Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVII (1932)
- Issue
- Heft 70 (2.9.1932)
- Date
- 1932-09-02
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr» 70, 2. IX. 1932 JÜDISCHE RUNDSCHAD Seite 337 Die revisionistische Weltkonferenz Von unserem Sonderberichterstatter Die Eröffnungssitzung Jabotinskys Kampfansage an England h. 1. W i e n , 29. August. Im Mittelpunkt der Eröffnungssitzung der Revisionisten- Konferenz stand die traditionelle große Redejabotlnskys, der es allerdings unterließ, das eigentliche Problem der Tagung — Austritt oder Weiterverbleiben in der Zionistischen Organ!- sation — auch nur zu streifen. Seine Ausführungen waren hauptsächlich dem Problem ״Zionismus — England“ gewidmet, wofür es seiner Meinung nach nur eine Lösung gäbe: Endgültiger Bruch mit England. Während er noch in Prag für ein ״letztes Experiment“ plädierte, tritt er diesmal mit seinem ganzen Elan für einen sichtbaren Bruch der Be- Ziehungen ein. England hat durch seine Haltung in den letzten zwei Jahren endgültig seinen Anspruch auf die Innehabung des Palästinamandates verloren. Die Folgen, die sich aus dieser Ansicht ergeben, aufzuzeigen, sei allerdings nicht Aufgabe der Konferenz, ln diesem Eingeständnis Jabotinskys, auch nicht einmal andeutungsweise Richtlinien —- außer dem alten Plane einer ״Petition“ — anzugeben, lag die offensichtliche Schwäche seiner Rede. Noch niemals wohl in den letzten Jahren hat Jabotinsky so wenig packend und mitreißend gesprochen, wie diesmal. Da es nunmehr keine vielverheißenden Versprcchungen gibt, es genüge der Sturz Weizmanns, um alles zum Outen zu wenden, muß auch er sich mit nüchternen Analysen der Situation begnügen, die keine neuen Gesichtspunkte auf zeigen und als konsequenter und gerader Mensch dem ״letzten Experimente“ den Schluß folgen lassen. Das Ungewisse für die Zeit nach dem ״Schluß“ kann auch eine gute rethorische Leistung — und stellenweise brachte es Jabotinsky wieder zu einer brillanten Ausdrucksweise — nicht verscheuchen. Was nach dieser Rede übrig blieb, war ein großes Fragezeichen, ein Ergebnis, mit dem sich eine Volksversammlung nicht mehr zufrieden gibt. Groß mann, der seine zweijährige Tätigkeit zu verantworten hatte, sprach in seiner bekannt trockenen Art. Der Aera des laut vorwärtsstürmenden Revisionismus würde eine Zeit der ruhigen, bedachten Arbeit folgen. Man müsse auch schweigen können. Besser eine gelungene revisionistische Protestaktion in Palästina, als zehn aufgeregte Kongreßreden. Die Mahnung Großmanns zur Ruhe fand begreiflicherweise Wider- Spruch bei einem Teil der Delegierten. Uebrigens hat sich bareits eine Fraktion der ״revolutionären Revisionisten“ gebildet, die den intransigenten Flügel bilden und entschlossen sind, den Austritt der Revisionisten aus der Zionistischen Organisation unter allen Umständen herbeizuführen. Von den führenden Revisionisten nimmt Licht heim nicht an der Tagung teil. ' Sonntag früh verans%lteten die Revisionisten einen Gang zum Grabe Herzls, an dem sich ca. 200 Mitglieder d־es Brit Trumpeldor und an 250 zivile Gäste beteiligten. Nach dem Grabgesang nahm Jabotinsky und Stricker das Defile des B. T. ab. Die Generaldebatte h. I. Wien, 30. August 1932. Die Generaldebatte der Revisionistenkonferenz, die Montag früh begonnen hat, zeigt deutlich, verglichen mit den Debatten auf der letzten Revisionistenkonferenz in Prag, den großen Wandel, den die revisionistische Bewegung in den vergangenen zwei Jahren durchgemacht hat. Damals eine einheitliehe, agile Gruppe, in unerschütterlicher Zuversicht, knapp vor der Machtergreifung in der zionistischen Bewegung zu stehen. Damals ein großes Ziel, Beseitigung Weizmanns, das in allen Reden im Mittelpunkte stand und neben dem alles übrige kaum der Rede wert schien. Heute ist an Stelle dieser überheblichen Begeisterung und Kampfesstimmung eine Erniiehterung eingetreten, die stellenweise schon in offene Enttäuschung übergeht. Das Ziel ist erreicht und nichts hat sich geändert, Weizmann ist verschwunden — wenigstens aus der Londoner Exekutive — und an Englands und der Juden Stellung zum Palästinawerke hat sich nichts geändert. Der sprunghafte Anstieg nach den Unruhen im Jahre 1929 ist zum Stillstand gekommen, in manchen Landesgruppen ist sogar ein beginnender Rückgang zu verzeichnen. Der Kampf um Formulierungen hat seine Anziehungskraft eingebüßt. Dort, wo die revisionistische Exekutive selbständig zu arbeiten begönnen hat, ist sie auf dieselben Schwierigkeiten wie die zionistische Exekutive gestoßen. Man ist voller Erwartung und alles geht nun so langsam oder ganz anders, als man es früher proklamiert hat. Schon rein äußerlich ist der Unterschied zu früher erkennbar. Es gibt bereits F raktionen mit selbständigem Programm und deutlich ausgeprägter Gruppenpsychologie: Die Gruppe um den radikalen Führer der palästinensischen Revisionisten Abi A c h i - M e i r, bekannt als Organisator der Skandaldemonstrationen an der Jerusalerrter Universität, der unter der revisionistischen Jugend bereits zu einer ״legendären“ Gestalt geworden ist, nennt sich Maximalisten. Wolfgang W e i s 1 hat um sich eine Anzahl anderer radikaler Elemente gesammelt uqd tritt als Wortführer der Aktiv i s t e n auf. Beide Gruppen wetteifern in radikalen Reden, in denen immer wieder der Ruf nach einer Diktatur Jabotinsky und Beseitigung Großmanns widerklingt und in heftigen Angriffen auf die revisionistische Exekutive, die in Ton und Inhalt sehr an die Reden erinnern, die bisher die angegriffenen revisionistischen Führer gegen die zionistische Exekutive gehalten haben. Insbesondere L i eh t h ei m ist zum Zielpunkte dieser Opposition geworden, die ihm vorwirft, durch einen nichtrevisionistischen Journalisten in einer nichtrevisionistischen Zeitung Propaganda für den Ausschluß von Revisionisten aus der revisionistischen Union betrieben zu haben, (gemeint ist sein Interview mit Klinoff im Warschauer ״Hajnt“) und ihm auch ״Verrat“ des Revisionismus im A.-C. vorwirft. Andererseits ist auch eine beträchtliche Strömung unter den übrigen, nicht den beiden Fraktionen angehörenden Delegierten gegen die palästinensischen Delegierten bemerkbar. Die Rede Achi-Meirs, die mit so großer Spannung erwartet wurde, hat auch bei den unvoreingenommenen Delegierten abkühlend gewirkt. Achi-Meir hat sich nicht nur als ein äußerst schlechter Redner — und das bedeutet viel in revisionistischen Gremien, wo man häufig einer guten ovatorischen Leistung zuliebe auch eine mindere Qualität ihres Inhaltes hinnimmt —- sondern auch als Mensch von ziemlich belanglosem Format erwiesen. An Stelle der Demokratie und des Parlamentarismus und der bisherigen Form der zionistischen Arbeit ruft er nach Blut, Feuer, Barrikaden und Diktatur. Er findet nicht nur für Mussolini, auch für Gorgulow und Hitler Interesse und Verständnis. Auch Weisl, der Regisseur der ״Zwischenfälle“ des letzten Zionistenkongresses, gilt nun selbst bei den Revisionisten als ״enfant terribie“. Wann immer er das Wort ergreift, gibt es Tumult und Lärm. Die Beschlüsse von Calais werden aller Wahrscheinlichkeit nach gebilligt werden — kein einziger Redner hat den Standpunkt vertreten, daß die revisionistische Union wie früher nur innerhalb der zionistischen Organisation wirken solle. Nur die beiden ״Fraktionen“ sind gegen — die Beschlüsse von Calais, da diese den völligen Bruch mit der zionistischen Organisation und die Schaffung einer von ihr ״unabhängigen zionistischen Organisation“ vorderhand noch vereiteln. An der Tagung nehmen 141 Delegierte teil, darunter 48 aus Polen, aus Palästina 24, Tschechoslowakei 15, Deutschland 11 usw. Verhandlungsbericht Angriffe gegen Lichtheim Als Erster spricht in der Generaldebatte für die Fraktion der Aktivisten Weisl, der gleich zu Beginn erklärt, nur bei Anwesenheit Jabotinskys sprechen zu wollen. Es wird eine Pause eingeschaltet, Jabotinsky geholt, dann setzt Weisl seine Ausführungen fort. Er richtet einen heftigen Angriff gegenLichtheim, der durch seine Aeußerung im ״Hajnt“ die primitivste Disziplin verletzt habe. Lichtheim nabe sich dadurch unfähig gezeigt, eine führende Stellung einzunehmen und dürfe auch in Zukunft kein Amt mehr bei den Revisionisten bekleiden. Man nehme hier gegen Abi Achi Meir Stellung, der uns Jugend bringt und den heute in Polen schon jeder Jude kennt. Was hat aber Lichtheim geleistet, außer dab er Vize- Präsident der revisionistischen Union genannt werde? In Polen kennt ihn kein Mensch, mir ist darum Abi Achi Meir zehnmal lieber. Weiter richtet Weisl einen scharfen Angriff gegen die LRevisionistische Exekutive, die unter Großmanns Führung nicht imstande war, Ordnung in die revisionistischen Finanzen und Organisationen zu bringen. Ihre Außenpolitik war lächerlich schwach und es müsse an ihre Stelle eine starke, diktatorische Führung treten. Er schlägt vor: für die nächsten zwei Jahre solle die ganze politische und erzieherische Führung ausscnließfich in die )־linde Jabotinskys gelfgt werden, dem ein unbeschränkte® Vetorecht gegen alle Beschlüsse der revisionistischen Gremien zustehe. Auch die Stelle des Vizepräsidenten müsse abgeschafft werden. Zur Stärkung der Finanzen sollen Münzen mit dem Bildnis Bar Kochbas und Jabotinskys als internes Zahlungsmittel herausgegeben werden. Es gäbe außerdem genug Münzensammler, die sie sich kaufen würden. Auch die Autogramme des Führers würden neue Einnahmen erzielen. Auf dem Gebiete der Außenpolitik müßten neue Beziehungen zu allen Staaten angebahnt werden. Der Präsident der Union soll nach seinem Ermessen in jedem Lande einen politischen Gesandten ernennen, der ihn in seiner politischen Tätigkeit unterstützen müsse. Nach innen müsse ein Fünfjahrplan aufgestellt werden zur Organisierung von 100000 militärisch erzogenen Jugendlichen. Um Lichtheims Stellung. Zu lebhaften Auseinandersetzungen kommt es, als Dr. E11 i s c h namens der deutschen Revisionisten eine Erklärung abgibt, in der er sich zwar von den Ansichten Lichtheims distanziert, aber in entschiedener Form die rednerischen Entglcisungen Wcisls zurückweist. Weisl springt erregt auf, gestikuliert mit beiden Händen und schreit erregt, daß es sich um keine Entgleisungen, sondern um eine bewußte Stellungnahme gegen Lichtheim gehandelt habe, hinter der die palästinensischen Revisionisten stünden. (Entrüstung und Pfui-Rufe in der Mitte, starker Beifall bei den Maximalisten und Aktivisten.) Weisl erklärt dann weiter: Lichtheim hat auch dann später im A.-C. vollkommen die revisionistische Linie verlassen und soll darum künftighin nicht mehr von unserem Präsidenten dorthin delegiert werden. Neuerliche große Unruhe, rechts wird ständig gerufen: Warum ist Lichtheim nicht zur Konferenz gekommen? Warum entzieht er sich der Verantwortung? Groß mann (immer wieder von Weisl unterbrochen), versucht namens der Exekutive eine Erklärung abzugeben: Lichtheim habe seine Meinung über verschiedene Fragen in einem P r i v a t b r i e f an die Mitglieder der Revisionistischen Exekutive gesandt. Eine der sechs davon bestehenden Kopien sei in die Hände Klinoffs gekommen, der ihn eben als Journalist weiter an seine Zeitung geleitet habe. Zwischenrufe: Warum hat die Exekutive nicht dementiert? Großmann: Zu dementieren gab es nichts, da der Brief in Wirklichkeit ja existierte. Weisl: Wenn Lichtheim nicht weiß, wie man mit Journalisten umgeht — und es war Klinoffs gutes Recht, den Brief zu veröffentlichen —, dann ist er eben nicht fähig, ein so wichtiges Amt zu verwalten. Auf Ersuchen Großmanns erklärt der Vorsitzende, daß über diesen Punkt nicht weiter gesprochen wird. Um die palästinensischen Revisionisten. In der Abendsitzung spricht nach Dr. Wolf (Oesterreich), der gegen Jabotinsky polemisiert, Dr. W a s c h i t z (Palästina) für die palästinensischen Revisionisten. Ein Volk, das nicht so eine Bewegung wie die um Abi Achi Meir hervorbringe, sei nichtswürdig. (Starker Beifall.) Es war überflüssig, daß sich die revisionistische Exekutive offiziell von dem Zentralorgan der alästinensischen Revisionisten distanzierte wegen eines Artieis Abi Achi Meirs über den Mörder des französischen Präsidenten. (Stricker: Bitte nicht davon hier zu sprechen.) Waschitz richtet sodann einen heftigen Angriff gegen Großmann und die revisionistischen A.-C.-Mitglieder, da sie es unterließen, das KKL-Direktorium zu stürzen. Unter größter Spannung der Konferenz ergreift A b i Achi-Meir das Wort. Er spricht gegen Demokratie und Parlamentarismus, die in der ganzen Welt als abgetan gelten. In unserer Zeit ist die Di k t a t u r der einzige lebendige Faktor, der staatspolitisch Aussichten habe. In Herzls Zeiten war der Zionismus revolutionär, dann geriet er in die Hände von Philistern, die nichts anderes leisteten, als Fonds zu gründen und kleinliche Arbeit in Palästina zu initiieren. Frankreich hätte auch ohne Elsaß-Lothringen sein Auskommen linden können und hat doch eine Million Menschen geopfert, um es zu erobern. Wir aber haben nichts geopfert. Wenn ihr wissen wollt, warum wir verloren haben, dann schaut auf den Militärfriedhof in Jerusalern. Hunderte englische Gräber und nur ganz wenige jüdische! Wäre dieses Verhältnis ein anderes, dann hätten wir auch sonst andere Erfolge erzielt. Der Neo-Revisionismus in Palästina will mit dem Geist des Liberalismus und der Demokratie brechen, der den Zionismus zugrunde gerichtet hat. Dr. Sameiskv (Wien) wendet sich sodann gegen den Zustand in der palästinensischen revisionistischen Organisation. Daß hier vieles in Unordnung sei, beweist am besten der Umstand, daß die Partei in Palästina von Wahlen zu Wahlen zurückgehe und auch der Brith Trumpeldor ganz schwach sei. ln der Debatte am Dienstag erklärt Al. Rabinowitz (Tschechoslowakei): Wenn man mit Abi Achi Meir auch nicht übereinstimmt, so müsse man doch darüber Freude finden, daß der Revisionismus in ihm eine Gruppe besitze, die Zelotcntum auf ihre Fahne geschrieben habe und so bei den jüdischen Massen noch mehr Eingang finden werde. Zu Tumultszenen kommt es während der Rede des polnischen Delegierten Czeskin, der scharfe Kritik an der Arbeit der palästinensischen Revisionisten übt. Weisl springt wieder auf und ruft: Er darf nicht weitersprechen! Auch die übrigen rechten Delegierten beginnen laut zu protestieren, Weisl eilt zur Rednertribüne, um Czeskin am Reden zu verhindern. Der Lärm und Tumult dauert noch längere Zeit an, bis endlieh der Vorsitzende sich Gehör verschafft und Czeskin das Weitersprechen ermöglicht. Dieser tritt namens der polnischen Delegierten für Großmann und ein Weiterverbleiben der Revisionistischen Exekutive in London ein. Stricker gegen Weisl und Achi-Meir. Namens der Exekutive greift nun Stricker in die Diskussion ein. Lichtheim habe einen Fehler begangen. Was in jenem Briefe gestanden, hätte er hier in Wien Vorbringen müssen. Aber darum dürfe man ihn nicht des ״Verrates“ zeihen. Abi Achi-Meir bekämpft Demokratie, Parlamentarismus und Konferenzen, an deren Stelle er Feuer, Blut und Barrikaden setzen wolle. Aber er beteiligt sich doch an unseren Konterenzen und betreibt Zclienarbeit. Er tritt für Diktatur ein. Ich möchte den Menschen sehen, der aus seinen Händen die Diktatur entgegennimmt. Großer Lärm und Protest rechts, Zurufe: ״Er hält eine Weizmann-Redei“) Wenn Abi Achi-Meir außerordentliehe Aktionen unternehmen will, so muß er dies auf eigene Gefahr tun und darf damit nicht unsere Organisation belasten. Das bezieht sich auch auf seine Artikel in ״Chasith Haam“, wie z. B. den über Hitler. Ich hege große Hochachtung für ihn und habe es freudig begrüßt, als er auf der Universität die Volksverräter gebrandmarkt hat. Er hätte noch zwanzigmal mehr tun können. (Starker Beifall.) Diese Art von Aktivität hat aber gar nichts damit zu tun, ob man Anhänger der Diktatur oder Demokratie ist. Auch Weisl hat unter unserer Firma manches gesprochen, wofür wir die Verantwortung ablehnen müssen. Auch er soll seine Meinung auf eigene Verantwortung sagen. Wir können ihm nicht dazu das Podium bereitstellen. (Weisl: Konkreter!) Zu Weisl: Sie haben sich eine Kampfesart angewöhnt, für die wir menschlich nicht die Verantwortung tragen können. Wir müssen es ablehnen, wenn Sie sich öffentlieh mit dem Privatleben unserer Gegner befassen. Stricker verteidigt dann die Arbeit der revisionistischen Exekutive, die es als ihren Erfolg buchen kann, wenn Weiz• mann gestürzt wurde. (Dr. Hoffmann: Er kehrt ja zurück!) Nur dann, wenn wir selbst von unseren Niederlagen sprechen werden. Ben Chorin (Palästina) geht zum Angriff gegen die Galuthrevisionisten über. Der palästinensiche Revisionismus sei zwar nicht stark, aber er hat immerhin viel Aktivität bewiesen. In Europa sind die meisten revisionistischen Organisationen im Rückgänge und demoralisiert, die revisionistische Presse ohne jede Bedeutung, der Tel Chaj Fond ohne Mittel. Die revisionistischen A.-C.-Mitglieder seien ganz im Schlepptau der übrigen Zionisten. — Der militärische Instruktor des Brith Trumpeldor, Hai perin, verteidigt die revisionistische Exekutive. Neue Lärmszenen Dienstag nachmittags hielten Lubotzky und Weinstein Referate über Jugendbewegung und Palästina. Anschließend wird die Generaldebatte fortgesetzt. Haller (Wien), ein Vertreter der Maximalisten, wirft dem abwesenden Lichtheim erneut ״Verrat“ vor und richtet leidenschaftliche Angriffe gegen die rev. Leitung. Man versucht Achi-Meir, der die palästinensische Jugend zu revolutionären Taten führt, lächerlich zu machen, wenn Stricker in der ״Neuen Welt“ ein Loblied auf Sokolow anstimmen durfte, so konnte Achi-Meir mit gleichem Rechte im ״Chasit Haam“ ein Loblied auf den Terrorist en Gorgulow singen. Diese Worte rufen im Plenum heftige Erregung hervor. Jabotinsky unterbricht den Redner und erklärt: ״Es stand im ,Chasit Haam‘ niemals ein Loblied auf den hier erwähnten Gentleman. Es war nur eine Taktlosigkeit, aber kein Loblied.“ Im weiteren Verlaufe der Diskussion treten immer neue Oppositionsredner auf, unter ihnen auch der hebräische Dichter Uri Z w i Grünberg, der erklärt, wenn im A.-C. Lichtheim mit Leonard Stein zusammenarbeite, sei es genau dasselbe, als wenn die Revisionisten mit Weizmann zusammenarbeiten. Die Führer der rev. Jugend, Dissentschik und J o c I s o n, warnen davor, auch weiterhin sich mit bloßen Deklamationen abzugeben. Die rev. Jugend verlange nach positiver Arbeit, aber die Konferenz habe noch gar nichts in dieser Richtung geleistet. Wenn man der Jugend keine konkrete Aufgäbe stelle, werde sie sich selbst ihre Tätigkeit und wahrscheinlieh die Tätigkeit Abi Achi-Meirs mit all ihren Schattenseiten kopieren. Klar man (Polen) verlangt den vollkommenen Austritt aus der Zionistischen Organisation. Jabotinsky habe im ״Rasswjet“ erklärt, es sei nicht moralisch, in der Zionistischen Organisation zu verbleiben mit Menschen, die den Grundgedanken des Zionismus verraten haben. Es ist also moralische Pflicht, diese Gesellschaft zu verlassen. Carbi (Italien) grüßt mit dem Faschistengruß, was bei der Mehrheit der Tagung stürmischen Jubel hervorruft. Er spircht den palästinensischen Revisionisten seine Svmpathie aus.