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Jüdische Rundschau · 1932-07-08 · Heft 54 (8.7.1932) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 54 (8.7.1932)
Date
1932-07-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 256 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 54, 8. Vif. 1932 einzelnen beschäftigen. Es wird in der Art und Weise der berühmten sozialen ״Utopien“ ein Idealzustand dargestellt. Deutschland soll ein Reich organischer Gliederang und des Gemeingeistes werden, ohne jedoch ״die Selbständigkeit, den rechtmäßigen Besitz und die Freiheit der Liebe anzutasten“. Daß in diesem Staate von den Errungenschaften des Liberalismus, angefangen von der Freizügigkeit des Bauern bis zur Freiheit der Kunst und Wissenschaft, nichts übrig bleibt, versteht sich von selbst. In diesem Bekenntnis zum Universalisraus hat auch der enge ״Nationalismus“, ein Produkt des liberalistischen Prinzips der ״Selbstbestimmung“, keinen Platz. Angesichts der völkisch-nationalistischen Haltung wird oft übersehen, daß die maßgebenden Denker des deutschen Nationalismus fast durchweg über den Rahmen des Nationalen hinausgehen. Der Lehrmeister einer ganzen Generation, Möller van den Bruck (von dem die Formel ״Das Dritte Reich“ stammt), sah bereits die Aufgabe Deutschlands in der Organisation der Völker Ost- und Südosteuropas auf föderalistischer Basis; und was die innerdeutschen Verhältnisse betrifft, finden wir vielfach eine Betonung des ״Preußentums“, die mit einem gesamtdeutschen Nationalgefühl schwer zu vereinbaren ist. Es gibt alle Abstufungen in dieser Gedankenwelt, angefangen von dem ״Imperium Teutonicum“, das Dr. Wilheim Stapel in seinem neuen Werk ״Der christliche Staatsmann“ (Hanseatische Verlagsbuchhandlung, Hambürg) in lateinischen Versen besingt, über die mehr nüchtern wirtschaftspolitischen Erwägungen des ״Tat“- Kreises, für den das neue Buch von Gieselher Wirsing ״Zwischeneuropa und die deutsche Zukunft“ (Eugen Diederichs Verlag, Jena) charakteristisch ist, bis zu der romantischen Konzeption eines unter deutscher Führang stehenden christlich-katholischen Abendlandes bei Wilhelm von Schramm, der schreibt: ״Das Dritte Reich kann nur als Einheit des christlichen Abendlandes unter der Führung der deutschen Nation verstanden werden.“ ״Deutschland trägt die Verantwortung für dieses Europa gegenüber der ganzen Welt“ ״Deutschland heißt jetzt das Land, das die Entscheidung in dieser Weltrevolution lind Welterneuerung bringen muß.“ So sehr man die Bildung größerer Einheiten gegenüber der jetzigen Zerklüftung Europas herbeiwünschen muß und so sehr man den föderalistischen Gedanken als gesunde Grundlage eines Neuaufbaues anerkennen mag, der nüchterne Betrachter wird doch nicht verkennen können, daß in dieser enthusiastischen Verkündigung einer deutschen imperialistischen Weltmission, an der sich heute die idealistische Jugend Deutschlands berauschen mag, Gefahren stecken, die zu ignorieren verhängnisvoll wäre. Schramm sieht auch innerhalb Deutschlands sich heute bereits eine Umstellung vollziehen, deren Merkmal es ist, daß die Glaubcnsmächte an Stelle der Interessentengruppen stehen. ״Deutschland wird heute nur noch von Glaubens- und Religionsparteien beherrscht. ... Freilich hat jede dieser Glaubensparteien einen anderen Namen für ihren Gegner: die Kommunisten heißen ihn Bourgeoisie, die Nationalsozialisten Judentum, das Zentrum Glaubenslosigkeit. Aber im Grunde meinen sie doch dasselbe.“ ״Die Nationalsozialisten haben den Klassenkampf nur rassenmäßig getarnt. Im Grunde meint ihre unversöhnliche Feindschaft gegen das Judentum genau wie der Kommunismus nur die Geldmacht der Bourgeoisie von gestern. Vor allem will man sie in den Juden treffen. Der Antisemitismus der Nationalsozialisten hat die Großbourgeoisie mit dem Judentum identifiziert. Er hat das mit jener plakathaften Vereinfachung der differenzierten Wirklichkeit getan, die ja ein Zug der Zeit, ihrer Eile und Massenhaftigkeit, sich ebensowenig um die Individual Unterscheidung kümmert, wie etwa der Kommunismus in Rußland, der zum Beispiel Millionen von Bürgern ermordete, nur weil sie eben Bürgerliche, d. h. Andersgläubige gewesen sind — der Nationalsozialismus schlägt immerhin noch humanere Formen vor und zeigt größere Milde gegenüber seinen unversöhnlichen Gegnern.•‘ Der Verfasser findet diese Identifizierung von Judentum und Großbourgeoisie begreiflich, ״bei der offenkundigen Versippung und Verschwägerung der neuen Gewalten mit dem immer stärker hervortretenden Judentum“. Daß die in diesem Zusammenhang e!wähnten Aktiengesellschaften gerade in ihren monumentalsten Gebilden keineswegs eine jüdische Domäne sind, daß das ״Börsenmanöver der Inflation“ keineswegs von Juden arrangiert war, sondern von der rein arischen Großindustrie, wird nicht berücksichtigt Schramm betrachtet den Nationalsozialismus als eine Zwischenstufe, die das wahre Reich vorbereiten soll. Er meint, es werde dem Nationalsozialismus gelingen, ״den überwiegenden Teil der Deutschen bis tief hinein in die Arbeiterschaft wieder zu einem nationalen und politischen Bewußtsein, zu einem Mythos zu erwecken... In Hitler meldet sich kräftig und volkstümlich nach mehr als einem Jahrhundert der Verdrängung und Verbildung die deutsche Natur wieder zu Wort.“ Und was in diesem Zusammenhang über die Stellung des deutschen Judentums gesagt wird, verdient natürlich besondere Beachtung. Es ist wichtig für deutsche Juden, die trotz allen Erfahrungen noch immer von einer Wiederkehr des Liberalismus träumen, zu wissen, welche Vorstellungen immer weitere Kreise des deutschen Volkes erfassen. Wilhelm von Schramm schreibt darüber: ״Es ist aufschlußreich, wie sich das J ü d e n t u m in den Zeiten des Nationalsozialismus verhält. Soweit es noch immer äußeren Einfluß und persönliche Machtmittel besitzt, schließt es vielfach die Augen und hält noch unentwegt am alten, längst ausgehöhlten Liberalismus fest. Die ihren Naturinstinkten noch nicht entfremdeten Juden haben indessen die neuen Tendenzen bereits erkannt. Sie suchen den Schutz, den früher die Fürsten, dann die bürgerliche Gesellschaft gewährten, heute bereits bei den universal gerichteten Machten: entweder beim Bolschewismus oder bei der katholischen Kirche. Diese Juden werden bald wieder Schutzbürger sein wie vor der Emanzipation. In den Großstädten, vor allem in Berlin und im protestantischen Norden, werden die Kornmunlsten den meisten jüdischen Zuzug erhalten, die überhaupt da das bourgeoise Erbe anzutreten scheinen, während sich die Juden im konservativeren Süddeutschland mehr und mehr in den Schutz der katholischen Kirche und ihrer polttischen Vertretung begeben werden. Als Avantgarde des Liberalismus und seiner ,Ideale‘ haben die Juden keine Bedeutung mehr, Ihre Zeit ist vorüber, wie die ihnen günstige Libertät und die Macht des Geldes inzwischen vorüber ist. Ihre Hoffnungen waren umsonst. Sie werden sich wie in Rußland entweder der Kirche beugen müssen oder als Fremde unter den Völkern leben. Rasse ist nur ein naturalistisches Vorurteil, doch an der Lehre scheiden sich die Geister. Da gibt es keine Freiheit, sondern nur Entscheidung, ob man innerhalb oder außerhalb stehen will. In diesem Sinne hat, analog dem Mittelalter auch Sowjetrußland das sogenannte Judenproblem gelöst. Der Antisemitismus ist eine inferiore Angelegenheit; aber auf einer klaren Scheidung zwischen Gläubigen und Ungläubigen ruht die Ordnung und innere Geschlossenheit der Reiche und der Völker. ,Gewissensfreiheit‘ gibt es nur außerhalb der Gemeinschaft. Die Kommunisten wissen das sehr genau und haben immer danach gehandelt.“ Wir wissen nicht, ob das Mittelalter so vollkommen wiederkehren wird, wie Schramm prophezeit und herbeiwünscht. Aber etwas von mittelalterlichem Geiste spüren wir heute schon um uns. In dieser Welt steht das Judentum im Kampf um sein Lebensrecht. Das Judentum wird auch seinerseits wieder werden müssen, was es im Grunde stets gewesen ist, bevor der Liberalismus und der Materialismus des 19. Jahrhunderts es verweichlichte: eine trotzige Glaubensmacht, die ihre Kraft aus ihrer Lehre, ihrer Vergangenheit und ihrem Zukunftswillen schöpft. Das neue Mittelalter, oder wie immer man es nennen will, wird nicht die Formen des alten Mittelalters haben, so wenig wie Auto und Luftschiff wieder von der Postkutsche abgelöst werden können. Gegen die Bedrohung und Verkrüppelung durch ein mittelalterlicbes Ghetto werden die Juden sich wehren. Aber die Tatsache, daß die Gemeinschaften sich wieder gegeneinander abschließen und die Intoleranz heute als das ״fortschrittliche“ Prinzip gilt, kann ihre Wirkuhg auf das Judentum nicht verfehlen. Und wenn wirklich eine neue Zeit und eine neue Ordnung der Welt entstehen soll, wovon wir bisher freilich kaum noch wirkliche Ansätze sehen, so wird als ein Ziel, das nicht in weiterer Ferne zu liegen braucht als die Utopien und Träume der vielen Weltverbesserer unserer Zeit, das Ende derjüdischen Diaspora anerkannt werden müssen. Denn das jüdische Volk, das eine Zeitlang die ״Emanzipation“ für seine Erlösung hielt und alle hundert Städte der Welt als neues ״Zion“ gelten ließ, wird wieder erkennen, was ״Galuth“ ist, daß die Schicksalsschwere dieses Wortes nicht weggeblasen werden kann. Das ”jüdische Volk braucht seinen Lebensraum, und die! Sehnsucht nach Zion wird wieder• das Galuth erfüllen. Auch das jüdische Volk wird sich endlich auf sich selbst besinnen und Wege in die neue Zeit suchen müssen, wenn es nicht Gefahr laufen will, daß es wieder bloßes Objekt des Geschehens und der Willkür anderer wird. Die Wahlbewegong in Rumänien Bukarest, 4. Juli. (J. T. A.) Jüdische Partei und Union rumänischer Juden sind eifrig mit den Vorbereitungen zu den am 17. Juli stattfindenden Wahlen in die rumänische Kammer beschäftigt. Die jüdische Partei führt eine großzügige Ver- Sammlungskampagne in allen Provinzen durch, die Führer der Union haben ebenfalls in einer ganzen Anzahl von Wahlkreisen gemeinsam mit den mit der Union verbundenen Wirtschafts- Organisationen Wahlvorschläge eingereicht und mit der Werbearbeit unter der Wählerschaft begonnen. Eine bemerkenswerte politische Umgruppierung hat sich in der transsylvanisehen Judenheit vollzogen. Die Hauptmasse der jüdischen Wählerschaft von Oradea Mare (Großwardein), bisher eine der zuverlässigsten Stützen der ungarischen Partei Rumäniens, ist unter Führung ihres Oberrabbiners Benjamin Fuchs, der sich aut Ersuchen einer Deputation mit dem ehemaligen Abgcordrieten Dr. Josef Fischer an der Spitze bereit erklärt hat, Listenfiihrer der Jüdischen Partei im Wahlkreis Bihor (Großwardein) zu werden, ins Lager der Nationaljuden eingeschwenkt. Oberrabbiner Fuchs hat in der rumänischen Presse eine Erklärung veröffentlicht, in der er die neue Haltung der Juden von Großwardein, die jahrhundertelang mit der ungarischen Kultur verknüpft waren, mit dem Bedürfnis der Juden begründet, sich zur eigenen Art zu bekennen, als loyale rumänische Bürger jede politisch verdächtige Einstellung zu vermeiden und ihre Verbundenheit mit dem rumänischen Staate zu betonen. In weiten Kreisen der jüdischen Bevölkerung Rumäniens ist man darüber erstaunt und beunruhigt, daß die behördlichen Organe, die gegen die linksradikale Propaganda mit aller Schärfe Vorgehen, nicht dieselbe Energie gegenüber den antisemitischen rechtsradikalen Hetzern an den Tag legen. Die Wahlagitatoren des Professors ,Cu za in Rumänien betreiben in den Provinzorten eine beispiellose antisemitische Hetze, ln Falticcni hat der Cuza-Student Gheorghe Geogian den jüdischen Fuhrmann Itzig Nuchim durch Schläge auf den Kopf ermordet, weil dieser ihm auf die Frage, ob er für Cu za stimmen werde, eine ironische Antwort gab. Zur Frage 4er Einbürgerung Wie der Amtliche Preußische Pressedienst der Antwort des Preußischen Ministers des Innern auf eine Kleine Anfrage entnimmt, werden die bei preußischen Behörden gestellten Einbürgerungsanträge in jedem Einzelfall sorgfältig geprüft. Die Einbürgerung erfolgt nur, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen vorliegen, die Antragsteller den zwischen den Ländern vereinbarten Richtlinien genügen und die außerpreußisehen Länderregierungen im Umfrageverfahren Bedenken nicht erhoben haben oder der Rekhsrat die vorgebrachten Bedenken für unbegründet erklärt hat. Nach einer neueren Entschließung des Reichsrats soll übrigens der Einbürgerung von Ausländern nichtcleutscher Herkunft in der Regel ein I nla n dsaufenthalt von 20 Jahren vorhergehen. Die aniijüdlsdien Beschlüsse im Preu$en!andiag Die antisemitischen Entschließungen des Preußischen Landtages vom 24. Juni haben, wie wir bereits mitgeteilt haben, in der gesamten Welt Aufsehen erregt und zu Protesten Anlaß gegeben. Die Frage, wie für diese Anträge eine Mehrheit zustande kommen konnte und wie Kommunisten und Sozialdemokraten sich bei der Abstimmung verhalten haben, bildet den Gegenstand von Erklärungen und Feststellungen. Nach Angaben des sozialdemokratischen Landtagsabgeordneten Erich Kuttn er und kommunistischer Parteiblätter hat sich der Vorgang so abgespielt, daß die Kommunisten zum Ostjuden-Antrag der Nationalsozialisten einen Abänderungsantrag gestellt hatten, wonach der auf die Ostjuden bezügliche Satz ersetzt werden sollte durch die Forderung, die ״ehemaligen Landesfürsten, Kapitalisten und Großgrundbesitzer“ zu enteignen. Dieser Ab- Änderungsantrag wurde abgelehnt. Für ihn stimmten Kommunisten und Sozialdemokraten. Für den nationalsozialistischen Gesamtantrag erhoben sich in der Schlußabstimmung auch die Kommunisten, während die Sozialdemokraten sich an der Ab- Stimmung nicht beteiligten. Die Kommunisten begründen ihre Zustimmung zum Oesamtantrage damit, daß in ihm eine progressive Besteuerung bis zu 80 «/# der großen Einkommen gefordert wurde. Hingegen hätten sie entschieden den auf die Ostjuden bezüglichen Passus des Oesamtantrages bekämpft und abgelehnt. Es ist zu bemerken, daß im amtlichen Protokoll angegeben Ist, daß der Gesamtantrag mit den Stimmen der Rechten, Kommunisten und Sozialisten angenommen wurde. Es ist festzuhalten, daß die fragliche Abstimmung nach einer vielständigen Sitzungsdauer um 5 Uhr 20 Minuten morgens angenommen wurde. Bei der Uebermüdung der Abgeordneten und des Landtagsbüros läßt sich kaum feststellen, wie sich die Vorgänge wirklich abgespielt haben. Es ist aber ohne weiteres anzunehmen, daß weder Sozialdemokraten noch Kommunisten für den antisemitischen Passus des Antrages wissentlich eingetreten sind. Das Zentrum war bei all diesen Abstimmungen nicht anwesend. In Warschau fand, von der polnisch-demokratischen Gruppe einberufen, eine Protestversammlung gegen die Judenhetze in Deutschland und in anderen Ländern sowie gegen die Ostjuden-Entschließung im Preußischen Landtag statt. An der Versammlung beteiligten sich Vertreter des Minister- Präsidiums, des Außenministeriums und Innenministeriums, Professoren der Warschauer Universität und viele polnische und jüdische Politiker. Den Vorsitz führte Dr. Gerschon Le win. Das erste Referat hielt der Sejmdeputierte Dr. Rosmarin. Er wandte sich, nachdem er auf die Verhältnisse in Deutschland angespielt hatte, gegen die Zustände in Polen. Ausführlich schilderte er die antisemitische Hetze der polnischen judenfeindlichen Parteien und vieler polnischer Zeitungen. Leider reagieren die linken Parteien, reagiert der bessere Teil der polnischen Gesellschaft nicht mit der erforderlichen Entschieden-; heit auf diese Vorgänge. Nach einer Rede des Redakteur N. Szwalbe sprach der frühere Präsident des jüdischen Sejmklubs, Hartglas. Er sagte: ״Nicht die Völker sind zu verurteilen, sondern die antisemitischen Hetzer in Deutschland und in Polen,, die unter wirtschaftlich schlechten Verhältnissen den enttäuschten Völkern die Juden als Sündenbock hinstellen.“ Hartglas appellierte an die polnische Regierung, nicht nur für den Schutz ihrer jüdischen Bürger in Deutschland, sondern auch für die Sicherung normaler Lebensbedingungen der Juden in Polen zu sorgen. Am Schluß wurde eine Resolution an-׳ ''.',-'s V . . ״ . j!״ 1׳Wir TMsende J&fsaanm«tte protepti'eren gegen die ohne Beispiel dastehende Judenhetze in Deutschland, die ihren Ausdruck in dem Beschluß des Preußischen Landtages, das Vermögen der Ostjuden zu beschlagnahmen, gefunden hat. Dieser Beschluß hat zum Ziele, die Aufmerksamkeit der Massen von unerfüllbaren Versprechungen des Hitlertums abzulenken. Eine solche Demagogie, die auf die primitivsten Instinkte der hungernden Massen spekuliert, muß in der ge* samten zivilisierten Welt gebrandmarkt werden. Aber nicht nur in Deutschland, sondern auch in verschiedenen anderen Ländern distanzieren sich die demokratischen Elemente nicht genug von der durch Antisemitismus vergifteten Atmosphäre. Aber mm ist die Zeit gekommen, zum Entscheidungskampf gegen die die menschliche Entwicklung hemmende antisemitische Bewegung auszuholen. Die Versammelten appellieren an die Repräsentanten der aufgeklärten öffentlichen Meinung in allen Ländern, im Interesse des menschlichen Fortschritts den Antisemitismus zu bekämpfen und bei den Regierungen durchzusetzen, daß diese der barbarischen Welle des Antisemitismus einen Damm entgegensetzen. Die Versammelten sprechen den Opfern des blutdürstigen Antisemitismus und Chauvinismus das Gefühl der Solidarität aus und fordern die Repräsentanten des Judentums überall in der Welt auf, eine solidarische Aktion zum Schutze der elementaren Rechte der jüdischen Bevölkerung durchzuführen.“ Die vom Kongreß der nationalen Minderheiten 1'n Wien angenommene Resolution zum Punkt ״Ergebnisse der Völkerbundstätigkeit“ spielt auch auf die antisemitischen Vorgänge in Deutschland an. In der Resolution heißt es u. a.: ״Mit ernstem Nachdrucke, wie es die tatsächliche Lage erfordert, macht der Kongreß den Vöikerbundrat auf die Tatbestände aufmerksam, die sich aus dem Willen der Mehrheitsvölker ergeben, die wirtschaftlichen und sozialen Lebensbedingungen der Minderheitsvölker zu untergraben und die Angehörigen der Minderheiten durch einen insbesondere von den Organen der Staatsverwaltung geübten Mißbrauch des freien Ermessens auf allen Gebieten der ökonomischen Betätigung zurückzusetzen. Die für die Minderheiten bestehenden Gefahren werden dadurch ins Untragbare gesteigert, daß die infolge der Wirtschaftskrise geschaffenen Verhältnisse dazu ausgenützt werden, die Verdrängung der Minderheitsvölker aus ihren wirtschaftlichen Positionen zugunsten der Mehrheitsvölker, die auch vor der unverhüllten Enteignung nicht zurückschrecken, planmäßig anzustreben. Eine solche Wirtschaftspolitik macht alle Hoffnungen auf eine gedeihliche wirtschaftliche Zusammenarbeit innerhalb der Staaten und zwischen den einzelnen Staaten unmöglich und muß die katastrophale Entwicklung von heute nur noch verstärken.“ Die im Preußischen Landtag zur Verhandlung stehende Amnestievorlage hat im preußischen Staatsrat verschiedentliche Aenöerungen. erfahren. Da zur Gesetzwerdung des .ursprünglichen Antrages eine Zweidrittelmehrheit notwendig ist, die siii im Landtage nicht finden wird, dürfte es zu einem Kompromiß kommeh. Nach diesem Kompromiß werden Verurteiiungeri wegen Friedhofsschändungen und die Kurfürstendamm-Krawalle vom September 1931 nicht unter die Amnestie lallen'

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