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Jüdische Rundschau · 1932-08-05 · Heft 62 (5.8.1932) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 62 (5.8.1932)
Date
1932-08-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 62, 5. VIIT. 1932 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 297 gesetzt, während die aus Europa oder Amerika kommende jüdisclie Einwanderung den bekannten Beschränkungen unterliegt. Im Aktions-Comite wurden, wie JTA. berichtet, wegen dieser Einwanderungsverordnung von Dr. Georg Hai per n und von Robert Stricker Vorwürfe gegen die politische Abteiiung der Exekutive erhoben. Dr. Arlosoroff erwiderte, die neue Verordnung kodifiziere bloß die bestehende Praxis der Einwanderer kontrollc; die Schaffung der neuen Einwandererkategorie kleiner Kapi* talisten müsse von jedermann begrüßt werden. Was die freie Einwanderung aus Transjordanien betreffe, erklärte Arlosoroff, so sei es unvereinbar, einerseits zu verlangen, daß Palästina und Transjordanien ein einziges Land bilden sollen, andererseits aber dagegen Protest zu erheben, daß keine Einwanderungsschranke zwischen den beiden Gebieten errichtet wird. — Die Antwort Arlosoroffs befriedigte nicht die Interpellanten. Sie hielten ihm entgegen, daß seine Ausführungen den Versuch darstellen, eine unbcfriedigende Maßnahme der Regierung zu rechtfertigen. Das Aktions-Comite schritt sodann zur Beratung kolonisatorischer Probleme. Dr. Arthur Ruppin entwickelte in einem ausführlichen Referat die Pläne für die künftige jüdische Siedlungsarbeit in Palästina, den revisionistischen Standpunkt in diesen Fragen vertrat S. E. Soskin in einem Korreferat. Robert Stricker hielt eine längere Rede, in der er verlangte, daß die von Emanuel Neumann und Farbstein geleiteten Abteilungen zusam mengeiegt werden, da eine einheitliche Behandlung der die Privatinitiative und die Mittelstandssiedlung betreffenden Angelegenheiten empfehlenswert sei. Er schlug vor, daß das durch diese Zusammenlegung entlastete Mitglied der Exekutive Emanuel Neumann gemeinsam mit Dr. Arlosoroff die politische Arbeit in Palästina leiten solle. Die Politische Kommission des A.-C. hat eine geschlossene Sitzung abgehalten, an der auch Ford Melch ett teilnahm. Die Kommission beschäftigte sich in dieser Sitzung vor allem mit dem French-Bericht. Lord Melchelt gab persönliche Eindrücke, die er aus einer Reihe von Besprechungen mit dem High Commissionen gewonnen hat, wieder und gab in Uebercinstimmung mit der in. den Kreisen des A.C. allgemein herrschenden Auffassung seiner Meinung dahin Ausdruck, daß der Bericht in hochstem Maße unbefriedigend sei. Er wies jedoch nachdrücklichst darauf hin, daß es nicht angängig sei, den Bericht eines Beamten mit der Politik der Palästina-Regierung oder der englischen Regierung zu identifizieren. Lord Melchett wandte sich dann einer Besprechung der Beziehungen zwischen Juden und Arabern in Palästina zu und gab der sicheren Erwartung einer baldigen Besserung dieser Be- Ziehungen Ausdruck. Ergänzender Bericht Ober die Generaldebatte Auf Grund der jetzt veröffentlichten offiziellen CommuniquSs über die Tagung des Zionistischen Aktions-Comith in London ist noch einiges über den bisherigen Verlauf der Tagung nachzutragen. Insbesondere ist augenscheinlich die ganze Freitag-Sachmitlag-Sitzung in dem, früheren JTA.-Bericht ausgefallen. Wir geben daher diesen Bericht noch als Ergänzung der von uns bereits in voriger Summer veröffentlichten JTA.-Berichte wieder, wobei dasselbe gilt, was wir in der Vorbemerkung zum letzten Bericht zum Ausdruck gebracht haben: daß der Leser die überaus abgekürzte Fassung berücksichtigen muß, bei der für manche Formulierung nicht der Redner, sondern der Verfasset des Communiques die Verantwortung trägt. Red, Dr. Victor Jacobson berichtete über die zionistische, Arbeit beim Völkerbund. Er gab der Meinung Ausdruck, daß die allgemeine politische Weltlage gewisse Möglichkeiten eines aktiveren und sympathischeren Verständnisses für die zionistischen Aspirationen biete. Die zionistische Frage müsse und könne noch einmal im weitpolitischen Rahmen aktuell werden. Zweifellos sei die katastrophale Lage der Juden in einzelnen Ländern mit ein Faktor für die Förderung der zionistischen Sache. Schließlich forderte Dr. Jacobson Verstärkung der zionistischen politischen Aktivität und stellte hierfür politische Richtlinien auf. Die politische Debatte wurde am Freitagmorgen durch Grün bäum (Radikal) eröffnet. Er erklärte, der Horizont der politischen Arbeit im Zusammenhang mit Palästina habe sich erweitert; man müsse mit den verschiedenen in Betracht kommenden politischen Kräften rechnen und dementsprechend Vorgehen. Es bestehe zweifellos in der Politik der Mandatarmacht eine unfreundliche Tendenz gegenüber den Be- Strebungen zur Errichtung des Jüdischen Nationalheims. Wenn auch verschiedene von Regierungsexperten formulierte und von Feindseligkeit gegen das Jüdische Nationalheim erfüllte Pläne zurückgewiesen werden mußten, werde es für das Aktions- Comite doch unerläßlich sein, irgendeinen positiven, das Interesse aller E i n w o hner Palästinas berücks 1 c h t i g e n d e n P 1 a n in Erwägung zu ziehen. Einen ersten Schritt in dieser Richtung werde das Aktions-Comite auf seiner gegenwärtigen Tagung unternehmen müssen. — Kaplansky (Arbeiterflügel) stellte fest, daß die Politik der Mandatarmacht niemals einen einheitlichen Charakter gezeigt habe. — Dr. Georg Halpern (Allg. Zionist) gab seiner Genugtuung über den ruhigen Verlauf der gegenwärtigen Beratung des Aktions-Comitees Ausdruck. Der Verlauf der Tagung zeige, daß die Wahl der gegenwärtigen Koalitionsexecutive vollkommen gerechtfertigt gewesen sei. Er befaßte sich mit dem industriellen Fortschritt in Palästina und bemerkte, daß dieser bei größeren Einwanderungsmöglichkeiten wohl noch bedeutender gewesen wäre. Er richtete an das Aktions-Comitee den Appell, auf die Regierung dahin einzuwirken, daß sie einen deutlichen Beweis ihrer positiven Einstellung gegenüber dem Nationalheim gebe. Die erste und wichtigste Forderung müsse die Einwanderung betreffen. Meir Großmann (Revisionist) führte aus, die von den Mitgliedern der Executive gehaltenen Reden seien diesmal in Ton und Inhalt von den üblichen Reden auf A.-C.- Tagungen verschieden gewesen. Vieles habe wie ein Echo dessen geklungen, was von Mitgliedern seiner Gruppe vor längerer Zeit gefordert worden sei. Grossmann bedauerte, daß die Exekutive keine neue politische Initiative ergriffen habe und auf keine greifbaren Erfolge hinweisen könne. Sie habe bloß eine defensive Linie eingehalten. Grossmann verteidigte den revisionistischen Plan einer Petition an den Völkerbund. Die Revisionisten könnten unter keinen Umständen die gegenwärtige Executive gutheißen und müßten in ihrer oppositionellen Haltung zu ihr verharren. In der Freitag-Nachmittagsitzung erklärte der Misrachi- Führer Rabbi Meir-Berlin, man könne mit Befriedigung einen bedeutenden jüdischen Fortschritt in Palästina feststellen. Zwischen jüdischer Entwicklung und politischer Arbeit aber müsse ein Unterschied gemacht werden. Die Verbesserung der Beziehungen zur Regierung sei zu begrüßen; vieles weise jedoch darauf hin, daß in allen wesentlichen Dingen eine Aenderung nicht zu verzeichnen ist. Kurt Blumenfeld (Allg. Zionist, Deutschland) billigte die von der Exekutive befolgte Politik, die die einzig mögliche sei und sich im wesentlichen an die von der früheren Exekutive befolgte Linie halte. Vor allem sei wichtig, die zionistische Bewegung und die Kolonisation zu stärken, dies aber sei nur möglich, wenn die nötigen Mittel zur Verfit gung gestellt werden. Blumenfeld gab seinem Bedauern darüber Ausdruck, daß die Frage der Industrieförderung in der Bewegung als Parteifrage behandelt werde. Die wichtigste und dringende Aufgabe sei die Organisation aller zionistischen Kräfte. Der Präsident des Jüdischen Nationalfonds, IJssischk i n , begrüßte cs, daß Präsident Sokolow sich in seiner Anspräche zu der von ihm vor seiner Wahl auf dem Kongreß dargelcgten Politik bekannt habe. Er trat für eine stärkere Konzentration auf Erwerb von Boden ein, der die Grundläge aller künftigen Arbeit sei. Ussischkin befaßte sich sodann mit der Frage der Wadi Hawaritli-Böden und legte dar, daß es sich bei der Verpachtung dieser Ländereien nicht um eine prinzipielle, sondern bloß um eine taktische Frage gehandelt habe. Jedenfalls haben es die Direktoren des Keren Kaiemeth abgelehnt, auf die Forderung einer bestimmten Gruppe hin (der Revisionisten — A. d. R.) ziiriiekzutreten; sie seien lediglich den Entscheidungen des Kongresses und des Aktions-Comites unterworfen. Der palästinensische Arbeiterführer Ben Ourion erklärte, auch er sei der Meinung, daß die Exekutive keinen neuen politischen Weg eingeschlagen habe. Er beklage dies jedoch nicht, denn er glaube nicht, daß irgendeine andere Politik als die in den Reden der Exekutiv-Mitglicdcr dargelegte in Betracht komme. Was die agrarischen Reformen in Palästina betreffe, so sei die beste allen Einwolrnern des Landes zugute kommende Reform die Errmitigung der jüdischen Kolonisation: intensive jüdische Ko ionisationsarbeit werde das Wiederaufleben des Landes, die Amelioriertmg des Bodens und damit großen Nutzen für alle bringen. In Palästina sei noch für Millionen von Juden Platz. Man müsse aber die Kräfte konsolidieren, die Jugend mobil machen und die tägliche Kleinarbeit fortsetzen. Die Zionistische Organisation müsse gekräftigt werden. Es sei wertlos, von energischen politischen Aktionen zu sprechen, wenn gleichzeitig versucht wird, die Organisation zu zerstören. Während die Revisionisten von anderen verlangen, daß sie Buchstaben und Geist der Verfassung wahren, setzen sie selbst sich über die Verfassung der Zionistischen Organisation hinweg. Bevor sie von einer sogenannten festen politischen Haltung sprechen, müßten sie mehr Sinn für Einigkeit und Disziplin beweisen. Philadelphia-Convention begrüßt Sokolow Die Convention der amerikanischen Zionisten in Phila* delphia, über deren Verlauf wir bereits vor einiger Zeit berichtet haben, hat in ihrer ersten Sitzung nach Verlesung des von Sokolow aus London eingelangten Begrüßungstelegramms auf Antrag von Louis Lipsky eine Begrüßungsresolution für den Präsidenten der Zionistischen Organisation angenommen, die folgenden Wortlaut hat: ״Die Zionisten Amerikas bringen durch ihre auf der 35. jährlichen Convention in Philadelphia versammelten Vertreter Nah um Sokolow ihre Liebe und Verehrung zum Ausdruck. Sie nehmen diesen Anlaß, um ihre Dankbarkeit für die aufopferungsvolle Hingabe, welche seinen letzten Besuch nach den Vereinigten Staaten im Interesse der American Palest ine Campaign kennzeichnete, kundzugeben. Sokolow hat, wo immer er weilte, den zionistischen Geist bereichert und den Zusammenhang des amerikanischen Judentums mit Palästina Verstärkt. Er brachte den jüdischen Gemeinden ein tieferes Verständnis der jüdischen Ziele und Leistungen in Palästina und vermittelte jedem einzelnen Juden seine begeisterte Auffassung des zionistischen Ideals. Die Zionisten Amerikas sind Nah um Sokolow als ihrem Freund, Lehrer und Führer dankbar.“ Daß diese Resolution nicht mit den Berichten über die Beschlüsse der Convention übermittelt und auch nicht in der Presse enthalten war, ist wohl darauf zurückzuführen, daß die Resolution nicht in der Schlußsitzung, die als Resultat der Kommissionsverhandhtngen die Beschlüsse nnnahm, zur Abstimmung gelangte, sondern gleich in der Eröffnungs- Sitzung durch Akklamation angenommen wurde. Wir haben bei der seinerzeitigen Veröffentlichung der Beschlüsse, die bekanntlich eine dringende Einladung an Dr. Weizmann zum Besuche Amerikas enthielten, gleich der Vermutung Ausdruck gegeben, daß die Convention auch noch andere Resolutionen gefaßt haben dürfte. Diese Vermutung wurde jetzt durch die brieflich hier eingelaufenen Nachrichten und durch den offiziellen Bericht in der soeben hier eingelangten Nummer von ״The New Palestine“ bestätigt. Gefahr für die Pica ־Siedlangen? Die Lage in den Siedlungen der Pica in Palästina 1'st gegenwärtig überaus prekär. Noch vor kurzem konnte man oft hören, daß die Siedlungen der Pica als Muster für die zionistische Siedlung hingestellt werden. Insbesondere wurde als Vorzug hervorgehoben, daß es der Pica, deren Gelder von einem Manne, dem Baron R o t h s c h i 1 d , stammen, möglich ist, planmäßig ihren Etat anzulegen. Die gegenwärtigen Verhältnisse, die mit der Wirtschaftskrise zusammetihängen, haben auch in dieser Beziehung einen Wandel herbeigeführt. Die Pica leidet gegenwärtig deutlich unter finanzieller Knappheit, da ihr Vermögen größtenteils in Shell-Aktien angelegt ist, die in der letzten Zeit sehr im Kurse gesunken sind. Die Pica-Kolonien in Galiläa sind am stärksten von dieser Krise betroffen, und man spricht offen davon, daß verschiedene Siedlungspunkte der Pica liquidiert werden sollen, so wie früher schon die Siedlung Machanajim aufgegeben wurde. Es handelt sich vor allem um Alejeth Haschachar und Kfar Gilkadi, Einen Al arm ruf zur Rettung dieser jüdischen Punkte im nördlichen Palästina erhebt Mosche Smilansky in der Zeitschrift ״Boustenai“. Smilansky weist darauf hin, daß bei der Grenzsetzung Palästinas diese nördlichen Kolonien den Ausschlag gaben für die Einbeziehung Obergaliläas in das Mandatsgebiet Palästina und damit 111 das Gebiet des Jüdisehen Nationalheims. Es müsse alles getan werden, um einen Verlust dieser Punkte zu verhindern. Die wirtschaftliche Lage ist dadurch besonders schlecht geworden, daß die Produkte dieser Siedlung fast unverkäuflich sind, bzw. Preise erreicht werden, die kaum die Produktionskosten decken, z. B. Tabak. Smilanskv schildert im einzelnen die Notlage der Bauern in den galiläischen Dörfern wie Rosch Pinah, Jessod Hamaaleh, Jawniel. Im weiteren Verlauf des Artikels betont Smilansky, daß die Siedlungen des Galil ebenso wie des Emek Jesreel nur auf gemischter Wirtschaft basiert sein können und nicht auf Pflanzungen. Sie sind aber gerade darum für das Land wichtig, weil sie diejenigen Produkte liefern, ohne die kein Volk existieren kann, nämlich Brot, Fleisch, Gemüse, Milch- und Oelprodukte. Smilansky appelliert an den Baron in Paris und an seinen Sohn in London sowie an die Verwaltung der Pica, das jüdische Galiläa nicht im Stich zu lassen und einzugreifen, solange es Zeit ist, um die Siedlungen zu retten und sie auf eine gesunde Basis zu steiler was durchaus möglich wäre. Zeitschriften - Schau Die Londoner Zeitschrift ״T hc Ncar East and 1 ndia“ veröffentlicht in ihrer Nummer vom 21. Juli einen Leitartikel über die Entwicklung in Palästina, der auf die letzten jüdisehen Versammlungen in London Bezug nimmt, insbesondere den Empfang für Sokolow, die Veranstaltung für die Delegation der palästinensischen Pflanzer, die sich nach Ottawa be■- geben haben und die Generalversammlung der Palestine Potash Ltd. (Gesellschaft zur Ausbeutung des Toten Meeres). . Der Artikel würdigt, obwohl er keineswegs in judenfreundlichem Geist geschrieben ist, sehr positiv die großen Leistungen der Juden für das Land. Die Orangen-Industrie, so wird hervorgehoben, biete Möglichkeit der Zusammenarbeit von Juden und Arabern; doch scheinen die Araber den Juden die ganze Initiative bei der Erforschung neuer Absatz- und Handelsmöglichkeiten zu überlassen, offenbar in der Hoffnung, daß die Juden die Ausgaben tragen werden und das Resultat auch den Arabern zugute kommen wird. Die jüdische Tätigkeit im Lande führe auch zu einer Steigerung der Staatseinnahmen. Es sei bemerkenswert, so fahrt das Blatt fort, daß eine offensichtliche Steigerung des Vertrauens zur Zukunft Palästinas als einem Feld für Kapitalsanlagen zusammenfällt mit einem ernsthaften Niedergang der Sammlungen der zionistischen Fonds. Man könne nicht bezweifeln, welchen großen Wert für das ganze Land die Gelder gehabt haben, die der zionistische Enthusiasmus ins Land gebracht hat. Früher oder später müsse sieh aber ein Zeitpunkt ergeben, wo gewisse nicht rentable Unternehmungen aufgegeben werden müssen, schon weil sie geeignet seien, die Aufmerksamkeit von den mehrversprechenden Investitionen abzuziehen. Mit Rücksicht auf den großen Optimismus, der jetzt die jüdische Privatinitiative erfüllt, sei es vielleicht nicht nachteilig, wenn der offizielle Zionismus gezwungen ist, manche Unternehmungen, die w׳irtschriftlich nicht erfolgreich sein können, zu liquidieren und sich mehr der kulturellen und sozialen Förderung des jüdischen Volkes in Palästina zu widmen. Zum Schluß wird darauf hingewiesen, daß unter den Arabern die heftigsten Gegner des Jüdischen Nationalheims zugleich auch die Gegner eines Aufstiegs der Fellachen sind. Der Fortschritt Palästinas erfordere aber einen Aufstieg der Fellachen, und es sei zu bedauern, daß die Gegnerschaft gegen den Zionismus das politische Ansehen der Effendis bei den Fellachen stärke. In der Nummer vom 28. Juli veröffentlicht die Zeitschrift dann eine Zuschrift des Generalsekretärs der Zionistischen Organisation, Israel Cohen, der die Frage aufwirft, was mit dem Hinweis auf die Notwendigkeit der Liquidierung der nichtrentablen Unternehmungen des ״offiziellen Zionismus“ gemeint sein könne. Cohen führt aus, daß derartige Geschäfts- Unternehmungen der Zionistischen Organisation nicht existieren und daß die Mahnung zu ״stärkerer Berücksichtigung der kulturellen und sozialen Arbeit“ insofern deplaziert sei, als seit Jahren außerordentliche Energien gerade auf diesen beiden Gebieten von den Juden aufgewandt wurden. Cohen fügt hinzu, daß es erfreulich wäre, wenn die Palästinas- Regierung mit ihrer finanziellen Hilfe diese soziale und kulturelle Tätigkeit stärker unterstützte. ״The Near East and India“ bemerkt dazu, daß mit dem Ausdruck ״offizieller Zionismus“ nicht die Zionistische Organisation gemeint war, sondern andere Körperschaften, die z. B. landwirtschaftliche Siedlungen erhalten, die nach allen Anzeichen nicht selbsterhaltend werden können. * Im Maiheft der ״Deutsch-französischen Rundschau“ (Band V, Heft 5, Verlag Dr. Walter Rothschild, Berlin-Grunevvald) bespricht der bekannte französische Zionist und jüdische Dichter Andre Spire in einem ״Les Juifs en France“ betitelten Aufsatz die gegenwärtige Lage der französischen Juden, die er historisch und soziologisch begründet. In diesem durchaus bemerkenswerten und in seiner Knappheit sehr aufschlußreichen Aufsatze spricht Andr£ Spire auch über den Zionismus und hebt die erfreuliche Wendung hervor, die ihm gegenüber in den letzten Jahren die öffentliche Meinung beherrscht. Spire beschreibt die Entwicklung der Alliance Israelite Universelle, die schließlich das Hebräische in ihren Orientschulen eingeführt hat und zitiert den bedeutsamen Beschluß der französischen Rabbinerversammlung vom 2Ö./27. Juni 1923 in Straßburg, der besagt, ״daß die jüdische Kolonisation im Heiligen Land immer und heute mehr als je eine Notwendigkeit von höchster Wichtigkeit sei, sowohl zur Verdeutlichung der Einheit des Judentums, das die Schicksale erwartet, die ihm von der Vorsehung vorgezeichnet sind, wie auch als moralischer und materieller Rückhalt für die Glaubensgenossen, welche die Rechtsansprüche der Juden vertreten in dem Land, das sein versprochener Boden ist und bleibt.“ Der Verfasser verspricht sich viel von dem Einfluß des Zionismus auf die Er- Stärkung der französischen Judenheit. -d. * Das neueste Heft der ״Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums“ bringt eine Anzahl von Beiträgen, die Bilder aus der Geschiehte des Judentums, zumal in der neuesten Zeit, entwerfen. Ein Sammelbericht über unsere Forschungen zur Geschichte des Ostjudentums (Louis Lewin) führt uns in die schweren, schließlieh doch in der Hauptsache erfolgreichen, Emanzipationskämpfe ein. Die Geschichte der Gemeinde Kiel, von ihrem Rabbiner Dr. Posner dargestellt, veranschaulicht uns das Wachstum einer ganz jungen jüdischen Gemeinde. Ein Aufsatz Bernard Hellers huldigt Leopold Zunz, den Mitbegründer der jüdischen Wissenschaft, dessen ״Gottesdienstliche Vorträge“ vor genau 100 Jahren erschienen sind. Ferner bringt Josef Caro seine Studie über Disraelis Verhältnis zum Judentum in diesem Heft zum Abschluß. Man abonniert die Monatsschrift, indem man Mitglied der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums in Berlin wird und den jährlichen Mindestbeitrag von 10 RM. an die Gesellschaft (Postscheckkonto Berlin 7030) oder an einen der Vertrauensmänner sendet, welche in jedem Heft der Monatsschrift aufgeführt sind. ¥ Das Augustheft der ״Europäischen Revue“ (Mk. 1,50) erscheint als Sondernummer über ״Die Judenfrag e“. Zum jüdisch-arischen Problem äußern sich auf dem Gebiet der Politik, Wirtschaft, Religion und Literatur führende Persönlichkeiten der jüdischen und antisemitischen Kampffront. Es werden folgende Themen behandelt: ״Religion und Weltanschauung der Juden“, ״Assimilation und Rassenfrage“, ״Die politische Seite der Judenfrage“, ״Kunst und Ausdruckswille der Juden“, ״Staat und Volk“, ״Die Juden in der Wirtschaft“. Mitarbeiter: Dr. Leo Baeck, Hans Bliiher, Jakob Wassermann, Erich Przvwaia, Hans Koiin, Albrecht Erich Günther, Arnold Zweig, Prof. Nadler, Graf Gleispach u. a. (Besprechung nach Erscheinen Vorbehalten.) Anläßlich der Hundertjahrfeier des Beginns der jüdisehen Einwanderung nach Kanada hat die jüdisehe Zeitung ״Kanadcr Adler“, die gleichzeitig das 25jährige Jubiläum ihres Bestehens feiert, eine Sondernummer herausgegeben. Die Nummer enthält reiches Material zur Geschichte der Juden in Kanada in jiddischer, englischer und französischer Sprache.

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