Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1932-07-01 · Heft 52 (1.7.1932) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 52 (1.7.1932)
Date
1932-07-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2651273-2653348-2653402--23046-2681356
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

Seite 248 Nr. 52, 1. VII. 1932 JÜDISCHE RUNDSCHAU Zionistische Frauenfragen Zur Counciltagung der WIZO Von Ada Fischmann (Palästina). Gewiß hat für den nächsten Wizoeouncil obenan die Aufgäbe zu stehen, die schädlichen Spaltungen aus den Reihen der zionistischen Frauen-Weltorganisation wegzuschaffen und ihr wieder ihre volle vereinigte Kraft zurückzugeben. Wir wollen bestimmt hoffen, nicht nur daß der Counciltagung diese befreiende Tat gelingen wird, sondern — angesichts der vielen, drängenden Fragen, die auf Erledigung warten —, daß sie ihr rasch gelingen wird. Es darf nur wenig von der kostbaren Zeit, in der führende Wizofrauen aus entfernten Ländern sich zur Beratung zusammenfinden, auf diese innere organisatorische Angelegenheit verwendet werden. Denn die diesmalige Counciltagung tritt in einem Zeitpunkt zusammen, da Erez Israel sich in einer Lage befindet, wie sie sich seit Jahren nicht mehr ergeben hat: Erez Israel ist wieder das zentrale jüdische Einwanderungsland geworden. Diese verstärkte Einwanderung aber bringt Probleme mit sich und rührt Probleme auf, die die ernsteste Betrachtung und Behandlung durch die Frauen-Weltorganisation verlangen. Ein besonderes Kennzeichen der jetzigen Immigration bildet der starke Prozentsatz der Frauen. War es bisher eine der Standardforderungen der palästinensischen Frauenbewegung, den Frauen eine höhere Ein- Wanderungsquote zu erkämpfen, so kann sie jetzt die Tatsache verzeichnen, daß gegen 40 der Neueinwandernden Frauen sind. Damit aber erhebt sich die Frage der Beschaffung von Arbeit und Erwerb für die neu ins Land Kommenden in ihrer ganzen Schärfe. Und auch das Problem derjenigen, die noch zu keiner festen Berufsbindung gekommen sind, schiebt sich bei dieser Gelegenheit wieder in den Vordergrund. Zwei Dinge sind in diesem Zusammenhang zu unterstreichen: die Arbeitswahl ist für die Frau viel beschränkter als für den Mann und sie hat es daher viel schwerer, beruflich Fuß zu fassen. Ferner aber hat die Verheiratung den Berufsgang mancher jungen Arbeiterin unterbrochen; jahrelang blieb sie infolge ihrer Familienpflichten und ihrer Sorge um die Er- Ziehung der Kinder aus der unmittelbaren Teilnahme an dem Wirtschaftsleben ausgeschaltet und, wenn sie wieder anknüpfen will, so stehen ihr keine Möglichkeiten zu wirklich guter Berufsausbildung zur Verfügung, sie kann bestenfalls in allerlei gutgemeinten Abendkursen einige Fertigkeiten sich aneignen. So vergeht ihr Dasein in dem dauernden quälenden Bemühen, mit einem unzureichenden Nebenerwerb in ewig unbefriedigender Arbeit sich und ihrer Familie ein notdürftiges Zusatzeinkommen zu schaffen. Die Arbeitslast, die so auf die verheiratete Frau fällt, die zermürbenden Sorgen, die eine Vereinigung von anstrengender, elender Tagesfron njit der Obhut für die Kinder von ihr verlangen und all die seelische Rückwirkung einer solchen erschöpfenden Existenz führt zum Zerfall ungezählter Ehen. Die Scheidungsziffern in Erez Israel, dem Land der Jungverheirateten, steigen zusehends, und für die alleinbleibende Frau und Mutter stellt sich das Berufs* und Erwerbsproblem nicht weniger bedrohlich dar. Nach diesen beiden Richtungen heißt es für uns einzugreifen. Die Wizo hat von Jeher die Erziehung der 142^1 K1־ M kannt und in einer guten Berufsausbildung die beste Gewähr für die innere und äußere Unabhängigkeit und Sicherheit der Frau gesehen. Wenn sie der Chaluzah vor allem zur landwirtsehaftlichen Berufsausbildung half, so geschah das zwar auch aus dem Bedürfnis der Aufbauarbeit für Erez Israel, und weil die Landwirtschaft als der entscheidende Wirtschaftszweig des neuen Landes am stärksten nach Arbeitskräften verlangen muß, vor allem aber weil keine andere Arbeit eine so reale und ernste Beziehung zum Dasein und ein solches Bewußtsein für die eigenen schaffenden Kräfte zu geben imstande ist. Die romantische Beziehung zum Lande Israels und überhaupt zum Leben, die das junge Mädchen zunächst erfüllt, verwandelt sich rasch, wenn der Lebenskampf, Ehe, Mutterschaft und das Existenzproblem, an sie herantreten. Ihre Fähigkeit zu selbständiger ökonomischer Betätigung, in Zusammenarbeit mit dem Mann, oder als alleinstehende Frau, ist von entscheidender Bedeutung für ihre seelische Haltung und für ihre Be- Ziehung zu Mann und Kindern. Und bei keiner Arbeit erwirbt sie sich mehr innere Würde, und mehr äußere Freiheit als bei der landwirtschaftlichen Arbeit in der engen Verbindung mit den schöpferischen Kräften der Erde, in dem Erleben, selbst ein Teil dieser schöpferischen Kräfte zu werden. Makkabi-Festtage in Neu~Oderberg Zur ersten größeren Veranstaltung nach der Makkabiah hatte der Gau Nord-Böhmen des tschechoslowakischen Kreises im M. W. V. nach Neu-Oderberg eingeladen. In dieser an der deutschen Grenze gelegenen kleinen Stadt trafen sich am 25. und 26. Juni 800 Makkabim aus den Vereinen der C. S. R., aus Beuthen, Hindenburg, Gleiwitz, Breslau und Bielsko. Das Präsidium des Makkabi-Weltverbandes war durch Dr. Leiewer und Fritz Lewinsohn vertreten. — Das Turnfest wurde am 25. Juni durch einen Empfangsabend eröffnet. Im von mehr als 1500 Personen überfüllten Saale des Beth Haam begrüßte der Obmann des Makkabi, Dr. Preiß, erst in hebräischer und dann in tschechischer Sprache die Gäste, unter denen man die Vertreter aller öffentlichen Körperschaften der Stadt, darunter den Bürgermeister und viele Stadträte, Abordnungen des Sokol, des deutschen Turnvereins und aller jüdischen Organisationen bemerken konnte. Es hielten dann Begrüßungsansprachen Kultusvorsteher Zänker, Ing. Pacovsky, Mitglied der tschechslowakischen Kreisleitung, Krieger (Zionistisches Landeskomitee), Rudi Abraham- Berlin (Deutscher Makkabi), St e rn Ii c h t-Bielsko (Südwestpolnischer Kreis). Von lebhaftem Beifall empfangen betrat der Präsident des Makkabi-Weltverbandes Dr. H. Leiewer (Berlin), die Rednertribüne, seine von echtem Pathos getragenen Ausführungen, die in der Ford :rang gipfelten, daß es die Aufgabe des Makkabi sei, den Typ des neuen jüdischen erdgebundenen Menschen zu schaffen, dessen Namen ״Makkabi“ zu Höchstleistungen verpflichtet, rissen die Zuhörer zu stürmischen Ovationen hin. Zum Schluß der eindrucksvoll verlaufenen Kundgebung sprach der Bürgermeister der Stadt Neu-Oderberg, Josef Male her. Am frühen Morgen des nächsten Tages begannen unter zahlreicher Beteiligung die turnerischen Wettkämpfe. An diese sehlob sich ein Straßenlauf quer durch Oderberg an, den unter 35 Teilnehmern erwartungsgemäß Goldschmied (Hagibor, Prag) vor seinem Klubkameraden Klein gewann. An fünfter Stelle kam der erste Vertreter des deutschen Makkabi, Blitzer (Hakoah, Beuthen), ein. — Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung ging der F e s t z u g durch die Stadt vor sich. Geführt von der hervorragend wirkenden Reitertruooe des Makkabi aus Darum behält alles, was die Wizo auf dem Gebiet der landwirtschaftlichen Berufsausbildung der Frau geschaffen hat, seinen bleibenden Wert. Aber innerhalb ihrer bestehenden Anstalten könnte sie ihre Aufgaben vergroßem und vieles durchführen, was die geänderten Verhältnisse verlangen. Sie muß der Tatsache Rechnung tragen, daß 80 #/0 der früher eingewanderten Mädchen heute zur Kategorie der Verheirateten gehört, von der oben die Rede war. Sie muß eine Möglichkeit finden, um auch Müttern in ihren schon vorhandenen großen Lehrfarmen eine vertieftem Ausbildung geben zu können. Es wären nur die erforderlichen Einrichtungen zu schaffen, um auch die Kinder während der Lehrzeit der Mütter an Ort und Stelle unterzubringen und entsprechend zu versorgen, was bei der zu erwartenden Mithilfe und Mitverwaltung der Mütter gar keine unlösbare Aufgabe wäre. Ein Mangel, den die Lehranstalten der Wizo gleichfalls beheben könnten, wäre die Ausbildung von Spezialistinn e n in verschiedenen Zweigen der Landwirtschaft. An solchen fehlt es fühlbar. Wanderlehrerinnen mit einer Spezialausbildüng in Gemüsezucht, in Obstbau, in Baumzucht, in Gärtnerei wären dringend notwendig und könnten gute Beschäftigung finden. Es ist ja überhaupt das Kennzeichen unserer bisherigen Berufsausbildungsarbeit, daß sie sich viel zu sehr auf Schulung durchschnittlicher Arbeitskräfte verlegen mußte und für h ö h e r qualifizierte Berufsschulung keine Vorkehrungen treffen konnte. Wie sehr fehlt es z. B. an Administratorinnen im Lande, an Frauen, die nicht bloß den Alltag zu bewältigen imstande sind, sondern die Uebersicht und Fachkenntnis zu leitenden Stellungen besitzen. Die Ausbildung von Betriebsleiterinnen verlangt aber eine zusätzliche Lehrzeit und Vermittlung ergänzender Fächer wie Buchhaltung, Betriebslehre, Materialienkünde usw., und es ist die Pflicht unserer Lehranstalten, den Befähigten eine solche höhere Fachausbildung zu ermöglichen, die den Frauen die Bekleidung viel besser bezahlter Stellungen gestattet. Wie sehr in den Anfängen steht auch noch unsere Ausbildüng der Wanderlehrerin! Es genügt nicht, daß sie in ihrem Fach Bescheid weiß. Ihre Funktion ist eigentlich die einer Volkserzieherin. Sie kommt in die Lage, in allen mögliehen Fragen Rat zu erteilen, sie sieht allerlei, wo sie helfend und verständnisvoll eingreifen könnte, sie könnte Anregungen vermitteln, die manchmal der Frau auf dem Dorfe, in der Siedlung einen neuen Ausblick zu verleihen imstande wären. Ihr die erforderliche Schulung zu geben, ist auch eine Aufgabe von allergrößter Tragweite, und eine, die unschwer zu bewäl* tigen wäre. Und eine weitere Notwendigkeit, der die Wizoanstalten ge* nügen müßten, wäre die land- und hauswirtschaftliche Aus* bildung der schulentlassenen Mädchen. Da sind so und soviele Vierzehnjährige, die vergebens an die Tore der Wizo-Institutionen klopfen, aber unsere Anstalten sind mit ihren Anforderungen auf die Achtzehnjährigen zugeschnitten. Leicht könnte einer der Meschakim den Jugendlichen von 14—18 angepaßt werden und eine empfindliche Lücke in der Jugendbildüng wäre ausgefüllt. Das alles sind Vorschläge und Anregungen, um den Arbeitsradius der Wizo im Rahmen ihrer bisherigen Gründungen ,zu erweitern». ohne, ihr :»lJ*up2§» Aber die Wizo muß auch führend bei der Schaffung von neuen Berufs* und damit Erwerbsmöglichkeiten für die in Stadt und Dorf Neueinwandernden sein. Allgemein wird das von ihr als von der zionistischen Frauen-Weltorganisation erwartet. Die Möglichkeiten zur gewerblichen Ausbildung und Betätigung der Frau sind noch kaum berührt worden. Dabei liegt hier ein geradezu unbegrenztes Gebiet von Arbeitsmöglichkeiten vor. Alle Arbeiten, die die Frau physisch bewältigen kann, muß man ihr zu erkämpfen helfen. Solche Arbeiten gibt es im Baugewerbe, der Schusterei, beim Streichen und Fliesenlegen z. B. ebenso wie in der Hausindustrie, in allen Zweigen der Agrarindustrie, vor allem in der Zitrusindustrie, und in all den Gewerben, in denen die Frau die Hauptkonsumentin ist, in der Bekleidungsbranche, dem Nahrungsmittelgewerbe, dem Wohnungsbedarf. Eine Reihe von Gewerben könnten in Form von Kooperativen organisiert werden, wie Küchenbetriebe, Wäschereien, Schneidereien u. ä. Aber die Voraussetzung zu all dieser Berufsbetätigung ist eine gediegene Fachausbildung, ist die Schaffung von Gewerbeschulen. Diese Forderung ist heute unabweislich geworden. Die beiden Mittelpunkte unserer Arbeit sind: Alijah we Awodah, Einwanderung und Arbeit. Mährisch-Ostrau, marschierten 1200 Makkabim in ihrem kleidsamen Dreß durch die Stadt zum Sportplatz, wo mehr als 3000 Zuschauer den ausgezeichneten Leistungen im Schauturnen beiwohnten. Großen Beifall fanden die vom Initiator und Organisator vieler Makkabifeste Leo Bleyer (Mährisch-Ostrau) geleiteten Freiübungen. Im Anschluß an die turnerischen Darbietungen fand unter Vorantragung der Fahnen ein Aufmarsch der Aktiven vor den Tribünen statt. Dr. Leiewer überreichte den Siegern der Wettkämpfe die mit blau-weißen Schleifen geschmückten Lorbeerkränze. Mit der Hatikwah schloß die überaus gelungene Veranstaltung. Ein harmonisch verlaufenes Gartenfest vereinigte noch einmal alle Teilnehmer mit ihren Gastgebern. Das Gauturnfest des nordmährischen Kreises war die erste kleinere Heerschau des Makkabi nach der Makkabiah. Es war die Demonstration eines starken jüdischen Lebenswillens und zeigte, daß der Makkabi in der C. S. R. unermüdlich an der Ausbreitung und Fundierung des Makkabigedankens am Werke ist. Alle Teilnehmer dieses in allen Einzelheiten vorbildlich organisierten Turnfestes werden starke Eindrücke gewonnen haben, die sich in den Auswirkungen der praktischen Arbeit bald zeigen werden. Fritz Lewinsohn, Von der Universität Jerusalem. Dr. G. S e h 0! e m, Dozent für jüdische Mystik, befindet sich auf Urlaub, um kabbalistische Manuskripte in der Bibliothek des Vatikans und anderen Bibliotheken Europas zu studieren. — L. B i 11 i g, M. A., Dozent in arabischer Literatur, hat für das Sommersemester 1932 Urlaub zu Forschungszwecken erhalten. — Dr. David B a n e t h, Leiter der orientalistischen Sektion der Universitätsbibliothek, wirkt als einer der Herausgeber des von der Mediaeval Academy of America unternommenen Werkes ״Corpus Commentariorum Averrois In Aristotelem“ mit — Prof. F. B a e r, dessen Forschung sich mit der mittelalterlichen Geschichte der Juden in Spanien befaßt, erhielt eine Einladung zu einem Kongreß der spanischen Rechtsgeschichte, der in Madrid stattfinden wird. — Dr. E. L. Sukenik, der Archäologe der Universität, wurde eingeladen, am Internationalen Kongreß für christliche Archäologie ia Ravenna teilzuaehmea. Bücherschau ״Konzert“. Ein neues Buch von Else Lasker-Schüler. (Ernst Rowohlt Verlag, Berlin.) Auch in diesem Band ist es wieder der spielhafte Ernst, der uns rührt: die Kinderhand, die ahnungsvoll nach dem Ewigen greift und es vor uns hinbreitet. Eise Lasker-Schüler dichtet nicht nur in sich hinein — sie wendet ihre Worte durchaus an einen Leser. An einen Leser, der aber unbedingt auch ein Hörer sein muß, und zwar ein sehr differenzierter und feinnerviger Hörer; einer, der wohl imstande ist, in ihren Satz- und Klangbau hineinzuhören. Der wohl aufmerkt, wenn sie die Worte anders stellt, als es in der Schulgrammatik steht, und der den Sinn solcher Unregelmäßigkeiten spürt. Der so etwas genau so wenig für fehlerhaft hält wie gewisse unorthodoxe und dabei doch sehr fromme und gesetzhafte Umgestaltungen biblischer und liturgischer Tatbestände, die uns in den Schriften dieser sich immer wieder erneuernden Dichterin vertraut sind. Else Lasker-Schüler ist eben eine ganze unkonventionelle Idyllikerin, die sich nicht geniert, noch mit dem Ur-Wissen ums Paradies behaftet zu sein und uns etwas davon blicken zu lassen. Beglückend ist ihre Un-Aktualität; die zeitgemäßen Mießigkeiten dringen — zu ihrem Glück! — gar nicht so recht in ihr Kinderherz hinein, wenngleich sie sicherlich ebensowenig von ihnen verschont geblieben ist wie alle anderen Menschen. Sie hat es aber verstanden, ihr junges, jüdisches Prinzentum unangetastet zu bewahren, und darum schon ist ihr zu wünschen, daß etwas von der Liebe, die sie an Gott, Baume und Menschen verströmt, wieder in sie zurückstrahlt. Auf Else Lasker-Schüler, der die Inhalte des Judentums in einem besonderen Sinne heilig sind, paßt die kabbalistische Sentenz, daß die irdische Liebe eine ״Entsprechung“ der himmlischen Liebe sei. Ihre Gott-Sehnsucht ist mit ihrer Liebe zum Menschen verknüpft und weil sie soviel von Liebe versteht, versteht sie soviel vom Herzen der Welt. Die Liebe ist für sie eine Art ״Fernrohr“, durch das sie der Natur auf den Grund fühlt. Wer soviel von der Liebe und durch die Liebe begriffen hat, weiß auch viel vom Tod: sind doch Liebe und Tod die eigentlichen Kontrapunkte im ״Konzert“ des Weltalls. — Einige sehr schöne Ergänzungen zu den ״Hebräischen Balladen“ schenkt uns das neue Buch: Abigail, die ״sanfte Königshirtin“; Joseph, die ״edclblütige Ware“ und Davids zartes Liebeslied an den Bruder Jonathan. Ganz wunderbar ist auch das Schlußgedicht: ״Aus der Ferne“. Ein leises Sichhinahnen der Welt — der sich der Mensch entfremden muß — zum Himmel der Himmlischkeiten. Alice Jacob-Loewenson. B. Krupnik, Hebräische Phraseologie, Dreitausend Redewendüngen, Hebräisch-Deutsch / Deutsch-Hebräisch. Buchhandlung Rubin Maß, Berlin 1932. Brosch. M. 1,50, in Leinenband M. 2,-. Baruch Krupnik ließ eine Hebräische Phraseologie zum Gebrauch für Lernende erscheinen. Nachdruck ist also auf dieses pädagogische Ziel gelegt; wenn durch Sperrdruck deutsche Lehnübersetzungen aus dem Hebräischen hervorgehoben werden, so ist das gewiß für manchen Leser ein ertreulicher Nebengewinn kulturhistorischer Belehrung. Bringen die Lexika auch eine Fülle phraseologischen Materials, so hat doch ein phraseologisches Sonderwerk gerade auf hebräischem Gebiete seine Eigenberechtigung. Die Beschränkung (auf 3000 Redewendungen) muß bedauert werden, aber sie hat hier einen doppelten Grund: in der Begrenzung des hebräisch interessierten Käuferkreises und in der pädagogischen Absicht des Verfassers. Diese ist als voll gelungen zu bezeichnen. Denn die sachkundige Auswahl ist eine so glückliche und fügt sich so vollendet in den Kreis der täglichen und gebildeten Spräche ein, daß man nur wünschen kann, das Büchlein möge seinen Weg nicht nur zu den eigentlich Lernenden, sondern auch zu den Sprechenden finden. Die gesprochene Sprache bedarf dieser Zufuhr an lebendigem Blute. Die hehräische Sprache wird in dieser Zeit von der Verarmung ihrer äußeren Formsprache und von unnötigen Neubildungen bedroht. Es scheint vielerorten die lebendige, nicht nur theoretische, Empfindung dafür verloren gegangen zu sein, daß eine Sprache und besonders die unsere ihre eigene Charakterform, ihre kulturelle Lebensform hat, d. h. wie alles Erdhaft-Individuelle, ihren besonderen Reichtum und ihre besondere Armut besitzt. Armut und Reichtum aber sind hier relative Begriffe, die nur von außen durch Vergleich mit anderen Sprachen herapgetragen werden; der Kern dessen aber, was diese Begriffe bezeichnen, ist ihre unwandelbare Eigenart, die man nicht beliebig ablegen und verändern kann. Hier erfreut K.s Büchlein durch die instruktive Zusammenstellung eines Teiles unseres wirkliehen ״Reichtums“ und Ueberflusses, von dem wir nur wünsehen, daß er in die allzuarme Tagessprache eindringe und zu ihrer Bereicherung beitrage, so daß zwar nicht alles Mög״ liehe auf alle möglichen Weisen gesagt werde, sondern eben in der charakteristischen Art. Es sei erwähnt, daß auch die äußere Form, z. B. die Einteilung In einen Hebräisch-Deutsehen und einen Deutsch-Hebräischen Teil, die Benutzung des Werkes erleichtert. Walter Heilbrunn. ״Das wiedergefundene Lachen“. Nach dem gleichnamigen Märchen hat Else Kornis, aktives Mitglied der Temesvarer Wizo-Gruppe, ein Tanzpoem verfaßt, das von der transsylvanisehen Wizo-Föderation als Broschüre herausgegeben wurde, die mit sehr hübschen Linolschnitten von Ferdinand Gallas ausgestattet ist. Der Text, der in Versen abgefaßt ist, schildert, wie ein Geizhals, der das Lachen lernen soll, von einem kleinen Mädchen durch alle Länder geführt wird, ohne daß es gelingt, ihm ein Zeichen seiner Anteilnahme abzuringen. Erst in einem Kinderdorf in Palästina, inmitten einer Schar fröhlicher Kinder, lernt er das Lachen. Das Märchen errang bei seiner Urauffiihrung im Stadttheater in Timisoara einen großen Erfolg. Aus Bukarest wird uns geschrieben: Herr B. Karpin, langjähriger Delegierter des Keren Hajessod in Rumänien, hat dieser Tage seinen Abschied genommen. Herr Karpin blickt auf eine erfolgreiche achtjährige Tätigkeit auf dem Gebiete der praktischen zionistischen Arbeit in Rumänien zurück. Im Laufe dieser Zeit hatte Herr Karpin die meisten Ortschaften Groß- Rumäniens besucht, wobei er sowohl propagandistisch wie auch als Sammler sehr gute Erfolge erzielte. Herr Karpin soll, wie wir erfahren, nach Palästina übersiedeln, um sich dort niederzulassen. Zionist, und hebräische Arbeit während der Sommerferien. Gesinnungsgenossen, welche ihre Sommerferien im Osten von Berlin (Rahnsdorf, Wolfersdorf, Hessenwinkel, Fichtenau usw.) verbringen und daran interessiert sind, diese Zeit auch zur Pflege ihrer jüdischen Interessen, insbesondere des Hebräischen, zu bebenutzen, werden zwecks Zusammenschluß um ihre Adressen gebeten. Z. V. f. D., W15, Meinekestr. 10. Bezirksgruppe Neukölln der B. Z. V. Dank der Initiative unseres Gesinnungsgenossen Woznianski ist in Neukölln eine neue Bezirksgruppe der B. Z. V. ins Leben gerufen worden. Am 29. Juni sprach Dr. Werner Bloch über ״Ke Wirtschaftslage der Juden und das werdende Palästina“. An seinen Vortrag, der ein anschauliches Bild von der Lage der Juden und dem Palästinawerk vermittelte, schloß sich eine rege Aussprache an. Es besteht begründete Erwartung, daß nach den Sommerferien eine intensive Arbeit dieser Bezirksgruppe einsetzen wird.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.