Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVII (1932)
- Issue
- Heft 59 (26.7.1932)
- Date
- 1932-07-26
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 282 JÜDISCHE RUNDSCHAU י Nr. 59, 26. VH. 1932 " *'1־ die doch gerade durch ihren Wasserreichtum sich auszeichnet, mir ein ferner Traum. Und die Wirtschaft ging unter dem Druck, der auf höhere Ertrüge hinzwang und unter dem dauernden Experimentieren und Suchen der Siedler — in Kooperation mit den Sicdlungsinstanzen — ihren Weg vorwärts. Er führte zwangsläulig auf die Suche nach Wasser und zu seiner Ausruitzung. Die Oeschichte der drei alten Kwuzoth in der Jordansenke — Kinereth, Daganiah Aleph und Daganiah Beth — ist ein bunter und vielfältiger Roman, in dessen Mittelpunkt das Wasser steht. Die Entwicklung verlief durchaus nicht geradlinier. Erfolge wechselten mit Fehtschlägcn, aber das Resultat steht heute in voller Klarheit da: an die Stelle der Maultie rp u m p e in Kinereth, die Wasser aus dem Tiberias-See herausholte, ist ein riesiger, viele Kilometer langer Aquädukt getreten, der mehrere Wirtschaften zugleich mit Wasser versorgt, und aus dem Traum der zehn Dunam Oemüse wurden viele Hunderte Dunam bewässerter Pflanzungen, Gemüsefelder, Bananenblocks. Das Wasser hat den gesamten Betrieb, seine Arbeitsweise, seine Erträge, seine Perspektiven geändert, und der Prozeß ist noch lange nicht abgeschlossen. Er ist besonders auffällig in der Jordansenke, aber er zieht seine Spuren auch i״_ her Ebene Jesreel. Wasserbeschaffung, rationale Wasser- Wirtschaft — das ist ein überall sichtbares Symbol einer der Revolutionen in den Wirtschaften. II. Vom trockenen Getreidebau zum bewässerten Intensivbetrieb. Eine zweite Entwicklung, auch sie nur nach Jahren, kaum nach Jahrzehnten zu rechnen: Der Getreidebau, zu Beginn der Siedlungsarbeit eine ihrer Hauptstützen, ist aus seiner zentralen Stellung verdrängt und wird zu einem von vielen Betriebszwangen, oft nicht einmal zu einem bedeutenden. Zuerst richtete man sich in den Betrieben noch darauf ein, das gewonnene Korn in höherwertige Produkte wie Milch zu verwandeln. Das war die Zeit, in der Kiihe und Geflügel im Mittelpunkt des Interesses standen, wo man die Frage der Ställe, der Viehhaltung, des Transportes der Produkte, in den Einzelheiten studierte und schließlich trotz aller Rückschläge, Enttäuschungen, Zweifel und Hindernisse eine brauchbare Methode herausarbeitete. Heute ist auch dieses Stadium längst überwunden. Viele und neue Zweige sind in die Wirtschaft eingedrungen, haben sich eingebürgert, ausgebreitet, mehr Platz verlangt und den Getreidebau zu einem Zweig unter vielen gemacht. Neben Milch und Geflügel hat sich das Gemüse eingebürgert, die Banane bedeckt große Flächen und dringt über den einheimischen Markt ins Ausland, bewässerter Futterban gibt ganz neue Perspektiven, in der Gestalt der Grape-Fruit dringen auch die Zitruspflanzen in die Betriebe des Emek und der Jordansenke, und schon träumt man von neuen tropischen und subtropischen Pflanzen und Früchten. Während ein Experiment durchgeführt wird, werden schon neue geplant und vorbereitet. Was sich in den fetzten zehn Jahren in den Siedlungen vollzogen hat, ist eine klassische Intensivierung der Betriebe, die ihren Inhalt, ihre Produkte und ihre Gestalt von Grund aus ändert. Und der Prozeß ist noch längst nicht abgeschlossen, sondern kann jedes Jahr neue Ueberraschungen bringen, III, Vom Maultiergespann zum Traktor. Einer der wichtigsten Faktoren, die die skizzierten Um* ־Wälzungen ermöglichten, war die Einführung moderner und modernster Maschinen in die Landwirtschaft. Noch vor wenigen Jahren waren Maultiere und Pferde.ein wichtiges In* ventar, der Wirtschaft. Die Arbeit mit ihnen, vor allem das Pflügen, wurde nur erfahrenen Mitgliedern des Betriebes an* vertraut. Heute spielen sie kaum mehr eine Rolle, in Siedhingen, die jetzt gebaut werden, diskutiert man die Frage, ob es überhaupt ■lohne, einen Pferdestall zu bauen. Der T raktor hat sich das Feld erobert, die gesamte Arbeit, vor allem im Getreidebau und in der Vorbereitung der Felder, revolutioniert mul iiir einen ganz anderen Charakter gegeben. Das Tiefpflügen z. B. war früher eine der schweren Arbeiten, erforderte Geschicklichkeit, schwere Anstrengung und Zeit. Jeder lange irn Lande Ansässige kennt noch jenes Bild der acht oder zwölf vor einen Pflug gespannten Pferde oder Maultiere, die mit vieler Mühe und nocii mehr Geschrei zum Tiefpflügen angetrieben wurden. Heute erledigen das ein Traktor und zwei Mann in einem Bruchteil der Zeit ohne Anstrengung, ohne Geschrei und ohne Aufheben. Der Traktor und noch mehr der ״Combine“ (eine Maschine, die zugleich mäht, drischt und bindet) haben den Getreidebau nach amerikanischem Muster zu einer Art Nebenarbeit gemacht. Das Feld wird tief gepflügt, maschirr eil gesät und zur entsprechenden Zeit ebenfalls maschinell geerntet. Die Zahl der dazu nötigen Arbeitsstunden schrumpft auf ein Minimum zusammen, die Arbeitstiere scheiden fast völlig aus, und die Maschinen suchen sich Außenarbeit, die ebenfalls beträchtliche Verdienste abwirft. Durch diese Maschinisierung ist es möglich geworden, Arbeitskräfte in großerem Maße für die Intensivierung des Betriebes frei zu machen und gerade die schweren und zeitraubenden Arbeiten in weitem Maße zu vereinfachen. IV. Vom Vieh-Import zur einheimischen Züchtung. Wer kennt nicht die lange und oft sehr traurige Geschichte der Vieh-Importe für die Siedlungen Palästinas? Diese Historie allein würde ein Bild davon geben, welches Neuland man zu bearbeiten hatte, wieviel experimentelle Stadien zu durchlaufen waren, wie alle möglichen Voraussagen und Berechnungen fehlschlugen und wie sich schließlich doch durch eine Verbindung von Praxis und theoretischem Studium ein Ergebnis erzielen ließ. Mit dem Momente, wo sich die gemischte Wirtschaft vor die Notwendigkeit gestellt sah, das Getreide in hochwertigere Produkte zu verwandeln — also schon ziemlich früli — forderte das Problem der Schaffung einer hochwertigen Viehrasse eine Lösung. Mit der arabischen einheimischen Kuh war für eiie moderne Milchwirtschaft nichts anzufangen. Auswärtige Rassen einzuführen schien also der gegebene Weg. Damit war aber erst ein Schritt — und nicht einmal der wichtigste — getan. Denn die eingeführten Rassen mußten erst einmal dem Landesklima und den Landesverhältnissen angepaßt werden, man mußte sie gegen Krankheiten schützen, ihnen geeignete Ställe bauen, geeignetes Futter verschaffen. Die zentrale Aufgäbe war die Kreuzung der einheimischen Rassen, die das Klima gewohnt waren- und wenig Ansprüche an Unterkunft und Pflege stellten, mit den importierten hochwertigen Tieren, die eine hohe Produktion hatten, aber erst akklimatisiert werden mußten. Daß diese Aufgabe gelungen ist und die Kreuzungen Resultate geliefert haben, läßt sich am besten daraus ersehen, daß die Vieh-Importe zur Geschichte der Vergangenheit gehören. Diese kostspieligen und mühsamen Transporte, bei denen Oft genug eine große Zahl der gekauften Tiere einging, sind heute nicht mehr nötig. Auch für den Fall einer neuen Kolonisation In größerem MaBstabe sind die Wirtschaften ohne Mühe Imstande, das Material an Milchkühen aus dem Nachwuchs ihrer eigenen Ställe zu liefern. Es ist das ein Betriebserfolg erster Ordnung, der für die heutige und die künftige Siedlung ein wertvolles Plus darstellt. V, Vom Zelt zum Haus, vom Kostspieligen zum Billigen. Die große Bautätigkeit in den Siedlungen ist vielleicht gerade der Zweig der ״großen Revolution“, den auch das große Publikum verfolgt hat und der auch dem gelegentliehen Besucher am leichtesten in die Augen fällt. Schließlich drän״t es sich auch bei einem flüchtigen Besuch des Emek und des Jordantales auf, daß die Zelte verschwunden sind, daß auch die Baracken an sehr vielen Plätzen zu weichen beginnen und Dauergebäude, die den besonderen Bedürfnissen der Siedlungen entsprechen, an ihre Stelle getreten sind. Daß die umfassende Bautätigkeit, dje zu einem Teil aus den Geldern des nach den Unruhen 1929 gesammelten Hilfsfonds gespeist wurde, eine gewaltig: Erleichterung für die Siedler bedeutet, daß die Unterkurift Krankheiten verhindert und die Produktivität des Arbeiters hebt, ist einleuchtend. Es ist auch klar, daß gerade die Gebäude die äußere Erscheinung der Wirtschaften von Grund auf andern. Sie sehen — wenigstens von außen — ״fertig“ aus, wenn sie feste Gebäude haben. Eine Revolution, die mit den Bauten zusammenhängt, jedoch nicht auf den ersten Blick ins Auge springt und die für die weitere Kolonisation vvesentliehe Bedeutung hat, ist die Herabsetzung■ der Baukosten. Experiment, theoretisches Studium und der Druck der Not haben auch hier zusammengewirkt, um das Gegebene zu ändern. Man sucht nach neuen und billigeren Materialien — interessant ist z. B., daß jetzt Versuche mit Lehmziegeln angestellt werden, die den von den Fellachen verwendeten Baustoffen ähneln — versucht Arbeit, Raum, Material zu sparen, und es ist unleugbar, daß man heute nicht nur besser, sondern erheblich billiger zu bauen versteht als noch vor einem Jahrfünft. Innerhalb des Betriebes wirkt sich natürlich dieser Erfolg nicht in der täglichen Arbeit aus, wie das bei den anderen Aenderungen der Fall ist. Aber der Einfluß einer Bauverbilligung ist beträchtlich, weil die ״Gestehungskosten“ der Wirtschaft dadurch herabgesetzt werden, die Amortisation sich erniedrigt — kurz, daß man für billigeres Geld bessere Wohn- und Wirtschaftsbauten erhält. So schließt sich diese Umwälzung logisch an die Kette der anderen. * Wir haben hier aus der gewaltigen Umwälzung innerhalb der zionistischen Siedlungen in den letzten zehn Jahren einige Punkte besonders beleuchtet, weil sie ein charak* teristisches Bild der Gesamtrevolution geben. Man könnte die Liste ohne Mühe beträchtlich verlängern; denn es gibt vielleicht kein Arbeitsgebiet in den gemischten Wirtschaften, das sich nicht im Laufe dieses Jahrzehnts von Grund auf geändert hätte. Gemessen an den Fellachenwirtschaften waren die jüdisehen gemischten Betriebe sehon bei ihrer Gründung ״modern“. Ihre eigentliche Modernisierung im europäisch-amerikanischen Sinne haben sie jedoch erst in den letzten Jahren durchgemacht, und •der Prozeß ist, wie erwähnt, keineswegs abgeschlossen. Ueberall sind noch Verbesserungen vorzunehmen, neue Kulturen sind einzuführen — hier und da wird schon geträumt, versucht, verhandelt —, dieses und jenes ist zu rationalisieren, Nichtgelungenes auszuschalten, anderes zu vervollkommnen. Und die Art der Arbeit in den Wirtschaften deutet darauf hin, daß man sich nicht damit begnügen wird, den Prozeß dort abbrechen zu lassen, wo er heute steht. Man wird ihn weitertreiben. Die friedliche Revolution, die wir hier zu skizzieren versuchten, ist nicht etwa vollendet, sondern in vollem Gange. Es ist von Interesse, das letzte Jahrzehnt im Lichte dieser Revolution genauer zu untersuchen. Man wird dabei verschiedenste Faktoren am Werke sehen und beobachten, daß die Entwicklung durchaus nicht immer den Weg einschlägt, den man ihr vorschreiben wollte. Zugleich wird es wichtig sein, zu erkennen, wie sich diese Revolution finanziell ausgewirkt hat und noch auswirkt, inwieweit sie die Wirtschaften belastete und inwieweit sie ihnen die Basis zu einer Sanierung zu schaffen geeignet ist. Eine derartige Uebersicht ist nicht nur wichtig für die bestehenden Wirtschaften, sondern auch für den weiteren Weg unserer Siedlungsarbeit im Lande, der nur dann weiterführen kann, wenn er sich auf die bereits gemachten Erfahrungen stützt. Das endgOIHge Resultat der Kammerwahlen in Rumänien Die Jüdische Partei (Jüdische Reichsliste) erhielt insgesamt 66 308 Stimmen (2,11 "׳> der Gesamtstimmenzahl). Bei der Berechnung des prozentuellen Anteils der Jüdischen Partei an den in einzelnen Wahlkreisen abgegebenen Stimmen haben sich gegenüber den ersten inoffiziellen Kalkulationen kleine Ver- Schiebungen ergeben. Demzufolge wird die Jüdische Partei neben den sicheren Mandaten in Marmorosch, Czernowitz und Chotin nicht, wie ursprünglich berechnet, in Beiz und Storojenetz, sondern in Soroca und Radautz Mandate erhalten. Gewählt erscheinen neben Dr. Fischer, Dr, Mayer Ebner und Michael Landau ,in Soroca Adv. Misu W e i ß m a n n und in Radautz an Stelle des bisherigen Deputierten Reifer Dr. Ligeti. Auf den Listen anderer Parteien wurden folgende Juden gewählt: Nandor Hegedus, Mitglied der Jewish Agency, auf der Liste der magyarischen Partei Solomon Rosenberg- Kischineff (Nationalzaranist), Aureliu Weiß, Präsident der Loge Noua Fraternitate“ in Bukarest (Nationalzaranist) und Lotar Radaceanu-Czernowitz (Sozialdemokrat). In den Senat werden auf Grund des Ergebnisses der am 20■ Juli durchgeführten Wahlen neben dem dem Senat als Virilist angehörenden Vertreter des jüdischen Kultus Dr. I. Niemirower, Oberrabbiner von Altrumänien, folgende jüdische Vertreter einziehen: Moise Z i p s t e i n - Tighina (Nationalzaranist) und Emil D. Fagure, Redakteur der Bukarester Abendzeitung ״Lupta“ und Mitglied der Jewish Agency, ebenfalls als Angehöriger der nationalzaranistischen Regie* rungsmehrheit. Als Vertreter der Moldauer Handelskammern wird entweder Generaldirektor W. Dinermann oder Groß* industrieller Many Fildermann* Bacau fungieren. Früher bereits wurde, wie schon gemeldet, der bisherige Senator Großindustrieller Max Auschnitt, der in der zweiten Galatzer Industriesektion ohne Gegner kandidierte, zum Senator proklamiert. Werbung auf Reisen Zar A.<(USIinm| Von Heinrich WoznianskI, Berlin. Die Wechselbeziehungen zwischen Palästina und dem Galutli finden äußerlich immer stärkeren Ausdruck in der Kurve der Besuchsziffern hüben und drüben. Heute, wo das fnteresse für Palästina aus den verschiedensten Ursachen einen aktuellen Antrieb erhält, ist die Förderung der Alijah durch das Mittel der persönlichen Fühlungnahme für Propagandazwecke ln Rechnung zu setzen. Es wird als ein Mißstand empfunden, daß die Anwesenheit von palästinensischen Be- Suchern, im Galuth für diesen Werbezweck nicht genügend ausgenützt, insbesondere , daß sie den heimischen Interessenten und Zionisten, die einen persönlichen Kontakt mitdiesem oder jenem Gast aus Palästina such en, überhaupt nicht be* kannt wird. Mein Vorschlag geht dahin, daß nach dem Muster einer Einrichtung, wie sie bei den überseeischen Schiffahrtsgesellschäften besteht, die ankommenden Palästinenser sich in einem ständig dafür auszulegenden ״Gästebuch“ eintragen. Das Gästebuch wäre zweckmäßig beim ,,Palestine Lloyd“ aufzulegen und diesem die Verpflichtung zu übertragen, die Meldungen regelmäßig an die Z. V. f. D. weiterzuleiten, wo unter Umständen ein zweites Gästebuch präsent sein sollte, vorwiegend für durchreisende Zionisten aus dem übrigen Ausland. Die Z. V. f. D. hätte die Einrichtung zu treffen, daß mit den auswärtigen Besuchern für die Dauer ihres hiesigen Aufenthalts Treffzeiten und -punkte arrangiert werden und in der ״Jüdischen Rundschau“ eine ״Gäste-Tafel“ als ständige Rubrik einzuführen. Die Maßnahme wäre später auf andere Plätze, insbesondere auf Kurorte auszudehnen. Natürlich müßten Presse und Touristenbüros in Palästina und im sonstigen Auslande diesen Gedanken bei den Reisenden populär machen, vielleicht erscheint seine sinngemäße Uebertragung für Palästina hinsichtlich der Ankömmlinge aus dem Galuth angezeigt, und die Exekutive sollte diese Vorschläge in entsprechender Weise für die einzelnen Länder abwandeln. Die bevorstehende A.-C.-Sitzung dürfte die beste Gelegenheit bieten, um mit diesen Anregungen einen praktischen Versuch zu machen, da ja alsdann eine Anzahl von Delegierten aus Palästina nach Europa kommen und die Teilnehmer aus dem Osten ihren Weg über Deutschland zu nehmen pflegen. Beobachtungen auf einer Palästinareise und Gespräche mit Touristen leiten zu dem Urteil, wie wenig die lange Schiffsreise und die Spannungen des Reisenden, die in ihnen das erwartete Erlebnis Palästina erzeugt, propagandistisch ausgenutzt werden. Wie stark empfindet man doch die durch eine innere Regie improvisierten Chöre und Tänze von heimkehrenden Chaluzim, wenn einem das Reisegiück widerfährt, mit einer solchen Gruppe von. Menschen die Reise teilen zu können? Sonst aber fehlt jegliehe Organisation, jegliche Regie auf den Schiffen hinwärts und rückkehrend, die die aufgelockerte Empfänglichkeit von Menschen in Hochstimmung zum Angriffspunkt einer propagandistischen Idee, die sich um unser Aufbauwerk gruppiert, nimmt. Turno wsky beklagt bereits,in Nr. 70/1931 der Rundschau ״. . . daß die erzwungene Konzentration auf den Schiffen für eine systematische Werbung nicht ausgenutzt wird . . Es gibt zwar eine Anweisung an die Palästinaämter, Vertrauensleute auf den Schiffen zu bestellen, die den Verkehr mit Palästina vermitteln. Diese Anweisung der Exekutive geht aber an der propagandistischen Aufgabe solcher Vertrauensleute gänzlich vorbei; aber auch in ihren sonstigen Absichten lebt sie nur auf dem Papier. J3abei führt die lebhafte Reisebewegung fast auf jedem Dampfer Palästinakenner und Persönlichkeiten, die Vorträge, informative Veranstaltungen über das Aufbauwerk und über Investierungsmöglichkeiten, über Reiseprogramme im Lande organisieren könnten. Man kennt sich aber nicht auf dem Schiff, wo oft Palästinafreunde aus aller Welt zusammengewürfelt sind, und es ist nicht jedem gegeben, Reisebekanntschäften nach dem Rezept vom Scholem-Aleichems Kaßribwker Reisetypen ״. . . Vun wannent is a Jid, vun wu fohrt a Jid?“ anzuknüpfen. Die Herstellung persönlicher Bekanntschaften und die Pflege eines lebendigen Konnexes zwischen den reisenden Zionisten vermag eine elementare Einrichtung zu gewährleisten, wie sie auf den Dampfern gang und gebe ist, nämlich die Auflegung von Passagierlisten, die sich allerdings bisher nur auf die I. und II. Klasse erstreckt. Die Exekutive dürfte es bei den Schiffsgesellschaften ohne weiteres erreichen, daß das Vorrecht einer kapitalistischen Welt- und Schiffsordnung auf den Palästinadampfern auch den Reisenden III. Klasse zugute kommt. Schon mit so einfachen Mitteln würde man es fast automatisch erreichen, die Arrangierung von Veranstaltungen zu erleichtern geeignete Referenten und Palästinakenner dafür ausfindig zu machen. Einige der Passagierlisten sollten die europäischen Palastinaämter in den Ankunftshäfen erhalten und sie an die Landes- Organisationen überweisen, sie würden als Ergänzung des Materials für das ״Gästebuch“ dienen, vielleicht auch für statistisehe Zwecke ausgewertet werden können, ln Palästina sollten aber die Listen vom Zionistischen Informationsbüro für Touristik, dessen gute Arbeitsweise mit den beschränkten Mitteln hervorgehoben werden, aber durch Errichtung eines eigenen Büros in Tel-Aviw erweitert werden muß, im Sinne einer systematischen Erfassung der Ankömmlinge für die Werbung benutzt werden. Bei den vorstehenden Anregungen handelt es sich um techniseh leicht durchzuführende Verbesserungen, die mit einem geringfügigen Aufwand in Gang zu bringen sind. Daneben aber muß eine systematische Werbung auf den Palästinadampfern durchorganisiert werden. Wer den Apparat etwa eines K.-H.״ Werbefeldzuges in einer beliebigen Stadt kennt, all die unendliehen Mühseligkeiten und Anspannungen von Rednern und Helfern durchkostet hat, um abseits sich haltende und ״zugeknöpfte“ Menschen zu erfassen und zu bewegen, und dies mit den fragwürdigen Ergebnissen einer solchen Kampagne in Be- Ziehung setzt, dem bleibt es unverständlich, warum die allein schon durch, die ״erzwungene Konzentration“ auf dem Schiff sich ohne weiteres darbietende, aufnahmebereite Masse von Palästinatouristen von der Propaganda geradezu geflissentlich vernachlässigt wird. Und dabei ist eine solche Kampagne gänzlieh risikolos: der drive kostet keine Saalmiete, erfordert keine Annoncen, Plakate, Drucksachen, Porti; es ist auch kein Risiko vorhanden, daß diejenigen, die man gerufen hat, nicht kommen, una daß diejenigen, die kommen, womöglich nicht berufen sind, zu hören, sondern zu stören; auch keine Lichtbilder oder Filme brauchen als Zugmittel angewendet zu werden, die Suggestion des lebendigen Gesichts von Palästina schwebt jedem vor dem geistigen Auge als Lichtbild vor und vibriert noch stärker in der Rückerinnerung der Zurückkehrenden. Diese Stimmung gilt es auszunutzen durch ״Werbung auf Reisen“. In diesem Zusammenhänge an die von Turnowsky in dem angezogenen Artikel angeregten Fragen der ״Werbung durch Reisen“ eindringlich zu erinnern, gebietet die neue Alijah-Tendenz. Die A.-G-Sitzung sollte sich mit den Methoden von organisierten Propagandareisen nach Palästina eingehend befassen und diese nüchternen Wirtschaftsdinge nicht etwa als ״minima non curat praetor“ von sich abtutL , t.