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Jüdische Rundschau · 1932-07-08 · Heft 54 (8.7.1932) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 54 (8.7.1932)
Date
1932-07-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 54, 8. VII. 1932 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 257 Auf halbem Wege Zur Broschüre ״Was wird werden?" von Hugo Marx Vor einigen Wochen ist im Verlag Westdruckerei, Wiesbaden, Q. m. b. H., vom badischen Amtsgerichtsrat Hugo Marx eine Broschüre unter dem Titel ״Wa s wird werden? Das Schicksal der deutschen Juden in der sozialen Krise“ veröffentlicht worden. Dieses Büchlein im Umfang von 32 Druckseiten hat in der jüdischen Öffentlichkeit ziemlieh viel Beachtung gefunden. Wenn wir nachfolgend den Inhalt skizzieren, so wird es verständlich, warum man bei den Worten dieses, unseres Wissens, bisher in der Oeffentlichkeit wenig hervorgetretenen Mannes aufgehorcht hat. Hugo Marx untersucht die Lage der deutschen Juden auf der Ebene des historischen Materialismus. Er kommt zu Prognosen, die in zionistischen Kreisen, und namentlich in der ״Jüdischen Rundschau“, ohne Zugrundelegung der Methode des historischen Materialismus, seit Jahren gestellt wurden. Die anormale soziale Schichtung der jüdischen Gemeinschaft einerseits, die Wirt- Schaftstendenzen andererseits bringen es mit sich, daß die bisherige Existenzbasis der Juden in Deutschland eine Verengerung erfährt und die Juden unter den Zwang gestellt sind, sich den neuen Verhältnissen anzupassen. Hierbei gerät, neben der großen Schwierigkeit einer Umschichtung, d. h. Proletarisierung im sozial-ökonomischen Sinn, das menschliche und jüdische Element des Durchschnittsjuden in Konflikt, und es besteht die Gefahr, daß die jüdische Komponente des Durchschnittsjuden in stärkster Weise der Verwässerung und dem Verschwinden ausgesetzt sein wird. Andererseits hat sich unter dem Drucke der neuen Wirtschaftstendenzen das Wesen des Staates von Grund auf geändert. Noch bestehen in einem beträchtlichen Umfange die Formen des alten liberalen Staates, der Inhalt jedoch ist nicht mehr der alte, und man muß damit rechnen, daß an Stelle des liberalen Staates der ״totale Staat“ mit seinen neuen Bindungen und Gemeinschaftsformen treten wird. In dieser Situation werden die Juden gezwungen sein, den Tatsachen Rechnung zu tragen und sich als ein Kollekti vum in die Staatsgemeinschaft einzufügen. Hugo Marx schreibt darüber: ״Wir müssen deshalb bei allen unseren Betrachtungen davon ausgehen, daß die Umwelt die Juden heute nicht mehr als einzelne betrachtet, sondern entsprechend der Art, wie sie sich selber auffaßt, — als eine Gemeinschaft, als eine Kollektivität. Daraus ergibt sich die fast selbstverständliche Folgerung, daß nach dem Scheitern der individuellen Judenlösung in Deutschland die neue Lösung für das deutsche Judentum auf dem Wege kollektiver Gestaltung gesucht werden muß.“ Der Autor, der bisher zionistischen Gedanken ferngestanden hat und sich auch in seiner Broschüre vom Zionismus ausdrücklich distanziert, fährt fort: ״Es ist das historische Verdienst des Zionismus, die Juden auf diesen Weg gewiesen zu haben. Er hat frühzeitig erkannt, daß eine völlige Einordnung des jüdischen Einzelmenschen in die ihn umgebende nichtjüdische Gemeinschaft nicht durchführbar ist, weil sie an den harten Tatsachen der Ablehnung auf der einen, der Eigenwilligkeit und des Anspruchs auf Sonderstellung bei aller Forderung auf Gleichberechtigung auf der anderen Seite scheitern müsse. Der Zionismus hat in einer gerade von jüdischer Seite heftig angefeindeten Weise die Juden stets als eine besondere Oemeinschaft aufgefaßt. Er hat sich dadurch bewußt in Gegen- , satz gestellt zu den vom Liberalismus beherrschten jüdischen Kreisen, die die deutsche Judeirheit in eine Vielzahl deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens auflösen und damit das religiöse Bekenntnis als Unterscheidendes Merkmal der Judenheit gegenüber ihrer Umwelt betrachtet wissen wollten. Dies entsprach der individualistischen Denkweise des Liberalismus, der den Staat atomisierte und der die Freiheit der einzelnen freien Staatsbürger als das wertvollste Gut pries.... Wäre es gelungen, in der öffentlichen Meinung die Juden als die individuellen Bekenner eines besonderen, gleichrangig neben den übrigen Konfessionen stehenden Glaubens zur Geltung zu bringen, dann allerdings wäre das Problem wesentlich vereinfacht worden trotz aller sozialökonomischen Besonderheiten der Juden, In Wirklichkeit aber hat sich die zionistische Betrachtungsweise als zutreffend erwiesen. Die Juden sind eine besondwe Gemeinschaft in der deutschen Gesamtheit geblieben, deren Wesenseigentümlichkeiten nicht so sehr ihr religiöses Bekenntnis als ihre Abstammung ist. Sie werden auch, was das Allerentscheidendste ist, von ihrer Umwelt so erfaßt. Der Zionismus hat darum die richtige Folgerung gezogen, daß eine kollektive Lösung der Eingliederung der Juden in die Umwelt vorgenommen werden müsse. Nur hat er den großen Fehler begangen, seine Existenz durch seine mit großer ffartnäckigkeit verfochtene Palästinapolitik viel zu eng mit den kapitalistisch-imperialistischen Interessen eines einzelnen Großstaates zu verknüpfen und sich seiner ganzen Struktur nach in einem bestimmten wirtschaftspolitisehen System zu verankern. Ohne den Weltkapitalismus ist das Palästina der Zionisten überhaupt nicht denkbar, geschweige denn durchführbar. Außerdem übersah der Zionismus, daß er in Palästina eine Zone schwerster Kämpfe schuf, und schließlich machte er sich insofern der Inkonsequenz schuldig, als er in den Ländern des Galuth sich die Lösung nach wie vor individualistisch-staatsbürgerlich vorstellt. Geschichtlich bedeutsam am Zionismus bleibt das Wachrufen des jüdischen Bewußtseins vom Dasein, dem Werte und der Bedeutung der jüdischen Gemeinschaft und der Notwendigkeit, die wirkliche Gleichberechtigung nicht auf dem Wege individueller Assimilation, sondern kollektiver Anerkennung zu suchen.“ Es soll hier zunächst nicht darauf eingegangen werden, ob Hugo Marx in dem, was er über den Zionismus sagt, recht hat oder inwiefern er über das Problem des Palästinaaufbaues schief urteilt. Aus seinen Darlegungen zieht er folgende Schlüsse: Die Tatsache der Zerschlagung des jüdischen Mittelstandes, die Tatsache der Entwicklung einer neuen Gesellschafts- und Wirtschaftsstruktur in Deutschland und die Notwendigkeit des Einschlagens kollektiver Wege zur Errichtung einer situations-angepaßten Einordnung der Juden in den deutschen Volkskörper, weisen die Juden auf den Weg, in Deutschland die Rechte nationaler Minderheiten für sich in Anspruch zu nehmen. Pas heißt in der üblichen Terminologie: die Juden in Deutschland müssen für sichnationalkuIturelleAutonomieverlangen. Wenn das erlangt ist, dann, meint Hugo Marx, werde die Situation der Juden eine Klärung erfahren, das Verhältnis zwischen Juden und Nichjuden werde verbessert und sozusagen eine Lösung der Judenfrage in Deutschland angebahnt sein. Diese Vorschläge haben in einem großen Teil der jüdisehen Oeffentlichkeit, soweit uns bekannt, schärfste Ablehnung gefunden. Es ist anzuerkennen, daß Hugo Marx in seinen Darlegungen sich von den Vorstellungen frei gemacht hat, die ein Jahrhundert lang die deutsche Judenheit beherrscht haben. Hierbei sind ihm wohl all die Untersuchungen zustatten gekommen, welche u. a. Alfred Marcus in seinem Buche ״Die Wirtschaftskrise der deutschen Juden“ und andere jüdische Schriftsteller und Publizisten an gestellt haben. Er hat sich ferner Gedanken gangen nicht verschlossen, die, wie er selbst angibt, dem zionistischen Vorstellungskreise entlehnt sind. Die Lösung jedoch; die er vorschlägt, bleibt auf halbem Wege stehen. Auch wir Zionisten haben in allen Ländern, in denen dies tunlich war, neben der selbstverständlichen Forderung nach formaler und faktischer staatsbürgerlicher Gleichberechtigung, auf die wir unter keiner Bedingung verzichten, und zur Sicherung der Gleichberechtigung die Forderung nach nationaler Autonomie für die Judenheiten der betreffenden Länder aufgestellt. Wir taten1 das jedoch immer im Hinblick auf die Gesamtheit des jüdisehen Volkes in der Welt, und wenn wir uns in einzelnen Ländern zum Gedanken der jüdischen Autonomie bekannt haben, so geschah dies im Rahmen einer gesamtjüdischen Betrachtungsweise und eingefügt in ein politisches System, das die ״jüdische Nation“ in der ganzen Welt zum Inhalt hat. Hierbei waren sich die zionistischen Verfechter des Gedankens der nationalen Autonomie für die Judenheiten in den verschiedenen Ländern darüber klar, daß eine Erfüllung dieser Forderung keineswegs eine restlose Normalisierung oder eine Lösung der Judenfrage für die betreffenden Judenheiten sein könne. Immer bleibt die Tatsache von Mehrheit und Minderheit und die Tatsache der jüdischen Zerstreuung und Zerrissenheit in atomisierter Siedlungsform bestehen. Wie richtig diese Auffassung von allem Anfang war, beweist die Geschichte der Judenheiten in vielen osteuropäischen Ländern, in denen die Juden seit den Friedensschlüssen 1919 sich im Besitze der national-kulturellen Autonomie befinden. Diese national-kulturelle Autonomie war insofern wertvoll, als sie der Judenheit selbst die Möglichkeit bot, im Wege eigener Anstrengungen sich durch Selbsthilfe zusammenzufassen und im Kampfe für ihre Stellung in Staat und Gesellschaft geriisteter dazustehen als in früheren Perioden. Im Grunde aber hat sich die Situation der Juden politisch und sozial nicht wesentlich gebessert, und vor allem ist keine befrkdigende Normalisierung der Beziehungen zwischen jüdischer Minderheit und Umwelt und auch nicht ein Schritt auf dem Wege zur Erlangung der Gleichstellung in Gesellschaft und Wirtschaft nach vorwärts getan worden• Ist dies schon in solchen Ländern der Fall, in denen die Juden ihrer erdrückenden Mehrheit nach sich als Angehörige eines besonderen Volkes fühlen, im betreffenden Staate einen bedeutenden Prozentsatz bilden und überdies das Merkmal einer eigenen Umgangssprache haben, wie wenig aussichtsreich müssen Konstruktionen erscheinen, die sich auf eine Gemeinschaft beziehen, welche, wie die Juden in Deutschland, zahlenmäßig gegenüber der Umwelt geringfügig ist, auf dem Abwege der Entjudung sich leider schon ziemlich weit befindet, von einer nationalen Zusammenfassung nichts wissen will, und vor allem der Grundlagen in jenem Maße enträt, die in den Ländern Osteuropas den Ausbau national-kultureller Institutionen ermöglichen. Es ist nicht gut, an Worten und Begriffen zu kleben, ohne mit ihnen irgendwelche erreichbare Zielsetzungen zu verbinden. Aus diesen Gründen halten wir die Idee einer nationalen kulturellen Autonomie für die Juden in Deutschland, mag sie theoretisch auch durchaus den Erkenntnissen zionistischer Vorstellungen entsprechen und mag sie auch im Laufe der Entwicklung vielleicht den Juden als einziger Ausweg offen bleiben oder gar aufgezwungen werden, dennoch für keine zureichende Lösung und im tiefsten Grunde für ein ungenügendes Mittel zur Erzielung einer Normalisierung der jüdischen Gemeinschaft und einer Lösung der Judenfrage innerhalb des deutschen Volkes. Das Programm der nationalen Autonomie ist ein Derivat der nationaijüdischen Konzeption. Gerade dasjenige, was Hugo Marx am Zionismus als das Abwegige und Irrige bezeichnet, nämlich die Tendenz zur Schaffung eines nationalen Zentrums, gerade das ist die Hauptsache. Denn jeder Versuch, die Judenfrage in den einzelnen Ländern mit Mitteln national-kultureller Autonomie irgendwie einer Regelung entgegenzuführen, hat nur dann Sinn, wenn dies im Zusammenhange mit einem gesamtjüdischen politischen System geschieht. Nationale Autonomie für isolierte Judenheiten wird sich wahrscheinlich als ebenso unzulänglich erweisen, wie der Versuch einer individuellen Lösung der Judenfrage im Zeitalter des liberalen Staates und der liberalen Anschauungen. Was also soll geschehen? Man habe den Mut zu erkennen und sage sich, daß es Situationen gibt, in denen mon keinen zureichenden Weg für eine Lösung und restlose Heilung anzugeben vermag. Im wirklichen Leben wird die deutschjüdische Gemeinschaft weder durch die neuen Vor- Stellungen von Staat und Gesellschaft, noch durch die wahrscheinlich kommende neue Wirtschaftsordnung, noch durch andere Faktoren zum Verschwinden gebracht werden. Die jüdische Gemeinschaft wird sich, geschwächt und unter Leiden, in irgendeiner Form mühselig erhalten. Das ist keine erfreuliche Aussicht, und es ist begreiflich, daß man im Wege theoretischer Konstruktionen Pläne aufstellt, die dem Wunschträume Rechnung tragen, die in Unordnung geratenen Verhältnisse in Ordnung zu bringen. Es ist aber leider im Laufe unserer Geschichte sehr oft vorgekommen, daß man anstatt einer Lösung in einzelnen Teilen der Welt nur eine Auflösung erlebt hat. Mit dieser Eventualität muß der Jude in Deutschland rechnen, der das Schicksal seiner Gemeinschaft und die Ereignisse des Tages unter dem Gesichtswinkel einer vieltausendjährigen Geschichte betrachtet. Wenn man aber ernstlieh die Judenfrage lösen will, so gibt es hierfür nur den Weg der geschlossenen Siedlung, unter dem Gesichtspunkt normaler Schichtung, im Geiste des historischen Judentums in Palästina. Nur das ist radikale, hundertprozentige Lösung — wenigstens für den Teil, der unter Mühen und Opfern nach Palästina ging und geht und dort das nationale Zentrum schafft. Was sonst in der jüdischen Welt geschieht, kann größere oder geringere Bedeutung haben, aber diese auch nur dann, wenn es im Zusammenhang mit diesem Zentrum stehen wird. Isolierte Versuche müssen unfruchtbar bleiben. Darum ist der Plan von Hugo Marx ein Versuch zur Findüng einer Lösung, der auf halbem Wege stecken geblieben ist. Zionismus ohne Zion ist ein Ausweichen. Wer das dennoch betont, wird ebenso nur Flickwerk schaffen wie alle anderen bisherigen Bewegungen dieser Art, inbegriffen die des reinen ״Autonomismus“, die der Altmeister D u b n 0 w vertritt, der für Hugo Marx, ihm bewußt oder unbewußt, geistiger Mentor gewesen ist. s. n. X. Tschechcslowakischer Zionistentag Mährisch-Ostrau, 5, Juli. (J. T. A3 An dem X. tschechoslowakischen Zionistentag, der am 5. Juli vormittags eröffnet worden ist, nehmen Revisionisten, Poale Zion, Misrachi nicht teil. Während im Jahre 1930 222 Delegierte beritten, ist die Delegiertenzahl diesmal, nicht zuletzt durch eine Aenderung des Wahlrechts zum Zionistentag, das an die Entrichtung einer Parteisteuer gebunden wurde, auf 99 gesunken, die sich etwa wie folgt verteilen: 53 allgemeine Zionisten (gegen 95 i. J. 1930), 20 ״Arbeitsgemeinschaft sozialistischer Zionisten“ (1930 59), 20 (29) Radikale und 6 (0) Haschomer Hazair. Bei dem vorigen Zionistentag waren außerdem 39 revisionistische Ver• treter anwesend. Die Verhandlungen des Zionistentages wurden unter dem Vorsitz des Präsidenten des Zionistischen Zentralkomitees, Norbert A d 1 e r, mit einem Nachruf auf den verstorbenen Dr. Ludwig Singer eingeleitet. Hierauf sprach der Präsident des Landesverbandes, Dr. j. Rufeisen, über die Lage des jüdischen Volkes und des palästinensischen Aufbauwerkes. Die Lage sei durch unsere Besorgnis hinsichtlich des French-Berichtes und auf der anderen Seite durch den Optimismus beherrscht, der trotz der geringen Eingänge der Fonds im Jischuw vorhanden ist und mit der Krisenstimmung in der übrigen Welt so scharf kontrastiert. Dr. Franz Kahn sprach über Organisation und Propaganda. Dann gab der Präsident der Jüdischen Partei, Dr. Emil M a r g u 1 i e s , der eben von dem Kongreß der nationalen Minderheiten in Wien zurückgekehrt war, eine Darstellung der Probleme des Kongresses und der Wege jüdischer Minorttätenpolitik. Nach Referaten über Hechaluz (Kurt Thieberger) und Finanzen (Fritz Frankel) wurde die Generaldebatte eingeleitet. Die Tagung wählte eine Organisation«-, Finanz-, Jugend- und Palästina-Kommission. Sie wird sich u. a. auch mit der Schaffung einer zentralen Propagandastelle für die zionistische Arbeit in der Tschechoslowakei befassen. ln aller Kürze Aus Anlaß des 100. Geburtstages des großen jüdischen Philanthropen Baron Maurice de Hirsch wird gegenwärtig in Palästina auf Keren Kajemeth-Boden eine Baron Hirsch- Kolonie errichtet. ״Official Gazette“ teilt mit, daß acht Juden in Palästina, die der kommunistischen Propaganda überführt worden seien, die staatsbürgerlichen Rechte wegen Illoyalität gegenüber der Regierung aberkannt wurden. In der Kolonie K erkür, die unter Wassermangel litt, gelang es, in 160 Meter Tiefe eine Quelle zu erbohren, die 300 Kubikmeter Wasser bester Qualität in der Stunde liefert. Jerusalem, 4. Juli. (J. T. A.) Außer den bereits in Tel- Awiw vorhandenen zwei Polizei- (Friedens־) Richtern, die Juden sind, wurde jetzt ein dritter Polizeirichter, der Engländer ist, für Tel-Awiw ernannt. W i e n , 5. Juli. (J. T. A.) Die Exekutive der Agudas Jisroel-Weltorganisation hat die ihr übermittelte Einladung des American Jewish Congress zur Konferenz über die Veranstaltung eines jüdischen Weltkongresses in ablehnendem Sinne beantwortet. Der Klub jüdischer Sej!!»deputierter hat dem polnischen Innenminister eine Interpellation überreicht, die rieh mit der Terrorisierung der jüdischen Bevölkerung im früher preuBisehen jetzt polnischen Pommerellen durch Nationaldemokraten und Chauvinisten befaßt. Die jüdischen Deputierten forderten den Innenminister auf, dafür zu sorgen, daß die Schuldigen bestraft und die Hetzpresse verboten werde, da bei einer weiteren Duldung der hemmungslosen Hetzpropaganda noch ernstere Exzesse drohen. In der Warschau benachbarten großen Sommerfrische Otwock entstand eine Panik unter den jüdischen Erholungsuchenden, als eine Bande Huligans unvermutet am Badestrand erschien und aus Revolvern Schüsse auf die Badenden abgab. Da Polizei nicht rechtzeitig erschien, konnten die Huligans unerkannt entkommen. In der Nähe von Lodz wurden mehrere jüdische Kaufleute, die zu einem Jahrmarkt fuhren, in der Nacht von etwa 20 Bauernhuligans überfallen und mit Steinen, Messern und Eisenstäben schwer verletzt. Als Gegenstück gegen die von jüdischer Seite veranstaltete Levante-Messe wird nach Pressemeldungen angeblich Ende Mai 1933 in Jaffa eine palästinensisch-arabische Aus- Stellung geplant. Zu ihrer Finanzierung ist eine Aktienge- Seilschaft mit einem Kapital von 5000 Pfund ins Leben gerufen worden. Die arabischen Regierungen der Nachbarländer sollen zur Unterstützung und zur Beschickung der Ausstellung aufgefordert werden. Die jüdischen Apotheker und Drogeriebesitzer in T e I - Awiw haben beschlossen, die von dem französischen Antisemiten Coty erzeugten Parfüms nicht zu vertreiben im Hinblick darauf, daß Coty neuerdings in Frankreich eine scharfe antisemitische Kampagne eingeleitet hat. Nach dem Endspiel um die Bukowinaer Fußballmeisterschaft, das in Czernowitz zwischen dem jüdischen Sportklub Makkabi und dem deutschen Sportverein ״Jahn“ ausgetragen und von Makkabi mit 2:1 gewonnen wurde, kam es zu einem U eberfall der Anhänger des deutschen Vereins ״Jahn“ gegen die Spieler des Makkabi, von denen mehrere erheblich verletzt wurden. Sechs Mitglieder des ״Jahn“ wurden verhaftet. Rabbi G u r wi t z, der vor einiger Zeit in Rußland, wohin er zum Besuch des Qrabes des Baal Schern sich begeben hatte, verhaftet wurde, ist nach Intervention der britischen Behörden bei der Sowjetregierung auf freien Fuß gesetzt worden und nach Palästina zurückgekehrt. Vor einigen Taget» veröffentlichte der ״Völkische Beobachter“ eine Photographie traditionell gekleideter Ostjuden mit der Unterschrift: ״Nicht etwa Galizien, sondern Köln“. Diese freundliche Aufforderung ließen sich die Kölner S.A.-Leute nicht zweimal wiederholen. Tatsächlich kam es am 19. v. M. im Thieboldsgassen-Viertel in Köln zu Ausschreitungen von S.A.-Leuten gegen jüdisch aussehende Passanten, besonders gegen dort wohnende jüdische Kleinhändler. Nur dem Eingreifen starker Polizeikräfte und dem geschlossenen Widerstand der dort wohnenden Bevölkerung war es zu verdanken, daß diese pogromähnlichen Ausschreitungen nicht in einen wirkliehen Pogrom ausarteten. Im Wiener Landtag veranstalteten die nationalsozialistischen Abgeordneten heftige Krawalle mit der Forderung, daß der*jüdische Landtagspräsident Danneberg vom Präsidiaistuht eines deutschen Landtages verschwinden müsse. Die Nazi-Abgeordneten riefen im Sprechchor: ״Rückt ab nach Palästina“, ״Hinaus mit den jüdischen Banden aus den deutschen Landen“ und ״Auf dem Präsidentenstuhl Dr. Luegers darf kein Jude sitzen“. Die Christlich-Sozialen unterstützten die nationalsozialistischen Radaumacher. Das Bezirksamt St, Gallen hat mit Entscheid vom 8. Mai 1932 verfügt, daß der ״Eiserne Besen“, ein nationalsozialistisches Hetzorgan, im Straßenhandel nicht vertrieben werden dürfe

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