Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVII (1932)
- Issue
- Heft 59 (26.7.1932)
- Date
- 1932-07-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Verkannte Probleme der Bodenpolitik Einzelnummer 0,2$ Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag u.Freitag, Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldtnark, vierteljährlich 5.75 Goldmark. Aiislandaahonnements werden in der Währung der einzeln«! Linder berechnet. Anzeigenpreis: 8 geep. Nonpereilleeeile 0,50 G-M. SteHengesuche 0,25 G,-M. Nummer M I Berlin, 26. VIL 1932 ■■■■■■■■mmmaiaJmaammemimmumeHi Redaktion, Verlag und Anzeigen-Verwaltung: Jüdische Rundschau G. m. b. H., Berlin W15, Meinekeatr.10. Telefon: J1 Bismarck 7165-70. Am«ic*n«ch}uft: Di a«t g and Freitag scchaittag• 4 Uhr Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Fonicheck - Konten : Berlin 17392, Basel V 9355♦ Belgrad 68032, Brüaael 39433, Budapest 59693, Danzig 1973, Haag 140 470, Prag 59410, Riga 4155, Strasburg 16430, Warschau 190708, Wien 156030. Bank - Konten : Darmstädter- und Nationalbank, Depositen ־ Kasse Berlin, KcrHüratendamm 52; Rumänische Kreditbank, Cemauti (Rumänien); Anglo Paleatine Co. in Haifa, Temaalem, Tel-Aviv. Oer ziowiimu» erstrebt Mir aas iUcIfache Volk die Schattuwg einer «Henlllcli. rechMIch aealcHerten Heimstätte ln Palästina. ״Baseler Programm.* Das Ende einer Epoche? Rückwirkung auf die jüdische Situation Die jüdische Welikonferenz Für die Jüdische Wcltkonferenz, die am 14. August in Zürich beginnt, liegen bisher die folgenden Zusagen vor: Aus Amerika werden etwa 30 Delegierte erwartet, unter ihnen acht als V ertreter der Zionistischen O rganisation, die übrigen als Vertreter des American Jewish Congress und der ihm angeschlossenen Organisationen. Aus Polen kommen Vertreter der Gemeinden Warschau und Wilna, ln Ost- und Westgalizien werden Konferenzen stattfinden, die von den Großgemeinden einberufen werden, um Delegierte zu bestimmen. Ferner sind aus Polen angemeldet Vertreter des Klubs der jüdischen Sejmdeputierten, des jüdisehen Nationalrats, der Verbände der Kaufleute, der Kleinhändler und der Handwerker. In Litauen und Lettland werden ebenfalls Landeskonferenzen die Wahl der Delegierten vornehmen. Aus Estland wird sich die autonome jüdische Kulturverwaltung an der Weltkonferenz beteiligen. Aus Ruminien werden Vertreter der Jüdischen Partei der vier Landesteile (Altrumänien, Transsylvanien, Bukowina und Bessarabien) an der Konferenz teilnehmen. Aus der Tschecho- Slowakei liegen Zusagen der Jüdischen Partei, sowie des Gemeindeverbandes der Slowakei, ״Jeschurun“, vor. Aus Deutschland nehmen die Jüdische Volkspartei, der Reichsverband der ostjüdischen Organisationen, sowie einige andere Organisationen an der Konferenz teil. Holland wird durch den Verband ״Israel“ vertreten sein. Aus England liegen Zusagen der Federation of Jewish Relief Organisations, sowie der Großloge des U.O. B, B. vor. Aus Frankreich wird das Comite des Delegations juives durch eine größere Delegation vertreten sein, ferner entsenden Delegierte die Federation des Soeiete Juives de France, sowie Emigdirect. Oesterreich wird durch die Jüdische Volkspartei, sowie die Jüdische Völkerbundliga vertreten sein. Aus Finnland kommen Delegierte der Jüdischen Gemeinde Helsingfors. Palästina wird vertreten durch eine Delegation des Waad Leumi, sowie der palästinensischen Großloge Bnei Brith. Ferner werden Delegationen aus Jugoslawien, Bulgarien, Spanien, Griechenland, Aegypten, Belgien und der Schweiz teilnehmen. Insgesamt werden 80 bis 100 Delegierte erwartet. * Der American Jewish Congress hat sowohl an die Arbeitsgemeinschaft der Landesverbände jüdischer Gemeinden Deutschlands, als auch an die einzelnen Landesverbände jü- Einladungen ergeben־״‘!»*«», Belegter!«: zu der am 14. August beginnenden jüdischen Weltkonferenz zu entsenden. An die Jüdische Gemeinde Berlin, wie überhaupt an Einzelgemeinden, sind Einladungen nicht ergangen. Sowohl die Reichsarbeitsgemeinschaft, als auch der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden und die übrigen jüdischen Landesverbände in Deutschland haben beschlossen, keine Delegierte zu der jüdischen Weltkonferenz zu entsenden. Der Deutsch-Israelitische Gemeindebund hat auf die Einladung geantwortet ,daß der D. LG. B. der Konferenz großes Interesse entgegenbringt, aber sich nicht entschließen konnte, Vertreter zu entsenden. Bukarest, 21. Juli. (J. T. A.) Die rumänische Großloge des U.O. B. B. hat zur Frage der Jüdischen Weltkonferenz Stellung genommen. Während ein Teil der Mitglieder der Großloge mit dem Präsidenten der Arader Loge ״Qr“, Tibor von Adler, an der Spitze, die Idee eines jüdischen Weltkongresses begeistert begrüßte und verlangte, daß der Orden bei der Vorbereitung des Kongresses eine führende Rolle übernehmen solle, warnte ein anderer Teil der Mitglieder vor den Gefahren eines solchen Kongresses in diesem Augenblick. Der Präsident der Großloge, Landesrabbiner Dr. L Niemirower, nahm einen vermittelnden Standpunkt ein. Seinen Vorschlägen entsprechend wurde beschlossen, von einer Beteiligung an der bevorstehenden Konferenz abzusehen. Damit wolle der Orden jedoch keineswegs eine grundsätzlich ablehnende Haltung zur Frage eines jüdischen Weltkongresses einnehmen. Er sei vielmehr bereit, die Beschlüsse der Züricher Konferenz einer eingehenden wohlwollenden Prüfung zu unterziehen, um dann endgültig zu den auf der Konferenz behandelten Problemen Stellung zu nehmen. Die chemischen Werke am Toten Meer London ,22. Juli. (J. T. A.) Am 21. Juli wurde in London die zweite Generalversammlung der Palest ine Potash Company abgehalten. Die Tagung wurde in Vertretung des Präsidenten Lord Lytton, der sich gegenwärtig in China aufhält, von Oberst David Lyell geleitet. Von den übrigen Mitgliedern des Direktoriums nahmen an der Tagung Ing. N o v 0 111 e y s k v , Tu 11 oc h , Harry Sacher und Lord Glenconner teil. Aus dem der Versammlung vorgelegten Bericht geht hervor, daß das Direktorium den. Ausbau der Werke am Toten Meer zur Gewinnung von Pottasche und Brominen ins Auge gefaßt hat. Ing. Novomeysky hielt ein Referat über die Tätigkeit der Gesellschaft im letzten Jahre. Die gesamte bisherige Produktion an Pottasche und Brominen wurde in England abgesetzt. Obwohl die Arbeit im abgelaufenen Jahre bloß im kleinen Maßstab durchgeführt wurde, habe es sich doch gezeigt, daß die Produkte der Gesellschaft, sowohl was Preis, als auch was Qualität betrifft, den Wettbewerb mit den Produkten anderer Gesellschaften aufnehmen können. Den Plänen des Direktoriums entsprechend, soll nunmehr die Tätigkeit der Gesellschaft auf breitere Grundlage ge - stellt werden. Das von den gegenwärtigen Aktionären im Laufe des letzten Jahres für den Ausbau der Werke neu gezeichnete Kapital beträgt 39 000 Pfund, ln den Werken sind gegenwärtig fast 400 jüdische und arabische Arbeiter beschäftigt. Arabische und jüdische Arbeiter leben miteinander im besten Einvernehmen, auch die gesundheitlichen Verhältnisse sind zufriedenstellend. In den letzten zwei Jahren ist kein Falt einer Erkrankung an Malaria vorgekommen, ״Die Revolution ist am! Was an diesem iS. Brumaire in Saint-Cloud geschehen ist, weiß ich nicht . . , Heute abend sind wir noch Brüder, aber morgen sind Sie der Herr und ich der Diener.“ Strindberg ״Historische Miniaturen" Kurz bevor diese Zeilen geschrieben wurden, ist die Ent- Scheidung des Reichsgerichts in Leipzig über den Erlaß einer einstweiligen Verfügung betreffend die bisherigen Maßnahmen der Reichsregierung in Preußen gefallen. Da es sich nur formell um eine verfassungsrechtliche Angelegenheit, in Wirklichkeit aber um eine machtpolitische Sache handelte, hat das Reichsgericht, wenn auch verbrämt mit kritischen Bemerkungen und juristischen Einwänden, nicht umhin können, die geschaffenen Tatsachen gelten zu lassen. Mit dieser Entscheidung hat, wenn nicht alle Zeichen trügen, für einen längeren Zeitraum ein neues Kapitel preußischer und deutscher Geschichte begonnen. Zwar heißt es allgemein, daß erst der Ausfall der Reichstagswahlen vorn 31. Juli die entscheidende Zäsur in der deutschen Innenpolitik bedeuten wird, Menschlicher Voraussicht nach kann sich jedoch durch das wahrscheinliche Ergebnis dieser Wahlen kaum etwas ändern. Die zwei großen Lager, rechts und links, werden vermutlich wie bei den Preußenwahlen einander die Waage halten, und das entscheidende Zünglein wird durch die Kommunisten verkörpert sein. Dies ist eine Situation, die die jetzt im Amt befindliche _Regierung Papen-Schleicher als moralische Rechtfertigung ansehen wird, provisorisch am Ruder zu bleiben. Nach einem französischen Wort aber gibt es nichts Dauerhafteres als ein Provisorium, namentlich wenn es sich auf die Machtmittel des Staates zu stützen vermag. Die Frage, ob sich im Laufe der Ereignisse eine Koalitions-Kombination mit Hinzuziehung der Nationalsozialisten ergeben wird, steht natürlich im Vordergründe. Sollte es dazu kommen, dann werden die Nationalsozialisten, vielleicht in Verbindung mit dem Zentrum, Hauptträger der einzelnen Ressorts in Deutschland und in Preußen werden, und darüber wird als wichtigster Faktor die überparteiliche Staatsmacht, repräsentiert in.Reichs- Präsident und Reichswehr, thronen. Sollte sich jedoch in absehbarer Zeit ein Zusammengehen zwischen Nationalsozialisten und Zentrum als unmöglich erweisen, so wird alles bleiben, wie es ist, und Träger der Macht werden die Männer sein, die jetzt im Reiche und in Preußen den Ton angeben und die ihre stärkste Stütze in der Duldung durch die Nationalsozialisteil haben. Man darf sich über die Sachlage nicht hinwegtäuschen. Die Nationalsozialisten sind virt u e 11 oder, wenn es zu einer Koalition kommt, reell regierungsfähig und ihre Gedankengänge bestimmen die Grundzilge der deutschen Politik. Man darf allerdings auch nicht übersehen, daß es in Deutschland eine starke Linke gibt, die jedoch — man denke an die Weltwirtschaftskrise, an die ungeklärten außenpolitischen Verhältnisse, an die ungeheure Arbeitslosigkeit — in! Augenblick in ihrer Kraftentfaltung behindert ist. Vorläufig ist in Preußen das Regime der Weimarer Koalition nicht mehr vorhanden. Damit ist eine Epoche zu Ende gegangen, die die Umstellung der inneren Venva!־ tung und der Polizei Preußens auf den Gedanken und den Dienst der Republik bedeutet hat. Ein Jahrhundert lang hatten preußische Verwaltung und Polizei als die ausgeplagtesten Typen reaktionärer Gesinnung und Betätigung gegolten. Aus diesen Institutionen ein modernes republiKanisch-demokratisches Staatsgebilde zu schaffen, war keine Kleinigkeit. Dieser äußere Rahmen bot der jüdischen Gemeinschaft die Möglichkeit — man hat diese leider nicht genützt — ihre Organisationen auszubauen und ihrer Eigenart gemäß ihr Leben einzurichten. Für uns Juden bedeutet die Kursänderung jedenfalls, ohne daß wir, solange die National- Sozialisten nicht allein oder in Verbindung mit anderen Parteien in den entscheidenden Ministerien sitzen, eine formale Aenderung der Rechtslage für möglich hielten, den Abschluß eines Zeitraumes, in welchem an der Spitze der Staatsvervvaltung Männer standen, die, wenn auch nicht mit der richtigen Die friedlidie Revolution Von unserem palästinensischen Korrespondenten. Unser palästinensischer Korrespondent wird in einer Serie von drei Artikeln die bemerkenswerte Entwicklung der vom Keren Hajes, sod begründeten und finanzierten Siedlungen behandeln. Diese Siedlungen, vor allem im Emek Jesreel und in der Jordansenke bef indlich, haben jahrelang alle Aufmerksamkeit der zionistischen Bewegung auf sich gezogen, in den letzten Jahren aber wurde ihre Entwicklung weniger verfolgt, und gerade in dieser Zeit sind, wie unser Korrespondent zeigt, wesentliche Wandlungen vor sich gegangen. Wir bringen nachstehend den ersten der drei Berichte. Red. gl. Td-Awhv, 12. Juli 1932. Der Konjunktur entsprechend hat die Information und Propaganda, die das Ausland über Palästina informiert, drei Zentralpunkte für ihre Berichterstattung herausgefischt, um die jeder Bericht rotiert. Sie heißen: Zitrusplantagen, Häuserbau, städtische und industrielle Entwicklung. In dem Wirbel, der durch diese Richtung erzeugt wird, verschwinden nicht nur Ideen früherer Jahre, sondern auch Errungenschaften der Jetztzeit. So konnte es geschehen, daß sich in den Siedlungen der Zionistischen Organisation, die früher selbst den Zentralpunkt zionistischer Propaganda und Information bildeten, ein völliger Umschwung der Betriebe vollziehen konnte, ohne daß die Odfcntlichkeü des Land« und Auslandes viel davon Notiz Einsicht in das Wesen des Judenproblems, bemüht waren, gegenüber den jüdischen Staatsbürgern gleiches Recht and gleiche Be- Wertung gelten zu lassen. Das Kabinett Braun repräsentierte keineswegs, wie die nationalsozialistische Haßpropaganda mit großem Erfolg hei den verhetzten Volksmassen zu behaupten pflegt, ein ״Juden-Regime**. Aber diese Regierung hat verstauden, daß der jüdische ßevölkerungsteil Preußens in deii vorangegangenen Jahrzehnten trotz des geltenden gleichen Rechtes vor den Gesetzen schwer benachteiligt war. Das Kabinett empfand es darum als innere Verpflichtung, nicht nur wirklieh gleiches Recht auch gegenüber den Juden gelten zu lassen, sondern befrachtete es als eine Ehrensache, begangenes Unrecht gutzumachen. Es stellte sich auf den leider in Deutschland nicht selbstverständlichen Standpunkt, daß hinsichtlich der Juden zwischen geschriebenem Gesetz und praktischer Anwendung dieses Gesetzes keine Diskrepanz zu bestellen habe. Eine derartige Haltung ist bei Ministem in westeuropäischen Ländern selbstverständlich, und ein Abweichen von ihr würde als Unrecht erachtet werden. In Deutschland jedoch muß eine derartige Stellungnahme besonders hervorgehoben werden, namentlich wenn diese Minister die ersten in Deutschland gewesen sind, die mit dem Prinzip wahrer Gleichberechtigung Ernst gemacht haben. Brauns und Severings Haltung zur Judenfrage kam sichtbar in der vertrauensvollen Mitarbeit mit jüdischen Beamten in repräsentativer Stellung zum Ausdruck. Ihre Absetzung hatte, was keineswegs unbedingt sein mußte, die Entfernung der meisten in hervorragender Stellung befindlichen jüdischen Beamten in Preußen zur Folge. Diese jüdischen Beamten waren nicht wegen und nicht trotz ihres Judentums in die Stellungen gelangt, die sie bekleideten. Einige sind nicht einmal parteipolitisch abgestempelt. Daß sie jedoch fast alle im ersten Anhieb vom neuen Regime gefällt wurden, läßt die Vermutung aufkommen, daß es sich bei den neuen Männern nicht nur darum gehandelt hat, ״Parteibucl1“-Beamtc zu eliminieren. Als symptomatisch kann eine Aeußerung des preußischen Kommissars Dr. Bracht in einem Interview am 24. d. M. angesehen werden, daß ,,nunmehr nicht beabsichtigt ist, zurzeit weitere Beamte abzuberufen, weil man nicht im entferntesten daran‘ denkt, der verfassungsmäßigen Regierung vorzugreifen“. Die kommissarische Verwaltung des Landes werde, sagte Bracht weiter, in dem Augenblick ihr Ende finden, in dem es gelingt, geordnete parlamentarische Verhältnisse herzustellen und ihn durch eine vom Landtag gewählte Regierung zu ersetzen. Diese Regierung wird nur noch sehr wenig jüdische Beamte vorfinden, die sie in ’die Wüste der Beurlaubung zu schicken vermag. Uns bleibt im Augenblick nur übrig, mit größter Achtsamkeit den weiteren Verlauf der Entwicklung zu verfolgen. Wir haben leider Gründe genug, den offiziösen Beruhigungserklärungen nicht ohne weiteres Vertrauen entgegenzubringen. Wenn unbehindert an den Rechtsgrundlagen gerüttelt werden kann,dann macht sich auch allgemeine Unsicherheit geltend. Wir warten ab, ob die gegenwärtige Regierung die Kraft haben wird, den Juden das Gefühl der Unsicherheit und Bedrohung zu nehmen* Ein Jahrzehnt lang gaben sich viele Juden der Täuschung hin, als ob die formelle Emanzipation der jüdischen Gemeinschaft in Preußen tatsächlich Wirklichkeit werden könnte. Das Trügerische dieser Vorstellung ist nun offenbar. Neue geistige Strömungen und neue Auffassungen von Staat und Volkstum drängen an die Oberfläche. Die jüdische Gemeinschaft wird endlich zum Bewußtsein der wahren Situation gelangen. Wir geben den Kampf um unser Recht als Menschen und Juden in diesem Staate nicht auf. Wir rücken hierbei Gedankengänge organisatorischer Zusammenfassung der jüdischen Gemeinschaft und der jüdischen Selbsthilfe in den Vordergrund. Der Prozeß der Umwertung der bisher gültig gewesenen politischen Werte ist im vollen Fluß. Ein neuer wichtiger Abschnitt beginnt. Soweit wir nationalbewußten Juden in Frage kommen, haben wir diese Entwicklung kommen sehen und sind gedanklich, gefühlsmäßig und auch in unseren Vorstellungen gerüstet ,in den kommenden Tagen auf der Wacht unserer Rechte als Gemeinschaft zu stehen, a. h. nahm. Was in diesen Wirtschaften vor sich ging, ist nicht mehr und nicht weniger als eine völlige Revolution früherer Begriffe, Arbeitsweisen und Betriebsmethoden; eine Revolution, die noch immer in vollem Gange und im Begriffe ist, den Siedlungen ein ganz anderes Gepräge zu geben. Wollte man diesem Umschwung im einzelnen nachspüren, so müßte man einen umfassenden Bericht über jeden einzelnen Wirtschaftszweig, seine Entstehung und seine Geschichte geben. Betriebswissenschaftlich wäre das eine lockende Aufgabe. Um jedoch einen Ueberblick über den Weg der Entwicklung zu erhalten, genügt es, hier einige Tatsachen herauszugreifen, die als besonders charakteristisch und interessant in die Augen fallen. I. Vom Schöpfrad zum Motor und Aquädukt. Es ist noch gar nicht so lange her — man braucht nicht einmal nach Jahrzehnten zu rechnen — da schöpfte man in Kineretli das für die Siedlung nötige W'asser mit einer Maultierpumpe aus dem See. Mau brachte in der Jordansenke Wasser für Menschen und Vieh mit Wagen heran. Schon damals wußte man, daß Wasser der Lebensnerv der Wirtschaft ist, daß ein auskömmliches, europäisch basiertes Leben mit den alten Methoden der einheimischen Landwirtschaft nicht zu erreichen sei. Aber zehn Dunam Gemüse, die eine Bewässerung verlangt hätten, waren zu Beginn der. Siedlung in der Jordansenke, IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIMÜIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIMIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIItlllllilllllllllllllllllllllllllllllllllllll|l||||||||)||l[|||||t|||||||||[||||||||||||||||||l|t||||||||||||llllln1n1lllllllllllllllllllllllllllllltllllllllltlllllHIIIHIIIIIUIIIHIH