden können. Am Schluß seines Referates macht Nachum Lewin praktische Vorschläge für die Mo’azah merkazith, die größtenteils später von der Tagung angenommen wurden. Im Namen des Brith Trumpeldor gibt dann Heller eine Erklärung ab, in der die Mitglieder des Brith Trumpeldor ihr Institutionen sowie Ausbildungsstätten in Palästina und in Deutschland die Notwendigkeiten mit den Möglichkeiten in Einklang zu bringen versuchen soll. Frau Flörsheim, Hamburg, berichtete über neue Möglichkeitcn der Geldaufbringung neben der Veranstaltung von Festen, die meist eine gute Einnahmequelle bilden. Da jetzt mit größeren Spenden kaum mehr zu rechnen sei, und die Erfahrung gelehrt habe, daß man für soziale Zwecke noch immer leichter Geld bekommt als für ideelle, hat Hamburg eine Säug- I i n g s a k t i o n durchgeführt, die einen größeren Betrag brachte. Es wurden verschiedene Anregungen gegeben auf׳ Grund von Erfahrungen der ״Hadassah“ in Amerika. Ueber die dringende Notwendigkeit, durch sachlich geschulte Rednerinnen die Werbearbeit auf die kleinen Pro-1 vinzstädte auszudehnen, sprach Frau Irma L c w y, Breslau. Die Zusammenarbeit mit den zionistischen Gruppenverbänden und zionistischen Ortsgruppen müßte stärker als bisher ins Auge; gefaßt werden. Die Schaffung eines Propaganda-Reisefonds wird angeregt. Frau Henny Frank und Frl. Frankenstein, Berlin, forderten stärkere Beteiligung der zionistischen Mitglieder der Wizo an der allgemeinen zionistischen Arbeit und Eintritt in die zionistischen Ortsgruppen. Auch erhöhte Mitarbeit an unseren beiden Fonds und am Hechaluz ist Pflicht. Die Mitarbeit am KKL soll künftighin laut Councilbeschluß statistisch erfaßt werden zur Festsetzung eines von der Wizo zu übernehmenden Jahreskontingents. Einen sehr breiten Raum nahm auf dieser Tagung die Frage der Zusammenarbeit der Wizo mit anderen jüdischen und interkonfessionellen Verbänden ein. In Uebereinstimmung mit den auf der Councilsitzung in Wien zu Tage getretenen Wünschen empfahl Frau Jettka Le vy-Stcin Mitarbeit an allgemeinen und interkonfessionellen Friedens- und Frauenverbänden, um dem Palästinagedanken auch hier Eingang zu verschaffen und unrichtige, einseitige Darstellungen zu verhindern. Von besonderer Aktualität war das Problem des Verbleibens im Jüdischen Frauenbund, dem die Wizo als Korporation angeschlossen ist. Die weitere Zusammenarbeit war in Frage gestellt durch eine vom Jüdischen Frauenbund auch im Namen der ihr an geschlossenen Verbände veröffentlichen Erklärung gegen die Abhaltung des Jüdischen Weltkongresses in Genf mit einer Begründung, die aus assimilatorischem Geiste heraus eine Behandlungsmethode der Judenfrage in der Gegenwart empfiehlt, wie sie den Ideen der Wizo diametral entgegengesetzt ist und die sie mit ihrem Namen weder decken konnte noch wollte. Die sehr erregte Diskussion, die die Zeit des Delegiertentages über Gebühr in Anspruch nahm, gewann an Schärfe durch die Anwesenheit von Frl. Bertha Pappenheim — wie man sagt, der Verfasserin jener Begründung —, der als Gast das Wort erteilt worden war, und die nun vergeblich versuchte, den Standpunkt des Jüdischen Frauenbundes zu rechtfertigen. Da in einer Zeit wie heute nicht die Zerrissenheit, sondern die Zusammenfassung und Einung aller Kräfte im jüdischen Volke Zielpunkt sein muß, wurde die Frage des Austritts fallen gelassen. Der Delegiertentag stimmte aber einer Resolution zu, in der die Begründung des Jüdischen Frauenbundes — nicht die negative Stellungnahme zum Weltkongreß als solche — abgelehnt und in der gefordert wurde, daß in Zukunft vor öffentlichen «optischen Kundgebungen des Frauenbundes, di* im Namen aller angeschlossenen Verbände erfolgen sollen, mit der Leitung der deutschen Wizo Fühlung genommen werden soll. Es wurden auch Wünsche laut, daß der Frauenbund mehr als bisher in seinen Ortsgruppen der Palästinaarbeit Raum gewähren soll. Zur Jugendarbeit sprachen Frl. Frost, Frankfurt am Main, Frl. Dr. Münz vom Kontinentalbund, Wien, sowie Frau Freier, Berlin, über die Wizo chadaschah. Die Frage des Verhältnisses der Jungwizo-Gruppen zum Kontinentalbund und der Zusammenarbeit mit der Wizo unter Wahrung aller: Selbständigkeit sowie der Hachscharah und Alijah von Jungwizo-Mitgliedern war Gegenstand einer lebhaften Diskussion, die keine volle Klärung brachte. Der Delegiertentag beschloß, die Gründung von Kontinental־!ungwizo-Gruppen im Reich zu unternehmen und sie zu unterstützen. Auf Anregung von Frau Loew-Tachauer wurden die Statuten einer gründlichen Revision unterzogen und vom Delegiertentag genehmigt. Es wurde ferner die Gründung von Bezirksgruppenverbänden beschlossen. Den Finanzbericht erstattete Frau Dr. Marie Mayer. Das Budget für die kommende Arbeitsperiode wurde neükontingentiert angenommen. Die Neuwahlen ergaben folgenden geschäftsführenden Vorsfand in Berlin: Frau Jenny Blumenfeld, 1. Vorsitzende, Frau Dr. Margarete Turnowsky-Pinner, 2. Vorsitzende, Frau Rose Batt sek, Frau Dr. Ina B r i t sc 11 g i-S c h i m m e r, Frau Henny Frank, Frl. Betty Frankenstein, Frau Recha Freier, Frau Edith Hirsch, Frau Harriet Hurwitz-Ba er, Frau Jettka Levy-Stein, Frau Dinah L i p i n s k i, Frau Dr. Marie Mayer. Die Vorstandsmitglieder aus dem Reich sollen innerhalb 4 Wochen nominiert werden. Am Tage nach dem Delegiertentag führte ein Tee im gastlichen Hause von Frau Emilie Darmstädter die Delegierten noch einmal in kleinerem Kreise zusammen. Hier sprach Frau Blumenfeld von dem Plan, im nächsten Frühjahr eine Gesellschaftsreise der Wizo nach Palästina zu veranstalten, zu sehr ermäßigten Kosten, um recht vielen Frauen die Möglichkeit zu geben, das Land, für das wir arbeiten, mit eigenen Augen zu schauen. Ueber den Erfolg der sachlichen Beratungen hinaus hat die Frankfurter Tagung, die verschönt war durch die Bemühungen und die Gastfreundschaft der Frankfurter Damen, ihre Teilnehmer mit erhöhter Arbeitsfreude erfüllt, ihren Willen und Impuls verstärkt, trotz aller Not und aller Schwere der augenblicklichen Situation unbeirrt den Blick auf das eine Ziel gerichtet zu halten, unser Land aufzubauen unter Hingabe unserer besten Kräfte. Dr. fna Bri t s eh gi -S ch i m m e r. Bedauern darüber aussprechen, daß sie nicht weiter an der Tagung teilnehmen können, da ihnen bekanntgeworden sei, daß diese Tagung organisatorisch mit der Zionistischen Organisation verbunden sei, aus der sie ausgetreten sind. Trotzdem Nachum Lewin diese Auffassung als irrtümlich berichtippte, haben die Mitglieder des Brith Trumpeldor doch auf eine weitere Teilnahme an der Tagung verzichtet. Dr. Landauer begrüßt die Tagung im Namen der Z. V. f. D. und verspricht die weitgehendste Unterstützung der Arbeit durch die Z. V. f. D. Die Frage der Lehrmittel. Das dritte Hauptreferat hielt Reznikow (Breslau). Redner macht Vorschläge in bezug auf die hebräische Zeitung Hagesche r. Er stimmt Nachum Lewin zu, daß die Mo’azah sich nicht einmischen solle in die Arbeit der ein- ..iiuihiihihihmhiihiih...... £;

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