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Jüdische Rundschau · 1932-08-09 · Heft 63 (9.8.1932) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 63 (9.8.1932)
Date
1932-08-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 63, 9. VIII. 1932 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 303 Die Tagung des Aktions-Comii^s London, 4. August. (J. T. A.) Das Zionistische Aktbns- Comite befaßte sieh in seiner Sitzung vom 4. August mit einer Reihe organisatorischer Vorschläge. Die Debatte wurde vom Leiter der Organisationsabteilung der Zionistischen Exekutive, Ben Locker, mit einer längeren Rede eingeleitet, in der sich Locker vor allem mit dem Antrag der Revisionisten, als Sonderverband innerhalb der Zionistischen Welt- Organisation anerkannt zu werden, und mit den Maßnahmen für eine Stärkung der Jewish Agency befaßte. Hinsichtlieh des Verlangens der Revisionisten war die Meinung der Mitglieder des A.-C. geteilt. Während die einen für die Annähme der revisionistischen Forderung eintraten, gleichzeitig aber bedauerten, daß die Revisionisten eigene politische Aktionen durchführen, verlangten die anderen die Ablehnung des revisionistischen Vorschlags. Mit der Frage der erweiterten Jewish Agency befaßten sich Dr. Nahum Ooldmann und Josef Sprinzak. Sie bemängelten insbesondere, daß das Fifty-Fifty- Prinzip wohl in der Zusammensetzung der Exekutive zum Ausdruck komme, daß aber die nichtzionistischen Mitglieder der Jewish Agency der Oesamtbewegung keineswegs 50 0/0 neues Blut zugeführt haben, sondern eine kleine Gruppe geblieben seien. Im Verlauf der Debatte wurde auch auf die Gefahr hingewiesen, daß die zionistische Jugend, insbesondere die Jugend der Allgemeinen Zionisten und des Haschomer Hazair, die darüber enttäuscht ist, daß sich ihre Ideale bisher innerhalb der zionistischen Bewegung nicht weit genug verwirkliehen ließen, der kommunistischen Propaganda erliegen könnte. Es wurde über Wege und Mittel beraten, wie der Wirkung dieser Propaganda auf die zionistische Jugend entgegengearbeitet werden könnte. ln seinem am 3. August vor dem Aktions-Comite erstatteten Bericht über den Keren Hajessod wies Dr. Arthur Hantke darauf hin, daß die Eingänge des Fonds zwar unbefriedigend, aber noch immer beträchtlich höher seien, als die Ergebnisse anderer jüdischer Sammlungen. Dieses relativ gute Resultat sei insbesondere der Mitwirkung von Männern wie Präsident Sokolow und Dr. Weizmann an der Keren Hajessod-Kampagne zu danken. Der Keren Hajessod erwartete für das Jahr 5692 (Oktober 1931 bis September 1932) einen Nettoertrag von 250 000 Pfund. Es scheint, daß die tatsächlichen Eingänge bis zum Jahresende bloß 210 000 Pfund betragen werden. Dieser Minderertrag ist hauptsächlich darauf zurückzuführen, daß wir aus Amerika nicht, wie ursprünglich angenommen, 100 000, sondern bloß 70 000 bis 75 000 Pfund bekommen werden. Schon auf dem letzten Kongreß machte uns die amerikanische Delegation darauf aufmerksam, daß sie selbst bloß mit einem Ertrag von ungefähr 80 000 Pfund rechne. Die Eingänge aus den übrigen Ländern sind etwa um 10 Prozent unter der festgesetzten Quote geblieben. Was die Aussichten für das nächste Jahr anbetrifft, fuhr Dr. Hantke fort, so möchte ich mit äußerster Vorsicht erklären, daß wir hoffen, im nächsten Jahre die gleiche Gesamtsumme zu erzielen, wie in diesem. Meiner Meinung nach ist der Keren Hajessod nicht in erster Reihe von der Wirtschaftskrise abhängig. Es gibt in der zioliistischen Bewegung eine moralische Kraft, die die Auswirkung der wirtschaftlichen Verhältnisse abschwächen kann. Hätte uns die Lage der Zionistischen Organisation und die Organisation der Jewish Agency andere Vorbedingungen für unsere Arbeit geooten, so wäre diese besser vonstatten gegangen. Dr. Hantke gab der Meinung Ausdruck, daß der Rückgang der Eingänge aus Amerika bereits zu einem Tiefpunkt geführt habe, so daß man hoffen könne, daß die künftigen Resultate besser sein würden: ln dtesem ־Znsattnnenhatng erwähnte Dr; Hantke, daß die Convention der Zionistischen Organisation Amerikas Dr. Wei zmann eingeladen habe, im nächsten Winter nach Amerika zu kommen. Wir hoffen, erklärte Dr. Hantke, daß Dr. Weizmann diese Einladung annehmen wird. Das GefühlfürPalästina, führte Dr .Hantke weiter aus, hat sich unter den jüdischen Massen zwar in außerordentlichem Maße verbreitet, doch sind wir nicht genügend vorbereitet, unsere Kräfte auf Palästina zu konzentrieren, um so diesem Gefühl Rechnung zu tragen und es in Aktivität umsetzen zu lassen. Wir übertreiben in! Gegenteil die unter uns bestehenden Differenzen und bieten keine geschlossene Front, obwohl der Feind vor unseren Toren, die Assimilation, jetzt der Kommunismus, heute stärker ist als in unseren jungen Jahren. Es wurde hier über Privatinitiative gesprochen, fuhr Dr. Hantke fort; ich möchte nachdrücklichst betonen, daß der Keren Hajessod an der Entwicklung der Privatinitiative ein besonderes Interesse hat. Eine stärkere Einwanderungsbewegung von Mittelstandselementen nach Palästina hält das Interesse für Palästina, eine der wichtigsten Grundlagen für die Arbeit unserer zentralen Fonds, wach. Andererseits haben wir die Konkurrenz seitens der kleinen Sammlungen für Palästina zu beklagen. Diese Konkurrenz besteht nicht so sehr in dem Entgang der kleinen Beträge, die diese Fonds erhalten, sondern darin, daß viele Sammelkräfte der Arbeit für die zentralen Fonds entzogen werden. Wir glauben, daß Palästina ein größeres Interesse daran hat, daß die Arbeit dieser Kräfte für den Keren Hajessod und den Jüdischen Nationalfonds zur Verfügung stehe, als daß sie durch andere Fonds gebunden sei, die, wie hoch immer auch ihre Bedeutung sein möge, keine großen Summen erhalten können. Das Ergebnis der Sammlungen in diesem Krisenjahr, erklärte Dr. Hantke zum Schluß, hat unsere Zuversicht gestärkt. Wenn wir die Beträge in Gold umrechnen, so hatten wir einen Rückgang von 45 0״, was annähernd der Aenderung des Geldwerts entspricht. Die Vergrößerung der wirtschaftlichen Kapazität in Palästina schafft nun neue Möglichkeiten, linanziclle Hilfsquellen für Palästina zu erschließen. Die Direktoren des Keren Hajessod besitzen genug Optimismus, um zu glauben, daß es noch schlummernde Kräfte im jüdischen Volke gibt. Wenn die Zionistische Organisation fähig sein wird, Vorbedingungen für gute Arbeit dadurch zu schaffen, daß aktive Zionisten für die unmittelbare Palästina-Arbeit zur Verfügung gestellt werden und daß die Jewish Agency zu einem wirksamen Instrument für die Finanzierung des Palästina-Aufbauwerks gemacht wird, dann ist unsere optimistische Haltung berechtigt. In der siebenten Sitzung des Aktions-Comites erstattete Dr. Maurice B. Hext er den Bericht des Landwirtschafts- und Kolonisation!- Departements. Er wies auf die bedeutenden Schwierigkeiten hin, mit denen diese Abteilung infolge der Unmöglichkeit der Aufbringung der im Budget vorgesehenen Mittel zu kämpfen hatte. Infolgedessen konnte kein wesentlicher Fortschritt in der Konsolidierung der Kolonien erzielt werden. Seit 1926 haben mehrere Kolonien einen Betrag von ungefähr 200000 Pfund in Form von Subventionen erhalten. Es war notwendig ,die Rückzahlung der den Kolonien zur Verfügung gestellten Mittel dadurch zu sichern, daß an Stelle von Subventionen Anleihen gegeben werden. Dr. Hexter berichtete über den Fortschritt der Kolonien Kfar Gun, Ramath David und Nahalal. Aus der Tschechoslowakei war der Vorschlag gekommen, eine Anleihe für die Schaffung einer neuen Kolonie aufzunehmen, die Exekutive hat jedoch diesen Vorschlag aus prinzipiellen Gründen abgelehnt. Was die Mittelstandskolonisation betrifft, so wurde in Palästina ein eigenes Komitee eingesetzt, um die Organisation dieser Siedlung zu unterstützen. Da jedoch die Exekutive die Verantwortung für die Sicdlungsarheit trägt, mußte sie darauf hestehen, den entsprechenden Einfluß aiiszuüben, und so wurde das Komitee wegen Meinungsverschiedenheiten mit der Exekutive wieder aufgelöst. Dr. Hexter befaßte sich sodann mit der wichtigen Frage der Verwertung und Kontrolle der Wasserbestände unter besonderer Bezugnahme auf die Chaluz-Siedlungen und Wadi Hawarith. Schließlich wies er darauf hin, daß es wünschenswert wäre, eine Zentralstelle für die Begebung von landwirtschaftlichen Krediten zu schaffen. Zwei Tage Verhandlungspanse Lon d on , 5. August. (J. T. A.) Am 5. August wurde keine Plenarsitzung des Aktions-Comites abgehalten, um den Kommissionen Gelegenheit zu geben, die dem Plenum vorzulegenden Resolutionen auszuarbeiten. Das Präsidium des Aktions- Comitcs hat beschlossen, die Tagung Dienstag, den 9., oder Mittwoch, den 10. August, zu schließen. Während der beiden Tage, an denen die Beratungen des Administrative Committee der Agency stattfinden, wird das Aktions- Comite eine Verhandlungspause eintreten lassen. Unter dem Vorsitz von Direktor Oscar Wassermann (Berlin) wurde am Sonntag, dem 7. August, die Sitzung des Administrative Committee der Jewish Agency eröffnet. Die Kolonfsatfonidebatte Auf Grund der offiziellen Communiques ist über den Verlauf der Beratungen des A.-C. folgendes nachzutragen: In der achten Sitzung des Aktions-Comites ergriff Dr. Ruppin das Wort, um das Kolonisationsreferat Dr, Hexters in einigen Punkten zu ergänzen. Dr. Ruppin wies auf die kriiftige Entwicklung der Emeksiedlungen hin und besprach insbesondere die Neueinführung des Grape Fruit- und Kartoffelbaus. Man habe, erklärte Dr. Ruppin, in manchen Kreisen die Bedeutung des Emek für die jüdische Kolonisation herabsetzen wollen. Diese Haltung sei tief zu bedauern; der Emek bleibe eine Quelle des Stolzes für den Jischuw. Dr. Ruppin zog einen Vergleich zwischen dem Prozentsatz dubios ge wardener Forderungen aus Verträgen mit Siedlern in Palästina und in anderen Ländern und zeigte, daß dieser Prozentsatz in Palästina niedriger sei, als in irgendeinem anderen Lande. Er begrüßte auch die Tatsache, daß die Opposition gegen die Siedlungsform der Kwuzoth in letzter Zeit geringer geworden ist. Dr. Soskin führte aus, der Fortschritt der jüdischen Ko- Ionisation in Palästina sei verhältnismäßig klein. Die Vorschlage Dr. Ruppins könnten die Kolonisation der Erreichung ihres Zieles nicht näherbringen. Es gebe nur eine einzige Lösung, und zwar die Kolonisation von Staats wegen. Bedauerlichcrweise habe die Exekutive keinerlei Bemühung nach dieser Richtung hin gemacht. Die Revisionisten besäßen einen ausgearbeiteten Plan und ein konkretes Programm für konstruktive Wirtschaftspolitik, doch werde diesen Plänen keine Aufmerksamkeit geschenkt. Der Redner begrüßte es, daß man nunmehr auf städtische Kolonisation Nachdruck lege. In der Debatte über Kolonisationsfragen ergriffen die A.-C.-Mitglieder Goldbloom, Schkolnik, Schapiro, Stricker und Ada Fishmann das Wort. Schapiro (Misrachi) verlangte, daß eine Aenderung in der Haltung gegenüber den religiösen Chaluzim Platz greife und protestierte gegen die Einstellung der Unterstützung für die Misrachi-Kolonien. Von Einsparungen seien immer in erster Reihe die Institutionen des religiösen Teils des Jischuw betroffen. Auch gegen die Art der Verteilung der Einwanderungszertifikate erhob der Redner Einspruch. 84*4 ck er verlangte -die -Einsetzung eines- •Budgetpostens für die Mittelstandskolonisation. Ada Fisch mann führte Klage wegen Zurücksetzung der Frauen auf gewissen Arbeitsgebieten. Im Hinblick darauf, daß die Frauenbewegung im Zionismus und im Jischuw eine bedeutende Kraft darstelle, dürfe nirgendwo eine Zurücksetzung der Frauen stattfinden. Der French-Bericht abgelehnt Den Vorschlägen der mit der Behandlung des French-Berichtes betrauten Subkommission entsprechend, hat das Aktions- Comitfi in einer am 7. August abgehaltenen Plenarsitzung beschlossen, den French-Bericht abzulehnen, da er den Bestimmungen des Palästina-Mandates und dem Inhalt des MacDonald-Briefes widerspreche. Der Exekutive erteilte das Aktions-Comite den Auftrag, als Antwort auf den French-Berieht der Regierung Einwände gegen dessen Einzelheiten Im Sinne einer Ablehnung des Gesamtberichtes zu unterbreiten. Eine matte Sliznng Der Londoner ״Jewish C 11 r o n i c 1 e“ beschreibt die in der A.-C.-Sitzung herrschende Stimmung folgendermaßen: Sitzungen des A.-C. sind immer vertraulich, aber niemals zuvor hat diese Körperschaft hinter so fest verschlossenen Türen getagt wie diesmal. Was ist der Grund für diesen dichten Schleier des Geheimnisses? Denn die Exekutive ist so besorgt um die Vermeidung eines Durchsickerns von Informationen, daß sie die Mitglieder einen Revers * unterschreiben ließ, daß sie keine Silbe über die Verhandlungen veröffentlichen werden. (Hier irrt der ״Jew. dir.“: das Unterschreiben dieses Reverses ist seit Jahren hei allen A.-C.-Sitzungen üblich, um die häufigen Indiskretionen seitens derjenigen A.-C.-Mitglieder, die selbst Journalisten sind, zu verhüten, durch die oft gerade ,,politische Sensationen“ in ungeeigneter Weise in die Presse kamen. Es ist begreiflich, daß durch die diesmal besonders unzulängliche Berichferstattung die Presse verärgert ist, aber an sich ist das Prinzip der Vertraulichkeit bei solchen Sitzungen eine Notwendigkeit und Selbstverständlichkeit. — A. d. Red. ״Ji'id. Rundschau“.) Es ist richtig, fährt ״Jew. Chr.“ fort, daß von der Zion. Organisation offizielle Bulletins ausgegeben und den Presse- Vertretern zugesandt worden sind. Aber auch diese sind erst mehrere Tage nach den Verhandlungen ausgegeben worden. Was würde der Redakteur eines englischen Blattes machen, wenn er über eine wichtige Sitzung ein Bulletin mit einem Bericht über Verhandlungen, die fünf Tage zurtickliegen, erhielte? Man könnte glauben, daß diese strengen Vorkehrungen zur Verhütung von Information darin begründet sind, daß die Beratungen von so delikater Natur sind, daß man sie im Interesse der Bewegung geheimhalten muß. Weit gefehlt! Denn alles, was bis zur Niederschrift dieser Zeilen geschehen ist, ist, daß Berichte der Leiter der einzelnen Departments erstattet wurden und auf sie die üblichen Diskussionen folgten. In manchen Fällen waren die Reden einfach Wieder• ho I u n ge n der auf dem letzten Kongreß gehaltenen Reden, und wer mit der Gedankenwelt der einzelnen Parteien eng vertraut ist, könnte diese Reden beinahe im voraus niederschreiben. Wenn man alle belanglosen Details ausschaltet, kann die Situation bei der A.-C.-Sitzung in politischer Hinsicht etwa folgendermaßen zusammengefaßt werden: Es herrscht eine merkliche Atmosphäre von Stumpfheit und Langeweile. Jede Partei scheint auf ihren Moment zu warten. Nichts, was die neue Exekutive getan hat, fordert eine scharfe Kritik heraus, noch ist auf der anderen Seite irgendein Grund für ungebührliehe Schmeichelei oder Jubel, Kurz gesagt, die Situation ist momentan stationär. Alle, die von dem French- Bericht sprachen, waren einig in der Ablehnung dieses unzweifelhaft antizionistischen Dokuments, während manche, insbesondere die Revisionisten, dies in ganz unzweideutiger Weise taten. Einigkeit besteht auch in der Beurteilung der allgemeinen Atmosphäre in Palästina im letzten Jahr. Manche A.-C.-Mitglieder, die bestrebt sind, den kleinsten Brocken einer Erleichterung zu erhaschen, haben diese erfreuliche Verbesserung stärker betont als die Tatsachen rechtfertigen, während die vorsichtigeren, weitsichtigeren Kritiker sich nur mit großer Zurückhaltung darüber aussprachen. Nichtsdestoweniger ist die Genugtuung darüber, daß während der Amtszeit der neuen Exekutive nichts geschehen ist, was die Ruhe und das Gleichgewicht im Heiligen Lande gestört hätte, offenkundig. Dem neuen High Commissioner wurden in diesem Zusammenhang die meisten Blumensträuße dargebracht. Gemäß den Darstellungen der aus Palästina Kommenden und der für die Beurteilung Zuständigen führt er sein Amt in überaus zufriedenstellender Weise und im wahren Geiste des Mandats. Trotzdem ist ein schleichendes Gefühl der Enttäuschu ng und Unzufriedenheit vorhanden, das heute noch sanft ist, aber in nicht allzu ferner Zeit heftigere Formen annehmen kann. Diese Opposition gegen die jetzige Exekutive beruht vor allem darauf, daß sie sich zwar eines Friedenszustandes in Palästina rühmen kann (der wohl auch ohne diese Exekutive eingetreten wäre), daß sie aber selbst nichts Konkretes und Bestimmtes getan hat,. Die Lage seit dem Amtsbeginn der Exekutive im vorigen Sommer weist keinen Fortschritt auf. Auf der anderen Seite geben selbst die Gegner der Exekutive zu, daß in der jetzigen Weltkrise nicht viel zu erwarten ist und daß man in elf Monaten auch nichts Bedeutendes ausführen kann. Demnach waren die Reden der ״großen Kanonen“ der Revisionisten ausgezeichnet durch das Fehlen jener Wildheit, mit der sie das Weizmann-Regime anzugreifen pflegten. Man kann sagen, daß die Opposition der Revisionisten jetzt eine freundliehe ist; so sehr die Revisionisten die jetzige Exekutive ablehnen, sie ziehen sie doch weit einer Weizmann-Exekutive vor, und ich hörte auch von kompetentester Seite Aeußerungen der Befriedigung, daß die Sokolow-Exekutive den Zielen und Wünschen der Revisionisten näher kommt als irgendeine frühere Exekutive. All dies kennzeichnet die Atmosphäre, die die Sitzung des A.-C. beherrscht. Der Gewährsmann des ,,Jew. Chr,“ meint schließlich, daß diese Pause im Sturm nicht lange dauern und noch vor Ablauf des nächsten Jahres irgendeine überraschende Entwicklung ein* treten dürfte. * Auch der Chefredakteur der in London erscheinenden jid« dischen Tageszeitung ״Die Zeit“, Morris Meyer, schreibt in seinem Blatt einen großen Artikel über ״Die merkwürdige Ruhe des Aktions-Comite s“, die durch die tatsächliche Lage in Palästina nicht gerechtfertigt sei. Es sei keine tiefgreifende Aenderung der Lage bezüglich Palästinas erfolgt, die es erklären könnte, daß man plötzlich 11m soviel optimistischer ist, als man es bei früheren Tagungen war. Der Verfasser wundert sich auch über die gemäßigte Haltung der Revisionisten. Man dürfe doch nicht übersehen, daß das englische Kolonialamt seine alte Politik bezüglich Palästinas fortsetzt. Revisionistische Sitzung 10 London Wie der ״Hajnt“ aus London meldet, ist Jabotinsky, der bekanntlich nicht Mitglied des Aktions-Comites ist, m London eingetroffen. Es findet in London eine Sitzung der Revisionistischen Exekutive statt, die sich in der Hauptsache mit dem sogenannten Lichtheimschen Ultimatum zu befassen haben wird. Lichtheim hat (wie wir auch in der ״Jüdischen Rundschau“ Nr. 56 berichteten), gefordert, die Beschlüsse von Calais aufzuheben und die Revisionistische Union wieder in den Rahmen der Zionistischen Organisation einzufügen. Lichtheim soll sogar für eine Teilnahme der Revisionisten an der Verantwortung für die Leitung der Zionistischen Organisation eingetreten sein. Die Vorschläge sollen, wie ״Hajnt“ bemerkt, im revisionistischen Lager erregte Diskussionen hervorgerufen haben, und man erwartet, daß die jetzige revisionistische^ Sitzung in London die Frage endgültig klärt, wodurch dann ’auch die Stellung des Aktions-Comites zu dem organisatorischen Problem der Einordnung der Revisionisten erleichtert würde. Wie wir erfahren, besteht innerhalb des Aktions-Comites auf keiner Seite eine besondere Neigung, den Revisionisten Schwierigkeiten zu machen, doch läßt sich bei der heutigen Sachlage und im Falle der Aufrechterhaltung der revisionistischen Beschlüsse von Calais sehr schwer ein Weg finden, um den Problemen beiznkommen. Die neue Leitung der amerikanischen Zionisten Der neugewählte Präsident der Zionistischen Organisation Amerikas, Morris Rothenberg, hat die ihm von der Convention in Philadelphia übertragene Aufgabe, ein leitendes Komitee von sieben Personen einzusetzen, nunmehr erfüllt und folgende Persönlichkeiten ais Mitglieder der Exekutive der amerikanischen Zionisten ernannt: Judith Epstein, Jacob de Haas, Abraham G o I d b e r g, Louis Lipsky, Samuel M a r g o s c h e s, Nelson Ruttcnberg, Stephen S. Wise. Zum Sekretär der Zionistischen Organisation Amerikas wurde Morris M a r g u l i e s ernannt, der in den letzten zwei Jahren Redakteur der New-Yorker monistischen Zeitschrift ״The Zionist“ gewesen ist. Da die Zeitschrift ״The Zionist“, das Organ Lipskys, in scharfer Opposition gegen die frühere, von der ״Brandeis-Gruppe“ beherrschte amerikanischzionistische Leitung stand, so ist auch aus dieser Wahl ZU schließen, daß ein weitgehender Kurswechsel im amerikanischen Zionismus beabsichtigt ist, eine Annahme, der wir auch schon früher Ausdruck gegeben haben. Die Stephen Wise nahestehende Zeitschrift ״Öpinion“, die in heftiger Fehde mit Lipsky steht, bezeichnet freilich den angeblichen Versuch der Lipsky-Gruppe, bei der Convention in Philadelphia die Macht wieder zu gewinnen, als gescheitert, den« es sei nicht gelungen, Lipsky als Präsidenten durchzusetzen. Aber auch dieses Blatt gibt zu, daß die Lipsky-Richtung (die auf dem Basler Kongreß 1931 bekanntlich für Weizmann ein• trat) in der Convention die Mehrheit hatte. Die amerikani* sehen Zionisten werden im September in ganz Amerika eine große Propagandakampagne für die Gewinnung neuer Mitglieder durchführen. Der bisherige amerikanische Konsul in Jerusalem, Knabenshue, wurde im Zusammenhang mit dem für September in Aussicht genommenen Eintritt des Irak in den Völkerbund zuin bevollmächtigten Minister Amerikas in Bagdad er« nannt. Abg. Dr. Mayer Ebner hat im Namen des Jüdischen Parlamentsklubs an den rumänischen Innenminister eine Inter• peliation betreffend den Fall des poale-zionistischen Führen Simon Braunstein, der Anfang Mai unter der Beschuldigung kommunistischer Propaganda in Jedinetz (Bessarabien) von de! Gendarmerie unmenschlich gefoltert wurde, gerichtet.

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