Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVII (1932)
- Issue
- Heft 62 (5.8.1932)
- Date
- 1932-08-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 296 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 62, 5. VIII. 1932 spruchnahme des vom Ruthenberg-Werk gelieferten Stroms für Landwirtschaft und Industriezwecke, sowie in den Haushaltungcn hat stark zugenommen. Die jüdische Industrie als Ganzes hat ihre Position konsolidiert, erfaßt immer neue Markte und zeigt einen zufriedenstellenden Grad von Stabilitat. Der Hausbau hält mit dieser Entwicklung Schritt. Der bemerkenswerte industrielle Fortschritt der letzten zwei Jahre zeigt sich bei der Verwertung der Mineralschätze des Toten Meeres durch die Palestine Potash Cy., die ihren Export von Brominen und Kali ständig steigert und für die kommenden Jahre gute Erfolge verspricht. Im allgemeinen bietet sich ein Bild des Fortschritts, gesunden wirtschaftlichen Lebens, man möchte sagen von ״Prosperity“. Darüber hinaus eröffnen sich ausgesprochen ermutigende Aussichten für die Zukunft. 1033 wird der Hafen in Haifa vollendet sein und mit dem Bau der Oellinie vom Irak wird begonnen werden; zwei Projekte von lebenswichtiger Bedeutung, nicht nur für die künftige Ent- Wicklung von Haifa, sondern für das ganze Land. Der Orangenexport aus den bereits angelegten Pflanzungen wird innerhalb der nächsten fünf Jahre auf das Dreifache gesteigert werden, und wenn die Anlage von Pflanzungen in dem jetzigen fast fieberhaften Tempo fortgeht, dürfte Palästina aller Wahrscheinlichkeit nach eines der führenden Orangenproduktionsländer der Welt werden. Obwohl infolge der rapiden Ausdehnung dieses Produktionszweiges ernste Absatzprob lerne entstehen, werden sich diese nicht als unlösbar erweisen, wenn eine mit Voraussicht arbeitende Organisation Platz greift. Mit der Verbesserung des Verkehrs und einer engeren Verknüpfung der Länder des Nahen Ostens werden sich neue Möglichkeiten auf kommerziellcm Gebiet ergeben. Auch der künftigen Entwicklung der Industrie können keine Grenzen gesetzt werden. Die Industrie in Palästina steckt noch in den Kinderschuhen. Doch hat sic bereits gezeigt, daß sie für Binnenmarkt und Export konkurrenzfähige Erzeugnisse aus inländischem und importiertem Rohmaterial herzustellen vermag. Wenn diese Ent- Wicklung fortschreitet, so kann sic zur Absorption von Massen jüdischer Arbeiter führen, deren Zahl sich im voraus gar nicht feststcllen läßt. Nachdem Neumann erklärt hatte, daß er die von Kurt Blumen feld geäußerte Ansicht, die Frage der Privatinitiative dürfe nicht als Parteisache behandelt werden, durchaus teile, und davor gewarnt hatte, Personen, die in Palästina Kapital investieren wollen, dadurch davon abzuhalten, dib 1:1: sic auf Kongressen als ״Ausbeuter“ bezeichnet und ständig von einem ״Geschäftszionismus“ spricht, macht er den Vorschlag, bei der Exekutive ein ״Economic Department“ zu errichten, das die Entfaltung der Privatinitiative in Palästina ermutigen soll. Die Aufgabe des neuen Departments charakterisierte er folgenderrnaßen: י• Seine erste und wichtigste Tätigkeit soll in der Entfaltung einer großzügigen Propaganda bestehen, die sich von der bisher von den öffentlichen zionistischen Fonds und Institutionen betriebenen Propaganda radikal unterscheiden und diese ergänzen soll. Die bisherige Propaganda legte den Schwerpunkt auf die Größe der Aufgabe und auf die zu überwindenden Schwierigkeiten. Infolge dieser Propaganda machte sich der Durchschnittsjude in der Diaspora von Palästina das Bild eines armen, rückständigen, von Krankheiten heimgesuchten Landes, eines Landes für Chaluzim, Heroen und Märtyrer. Ein solches Bild müßte die Leute davon abhalten, sich in Palästina niederzulassen und dort Kapital zu investieren. Es wird notwendig sein, nicht nur an nationale Gefühle, sondern auch an das individuelle Interesse zu appellieren. Durch eine organisierte Zeitungskampagne, Broschüren und Flugblätter, Reisen repräsentativer palästinensischer Geschäftsleute in die Diaspora, Gesellschaftsreisen nach Palästina, Bilder, Films, Ausstellungen usw. wird es möglich sein, in weiten Kreisen die Anziehungskraft Palästinas für Niederlassung und Investitionen zu steigern. 2. in allen bedeutenden jüdischen Zentren der Diaspora sollen wirtschaftliche Komitees begründet werden, die das wirtschaftliche Palästina bekannt machen, das Interesse für dasselbe wecken und diejenigen Personen und Oruppen, deren Interesse man gewinnen will, beeinflussen sollen. 3. Mit Hilfe dieser Wirtschaftskomitees, sowie auch auf direktem Wege soll das Department die Bildung neuer wirtschaftlicher und finanzieller Institutionen für bestimmte Bedürfnisse in Palästina anregen, Sparvereinigungen, nach dem Muster der in den Vereinigten Staaten bereits gebildeten, organisieren und den Absatz von Anteilscheinen gesunder palästinensischer Unternehmungen fördern. 4. In Palästina Selbst wird es mit den bestehenden wirtschaftlichen Körperschaften und Institutionen zu kooperieren und deren Tätigkeit zu koordinieren suchen, 5. In Palästina soll ein Wirtschaftsrat gegründet werden, der nicht nur die Koordination der wirtschaftlichen Körperschaften fördern, sondern auch als Kommission zur Aufstellung wirtschaftlicher Pläne fungieren soll. Mit Vorbereitungsarbeiten zur Schaffung eines solchen Rats wurde bereits begonnen. 6. Das neue Department soll versuchen, auf die Paläsfina- Regierung, die an dem Einströmen neuen Kapitals im Hinblick auf die dadurch ermöglichte Erhöhung der Steuerleistung interessiert ist, dahin einzuvvirken, daß sic ebenfalls durch entsprechende Maßnahmen die Einwanderung kapitalkräftiger Elemente und die Errichtung neuer Unternchmungen begünstige. Ein gewisser Fortschritt sei hinsichtlich des Zustandebringe!« von Round Table-Konfercnzen der Führer der verschicdcnen wirtschaftlichen Institutionen in Palästina zu verzeichnen. Die Bemühungen, ein Zentralinstitut für langfristige Agrarkredite zu schaffen, versprechen einen Erfolg in absehbarer Zeit. Auch bezüglich der Koordination anderer Wirtschaftsfraktionen seien Verhandlungen im Gange. Die beiden bedeutendsten Reservoire von Menschen für Palästina sind Polen und Amerika. Im Gegensatz zu Polen gab cs in Amerika bis vor kurzem so gut wie keine Bewegung für Chaluz- und Mittelstandsauswanderung nach Palästina. Erst im letzten Jahre wurde das American Economic Committee for Palestine geschaffen mit der Aufgabe, eine ständige Propaganda zu führen und denjenigen, die an dem Aufbau des Nationalheims persönlich teilnehmen wollen, die notwendigen Informationen zu geben. Dieses Komitee wurde zwar mit Hilfe der Zionistischen Organisation Amerikas geschaffen, ist aber eine autonome Körperschaft. Ihm gehören Techniker, Industrielle und Kaufleute an. Es unterhält Büros in New York und Palästina, die von Tag zu Tag mehr in Anspruch genommen werden. In New York werden gegenwärtig täglich 15 bis 20 Interessenten beraten. Der Zustrom amerikanischer Juden 11 ach Palästina verstärkt sich immer mehr. Viele Hunderte sind im letzten Jahr nach Palästina gegangen, ein großer Teil von ihnen zu dauerndem Aufenthalt. Obwohl keine genauen Statistiken hierüber zur Verfügung stehen, kann doch nicht daran gezweifelt werden, daß hinter diesen Tausende stehen, die nicht bloß daran denken, nach Palästina zu übersiedeln, sondern bereits ganz feste Pläne hierfür ausgearbeitet haben. Die Mehrzahl dieser Leute besitzt nach unseren bisherigen Erfahrungen ein Kapital von mehr als 1000 Pfund. Es ist keine übertriebene Schätzung, wenn wir annehmen, daß das so in Bewegung gesetzte Kapital Millionen von Dollar beträgt. Es ist beabsichtigt, den Apparat des American Economic Committee, vor allem das Büro in Palästina, auch Personen aus anderen Ländern, die sich in Palästina niederlassen wollen, zur Verfügung zu stellen. Wir bemühen uns nun, die Bildüng ähnlicher Komitees in anderen Ländern zu ermutigen. In Polen wurde nach dieser Richtung hin bereits eine intensive Tätigkeit seitens der dortigen Abteilung der Jewish Agency und der polnisch-palästinensischen Handelskammer entfaltet. Zum Schluß gab Neumann der Erwartung Ausdruck, daß eine auf Grund dieses Programms entwickelte ernsthafte und eifrige Tätigkeit nicht nur den Aufbau Palästinas beschleunigen und Möglichkeiten für eine bedeutend vermehrte Einwanderung bieten, sondern daneben auch das zionistische Leben in der Diaspora bereichern und der Organisation neue Kraft geben werden. Farbsleins Referat Färbst ein führte u. a. aus: Gleich nach meiner Ankunft in Palästina erhielt ich aus Polen und anderen Ländern Mitteilungen, daß mehrere Delegationen im Zusammenhang mit der Ausstellung nach Palästina reisen, um für die verschiedensten Industriezweige Informationen zu sammeln. Ich sali mich vor allem genötigt, diejenigen Fehler, die sich bei der 4. Alijah gezeigt haben, diesmal nach Möglichkeit zu vermeiden und legte großen Wert darauf, die entsprechenden Stellen für ge-!lügende und sachgemäße Information der Interessenten zu schaffen. Auf unsere Anregung hin haben die Organisation der Ikarim, der Verein der Industriellen und der Verein der Handwerker Informationsbüros errichtet, wo jeder Tourist die nötigen Auskünfte erhalten konnte. Außerdem hat unsere Kolonisationsabteilung unter der Leitung der besten Agronome und Sachkenner Auskunftsstellen in Tel-Awiw und in Jerusalem errichtet. Hunderte von Leuten haben diese Büros in Anspruch genommen. Was die Mittelstandssiedlung anbetrifft, so hat die hierfür eingesetzte Kommission ein zweckentsprechendes Terrain im Wadi el Hawareth für diese Siedlung bestimmt, ein Rundschreiben an sämtliche Organisationen unter Angabe aller Bedingungen versandt und einen zweimonatigen Termin für die Anmeldung der Kandidaten angegeben. Für die Ansiedlung eines jeden Kandidaten wurden 20 Dunam festgesetzt und bestimmt, daß bei der Verteilung des Bodens 75 0/0 auswärtige Kandidaten und 25 »!0 palästinensische berücksichtigt werden sollen. Beim Kolonisieren des Mittelstandes haben wir vor allem mit Orangen -Pflanzungen gerechnet, erstens, weil die Kandidaten gerade nur diese Kolonisation gefordert haben und zweitens, weil Orangen tatsächlich gegenwärtig das rentabelste Produkt sind. Im Hinblick auf die Steigerung der Orangen- Produktion haben wir uns mit der Möglichkeit einer Krise beschäftigt und auch die sich meldenden Anwärter auf diese Möglichkeit aufmerksam gemacht. Die mit Orangen bebaute Fläche ist von 32000 Dunam i. J. 1922 (davon 10000 in jüd. Besitz) auf 100000 Dunam (60000 in jikl. Besitz) i. J. 1930 gestiegen. Der Export betrug 1922 1 238 899, i. J. 1930 2 857 041 Kisten. Nach vier oder fünf Jahren dürfte die Produktion elf bis zwölf Millionen Kisten betragen. Der Konsum ist in kulturell entwickelten Ländern hoch, in anderen Ländern1 dagegen sehr klein. Es ist aber damit zu rechnen, daß durch Propaganda und entsprechende Preisermäßigung der Konsum sich bedeutend vergrößern und die Palästina-Orange genügend Absatz finden wird. Neben Orangen soll in der Mittelstands- Siedlung Orape Fruit gepflanzt werden, deren Absatz von 1951 Kisten L J. 1928 auf 29313 Kisten i. J. 1930 gestiegen ist. Zur Besprechung der Entwicklung von Mittelstands- und Hausindustrie in Palästina übergehend, führte Farbstein aus: Die kleine Industrie hat sich während der letzten zwei Jahre ziemlich stark entwickelt. Infolge der übermenschlichen Energie der kleinen Fabrikanten hat auch die Entwicklungdes Exports in die Nachbarländer in ansehnlichem Maße begonnen. Die Industrie beschäftigt schon jetzt bedeutend mehr Arbeiter als im Jahre 1930. Es ist eine erfreuliche Erscheinung, daß der größte Teil der neuen Industrie in den letzten zwei Jahren nicht durch den Zufluß von neuen Immigranten, sondern durch die dortigen Kräfte entwickelt wird. Dies ist ein Beweis dafür, daß unsere Kleinindustrie über das Stadium der ersten Entwicklung hinaus ist. Nach altem Muster wird noch jetzt von mancher Seite über die kleinen Fabrikanten mit Lächeln und sogar Hohn gesprochen. Ich, der ich in Warschau gelebt habe und die große Entwicklung Warschaus dank den Juden in Nalevki lind Dzika bewundern konnte, habe das größte Vertrauen gerade zu diesen Juden und bin überzeugt davon, daß diese Juden bei moralischer Unterstützung Wunder in Palästina schaff e n können. Diese kleinen Fabrikanten in Polen haben ihr größtes Absatzgebiet, Rußland, verloren. Sie sind bereit, mit ihren Werkstätten nach Palästina zu ühersiedeln, insofern nur ein Absatzgebiet für die Artikel, die sie produzieren — und sic produzieren fast alles — zu finden ist. Für die Entwicklung Palästinas ist die Förderung der Mittelstands-Immigration neben der landwirtschaftlichen Immigration von großer Bedeutung, ln mancher Beziehung sollte die Industrie gegenüber der Landwirtschaft sogar bevorzugt werden. Das natürliche Absatzgebiet für palästinensische Industrie ist vor allem Palästina selbst und dann alle Nachbarländer, während das Absatzgebiet für den landwirtschaftlichen Hauptartikel — Orangen — weit entfernt liegt. Unsere Landwirtschaft ist momentan fast nur auf einen Artikel angewiesen: die Orangen, während die Industrie tausende von Artikeln fabrizieren könnte und sich allen Märkten in den Nachbarländern anpassen kann. Das Investierungskapital für Kleinindustrie ist bedeutend kleiner als in der Landwirtschaft. Der durchschnittliehe Arbeitslohn für den industriellen Arbeiter ist bedeutend höher als der Arbeitslohn in der Landwirtschaft. Die Industrie beschäftigt das ganze Jahr hindurch, während die Landwirtschaft nur zu gewissen Jahreszeiten dem Arbeiter Beschäftigung־ gibt. Ferner muß man auch damit rechnen, daß ein Zertifikat für einen Arbeiter im besten Falle zwei Personen umfaßt, während ein Zertifikat für einen Mittelständler bzw. Kleinindustriellen im Alter von 40 bis 50 Jahren eine Familie von durchsehnittlich 4 bis 5 Personen betrifft, und daß dieser Kleinindustrielle durchschnittlich 5 bis 20 Arbeitern Beschäftigung und Einreisemöglichkeiten geben wird.. 100 Mittelstandszertifikate bedeuten vor allem ca. 400 Familienangehörige und ca. 700 Arbeiterzertifikate zu 2 Personen pro Zertifikat — 1400 Menschen, bringen also ca. 1800 ins Land. Unsere nationale Wirtschaft in den Kwuzoth und Moschawoth, welche durch die zionistischen Fonds geschaffen wurde, beschäftigte im Jahre 1930 laut Statistik nur ca. 6310 Seelen, während i!1 der Industrie und im Handel ca. 20 000 Familien Beschäftigung fanden. Die Einfuhr aus fremden Ländern nach Palästina beträgt ca. £ 7 000 000 jährlich. Palästina selbst bietet schon für eigenen Gebrauch ziemlich viel Raum für neue Fabrikationen. Wenn wir aber auch Syrien und Libanon, Aegypten, Cypern, Mesopotamien und Aden als die nächsten, Nachbarländer in Betracht ziehen, haben wir ein sehr bedeuten־ des Gebiet für den Export, weil diese Nachbarländer allein jährlich Waren für ca. £90 000 000 beziehen. Schon jetzt unterhalten unsere Erzeuger Handels-Beziehungen mit Syrien, Libanon, Aegypten, Mesopotamien, Cypern und in der letzten Zeit haben sie bereits mit Indien und Persien Beziehungen angeknüpft. Eine der wichtigsten politischen Aufgaben wird es sein, die Mandatsregierung zu beeinflussen, mit allen Nachbarländern und ganz besonders mit den Ländern, die unter englischem Einfluß stehen, Verträge zu schließen oder sonstige Abmachungen, wie dies bereits in Syrien geschehen ist, zu treffen. Eine große Störung für die Entwicklung der Kleinindustrie in Palästina ist die unsinnige Forderung der Immigrationsabteilung der Palästina-Regierung, daß jeder sogenannte Kapitalist ein Vermögen von £ 1000, in Ausnahmefällen £ 500, vorzeigen muß. Ich habe zusammen mit dem Leiter der Immigrationsabteilung Herrn Hyamson 11 Fabriken in Tel Aviv besucht, wobei Herr Hyamson sich davon überzeugen konnte, daß vier von diesen Fabriken, die schon jetzt je zwischen 10 bis 30 Arbeiter beschäftigten, fast ganz ohne Mittel, eine Fabrik, welche 30 Arbeiter beschäftigt mit £ 72.--; eine Fabrik, welche 55 Arbeiter beschäftigt, mit £ 100; 2 Fabriken mit einem Kapital von £ 200 bis £ 300 und 3 Fabriken mit einem Kapital von £ 300 bis £ 500 begonnen haben. Alle diese Fabriken entwickeln sich glänzend, können ihren Bestellungen nicht nachkommen und rechnen mit Sicherheit auf eine weitere Entwicklung. Nachdem wir zur Ueberzeugung gelangt sind, daß der Export für die neuankommenden Einwanderer der Kleinindustrie von besonderer Bedeutung sein werde, galt es, eine genaue Statistik des Imports und Exports von Palästina und den Nachbarländern zu schaffen. Wir hoffen, diese riesige Arbeit binnen drei Mo* naten zu Ende führen zu können. Die Statistik umfaßt folgende Länder: Palästina, Aegypten, Syrien, Libanon, Irak, Cypern, Aden, Persien, Türkei und Indien. Gemeinsam mit den Organisationen der Industriellen, der Handwerker und Großkaufleute suchten wir festzustellen, welche Artikel, die im Lande selbst fabriziert werden könnten, aus dem Auslande eingeführt werden. Es stellte sich heraus, daß Palästina Artikel importiert, welche mit Leichtigkeit im Lande selbst erzeugt werden könnten. So führt Palästina, ein Land der Weinproduktion, die gewöhnlichsten Weinflaschen aus dem Auslande ein; auch Trinkgläser werden aus dem Auslande gebracht. Obschon Palästina das einzige Land der Welt ist, wo die Bauindustrie heute prosperiert, importiert es aus dem Auslande die einfachsten Gegenstände, die bei der Bauarbeit notwendig sind. Es setzte auch eine rege Korrespondenz zwischen Palästina und Galuth, betreffend verschiedene Projekte für die Schaffung von neuen Industrien, ein. Wir haben allen Interessenten genaueste Informationen und Pläne unterbreitet; insgesamt wurden ca. 610 Projekte in den letzten drei Monaten in die üaluth-Länder gesandt. Trotz aller Schwierigkeiten stehen wir schon jetzt in ernsten Verhandlungen mit zirka 100 Industriellen verschiedener Branchen, von denen ein Teil sogar in der nächsten Zeit mit ihren Werkstätten und Maschinen nach Palästina übersiedelt. Die rapide Entwicklung von Tej-Awiw, fuhr Farbstein fort, birgt manche Schwierigkeiten in sich, die der Entwicklung der Industrie im Wege stehen. Wir haben uns an Herrn Dizengoff gewandt mit dem Vorschläge, an der anderen Seite des Jarkonfiusses eine spezielle ״Fabrikstadt“ zu gründen und vor allem ein Gebäude für zifnathst 50 kleine Werkstätten auszubaueri. Der Vorschlag hat prinzipiell die Zustimmung des Herrn Dizengoff und seiner Kollegen erhalten. Der Ausbau eines derartigen Fabrikhauses für fünfzig kleine Werkstätten würde zirka £ 25 000 kosten, worauf man sicherlich eine Hypothek von £ 10000 bis £ 15 000 bekommen könnte. Es würden also zum Ausbau £ 10 000 bis £ 15 000 als sichere verzinsbare Investierung notwendig sein. Die Abteilung für .Handel und Industrie hat ferner die Aufgabe, die schon existierenden Industrien in ihrer Entwichlung nach Möglichkeit zu unterstützen. Hier kommen i!1sbesondere die Zölle in Frage. Für manche Industrien ist die Notwendigkeit vorhanden, den Zoll für Rohprodukte zu ermäßigen oder gänzlich abzuschaffen, für andere Industrien dagegen müßte der Zoll für Fertigprodukte, die ins Land eingeführt werden, entsprechend erhöht werden. Wir unternehmen die nötigen Schritte bei der Regierung, um die berechtigten Forderungen durchzuführen. Die Regierun g hat sich bis jetzt unseren begründeten Forderungen gegenüber wohlwollend gezeigt. Es ist interessant, daß sich unter den Delegationen die sich in diesen Fragen an 11» gewandt haben, auch eine arabische befand. Parallel mit der Schaffung von Industrien muß für die Schaffung von Absatzmärkten Sorge getragen werden. Die Regierung hat an den Plätzen, an denen uns am meisten gelegen ist, keine Handelsagenturen. Wir halten es daher für notwendig, an den Hauptplätzen unsere eigenen Handelsagenturen zu schaffen, die die Beziehungen zwischen den palästinensischen Fabrikanten und den Abnehmern in den betreffenden Ländern fördern und sich für den Absatz palästinensischer Produkte interessieren sollen. Die ersten vier Agenturen sollen noch in diesem Jahre in Kairo, Beirut, Bagdad und Bombay errichtet werden. Bei der letzten Zertifikatsverteilung hat unsere Abteilung 300 Zertifikate für den Mittelstand erhalten. Wir bemühen uns, daß das für einwandernde Arbeiter festgesetzte Höchstalter von 35 Jahren für Industrielle mit kleinem Spital auf 50 Jahre erhöht werde. Wir hoffen auf ein gutes Resultat der von uns bei der Regierung in dieser Richtung unternommenen Schritte. Die Abteilung für Handel und industrie hat während der vier Monate ihres Bestehens volle Zuversicht auf den Erfolg ihrer systematischen und euergischen Arbeit gewonnen. Die Wirtschafisdebaite — Einwanderungsfragen *י In der am Dienstag, dem 2. August, morgens, abgehaltenen Sitzung des Aktions-Comifes kam eszuerregtenSzenen wegen der soeben veröffentlichten neuen Einwanderungsverordnung für Palästina. Mehrere Mitglieder des A.-C. richteten Anfragen an die Exekutive. Gemäß einem telegraphischen JTA.-Bericbt aus Jerusalem enthält diese in Jerusalem veröffentlichte Verordnung u. a. die Feststellung, daß die Einwanderung nach Palästina aus Transj o r d a n i e n frei sei und nur der Beschränkung der Paßkontrolle unterliege. Im übrigen wird in der Verordnung das geltende Einwanderungsrecht neuerlich zusammengefaßt, wobei insbesondere die schon früher bekanntgegebene Herabsetzung der Kapitalgrenze für Mittelstandseinwanderer gewisser Kategorien von 1000 auf 500 Pfund nunmehr amtlich verlautbart wird. Die freie Einwanderung aus Transjordanien ist vom jüdischen Standpunkt als eine Gefährdung des Zahlen- Verhältnisses zwischen jüdischer und arabischer Bevölkerung zu betrachten; denn da die Grenzen Transjordaniens gegen die Wüste zu oflen liegen, ist durch diese Bestimmung einem Zuzug arabischer Elemente nach Palästina keine Grenze