Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVII (1932)
- Issue
- Heft 62 (5.8.1932)
- Date
- 1932-08-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 62, 5. VIII. 1932 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 299 Aus den Gemeinden Chemnitz Die ,,Vereinigung für das liberale Judentum“ be• schloB auf ihrer letzten Tagung, eine einheitliche liberale Gemeindepolitik in die Wege zu leiten. Das ist erfreulich. Denn an einer einheitlichen liberalen Oemeindepolitik hat es bisher gefehlt. Zwar gibt es seit der Hauptversammlung vom 4. Januar 1922 Leitsätze liberaler Oemeindepolitik. Sie sind aber nur in wenigen Gemeinden durchgeführt worden, und in diesen oft im Kampf gegen die Liberalen. Die ״Leitsätze“ fordern für alle Gemeinden das Wahlrecht für alle volljährigen Juden beiderlei Geschlechts nach allgemeinem gleichen geheimen und direkten Verhältniswahlrecht. Doch ist die Gleichberechtigung der ausländischen Juden in der Gemeinde eingeschränkt. Örtlicher Regelung bleibt die Bestimmung einer Karenzzeit für die ״Zugewanderten“ Vorbehalten. Diese Karenzzeit soll nach den Ausführungen des liberalen Berichterstatters die Möglichkeit einer unterschiedlichen Behandlung der In- und Ausländer geben, um derjenigen liberalen Richtung entgegenzukommen, die nur Deutschen Wahlberechtigung gewähren will. Diese Richtung begnügte sich aber nicht mit der Benachteiligung der Ausländer, wie die ״Leitsätze“ sie zulassen, sondern ging viel weiter. Sie gewann immer mehr Anhänger und nahm den Ausländern in manchen Gemeinden die Gleichberechtigung, die sie wie in der evangelischen und katholischen Kirche bis dahin hatten. In Chemnitz hatten die Ausländer früher gleiches Stimmrecht. 1913 wurde es von einer zehnjährigen Karenzzeit und einer bestimmten Steuerhöhe abhängig gemacht. Zehn Jahre später wurde es ihnen fast völlig genommen. Die Liberalen führten Kurienwähl ein. Die Ausländer müssen in einer besonderen Kurie mit numerus clausus wählen. Ihre Stimme hat nur noch ein Fünftel Wert. Durch Mehrheitswahlrecht wird erreicht, daß die Stimmen der nichtliberalen Inländer ausfallen. Frauen haben kein Wahlrecht. Die Wahl findet an einem Werktag statt. Die vier in der Ausländerkurie gewählten Verordneten werden weder in das Präsidium, noch in den Vorstand gewählt. Die Sitzungen sind nicht öffentlich. Die wiederhalte Bitte der Jüdischen Volkspartei um Verhandlungen wurde von Gemeinde und Gemeindeverband abgelehnt. Die deutschen Juden haben selbst erst seit 1869 Wohnrecht in Chemnitz, wurden sie früher entrechtet, so entrechten sie jetzt die später kommenden Juden. Vor 60 Jahren erklärte der sächsisehe Kammerabgeordnete Eisenstuck (Salman Schocken erinnerte daran): ״Wir können in Chemnitz keine Juden brauchen.“ Die Chemnitzer liberalen Juden erklären jetzt: ״Wir können in Chemnitz keine Ostjuden brauchen.“ Kurz vor der Reichstagswahl verbreiteten die liberalen Oemeindevertrcter ein Flugblatt. Darin heißt es: ״Wir, die wir im Deutschtum festgewurzelt sind, können und werden nicht zulassen, daß Naiionaljuden uns aus dem deutschen Volkskörper herauszureißen suchen. — Für uns deutsche Juden sind Deutschtum und Judentum ein unlöslicher Begriff. — Das Bekenntnis der Nationaljuden zu dem jüdischen ,Volke‘ bietet allen Judenfeinden eine bequeme Begründung, uns als ,Fremdkörper‘ unter minderes Recht zu stellen. Wir werden es, auch im Interesse unserer Kinder, nicht zulassen, daß nationaljüdische Bestrebungen die im letzten Jahrhundert erkämpfte, in der Verfassung verankerte Gleichberechtigung vernichten. — Wir erachten es in unserer bedrohten Gemeinde als unsere heilige Pflicht, den Einfluß der jüdischen Nationalisten nicht erstarken zu lassen und müssen daher eine Aenderung des bestehenden Wahlrechts mit aller Entschiedenheit ablehnen.“ (Also die Ausländer entrechten.) Derartige altmodische Anschuldigungen, die vor dreißig Jahren üblich waren, verfangen heute noch weniger als früher. Die Umwelt fragt nicht danach, ob1 ein Jude Zionist oder liberal ■Ist -Jude ist Jude* Dir Stellung -eines jüdtscMiberalen •Beamten ist nicht gefestigter als die eines zionistischen. Vielleicht hat man vor dem Zionisten mehr Respekt als vor dem, der seine Mitjuden den gemeinsamen Feinden preisgibt. Von denen, die sie für schutzlos und vogelfrei halten, rücken die Liberalen am weitesten ab. ״Mich stört der Ausländer!“, sagte in der Gemeindesitzung ein Unterzeichner des Flugblatts, der Vorsitzende des Reichsbunds jüdischer Frontsoldaten. Sie fürchten, die nichtliberale Mehrheit der Gemeinde würde, wenn sie ihr die nach deutschem und jüdischem Recht zustehenden Befugnisse einräumten, das Unrecht vergelten. Die Befürchtung ist grundlos. Die Mehrheit würde das liberale Gemeindeprogramm wahrmachen (ohne Karenzzeit natürlich). In den nichtliberalen Gemeinden sind die Liberalen nirgends benachteiligt worden. Die Chemnitzer Liberalen sehen als wesentlichste jüdische Aufgabe die Erhaltung ihrer erst sechzig Jahre alten staatsbürgerlichen Gleichberechtigung an. Diese Aufgabe würde dem ״Reichsverband der deutschen Juden“ obliegen. Doch das Zustandekommen eben dieses Reichsverbands verhindern die Chemnitzer Juden, weil sie ihre Beteiligung von dem Weiterbestehen des Unrechts in ihrer Gemeinde abhängig machen und gleiches Wahlrecht auch dem Reichsverband nicht zugestehen wollen. Lieber lassen die Chemnitzer Liberalen die große Idee des Reichsverbands zugrunde gehen und schwächen den Kampf um ihre Gleichberechtigung, als daß sie das liberale Gemeinde- Programm respektieren. Die Liberale Vereinigung aber, die das in Chemnitz und vielen anderen Orten seit Jahr und Tag duldet, hat nicht das Recht, sich vor der jüdischen Welt auf ihre papiernen ״Leitsätze“ zu berufen, Harry Epstein. R. Elijaha Klatzkin zam Gedächtnis Der Heimgang des früheren Lubliner Rabbiners hat überall Trauer ausgelöst. Die hebräische Presse aller Richtungen würdigte den Mann und das Werk. Auch die ״Jüdische Rundschau“ hat bereits seiner gedacht. Dennoch möchte auch ich dem Verstorbenen einige Worte des Gedenkens widmen, weil es mir von Bedeutung erscheint, ihn den Lesern näher zu bringen. R. Elijahu gehört seinem Alter und seinem Entwicklungsgang einer rabbinischen Generation an, die kaum noch lebende Zeugen aufweist. Die litauischen Rabbiner, die in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts aufwuchsen, zählten zu den ihren eine ungewöhnlich große Zahl von Männern, deren geistige Größe sich mit bedeutender sittlicher Reife paarte. Unter dem starken Einfluß, der von dem Wolosziner Kreis ausging, reifte umfassende Gelehrsamkeit, deren Weite des Wissens durch geistige Schärfe und Klarheit gefestigt wurde. Nur selten glitt sie in Pilpal als Selbstzweck oder auch nur als maßgebender Faktor ab. Gerade hierfür ist Rabbi Klatzkin ein rühmliches Beispiel. Es gehört zu den glücklichen Fügungen in unserer Geschichte, daß die aufs äußerste angespannte geistige Schulung doch schlichte, ja kindliche Frömmigkeit und deshalb Bescheidenheit zuließ. Wo in der Welt mag wohl solche Anspruchslosigkeit zu Hause gewesen sein wie in dem Zimmer R. Klatzkins in Rechow Agrippa in Jerusalem! Man darf dabei die Welt dieser Halachisten nicht für so unkompliziert halten. Gerade an die Klatzkinsche Generation trat das Bildungsproblem heran und bereitete ihr, bei der großen intellektuellen Ehrlichkeit jener Menschen, sicherlieh innere Kämpfe. Vielleicht waren nicht viele von diesem Konflikt ergriffen, aber wir wissen doch von gar manchem, der unter dem Zusammenstoß litt oder geistig ein Bürger beider ,Welten ,ward. Ich bin überzeugt, daß sowohl die geistige wie die ethische Seite des Problems der Begegnung zwischen Tradition und Moderne die Alten viel tiefer ergriffen hat als etwa die heutige Rabbinergeneration. A. S. Friedmann schildert in ״Mosnajim“ (4. Jahrgang, Nr. 4) diesen Konflikt in R. E. Klatzkins Leben mit allen Konsequenzen für sein persönliches und familiäres Schicksal. Die Tragik ist nicht gering. Aber ergreifender noch ist der Ausklang: die schwere Erschütterung, die ihn beinahe aus der Bahn geworfen hätte, wird in stillem Kampf überwunden, in jener keuschen Form, die nur jüdische Zeniuthkennt. Der Kampfplatz ist nach innen verlegt. Wir hören nichts von äußerem Zwang. Friedmann meint, mit der endgültigen Entscheidung zugunsten der rabbinischen Wirksamkeit sei der jüdischen Wissenschaft in E. Klatzkin eine große Hoffnung verlorenegangen. Ich glaube nicht, daß man der rabbinischen unktion im allgemeinen, in R. Klatzkin im besonderen mit dieser Einstellung gerecht wird. Er hat die rabbinische Literatur bereichert, hat zu außerordentlich bedeutsamen Fragen (Agunoth) mutig Stellung genommen, und ist eine liebenswerte, harmonische Gestalt geworden. Die zahlreichen Kenntnisse, die er über das Rabbinische hinaus sich aneignete, alte und neue Sprachen, Medizinisches erweiterten den Gesichtskreis und hatten dazu eine merkwürdige Bestimmung: sie dienten zur Erweiterung des Gedächtnisstoffes. Dieses Phänomen ist ungemein überraschend und vielen Unverstandlieh. Die Kapazität seines Gedächtnisses war so groß, daß die immense talmudische usw. Materie nicht ausreichte, um das Gefühl der Befriedigung zu gewähren. Ich lernte den Rabbi erst im vergangenen Jahr in Jerusalem kennen. Die physische Schwäche konnte die geistige Kraft nicht mindern. Im Gespräch wurde er lebendiger. Sein mildes, gütiges Wesen war eindrucksvoll. Ich verstand nach diesem Besuche besser als vorher, daß R. Klatzkin in dem Kampfe der religiösen Gruppen, in den Konflikten zwischen altem und neuem Jischuw nicht die Kraft aufbrachte, Dingen und Personen, die er nicht ablehnte, sich nicht zu verschließen. Er suchte die Ruhe, die das Alter und die Gelehrsamkeit ersehnen, und kam dadurch in eine Abhängigkeit — wohl keine innere, aber nach außen schien es so — und Nachbarschaft jener robusten Naturen, die die Schwäche des aristokratischen Menschen ohne Bedenken ausnutzen. Eine Fülle halachischer Werke und exegetischer Beiträge entstammen seiner Feder. Sie können nicht alle genannt werden. Darum nur einige: D’war Halachah, D’war Elijahu Miluim, Im re Schefer, Chibath ha-Kodesch usw. Kaum ein wichtiges Problem bleibt in ihnen unerörtert. R. Elijahu Klatzkin hat einen Ehrenplatz in der rabbinisehen Literatur. Oskar Wolfsberg. Presseschan Im Unterhaltungsblatt der ״Vossischen Zeitung‘‘ vom 2. August veröffentlicht Prof. Franz Oppenheimer einen längeren Aufsatz ״Die Hochschule auf dem Skopus“, worin er die Verhältnisse an der Hebräischen Universität in Jerusalem ausführlich schildert. Prof. Oppenheimer hat bekanntlich den letzten Winter in Palästina verbracht und selbst einige Gastvorlesungen an der Universität gehalten. Oppenheimer wendet sich im Verlaufe seiner Ausführungen gegen den überbetonten Nationalismus des jüdisehen Aufbauwerkes, der an der Universität darin zum Ausdruck komme, daß ausschließlich die hebräische Sprache zugelassen isi Dies entspricht vollkommen den Zuständen, die wir bei anderen Völkern begegnen, die nach ihrem nationalen Erwachen ängstlich auf ausschließliche Geltung ihrer nationalen Güter bedacht sind. Bei allem Verständnis für die Bedeutung dieses Elementes müsse doch bedacht werden, daß auf diese Weise der wissenschaftliche Betrieb zu kurz kommen muß, denn die quantitativ kleine jüdische Bevölkerung Palästinas und die hebräischsprechenden Juden des Galuth seien nicht stark genug, um eine Universität an Schülern und Lehrern auf der Höhe erhalten zu können. Oppenheimer weist darauf hin, daß auch bei dem national sehr selbstbewußten Japan die englische Sprache als Vortragssprache an den Hochschulen zu-, gelassen ist. Ebenso sollte in Jerusalem neben dem Flebräisehen auch deutsch oder englisch zugelassen werden. Dies würde kein Aufgeben und auch keine Schwächung der eigenen Nationalität bedeuten, aber die Beseitigung vieler sachlicher Schwierigkeiten zur Folge haben. Zum Schlüße seiner Ausführungen, die auch noch eine Reihe anderer Gesichtspunkte, z. B. die herrliche landschaftliche Lage der Universität, hervorheben, kommt Oppenheimer zu folgender zusammenfassenden Würdigung: ״Hier waltet ein guter wissenschaftlicher Geist; hier wird ehrlich und mit vollem Erfolge geschafft: eine ganze Anzahl vortrefflicher Arbeiten sind schon aus der jungen Anstalt hervorgegangen. Es ist fast rührend, zu sehen, wie hier der rein wissenschaftliche Trieb noch beflügelt wird durch den edlen Ehrgeiz, der Idee des Volkes und des Landes zu dienen. Dieser gute Geist wirkt der Schwäche der materiellen Mittel und den Schwächen der Organisation kräftig entgegen. Eine Universität? Noch nicht! Eine Stätte echter Wissenschaft? Unbedingt!“ Einen ersten Aufsatz über ״Die Entstehungsgeschichte und die Organisation der Jerusalemer Universität“ veröffentlichte Oppenheimer im Unterhaltungsblatt der ״Vossischen Zeitung“ vom 29. Juli. JOdtsche Jagend fflr den Frieden Antwerpen, 2. August. (J. T. A.) Ain 31. Juli wurde im großen Saale des Atheneums zu Antwerpen der zweite Kongreß des unter der Patronanz des Völkerbundes stehenden ״Weltbundes der jüdischen Jugend für den Frieden“ feierlich eröffnet. Die Tagung wurde von der ״Union Universeile de la Jeunesse Juive“ in Paris organisiert. Den Vorsitz in der Eröffnungssitzung, an der über hundert Delegierte aus zwölf Ländern, etwa 500 Gäste und zahlreiche Repräsentanten jüdischer Institutionen teilnahmen, führte der Präsident der jugendunion Ai me Pa liiere. Die Mehrzahl der Delegierten vertritt französische Ortsgruppen des Verbandes, und zwar Paris, Straßburg, Mühlhausen, Kolmar, Lyon, Marseille u.a.m., ferner sind die Schweiz, Belgien, Italien, Holland, Deutschland (Berlin, Düsseldorf, Frankfurt a. M״ Dortmund}, Polen, Luxemburg, England, die Vereinigten Staaten, Griechenland, Oesterreich und andere vertreten. Die Eröffnungsrede hielt der Delegierte Dr. Schramek (Straßburg). Nach den Begrüßungsansprachen hielt der holländisch-jüdisehe Schriftsteller Siegfried van Praag ein Referat über das Thema ״Der Friedensgedanke in der jüdischen Literatur“. Mit dem Absingen der ״Hatikwah“ wurde die Er- Öffnungssitzung geschlossen. Die weitere Tagesordnung sieht Referate über ״Nationalismus und nationale Kultur“, ״Probleme des Krieges, des Friedens und des Zionismus“, ״Organisation des inneren und äußeren Friedens“ und ״Judaismus und Pazifismus“ vor. Druckfehlerberichtigung. In der Notiz über die Beschlüsse der palästinensischen Revisionisten auf Seite 286, Nr. 60, der ״Jüdischen Rundschau“ muß es richtig heißen, daß die palästinensischen Revisionisten den Rücktritt Großmanns und Lichtheims als Mitglieder der ״revisionistischen“ (nicht ״zionistischen“) Exekutive verlangen! Vermischtes Moritz Scherbe!. Am 3. August 1932 war der 100. Geburtstag des jüdischen Dichters Moritz Scherbe!. In Lissa zu einer Zeit geboren, in der die jüdische Gemeinde der Stadt noch eine große Rolle spielte, wuchs er 11 eran zu einem Lernenden und Lehrenden in Israel. Dreißig Jahre lang war Moritz Scherbel Prediger in Gumbinnen (1868—1898). Hier entstanden seine ״Humoresken aus dem jüdischen Familienleben“, seine Gedichte für die jüdische Jugend, seine Erzählungen in fast allen jüdischen Zeitungen seiner Zeit. Sein von Geist und Humor sprühendes Purimspiel ״Haman“, ein dreiaktiges Gedichtwerk, ist erst vor kurzem im Verlage seines Enkels, unseres Gesinnungsgenossen Fritz Scherbel, erschienen. Das Hauptwerk von Moritz Scherbel ist religiös-philosophischen Inhalts und behandelt den ״Unsterblichkeitsglauben“ in positivem Sinne. Der Scherbel-Verlag, Berlin-Charlotten bürg 4, beabsichtigt, aus dem umfangreichen literarischen Nachlaß des Dichter-Jubilars die schönsten ״Fabeln und Epigramme“ hcrauszubringen. Er plant ferner eine Moritz-Scherbel-Matinee für September im Logenhaus, Kleiststr. 10. Persönliches. Der Leiter des Deutsch-Israelitischen Kinderheims in Diez, Herr Herz K a d d e n , feiert am 17. August 1932 seinen 70. Geburtstag. In fast «)jähriger rastloser Tätigkeit hat er hunderte jüdischer Knaben als ein wahrer Vater betreut und zu selbstbewußten jüdischen Menschen erzogen. Makkabiah. Um Mißverständnisse zu vermeiden, teilt der Palestine & Orient Lloyd mit, daß er keine Verantwortung trägt für die Makkabiah-Reise, die im März dieses Jahres mit dem Schiff Attikah“ stattgefunden hat, da diese von der Makkabiah Transport G. m. b. H. ohne Mitarbeit des Palestine & Orient Lloyd organisiert wurde. Klub junger Zionisten. Dienstag, den 9. August, findet kein Klubabend statt. Brith Haolim. Die Bundesratsitzung des Brith Haolim findet nicht in den Sitzungssälen der Z. V. f. D. statt, wie in der vorigen Nummer der ״Jüd. Rundschau“ irrtümlicherweise angegeben׳ worden ist, sondern im Beih-Arn Iwri, Kurfürstendamm 61. Nauheim. Angeregt durch den Erfolg ihres ״Bqnten Zionistischen Werbeabends“ in Darmstadt veranstaltete die V. J.St. S a r o n i a im K. J. V.. Frankfurt a. M״ am 17. Juli auch in Bad Nauheim einen ״Bunten Jüdischen Abend“. Das Programm war im wesentlichen dasselbe wie in Darmstadt (hebräische Chore, Sprechchöre, Bildrevue und eine Rede über das Thema ,,Vor den Reichstagswahlen“). Es waren nicht nur zahlreiche Kurgaste, sondern auch viel Friedberger jüdisches Publikum erschienen, die alle Darbietungen mit großem Beifall aufnahmen. Wie in Darmstadt wird nun auch in Bad Nauheim und Friedberg eine kontinuierlichere zionistische Arbeit in Angriff genommen werden. Das zionistische Jugendlager Engelberg (Schweiz) veran-;faltete am 24. 7. eine große H e r z 1- F e 1 e r, die nicht nur ,׳on den zur Kur weilenden Zionisten, sondern auch von zahl- ■eichen Nichtzionisten besucht wurde. Herr Stein- Breslau;childerte Persönlichkeit und Lebensgang Herzls und verstand :s, auch den nichtzionistischen Zuhörern Fier/ls Persönlichkeit lahezubringen. — Herr Schapotai - Palästina, der Leiter der Versammlung, zeigte dann, daß die Widerstände, gegon die -ferzl ankämpfte, zum Teil auch heute noch bestehen und übervunden werden müssen. Die Rede des Führers der 1m Jugendager anwesenden holländischen Zionisten, Wolf! - Amster- Jam, war ein Aufruf an die Jugend, ihre Kräfte zionistischen Aufgaben zu widmen. Ethrogim aus Erez Israel. Wir haben schon vor kurzem einen Brief unseres Gesinnungsgenossen Benjamin in Hambürg veröffentlicht, der die jüdische Oeffentlichkeit auf die Verpflichtung aufmerksam machte, ihren Bedarf an Ethrogim für Sukkoth aus Erez Israel zu dekk e n. Zu demselben Thema übersendet uns nun die V e r - Einigung der jüdischen E t h ro g - P f 1 a n z e r in Palästina ״Ethrog“ Tel Awiw, Bialikstr. 9, eine längere Ausführung, in der darauf hingewiesen wird, daß die tthrog- Industrie in Palästina ernstlich bedroht ist, wenn die jüdische Welt weiter fortfährt, ihren Bedarf an dieser für eine ritu- :Ile Funktion bestimmten Frucht aus nichtjüdischen Quellen rn decken. Es wird insbesondere darauf aufmerksam gemacht, daß auch viele palästinensische Ethrogim nicht von jüdisehen Pflanzern stammen, sondern von arabischen. Auf dem Ethrogim-Markt in Triest werden Früchte für viele Tausende Dollar aus Griechenland bezogen, wahrend die Ethrogim aut den Bäumen der jüdischen Plantagen verfaulen und tausende Bäume in Erez Israel wegen Unproduktivität ausgerissen werden müssen. In dem Artikel wird betont, daß gerade für die Erfüllung eines religiösen Gebotes dieser Art auch Produkte jüdischer Arbeit verwendet werden sollten, denn der Ethrog ist ein Symbol der Einigkeit des Volkes in seiner Liebe zu Erez Israel. Daher wurde cs eine ganz besondere Bedeutung haben, wenn an den Tagen des Festes Ethrogim aus Petach Tikwah, Rechowoth, Rischon Lezion oder Herzliali in die Hände der überall in der Welt zerstreuten Juden gelangten. Der Artikel appelliert zum Schluß an unsere nationalen und religiösen Organisationen, sowie an die jüdischen Führer, insbesondere die Rabbiner, sie mögen sich für den Gebrauch der palästinensischen jüdi- Gottesdienste. Freitag, den 5. August, abends: In den Synagogen mit allem Ritus, Synagoge Köpenick und Allervcrsorgungsanslalten: 7.30 Uhr; in den Synagogen mit neuem Ritus (außer .'y 11. Prinzregentenstraße) und S v! 1, Schmargendorf (Altersheim), Berkaer Str. 32: 7 Uhr; Syn. Prinzregentenstraße; 7.15 Uhr. Predigt: Svn. Schmargendorf: Dr. Prinz. — Sonnabend, den ö. August (Sabbat Chason), morgens: Alte Synagoge und Synagoge Pestalozzi- Straße: 8.30 Uhr; andere Synagogen mit altem Ritus und Alterversorgungsanstalten: 9 Uhr; Frühgottesdienst: Syn. Rykestraße und Kottbusser Ufer: Ahawas Reim: 6.45 Uhr; Synagogen mit neuem Ritus: Frühgottesdienst (außer Syn. Friedenstcmpel): 7.30 Uhr; Hauptgollosdicnst: 10 Uhr; Syn. Friedenstempel: 9.30 1 hr; Syn. Köpenick: 9.45 Uhr; Synagoge Schmargendorf (Altersheim): 10 Uhr Predigt: Neue Synagoge: Dr. Blumenthal. Jiigemlgotlcsdienst: 12—1 Uhr: Gemeindeschule, Bochutner Str. 8 c; Leiter: Lehre: S. Wachsmann. Sabbat-Ausgang: 8.41 Uhr. Gottesdienst am Tisch» baw: Mittwoch, den 10. August, in allen Synagogen: nachmittags 4 Uhr (Mincha); abends 8,30 Uhr. Donnerstag, den 11. August, morgens: Alte Synagoge: 6.15 Uhr; Syn. Pestalozzistraße: 6.45 Uhr; andere Synagogen mit altem Ritus: 6.30 Uhr; Synagogen mit neuem Ritus: 7 Uhr, Fasten-Ende: 8.28 Uhr. Gottesdienst an den übrigen Wochentagen: abends in allen Synagogen: 7.30 Uhr; morgens: Alte Synagoge, Syn. Kaiserstraße und Rykestraße: 6.30 Uhr; übrige Synagogen mit altem Ritus und Synagogen mit neuem Ritus: 7 Ihr. Gottesdienst des Betfi Hamidrasch Moriah, Roscnihalerstr.55, begründet vom Misraclii, Freitagabend und Sonnabend. Zeiten wie in den Gemeindesynagogen mit allem Ritus. Sonnabend, den 6. Aug., nachm. 0 Uhr, findet ein Sehiur Traktat Gittin Kamzu Ubar Kaum von Herrn Lißmann statt.