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Jüdische Rundschau · 1932-09-20 · Heft 75 (20.9.1932) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 75 (20.9.1932)
Date
1932-09-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 75, 20. IX. 1932 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 363 Geld da. Aber dieses Argument ist sehr fadenscheinig, denn die einzige Konsequenz, die man aus ihr ziehen kann, ist, daß dann eben das Budget umgebaut werden muß. Diese Prüfung wäre notwendig: eine Prüfung aller Posten, die Erforschung neuer Einnahmequellen — es verlautete doch einmal etwas von einer Einkommensteuer, aber man hat lange nichts mehr davon gehört — die Untersuchung der Ausgabenpostcn usw. Wir sind von einer derartigen Politik, die der Regierung die Bedürfnisse der gesamten Bevölkerung mit allem Nachdruck vor Augen führt, noch sehr weit entfernt. Es ist vorläufig niemand vorhanden, der sie führen sollte. Sie kann nur gemacht werden unter dem Gesichtspunkt des allgemeinen Wohles des Landes Palästina; sie kann nur getragen werden von der Gesamtbevölkerung, von Gruppen von Juden und Arabern gemeinsam, die nicht einzelne Punkte der Taktik vor Augen haben, sondern den großen Komplex der Zivilisierung des Landes. Das gibt es aber heute noch nicht. Jede Gruppe sorgt für sich und untersucht ängstlich, ob hier nicht eine gegnerische Absicht vorliegt. Freilich, an bestimmten Punkten der wirtschaftlichen Not wird der Zauberkreis durchbrochen und es entstehen gemeinsame Verbände für bestimmte Einzelzwecke. Auch das ist unter den gegebenen Bedingungen ein Fortschritt. Aber eben nur ein geringer. Es kann ja kein Zweifel darüber bestehen, daß die Administration sich einer Bewegung zur Hebung des Volksschulwesens zum Beispiel, eines Kampfes gegen das Analphabetentum, wenn er von Juden und Arabern gemeinsam getragen wird, auf die Dauer gar nicht widersetzen kann. Der Druck, der dadurch erzeugt würde, wäre zu stark, das Ziel, um das gekämpft wurde, läge zu klar im Lichte der Zivilisation und einer vernünftigen Verwaltung. Aber so wie die Dinge heute liegen, gibt es keine solche Bewegung, keinen solchen Kampf, keinen solchen Druck. Die Regierung kann ruhig ihrer gewohnten Arbeit nachgehen und wenn sie sich dazu versteht, Ihren Anteil am jüdischen Schulwerk nachzuprüfen, so ist das unter den gegenwärtigen Verhältnissen bereits ein Sieg. Was nur beweist, daß man in den Ansprüchen an eine moderne Landesverwaltung ungewöhnlich bescheiden geworden ist. Daesterbergs jüdischer Ahne Die Gauführer des Landesverbandes Mitteldeutschland des stramm antisemitischen ״Stahlhelm“ erlassen einen Aufruf, in welchem zu den nationalsozialistischen Angriffen auf den zweiten Stahlhelm-Bundesführer Oberstleutnant Duesterb e r g Stellung genommen wird. Es wird durchaus nicht geleugnet, daß Duesterberg von Juden abstammt, aber gesagt: ״Wir stehen in unwandelbarer Treue zu Duesterbcrg als dem bewährten Führer und lassen uns darin auch durch die von der nationalsozialistischen Presse erfolgten Veröffentlichungen über seine Abstammung nicht beirren. Wir wissen: Duesterbergs Großvater, um dessentwillen er heute herabgesetzt werden soll, hat sich 1813 als Soldat in die Front des deutschen Befreiungskampfes gestellt und als Freiwilliger das Eiserne Kreuz erworben, ln den 119 Jahren, die seitdem vergangen sind, haben er und seine Nachkommen sich im gleichen Geiste bewährt. Unser Duesterberg ist in Potsdam und Lictrterfelde in der strengen Schule des preußischen Kadettenkorps erzogen worden. Er wurde in erster selbsterworbener Anerkennung einem bevorzugten Infanterie-Regiment überwiesen. Sein leidenschaftlicher vaterländischer Tätigkeitsdrang führte ihn zur Chinaexpedition. Schon damals verwundet, zeichnete er sich im Weltkrieg an der Front und auf selbständigen, verantwortungsvollen, hohen Posten im ״Kriegsministerium und in '’idpr.obersten Heeresleitung aus. Der gegen.ihn geführte Schlag hlt ihn vollkommen überraschend getroffen. Er hat ihn vorübergehend gesundheitlich niedergeworfen. Er wollte gehen, aber die Treue seiner Stahlhelmkameraden hat ihn wieder auf gerichtet. Wir halten dem 2. Bundesführer des Stahlhelm und unserem Landesführer Mitteldeutschlands die Treue, wie er sie dem Stahlhelm gehalten hat.“ Dazu bemerkt ״Vorwärts“ u. a.: Herr Duesterberg braucht sich seines Großvaters, des tapferen Juden Abraham Selig, ganz gewiß nicht zu schämen. Arbeit — Boden — Sprache Der Auftakt für das neue zionistische Arbeitsjahr in Berlin vereinigte am 18. September 1500 Zionisten zu einer großen Manifestation im Lehrervereinshaus. Alle zionistischen Jugendbünde nahmen an der Kundgebung teil, der Versammlungsraum bot ein farbenfrohes Bild. Nach einigen Liedern des hebräischen Chors sprach Nachum L e w i n über die Bedeutung dieser Kundgebung, betonte die Wichtigkeit der ersten hebräischen Jugendtagung für Deutschland und verlas einige Begrüßungen, darunter eine Begrüßung der Londoner Exekutive. Im Aufträge der Zionistischen Vereinigung für Deutschland lind im Namen der Berliner Zionistischen Vereinigung begrüßte Dr. Werner Bloch die hebräische Jugendtagung und erteilte das Wort Herrn Dr. Nahitm G o 1 d m a n n. In seinem Referat gab Dr. Goldmaiin einen Ueberblick über die Lage des osteuropäischen und des mitteleuropäischen Judentu ms und verweilte besonders bei der Situation der Juden in Deutschland. In eindringlichen und wirkungsvollen Worten zeigte er, daß die zionistische Diagnose zu grausamer Realität geworden ist und daß die Judenfrage heute brennender denn je in Erscheinung getreten ist. Nur ein starkes, auf sich selbst besinnendes Judentum wird den Gefahren der Umwelt gewachsen sein. In solchen Zeiten kommt alles darauf an, jüdische Menschen und insbesondere die jüdische Jugend zu erziehen, um den jüdischen Menschen gegen häßliche Angriffe der Umweit gefeit zu machen. Palästina ist heute keine Phantasie und keine Utopie mehr. Dort sei echtes jüdisches Leben, und unsere Aufgabe wird es sein, noch in unseren Tagen, das Werk groß und stark werden zu lassen. Nach Dr. Ooldmann zeigte Dr. Werner Bloch, wie jltr Zionismus in Berlin mit dem neuen Arbeitsjahr eine intensive Tätigkeit beginnt. Er wies auf die hebräische Jugendtagung, auf die Hechaluz-Konferenz, auf die Rosch Haschanah- Aktion des KKL und auf die zweite Berliner Zionistische Stadtkonferenz hin. Dr. Bloch appellierte an die Zionisten Berlins, trotz der Nöte und Sorgen des Alltags alle Kräfte für ■eine Vergrößerung des zionistischen Werkes In Palästina einzusetzen. Zum Schluß der Veranstaltung wurde eine Szene von Schlonsky vorgeführt. Die Musik zu der Szene hat Daniel Sambursky geschrieben. Den Bewegungs- und Sprechchor hatte Dania L e w i n einstudiert. Die Darstellung war eindringlieh und wirkungsvoll. Anläßlich der Anwesenheit des Bürgermeisters von Tel- Awiw, Mayer Dizengoff, in Berlin, trat das Präsidium des Weltverbandes Schomre Schabbos zu einer Sitzung zusammen, in der Herr Dizengoff die Bemühungen der Stadtverwaltung von Tel-Awiw um die Wahrung des öffentlichen Charakters des Sabbath schilderte. In der folgenden Aussprache wurden die Wege erörtert, die eine gesetzliche Verankerung der Sabbathruhe ermöglichen. Die ״Petition** der Revisionisten Die von der revisionistischen Weltkonferenz angenommene Resolution gegen die Mandatarmacht lautet: ,,Die Ins Unermeßliche wachsende jüdische Not und der durch Verschulden der Mandatarmacht unerträglich gewordene Zustand in Palästina, der die Entwicklung des Jüdischen Nationalheims bedroht und zum Wortlaut und Sinn der Balfour-Deklaration und des Palästina-Mandates in krassem Widerspruch steht, zwingt das jüdische Volk in einer großen, von den Volksmassen getragenen Demonstration die Aufmerksamkeit der zivilisierten Welt auf das der jüdischen Nation widerfahrene Unrecht zu lenken; die V. Weltkonferenz der Union der Zionisten-Revisionisten beschließt die Proklamierung einer groß angelegten jüdischen Petitionsbewegung, die unmittelbar nach der Verlegung der Zentrale nach Genf einzuleiten ist. Die Petition soll einerseits die wesentlichen Verstöße der Mandatarmacht feststellen, andererseits folgende Hauptforderungen des Zionismus erheben: 1. Freie jüdische Einwanderung. 2. Durchführung einer Bodenreform in Palästina zur Erleichterung der Errichtung des Jüdischen Nationalheims in Palästina. 3. Wirksame Maßnahmen zum Schutze der jüdischen Kolonisation und der jüdischen Einwohnerschaft des Landes. 4. Einbeziehung Ostpalästinas (Transjordanien) in das Gebiet der jüdischen Kolonisation. 5. Schaffung eines auf die jüdische Kolonisation eingestellten Regimes in Palästina.“ Einand Auswanderung in Biro־Bidschan Moskau, 7. September (J. T. A.) Die Administration von Blro-Bidschan teilt mit, daß vom 1. Januar bis 31. Juli d. J. 8000 neue Einwanderer in Biro-Bidsclian eingetroffen sind; unter diesen waren 416 aus dem Ausland Eingewanderte, u. a. 48 Amerikaner, 79 Argentinier und 47 Deutsche. In dem Berieht wird bedauert, daß ein beträchtlicher Prozentsatz dieser Neueinwanderer Biro-Bidschan wieder verließ; die Zahl dieser Rückwanderer wird aber nicht angegeben. Namentlich den ausländischen Organisationen wird vorgeworfen, daß sic bei der Werbung von Siedlungswilligen diese nicht vorher über die vorhandenen Schwierigkeiten aufgeklärt haben. Die Administration teilt ferner mit, daß in Biro Bidschan Arbeitermangel herrscht, man benötigt sofort 1315 Arbeiter, besonders Bauarbeiter. Die kürzlich nach Biro-Bidschan entsandte Bergbau-Experten-Kommission hat das Vorkommen von Magnesium von 42 prozentiger Reinheit in Biro-Bidschan entdeckt. Kleine Nachrichten Der jüdische Wächter Jacob L e v i wurde am frühen Morfen des 14. September auf der nach dem Karmel führenden traße in der Nähe von Haifa ermordet aufgef u n d e n. Ein Armenier und zwei Araber, die in der Nacht mit Levi in einem arabischen Cafe spielten, wurden als der Mordtat verdächtig verhaftet. Man nimmt an, daß der Mord auf Streitigkeiten beim Spiel zurückzuführen ist. Der Waad Leumi hat ja dem Schiedsspruch wegen der zwischen der Histadruth und dem Papoel Hamisrachi in der Kolonie Hadar ausgebrochenen Konflikte auf die Notwendigkeit hingewiesen, daß die beiden Organisationen ihre Beziehungen in bezug auf Arbeitsfragen ein für alle mal regeln, damit derartige Zwischenfälle in Zukunft vermieden werden. Die Arabische Exekutive kündigte für Freitag, den 16. Sepfember, eine öffentliche Geldsammlung in ganz Palästina an, deren Ertrag dazu verwendet werden soll, den Erwerb arabisehen Bodens durch Juden zu verhindern. , ** palästinen sische Filmgesellschaft ״FEI“ (Film Erez Israel), die bereits einen Film im Lande gedreht hat, ist an die Aufnahme eines neuen Films nach einer Er- Zahlung von C. Liebermann geschritten, der 2000 Meter lang werden soll. In dem Film wirken u. a. Herr Gnessin und Frau Aschmann mit. Die Hauptaufnahmen werden im Emek gemacht. Aus Anlaß des 50jährigen Jubiläums der ,3 i I u“ haben die Allgemeinen Zionisten Palästinas beschlossen, eine Kolonie mit dem Namen ״Bilu“ zu begründen. Die vom Berliner Kriminalkommissar Dittschlag geleitete Untersuchung in der Angelegenheit des Sprengstoffattentats in der jüdischen Siedlung Groß-Gaglow am 17. August hat zu einer vollen Aufklärung der Umstänae des Attentats geführt. Die Namen der Verhafteten und bereits — zum Teil durch direktes Geständnis — überführten Attentäter sind: Das Apothekerehepaar Heinrich in Kottbus, das das Material geliefert haben soll, und die drei nationalsozialistischen S.-S.-Leute Hoffmann, Reinhardt und Steinbrück. Reinhardt ist Führer einer Motorrad-Abteilung der Nationalsozialisten. Die neunte Ordentliche Delegiertentagung des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands wurde für den 25. und 26. Dezember nach Frankfurt a, M. einberufen. In Wilna starb im Alter von 54 Jahren der hervorragende hebräische Pädagoge Dr. Salomon Jona Czarno, Direktor des hebräischen Lenrerseminars. Moskau, 13. September. (J.T.A.) Eine von Vertretern von Komzet, Agrojoint und Ort besuchte, in Jewpatoria stattgefundene Beratung nahm einen Beschluß an, in den jüdischen Kolonien in der Krim im Verlauf des kommenden Winters 60 Werkstätten für Kleinindustrie zu eröffnen. Die Einführung von Kleinindustrien soll dem jüdischen Landwirt das Durchhalten auf dem Boden erleichtern. Der schweizerische Bundespräsident gegen den Antlsemitlsmus. Bei der Waldstättefeier in Luzern anläßlich der 600jährigen Zugehörigkeit Luzerns zur Schweizerischen Eidgenossenschaft am 10. September hielt Bundespräsident Motta eine Rede, wobei er u. a. auch auf den Antisemitismus zu sprechen kam und den freiheitswidrigen antidemokratischen Geist neuer politisclier Strömungen scharf verurteilte. Er brandmarkte namentlieh den Rassenfanatismus. Diese Rede wurde durch die Schweizer Sender übertragen und machte ungewöhnlich starken Eindruck weil sie vom höchsten Funktionär des Landes und in so feierlichem Augenblick in Gegenwart der andern Bundesräte, der höchsten Behörden und Vertreter aller Volksteile gesprochen wurde. Die Juden der Schweiz aber erblicken in der oedenkliehen Tatsache, daß dies in der ältesten Demokratie der Welt von höchster Stelle aus ausgesprochen werden muß, ein Zeichen der Zeit nach dem Weltkriege und unverdientess ״Geschenk“ der freundnachbarlichen Länder deutscher Zunge an die friedfertige, im Geiste der Völkerversöhnung wirkende Bevölkerung des Schweizerlandes. J. M. Rehabilitierung Dr. Dßrfflers. Vor einigen Monaten wurde gegen den der nationalsozialistischen Partei angehörigen Regensburger Chirurgen, Sanitätsrat Dr. D ö r f f 1 e r, der Vorwurf erhoben, er habe dem verunglückten jüdischen Schüler Mandelbaum, der schwerverletzt in Dörfflers Privatklinik gebracht worden war, aus antisemitischen Gründen ärztliche Hilfe versagt. Sowohl ein ärztliches Berufsgerieht wie auch ein ordentliches Gericht, welches gegen eine Münchener Zeitung wegen Verbreitung des oben angeführten Vorwurfes verhandelte, kamen /.ur Feststellung, daß Dr. Dörffler seine ärztliche Pflicht nicht verletzt habe. Es ist ein Gebot der ,Wahrhaftigkeit, diesen Sachverhalt festzustellen. Ortsgruppen Bremen. In den letzten 31/2 Jahren bewegte sich die zionistische Arbeit in Bremen nur in einem kleinen zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossenen Kreis zionistisch interessierter Menschen. Diese Arbeit wurde in unermüdlicher Weise von unserem Freunde Elias Schragenheitn geleistet und geleitet, der seit mehr als 30 Jahren an leitender Stelle am zionistischen Wirken in Bremen Anteil nimmt. Die besondere Situation Im Zionismus veranlaßte jetzt die Ortsgruppe, aus ihrer Zurückhaltung hcrauszutreten und wieder in größerem Maßstabe ihr Wirken an die Oeffentlichkeit 7,11 verlegen. Am 6. September fand eine Neukonstituierung der Ortsgruppe statt. Als Auftakt für die wieder beginnende Arbeit sprach im Juli Dipl.-lng. Heinemann aus Hamburg über ״Umwelt und üdenfrage“. Seine Rede fand einen großen Widerhall und löste eine hochinteressante Diskussion aus. Die Ortsgruppe veranstaltete ferner einen Diskussionsabend mit einem Referat von Peter Pintus über ״Jüdische Jugendbewegung und der Palästina-Gedanke“, zu welchem eine Anzahl Jugendlicher aus dem Lager des neutralen Jugendbundes erschienen waren. Außerdem sprach Frl. stud. med. dent. Grete Fink, Bremen-Berlin, über die Arbeit in den zionistischen Studentinnenbünden. Die sich hieraus ergebende Diskussion wurde hauptsächlich von jugendliehen Menschen geführt und bewies, daß es nur eines Anstoßes bedarf, um in ihnen das Interesse am jüdischen Aufbauwerk zu erwecken. Darmstadt. Am 25. August fand auf Einladung von zionistisch interessierten Kreisen in kleinerem Rahmen eine Vorbesprechung statt, die zur Gründung einer zionistischen Ortsgruppe führte. Im Verlauf des Abends berichtete zunächst Dr. lsaac über das zionistische Leben der letzten 10 Jahre in Darmstadt. Die lebhafte Diskussion ließ klar erkennen, daß die Behandlung zionistischer Fragen nur im Rahmen einer Ortsgruppe möglich sei. Von den Anwesenden erklärten sofort 26 ihren Beitritt. Die Ortsgruppe hofft, demnächst mit einem propagandistischen Vortrag an die jüdische Oeffentlichkeit barmstadts heranzutreten. Dresden. Am 2. Juli d. J. fand in der Lesehalle der israel. Religionsgemeinde die Gründung eines ״Chug Iwri“ statt. Der Chug hat die Aufgabe, die hebräisch Sprechenden in Dresden zwecks Pflege der hebräischen Sprache und Literatur zu vereinigen. Es haben bereits einige Abende stattgefunden, unter anderem ein sehr interessanter Vortrag des Fräulein Jardena Kohen aus Palästina über ״Das Leben in den Kwuzoth“. An der anschließenden hebräischen Aussprache haben sich fast alle Anwesenden beteiligt. Anmeldungen und Anfragen an den Leiter, Herrn Astrachan, Elsässer Straße 5, Telephon Nr. 60 540. Essen. Wir haben den Verlust unseres Freundes und Gesinnungsgenossen Levi Rosenberg zu beklagen. Er zählte zu den Gründern unserer 1907 ins Leben gerufenen Ortsgruppe und war schon vorher einer der eifrigsten Mitarbeiter und tatkräftigsten Förderer unserer Bewegung. Die älteren Gesinnungsgenossen werden sich noch der rührigen Tätigkeit dieses wackeren Juden entsinnen können. Die Inhalte seiner KKL-Büchsen waren vor dem Kriege vorbildlich für ganz Deutschland. Sie wiesen Summen von mehreren hundert Mark jährlich auf. Sein Andenken wird in uns immer lebendig bleiben. A. K. Leipzig. Die Sommermonate weisen von je ein Nachlassen der zionistischen Arbeit auf. Besonders nachteilig macht sich diesen Rückgang bei unseren großen Fonds, KKL. und Keren Hajessod, bemerkbar. Allerdings sind an der Verminderung der Qeldejngänge sehr wesentlich auch andere Ursachen schuld. Es darf gesagt werden, daß es in keiner jüdischen Gemeinde relativ so viel Proletariat gibt, wie in Leipzig; außerdem trägt die Zusammenballung der jüdischen Kaufmannschaft in einem Erwerbszweig, der bei der Internationalität seiner Verpflichtung besonders hart unter der Wirtschaftsnot zu leiden hat, sehr dazu bei, daß die finanzielle Leistungsfähigkeit geschwächt wird. Diese Tatsachen wirken sich um so unangenehmer auch auf die Träger der Arbeit aus, als die hiesige Judenheit noch mehr als früher von einer starken, triebhaften zionistischen Bereitschaft, einer gefühlsmäßigen Verbundenheit mit Erez Israel beseelt ist. Am augenfälligsten läßt sich dieses innere Beteiligtsein an dem Besuche unserer Veranstaltungen aufzeigen. — Anläßlich der Rückkehr der Palästinafahrer von der Makkabiah — es waren 15 junge Menschen drüben — inszenierten wir am 4. Mai gemeinsam mit dem Bar Kochba eine Begrüßungsfeier, bei der das große Erlebnis Erez Israel nicht nur bei den Fahrtteilnehmern vorhanden war, sondern sich auch auf die gesamte Zuhörerschaft übertrug._ In _ Kwuzah“ und ferner Kurt Ruppin am 25. Mai vor einem großeren Interessentenkreis über praktische Fragen der Mittelstandskolonisation. Beide Abende haben sehr dazu beigetragen, das Willensmäfiige zur Tat hin zu verdichten. Am 6. Juni Konnten wir den Vorsitzenden der Z. V. f. D., Kurt Blumenfeld, hier begrüßen, der an einem, vom K.J.V. ausgehenden, Diskussionsabend über ״Jüdische Neuorientierung“ sprach. Die Diskussion ist als nicht ganz geglückt zu bezeichnen, da sie von dem eigentlichen Thema weggeführt wurde. Die sehr fundierten Ausführungen Blumenfelds haben aber eine Reihe von bisher fernstehenden Menschen zum Nachdenken über die jüdische Situation angeregt. Ende Juni fand in einem Privathause eine engere Keren Hajessod-Veranstaltung statt, bei der Prof. Bernhard, Berlin, sehr wirkungsvoll sprach. Charakteristisch auch für diesen Abend ist es, daß eine große Anzahl von Herren zugegen war, die bisher das Palästinawerk ablehnten und jetzt zum Teil gewonnen werden konnten. Als Abschluß unserer Sommertätigkcit sei die sehr schöne Herzlfei er vom Sonntag, dem lft Juli, erwähnt. Diese Veranstaltung, die in Form einer Morgenkundgebung stattfand, wurde ausschließlich von unserer nationaljüdischen Jugend bestritten und wirkte mit ihren Kollektivdarbietungen, wie Sprechchören, Gesangschören, Aufmärschen und einer kurzen Ansprache neuartig und lebendig. Mainz. Am 24. August veranstaltete die Zionistische Arbeitsgemeinschaft im Gemeindesaat eine gut besuchte Gedenkstunde anläßlich des 28. Todestages von Theodor Herzl. Nach dem einleitenden Harmoniumspiel von Kurt Nitkewitz sprach Margot Oünzburg Hugo Zuckermanns ״In Memoriam“. Danach sang Max Blättner El Mole Rachamim. Dr. Ponieranz (Frankfurt), der Redner des Abends, würdigte in seiner Ansprache Herzls Leben als sein Werk. Mit dem Spiel der Hatikwah beschloß Kurt Nitkewitz die Gedenkstunde. H. L. Mannheim. Georg Pape referierte vorige Woche über die Probleme der Jugendbewegung und berichtete über den Frankfurter Delegiertentag. Die Teilnahme der Jugend an diesem Abend, die in überaus großer Zahl erschienen war und sich lebhaft an der Diskussion beteiligte, war außerordentlich erfreulich. Die Ortsgruppe wird sich angelegen sein lassen, im kommenden Winter mit der Jugend zusammenzuarbeiten. — Die Rosch-Haschanah-Aktion hat bisher außerordentlich gute Erfolge gebracht, es ist aber dringend erforderlieh, daß alle Sammler jetzt sofort mit Lilly Kahn, Beethoven- Straße 3, unbedingt abrcchnen und die Sammelaktion weiter fortsetzen. Dr. O. S.

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