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Jüdische Rundschau · 1932-07-08 · Heft 54 (8.7.1932) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 54 (8.7.1932)
Date
1932-07-08
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 258 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 54, 8. Vn. 1932 Zeitschriften Schau Hebräische Renaissance Im Juniheft der (katholischen) Zeitschrift ״Hochland“ (Verlag Josef Kösel, München) veröffentlicht Prof, Johannes B. Kraus, der schon mehrmals in derselben Zeitschrift über Palästina und Zionismus geschrieben hat (worüber die ״Jüdische Rundschau“ seinerzeit berichtete) einen Aufsatz ״Hebräische Renaissanc c“, worin er das wunderbare Auflebcn der hebräischen Sprache, Literatur und Kunst ln überaus großer Begeisterung schildert. Kraus ist, wie man aus seinen früheren Beiträgen weiß, ein Skeptiker in bezug auf den politischen Zionismus. Auch in dem vorliegenden Aufsatz äußert er seine Zweifel. Er führt dabei u. a. aus: ״Ein von den kleinstaatlich politischen Schlacken geläuterter Zionismus wird eine ungleich größere Kulturmacht darstellen und tiefer reichenden Einfluß, mehr Zugkraft haben als die gegenwärtige philisterhafte Mischform. Ein eventueller jiidischer Kleinstaat wäre entweder orthodox-religiöser Natur oder rein weltlich. Im ersteren Falle würden die strenggläubigen Elemente mit Recht die Einführung der gesamten Levitisehen Ordnung fordern, die Erneuerung der alten Theokratie wieder anstreben, — ein für unsere Zeiten wohl kaum haltbares System. Ein säkularisierter jüdischer Staat aber wäre eben kein echt jüdischer Staat. Zionist und Jude sind fürwahr keine Synonyma; ־wohl aber machen Rasse und Religion den eigentlichen Juden aus. Ein Großteil der orthodoxen Juden würde sich wohl weigern, in einem von radikalen, etwa gar von Bolschewismus angekränkelten Elementen regierten rein weltlichen Staate zu leben.“ Kraus meint, daß ein deutlicher Verzicht auf einen jüdischen Nationalstaat der jüdischen Entwicklung in Palästina den Weg freimachen würde. Denn die Entfaltung des jüdischen Wesens könne nur unter Zurückstellung des politischen Nationalismus bei Juden und Arabern erfolgen. Der Verfasser betrachtet die Herstellung einer versöhnlichen Atmosphäre zwischen den beiden Brudervölkern als wichtigste Aufgabe der Mandatarmacht, aber auch der Presse und Erziehung der Völker selbst. In bezug auf die Haltung der Araber ist er insofern vielleicht etwas zu optimistisch, als er als ausschlaggebendes Dokument den u. a. im Januar 1930 in der englischen Zeit- Schrift ״Foreign Affairs“ abgedruckten bekannten Brief des Emir r eisal von der Friedenskonferenz zitiert, dabei aber übersieht, daß dieses Dokument aus dem Jahre 1919 stammt und inzwischen ganz andere Verhältnisse eingetreten sind. Im wesentlichen schließt sich Kraus den Ausführungen an, die Prof. Einstein nach den Unruhen 1929 im ״Manchester Guardian“ gemacht hat. Prof. Kraus sieht eine künftige Selbständigkeit Palästinas voraus, für welchen Fall ״Garantien für die Sicherheit und freie Entwicklung der jüdischen Bevölkerung“ geschaffen werden müssen. ״Die beste Garantie ist freilich eine Verständigung und friedliche Kooperation der beiden Völker.“ In bezug auf die kulturelle Bedeutung und Amwirkungsmöglichkeit des Zionismus äußert sich Professor Kraus aber überaus positiv, was bei einen! katholischen Autor besonders angemerkt zu werden verdient. Wir geben nachstehend ein Stück aus diesem Absatz des Aufsatzes wieder: ״Wer die neugeformte Sprache des Moses aus dem Munde der Kinder, die nur hebräisch sprechen, in den schönen Sephardimlauten hervorquellen hört, der kann sich dem Zauber dieser flüssigen, ans Spanische, Italienische und Griechische erinnernden Klänge nicht entziehen. Alle Besucher der jüdischen Kolonien — von denen jede ihren Kindergarten hat — sind überrascht von der Reinheit und Flüssigkeit der Sprache, die sich würdig einreiht in die Familie der Mittelmeersprachen und deren sonnige Wärme atmet. Eine Pflcgestätte der neuen musikalischen Sprache ist vor allem auch das Hebräische Kunsttheater, wo sie sich nach ihrer besten Seite produziert. Die Hochburg für die hebräische Kultur ist jedoch die Hebräische Universität auf dem Oelberg — Mount Scopus. Ihre beherrschende wundervolle Lage — auf der einen Seite das Josaphattal und das Panorama der Stadt Jerusalem, auf der andern der Ausblick ins Jordantal und aufs Tote Meer, sowie die Moab-Berge jenseits des Jordan — ist ebenso symbolisch für ihre Stellung wie der nicht gerade schöne amerikanische Stil ihrer Gebäulichkeiten. Biblisch alte und modernste Studien sollen hier gemeinsame Pflege finden, die Ideale des spirituellen Zionismus eines Achad Haam und die neuesten medizinischen und physikalischen Probleme sollen an dieser Stätte gefördert werden.“ * ״Werdender Orient" Das Juliheft der ״Zeitschrift für Geopolitik" gilt dem ״Werdenden Orient“ und enthält mehrere Aufsätze, die von zionistischem Interesse sind. Gerhard Schacher schreibt in einem Beitrag über die ״Nationalwirtschaftliche Emanzipation des Orients“, daß der in der ganzen Welt zu beobachtende Industrialisierungsprozeß auch den Vorderen Orient ergriffen habe, wobei aber der starke Einfluß der russischen Industrialisierung ein wichtiges Sondermoment darstelle, durch das der wirtschaftliche und politische Emanzipationsprozeß dieser Länder trotz ihrer großen Struktur- Verschiedenheiten ein gewisses einheitliches Gepräge erhalte. Den deutlichsten Beweis für diesen russischen Einfluß erblickt Schacher in dem neuen russisch-türkischen Kreditvertrag, auf Grund dessen die Türkei von Rußland bezeichnenderweise Produktionsmittel beziehen werde, die zum Auf- oder Ausbau der Zucker-, Textil- und ähnlicher wichtiger Industrien dienen würden. Im ganzen Orient, vor allem in der Türkei und in Persien, erkenne man immer mehr, wie bedenklich europäische und amerikanische Kredite seien, die nicht die wirtschaftliche Produktionskraft der Empfangsländer, sondern nur den Einfluß der Kreditgeber stärkten. Daher suche man neue Kreditaufnähme zu vermeiden und sich auf den Binnenmarkt zurückzuziehen, um auf diese Weise den Westmächten auch politisch selbständiger gegenübertreten zu können. Diese erhöhte Selbständigkeit komme vor allem bei der Liquidierung der Vorkriegskredite klar zum Ausdruck, wobei es sich zeige, daß die früheren Gläubiger Schritt für Schritt ztirückweiehen müßten; tatsächlich seien diese westeuropäischen Investitionen heute fast durchweg als verloren anzusehen. Rußland unterstütze den Emanzipations- und Industriaüsierungsprozeß der vorderasiatischen Länder nach Kräften, obwohl er unter der Führung junger bürgerlicher Schichten vor sich gehe und diesen zugute komme. Die Emanzipation des Nahen Ostens von der westeuropäischen Industrie und Finanz sei nicht mehr aufzuhalten und stelle eine der wichtigsten Strukturwandlungen der Weltwirtschaft dar. — Ein Aufsatz von Karl Mühlmann ״Balkatuwnd Vorderer Orient in geopolitischer Betrachtung“ legt vor allem dar, inwiefern die Türkei auch heute noch infolge ihrer geopolitisehen Lage am Zusammenschluß zweier Erdteile weltgeschichtliehe Bedeutung besitzt. Für alle Fragen des Nahen Orients sei die Stellung der Türkei um so bedeutsamer, als die englischfranzösische Stellung dort noch keineswegs gesichert erscheine. Im Moment hätten zwar Frankreich und England ihre seit langem verfolgten Ziele im Vorderen Orient erreicht, aber von einer Befriedung der arabischen Weit könne nicht die Rede sein: vielmehr fügten sich die arabischen Nachfolgestaaten der Türkei nur mit größtem Widerstreben der stärkeren militärischen Macht, und es sei nicht zu verkennen, daß die englische Stellung der arabischen Welt genügend Angriffsflächen biete (Suezkanal, Oelveraorgung im Mossulgehiet und im arabischpersischen Karangebiet usw.). Die französische Stellung erscheine als weniger gefährdet. Endlich schreibt Han« Kohlt in einem längeren Aufsatz über ״Neue Entwicklungen im Vorderen Orient“, daß in Palästina die wichtigsten arabisch-jüdischen Probleme, nämlich die Bodenfrage und die Einführung einer Volksvertretung, noch immer ungelöst seien. Die jüdische Siedlungstätigkeit weise nach einer Periode des Stillstandes, die aber eine Periode der Konsolidierung gewesen sei, jetzt einen neuen vielverheißenden Aufstieg auf. Die Zahl der Einwanderer nehme zu, bleibe aber im Jahresdurchschnitt noch erheblich unter 1 0/0 der Oesamtbevölkerung. Ueber die günstige Wirtschaftslage des Landes bemerkt Kohn u. a.: ״innerhalb der noch halb mittelalterlich-orientalischen Wirtschaft bietet die nach den fortgeschrittensten Vorbildern Europas wirtschaftlich und kulturell organisierte jüdische Siedlung ein anschauliches Bild dessen, was mit reichem Kapital und kluger Initiative, mit Hingäbe und Gewerbefleiß in diesen Ländern an Modernisierung der Wirtschaft erreicht werden kann.“ Wenn trotzdem die Lage des arabischen Fellachen infolge der Dürre und Mißernte in diesem Jahr noch schlechter sei als sonst, so müsse darauf hingewiesen werden, daß in Palästina, zum Unterschied von Aegypten oder der Türkei, von der Regierung nichts zur Modernisierung der einheimischen orientalischen Wirtschaft getan worden sei; ״weder für den Agrarkredit noch für die Gründung oder Entwicklung von Industrien, weder für die Schaffung eingeborener Finanzinstitute noch eines Genossenschaftswesens hat die Regierung bisher das Geringste getan.“ Das wie eine englische Kolonie verwaltete Palästina, das zum großen Teil dank der jüdischen Kapitaleinwanderung sehr aktive Staatsfinanzen aufzuweisen habe, verwende seinen Ueberschuß nicht zum Vorteil der Bevölkerung, sondern vor allem für die Interessen der Mandatarmacht. Kohn weist darauf hin, daß Palästina die vorwiegend zu strategischen Zwecken gebauten Eisenbahnen den Engländern aus eigenen Mitteln abkaufen mußte, und daß es als einziger türkischer Nachfolgestaat seinen Anteil an der ottomanischen Schuld bezahlt habe. In der Verwaltung seien, sehr zum Unterschied etwa von Syrien, wo doch Frankreich selbst den größten Teil der Kosten des Hohen Kommissariates trage, alle höheren Stellen ausschließlich von Engländern besetzt, deren außerordentlich hohe und für das arme Land drückende Gehälter bisher noch nicht einmal, •wie in einer Reihe englischer Kolonien, um 20 <0/י gekürzt worden seien. So sei es denn kein Wunder, wenn der Regierung, der es nur um den Ausbau ihrer strategischen Stellung zu gehen scheine und die aus dem jüdisch-arabischen Gegensatz für sich Vorteil ziehe, die Mittel fehlten, um die von ihren eigenen Kornmissionen und Berichten als elend und verbesserungsbedürftig geschilderte Lage der Bauernschaft zu heben und die Entwichlung des Landes aktiv zu fördern. — Endlich geht Kohns Aufsatz auch in interessanter Weise auf die Lage in Aegypten, Syrien und dem Irak ein. A. P. Das Exekutivkomitee der Weltunion der Zionisten-Revislonisten teilt mit: Am 14. August wird die 5. Weltkonferenz der zionistisch-revisionistischen Union eröffnet werden, die fünf Tage dauern wird. Gleichzeitig werden auch Konferenzen der revisionistischen Frauen-Organisation sowie der revisionistisehen Studentenvereine und -korporationen, eine Beratung der Betar-Kommandanten der verschiedenen Länder u. a. intemationale revisionistische Zusammenkünfte stattfinden. Tagungsort wird noch bekanntgegeben. Todesfall. In Warschau starb vor einigen Tagen Dr. Salomon M i n t z, ein bekannter Arzt und einer der ersten Führer des polnischen Zionismus. Sein Tod läßt die Erinnerung an das zaristische Rußland auferstehen, als Dr. Mintz im Geheimen die ersten zionistischen Studentengruppen organisierte und unermüdlich in Wort und Schrift für den zionistischen Gedanken eintrat. Dr. Mintz war auch wissenschaftlich tätig. Wenige Tage vor seinem Tode erschien in einer palästinensischen Zeitschrift ein bemerkenswerter Aufsatz über Judas Ischariot aus seiner Feder. 1 atigkeitsbericht des Beth-Am Iwri im Frühjahr 1932. Da Beth-Am Iwri, das schon auf eine mehr als dreijährige erfolgreiche Tätigkeit zurückblicken kann, setzt seine Arbei mit verstärkter Energie fort. Zahlreiche gut besuchte Ver 3״staltungen und Vorträge über verschiedene Themata fände! statt. Am 19. März referierte Dr. Elias Hurwicz über da Thema: ״Worauf beruht die Selbstbehauptung des Juden tums?“ Der Referent legte der Selbstbehauptung des Juden tums zwei Triebkräfte zugrunde: die Kraft der Ueberlieferun! und der unaufhörliche Kampf mit der Außenwelt. — Art 23, April sprach Dr. Georg Landauer über die zionistisch Bodenpolitik in Palästina, wobei er besonders auf das Systen des Bodenankaufs durch den Keren Kajemeth einging — Nacl Rückkehr zahlreicher Mitglieder des Beth-Am aus Palästin trugen die Chawerim Nach um Lewin, Fritz Mau tue ״ , Schächter ihre Eindrücke über das Purimfest, di! Makkabiah und die Messe in Tel-Awiw vor. — Am 11• Ma sprach der hebräische . Essayist und Schriftsteller, Eliese Steinmann aus Palästina über die neue hebräische Literatui Seme Ausführungen riefen eine sehr lebhafte Diskussion her vor. Nach dem Vortrag wurde dem Referenten in einen engeren Kreise ein feierlicher Empfang bereitet. Es begrüßte! den tiast in längeren Ansprachen die Herren Dr Wojslawsky Dr, Pines, Dr. Rawidowicz u. a. — Anläßlich der Herausgab der Agnon-Werke durch den Verlag Schocken fand am 21. Ma eine Agnon-Feier statt, über die bereits an dieser Stell berichtet wurde. — Am 28. Mai sprach Dr. Z. Rudy übe ״I)1e seelischen Grundlagen des europäischen Nachkriegs-Natio nahsmus“. — Am 7. Juni fand der außerordentlich gut be suchte Vortrag von Rabbi B i n j a m i n aus Palästina über di Araberfrage statt. — Am 25. Juni sprach Fräulein Dr. Bel. T a m 1 r über die Verfolgungen der Zionisten in Sowjet-Ruß land. Die Referentin belegte ihren Vortrag durch eine groß Anzahl von Tatsachenmaterial über die verzweifelte I ag vieler zionistischer Kämpfer in den Kasematten und Verban nungsorten Sowjet-Rußlands. Hungerstreiks bis zu 30 Tager Todesfälle durch Krankheit und Entbehrungen, Selbstmorde au Verzweiflung sind unter den Verbannten tägliche Erscheimm gen M!t Recht erhob die Referentin den Vorwurt des man geinden Interesses und Unterstützung der zionistischen Oeffem lichkeit 1m Auslande für diese tapferen Kämpfer des Zionis mus in Sowjet-Rußland. Nach einer ausführlichen Debatt beschloß die Versammlung, eine Abteilung des Magön (Komite zur Unterstützung der zionistischen Gefangenen in Sowjet Rußland) in Berlin bzw. Deutschland zu gründen. J unser«;״ oKiavengesang aus aer 4eit der ägvntiscl Knechtschaft hat ein Herr Professor Fabian RosenBIüth « gegraben und dem Zuhörerkreis der ״Massada“ im Bethvorgeführt, nämlich das bewußte — längst als Ursprung nichtjüdisch entlarvte — übermäßige Tetrachord. Auf chauvinistisch-dilettantische Aeußerung, daß ״eigentlich alle f sik von den Juden stammt“, brauchen wir wohl genau so we einzugehen wie auf die unzulänglichen (und übrigens län erledigten) Versuche, die ״Lieder ohne Worte“ von Mene! solin für die jüdische Musik zu retten. Unter solchen und ä liehen Behauptungen — die zu guter letzt noch mit den läcl־ liehen Fragmenten einer sogenannten ״Palästina-Sinfonie“ härtet wurden — verging der heitere Abend. A.J.-L Briefe an die Redaktion Heringsdorf, den 4. Juli 1932. Da sitzt man nun wieder in Heringsdorf, ist mit Bangen hergefahren und nur deshalb, weil man die Kinder in diesen politischen Zeitläuften nicht allein lassen wollte, und ärgert sich jetzt beinahe, weil man sie eben doch ganz gut hätte allein fahren lassen können. Denn es ist völlig ruhig hier und im Gegensatz zum Vorjahre, wo manches Feldzeichen des Dritten Reiches die Strandburgen schmückte, sieht man heuer nichts dergleichen. Dabei hört man manches vom benachbarten Ahlbeck und geradezu Schauerliches vom weiteren Swinemünde. An unserem Strand dagegen keine einzige Hakenkreuzfahne, ein friedliches Eiland politikloser Strand- und Sandpoesie. Trotzdem ist so ein Strand ein eigenartiges Spiegelbild der Zeit. Noch im Vorjahre hörte man auf der Promenade viel Polnisch und Jiddisch sprechen. Heute nichts. Aus Polen kommt keiner mehr. Und das haben — es ist klar — mit ihrem Singen nicht die Deutschen, sondern die Polen getan: Sie können nicht mehr kommen. Alles ist relativ. Auch der deutsche Fahnenwald entgeht diesem Gesetze nicht. Wie gemütlich und beinahe beruhigend wirken heute die zwanzig, dreißig schwarzweißroten Fahnen am Strand, die uns im Vorjahre noch so geärgert haben, daß wir neben Blauwciß noch Schwarzrotgold hissen mußten, das heuer ganz verschwunden ist. Das illustriert die Stimmung, die unsere reisenden Juden befallen hat und die sie bewog, diesmal Seebäder und Kurorte zu meiden. Ich halte es für dringend notwendig, diese Stimmung, die gewöhnlich in der eigenen Soße schmort, zu bekämpfen, und schreibe deshalb diesen Sommerbrief, der angesichts der wieder einmal bevorstehenden Wahlen unsere lieben Stammesgenossen erinnern und unsere Gesinnungsgenossen zum Vorbild aufrufen soll, nämlich das zu bewähren, was einem Volke ziemt, das hundert Reiche überlebt und also auch ein bescheidenes Drittes Reich überdauern wird: Ruhe und Würdel Emil Bernhard Cohn. Vermisdktes Palästina-Amt Berlin. Die Sprechstunden des Palästina- Amtes sind, beginnend vom Freitag, dem 8. Juli, wieder wie früher vormittags von 9—10 Uhr, Meinekestr. 10. Toni Loewenthal-Hyrkan liest Sonntag, 10. Juli, 12.10 Uhr, im Berliner Sender aus eigenen Dichtungen. Hechaluz. Am Sonntag, dem 10. Juli, findet eine Pegischah der Hachscharah-Kibbuzim, die um Berlin konzentriert sind, statt. Beginn der Pegischah um 10 Uhr vormittags. Ort: Marggrafshof bei Großbeeren. Fahrgelegenheit: Straßenbahn 177 bis Teltow׳, von dort 3/t Stunden zu Fuß. — Die Chawerin des Berliner Snif sind eingeladen. Die Jugendbünde können sich ebenfalls an der Pegischah beteiligen. Frauenarbeitsgemeinschaft für Palästina. Am 3. Juli eröffnete die Gruppe Nord-Ost der Frauen-Arbeitsgcmeinschaft für Palästina ihr Tages-Kinderheim in Niederschönhausen. Trotz des schlechten Wetters waren zahlreiche Gäste gekommen. Frau Dr. Sa 10 mon begrüßte die Erschienenen, insbesondere die Vorsitzende der deutschen Wizo, Frau Jenny Blumenfeld, die Vertreter des Wohlfahrtsamts der Jüdischen Gemeinde Berlin, Herrn Felix Heimann vom Jüdischem .Wohlfahrtsamt Pankow, und Herrn und Frau Latte, auf deren *schönem und sehr geeigneten Besitz die Ferienkolonie eingerichtet worden ist. Frau Dr. Salomon legte dar, daß die Gruppe Nord-Ost zum ersten Male seit Bestehen der Wizo eine solche Arbeit übernommen hat, um ihren Frauen *ine lebendige Vorstellung von dem zu schaffen, was in Palästina von der Wizo geleistet wird, und gleichzeitig einen kleinen Beitrag zur Linderung der Not unserer Zeit beizusteuem. Sie dankte all denen, die durch ihre eifrige und hingebungsvolle Arbeit zum Gelingen dieses Werkes beigetragen haben. Frau Blumenfeld wies in ihrer Ansprache besonders darauf hin, daß die Arbeit der Gruppe Nord-Ost deshalb in unserer Zeit so wichtig sei, weil durch sie 45 Kinder fünf Wochen lang in Freiheit und Fröhlichkeit ein Leben in der Gemeinschaft verbringen könnten und dadurch eine Vorstellung davon erhalten, was der Aufbau Palästinas heite für das jüdische Volk bedeutet. Herr Ingenieur Locker überbrachte die Grüße der Gruppe Schönhauser Tor-Hackescher Markt der B. Z. V. und sprach den Frauen seine bewundernde Anerkennung für die geleistete und gelungene Arbeit aus. Ein Rundgang durch die Räume und durch das Gelände überzeugte die Anwesenden davon, wie alles bis ins Kleinste vorbereitet ist, um den Kindern fünf schöne Wochen zu verschaffen, aus denen sie körperlich und seelisch gekräftigt hervorgehen werden. Brith Haolim. Der Brith Haolim veranstaltet in der Zeit vom 10. bis 29. Juli d. J. ein zentrales Machanch ha z ofim (Jüngerenlager) in Blankenburg im Harz, an dem sich etwa 120 Jüngere aus allen Teilen des Reiches beteiligen werden. Das Lager, das in einer herrlichen Gegend stattfindet, wird auf den erzieherischen Erfahrungen unserer letztjährigen Lager aufgebaut sein und von einer genügenden Anzahl von Führern geleitet werden. Für ärztliche Aufsicht ist gesorgt. Das Lager wird den Jüngeren Gelegenheit geben, nahezu drei Wochen der Erholung zu verbringen und zugleich eine Arbeit im Sinne unseres Bundes zu leisten. Entgegen allen Befurchtungen muß betont werden, daß für das Lager völlige Sicherheit gewährleistet ist. — Der diesjährige Kinuss-habrith (Bundestag) des Brith Haolim findet vom 1.—■4. August d. J. im Stadion ״Neue Welt“ (Reichsbannergelände) bei Magdeburg statt. Auf dem Gelände wird für alle Teilnehmer eine große Zeltstadt errichtet werden. Das Programm wird außer den allgemeinen Veranstaltungen folgende Referate enthalten: Rechenschaftsbericht der Bundesleitung, Der Brith Haolim und die chaluzische Jugendbewegung, Erziehungsreferat, Die Lage in der sozialistischen Arbeiterbewegung, Die Lage im Zionismus. Gäste wollen sich hei der Bundesleitung (Berlin W 15, Meinekestr. 10) anmelden. Warnung. Herr B e n C11 o r i n aus Palästina unternimmt in Deutschland eine Sammlung. Wie wir festgestellt haben, ist diese Sammlung durch keine verantwortliche Instanz autorisiert. Wir bitten alle Ortsgruppen und Vertrauensleute, sich mit uns in Verbindung zu setzen, wenn solche Sammlung am Orte unternommen wird. Zionistische Vereinigung für Deutschland, Berlin W 15, Meinekestr. 10. Dr Samuel F en i g er, der viele Jahre polnischer Konsul in Berlin war, hat in der Genthiner Str. 16, Tel, Kurfürst 3686, ein Büro für polnische Rechtsangelegenheiten eröffnet. — Dr. Samuel Feniger ist aus seiner Tätigkeit als polnischer Konsul besonders in ostjüdischen Kreisen sehr geschätzt. Dr. Feniger pflegte als hoher polnischer Funktionär in Berlin mit Takt und Entschiedenheit sich seiner Landsleute anzunehmen. Anläßlich seines Scheidens aus dem aktiven diplomatischen Dienste würdigten viele polnische Zeitungen äußerst anerkennend seine Wirksamkeit. Dr. Feniger ist bewußter Jude.

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