Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVII (1932)
- Issue
- Heft 58 (22.7.1932)
- Date
- 1932-07-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 58, 22. VH. 1932 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 277 Es warf ihn aus seiner Bahn. Angesichts solcher Tatsachen war er zu einem Kompromiß bereit. Palästina rückte in die Ferne, man mußte eine andere Lösung ins Auge fassen. Er begann mit der englischen Regierung Verhandlungen, die sich um El-Arisch auf der Halbinsel Sinai drehten. Er dachte an die Insel Cypern. Er ging nach Kairo. Alles zerschlug sich, da .... Da kehrte der große Chamberlain von einer Afrikareise zurück. Vor langer Zeit schon war der Engländer auf den Juden aufmerksam geworden. Chamberlain schlug HerzI vor, mit den Seinen nach Ugunda zu gehen und es zu kolonisieren. HerzI sagte nicht nein. Aber dann! Dann gab es einen schönen Tumult auf dem sechsten Kongreß, der sich, ich weiß nicht wo, versammelte: Statt des Gelobten Landes die Negersteppe? ״Die Juden“, sagte Andre Spire, ״zerrissen ihre Kleider, weinten, auf die Erde gekauert, knirschten mit den Zähnen.“ Jeremias schleuderte seinen Fluch gegen HerzI. Mit bleichem Gesicht steht Theodor HerzI aufrecht da. Er spricht sanfte Worte, um die Herzen zu beruhigen. Er ein yerräter? O, meine armen Kinder! Und er spricht das feicrliehe Bekenntnis der Liebe zum Vaterland, und alle sprechen mit ihm, wie einst ihre Väter, als sie in die Gefangenschaft zogen, mit erhobener Hand den Schwur der Hebräer: Wenn ich dein vergäße, o Jerusalem! Möge meine Rechte verdorren, Möge .... Der Sturm, der sich gegen HerzI gehoben hatte, fegte sich nicht.. Mit dem Ruf: ״Tod dem Afrikaner!“ wurden in Paris auf seinen Helfer Max Nordau zwei Revolverschüsse abgegeben. HerzI, schon krank, flieht doch nicht vor dem Sturm. Er reist nach Rom. Er will die Sache der Juden im Quirinal und im Vatikan Vorbringen. Er geht zu Tittoni, zu Merry dei Val. Er geht zum König. Er geht zum Papst! Er kehrt nach Wien zurück und ruft das große Aktions- Comite zusammen. ״Nein, meine Kinder״, erwidert er den Verbohrten, die ihm immer wieder ״Afrikaner!“ zurufen, ״ich werde euch nicht verraten, ihr dürft mir glauben! Schaut mich an, ich bin ein Sohn Zions!“ Als die Sitzung zu Ende war, ging HerzI nach Hause. Er atmete schwer. Auf ein Blatt Papier schrieb er: ״Mitten im Leben kommt der Tod.“ Er ließ das Blatt auf seinem Schreibtisch liegen und reiste ab .... um in Edlach zu sterben. Er war vierundvierzig Jahre alt. HerzI ist tot. Sein Traum lebt! Von der Heimkehr ins Judentum Gedanken zu HerzI« Todestag A. P. In allen Wechselfällen der Geschichte unserer Bewegung haben die Gedanken Theodor Herzis ihren unverlierbaren Wert beibehalten. Ein seltener Reiz geht von ihnen aus, auch dort, wo sie durch veränderte Zeit- und Weltumstände nur mehr historischen Wert haben. Aber lebendig und aktuell im höchsten Sinne bleiben Herzis Worte von der Judenfragc und sie werden in unseren Tagen in einem Ausmaß bekräftigt, das wahrscheinlich auch er sich niemals vorgestellt hat. Was ist der ״Judenlärm in Frankreich von 1895, der ihn vom Schreibtisch seiner Arbeitsstube aufschreckte“ gegenüber der furchtbaren Lage unseres Volkes in der ganzen Welt von 1932? Wer hören wiö Und Herzis Worte noch nicht kennt, den Werden sie nicht weniger erschüttern, als sie uns vor mehr als• einem Menschenalter erschüttert haben; vielleicht erkennt er dann auch, daß es aus dieser Welt der Verzweiflung für einen Juden nur einen Weg gibt: die Heimkehr ins Judentum. Zum 28. Todestag Theodor Herzis sei ein kleiner Auszug von Herzis Aussprüchen zur Judenfrage in Erinnerung gebracht. * Ich führe kein neues Ideal vor; es ist im Gegenteil ein sehr altes. Es ist der Gedanke aller — und darin liegt seine Macht — alt wie das Volk, das nie, auch nicht in den Zeiten schwersten Unglücks ihn hochzuhalten vergaß. * Wir, die wir diese Bewegung beginnen, werden schwerlich ihr ruhmvolles Ende sehen. Aber schon durch das Beginnen kommt ein hoher Stolz und das Glück der innerlichen Freiheit in unser Dasein. Wir werden für unsere Kinder pflanzen, so wie unsere Väter die Ueberlieferung für uns bewahrt haben. Unser Leben ist ein Augenblick in der Ewigkeit unseres Volkes; dieser Augenblick hat seine Pflichten. * Zwei Erscheinungen fesseln unsere Aufmerksamkeit durch die Folgen, von denen sie begleitet sind: die hohe Kultur und' die tiefe Barbarei ■unserer Zeit.... Unter hoher Kultur verstehe ich die wunderbaren Errungenschaften der Technik, mittels deren wir die Natur unseren Zwecken dienstbar machen; unter der tiefen Barbarei verstehe ich den Antisemitismus. Ich glaube den Antisemitismus, der eine vielfach komplizierte Bewegung ist, zu verstehen, fch betrachte diese Bewegung als Jude, aber ohne Haß und Furcht.... In den Hauptländern des Antisemitismus ist dieser eine Folge der Judenemanzipation. * Ich halte die Judenfrage weder für eine soziale, noch für eine religiöse, wenn sie sich auch noch so und anders färbt. Sie ist eine nationale Frage, und um sie zu lösen, müssen, wir sie vor allem zu einer politischen Weltfrage machen, die im| Rate der Kulturvölker zu regeln sein wird. * Wir sind ein Volk, Ein Volk. Wir haben überall ehrlich versucht, in der uns umgebenden Volksgemeinschaft unterzugehen, und nur den Glauben unserer Väter zu bewahren. Man laßt es nicht zu. Vergebens sind wir treue und an manchen Orten sogar überschwengliche Patrioten, vergebens bringen wir dieselben Opfer an Gut und Blut wie andere Mitbürger, vergebens bemühen wir uns, den Ruhm unserer Vaterländer in Künsten und Wissenschaften, ihren Reichtum durch Handel und Verkehr zu erhöhen. In unseren Vaterländern, in denen wir ja auch schon seit Jahrhunderten wohnen, werden wir als Fremdlinge angeschrien; oft von solchen, deren Geschlechter noch nicht im Lande waren, als unsere Väter da schon seufzten. Wir sind ein Volk — der Feind macht uns ohne unseren Willen dazu, wie das immer in der Geschichte so war. In der Bedrängnis stehen wir zusammen und da entdeckten wir plötzlieh unsere Kraft. * Ueber kein Volk sind so viel irrtümer verbreitet, wie über die Juden. Und wir sind durch unsere geschichtliche Leiden so gedrückt und so mutlos geworden, daß wir diese Irrtümer selbst nachsprechen und nacnglauben. * Durch unsere 2000jährige Zerstreuung sind wir ohne einheitliche Leitung unserer Politik gewesen. Das aber halte ich für unser Hauptunglück. Wir hatten nur bisher kein Selbstvertrauen. An dem Tage, wo wir an uns glauben, ist unsere moralische Misere zu Ende. * Wie schnell oder wie langsam die von uns vorbereitenden Wirkungen eintreten werden, das können wir nicht bestimmen. Wir konnten nur die Anlage herstellen. Die Kraft können wir nicht liefern. Die Kraft muß vom jüdischen Volke geliefert werden — wenn cs will. Ich weiß nicht, ob ich es erleben werde, aber ich bin fest überzeugt, daß Leute meines Alters die Verwirklichung unseres Wunsches sehen werden. Bekenntnis zu Bialik Von Arthur Sakheim. Das tragische Rinscheiden des bekannten jüdischen Schriftstellers und Dramaturgen Arthur Sakheim hat seinerzeit in jüdischen und :ionistischen Kreisen lebhafte Teilnahme hervorgerufen. Der Verstorbene, der Autor des Buches ״Jüdische Elemente in der Weltliteratur", hat in seinem Nachlaß unter zahlreichen literarissßen Arbeiten auch eine Reihe von jüdischen Aufsätzen hinterlassen. Die Witwe Sakheims stellt uns daraus den nachfolgenden Beitrag zur Verfügung, dessen Abfassung zwar schon ziemlich weit zurückliegt und zwar im Anschluß an das Erscheinen der beiden kleinen deutschen Bialik-Bändchen vor zehn Jahren, der aber nichtsdestoweniger auch heule noch Interesse erregen wird, Red. Die jüdische Lyrik von heute gipfelt in Bialik. Das ist ein Dichter sehr moderner Prägung und von magnetischem Einfluß. Was ihn von allen Vorgängern — seit der schier unglaublichen Wiedererweckung der neuhebräischen Poesie — unterscheidet, ist die geradlinige, unverdorbene, gegenstündliche (und doch übergegenständliche) Beziehung zur lebendigen Natur und zum seltsamen, aber immer realen Leben. Ueberhaupt aber ist in Bialiks Dichtungen, bei aller Zartheit und Märchensüße, doch viel mehr erdnahe, organische Bejahung als wir von jüdischen, zumal westjüdischen Poeten gewohnt sind. Bialik hat einen unbefangenen Blick für diese Welt und ist keine seltsam gestaltete Passionsblume. In seinen Gedichten bildet sich schroffer Vorsprung und schauinende Fülle, schwillt kräftiger Bau, treibt lebendiges Geheimnis. Sie sind als Freiluftpoesie entstanden und signalisieren, neben einem Lyriker von Vollnatur und hohem Niveau, den schöpferischen, neuen Juden. Geöffnet sind dem Dichter die Augen für die Land- Schaft als Seelenzustand. Landschaft und naiver Mensch werden seinem inneren Reichtum mythisches Wesen, lebendige Kraft. Zauber- und Sturmfanfaren erklingen kräftig und ergreifend. Bialiks Gedicht ist Farbe, Bild, Verkörperung, sprühende Hingabe an die Elemente, gesteigertes Daseinsgefühl, lebhaft sinnliche Erfassung allen Webens, Traumregion und verschollene Wirklichkeit. Differenzierte und naturnotwendige Momentbilder aus der Seelengeschichte entstehen, wölben sich zu einem Spiegelbild der Not, runden sich zu einem erfrischenden Evangelium. Jedes Gedicht verdankt einer schicksalhaft eigentümlichen Konstellation von׳ äußeren Umständen und innerlicher Isoliertheit seinen Ursprung, seinen entfesselten Glanz. Hierin berührt sich Bialiks, nach Gehalt und Klang, liedhafte Dichtung mit der Entstehiing alleräftester Volkspoesie. Aus gesegneter Quelle entsprungene Legenden und Volkslieder, Abenteuer und Ereignisse des Gedankens verbinden sich zu intimen Bekenntnissen, lyrischen Selbstgesprächen schön und vielgestaltig. Süße Melancholien und intellektuelle Ekstasen weben über den Dingen und Sorgen des Erdenlebens. Bialik formt die schwungvollen Emanationen persönlichster und allgemeingültiger Poesie in kunstreicher Fülle. Jeder Gedanke hat nur eine wahre Form; der erlesene Ausdruck stimmt mit dem Gedanken, mit dem hohen Ziel der Idee vollkommen überein. Ein neuer, noch nicht dagewesener Einklang von ich und Nicht- Ich wird gesucht. In die Seligkeiten, in das Glücksbewußtsein, in die gewaltige Sehnsucht, in die echte Geistesweihe des Großkiassikers neuhebräischer Poesie Jehuda Halevi (den Heinrich Heine liebte und für den gesalbten Dichterkönig hielt) träumt man sich hinein. Aber Jehuda Halevis ״Diwan“ ist doch aus einer ganz anderen menschlichen Gemeinschaft erwachsen, aus Komödien und Tragödien einer entrückt romantischen Realität, ene jüdischen Altmeister Andalusiens (mancher, wie ibn Gairoi, zählt für tausend) schicken Strahlen ihrer Verse aus, die Bialiks Lyrik im tiefsten treffen, aber dieses Dichters ghetto-, steppe- und meergeborene Spontaneität darum doch nicht bezweifeln lassen. Gallenschleimbesudelte, bluttriefende Pogrome, Städte des Judenschlachtens reißen ihn in den Strudel bewegtester Gefühle, erschütternder Offenheit. Die Schleier innersten Denkens und Fuhlens heben sich. Bialiks Liederidylle vom Schwarzen Meer flimmert und funkelt aus der Ferne. Sem grüßt den Bruder Japhet; O f i r grüßt Orplid. Ein ungetrübtes Spiegelbild der ganzen Herrlichkeit erhält nur, wer Hebräisch verstellt. Die deutschen Uebersetzungen sind indessen gar nicht übel. Louis Weinberg formt mit Akkuratesse, windet etwas sinnig zierliche Strophen. Ludwig Strauß, der allerdings nicht aus dem Hebräischen, sondem aus dem Jiddischen überträgt, und zu entstellenden Barbarismen neigt, bewährt sich noch viel entschiedener als Poet und preislicher Musenbruder. Zam Tode Lord Plamers An der Beisetzung von Lord Pltimer haben Nahum Sokolow und Prof. Brodetsky als Vertreter der Jewish Agency teilgenommen. Ferner haben beide Herren namens der Jewish Agency ein Kondolenzschreiben an Lady Plumer gerichtet. Jerusalem, 18. Juli. (J.T. A.) Der High Commissioner hat die bisher bestandenen Einschränkungen der Einreise für Rabbiner gewisser Altersstufen aufgehoben, so daß von jetzt ab Rabbiner aller Altersstufen aus allen Ländern nach Palästina kommen können. Voraussetzung; ist, daß das Oberrabbinat die Garantie übernimmt, daß die Einreisenden der Oeffent- Iichkeit nicht zur Last fallen werden. Auf Grund der Aufhebung der erwähnten Beschränkung erhielten 37 Rabbiner, denen früher die Einreise nicht gestattet war, nunmehr Einreise-Visa. Jerusalem , 18. Juli. (J.T. A.) Auf der Straße zwischen Hebron und Jerusalem geriet ein Touristen-Auto ins Schleudern und überschlug sich. Zwei jüdische Touristen aus Bagdad, Reuben Z i 1 k a und Ephraim M a s s r a w i, wurden getötet, drei andere aus Bagdad stammende Juden wurden verletzt. Ergebnisse der Council ״Tagung der WIZO Von Frau Jenny Blumenfeld geht uns als Ergänzung zu der in der vorigen Nummer der Rundschau veröffentlichten Notiz über die Counciltagung der W120 folgenier Bericht zu. Red. Die Einheit in der Wizo ist wiederhergestellt und zwar nicht nur äußerlich. Man kann ohne Uebertrcibung sagen, daß es heute in der Wizo in den Hauptfragen keine Meinungs- Verschiedenheiten mehr gibt. Im Interesse unserer Arbeit begrüßen wir den Wiedereintritt der ausgeschiedenen Mitglieder der Executive; wir freuen uns besonders, daß Frau Sicff, an der alle mit großer Liebe hängen, wieder bestimmend an unserer Gesamtarbeit mitwirken kann. Es herrschte auf dieser Konferenz wirklich der sonst so oft herbeigewünschte ״üood will“, mit dem die beiden sich bisher als Gegner gegenüberstehenden Gruppen der Wizo versuchten, einander zu verstehen. Dieser freundschaftliche Geist erzeugte bei der Konferenz eine Stimmung, die nicht nur dazu beitrug, die Verhandlungen erfolgreich zu gestalten, sondern darüber hinaus allen Teilnehmern unvergeßlich schöne Tage gemeinsainer Arbeit für ein großes Ziel bereitete. Die Histadruth Naschim, die Organisation der Frauen Palästinas, ist der Wizo beigetreten und bildet, was klar hervorgehoben werden muß, zusammen mit der Histadruth Arzith“ die Palästinensische Foederation der Wizo. Dadurch ist das ganze Arbeitsgebiet der sozialen Fürsorge für Mutter und Kind ein Teil des Wizoprogramms geworden. Charakteristisch für die veränderte Einstellung der Wizo zu diesem Arbeitsgebiet war die Schlußrede Ada Fischmanns — die man bis jetzt als Gegnerin dieses Zweiges der Frauenarbeit betrachtet hat — in der sie die Gleichwertigkeit beider Arbeitsgebiete hervorhob und in warmempfundenen Worten die Vereinigung begrüßte. Die Wizo, die in den letzten Jahren sehr gewachsen ist, viele Institutionen besitzt, neue Arbeitsgebiete ihrem Aufgabenkreis einbezog, räumlich und zahlenmäßig sich ausdehnte, stand vor der Notwendigkeit, sich organisatorisch zu konsolidieren: Ein Statutenentwurf lag dem Council vor, der der Executive zu endgültiger Fassung übergeben wurde; für die finanzielle und administrative Kontrolle sind Richtlinien angenommen worden. Diese Arbeiten des Councils — die Beratungen über diese Punkte standen im Mittelpunkt der Tagung — bedeuten einen erheblichen Fortschritt in der Verwaltungsarbeit der Wizo, für die jetzt feste Grundlagen geschaffen worden sind. Die letzte Alijah hat die Frauenorganisation vor eine neue Situation gestellt, da der Prozentsatz der weiblichen Einwanderer 40 °/0 der Gesamteinwanderung ausmacht. Es war für uns eine besondere Genugtuung, daß wir in der gegenwärtigen Situation des Judentums, bei der großen Schar nach Palästina drängender Kräfte nicht gezwungen sind, hilflos zuzusehen, sondern die materielle Möglichkeit haben, zur Lösung dieser Fragen einiges beizutragen. Die Wizo steht materiell auf einer gesunden Basis. Das Budget für die nachsten vier Monate ist gesichert — vorausgesetzt, daß alle Foederationen ihre Quote bezahlen —. Daher konnte ein Beschluß der vorigen Konferenz ausgeführt werden, nach dem die Wizo der Jewish Agency eine Anleihe von je £ 500 für die nächsten drei Jahre zur Bezahlung der Schulden der drei Mädchenfarmen (Petach Tikwah, Schchunath Boruchow, Nachlath jehuda) zur Verfügung stellt. Diese Farmen können,, auf eine solide Basis gestellt und nach erfolgter Konsolidierung, eine erhebliche Zahl von Mädchen aufnenmen. Für den Bau des zweiten Hauses in Nahalal, in dem 50—60 Mädchen Platz finden werden, würde eine Anleihe in Form einer Hypothek auf das bereits bestehende Hans beschlossen. Einzelne Mitglieder der Wizo sollen diese Anleihe garantieren. Als erste hat auf der Tagung Mrs. Irwell £ 500 garantiert. Von den zahlreichen Vorschlägen für die Erweiterung der Arbeit wurden denjenigen der Vorrang gegeben, die am ehesten geeignet sind, die .schnelle Absorption der Mädchenalijah zu ermöglichen. Die tatsächliche Entscheidung wurde der Executive überlassen. Gleichzeitig wurde die Schaffung eines Emergency-Fonds für die Durchführung zusätzlicher Aufgaben beschlossen, wobei die englische Foederation sich zur Bereitstellung des gleichen Betrages verpflichtete, der von allen übrigen Foederationen zusammen aufgebracht würde. Die Tatsache, daß die Finanzlage der Wizo in der gegenwärtigen Wirtschaftslage überraschend günstig ist, verdanken wir neben den Anstrengungen der Foederationen — Deutschland hat viel nachzuholen, worüber noch ausführlich in unserem Korrespondenzblatt gesprochen werden muß — vor allem dem Treasurer der Wizo, Frau Vera Weizmann. Sie hat mit eiserner Energie das Prinzip durchgeführt, daß keine neue Ausgabe ohne ausreichende Deckung gemacht werden dürfe, sie hat über die 25 <>/0 hinaus Kürzungen bei Ausbruch der Krise vorgenommen, und sie hat gleichzeitig verstanden, die Foederationen zu außerordentlichen materiellen Leistungen zu veranlassen. Die Tagung des Councils bewies, daß die Wizo sich mit ihren größeren Aufgaben auch innerlich entwickelte. Es wurde mit Sachkenntnis verhandelt; das Niveau der Debatten befriedigte allgemein und, was das Wichtigste war, die Konferenz erfüllte alle Teilnehmer mit neuer Arbeitsfreude und neuem Mut und wurde so einer großen Aufgabe einer ernsten zionistischen Tagung gerecht. Ein ausführlicher Bericht erscheint 1'm Korrespondenzblatt der deutschen Wizo. Jenny Blumenfeld. Goethe-Feiern In Jerusalem. Aus Jerusalem wird berichtet: Die heilige Stadt hat bereits drei Goethe-Feiern hinter sich. Als erste lud die deutsche Kolonie zu einer Veranstaltung im Saal der Templergemeinde unter dem Protektorat des deutsehen Generalkonsuls Dr. N o r d ein. Es fand eine mit großem Beifalt aufgenommene Liebhaberaufführung des ״Götz“ statt. Die deutsche Freimaurerloge ״Zur Quelle Siloah“ veranstaltete eine öffentliche Feier. Nach einer gelungenen Aufführung des Goetheschen Puppenspiels ״Der Jahrmarkt von Plundersweiler“ sprach Professor Fodor von der Hebräischen Universität über Goethes Leben und Werk. Zuletzt lud die Hebräische Universitat zu einer Feier ein, auf der Dr. Pflaum den ״Faust“ analysierte und Mirjam Schnabel-Höflich den Anfangsmonolog der ״Iphigenie“ in der hebräischen Uebersetzung Saul Tschernichowskys, den ״Prometheus“ in der Uebersetzung Jakob Kahns und ״Mahomets Gesang“ auf deutsch zitierte. Professor Josef Klausner zeigte die Einheitlichkeit von Goethes Werk auf im Gegensatz zu der Auffassung von den drei völlig verschiedenen Goetheschen Schaffensperioden. Die Weltkonferenz der ״Poale Zion“ und ״Hitachduth“ sowie die Vereinigungs-Weltkonferenz der beiden Verbände ist auf Mitte August verlegt worden. Das Kuratorium der ״Pro-Bezalei-Gesellschaft“ hat beschlossen, zu Beginn des kommenden Lehrjahres, im September d.. J., die vor einigen Jahren wegen Mangels an Mitteln geschlossenc Bezalel-Kunstschule wieder zu eröffnen.