Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVII (1932)
- Issue
- Heft 62 (5.8.1932)
- Date
- 1932-08-05
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 298 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 62, 5. Vm. 1932 ״Cooperationl" Von Dr. Alfred Marcus H (> haben in Nr. 60 der ,,Jüdischen Rundschau״ den Aufsatz ,Non-Coopcration von Dr, Alfred Marcus, dem Verfasser des Buches ״Die v'irtsehaftliche Krise des deutschen Juden‘ mit der Bemerkung einjclcilet, daß es sich hier um edrien Beitrag zur Dis• k n s s i 0 n des brennendsten und aktuellsten Problems des deutsehen Judentums handelt, wobei es wichtig ist, die Stimme jedes ernsten Sachkenners zu hören, unabhängig davon, ob man in allen Einzelheiten mit seinen Formulierungen ühereinstimml. Wir gehen heute den zweiten Teil der Ausführungen von Dr. M irens mit demselben Vorbehalt wieder, Es wird zu'eifellns noch Gelegenheit sein, die von Dr. Marcus behandelte Frage, die in der ,Jüdischen Rundschau übrigens seit vielen Monaten erörtert wird! wir en'nnern nur an unsere Aeußeriingrn zu der im Bitmlfunkgespraeh Stapel-Holländer diskutierten Frage, der ,,Grrnzühersrhrcitimg״ J noch weiter zu helcwdi len. Wenn wir :11 dem nachfolgenden Aufsatz von Dr. Marcus zunächst nur eine polemische Remerkung machen wollen, so ist es der Hinweis, daß seine Behauptung, der deutsche Zionismus hohe im Vergleich zu anderen deutsch-jüdischen Gruppen nicht genügend Initiative bezüglich der Frage des Zusammenhangs mit dem. Gesamt Judentum entwickelt, uns anfechtbar erscheint, da unseres Erachtens gerade von deutschen Zionisten diese Tendenz ansging, wahrend andere Teile des deutschen Judentums ihr — bisher wenigstens — entschiedenen Widerstund entgegensetzten. M7r heben diesen Gesichtspunkt hervor״ damit sich an diese Nebenfrage nicht eine Polemik anknüpft, sondern das Interesse auf die entscheidende Grundposilion des von Dr. Marcus vertretenen Standpunktes konzentriert bleibt. Red. II. In Nr. 60 der ״Jüdischen Rundschau“ ist der Versuch gemacht worden, die geistige und politische Haltung eines seiner selbst bewußten Judentums gegenüber dem neudeutschen Nationalismus in großen Zügen abzugrenzen. Inzwischen sind die Reichstagswahlen gewesen. Ihr — nicht überraschender — Ausgang scheint es notwendig zu machen, den zunächst nur theoretisch fundierten Begriff der ״Non-Cooperation“, zu dessen Formulierung wir in dem eingangs bezeichneten Aufsatz gelangt sind, nunmehr auch in seinen praktischen Konsequenzen zu behandeln und darzutun, zu welcher ״Cooperation“ wir im Gegensatz hierzu werden gelangen müssen. Der Ausspruch des R. Tarphon: ״lo alecha ha-mlacha lignior, welo atha ben chorin lehibatel mimena — es ist nicht Deine Sache, die Arbeit zu vollenden, und es steht Dir dennoch nicht frei, Dich von ihr loszusagen“ kennzeichnet diese Konsequenzen haargenau. Hier sehen wir die dem deutschen Juden für die ״Cooperation“ mit dem deutschen Volk gezogenen Grenzen. Wir haben vor Jahrzehnten in Opposition zu einem konservativon Regime, unterstützt allerdings durch ein scheinbar immer liberaler werdendes Volksempfinden, mit der ״Arbeit“ begönnen, mit dem Versuch unserer völligen Eingliederung in Deutschland und in das deutsche Volk. Wir glaubten in einer sozial-liberalen Epoche diese Arbeit zu vollenden. Wir sind hierbei von dem Einsetzen einer neuen, unerwartet intensiven nationalen Entwicklungsphase des deutschen Volkes überraseht worden und sind nun weder dazu im Stande, die unter ganz anderen Voraussetzungen begonnene ״Arbeit“ fortzusetzen, noch uns von ihr völlig loszusagen. Damit ist die Indikation des freiwilligen Teilverzichtes gegeben. Wir müssen den Versuch dazu machen, unser Zusammenleben mit dem deutschen Volke auf neuer Ebene bewußt zu begrenzen. Die historische Schuld des deutschen Judentums, die sich heute rächt, liegt darin, daß es mit diesem freiwilligen Teilverzicht zu lange gewartet hat; solange, bis er von seiner Freiwilligkeit den größten Teil bereits verloren hat. Das zeigt sich darin, daß die Dinge, die wir heute im Interesse der Erhaltung des deutschen Judentums zu fordem haben, mit dem Programm des ״aufgeklärten Antisemitismus“ fast identisch sind. Wir haben durch unsere historische Schuld die Initiative verloren und müssen uns heute durch die andere Seite in sehr demütigender Form die Gesetze unseres Handelns vorschreiben lassen. Das heißt zwar: Niemals werden wir auf das Recht verzichten, uns zu den Dingen, die sich in Deutschland abspielen, so einzustellen, wie sieh das nach Lage der Dinge aus u n se - rer Denkweise und unserer Erfahrung ergibt. Niemals dürfen wir auch unsere Handlungsweise durch andere Motive bestimmen lassen, als sie sich aus unserer Denkweise und Erfahrung ergeben. Aber — und hier kommen wir an die Grenze — wir müssen darauf verzichten, diese unsere Denk- und Handlungsweise außerhalb des deutschen Judentums als verbindlieh zu betrachten. Konkret gesprochen: Wir mögen wählen, aber wir sollen nicht agitieren! Wir mögen uns als Fachleute in Wissenschaftliehen, rein wirtschaftlichen und technischen Aemtern auch weiterhin bewähren — aber wir sollen unter allen Umständen, mag die Entwicklung in Deutschland gehen wie sie wolle und schon in kurzer Zeit wieder (was heute freilich kein vernünftiger Mensch glauben kann) ultra-liberal werden, auf jede deutsch-politische und kulturbestimmende öffentliche Tätigkeit verzichten. Man wird auf eine solche Forderung vielleicht mit der Geschichte von den sauren Trauben antworten, wenn wir sie gerade im gegenwärtigen Moment erheben. Das kann uns völlig gleichgültig sein. Sie wird im jüdischen Interesse erhoben. Das ist ein ״antisemitisches“ Programm. Sombart und alle Anhänger des ״aufgeklärten Antisemitismus“, wie sie sieh etwa in der Deutschen Volkspartei, der Deutschnationalen Partei und auch in sehr weiten Teilen des Zentrums finden, haben es oft genug verkündet, anstatt daß wir es selbst aufgestellt und befolgt hätten. Es ist aber 11m dieser unserer Versäumnis willen weder ״falsch“ noch abzulehnen. Nennen wir doch die Dinge ruhig beim Namen: Die eine Tatsache, daß der Polizeivize- Präsident von Berlin jahrelang ein Jude gewesen ist, hat, obwohl seine Amtsführung zweifellos einwandfrei und objektiv war, dem ״unaufgeklärten“ Antisemitismus mehr Anhänger gewonnen und das deutsche Judentum in größere Gefahr gebracht, als sämtliche Schmäh- und Hetzschriften von Eisenmenger bis zur ״Staatsbürgerzeitung“. Wir müssen hier umlernen, und zwar um des Judent u m s willen. Denn nur innerhalb des Judentums können wir zu der ״Cooperation“ kommen, ohne die wir deutschen Juden — ein in seiner wirtschaftlichen Basis geschwächter, kulturell haltloser, durch Parteien zerrissener Splitter ohne Standpunkt und Ziel — nicht mehr leben können. Wir brauchen nichts dringender als Sammlung nach innen und Anlehnung nach außen, nämlich an das Gesamtjudentum; vor allem in geistiger Hinsicht. Auch hier stoßen wir zunächst auf die Notwendigkeit eines Verzichtes, Die innere Sammlung nämlieh, die uns aus der Not der Non-Cooperation zur jüdischen Cooperation führen muß, ist nicht denkbar ohne den Verzicht auf das, was man das ״bequeme Erleben“ nennen kann. Es ist die Aufgabe jüdischer Kulturpolitik, diesen Verzicht näher und eindringlicher zu formulieren, als dies dem Verfasser dieses Aufsatzes möglich ist, der sich hierzu nicht berufen fühlt. Hier sei nur angedeutet: auch in literarischer, künstlerischer und gesellschaftlicher Hinsicht wird der deutsche Jude in Zukunft auf vieles verzichten und selbst gezogene Grenzen respektieren müssen, wenn er als Jude in Deutschland weiter leben will. Das wird schon deshalb notwendig sein, weil ihm allein dieser Verzicht die seelische, geistige und materielle Kraft erhalten kann, die er zum Leben als Jude in Deutschland dringend nötig haben wird. Er kann sie ihm freilich nur erhalten und nicht geben. Das kann nur die Konzentration auf ein intensives jüdisches Gemeinschaftsleben, das seine nach außen gezogenen Grenzen erkennt, um desto stärker nach innen zu wirken und Menschen zu formen, die im äußeren Verzicht und im berechtigten inneren Anspruch zu leben vermögen. Niemals ist das deutsche Judentum hiervon weiter entfernt gewesen als in diesen letzten Jahren einer Über unsere inneren Kräfte und Verständnismöglichkeiten gehenden Anteilnahme an den politischen, sozialen und geistigen Entwicklungen in Deutschland. Das zeigt sieh vor allem auch in unseren jüdischen Parteiverhältnissen. Die Verschärfung der innerjüdischen Gegensätze ist zum Teil auch ein Reflex der deutschen Parteikämpfe gewesen. Auch ihre Ueberwindung ist nicht denkbar ohne innere Sammlung des Einzelnen und der Gesamtheit. Sie wäre die Voraussetzung für eine Wiedereinschaltung des deutschen Judentums in die lebendige Gegenwart und Zukunft des gesamten Judentums. Man sage nicht, daß die erforderlichen Zusammenhänge durch den Zionismus genögend gestärkt worden seien. Das trifft doch nur für einen kleinen Teil des deutschen Judentums zu, jedenfalls bei weitem nicht für alle die Menschen, denen ihr Judentum noch etwas mehr ist, als der Anlaß zu einem Minderwertigkeitskomplex und einer sentimentalen Erinnerung. Der deutsche Zionismus ist in dieser Hinsicht viel zu einseitig. Das mag durch seine ganze Entwicklung zur Genüge erklärt werden, aber deshalb ist dieser Zustand noch nicht gut und für alle Zukunft als richtig anzuerkennen. Es wird notwendig sein, daß die Zionistische Vereinigung in Zusammenhang mit den anderen Verbänden, die auf die unbedingte Erhaltung eines lebendigen Kernes im deutschen Judentum Wert legen, stärker als bisher die ״Diesseitsarbeit“, die vor dem Kriege so oft und so erfolglos diskutierte ״G o 1 u s a r b e i t“ in den Vorder* grund ihres Interesses rückt. Allein kann sie diese Aufgabe freilich nicht leisten, sie soll es auch gar nicht. Aber sie soll sich nicht — wie das in den letzten Jahren oft genug der Fall gewesen ist•— nur zu Arbeiten dieser Art heranziehen lassen, sondern sie muß auch initiativ hierbei Vorgehen, und zwar mit Zielen, die zu allererst auf die unmittelbare Erhaltung des deutschen Judentums gerichtet sind. Geschieht das in der Weise, daß nicht nur die doch nur von einem kleinen Teil des deutschen Judentums akzeptierte unmittelbare Einstellung auf Palästina als richtungweisend anerkannt wird, sondern auch die Pflege des geistigen und politischen Zusammenhanges mit den großen jüdischen Gruppen außerhalb Deutschlands, so können hierdurch wertvollste Kräfte geweckt und gestärkt werden. Es sei hier nur daran erinnert, von welch einer Redeutung Zusammenkünfte sind, wie die der jüdischen Sozialarbeiter auf dem Frankfurter Kongreß vom Juli dieses Jahres. Gewiß, in einem sehr kleinen Kreis« sind auch diese Verbindüngen bereits — oder noch? — vorhanden. Aber der Kreis ist eben zu klein und das, was ihm Impulse gibt, dringt überhaupt nicht in das Bewußtsein der noch lebendigen Teile des deutschen Judentums ein. Es wird notwendig sein, die Arbeit in dieser Richtung, die zur stärkeren geistigen und politischen Anlehnung an das Gesamtjudentum führen soll, sehr bald zu beginnen. Denn fraglos steht die innere Krise dem deutschen Judentum erst noch bevor. In der jüngsten Zeit ist es wenigstens durch seine Abwehrstellung etwas zusammengehalten worden. Aber es scheint, als ob die brutalsten Angriffe auf uns nun allmählieh naehlassen werden. Wir haben ja unsere Aufgabe als Propagandamittel nun endlich wohl erfüllt. Die nationale Welle in Deutschland bedarf derartiger Reizmittel nicht mehr. Das heißt natürlich nicht, daß man uns in der Sache besser behandeln wird, aber vielleicht in der Form. Und hiermit setzt für das deutsche Judentum die entscheidende Krise ein. Denn in dem Augenblick, in dem man sieh ״fortiter in re, suaviter in modo“ zu uns stellt, wird filr viele deutsche Juden auch der letzte Anlaß fortfallen, selbs: nur formell im Judentum zu bleiben. Es ist nicht abzusehen, wie weit diese Bewegung gehen und wie stark sie auch den seiner selbst bewußten Kern des deutschen Judentums zerstören würde. Das Massenpsychotische solcher zu befürchtender Vorgänge hat Wirkungen, die niemand abzuschätzen vermag (man denke an die Austrittswelle in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, und wie weit sie sogar in das damalige orthodoxe Judentum eindrang). Wir müssen daher zu einer ״Cooperation“ gelangen, die dem Kern des deutschen Judentums unter bewußter Abgrenzung gegenüber dem deutschen Volk und ebenso bewußter Hinwendung zur inneren Sammlung und zur Anlehnung an das Gesamtjudentum die Kraft gibt, der zerstörenden Wirkung solcher Vorgänge zu widerstehen. Die ffldische Weitkoaferenz Als Tagungsort der auf Initiative des American Jewish Congress einberufenen jüdischen Weltkonferenz wurde endgültig Genf bestimmt. Die erste Sitzung der Konferenz wird am 14. August, nachmittags 3 Uhr, in der Maison de Faubourg eröffnet. Die Tagesordnung umfaßt drei Punkte: 1. Berichte und Erörterung der Lage des jüdischen Volkes in den verschiedenen Ländern und Diskussion über zu ergreifende Maßnahmen zur Sicherung der jüdischen Rechte und Positionen. Für die wichtigsten Länder: Nordamerika, Rumänien, Deutschland, Sowjetrußland und Palästina werden Spezialreferentcn über die Lage berichten; für die übrigen Länder werden die jeweiligen Delegationen die Referenten bestimmen. 2. Referat und Diskussion über die von Prof. Guido Tedeschi angeregte internationale Konvention zur Diffamierung des Antisemitismus. 3. Frage der eventuellen Einberufung und Vorbereitung des jüdischen Weltkongresses. Referent: Dr. Stephen S. Wise. Das Büro der Konferenz wird ab 12. August funktionieren. Für das Büro bestimmte Zuschriften sind an Dr. Nahum Gold mann, Genf, Hotel Viktoria, zu richten. Deutsche Zentramspartei und Judentum In einer am Vorabend der Reichstagswahlen in den Spichemsälen (Berlin) abgehaltenen Versammlung der jüdischen Zentrumswähler befaßte sich der Vorsitzende der Berliner Organisation des Zentrums, Schulrat Kellermann, in längeren Ausführungen mit dem Verhältnis der Zentrumspartet zum Judentum. Er erklärte, die Zentrumspartei sei keine rein katholische Partei, sie habe es seit ihrer Gründung, seit Windhörst, immer abgelehnt — abgesehen von einer Minderheit von heute 3 <0״ — sich als katholische Partei zu bezeichnen. Das Zentrum sei vielmehr eine religiöse Partei, in der gläubige Juden und Protestanten ebenso Platz finden wie die gläubigen Katholiken. Ihr ethisches Grundgesetz sei der Dekalog des alten Testaments. Im weiteren Verlauf seiner Rede wandte sich Schulrat Kellermann mit Entschiedenheit gegen den Nationalsozialismus und dessen judenfeindliche Pläne. Schließlich trat der Redner für die konfessionelle Schule ein. Er for* derte jüdische Lehrer für jüdische Kinder, katholische Lehren für katholische Kinder. Der Vorsitzende der Versammlung, R.-A. Dr. Köllenscher, stellte fest, daß die Beziehungen zwischen Juden und Zentrumspartei keinen Vertragscharakter hätten. Weder wolle das Zentrum eine Judenschutzgruppe werden, noch erwartoten die Juden vom Zentrum die Erfüllung bestimmter Forderungen. Die jüdischen Zentrumswähler entschieden sich für diese Partei, weil deren Haltung am meisten den staatsbürgerlichen Anforderungen dieser Wählergruppe entspricht. In diesem Zusammenhang muß man sich mit Entschiedenheit gegen die Auslassungen eines jüdisch-liberalen Blattes wenden, das die jüdischen Zentrumswähler zu schuK meistern sich herausnimmt, weil es ihm nicht gefällt, daß die meisten Persönlichkeiten, die den ״Aufruf jüdischer Zentrums- Wähler“ unterschrieben haben, der ״Jüdischen Volkspartei“ angehören. Es kann einen nur mit Ironie erfüllen, wenn die Vertreter einer jüdischen Richtung, die im Judentum ebenso vollständig bankrottiert hat wie in ihrer staatsbürgerlichen Betätiung und deren Politik jedenfalls aller Ideen und neuen Gedanen bar ist, triviale Einwände gegen den Versuch neuer politischer Wege als Offenbarung von sich geben, als ob die Ent- Wicklung der letzten Jahre ihnen nicht Schweigen geböte. Aber wenn die Hilflosigkeit dieser Wichtigtuer mit boshaften persönlichen Angriffen und Denunziationen der ihnen aus der Gemeindepolitik verhaßten Gegner nun auch auf dem Gebiet der allgemeinen staatspolitischen Betätigung arbeitet, dann sollten die weitsichtigeren und klügeren Elemente innerhalb des jüdischen Liberalismus dieser Art von blamabeln Wortführern ihrer Richtung doch das Handwerk legen. Zorn jüdischen Problem an den Hoctischnlen Am 27. Juli wurde in Brünn (Tschechoslowakei) der 11. Weltkongreß des ״International Student Service“ eröffnet, an welchem mehr als 100 Delegierte aus allen Teilen Europas, sowie amerikanische, indische und chinesische Vertreter teilnehmen. Als Vertreter der jüdischen Studentenschaft nehmen Alexander Teich-Wien, Mitglied der Exekutive des International Student Service, und Referendar Hans Klee-Berlin, als Vertreter des Verbandes der jüdischen Verbindungen Polens Henryk Tulcyn-Warschau teil. Ferner haben sich der jüdischen Delegation angeschlossen der Vertreter der tschechoslowakischen Studentenschaft, Dr. Otto Pollak, Cohen-London und Goldsmith-Dänemark. Im Bericht der Verbandsleitung wird darauf hingewiesen, daß die Arbeiten der Organisation in bezug auf das j ü d i - sehe Problem an den Universitäten seit der Konferenz von Nyon einen Fortschritt erfahren haben, indem die Delegierten, die an dieser Konferenz teilgenommen haben, in ständigem Kontakt untereinander verblieben. Der Generalsekretär des Verbandes erhielt einen Urlaub, um seine Arbeiten zur Herausgabe eines Buches über das jüdisehe Problem an den Universitäten zu beschleunigen. Der Sekretär des Weltstudentenwerkes, M. Pobereski- Genf, kam in einem Referat über ״Internationale Erziehung und die Arbeit des Weltstudentenwerkes“ auch auf die jüdisehe Frage an den europäischen Hochschulen zu sprechen. Eine Konferenz für Zusammenarbeit jüdischer und nichtjüdischer Hochschüler könne nur dann einen Wert haben, wenn eine ernsthafte Anstrengung vorausgeht, das schwierige Problem des Antisemitismus an den mittel- und zentraleuropäischen Hochschulen selbst zu lösen. Es habe angesichts der Lage in Deutschland, Oesterreich und Polen keinen Sinn, Resolutionen zu fassen, die die antisemitischen Vorfälle verdammen. Die jüdische Delegation hat einen Vorschlag auf Einberufung einer jüdisch-arabischen Studenten-Konferenz nach dem Muster der deutsch-französischen und der balkanischen Verständigungskonferenz, die durch die I.S.S. bereits einberufen wurden, eingebracht. Diese Verständigungskonferenz soll das Ziel haben, die Frage des Zusammenlebens der jüdischen und arabischen studierenden Jugend, vor allem an der Hebräischen Universität in Jerusalem, zu erörtern und zur Verbesserung der Beziehungen zwischen den beiden Völkern beizutragen. Die Wasserversorgung Jernsalems Die Stadtverwaltung von Jerusalem hat mit dem Besitzer des Wadi Keit bei Jerusalem einen Vertrag geschlossen, wonach täglich 170000 Galonen Wasser ab 1. September von dort nach Jerusalem geliefert werden sollen, für ein Entgelt von 2000 Pfund. Es wurde sofort mit der Legung von Röhren von Wadi Keit nach En Fawar begonnen. (Wadi Keit liegt zwischen Jerusalem und Jericho.) Die Ausführung der Arbeit wurde einer arabischen Firma übertragen, übrigens dem einzigen Araber, der sich an dem ausgeschriebenen Wettbewerb mit einer Offerte beteiligte. Zur Beschleunigung der Arbeiten lieh die Jewish Agency der Stadtverwaltung 4000 m Röhren, die für den ״Tausend-Familien-Siedlungsplan‘' vorbereitet waren. Die Lieferung der Röhren wurde im übrigen an die jüdische Kooperative ״Cheruth“ vergeben, Es ist besonders begrüßenswert, daß in einer für Jerusalem so lebenswichtigen Frage eine Zusammenarbeit der sonst judenfeindlichen Munizipalität mit jüdischen Institutionen zustände gekommen ist. Im Juni 1932 sind 524 jüdische Einwanderer nach Palästina gekommen, von denen 301 sich ohne Aufenthaltsbewilligung im Lande niedergelassen haben. Zum Chef der parlamentarischen Fraktion der Jüdisehen Partei Rumäniens wurde Dr. Mayer Ebner, zu seinem Stellvertreter Dr. Josef Fischer gewählt. Ke ehemaligen Deputierten Dr. Diamant, Dr. Reifer und Dr. Singer bleiben noch weiterhin Mitglieder des parlamentarischen Rates der Jüdischen Partei. Der Kammergerichtsrat Dr. Daniel Cohn, ein jüdischer Richter, dem der Ruf eines hervorragenden Juristen voraneht, und der vor einigen Monaten als Hilfsrichter zum eichsgericht in Leipzig einberufen worden ist, wurde jetzt etatmäßig zum j^eichsgerichtsrat ernannt.