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Jüdische Rundschau · 1932-09-20 · Heft 75 (20.9.1932) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 75 (20.9.1932)
Date
1932-09-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 360 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 75, 20. IX. 1932 Man spricht viel von Fonds und Privatinitiative und vergißt, d?״ß die letztgenannte ohne die Fonds überhaupt nicht möglich ist. Die öffentlichen Fonds sind die Schrittmacher für das private Kapital. Ich möchte nur an die drei großen Bodengesellschaften in Palästina, Meschek, Zion Commonwealth und Haifa Bay Comp, erinnern. Wenn man von Schulden des K. H, spricht, so sind diese Schulden im wesentlichen durch das Eingreifen des K. H. für diese drei Bodengesellschaften entstanden. Die Initiative dieser drei Gesellschaften ist zu loben, aber solche Pionierarbeit kann eben nicht allein von Privatkapital ohne die Hilfe der öffentlichen Hand geleistet werden. Der K. H. ist für diesen Zweck Verpflichtungen in Höhe von £ 300 000 eingegangen. Jetzt hat sich der KKL an dieser Aufgabe beteiligt, indem er der Zion Commonwealth Böden im Emek zum Preise von £ 85 000 abgenommen hat. Sprechen wir also nicht von Schulden, ln Wahrheit sind es hauptsächlich Investitionen, deren Zahlung auf eine Reihe von Jahren verteilt werden mußte. Viele Leute sagen, die jüdische Welt sei es müde geworden, für die öffentlichen Fonds des Palästinaaufbaus Jahr für Jahr Beiträge zu leisten. Aber wie war es mit den Büchsen des Meir Baal Haness? 200 Jahre hingen sie in jedem jiidisehen Hause und gaben große und immer steigende Beiträge für Palästina. Die Sammlung ging nur zu Grunde, weil die Idee abstarb, die durch die Büchse symbolisiert wurde. Solange die zionistische Idee lebt, werden wir für Keren Hajessod und KKL arbeiten können. Müdigkeit im Sammeln ist immer nur Müdigkeit im Zionismus. Eine Bewegung darf sich aber nur nach den Starken richten. Der K. H. ist eine autonome Institution. Für ihn tragen Zionisten, die mit der Jewish Agency nichts zu tun haben wollen, bei und ebenso Nichtzionisten, welche der Jewish Agency nicht angehören. Es ist der Zionismus, der dem Keren Hajessod seine Kräfte verleiht. Denn wir Zionisten sind die große Mehrheit der aktivistischen Elemente im jüdischen Volke. Und auch bei uns hat es sehr lange gedauert, bis man sich an Geldgeben im größeren Stil gewöhnt hat. Unsere heutige Leistung ist das Produkt einer dreißigjährigen Erziehungsarbeit. Der Maßstab, welchen wir in die Arbeit für Palästina und in die Forderungen für Palästina hineingetragen haben, war gerädern eine Revolution im jüdischen Leben. Nur die Orthodoxie gewisser Linder bot in früherer Zeit ein ahnliches Beispiel. Auch der K. H. wird aus der Verbindung mit der Agency erst allmählich große finanzielle Ergebnisse erzielen, wenn er auf die Erziehung der Nichtzionisten dieselbe Arbeit verwendet, die wir aus der Geschichte der zionistischen Bewegung kennen. Es wird auch notwendig sein, die Organisationsformen stärker als bisher auf den Zeichnern aufzubauen. Heute fehlt fast jede Verbindung zwischen der Konstitution der Agency und des K. H. mit dem einzelnen Zeichner. Diese Zeit zu durchleben, ist schwer. Jedes Jahr stellt uns vor neue Situationen. Was unsere Großväter einmal in ihrem Leben durchgemacht haben, erleben wir alle zwei Jahre. Eine solche Zeit macht Starke stärker und Schwache schwächer. Wenn es uns aber gelingt, in unseren Anstrengungen während dieser Krisenzeit zu beharren, dann haben wir eine Parallele zu dem geschaffen, was der Jischuw in Palästina Jahr für Jahr vollbringt. Und dann wird Palästina nach der Krise stärker dastehen als je zuvor. Ich will zusammenfassen: Die Arbeit für die Fonds ist, in richtiger Form betrieben, eine der stärksten Formen zionistischer Propaganda und die beste Methode der Erziehung für Palästina. Sie ist wahrhafter zionistischer Aktivismus. (Starker Beifall.) Die Palästina * Debatte Me 4. Sitzung des Deiegferteatages־ in Frankfurt wurde mit einer Debatte über Pal&stinafragen eröffnet, an der sich als erster Redner Dr. Brünn beteiligte. Er vertrat die Meinung, daß die Zionistische Exekutive Deutschland von nun an in die Liste der Bedarfsiänder einreihen sollte, d. h. daß man dafür sorgen müsse, daß auch aus Deutschland kommende Siedlungsanwärter in nennenswerter Zahl nach Palästina einwandern können. Zwei Kategorien sind da im Auge zu behalten: C h al u zi m und Mittelstands- Siedler. Redner weist auf die in Palästina herrschende Bodenhausse hin, wodurch Mehrpreise für den Boden verlangt werden. Nur der KKL hält sich von der Bodenhausse fern. Die Bodenspekulation kann verhängnisvoll werden. Wir haben keine Bodenreserve. Der Bodenerwerb dauert erfahrungsgemäß 1—2 Jahre. Wenn die P. L. D. C. in der Bodenfrage nichts wesentliches zu tun vermag, so wäre es Pflicht der Zio nistischen Organisation, mit aller Energie einzugreifen. Viele Pflanzungsvorhaben der letzten Zeit sind daran gescheitert, weil man nicht den entsprechenden Boden in einer bestimmten Frist zu erwerben vermochte. Dr. Brünn verlangt, daß die neue Leitung der Z.V.f.D. der Frage der Einwanderung nach Palästina besondere Aufmerksamkeit zuwende. Dr. Fritz Löwenstein erklärt, daß die Arbeiterschaft der Betätigung von Kapitalisten in Palästina durchaus günstig gegenübersteht. Die Arbeiterschaft versteht die Bedeutung der Mittelstands-Siedlung. Die Frage der Privatinitiative ist eine Angelegenheit aller Zionisten. Es sollte in Deutschland eine Wirtschaftsstelle unter der Aufsicht des G. A. geschaffen werden. Man muß aber vor den Gefahren warnen, die sich bei der vierten Alijah gezeigt haben, ln Polen wird jetzt eine Propaganda geführt, die sich verhängnisvoll auswirken kann. Man kann nicht wahllos jedem an raten, nach Palästina zu gehen. Die Zionistische Organisation darf mir jene Privatinitiative unterstützen, die die Bedürfnisse der organisierten Arbeiterschaft in Palästina berücksichtigt. Zur Frage der Bodenspekulation verweist Redner auf die Tätigkeit des ״Jachin“. Während die Einnahmen unserer Fonds zurückgehen, finden sich Juden bereit, Kapital nach Palästina zu führen. Hier muß ein Fehler der Propagandaarbeit vorliegen. Nach der Ansicht des Redners scheint der Fehler in der Budget-Politik zu liegen. Das Budget hat Einfluß auf die Sammelarbeit. Ein Budget mit positiven Zielen wirkt attraktiv. Schuldenzahlung ist kein Anreiz für Keren Hajessod-Arbeit. Der Rückgang der Eingänge beginnt mit der sogenannten Konsolidierungspolitik. Mit großem Nachdruck weist Redner auf die Arbeit für den KKL hin. Diese Arbeit leide darunter, weil die führenden Zionisten ihr kein? gebührende Bedeutung beimessen. * Die ״NeueWeli" (Wien) veröffentlicht unter dem Titel ״Der Delegiertentag der deutschen Zionisten aufgeflogen“ einen Bericht über den Frankfurter D.T.,. der in der Hauptsache aus dem Abdruck von Flugblättern besteht, die von Frankfurter Revisionisten auf der Tagung verteilt wurden. Wir haben auf diese Störungsversuche der Revisionisten in unserem Bericht kurz hingewiesen. Zu bemerken ist, daß den Revisionisten die Anwesenheit auf dem Delegiertentage nur unter der Bedingung gestattet wurde, daß sie sich jedes Störungsversuches und der Flugblattverteilung enthalten. Dieses Versprechen wurde jedoch bei der Absingung der Hatikwah, nach der Schlußansprache Kurt Blumenfelds, gebrochen. Der Inhalt der von den Revisionisten verteilten Flugblätter rief die Empörung der versammelten Delegierten und Gäste hervor. Es verlohnt sich nicht, in Anbetracht des nichtssagenden, mit den tatsächlichen Vorgängen in keiner Weise zu vereinbarenden Berichtes noch ein Wort über Inhalt und Ton der Auslassungen in der ״Neuen Wett“ zu verlieren. Eine Erklärung Sokolows Die JTA. verbreitet unter dem 16. d. M. eine Erklärung Nahum Sokolows, in der es u. a. heißt: Zionismus bedeutet heute Rettung für Zehntausende, in Zukunft wird er Rettung für Hunderttausende bedeuten. Mit einer Politik der Verzweiflung oder der Ungeduld kommt man nicht weiter. Nur harte Arbeit verbürgt Erfolg. Wirklicher Heroismus zeigt sich in der Bereitschaft auch zu materiellen Opfern. Wir sind auf dem Wege nach Zion, und Groß- Britannien muß und wird uns auf diesem Wege Helfer sein. Grofi-Britannien kann nur durch Tatsachen, durch systematische Arbeit, durch Hartnäckigkeit und Hingabe beeindruckt werden. Alle anderen Methoden der Argumentation sind zu Mißerfolg verurteilt. Früher oder später wird Groß-Britannien sich die zionistische Politik In ihrer Gänze zu eigen machen. Bevor aber diese Frage zur Entscheidung gestellt werden soll, ist das zu lösende Problem: die Annahme der zionistischen Politik durch die gesamte Judenheit. Ueber die Lage der Juden in der Diaspora führt Sokolow aus: In einigen Ländern Mittel- und Osteuropas ist unser Mittelstand an den Bettelstab gebracht worden. Jüdische Arbeiter, die schon in normalen Zeiten von der Hancf in den Mund lebten, sind nun, in der heutigen industriellen Krisis, in tiefste Not geraten. Die jüdische Wohltätigkeit, kaum überboten von der in anderen Völkern, ist unter den heutigen Verhältnissen nicht in der Lage, mit der fortschreitenden Verarmung fertig zu werden. Dabei darf die neue Welle der Judenverfolgungen nicht außer acht gelassen werden. Nicht überall sind die Juden Massakers unterworfen, aber in vielen Gegenden würden sie einen schnellen Tod durch Gewalt dem langsamen Verlöschen in Not und Hunger, zu dem sie ein heuchlerischer Antisemitismus durch das Mittel Wirtschaftlicher Bedrückung verurteilt, vorziehen. Sokolow weist auf den Fortschritt in Palästina im Gegensatz zu der Stagnation oder der Auflösung in den Ländern der Diaspora hin und fährt fort: Es wäre falsche Bescheidenheit, nicht den Erfolg des Jüdischen Nationalheims sogar in seinem jetzt noch unvollkommenen Stadium festzustellen. Wir sind betrübt, daß Zehntausende junger und fähiger Pioniere in Ungewißheit und in moralischer wie materieller Not warten müssen, bis sie an der Reihe sind, um in die für sie einzige Zufluchtsstätte, in den einzigen Hafen ihrer Hoffnungen zugelassen zu werden. Die Lage von Angehörigen des jüdischen Mittelstandes in einigen Ländern, wo sie zum Untergang verurteilt sind, während sie für die Ent- Wicklung des Jüdischen Nationalheims nützlich sein, in Palästina ein schöpferischer industrieller Faktor werden könnten, wobei gleichzeitig die gefährliche Stauung in ihren Ursprungsländern gemildert werden würde, muß uns aufrütteln. Neben der ״Alijah“ der Pioniere verdient das Problem der Ansiedlung von Angehörigen des Mittelstandes unsere ganze Aufmerksamkeit. Beide Probleme sind nicht voneinander zu trennen. Wir benötigen weit mehr Boden, als er uns heute zur Verfügung steht. Ohne daß irgendjemand depossediert werden müßte, sondern im Gegenteil: zum Nutzen aller, könnte man viele neue Siedlungen, neue Städte in Palästina erbauen und Industrien errichten. Palästina wird durch Arbeit neu geschaffen werden. Arbeit und Leistung sind das beste Mittel gegen Vorurteile. Im Schweiße unseres Angesichts müssen wir uns Palästina erarbeiten: durch Mut, Ausdauer, Imagination und Organisierung unserer Kräfte. Auf die Parteiungen im 'Zionismus vervVdswid efklfrt Sokolow: Wirtschaftliche, geographische, erzieherische und psychologische Differenzen innerhalb der jüdischen Diaspora haben eine tiefgreifende Verschiedenheit der zionistischen Konzeption zur Folge gehabt. Diese Zersplitterung bedeutet eine beklagenswerte Einbuße an Aktionskraft und Solidarität der Organisation, die ständig in politischer Bemühung und taktischer Leistung engagiert ist. Auf der anderen Seite aber ist dies ja das Schicksal jeder großen Wahrheit in der Geschichte der Menschheit gewesen. Der vollkommene Idealist kommt erst dann, wenn viele einander widersprechende Interpretationen der ersten Idee gegeben worden sind. Nur ein synthetisch Denkender vermag zu unterscheiden, welch besonderen Teil der allgemeinen Idee vom Zionismus jede der Parteien verkörpert ,und wie sehr jede dieser Parteien irgendeinen besonderen ' Aspekt der allgemeinen Idee betont• Reiner Herzl’scher Zionismus besteht fast nicht mehr, obwohl doch Herzls Geist und Methode noch heute der Sauerteig des jüdischen Gedankens sind. In der Idee bedeutet Herzrscher Zionismus absolute, letzte, vollkommene Freiheit. In der Verwirklichung aber trägt er die Schlacken des Entwicklungs- Prozesses, hat wie jede historische Entwicklung Hemmungen zu überwinden. Gestorben ist er, der Same für unsere Ernte. Sokolow beklagt das Fernbleiben beträchtlicher Teile des jüdischen Volkes vom Palästina-Werk. Trotz aller Beschränkungen, denen wir unterworfen sind, sagt Sokolow, könnten wir, wenn uns hinreichend Mittel zur Verfügung stehen würden, große Fortschritte machen. Wie können wir andere wegen ihrer antizionistischen Tendenzen oder Unentschlossenheit kritisieren, wenn unser eigenes Volk der Sache fernsteht? Unsere Aufgabe ist eine viel zu große, als daß unsere eigenen Mittel an sie heranreichen. Es ist ein Absurdum, wenn Nichtzionisten — Antizionisten gibt es nur noch wenig — beiseite stehen und untätig zusehen, wie wir uns anstrengen, um die Fracht von Jahrhunderten aus dem Morast zu zerren. Der Wagen wird nicht den Hügel hinauf bewegt werden können, wenn nicht das ganze Volk Israel seine Schulter gegen das Rad stemmt. Es ist feige, müßig dabeizustehen; dabei ist nichts rührender als das allmähliche Anwachsen unserer Fonds durch die Beiträge der Armen, während die Reichen uns im Stiche lassen. Es wird noch die Zeit kommen, da weitere Hunderttausende von Juden auf ihren Heimstätten in Palästina als friedliche und geachtete Bürger leben und eine wertvolle Quelle nationaler Gesundung und Stabilität, ein Element des Friedens und des Fortschrittes — im Gegensatz zu ihren zu Heimatlosigkeit degradierten Brüdern in der Diaspora — sein werden. Abwehr des Antisemitismus in Spanien. Vor mehreren Monaten setzte in Spanien eine monarchistische Bewegung ein, die von den klerikalen Kreisen geleitet wird und bestrebt ist, die Republik in den Augen der Volksmasscn zu diffamieren. Unter anderem wird das Märchen verbreitet, die ״gottlose“ Republik sei das Werk von Freimaurern und Juden, die Spanien für ihre eheimen Zwecke ausbeuten wollen. Durch Publikationen und resseartikel wird künstlich ein theoretischer Antisemitismus in die Oeffentlichkeit getragen. Vor einiger Zeit erschien auch die erste spanische Uebersetzung der ״Protokolle der Weisen von Zion“, was unter den spanischen Intellektuellen starke Entriistung hervorrief. Um diesem Pamphlet entgegenzutreten, veröffentlichte der bekannte Forscher der jüdischen Kultur in Spanien, Prof. J. M i 11 a s , in der angesehenen katalanischen Zeitung ״El Mali“ einen Artikel, in welchem er die Entstehungsgeschichte dieses Machwerks dariegte und die wahren Absichten der dahinter stehenden Gestalten enthüllte. Brief aus Rumänien mi. Bukarest, Anfang September Das rumänische Parlament, das im Juli gewählt wurde, hält seit über einem Monat regelmäßig seine Sitzungen ab, und obwohl man täglich in der Zeitung lesen kann, daß es sich um eine ״außerordentliche Session“ handelt, werden dennoch ganz ordentliche Debatten über sehr aktuelle und gewöhnliche Fragen geführt. Ebenso ordentlich und regelmäßig verpesten die ״cuzistischen“ und ״codrenistischen“ Abgeordneten die Atmo- Sphäre der Kammer mit ihren endlosen Beschimpfungen und Beleidigungen an die Adresse der jüdischen Deputierten, der jüdischen Bevölkerung und des jüdischen Glaubens, und fast keine einzige Sitzung verstreicht ohne irgendeinen ״Zwischenruf“ des älteren oder jüngeren Cuza, des Herrn ״Robu“ (ein Hüne von Gestalt und von . . . Benehmen), usw. Die Geplänkel, die dadurch entstehen, sind meist dadurch interessant, daß sie zeigen, wie in der heute herrschenden Mentalität, der Begriff des ״parlamentarischen“ oder ״unparlamentarischen“ Ausdrucks jede Bedeutung verloren hat. Versuche des Präsidenten oder seiner Stellvertreter, die Geifernden zur Ordnung zu rufen, haben nur selten Erfolg, ebenso wenig wie dieRepliken der jüdischen oder nichtjüdischen Abgeordneten. Wenn wir aber von diesen berufsmäßigen antisemitischen Heldentaten absehen, so muß gesagt werden, daß die jetzige rumänische Kammer einen weiteren Fortschritt im Ausbau der praktischen Rechte der rumänischen Juden bedeutet. Nicht weniger als 12 jüdische Abgeordnete sitzen darin (außer 4 Senatoren), darunter 5 als Angehörige der ״Jüdischen Partei“, und 7 als Mitglieder der übrigen politischen Parteien des Landes, in der Hauptsache der heute herrschenden National- Bauern-Partei. Es gibt fast keine Sitzung, in der nicht auch ein jüdischer Deputierter, sei es zu allgemeinen, sei es zu jüdischen Problemen das Wort ergreift. Die rumänische Kammer hat sich daran gewöhnt, Vertreter einer jüdischen Reichspartei in ihrer Mitte zu haben und ihnen aufmerksam zuzuhören, besonders, wenn dies, wie bei der großangelegtcn ״Jungfernrede“ des bekannten zionistischen Führers, Adv. Mischu Weißmann, der Fall war, eine würdige und interessante Darlegung der jüdischen Politik betrifft. Die besten Namen der rumänischen Judenheit gehören heute dem Pariament an: Dr. Ebner, Dr. Fischer, Mischu Weißmann, Ernst Marton, Michel Landau, Dr. Aureliu Weiß — es fehlt freilich der Führer der altrumänischen jüdischen Union, Dr. Fildermann, der nicht gewählt wurde. Aber man hofft, daß es schließlich doch gelingen wird, die heute zwischen den verschiedenen Richtungen im rumänischen Judentum herrschende Zwietracht zu beseitigen, und binnen kurzem eine geeignete jüdische Front herzustellen, die es ermöglichen wird, daß auch diejenigen jüdischen Führer, die in den letzten Jahren ins Hintertreffen geraten sind, wiederum an den Platz der verantwortung im jüdischen öffentlichen Leben gelangen, der ihnen kraft ihrer bisherigen Leistungen für die Allgemeinheit gebührt. Diese Einigung ist um so wichtiger, als sie ja für die zionistische und Palästinatätigkeit von ganz besonderer Bedeutung ist. Wir stehen auch hier, wie in anderen Galuthländern vor dem wichtigen Problem einer verstärkten Betätigung für und um Palästina; die Alijah hat auch hier viele und weite Kreise aus dem bisherigen lethargischen Schlaf geweckt, die Nachrichten aus und über Erez Israel regen auch hier zu erhöhter Beteiligung am Aufbauwerke an. Die vorjährigen, sehr knappen Resultate der Fonds sollen in diesem Jahre durch verstärkte Arbeit wettgemacht werden. Gesellschaftsreisen und Auswanderung von bemittelten Mittelstftndlern nach Palästina sagen sich in erhöhtem Maße an. Natürlich müssen, um diese Arbeiten und Tendenzen in die richtigen Bahnen zu lenken, geeinte jüdische Kräfte, Zionisten wie Nichtzionisten, mittun. Ein wichtiger Schritt in dieser Hinsicht ist vor Monaten durch die Schaffung eines zionistischen ״Burgfriedens“ erreicht worden: Zum ersten Male, seit Jahren, haben wir hier eine aus Vertretern allen zionistischen Gruppierungen gebildete Exekutive der Landesorganisation, in der alle Ideologien und Strömungen in gleicher Weise zum Worte kommen. Die so zusammengesetzte Exekutive hat, in der kurzen Zeit ihres Be- Stehens, nicht nur im Innern die Fahne der Bewegung nach Kräften hochzuhalten versucht, sondern hat auch nach Außen hin durch einige erfolgreiche Leistungen die Lebensfähigkeit und Tatkraft des rumänischen Zionismus bewiesen. Dazu zählen die Durchführung der großen Frühjahrsreise nach Palästina (gelegentlich der Makkabiah), die Erwirkung der Beteiligung Rumäniens an der Levantemesse von Tel-Awiw, eine recht intensive propagandistische Ausnutzung dieser beiden. Ereignisse, usw. In letzter Zeit ist das früher in Kischinew untergebrachte Palästinaamt und gleichzeitig damit auch der Merkas Hechaluz nach Bukarest übersiedelt, so daß sich hier, in den Räumen des zionistischen Hauses, nunmehr alles konzentriert, was mit Palästina, Alijah, Chaluziut usw. zusammenhängt. Für die kommenden Monate erwartet man womöglich noch eine weitere Stärkung des Strebens von Einzelnen und Gruppen nach Palästina. Der Drang nach Erez Israel ist so groß, daß man sogar in der sonst nicht als geeignet angesehenen Jahreszeit nach Palästina reist, sich für Niederlassung dortselbst lebhaft interessiert und in enge Verbindung mit dem Lande tritt. Verschiedene private oder halböffentliche Lnternehniungen, deren Zweck es ist, die Reisenden oder Interessenten für Investitionen in Palästina zu beraten, entstehen unter Leitung von berufenen Kennern des Landes, und es ist nicht übertrieben, wenn wir sagen, daß der Wunsch, privatwirtschaftlich mit Palästina in Verbindung zu treten, noch nie so groß war w ie gerade jetzt. Die Tage der großen Wanderung nach Palästina, wie sie Rumänien in der Vergangenheit gekennt hat, scheinen wieder neu aufleben zu wollen. Das neue Museum in Tel-Awiw. L)cr Bürgermeister Mayer D iz e n gof f, der sich gegenwärtig auf einer Europareise befindet, um die Freunde des Gedankens der Ausstattung des von ihm gegründeten Museums in Tel-Awiw zu einem repriisentativeri jüdischen Museum zu organsieren, besuchte während seiner Anwesenheit in Berlin die Kunstsammlung der Jüdischen Gemeinde. Dizengoff wurde in den Räumen der Kunstsammlung von den Mitgliedern des Gemeindevorstandes, Direktor Georg Kareski und Dr. Aron Sandler, sowie dem Leiter der Kunstsammlung, Dr. Karl Schwarz, begrüßt. Dizengoff dankte für den Empfang und regte eine Zusammenarbeit bzw. Austausch von Kunstwerken zwischen dem jüdischen Museum in Berlin und in Tel-Awiw an und wies insbesondere auf seinen Plan hin, im Jahre 1934 eine große Ausstellung jüdischer Künstler in Te 1-Awiw zu arrangieren. Er gab auch die Anregung zu einer Konferenz aller jüdischen Museumsvorsteher. Am Abend fand im Hause von Direktor Kareski zu Ehren Dizengoffs ein Empfang statt. An diesem Abend wurde die Bildung eines Deutschland- Komitees der Freunde des T e 1 - A w i ש e r Mus e u m s vorgenommen. “ Dr. Imanuel Olsvanger, London, übersiedelt mit seiner Familie nach Palästina. Aus diesem Anlaß veranstaltete die englische zionistische Federation für Dr. Olsvanger einen Abschiedsabend. U. a. würdigten Prof. Brodetsky und Berl Locker Olsvangers Verdienst♦־'

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