Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVII (1932)
- Issue
- Heft 62 (5.8.1932)
- Date
- 1932-08-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Deutsche Zentrumspartei und Juden Einzelnummer 0J3 Goldmaik JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag u.Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark. Aualandsabonnementii werden in der Währung der einzelnen Länder berechnet. Anreißenpreist 8 ge*p. Nanpareillezefle 0,50 G.-M. Stellengesuche 0,2$ G. M. Redaktion, Verlag und Anzeigen -Verwaltung: Jüdische Rundschau G.m.b.H., Berlin W15, Meinekestr.10. Telefon: J 1 Bismarck 7165-70. Pottscheck - Konten: Berlin 17392, Basel V 9355, Belgrad 68032 Brüssel 394 33, Budapest 59693, Danzig 19T3, Haag 140470, Prag 59410, Riga 4155, Strasbourg 164 30, Warschau 190708, Wien 1560V). Bank *Konten! Damastädrer« und Nationalbank, Depositen- Kasse Berlin, Kurfürstendamm 52; Rumänische Kreditbank, Cemauti (Riicnänien); Angio Palestine Go. in Haifa, Jerusalem, Tel -Aviv. Nummer 62 | Berlin, 5. VIII. 1932 Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. ג׳ אב תרצ״ר | XXXVII. Jahrg. Der Zionismus erstrebt für das Jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.“ Politik und Die Frage der künftigen Zusammensetzung; der Reichsregierung wird vermutlich erst in einigen Wochen, vielleicht im September, geklärt werden. Aus den Vorgefechten, die sich zwischen den Parteien und ihren Presseorganen entspannen haben, läßt sich wenig Zuverlässiges erschließen, da man nie genau wissen kann, was an derartigen Aeußerungen wirklich überlegter grundsätzlicher Haltung entspricht und was nur t a k ־ tische Zutat ist. Manche meinen, ihr Ziel leichter durch 1:11tgegenkommen erreichen z11 können,, andere durch Einschiichterungsversuche und Drohungen. Die Nationalsozialisten beharren zunächst nach außen hin auf der Parole, daß ihnen nunmehr die Macht und Führung im Reiche gebühre, während die Reichsregierung ihnen zwar maßgebende Äemter einräumen, aber keineswegs die Führung unbilligen will. Für die Beurteilung der Verhältnisse ist es interessant, daß der Führer der Landtagsfraktion, K u b e , in einem Artikel erklärt, die Finsetzung der Regierung Papen-Oavl sei mir ,,eine neue Methode, den Sieges/tig der Nationalsozialisten zusaboti ereil‘'. Der nationalsozialistische Führer spricht hier nur eine Meinung aus, die man mit umgekehrten Vorzeichen von manchen Verteidigern der Regierung Papen hören kann: daß gerade diese Regierung, insbesondere dank dem Reichswehrminister Schleicher, die (iewiihr hiete, daß die National- Sozialisten in absehbarer Zeit nicht ans Ruder gelangen können. Außerdem werde bei einer allmählichen hinbc/iehmig einzelner Nationalsozialisten in die Regierung Papen eine Möglichkeit geboten, die allzu absurden Teile des Nazi-Programmes, wozu wohl auch ihr radikales J u d e n - E n t r c c h t u n g s - Programm zu rechnen ist, in der Versenkung verschwinden zu lassen. Es wäre dennoch falsch, wenn sich die deutschen Juden durch solche Ueberlegungen beruhigen ließen. Wir haben stets betont, daß wir es für unwahrscheinlich halten, daß eine ausdrückliche Entziehung der Bürgerrechte der deutschen Juden durch Verfassungsgesetz durchgeführt wird. Aber es bedarf keiner gesetzlichen Bestimmungen, um die Existenz der deutsehen Juden zu bedrohen. Die Praxis der Verwaltung bietet hierfür genügend Spielraum, zumal da immer weitere Gebiete des bürgerlichen Lebens unter die direkte Kontrolle des Staates oder seiner Organe gesetzt werden. Die Lage der deutschen Juden ist genügend ernst, und wir haben uns schon wiederholt .dagegen fewtadi J«\i. sie 7!» . überfrie.bejya! S .e i «n s - gerüchten mtBbraucht wird. Immer wieder kommt es vor, daß in ausländischen Zeitungen Schilderungen über pogromartige Judenverfolgungen in Deutschland gegeben werden, die nicht der Wahrheit entsprechen und deren berechtigte Zurückweisung dann den Eindruck erwecken kann, als ob alle Beschwerden der Juden auf erfundene Tatsachen zurückgingen. Das deutsche Judentum hat sicherlich an solchen unrichtigen Darstellungen kein Interesse und kann für die Erzeugnisse betriebsamer Journalisten nicht verantwortlich gemacht werden. Aber es darf auch nicht verkannt werden, daß die hetzerischen und oft blutrünstigen Auslassungen mancher nationalsozialistischer Presseorgane, die ja auch im Ausland gelesen werden, dazu beitragen müssen, Pogromnachrichten, die nach dem Ausland gemeldet werden, den Charakter großer Wahrscheinlichkeit zu geben. Die Wahlwoche ist leider trotz ,,Burgfrieden“ zu einer Woche wüster Exzesse geworden. Es ist der Regierung und auch dem preußischen Regierungskommissar bisher nicht gelungen, ihr Programm, das den mörderischen inneren Kämpfen Einhalt gebieten wollte, durchzufiihrcn. Unter den Gewalttaten, die von nationalsozialistischer Seite begangen wurden, sind auch eine ganze Reihe, die Juden und jüdische Institutionen betroffen haben. Wie aus der Tagespresse bekannt, wurde in der Nacht zum 3. August die Synagoge in Kiel durch Bombenwürfe schwer beschädigt, ln das Mauerwerk der Synagoge ist ein großes Loch gerissen. Ob tatsächlich, wie der ״Vorwärts“ behauptet, der Anschlag eigentlich der sozialdemokratischen Volkszeiturig galt, läßt sich schwer feststellen, da von den Tätern jede Spur fehlt. Es zeugt jedenfalls von erschreckender Verrohung, wenn ein Gotteshaus in dieser Weise attackiert wird. Auch in anderen Teilen des Reiches, besonders in Ostpreußen und Obers chicsien, wurden Juden angegriffen. In Ostpreußen wurde ein Ueberfall auf die Wohnung des Syndikus des C.-V. in Königsberg, Kurt S a b a t z k i , veranstaltet. Es muß mit allem Nachdruck gefordert werden, daß die Reichsregierung und die Die Flacht aas Biro-Bidschan Moskau, 31. Juli. (J. T. A.) Wie die jiddisch-kommunistische Zeitung ,,Emess“ mitteilt, hat der größte Teil «kr im Juni dieses Jahres aus LosAngeles nach Biro-Bidsenan ausgewanderten Juden nach den dort gemachten Erfahrungen enttäuscht die Rückreise nach Amerika a n ge treten. Einige von ihnen wollen noch versuchen, in Moskau eine Existenzmöglichkeit zu finden. .,Emess“ greift den amerikanischen ICOR, der ״ehemalige Händler und Spekulanten, die nicht nur ungeeignet für das Leben in Biro- Bidschan sind, sondern dort auch konterrevolutionäre Gesinnung züchten, nach Sowjeirußlaml entsende“, heftig an. Der Organisation wird der Vorwurf gemacht, sie habe diejenigen, die nach Biro-Bidschan auszuwandern wünschen, nicht darüber aufgeklärt, wie schwierig das Leben in Biro-Bidschan sei. Eine von der Zeitung entsandte Untersuchungskonimission berichtet über den in Biro-Bidsclmn und insbesondere in der ICOR-Siedhmg herrschenden starken Gegensatz zwischen den alten jüdischen Siedlern und den aus dem Ausland kommenden Juden. Dieser Gegensatz sei auch in Nikolajewa, wodie Rückwanderung bereits 500/0 erreicht habe, festzustellen. ln Leningrad sind 27 amerikanische Juden, unter ihnen drei Frauen und sechs Kinder, auf dem Wege nach Biro-Bidschan eingetroffen, Da seitens des OZET Terrorakte! preußische Regierung, die in ihrer! Kundgebungen bisher immer nur die Kommunisten für Ruhestörungen verantwortlich machten, diesem Treiben nationalsozialistischer Banden ein Ende setzen. im übrigen macht es den Eindruck, als oh auch die Terrorakte der letzten Zeit nur verkappten politischen Zwecken dienen. Denn die Zeitungen der einzelnen Parteien bieten alles auf, um dem politischen Gegner die Schuld zu/uschieben. Wenn man die Berichte der Rechtspresse und der Linkspresse vergleicht, erkennt man, daß es in Deutschland zwei Lager gibt, die über dieselben Vorgänge in völlig entgegengesetzter Weise informiert werden, was natürlich die Entfremdung immer mehr steigern muß. Die Nationalsozialisten fordern dabei deutlich eine unterschiedliche Behandlung; gegenüber den Kommunisten, was ja auch im Sinne der Regierung Papen liegt, die den Nationalsozialismus als vielleicht ungezügelte, aber dennoch patriotische Bewegung schätzt, den Kommunismus dagegen als den gefährlichsten destruktiven inneren Feind bekämpft. Unter diesem Gesichtspunkt sind auch die Pläne zu betrachten, die Kommunistische Partei solle verboten und dadurch eine vom Zentrum unabhängige Mehrheit für eine Rechtsregierung im Reichstag geschaffen werden. Der ״Angriff“ vom 3. August fordert ganz im Sinne dieser Tendenz, daß ״den Vertretern der blutrünstigen Moskauer Fremdenlegion der Zutritt zum deutschen Reichstag, in dem sie nichts zu suchen haben, verwehrt wird.“ Vielleicht soll die gesteigerte Tätigkeit der Terroristen dazu dienen, einem solchen verfassungsmäßig freilieh schwerlich zulässigen Akt den Weg zu bereiten und dadurch den Nationalsozialisten den ausschlaggebenden Einfluß im Reichstag, den ihnen der Wahltag nicht gebracht hat, gewissermaßen auf operativem Wege zu verschaffen. Wenn wir auch selbstverständlich als Juden einer von Nationalsozialisten beherrschten neuen Regierung und dem von ihnen angeführten neuen Kurs ablehnend gegenüberstehen, haben wir Zionisten uns immer bestrebt, trotz des Antisemitismus der jungdeutschen Nationalbewegung diese Strömung in ihren psychologischen und geistigen Grundlagen zu verstehen und die nationale Erneueru 11 gstendenz, die sicli darin kundtut, als geschichtliehe Kraft zu würdigen. Wir glauben, daß gerade das nationale bewußte Judentum auch den Weg sa'einem Modus vivendi mit einem innerlich erstarkten, von den Schlacken des Pöbel- Antisemitismus befreiten deutschen Nationalismus finden könnte. Natürlich kann dieser Weg nicht der Weg der Identifizierung sein, der — abgesehen von der inneren Unwahrheit — das Judentum nur lächerlich machte. Es war aber zu erwarten, daß uns auch diese Erscheinung nicht erspart bleiben wird. Herr Max Naumann, der Erfinder des ״nationaldeutschen Juden“, hat unmittelbar vor der Wahl in der ״D. A. Z.“ einen Artikel veröffentlicht, worin er einem Anschluß der Juden an den Nationalsozialismus das Wort redet. Es heißt in seinem Artikel: ״Daß dieser Nationalsozialismus, bei allen unerfreulichen Nebenerscheinungen, nur das sichtbarste Zeichen einer keineswegs auf dumme Jungen und abgebaute Regierungsräte beschränkten Volksbewegung ist, die weit über die Nazikreise hinaus den weitaus größten Teil des deutscheu Volkes umfaßt, daß hier und nur hier ein Weg gebahnt wird, der zu einer Wiedergeburt des Deutschtums, zu einer Zurückeroberung des deutschen Ansehens führen soll und hoffentlich führen wird, daß diese Abkehr von dem ״Freiheit'•׳•- und Brüderlichkeitswahn der Uinsturzzcit und der ,,Erfüllu11gs“-Jahre nicht mit Ghettowitzen ahzutun ist, — das wagen viele Juden einfach nicht zu begreifen. Sie bringen es nicht über sich, den magischen Kreis zu durchbrechen, weil sie Angst haben, schlechthin Angst, nicht vor Pogromen oder sonstigen fühlbaren Peinlichkeiten, aber davor, von den einen als ״Anbiederer“ zurückgewiesen und von den anderen als ״Ueberläitfer“ beschimpft zu werden. Die wahre ״Organisation zitternder Israeliten“ ist die durchaus nicht organisierte, aber sich im Herdeninstinkt zusammendrängende Masse derer, die nicht die Zivilcourage haben, dahin zu gehen, wohin sie gehören — und wo sie übrigens nicht einmal im Sinne der Ghettowitzbolde wirklich zu zittern brauchten.“ Wir hoffen also, daß Herr Naumann bald in Hitlers Gefolg- Schaft landen wird, und hoffentlich wird ihm dann in der S. A. ein entsprechender hoher Kommandoposten übertragen. keinerlei Vorkehrungen für ihren Empfang getroffen worden waren, blieben sie drei Tage und drei Nächte ohne Verp f 1 e g 11 n g und mußten unter freiem Hi m m e 1 n ä c 11 - tigen. Die jiddisch-kommunistische Zeitung ,,Emess“ bringt eine Schilderung der tragischen Szenen, die sich bei der Ankunft der Auswanderer in Leningrad abgespielt haben und fordert strenge Bestrafung des verantwortlichen Lcningrader OZET-Komitees. Dazu kommt dann folgende Meldung: 61 Einwohner von Palästina, zum größten Teil Kommunisten, haben sich für die Ausreise nach Sowjetrußland vormerken lassen. Sie beabsichtigen, sich in Biro-Bidschan niederzulasseii. Die jüdisch-kommunistische Propaganda, die die ganze Welt überschwemmt, findet also auch in Palästina bei dortigen Kommunisten Anklang. Die Wahrheit über Biro- Bidschan erfahren die Bedauernswerten erst an Ort und Stelle. In Jaffa wurde durch den High Commissioner die erste palästinensische Früchteschau eröffnet. Waucliope hielt eine Ansprache, in der er bekannt gab, daß die Regierung 1200 Pfund für die Errichtung einer Gartenbau- ,Station in Farradya bei Safed und 300 Pfund für die Anlage von zwei Schulgärten ausgesetzt habe Auf der Früchteschau sind 400 Obstarten ausgestellt! Wirtschafte״ und Finanzfragen vor dem Aktions-Comittee London, 2. August .(J. T. A.) Die Monfagssitzung des Aktions-Comites war der Erörterung wirtschaftlicher und finanzieller Fragen gewidmet. Referate wurden von den Mitgliedern der Jewish Agency-Exckutive Dr. Hexter, Färbstein, Neumann, Locker und Dr. Senator, sowie vom Direktor des Keren Hajessod, Dr. Hant ke, gehalten. Dr. Senator befaßte sich im ersten Teil seines Referats mit Einwanderungsproblemen, im zweiten Teil mit der finanzielten Lage der Organisation. Dr. H a n t k e teilte mit, daß die Eingänge des Keren Hajessod in diesem Jahre auf 210 000 Pfund gesunken seien und daß im nächsten Jahre mit der Erhöhung der Eingänge nicht zu rechnen sei. Das Referat Emanael Neumanns Emanuel Nfunun führte u. a. aus: Es sollte kaum notwendig sein, ein Referat über die Entwicklung der Privatinitiative und der Investition von privatem Kapital mit einer Loyalitätserklärung gegenüber unseren Fonds und mit der Betonung der Bereitschaft, diese zu fördern, einzuleitcn. Ich glaube, daß wir über jenes Stadium, in dem diese beiden Gebiete künstlich in Antagonismus zueinander gesetzt wurden, hinaus sind. Man sieht jetzt allgemein ein, daß jede dieser beiden Phasen wirtschaftlicher Bemühung ihren, eigenen Platz und ihre eigene Funktion beim Aufbau des Jüdischen Nationalheims hat. Dennoch waren wir bei unseren organisierten Anstrengungen in der Vergangenheit so sehr auf die Förderung unserer öffentlichen Fonds konzentriert und so wenig auf die Förderung der privaten Initiative bedacht, daß es notwendig geworden ist, die daraus entstandene gewohnheitsmäßige Auffassung der Rolle 113ע Funktion unserer Organisation au die Realität anzupassen. Im gegenwärtigen Augenblick zwingen uns die Lehren der Vergangenheit und der Gang der Ereignisse zu gewissen Schlußfolgerungen. Seit dem im Jahre 1921 erfolgten Einsetzen zionistischer Aktivität in großem Maßstab ist •eine gewaltige Ausdehnung der jüdischen Wirtschaftstätigkeit in Palästina erfolgt. Andererseits hat sich der Umfang der von uns mit Hilfe unserer Fonds direkt durchgeführten Arbeiten im Verhältnis zur Gesamtheit der jüdischen Bemühungen ständig verringert. Selbst wenn wir die qualitative Bedeutung der nationalen Arbeit, ihren vitalen und einzigartigen Wert entsprechend berücksichtigen, bleibt doch das Mißverhältnis zwischen ihrer gegenwärtigen Ausdehnung und dem übrigen Feld wirtschaftlicher Betätigung eine Tatsache, deren Bedeutung bei einer Erwägung unserer künftigen Politik nicht übersehen werden kann. Man vergißt manchmal, daß der Rückgang der Einnahmen des Keren Hajessoth in den letzten Jahren schon vor dem Beginn der wirtschaftlichen Depression begann. Diese Depression hat natürlich den Ernst der Lage noch verschärft. Wir müssen aber damit rechnen, daß die Tendenz eines Rückgangs der Eingänge offenbar unabhängig von der Weltkrise und ungeachtet der eifrigsten Anstrengungen seitens der Leiter unseres Fonds als besonderer Faktor sich auswirkt, Für längere Zeit wird ferner infolge unseres Schuldendienstes eine weitere Einschränkung unserer gegenwärtigen Arbeit in Palästina notwendig sein. Daraus _ folgt, daß, falls wir weiterhin unsere Aufgabe bei der wirtschaftlichen Entwicklung Palästinas so auffassen, daß sie in erster Reihe im Rahmen unseres eigenen Budgets durchgeführt werden, daß die Auswirkung unserer Arbeit auf jene Kolonisation beschränkt sein soll, die wir durch unsere eigenen Fonds finanzieren können, unsere Organisation Gefahr läuft, das fünfte Rad am Wagen zu werden. Ihr Prestige und Einfluß wurde ständig sinken, bis zum vollständigen Verlust ihrer Rolle als aktive und führende Macht auf ökonomischem Gebiet. Ein Schluß, den wir offenbar zu ziehen haben, ist der, daß die unabweisbare Notwendigkeit bestehe, unsere Anstrengung zu verdoppeln und die Einkünfte unserer Fonds auf einem möglichst hohen Niveau zu halten und zu steigern. Das wird aber nicht genügen. Wenn wir überzeugt sind, daß die direkte Verwendung־ aller Fonds, die uns innerhalb der nächsten Jahre wahrscheinlich zur Verfügung stehen werden, uns nicht erlauben wird, eine Tätigkeit in einem Maßstab zu entfallen, der den in diesem Augenblick unserer Geschichte gebotenen großen Möglichkeiten entspricht, dann müssen wir 1ms an diese Tatsache anpassen. Wir müssen in Hinkunft die Kraft unserer Fonds als Hebel benutzen, mit dessen Hilfe wir Kräfte in Bewegung set/.eu können, die heute nicht zu unserem organisierten System gehören. Auf diese Weise werden neue und große ‘Kapitalien, die auf dem Sammelwege nicht aufgebracht werden können, mobilisiert und zur Besc hl e u 11 i g 1111 g d e s A tt f b a u s des N a t i o n a 1 h e i ms verwendet werden können. Durch Inangriffnahme dieser Arbeit werden wir uitis der Situation gewachsen zeigen und die Führerstellung unserer Organisationin der auf Palästina gerichteten Bewegung des jüdischen Volkes sichern. Nicht nur infolge der in der Diaspora herrschenden Verhälinisse, sondern mehr noch infolge der jüngsten Wirtschaftliehen Verhältnisse in Palästina, sind 1ms a u 11 c r o r d e 111 - liehe Möglichkeiten geboten. Palästina ist eines der wenigen Länder, das unter der Weltkrise nicht schwer zu leiden hat. Die Palästina-Regierung hat bisher keine ernsten Schwierigkeiten bei der Ausbalancierung ihres Budgets gehabt. Export und Import zeigen nicht den rapiden Niedergang, der den Handel in Europa und Amerika charakterisiert. Die Arbeitslosigkeit unter den jüdischen Arbeitern des Landes ist gering und unter der Landesbevölkerung im allgemeinen nicht abnormal hoch. Die Zahl der Geschäfts- Zusammenbrüche hat abgcnomincn; im Laufe des vergangenen Jahres gab cs in der jüdischen Geschäftswelt wenige folgenschwere Zusammenbrüche. Die Bodenpreise. sind fest bei einer gewissen Ten'deuz zur Steigerung. Die Einlagen in den Banken sowohl auf Sparkonto als in laufender Reellnung haben sich erhöht. Der landwirtschaftliche Ertrag der jüdischen Siedlungen ist beträchtlich gestiegen. Insbesondere der Export von Citrusfriichten zeigt eine gewaltige Steigerung auf 3V1> Millionen Kisten in der letzten Saison bei Erzielung guter Preise auf den europäischen Märkten. Die Inan-