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Jüdische Rundschau · 1932-09-20 · Heft 75 (20.9.1932) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 75 (20.9.1932)
Date
1932-09-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Zwei deutsche Krankheiten Einzelnummer 0£S Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erachemt jeden Dienstag u.Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,־— Goldmark, vierteljährlich 5.75 Goldmark. Auiiand8«bonne!ts«m• wardea in dar Wlhrung d«r einzelnen Länder berechnei Anzeigenpreis: 8 gmp. NanpareiJIezeii» 0*50 G-M. Stellengesuche 0,25 G, M. Nummer 75 | Berlin, 20. IX. 1932 Redaktion, Verlag und Anzeigen - Verwaltung: Jüdische Rundschau G. m. b. H״ Berlin W15, Meinekestr.10. Telefon: J 1 Bismarck 716570־. AnxeigenschluS; Dienstag and Freitag naehmitteg• 4Uhr Redaktionsschiu£ Sonntag und Mittwoch nachmittag. Pottteh«ck ׳־ Konten : Berlin 17392, Buel V 9355, »•lgr«d 68034 Brüsul 39433, Bud«pe*t 596 93, Danzl* 1973, Haag 140 470, Pr»« 59414 Riga 4155* Strishburg 16430, Wanchsu 190708, Wien 156030. Bank-Konten: Darmstldter- und Naiionalhank, Dapoaitan - Kasa« Bavha, Kurfürst«mdamm 52; Rumänisch• Kreditbank, Cemauti (Ruminien); Angl# Palest ine Co, m Haifa, feruaaiem, Tel *Aviv. י״ט אלול תרצ״ב | xxxvn. Jahrg. Per Zionismus erstrebt Hlr da» fB«H»ch• Volk •le Schäftung einer eftanMIch - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.“ Vor neuen Keidisiagswahlen Der Kampf für die Reichstagswahlen vom 6. November hat bereits eingesetzt. Von nationalsozialistischer Seite wird, wie aus der Haltung der nationalsozialistischen Presse und aus den Reden auf den letzten Versammlungen der Partei hervorgeht, als eines der stärksten Werbemittel wiederum die rücksichtsloseste Judenhetze zur Anwendung gebracht. Im Berliner Sportpalast stellte Gö bb eis die Behauptung au?, daß die letzte Notverordnung und deren soziale Bestimmungen auf den Einfluß von Jakob Goldschmidt zurückzuführen sind, der angeblich mit Reichskanzler v. Papcn über diese Fragen konferiert haben sollte. Prompt erschien ein amtliches Dementi welches erklärt, Reichskanzler v. Papen habe niemals mit Jakob Goldsclimidt das Wirtschaftsprogramm der Reichsregie״ rung besprochen und eine Besprechung in der Villa des Bankiers Jakob Goldschmidt habe nicht stattgetunden. Der Berliner ״Angriff“ versucht den Paderborner Prozeß, in welchem gegen den 26jährigen Viehhändler und Schlächter Kurt Meyer wegen des Verbrechens des Totschlages an dem Dienstmädchen Martha Caspar verhandelt wird, in einen Ritualmordprozeß umzufälschen. Der ״Angriff“ schreibt: ״ln unterrichteten Kreisen unserer Bewegung nimmt man an, daß es sich um einen Ritualmord handelt; Parteigenosse Holz,, Schriftleiter des ״Stürraer“, nimmt daher als Beobachter an dem Prozeß teil.“ Die bisherige Verhandlung in Paderborn hat zweifelsfrei ergeben, daß es sich um einen Mord handelt, begangen zu dem Zwecke, um die Folgen des Liebesverhältnisses mit der Caspar zu vertuschen. Der Beleidigungsprozeß des früheren Polizeipräsidenten Grzesinsky und des Polizeivizepräsidenten Dr. Weiß gegen Redakteure des ״Angriff“ wird gleichfalls in der natio-!^sozialistischen Presse für Wahlpropaganda ausgeschrotet. In den einzelnen Landtagen, in denen die Nationalsozialisten eine beherrschende Stellung einnehmen, wird mit Rücksicht auf die bevorstehenden Wahlen eine Flut von antisemitischen Anträgen und Interpellationen eingebracht, hauptsächlich zu dem Zwecke, damit die judenhetzerischen Aeußerungen dieser Dokumente in der nationalsozialistischen Presse abgedruckt werden können. So verlangt eine Interpellation der Nationalsozialisten im Preußischen Landtage die Entlassung von zwei jüdischen Beamtinnen, des Frl. Rosenheim und des Frl. Dr. Mosse. Die Reich§regierung Papen wird in der nationalsozialistischen Presse als ״Judenschutz-Regierung“ bezeichnet, und die letzten Maßnahmen der Regierung werden als Ergebnis jüdischer Beeinflussung hingestellt. Ja sogar dem Reichspräsidenten H i n d e n b a ן■ g wird vorgeworfep, er hätte ״jüdische Gehirnirtilttagen״», da er ,.4m ilifitt«»«, Urteil» 44» sieht. «jeh.JfMi-:. ״*««sie Mt׳ ch-’rftaTrehe*'«»' Recht! geipoefcr» Wurde, zugelassen hat. So unsinnig all diese Behauptungen, Anträge und lnterpellationen jedem objektiven Kenner der Verhältnisse auch erseheinen mögen, so muß man nach den bisherigen Erfahrungen leider damit rechnen, daß sie ihren Eindruck auf die Wählermassen der Nationalsozialisten nicht verfehlen werden. Die Wahlbewegung wird gerade während der hohen jüdischen Feiertage sehr stark sein, und in vielen jüdischen Gemeinden besteht die berechtigte Furcht, daß es zu antisemitischen Unruhen kommen könnte. Von den zuständigen Stellen wird versichert, daß diese Furcht unbegründet ist, «׳eil die Behörden für den polizeilichen Schutz der Synagogen Sorge tragen werden. So wird man in diesem Jahre das Schauspiel erleben, daß die jüdischen Synagogenbesucher vor ihren Gotteshäusern bewaffnete Schupos finden und unter deren Obhut sich ihrer Andacht hingeben werden. All das bildet einen betrüblichen Auftakt zum kommenden Judenjahr 5693. Hebräischer Kongreß 1933 in Palästina Vom 13. bis 15. September hielt das Zentralkomitee der Brit Iwrit Olamit in Berlin eine Plenarsitzung ab, an der sich als Gäste Bürgermeister Dizengoff, Tel-Awiw, und Prof. Brodetsky, London, beteiligten. Es wurden Berichte über die Tätigkeit in den einzelnen Lindern und über die Lage des hebräischen Schulwerkes in Polen und Litauen erstattet. Im Mittelpunkt der Diskussion stand die Frage des hebräischen Kongresses. Es wurde beschlossen, diesen Kongreß im Jahre 1933 nach Palästina e in zuberufen. Grundlage für die Kongreßwahlen soll der ״Sela“ bilden. Auf je 300 Sela-Zahler soll ein Delegierter enttailen. ln aller Kürze Der High Commissioner empfing eine Abordnung der ״Habimah“ und gab ihr das Versprechen, daß die Palästina-Regierung einen entsprechenden Beitrag zum Bau des Theaterhauses für die ״Habitnah‘‘ leisten wird. Nach einer vom State Department in Washington veröffentlichten Mitteilung leben gegenwärtig in Palästina 3313 amerikanische Bürger. Der weitaus größte Teil dieser amerikanischen Palästinaeinwohner besteht aus Juden, die sich in Palästina niedergelassen haben. In die Zahl 3313 sind diejenigen Juden nicht eingeschlossen, die zwar aus den Vereinigten Staaten nach Palästina übersiedelten, aber die amerikanische Staatsbürger- Schaft nicht besaßen. Fünf jüdische Arbeiter, Mitglieder der Histadruth, wurden in der jüdischen Kolonie Bnei Brak in der Nähe von Tel- Awiw, wo sie als Streikposten fungierten, verhaftet. Der Streik der jüdischen Arbeiter richtet sich gegen einige jüdische Plantagenbesitzer, die billige arabische Arbeiter beschäftigen. Die arabische Exekutive arrangiert als Gegenaktion gegen die erfolgreich verlaufene Levante-Messe in Tel-Awiw für das Jahr 1933 eine spezifisch arabische Ausstellung, in der die Er- Zeugnisse der Länder Irak, Syrien, Aegypten und Palästina gezeigt werden sollen und die auch eine europäische Abteilung haben wird. Erzeugnisse von Juden sollen auf dieser Ausstellung nich# zu sehen sein. Die arabische Exekutive lehnte den ihr von der Palästinaregierung gemachten Vorschlag, auch jüdisehe Produzenten zur Beteiligung an der Ausstellung einzuladen, ab. Dr. Chaim Weizmann befindet sich in Madrid und besuchte den spanischen Unterrichtsminister Dellos Rios, mit dem er ein längeres Gespräch über Palästinafragen führte. Die Sdirüfmadier des Aufbaus Keren Kajemeth und Keren Hajessod In der vierten Sitzung des Delegiertentages am 12. Sept. ergriff in der Palästinadebatte M. M. Usslschkln das Wort. In der Zionistischen Organisation gibt es über zwei sehr aktuelle, ja entscheidende Fragen nicht genug Klarheit: Die Frage der Bodenreserve und das Problem der Zusammenarbeit von nationalem und privatem K a - pital. Boden ist die Grundfrage unserer Zukunft im Lande, aus politischen und praktischen Gründen. Simpson und Fretich behaupten in ihren Berichten, daß eine große Bodenreserve des KKL besteht, die nicht bebaut ist. Die Regierung müsse sich deshalb nicht beeilen, den Juden weitere Bodenkäufe zu erleichtern. Nun kommt dazu, daß der Keren Hajessod oft in seiner Propaganda von den ״brachliegenden Böden“ gesprochen hat, die besiedelt werden sollen — dies sei die vordringlichste Aufgabe. Feind und Freund haben so eine Meinung in der Zionistischen Organisation aufkommen lassen, die falsch ist. Selbst wenn wir über einige Landstrecken verfügen, die unbebaut sind und nicht sogleich bebaut werden können, wäre es ein Fehler, keine neuen Käufe zu tätigen. Aber wir haben sie nicht und so ist die Situation doppelt fatal. Es wäre unter den heutigen Bedingungen unmöglich, den Emek zu kaufen. Aber es soll auch nicht vergessen werden, daß wir damals diesen Kauf in einem schweren Kampf durchsetzen mußten. Und auch unser zweiter große Kauf, Haifa- Bay, eine Zierde unserer Arbeit, gelang erst gegen ungeheuere Widerstände in unseren eigenen Reihen. Als ich vor fünf Jahren aus Canada zurückkam mit einem Scheck über 100 000 Dollar in der Tasche, wollte man mich zwingen, das Geld zurückzuschicken, weil unsere canadischen Freunde vielleicht den Rest nicht auszahlen würden. Aber ich habe gekauft und |1eutte ist die ganze Hoffnung unserer Neusiedlung mit Wadi Chawarith verknüpft. Was für Kämpfe hat es gekostet, mit der englischen Regierung, gegen den arabisehen Widerstand, mit der zionistischen wett, die kein Geld gab» und mit der zionistisch« Führerschaft, diese drei wich-. י- 'Ä~1r wfiÄF‘* •׳־י•:,5*־ *׳« ״*'•♦׳״״ - •■«r*י׳ י«״ ״ * Heute hat Ihnen Dr. Brünn, ein Mann aus dem Lande, deutlich erzählt, wie schwer es ist, für jemanden, der sich ansiedeln will, Terrains zu erwerben. Makler drängen sich um den Ankömmling, Fehler geschehen, aber die Mühe ist außerordentlich groß. Grundstückübertragungen dauern in Palästina sehr lange, malt muß oft mit zwei bis drei Jahren rechnen, man findet bei Bedarf oft auch gar nicht geeignete Parzellen. Wir müssen für die Einwanderung mittelloser Chaluzim und Nicht-Chaluzim Boden besorgen. Wir brauchen eine Bodenreserve. Gewiß, wir haben leere Fliehen. Aber sie sind nicht für Kolonisation geeignet, es sind Berge und Dünen, die man bewalden muß. Das geschieht vom KKL aus, aber das ist nicht Boden für Kolonisation. Auf den 6000 Dunam Land in Wadi Chawarith am Meer, die einmal sehr wichtig sein werden, kann man keine Kolonisation treiben. Die 35 000 Dunam bei Haifa sind heute ebenfalls nicht Boden für Koionisation, sie sind geeignet, für vorstädtische Siedlung, in weiter Zukunft für Industrie. Wir haben schon heute Arbeiterwohn- Stätten dort geschaffen, aber für Kolonisation, wie wir sic sonst durchführen, sind diese Komplexe eben nicht geeignet. Sie sind der Reichtum des KKL und des jüdischen Volkes, aber nicht der Boden für die Kolonisation des morgigen Tags. Und Wadi Chawarith? Wir haben alle Böden in diesem Sommer an die Reflektanten aus der Arbeiterschaft und dem Mittelstände verteilt und es konnten viele nicht mehr befriedigt werden — denn wir haben keinen Dunam mehr frei. Sie wollen heute neue Chaluzim hinüberschicken, was sollen sie beginnen? Was sollen die Mittelständler tun, wenn sie ankommen und von uns keine Böden bekommen können? Wenn Sie es ernst meinen, müssen Sie sehr viel, für den Bodenfonds tun. Freie Bodenreserven — das ist eben leider nur eine Legende. Der Vertreter der Exekutive hat uns angenehme Mitteilungen über die Verbesserung der politischen Beziehungen zu England gemacht. Wir müssen diese Atempause nützen, für das Erste, das Wichtigste, das Gefährdetste. Der Fellache ist in einer schweren Situation — das ist nicht unsere Schuld, das ist die Schuld der Regierungen vor dem Kriege und nach dem Kriege. Wir können ihm helfen, indem wir einen Teil seines Bodens kaufen, es gibt noch ungeheuer viel Land zu kaufen, wenn man uns keine Schwierigkeiten macht. Und wir müssen kaufen. Hätten wir heute nicht die großen Landstrecken in der Hand gehabt, wir׳ hätten in diesem Streit nachgeben müssen und Palästina könnte nicht mehr als ein Ghetto werden wie Warschau, Wilna oder New York. Denn nicht dem Volk in der Stadt, nicht in der Industrie gehört ein Land, sondern dem Volk, das den Boden unter den Füßen hat. Nun zur Frage: Privatinitiative und nationale Fonds. Gibt es eine harmonische Zusammenarbeit? Die vierte A I i j a h mit allen ihren Fehlern hat im Lande etwas Großes und Positives geschaffen. Das Aufblühen von Tel-Awiw, die Schaffung von Magdiel, Kfar Chassidim, Bne Brak, das ist alles vierte Aiijah. Wären wir besser vorbereitet gewesen, hätte es weniger Fehler gegeben. Es gibt sehr viele Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen Privatinitiative und nationaler Kolonisation. Wollen wir Chaluzim im Lande haben, so muß natürlich durch nationale Kolonisation eine genügende Menge von Arbeitsplätzen geschaffen werden. Nun wird von seiten der Privatinitiative eine ungerechte Kritik gegenüber Keren Hajessod und Keren Kajemeth geübt. Es wird mit Ueberhebuag darauf hingewiesen, was das Privatkapital ohne Hilfe der nationalen Fonds geschaffen hat. Ohne Hilfe? Ich kenne Erez Israel seit 50 Jahren und ich weiß keine Schöpfung dort, die nicht bei ihren ersten Anfangsschritten vom nationalen Kapital unterstützt wurde. Mit welchem Stolz sagt Rechoboth, daß es von den Siedlern aus eigener Kraft geschaffen wurde. Ich war in Rechoboth, als man die ersten Zelte aufstellte. Menschen aus Warschau, die den Boden mit eigenen Mitteln gekauft haben, waren das, und sie konnten existieren, aber doch nur, weil nebenan die Kellereien des Barons in Rischon Lezion ihnen die Produkte ihrer Weinberge abnahmen. Und dann kam der KKL und hat ringsum eine Reihe von Wohnsiedlungen geschaffen für Jemeniten und andere, und von ihnen und durch sie lebt Rechoboth. Auch Chederah ist stolz, und mit Recht, der Anfang dieser Siedlung ist eines der schönsten Kapitel aus der Aufbaugeschichte, mit dem heiligen Friedhof der vielen Malariaopfer, mit der Ausrottung der Krankheit, mit der Urbarmachung dieser Gegend. Aber die Schaffung der heilenden Eukalyptuswälder, diese ganze Assanierung war wieder ein Werk von Baron Rothschild. Und das stolze Tel- Awiw. Als Tel-Awiw vor 22 Jahren gegründet wurde, hat der KK1. eine Anleihe von 300000 Goldfrancs gegeben, damals eine ungeheure Summe, ohne diese Anleihe hätte die Stadt nicht gegründet werden können. Tel-Awiw war zunächst als eine Villenvorstadt gedacht; es sollten keine Werkstätten und Fabriken dort gebaut werden. Dann kam Mosers Spende an den KKL. für das Gymnasium, die Chowewe Zion gaben das Geld für den Ausbau und dann kamen Eltern mit ihren Kindern. Steht nicht nationales Kapital am Anfang auch von Tel-Awiw? Und als nach dem Pogrom von 1921 die Juden aus Jaffa wegzogen und das imposante Wachstum begann, kamen die Bürger zum KKL. um Boden und zum Keren Hajessod um Geld, und das Stadtviertel Nordia entstand auf Boden des KKL. und mit Geldem der Hypothekenbank des KH. ״Schechunath Hazafon“, und so soll es weiter gehen, nationale und private Arbeit braucht nicht im Streit zu liegen. Im Gegenteil: Wir sehen jetzt wieder bei der Mittelstandssiedlung, die jüdische Oeffentlichkeit muß Kitten Hajessod, der die allgemeinen Aufgaben übernimmt. Das Problem der Beziehung zwischen dem jüdischen Arbeitgeber und dem jüdischen Arbeitnehm er, das Problem der jüdischen Arbeit überhaupt, kann nur geklärt werden, wenn in der Nähe der bestehenden und der neu zu schaffenden Siedlungen Platz für jüdische Arbeiter- Wohnstätten bereit gestellt wird. Das garantiert den Aufbau, das garantiert die Sicherheit. Die belgischen Zionisten haben eine Siedlung auf den Namen Jean Fischers geschaffen und rechtzeitig anschließend Parzellen für Arbeiter vom KKL. verlangt, dasselbe hat eine amerikanische Gruppe bei Jawne getan. Tel-Awiw denkt jetzt an die Errichtung eines Fabrik- Viertels, man hat sich auch an uns um Boden für die Arbeiterhäuser gewandt, und das ist der richtige Weg, , Palästina ist in eine neue Phase der Entwicklung getreten, aber noch auf sehr sehr lange Zeit hinaus und heute erst recht, steht die Arbeit der nationalen F o n d s an führender Stelle. Alle Zionisten müssen sie verstehen, und Ihnen, den Zionisten Deutschlands, rufe ich zu: Geben Sie in Ihrer jetzigen Aktion und der Arbeit dieses Jahres dem KKL die Mittel, jedem jungen Menschen, der aus Deutschland kommt, Boden zur An* Siedlung zu geben! Am Schluß der vierten Sitzung hielt Dr. A. Hantke nachstehende Ansprache. Zionistischer Aktivismus Die K. H.-Arbeit nimmt im Zionismus noch nicht die ihr gebührende Stellung ein, wie überhaupt die direkte Aktion für Palästina in der zionistischen Welt leider oft erst an zweiter Stelle steht. Gemeindearbeit, Landespolitik treten häufig zu stark in den Vordergrund. Ich bin nach wie vor ein Anhänger des synthetischen Zionismus, der alle Teile nationaler Arbeit in sein Programm einbezieht. Aber niemals haben wir uns vorgestellt, daß, wie es leider vielfach in der Welt geschieht, neunzig Prozent der Arbeit von Zionisten der indirekten Aktion für Palästina und nur zehn Prozent der direkten Aktion für Palästina gewidmet werden. Ich verstehe, wenn man sagt, daß tausend Leute, die je tausend Pfund nach Palästina bringen, mehr leisten als Sammeiapparatc. Aber Parolen, die die Arbeit anderen zuschieben, sind trotz zeitweiliger Popularität nicht für die dauerndc Arbeit zu akzeptieren. Wenn jetzt Menschen in zunehmendem Maße aus rein egoistischen Gründen nach Palästina tendieren, so ist das nur möglich geworden, weil der Zionismus in Palästina europäische Verhältnisse geschaffen hat. Ohne organisierte zionistische Arbeit und ohne die nie aussetzende Arbeit der Fonds wird es auch noch für eine weite Zukunft für Menschen — mit oder ohne Kapital — zu schwer sein, nach Palästina zu gehen. Es ist hier von einem Redner behauptet worden, daß der Rückgang der K. H.-Eingänge seit der sogenannten Konsolidierungsepoche im Jahre 1927 datiert. Der Rückgang begann tatsächlich erst 1930. Es ist zum großen Teil nur eine Anpassung an den veränderten Geldwert der Zeit. Die Zahl der Zeichner ist dagegen nicht zurückgegangen. So werden also auch jetzt in der höchsten Krisis so viele neue Zeichner gewonnen, und alte Zeichner, die verloren gegangen waren, reaktiviert, daß die Lücken ausgefüllt werden, welche die Wirtschaftskrise reißt. Es ist abwegig, von einem Rückgang des Interesses am Keren Hajessod zu sprechen. Warum haben K. H. und KKL nicht so gelitten, wie andere jüdische Sammelfonds? Die Erklärung liegt darin, daß die Arbeit für die Fonds aut den aktiven Zionisten beruht, und daß die Arbeit gleichzeitig die wirksamste Methode der Propaganda geworden ist.

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