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Jüdische Rundschau · 1932-09-20 · Heft 75 (20.9.1932) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 75 (20.9.1932)
Date
1932-09-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 720 ,צ. IX. 1932 JÜDISCHE RUNDSCHAU Sette 361 Neue Eniwicklungsphasen des Palästina-Aufbaus Referat Dr. Arthur R u p p i n (Jerusalem) auf dem Delegiertentag der Z, V. f, D. Der Zionismus ist wie alle neuen politischen Bewegungen Kämpferisch in die Welt getreten. Er hat gegen alle früheren Bewegungen zur Erhaltung des Judentums Stellung genommen und sie als nutzlos oder zumindest als unbedeutend in ihren -Wirkungen gekennzeichnet. Das war damals nötig. Der Zionismus hätte nicht die Kraft aufgebracht, die vor 40 Jahren notwendig war, um in das stagnierende Judentum Leben und neue Kraft hineinzubringen, wenn er nicht von vornherein diese kämpferische Note angeschlagen hätte. Aber in den letzten 40 Jahren ist die Stellung des Zionismus so stark geworden, daß er sich den Luxus erlauben kann, objektiv zu sein und die Bewegungen, die ihm vorangingen, in ihrer historischen Bedingtheit und Notwendigkeit zu sehen. Die Dinge sehen sich von rückwärts aus immer ganz anders an als im Fluß der Entwicklung. Sie wissen alle, daß die Emanzipation der Juden zurückgeht auf die Gedanken der französischen Revolution. Wenn Sie die Verhandlungsprotokolle über die Frage der Judenemanzipation in der französischen Nationalversammlung aus den Jahren 1789 bis 1791 nachlcsen, so werden Sie sehen, daß damals die Emanzipation der Juden, für die französische Deputiertenkammer nicht Selbstzweck war, eine Sache für sich, sondern ein Teilproblem der allgemeineu Emanzipation aller unterdrückten Völker, der Gleichheit all dessen, was Menschenantlitz trägt. Die besten Freunde der Juden sagten ganz offen und ganz ausdrücklich: Den Juden als Individuen geben wir alles, den Juden als Nation nichts. Es war der Gedanke der Menschheit, der damals all diese Verhandlungen beherrschte. Der Begriff der Nation spielte keine Rolle. Und wenn Sie sich vergegenwärtigen, daß in Mittel- und Westeuropa die Judenemanzipation als Emartzipation der Einzelnen, nicht als Emanzipation des jüdischen Volkes erfolgte und aus dem Gedankenkreise dieser Zeit heraus nicht anders erfolgen konnte, so werden Sie an fangen zu verstehen, weshalb auf dieser Grundlage die Entwicklung in Deutschland und in Frankreich und in England so war, wie sie geworden ist. Dabei muß ich davor warnen, daß wir so tun, als ob die ganze Judenheit bereits den Prozeß der Assim i I a t i o n durchgemacht hat. Die Assimilation hat eigentlich nur in den Ländern Platz gegriffen, in denen die Juden einen ganz kleinen Prozentsatz der Bevölkerung bildeten. In den Ländern der jüdischen Massensiedlung in Osteuropa hat es noch keine durchgreifende Assimilation in diesem Sinne gegeben. Dort hat die große Masse der Juden ihre eigene Sprache und ihre eigene Kultur bis in unsere Tage erhalten. Nicht immer, wenn wir von Assimilation sprechen, sollen wir das mit einem tadelnden Beigeschmack tun. Es gibt zweierlei Arten von Assimilationen: es gibt eine Art-erhaltende Assimilation und eine Art-zerstörende, die man als ״Annihilation“ bezeichnen könnte. Die Assimilation des liberalen Juden z. B. hatte nicht nur negative Seiten, sie hatte auch sehr viel Positives. Sie war darauf eingestellt, das Judentum in dem fließenden Strom der neuen Einwirkungen fremder Kulturen zu erhalten. Das liberale Judentum lehnte Mischehe und Taufe ah und erhielt dadurch, trotzdem es nur die Religion erhalten wollte, doch zugleich die jüdische Blutsgemeinschaft. Das liberale Judentum hat in der Schaffung der Gemeindeorganisationen sehr viel für die Erhaltung des Judentums getan. Wenn wir mit dem Zionismus über das liberale Judentum und seine Erhaltungstendenzen hinausgehen, so tuen wir das, weil wir glauben, daß die Schutzwälle, die das liberale Judentum aufwarf, heute nicht mehr genügen. Deshalb versuchen wir Zionisten in Palästina eine Zitadelle *tifzubauen, die stärker ist als die Schutzwälle im Gahith. Aber das besagt nicht, daß die früheren Schutzwälle einfach preisgegeben werden. Es gibt verschiedene Arten der Verteidigung, die nebeneinander hergehen können. Ich glaube, daß die Zeit gekommen ist, wo wir den Zionismus dazu bringen können, eine das ganze Judentum umfassende Bewegung zu werden. Wir wollen auch die Kreise, die uns heute gedanklich noch fern stehen, für unsere Sache gewinnen, und wir können sie gewinnen. Sie wissen alle, welch eine große Bedeutung einmal die Hegemonie im Judentum gespielt hat. Es war immer ein Land, das an der Spitze der Judenheit stand und das der ganzen Judenheit ihre Note gab und es verteidigte: es war Palästina, als der jüdische Staat noch bestand, es war dann Babylonien, später Spanien, Polen, Deutschland und jetzt vielleicht die Vereinigten Staaten von Amerika. Aber diese Hegemonie war immer die Hegemonie eines Landes. Was mir vorschwebt, ist die Hegemonie einer Idee, die Hegemonie der zionistischen Idee itn Judentum, die andere Maßnahmen zur Erhaltung des Judentums nicht beseitigt, aber in notwendiger Weise ergänzen und verstärken will. Der Zionismus soll der Königsgedanke, die Krönung aller auf Erhaltung der Juden abzielenden Bestrebungen sein. Wir brauchen das ganze Judentum für unsere Sache, denn die Aufgabe in Palästina ist groß und sie kann nur erfüllt werden, wenn die ganze Judenheit sich hinter den Palästinaplan stellt. — Es gab eine Zeit, es war das 12., 13. und 14. Jahrhundert, in dem die Juden in Deutschland ungefähr denselben Vorgang erlebten wie in den letzten Jahren: Ein Heruntergleiten von wirtschaftlicher Höhe. Die Juden in der Zeit der Kreuzzüge und später waren in Deutschland die großen Kaufherren; sie waren die ״Kap!- talisten“, sie waren in vielen Beziehungen den privilegierten Ständen gleichgestellt. Sie haben diese Stellung verloren, nicht weil sie im Konkurrenzkämpfe den christlichen Kaufleuten und Handwerkern unterlagen, sondern weil die Obrigkeit in den Städten oder die Zunftorganisationen sich kollektiv gegen die Juden wandten und ihnen ihr Aufwärtsstreben unmöglich mach- 1en. Ich weiß nicht, ob die Parallelerscheinungen, die wir heute sehen, dasselbe Resultat haben müssen. Es ist möglich, daß die Geschichte heute andere Bahnen geht, aber die Zurückdrängung der Juden aus den von ihren in Jahrhunderten schwer eroberten Positionen zeigt, daß die Lage der Juden keine stabile ist, daß sie in keiner Weise in ihrer Situation gesichert sind, und daß der Traum des Liberalismus und des Humanismus eben nur ein Traum ist, daß eine völlige Gleichstellung der Juden, solange sie Juden bleiben, eine sehr fragliche Sache ist. In dieser Lage kann der Zionismus, kann Palästina für die Juden eine ungeheure Rückenstärkung sein. Palästina wird nicht für alle Juden dieselbe Bedeutung haben. Die einen werden nach Palästina gehen und sich dort auf neuem Boden verwurzeln, die anderen, die das nicht können, werden versuchen, für ihre Kinder dort eine Existenzmöglichkeit zu schaffen, für diese jungen Mensehen, deren Zukunft heutzutage eine so hoffnungslose ist. Es ist eine schreckliche Tragik, das eine Generation aufwächst von begabten und arbeitswilligen jungen Juden, die keine Aussicht haben, ihre Kräfte in ihrem Geburtsland zu betätigen. Wenn der Zionismus dieser Generation eine Hoffnung gibt, so ist das schon eine außerordentlich große Sache. Selbst für diejenigen, die ihre Kinder nicht nach Palästina schicken können, wird Palästina eine Quelle des Trostes und der Aufmunterung sein. Sie werden nach Palästina fahren, von dort zurückkommen mit dem Gefühl, daß hier das Judentum seine große Geschichte in Freiheit fortsetzt. Wenn wir jetzt von Zionismus und Assimilation sprechen, sollen wir versuchen, das Trennende zu mildern und das Verbindende zu stärken. Jeder Jude, der darauf bedacht ist, die judenheit zu erhalten, soll uns willkommen sein als Mitglied in dem großen Werk, das wir in Palästina in den nächsten lahrzehnten zu leisten haben. Ich möchte nun kurz darauf eingehen, was in Palästina in den letzten Jahren geleistet wurde. Nehmen wir als Stichjahr das Jahr 1918, das Ende des Krieges, die Einführung der englischen Verwaltung in Palästina. Da sehen wir, daß in diesen 14 Jahren sowohl die Anzahl der Juden wie die von ihnen in Besitz genommene Bodenfläche, als auch die Zahl der jüdischen Landwirte sich verdreifacht hat: statt 65000 Juden gibt es heute fast 200000, statt 400000 Dunam Boden I 100 000, statt 15 000 jüd. ländlicher Bcvölkerung 46 000. Palästina hat im letzten Jahr 31/2 Millionen Kisten Orangen ins Ausland geschickt, davon ein Drittel aus jüdischen Pflanzungen. In kurzer Zeit wird der Export von jüdischen Orangen denjenigen der arabischen Pflanzungen übersteigen. Die jüdischen landwirtschaftlichen Siedlungen haben sich tcchnisch und wirtschaftlich in überraschender Weise entwickelt. Als die jüdische Kolonisation in Palästina nach dem Krieg einsetzte, und zwar auf der Basis der gemischten Wirtschaft, die in der Hauptsache auf Milchwirtschaft beruhte, hatte die einheimische Kuh einen jährlichen Milchertrag von 700 Litern, heute haben die Kühe in einer großen Zahl unserer Siedlungen durchschnittlieh 3500 Liter. Eierproduktion: früher jährlich ein Ertrag von 70 Eiern pro Henne, heute liefert das neu eingeführte Leghorn-Huhn das doppelte, Weizen trägt 60 kg pro Dunam bei den Arabern, bei uns 150 kg pro Dunam. Wir haben neue Kulturen eingeführt: Flachs, Bananen, Kartoffeln. In den Siedhingen des Ernek hat man es möglich gemacht, Grapefruit anzupflanzen. Das Organ der Kolonien zum Verkauf ihrer Produkte, die ״Tenuwah“ hat im letzten Jahre für etwa 150 000 C Produkte der Siedlungen im Aus- und Inland verkauft. Das sind Ziffern und Entwicklungen, die sich durchaus mit der Kolonisation in anderen Ländern vergleichen lassen. Es sind Angriffe erhoben worden gegen unsere Kolonisationspolitik, Man hat gesagt, warum wir gerade im Ernek, wo keine Orangen gepflanzt werden können, unsere Kolonisation begonnen haben. Wäre es nicht besser gew'esen, in der Küstenzone zu beginnen, wo man die so rentable Orange pflanzen kann? Aber in unserer Kolonisation Ist nicht nur die Rentabilität der ausschlaggebende Faktor. Hätten wir die Million Pfund, die wir seit dem Kriege in die landwirtschaftliche Kolonisation im Ernek hineingesteckt haben, für Kolonisation in der Orangenzone verwandt, so hätte das genügt, um dort 10 000 Dunam Boden mehr mit Orangen zu bepflanzen und 1000 Siedler mehr in der Küstenzone anzusiedeln. Aber es gibt dort ohnehin 70 000 Dunam jüdische Orangenpflanzungen. Wir hätten also dadurch, daß wir unsere Kolonisation in der Küstenzone hätten, nichts neues geschaffen, hätten aber den Ernek, der das Mittelmeer mit dem Jordan-Tal verbindet, nicht für die jüdische Kolonisation erwerben können. Gerade heute, wo die Petroleum-Röhren vom Irak durch den Ernek geführt werden, wo gute Straßen durch den Emek laufen, wo Haifa als Hafen ausgebaut wird, können wir ermessen, welche Bedeutung es für uns hat, daß dieses Gebiet in jüdischen Besitz gekommen ist. Es ist in Palästina nicht nur in der Landwirtschaft vorwärts egangen. Wir haben auch in der Industrie große ortschritte zu verzeichnen. Sie wissen alle, daß das Rutenbergwerk das Land mit Licht und Kraft versorgt, daß am Toten Meer Kalisalze und Brom gewonnen und exportiert werden, daß unsere Textilindustrie im Aufschwung begriffen ist, daß unsere Zementfabrik mit drei Schichten arbeitet. Auch in den umliegenden Ländern, in Syrien und im Irak, haben palästinensische Produkte Eingang gefunden. Man hat uns in den letzten Jahren vorgeworfen, daß wir das, was wir in Palästina geschaffen haben, auf Kosten der einheimischen Bevölkerung geschaffen haben. Wir haben mit Meinungen von ״Sachverständigen“ zu kämpfen gehabt, die sich nur dadurch erklären lassen, daß jeder Sachverständige als Nichtjude mit ganz fremden Vorstellungen nach Palästina gekommen ist* weder das jüdische Menschenmaterial noch die zionistische Bewegung noch die besonderen Bedingungen Palästinas kannte und ihnen folglich auch nicht gerecht werden konnte. Sie brachten nur die Erfahrungen mit, die sie bei anderen, mit Palästina nicht vergleichbaren Ländern und Menschen gemacht haben; sie hatten keine Ahnung von jüdischer Psychologie und von den außermateriellen Kräften, die hinter unserer Siedlung stecken. Und dann kam hinzu, daß diese Sachverständigen, vielleicht infolge der Eile, mit der sie ihre Untersuchungen machen mußten, schwere Fehler begingen. Weich einen Schaden hat uns Hope-Simpson dadurch gemacht, daß er in seinem Bericht feststellte, es gäbe in Palästina 29,2 0/0 ״landlose Araber“. Wenn man eine solche Ziffer zum Angelpunkt eines ganzen Berichtes macht und daraus die wichtigsten Schlüsse zieht, so hätte diese Ziffer hieb- und stichfest sein müssen. Durch einen Zufall ist es mir gelungen, dieser Sache nachzugehen und durch Einsicht in die statistischen Fragebogen festzustellen, daß diese ״landlosen Araber“ Araber waren, die zwar keinen Boden zu Eigentum besaßen, aber Bodenpächter waren. Die Zweideutigkeit dieses Wortes ״landlos“ mußte natürlich auf die Außenwelt den Eindruck machen, daß hier Fellachen von ihrem Boden verdrängt worden sind. Als ich Hope-Simpson diese Feststellung unterbreitete, hat er nichts zu antworten gehabt. Der French-Bericht ist noch nicht im Wortlaut vorliegend. Aber nach dem, was wir von ihm wissen, scheint es ein Bericht zu sein, der nicht für development in Palästina eintritt, sondern ein Plaidoyer gegen development. Es war stets unsere Sorge, in diesem Punkt besonders vorsichtig zu sein, denn wir kennen die Gefahr, die damit zusammenhängt, und wir haben bis zum heutigen Tage nur Böden gekauft, die von Pächtern mit kurzfristigem Pachtvertrag oder von Beduinen besetzt waren. Hier haben wir dann durch Entschädigungen die Pächter dazu bewogen, den Boden zu verlassen. Dagegen haben wir nie Kleinbauern, die auf ihrem eigenen Boden saßen, von ihrem Boden vertrieben. So werden wir auch in Zukunft verfahren. Wie kann das aber geschehen? Dadurch, daß die palästinensische Landwirtschaft, die jetzt auf großen Flächen, aber äußerst primitiv ausgeübt wird, intensiviert wird. Man kann uns dabei nicht den Vorwurf machen, daß wir eine theoretische Forderung aufstellen, aus der praktisch nichts herauskommt. Es ist zwar richtig, daß man von einem Bauernstand nicht verlangen und erwarten kann, daß er von heute auf morgen von ganz extensiver zu hochintensiver Wirtschaft übergeht. Dazu gehören neue Kenntnisse und Kapital. Wir haben das in Rechnung gezogen und in einem Memorandum, das wir Hope-Simpson übergaben, einen detaillierten Plan vorgclcgt, wie wir uns den Uebergang von der extensiven zur intensiven Landwirtschaft vorstellen. Wenn der Fellache ein Dritte! seines Bodens verkauft und den Kaufpreis dazu benutzt, um seine Wucherschulden zu bezahlen und auf einigen Dunam statt Getreide, Durrha und Melonen viel hochwertigere Produkte, z. B. Orangen anzubauen und sein Inventar zu verbessern, so kann er jährlich größere Einnahmen aus der kleineren Fläche erzielen als früher aus der großen. Auf dieser Grundlage ist in Palästina noch für mindestens 55 000 jüdische Familien in der Landwirtschaft Platz. Das bedeutet, wenn wir die dadurch mittelbar in Industrie, Handel geschaffenen Existenzmöglichkeiten hinzurechnen, insgesamt Platz für etwa 150 0(» Familien, wodurch die Zahl der jiidisehen Familien auf 200 000, die Zahl der jüdischen Seelen auf eine Million anwachsen würde. Ich weiß nicht, was nachher geschehen wird. Zu jedem Gipfel gibt es einen Weg, den man etappenweise zurücklegen muß. Wir können nicht zu Millionen kommen, wenn wir nicht zunächst Hunderttausende hinüberbringen. Lassen wir uns nicht durch große Visionen einschläfern und von den unmittelbaren Aufgaben abbringen. Visionen sind nützlich und anregend, aber was uns vorwärtsbringt, ist die Arbeit des Alltags. Man hat uns vorgeworfen, daß wir unsere Siedler zu gut ausgestattet haben, und daß wir zuviel von den ihnen gewährten Darlehen abschreiben müssen. Unter den Sachverständigen, die diesen Vorwurf erhoben haben, war auch ein Mann aus den Vereinigten Staaten; in einem Bericht über zwei Kolonien in Kalifornien, die er geschaffen hat, sehen wir, daß man dort von den Darlehen an die Siedler 80 ";0־ abgeschrieben hat, wir haben nur 30 ־״!> abgeschrieben. In Australien hat die Koionisation englischer ex-sotdiers 2800 Pfund pro Siedler gekostet, bei uns ist man über 1000 bis 1200 Pfund schon sehr ungehalten. Und dort sind 65 °/0 abgeschrieben worden. Wir Juden haben weniger Respekt vor den jüdischen Sachverständigen als vor den christlichen Experten. Man hat uns vor geworfen, daß die Kwuzali nicht das eigene Interesse des Siedlers genug berücksichtigt. Es hat siel! gezeigt, daß die Kwuzah nicht schlechter arbeitet als der Einzelsiedler, und daß die technischen Errungenschaften der Kwuzah auch die anderen Siedler vorbildlich beeinflußt haben, wie /.. B. Nahalal und Renjaminah, wo die Einzelsiedler sich zürn kollektiven Anhau von Getreide entschlossen haben, weil sie mir auf diese Weise die modernsten Maschinen anwenden können. Was kann und soll in Zukunft in Palästina geschehen? Es hat sich herausgestellt, daß unsere Koionisationsarbeit uns nicht mir die Siedlungen gegeben hat, sondern ein außerordentlich wichtiges Beiprodukt, nämlich kolonisatorische Erfahrung. Wir sind heute imstande, viel schneller, besser und billiger zu arbeiten als früher. Es sind drei Koionisationsschichten unterscheidbar. Das Fundament bilden die Kolonien des Barons Rothschild und der I.C.A., den ersten Stock hat die Zionistische Organisation errichtet, solide und mit großen Kosten. Jetzt können wir mit leichterem Material und geringeren Kosten den zweiten Stock aufbauen. Als wir noch keine Produktions- und Markterfahrung hatten, mußten wir den Siedlern alles, was sie brauchten, von Anfang an vollständig mitgeben, denn wir konnten ihre ohnehin schon riesigen Schwicrigkeiten nicht noch vergrößern; heute ist das anders, wir haben Tausende von landwirtschaftlich ausgebildeten Arbeitern und große Erfahrungen. Und es ist heute möglich, diese Arbeiter auf dem Boden seßhaft zu machen und ihnen mit einem Kapital von 220 Pfund, wovon sie selbst etwa 20 Prozent Eigenkapital beisteuern, den Weg zur allmählichen landwirtschaftlichen Selbständigkeit zu ebnen. Bisher hat uns die Ansiedlung einer Familie (ohne den Boden) dreimal oder viermal soviel gekostet. Inzwischen aber sind die Preise für Bauten und Inventar gesunken, und wir können von den Siedlern verlangen, daß sie 1m Laufe einer Reihe von Jahren mit eigener Arbeit und unter Herabsetzung ihres Lebenstandards auf ein Minimum ihre Wirtschaft selbst ausbauen. Aber die Siedler können von ihrer Wirtschaft, wenn auch im Anfang noch so bescheiden, leben, und ein solches Leben mit der Hoffnung auf einen besseren Standard in der Zukunft, eine solche ruhige Existenz in Palästina, wo die Siedler zum großen Teil von der eigenen Produktion leben, ist gewiß den Chancen vorzuziehen, die sonst unserer Jugend in Europa geboten werden. Wir können mit Mitteln, die durchaus nicht unsere Kräfte übersteigen, in fünf Jahren 5000 Menschen seßmachen, das sind 15000 in Land und Stadt zusammen, und so können wir von 200 000 Juden in Palästina auf 300 (»0 steigen, von einem Sechstel der Bevölkerung auf ein Fünftel. Ich gehöre nicht zu denen, die alles Heil von einer Demokratie erwarten, die alles nach der Stimmenzahl mißt, aber es ist klar, daß wir nur dann ein wichtiges Wort in der Weiterentwicklung Palästinas sprechen können, wenn wir ziffernmäßig dort viel stärker werden. Die größte Möglichkeit bietet die Land- Wirtschaft, die den Idealen unserer Arbeiterschaft entgegenkommt und sie zu Höchstleistungen veranlaßt. Ich möchte, daß die deutschen Zionisten die Führung im Zionismus übernehmen, in Opferwilligkeit, Hingabe und Verständnis für die Größe unserer Aufgabe. Ich glaube in meinem unbesiegbaren Optimismus, daß an jedem Tage und so auch heute eine neue Epoche in der jüdischen Geschichte beginnen kann. Es hängt von dem jüdischen Volke ab, wann sie beginnt. Pressesdiau Unter der Ueberschrift ״Neue Internationale in Genf“ kommentiert das ״Journal de Geneve“ die Tatsache, daß das Weltbüro der Union der Zionisten-Revisionisten nach Genf verlegt wird, und daß der Präsident der Union Wladimir Jabotinsky und die beiden Vizepräsidenten Meer Großman und Dr. Soskin ihren ständigen Wohnsitz in Gent nehmen, mit folgenden Worten: ״Dem Beschluß der Wiener Revisionisten-Konferenz liegt eine politische Idee zugrunde. Von je haben die Revisionisten der zionistischen Exekutive vorgeworfen, sie sehe den Zionismus als eine ״lediglich jüdisch-englische Angelegenheit“ an und verstehe es nicht, die übrige Welt hinreichend für den Zionismus zu interessieren. Die Revisionisten glauben, daß sie von Genf aus einen größeren Wirkungsradius über die Welt haben werden und daß dadurch der zionistischen Bewegung ihr britischer Charakter genommen werden wird. Sollten in Zukunft die Revisionisten auf einem zionistischen Kongreß die Mehrheit erlangen, so werde die Zion. Exekutive automatisch in Genf ihren Sitz haben; demgemäß handele es sich bei dem Wiener Beschluß um eine Entscheidung von Wichtigkeit.“ * Die jiddisch-kommunistische (trotzkistische) Zeitung ״Unser Kampf“ (U.S. A.) veröffentlicht einen Artikel L. Trotz kis, in dem dieser die Kommunisten beschuldigt, bei den Unruhen in Palästina im Jahre 1929 mit den arabischen Mördern Bundesgenossenschatt geschlossen zu haben. Als damals Beduinenstamme, vom arabischen Klerus und Großgrundbesitz aufgehetzt, die sozialistischen Siedlungen der jüdischen Arbeiterschalt überfielen, schrieb die kommunistische Presse von einem ״Aufstand der unterdrückten Araber gegen die jüdischen Ausbeuter“. Trotzki bespricht dann die ablehnende und feindliche Haltung des Komintern zu dem Werk der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina und nennt diese Politik falsch. Ir? Nr. 32 der Kopenhagener Zeitschrift ״T i d e n s Kvinder“ veröffentlicht Betty Hurwitz einen Artikel ״Neues Leben auf alter Erde“, in dem die Entwicklung Palästinas in den letzten Jahren ausführlich geschildert wird. Insbesondere wird darauf hingewiesen, daß es notwendig wäre, daß die Palästina-Touristen, die gewöhnlich nur die alten historischen Stätten besichtigen, den durch das jüdische Siedlungswerk vollbrachten Leistungen mehr Beachtung schenken. Im Alter von 35 Jahren verstarb in Antwerpen Charles Lipschiitz, Vizepräsident der zionistischen Föderation Belgiens und früherer Redakteur der zionistischen Zeitung ״Hatikwah“. Er war Führer der zionistisch-sozialistischen Partei in Belgien und hat sich um die Führung der zion. Jugend sehr verdient gemacht.

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