Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVII (1932)
- Issue
- Heft 59 (26.7.1932)
- Date
- 1932-07-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 59, 26. VII. 1932 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 283 Verkannte Probleme der Bodenpolitik Von Dr. Jacob Thon, Jerusalem. I. An den realen Problemen unserer Bodenpolitik nimmt das zionistische Publikum, nehmen die offiziellen Instanzen der zionistischen Organisation, in erster Reihe das A. C., ein bedauerlich geringes Interesse. Auch der Simpson-Bericht hatte hauptsächlich seiner politischen Tendenz das ungewöhnlich tiefgehende Echo, das er in weiten zionistischen Reihen gefunden hat, zu verdanken, dagegen wurden relativ wenig die realen Konseauenzen der im Bericht aufgeworfenen Fragen und die Möglichkeiten einer tatsächlichen Bekämpfung der gegen unsere Arbeit beabsichtigten Maßnahmen untersucht. Dieses ausschließlich auf das Politische eingestellte Reaktionsvermögen führt zu manchen geradezu grotesken Erscheinungen, die uns in den Augen Unbeteiligter als wirklichkeitsfremde Phantasten erscheinen lassen. Noch vor einigen Monaten erging die Parole ״Oeffnet Transjordanien!“ im Namen großer Landsmann schäften und verantwortlicher Führer als wichtigstes Gebot in der Stunde unserer Not und kaum noch dagewesenen Lähmung aller Instrumente unserer organisierten Aufbauarheit. Was mußte bei dieser Verkündung ein Palästinenser empfinden, der sich gleichzeitig vor Augen führte, daß wir seit dem Jahre 1025 außer dem Wadi-Chawarith-Erwerb keine einzige größere Landerwerbung auf unserer Aktivseite zu verzeichnen hatten. Wenn nicht die Eingänge des ״Keren Kajemeth Leisrael“ in nächster Zukunft erheblich steigen und wenn die Käufe der unorganisierten ״Privatinitiative“ nicht größer werden, so sind die Aussichten für Vermehrung des jüdischen Bodenbesitzes im Lande trübe. Selbst wenn wir von Regierung und Bevölkerung Trans- Jordaniens mit offenen Armen empfangen würden, verlangte die Erschließung dieses am Rande der Wüste liegenden Gebietes eine kolonisatorische Unternehmung, die an Ausmaß mindestens der Emek-Sigdlung nahe kommen müßte. Ist es sehr förderlich, jetzt, da das nationale Siedlungswerk überhaupt zu einem Stillstand gekommen ist, sich mit Schlag- Worten wie ״Oeffnet Transjordanien!“ zu berauschen?! Wenn Heinrich Margulies, Tet-Awiw, nun die Aufmerksamkeit des Publikums auf einige praktische Fragen aus dem Komplex der Bodenprobleme lenkt (״Jüdische Rundschau“ Nr. 52), gebührt ihm dafür Anerkennung. Um so wichtiger ist es, die Tatsachen zu ergänzen und in die richtige Beleuchtung zu bringen. Die Darstellung der Rolle des nichtpalästinensischen Käufers und des Effektes dieser Käufe auf die Entwicklung unseres Werks in Palästina, wie sie im Aufsatz von Margulies zum Ausdruck kommt, ist mit den Tatsachen unvereinbar. Ohne den ausländischen Käufer wären weder Tel- Awiw, noch das moderne Haifa (Hadar-Hakarmel), noch ein großer Teil der modernen Jerusalemer Viertel entstanden. Die palästinensischen Einwohner waren absolut nicht im- Stande, die zum systematischen Ausbau der neuen, groß angelegten jüdischen Stadt-Siedlungen notwendigen Flächen aus eigener Kraft zu erwerben. Vor allem durch die Mittel der ausländischen Käufer sind die Bodenreserven geschaffen worden, die zur planmäßigen Entwicklung und Erweiterung der in ihren ersten Entwürfen sehr bescheidenen städtischen Aiilagen dienten und ohne die sie kümmerliche Versuche geblieben wären. Schon in den Vorkriegskäufen der ״Palestine Land Development Co. Ltd.“, die die Hauptadern der Stadt Tel-Awiw gesichert hat, u. a. die heutige Allenby- Straße, die Verbindung des Bahngleises mit der See, den gesamten Meeresstrand, spielte der nichtpalästinensische Käufer *־•eine Hauptrolle; ׳ *Zwar wurden ät!e״kauffähtgen Elemente am Orte mobilisiert und ihnen Erleichterungen beim Kauf geschaffen, aber dennoch wären die Käufe ohne Beteiligung der ausländischen Zionisten, die nahezu die Hälfte der nötigen Mittel beschafften, unmöglich gewesen. Hadar-Hakarm ei, das in jahrelanger Bemühung aus Hunderten von Bodensplittern mit verworrensten Eigentumsbedingungen durch die ״Palesüne Land Development Co.“ zu einer einheitlichen Fläche von etwa 1 Million Quadratellen arrondiert wurde, verdankt seine Entstehung ebenfalls fast zur Hälfte dem Anteil der ausländischen Käufer. Talpioth, das das Tel- Awiw von Jerusalem werden sollte, wurde mit über 90 °,0 ausländischer Beteiligung gekauft. Ja, sogar nach dein Kriege, da. die Einwanderung zahlreiche kaufkräftige Elemente ins Land brachte, die man selbstverständlich in erster Linie als Käufer heranzog, war die ausländische Beteiligung von maßgebender Bedeutung. Das Viertel Rechawiah in Jerusalem hatte für 25 Parzellen für £P 9400 Nichtpalästinenser als Käufer. Vom hochwertigen Boden im Komplex der Benjehuda- Straße—King Georges Avenue kauften Nichtpalästinenser für fast £ 50.000 (über die Hälfte der Gesamtverkäufe von diesem Komplex)! Nicht an dem ausländischen Käufer lag es, daß die eine oder andere städtische Anlage eine unzulängliche Ent- Wicklung nahm. Damit diese Verkäufe nicht hemmend auf die Entwicklung einwirken, legte die P. L. D. C. in ihren Verkaufskontrakten den Käufern eine ziemlich kurzbefristete Bauverpflichtung auf, bei deren Nichterfüllung es der Gesellschalt freistand, die Parzellen zum Kaufpreis zuzüglich 6 ";0 Zinsen zurückzukaufen. In Wirklichkeit machte die Gesellschaff von dieser Klausel keinen Gebrauch, nicht mir weil sie kein Interesse daran hatte, ihre Mittel in Rückkauf einmal bereits verkaufter Parzellen festzulegen, sondern selbst wenn sie dazu bereit gewesen wäre, die Rücksichtnahme auf die Entwicklung der betreffenden Gebiete hätte in den seltensten Fällen den Rückkauf gerechtfertigt. In Siedlungsgebieten, die sich günstig entwickelten, wie Tel-Awiw, Rechawiah oder die anderen innerstädtischen Zonen in Jerusalem u. a,, fanden in der Mehrzahl der Fälle die Erwerber von Parzellen, die nicht bauen konnten oder wollten, baulustige Abnehmer im Lande selbst, aber es war auch kaum von irgendeinem merkliehen Schaden, wenn mitten zwischen den Häusern eine Anzahl von unbebauten Parzellen liegen blieben. So zum Beispiel wird niemand daran Anstoß nehmen, wenn in Rechawiah, innerhalb des Wohngürtels, auf Jahre hinaus noch unbebaute Parzellen bleiben, deren Eigentümer (anders als in Tel-Awiw) außer der städtischen Grundsteuer an die Regierung (zirka 1 >/2 °,0׳ vom Werte des Grundstückes) keinen Pfennig zu bezahlen haben. Die ausländischen Käufer haben nicht nur keinen Schaden gebracht, sondern sie waren es, welche die nötigen Bodenreserven für die in dem letzten Vierteljahrhundert entstandenen neuen jüdischen Städte und Stadtviertel in Palästina zur Verfügung hielten, die die öffentlichen Gesellschaften ohne eine Vervielfachung ihrer Kapitalien, ebenso wie der einheimische Jischuw aus eigenen Mitteln nur zu einem geringfügigen Prozentsatz hätten erwerben können. Die Heranziehung der ausländischen Käufer war auch vom Standpunkte der Erschließung von Anlagemöglichkeiten für jüdisches Kapital eine Pflicht der nationalen Gesellschaften. In früheren Jahren, als die wirtschaftlichen Verhältnisse in den Galuth-Ländern noch normal waren, waren nicht viele geneigt, ziemlich gesicherte große Einnahmen aus Unternehmungen. in ausgefahrenen Bahnen gegen unsichere Erfolge aus Pionier-Unternehmungen auf bis dahin unbearbeiteten Boden einzutauschen. Für die im Ausland verbliebenen Kapitalien-Besitzer waren aber die städtischen Immobilien (Boden und Häuser]! sicherste und am leichtesten administrierbare Anlage□. Dies hat sich auch fast in aikQ Fälle□ für die Vorkriegsklienten der P. L. D. C. nahezu vollkommen bewährt. Es sind zahlreiche Familien nachzuweisen, für die nach dem Umsturz in Rußland oder nach den Inflations-Perioden in Mitteleuropa, die vor dem Kriege erworbenen städtischen Grundstücke das einzige Ueberbleibsel von ehemals großen Vermögen und die Grundlage zur Errichtung einer neuen Existenz waren. ln Jerusalem sind in den letzten Jahren besonders die sehr bedeutenden Investierungen orientalischer Juden aus Aegypten, Persien, Indien, Tunis usw. interessant, für sie wurde die Erwerbung von hochwertigen Parzellen der Anlaß zu weiteren Anlagen, wie Häuserbau, Anknüpfung von geschädlichen Verbindungen, Ansiedlung von Verwandten usw. Die Unterbrechung der ehemals besonders lebendigen Verbindung mit dem Käufer in der Qaluth hat dem Lande größten Schaden gebracht. Wie man sie wiederbelebt und wie man sieh um die Verwertung der vorhandenen Bodenreserven und die Erweiterung unseres Besitzstandes kümmern soll, sind brennende Fragen. Für die Belebung der Bodenreserven müssen in erster Linie die für diese Aufgabe geschaffenen Institutionen sorgen. Leider fehlt bisher jeder einheitliche und systematische Arbeitsplan zwischen den für verwandte Zwecke wirkenden Institutionen. Selbst zwischen den Organen der zionistischen Organisation wird eine zielbewußte und bereitwillige Koopcration vermißt und deshalb ist der Nutzeffekt ein relativ viel geringerer als vor dem Kriege, da die gesamte Arbeit zentralisiert und einheitlich dirigiert wurde, trotzdem man von Geldsummen, wie den, mit denen nach dem Kriege zionistische und nichtzäonistische Institute operierten, damals kaum zu träumen wagte. Wieviel mit relativ geringen Beträgen für eine gesunde Neuentwicklung geleistet werden kann, zeigt die Tätigkeit der bescheiden, aber fruchtbar wirkenden Gesellschaften, wie ״Halwaa Wehissachon“ oder ״Binjan“ der südafrikanischen Zionisten, denen Jerusalem und Haifa in ihrer Entwicklung so viel zu verdanken haben. Die ״Halwaa Wehissachon“ hat in wenigen Monaten durch acht Hypotheken-Darlehen in Rechawiah B zu einer regen Bautätigkeit beigetragen. In kurzer Zeit sind hier über 20 Häuser entstanden, die, wie die auf den anderen durch die P. L. D. C. erschlossenen Bodenkomplexen entfachte Bautätigkeit, zur Beschäftigung von Hunderten von Arbeitern und Handwerkern und zur Belebung des ins Stocken geratenen Handels beitrag. II. Zentrale BodengetelUchaft Margulies׳ Postulat, die Geschäfte der Bodengesellschaften, deren Schicksal in der einen oder anderen Weise dem ״Keren Hajessod“ oder unserer Bank nicht gleichgültig sein kann, zu zentralisieren, ist natürlich durchaus berechtigt. Daß man etwa sechs Jahre verstreichen ließ, in denen für Administratlonskosten viel Geld gespart und viele Liquidationsarbeiten mit beruhigendem Effekt für das weite Publikum und einer bedeutenden Entlastung der Zentralinstanzen hätten durchgeführt werden können — ist sicher nicht leicht zu rechtfertigen. Aber immerhin besser spät als nie! Nur dürften Margulies bei der Darstellung des tatsächlichen Zustandes keine groben Versehen unterlaufen. Wie konnte er die ״Palestine Land Development Co “ in den Topf der ״privatwirtschaftlichen oder semiprivatwirtschaftlichen Bodengesellschäften“ werfen? Er kennt doch die Konstruktion der P. L. D. C., die genau wie unsere Banken das Instrument der zionistischen Organisation ist, anerkannt auch von der ״Jewish Agency“ auf ihrer konstituierenden Versammlung in Zürich. Ueber zwei Drittel der Founder-Shares sind in den Händen des KH und KKL, die damit über das Schicksal der Gesellschaff in jeder Beziehung bestimmen können. Mit den Stirnmen dieser Founder-Shares ernennt die Exekutive der ״Jewish Agency“ den Governor (z. Zt. der Treasur der Executive Dr. Senator), der durch Ausübung seines Vetorechts jeden Beschluß des Board of Directors vereiteln kann. Als Institut der Organisation und von ihrer Zentralbehörde kontrolliert, hat die P. L. D. C. in den beinahe 25 Jahren ihrer Tätigkeit etwa 1/8 Million Dunam landwirtschaftlichen Bodens für über 80 neue Siedlungen auf Nationalfond- und privatem Boden geliefert und fast 15 Millionen Quadratmeter für städtische und vorstädtische Siedlungen! Freilich ist die Gesellschaft von der Organisation selber für ihre Aufgaben nicht sehr reichlich dotiert worden. Der KH ist an dem über £ 80 OCX) betragendem Aktienkapital der. P. L. D. C. nur mit über £ 19 000 beteiligt. Das ist nicht viel im Verhältnis zu den über £ 300000, die der KH für Verpflichtungen der ״American Zion Commonwealth“ auf sich nehmen mußte!!! (Ich erwähne letzteres nicht kritisierend, schließe mich im Gegenteil vollständig Margulies׳ Ansicht an, daß der KH in einer Zwangslage handelte und in der Abwendung eines schweren Debakels in unserem Kolonisationswerk ein Verdienst sich erwarb, das noch nicht genügend gewrärdigt wurde.) Die wiederholten Kongreßbeschlüsse, bestätigt von der ״Jewish-Agency“-Versammlung wegen der Verdopplung des Aktienkapitals der P. L. D. C. warten aber noch auf Erfüllung. III. Haifa — Jerusalem Daß die Ablenkung eines größeren Teils der Immigration nach Plätzen außerhalb Tel-Awiws zu einer gesunden wirfschaftlichen Entwicklung und einem rationellen Ausbau unserer Machtposition im Lande führen würde, wird von vielen erkannt. Ueber die Bedeutung von Haifa als der zukünftigen Wirtschafts-Metropole des Landes kann nicht viel Neues gesagt werden. Aber auch Jerusalem, die politische und kulturelle Metropole, darf nicht übersehen werden. Die Verhältnisse hier werden auf lange Zeit hinaus für das ganze Land entscheidend sein. Sprachenkamp! in Estland Reval, 22. Juli. (J. T. A.) Bei den letzten Wahlen In den jüdischen Kulturrat für Estland haben, wie wir bereits gemeldet haben, die Zionisten einen bedeutenden Erfolg gegenüber den Jiddischisten und Sozialisten errungen. Von den insgesamt 20 Mandaten des Kulturrats fielen ihnen 13 zu. In der ersten Versammlung des neugewählten Rates wurde eine rein zionistische Leitung eingesetzt. Zu seinem Vorsitzenden wurde Herr E i s e n s t a d t, der auch in den beiden letzten Sessionen dieses Amt bekleidet hatte, gewählt, der bisherige Sekretär, Herr K1 a in m f u ß , wurde in seinem Amte bestätigt. Gegen die Wahl des neuen Vorstandes erhoben Sozialisten und Jiddischisten, die gleichfalls eine Vertretung in der Leitung beanspruchten, Protest und verließen, als diesem nicht stattgegeben wurde, demonstrativ die Versammlung. Die Meinungsverschiedenheiten der im Kulturrat vertretenen Gruppen betreffen vor allem die Organisierung des jüdischen Schulwerks. Die zionistischen und jiddischistischen Führer erklärten, sie seien mit der Einführung von jiddischen und hebräischen Parallelklassen an den Schulen einverstanden, die Sozialisten hingegen fordern eine rein jidd i s c h e und in sozialistischem Geist geführte Schule. Die einzige in Estland erscheinende jüdische Zeitung, die Monatsschrift ״Unser Wort“, nimmt gegen die einseitige Zusammensetzung der neuen Kulturratleitung im Hinblick auf die dadurch heraufbeschworene Gefahr einer Vernichtung der jüdischen Kutturautonomie schärf Stellung Presseschau Das moderne Pal&sttna In der ״Empire Review“ schreibt Harold J. S hepstone in einem Aufsatz über die ״Verwestlichung (Westernization) Palästinas“, daß kein Land der Welt außer Sowjetrußland so rapid modernisiert werde wie das Heilige Land. Jerusalem dürfe sich heute aller Annehmlichkeiten einer modernen Großstadt rühmen, es habe elektrisches Licht, gute Wasserversorgung und Kanalisation, prachtvolle Wohnviertel, öffentliche Gebäude, große Geschäftshäuser, Schulen, glänzende Hotels, Hospitäler usw. Seine Bewohner wüßten mit Telephon, Radio und den neuesten Automodellen umzugehen. Die Vororte Jerusalems schössen teilweise mit amerikanischer Schnelligkeit empor; die Bessergestellten zögen in die Gartenviertel hinaus, nicht weil die Altstadt mit ihren malerischen engen Straßen ungesund, sondern weil es feiner sei, draußen zu wohnen. Die neuen Gebäude der Stadt stellten eine glückliche Anpassung moderner Architektur an orientalisclie Verhältnisse dar. Die Zukunft Jerusalems werde von Sachkennern so optimistisch angesehen^ daß man glaube, cs werde Kairo in nicht zu ferner Zeit als Zentru m industrieller wie politischer Tätigkeit den Rang ablaufcn. Mit großer Anerkennung schildert der Verfasser den Bau des Ruthenbcrg-Kraftwcrkcs, das in einer Wildnis errichtet worden sei. Man habe dazu nicht nur große massive Gebäude errichtet, die gewaltige Turbinen bergen, sondern man habe viele Meilen von Kanälen gezogen, und mächtige Wälle aufgeworfen, um dem Werk genügende Wasserzutuhr zu sichern. — Das einst so ruhige Haifa unterhalb des Karmel, auf dessen Gipfel sich einst F.liahs Begegnung mit den Baals- Priestern abspielte, sei eine Industriestadt mit großen modernen Anlagen geworden. Neben einer großen Mühle, die alles Getreide aus Palästina und Transjordanien verarbeiten könne, stände eine Oel- und Seifenfabrik, die jetzt jährlich 3t) 000 io erstklassiger Oele und Seifen herstelle. Eine Zementfabrik mit einer Produktionskapazität von 70 000 to im Jahr, Seiden-, Glas- und andere Fabriken ständen ebenfalls in Betrieb. Ein moderner, auf die größten Schiffe eingerichteter Hafen werde gebaut; für die Errichtung der Wellenbrecher brauche man eine Million Tonnen Felsen! Dicht vor Haifa befinde sich die neue Oelstation mit einer Fassungskapazität von 7 Millionen Gallonen Brennstoff, der von den Oelfeldern des Irak komme; die gewaltigen Tanks, Wahrzeichen der ganzen Gegend, seien mit dem Meer durch Röhrenleitungen verbunden; hier würden sich die Schiffe der Britischen Flotte mit Brenn- Stoff versehen; jede überhaupt nur mögliche moderne Einrichtung sei vorhanden. — Bei Mizpeh, wo Samuel 20 Jahre lang Richter über Israel war, sei jetzt ein moderner Flughafen, in dem die Flugzeuge aus London mit Post und Passagieren landeten. Städte und Dörfer seien mit guten makadamisierten Fahrstraßen verbunden, und allein in Jerusalem gebe es über tausend eingetragene Kraftfahrzeuge. Neue Eisenbahnlinien seien gebaut, und jetzt arbeite man darauf hin, Jerusalem und Haifa mit Bagdad durch eine Bahn zu verbinden, die nur britisches Gebiet berühren und mehrere hundert Meilen durch die Wüste gehen werde. An dem bisher öden Nordufer des Toten Meeres erstehe ein moderner Badeort sowie Industrieanlagen zur Ausbeutung der wertvollen Salze. Diese ganze Europäisierung des Landes habe sich innerhalb der letzten zehn Jahre, ja eigentlich erst in den letzten 5—6 Jahren vollzogen. Ein großer Teil der erzielten Fortschritte sei den Juden zu verdanken, die über 12Millionen Pfund ins Land gebracht hätten und noch jetzt jährlich über eine Million Pfuna ausgäben. So werde aus Palästina, das bisher nur ein Heiliges Land gewesen fei, jetzt auch ein fortschrittliches, rastloses, modernes Land. — Shepstone betrachtet also die Modernisierung Palästinas, die sonst häufig geteilten Empfindungen, wenn nicht reiner Ablehnung begegnet, ausschließlich als Vorzug. A. P. * Die in Washington erscheinende offiziöse Monatsschrift ״Soviet Union Review“ bringt einen Aufsatz ״Juden in der S o w j e t - U n i o n“, in dem natürlich alles in den rosigsten Farben geschildert und insbesondere Biro Bidschan als wahrer Garten Eden hingestellt wird. Einigen Wert haben vielleicht folgende Angaben. Während vor der Revolution nur 153 000 Juden als Industriearbeiter tätig gewesen seien, habe ihre Zahl 1931 300 000 betragen. Riesenwerke wie Magnitogorsk und Nishni-Nowgorod beschäftigten jetzt eine ständig wachsende Zahl jüdischer Arbeiter und überhaupt sei der wachsende Anteil der Großindustrie ein besonderes Merkmal der Entwicklung. Vor der Revolution seien nur 23 030, 1931 aber 179 000 Juden dort tätig gewesen. — In der Ukraine, wo 5,4 °,ö der Bevölkerung jüdisch seien, habe mail dank der Fonds von Komzet und Uzet 105 Grund- und Mittelschulen, ein landwirtschaftliches Institut, 32 Büchereien, 73 Dorflese- Stuben und Volkshäuser, 15 Kinderspielplätze (!!) errichten können; in der Krim, w׳o der jüdische Prozentsatz 5,16 der Bevölkerung betrage, seien 64 Grundschulen, 10 Dorflesezimmer usw. errichtet worden. Sowohl die Ukraine wie die Krim hätten national-jüdische Rayons; jene drei, diese einen.— Ueber die Landansiediung gibt der Aufsatz an, daß in der Ukraine bis Ende 1931 5739 jüdische Familien und in der Krim 2000 angesiedelt worden seien. Insgesamt betrage die in der Landwirtschaft tätige jüdische Bevölkerung der SU. 300000 Köpfe, gegen 52 758 vor der Revolution. 1933 seien in der Krim und der Ukraine allein 120 000 ha bestelltes Land von Juden in Betrieb genommen worden. Die Juden gewöhnteil sich schnell an die Landarbeit, und der Prozentsatz der Kollektivierung unter den jüdischen Landwirten sei groß; fast 100 <V0 in der Krim und der Ukraine und volle 100 «0 in Biro Bidschan. Biro Bidschan habe sich in den vier Jahren, seit die Sovvjetregierung es für die jüdische Ansiedlung bestimmt habe, dauernd entwickelt; 1930 seien dort sechs Sowchosen (Staatsfarmen) in Betrieb gewesen, von denen sich besonders zwei als erfolgreich erwiesen hätten, nämlich die eine für Getreide- und Sojabohnenproduktion und die andere für Reis. Biro Bidschan werde aber später nicht nur eine blühende Land- Wirtschaft besitzen, sondern auch gine große Industrie, enthalte es doch Hunderte von Millionen Tonnen von Erze■! und gewaltige Läger von Anthrazitkohlen und Graphit. * Die ״Revue de Paris“ bringt eine längere Novelle ״Les P1 e u r e u r s de Sion“, die im wesentlichen aus einer sehr farbigen Schilderung Jerusalems mit seiner vielgestaltigen Bevölkerung und aus einer eindrucksvollen psychologischen Dar- Stellung des Gegensatzes zwischen der alten und der 11 1en 'irdischen Generation, zwischen Klagemaucr-Jndcn und hauzim besteht. Jerusalem, 18. Juli. (J.T.A.) Das Ofaerrabbinat von Palästina sandte an die Angehörigen Lord Plumers ein Beileidstelegramm und beschloß, am Tage des Begräbnisses Lord Plumers in der Großen Synagoge einen Trauergottesdienst abzuhalten. High Commissioner, General W a u c 11 o p e, hat die Einladung zur Teilnahme zu diesem Gottesdienst angenommen. Die Jewish Agency for Palestine und der Waad Leumi sandten ebenfalls Beileidstelegramme an die Angehörigen Lord Plumers. #