Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVII (1932)
- Issue
- Heft 52 (1.7.1932)
- Date
- 1932-07-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 246 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 52, 1. VII. 1932 tungsprozeß erfolgen dergestalt, daß diejenigen Käufer, die sich noch im Ausland befinden, durch Tauschtransaktionen lokal konzentriert werden, so daß eine geschlossene Siedlung mögli-'h wird. Hierzu wird man solche Stellen suchen, wo schon jetzt genügend Anreiz zu privatwirtschaftllcher Erschließung vorhanden ist. Solche Komplexe, bei denen ein *olcher Anreiz für eine Reihe von Jahren nicht zu erwarten ist, müssen von Käuferansprüchen, durch welche sie zersplittert werden, befreit, zu unbelasteten Oroßblocks arrondiert und dann einer von Grund auf neuen Verwertung zugeführt werden: entweder wird es sich lohnen und möglich sein, sie im Rahmen eines nationalen Kolonisationsprogrnmms konzentriert zu erschließen, das heißt sie in die Tätigkeit unserer Kolonisationsinstanz herein■ zurangieren — oder aber, wenn auch das nicht geht, wird matt sie wohl oder übel als Reserve liegen lassen bzw. dem Keren Kajemeth überlassen müssen. Es handelt «ich um vielleicht 8000 Einzelkäufer, deren loyale Mitwirkung bei obigem großen Gruppierung*- und Umgruppierungswerk erforderlich ist. Viele von ihnen beklagen sich darüber, daß die Gesellschaften, die ihnen seinerzeit den Boden verkauften, einen Teil ihrer Versprechungen nicht innehielten. Ein großer Teil solcher Klagen ist zweifellos berechtigt, und niemand wird die Geschäftsführung jener Jahre in Schutz nehmen, in welchen unmögliche und unrealisierbare Dinge versprochen worden sind. Die nationalen Instanzen, die heute diese Sünden a ti s 7. u b a d e n haben, tragen keinen Anteil an der Schuld. Sie sind selbst mehr geschädigt Worden als die vielen Einzelpersonen. Sie haben schwer genug dafür bezahlen müssen, daß der Schaden bei den Ein zclkä ufern nicht noch größer wurde. Die Käufer müssen das anerkennen und sich zusammen mit den Zentral- Instanzen zu Arrangements zusammenfinden, die der Zwangsläge Rechnung tragen. Bei einem vielleicht nicht minder großen Teil der Käufer sind Klagen überhaupt unberechtigt, denn sie selbst waren es, die das DÄbacle dadurch herbeiführten, daß sie die gekauften Parzellen entweder nicht bezahlten oder aber daß sie sich um deren Schicksal nicht weiter kümmerten und dadurch einen Kauf, der Erschließungszwecken dienen sollte, in einen Kauf der ״toten Hand“ verwandelten. Diese Käufer werden erst recht davon überzeugt werden können und müssen, daß es nur eine selbstverständliche Pflicht von ihnen ist, an jeder von den Zentralinstanzen in Angriff genommenen Generalbereinigung in loyalster Weise mitzuwirken, auch wenn es mit scheinbaren oder tatsächlichen Opfern verbunden sein wird. Wenn eine solche Generalbereinigung mit den Käufern stattgefunden haben wird, wird eine große und mächtige ZentraibodengeSeilschaft übrigbleiben, die das Zentral- Instrument für national kontrollierte Boden- und Erschiießungs- Politik auf privatwirtschaftlicher Basis abgeben wird. Dieses Zentralinstrument steht vor einer Aufgabe, die an Umfang und Bedeutung kaum hinter derjenigen des Keren Kajemeth zurückstehen wird. Beide ergänzen einander; sie stimmen überein in der Tatsache der nationalen Kontrolle, sie differieren darin, daß der Keren Kajemeth das Privateigentum am Boden ausschaltet, während das neue Zentralinstrument die Böden privatwirtschaftlich zu erschließen hat. Die theoretischen Diskussionen früherer Jahre, ob unsere nationalen Instanzen ausschließlich auf Keren Kajemeth-Boden kolonisieren sollen oder auch auf privatwirtschaftlichem, ist durch die Macht der Tatsachen überrannt worden; diese Instanzen befinden sich heute im Besitze oder in engster Verknüpfung mit riesigen Bodenflächen privatwirtschaftlicher Konstruktion, und ob sie wollen oder nicht: sie müsseh sie in ihr Kolonisationsprogrämm einbezleheo. Erfaßt man die Aufgabe 1'n diesem Sinne, so sieht man sofort, daß die bisherigen Rechtsformen ihr nicht mehr gewachsen sind. Nicht nur, daß man die Formen von vier selbständigen Gesellschaften durch die Form einer alleinigen Zentral-Aktiengesellschaft ersetzen muß: auch das ist nicht mehr ausreichend. Die vollständige Abstoßung aller Böden (nicht nur auf dem Papier, sondern durch Rückverwandlung in wirkliches Geld) wird nach bisherigen Erfahrungen mindestens ein Jahrzehnt erfordern. Auch bei so langer Frist wird vorausgesetzt, daß die bisher allein übliche ״Verkaufsaktion“ durch eigene Erschließungsarbeiten ergänzt wird. Wie sich weiter unten zeigen wird, gibt es zwingende Gründe dafür, daß solche Erschließungsarbeiten nicht ausschließlich der Privatinitiative überlassen bleiben, sondern daß sie in die allgemeine Kolonisationsarbeit einbezogen werden. Dazu ist erforderlich, daß in der Exekutive ein spezielles Departement für privatwirtschaftliche Bodenpolitik errichtet wird. 5. Es ist verfrüht, über Details der erforderlichen Erschließungsarbeiten zu sprechen. Wohl aber lassen sich schon jetzt die großen Richtlinien der Erschließungspolitik feststellen, welche dieses Departement zu befolgen haben wird. Sie gehen parallel mit denjenigen, die der Gesamtaufbau der zionistischen Arbeit während der nächsten Jahre erfordert. Im Mittelpunkt all dieser Richtlinien wird das Problem Haifa stehen. Sicherlich vor allem deshalb, weil dort der Schlüssel für eine Liqtiidmachung gerade des liier behandelten Bodenkapitals liegt. Aber auch wenn das nicht der Fall wäre, müßte der Zionismus heute aus ganz anderen Gründen nach der gleichen Richtung gehen, und wenn es eine zionistische Pjatiletka gäbe, so würde sie gleichfalls Haifa zum Mittelpunkt haben müssen. Im letzten Frühjahr haben wir alle wieder einmal mit Staunen gesehen, in welchem Umfang nicht ökonomische Faktoren ökonomische Folgen haben. Tel-Awiw hat durch seine drei großen und gewaltig erfolgreichen Veranstaltungen: Purim, Makkabiade, Levant Fair (dreifache Heerschau: des Gemüts, der Kraft und der Wirtschaft) eine so überragende Position als jüdisches Zentrum manifestiert, daß das Zurückbleiben aller anderen Positionen um so unverhältnismäßiger wirkte. Haifa, die Stadt des nahezu vollendeten Hafens, die Stadt, in der sich die großen Petroleumkonzerne wegen der herannahenden Pipe lines etablieren, die Stadt, die immer deutlicher zum AusfalZor des unabhängig gewordenen Irak wird (Wesen der englischen Irakpolitik seit zehn Jahren: gewaltige Frontdrehung — weg vom Persischen Golf und heran an das Mittelmeer), diese Stadt erlebte auch nicht den blässesten Abglanz des phan״ tastischen Tel-Awiwer Trubels. Keine Touristen, keine Baubewegung, keine Nachfrage nach Böden oder Häusern. Warum? Fehlt es an wirtschaftlichen Voraussetzungen? Nein, und jedenfalls ist Tel-Awiw nicht auf Grund wirtschaftlicher Voraus- Setzungen entstanden. Die Frage, wovon es eigentlich lebe, hat genug lange Zeit die Gemüter beschäftigt. Es fehltnur an einem: an dem jüdischen Elan. Tel-Awiws Aufstieg ist das Verdienst der Juden allein — fast wäre man versucht zu sagen, daß Haifas Dornröschenschlaf das Verschulden der Juden allein ist. Besonders wenn man sich vor Augen hält, wie unverhältnismäßig große Bodenflächen in, bei und hinter Haifa in jüdischer Hand sind, welche Riesenbeträge in diese Böden hineingesteckt wurden, ohne daß sie in Bewegung gebracht werden konnten, versteht man überhaupt nicht, wie der jüdische Elan hier so jämmerlich versagen oder zumindest versanden konnte. 6. Gehen wir von einem ganz anderen Ausgangspunkt aus. Palästina profitiert seit Jahren von dem großen Orangenboom, den selbst die Weltwirtschaftskatastrophe nicht zu überrennen vermochte. Ununterbrochen erfolgen Neuinvestierungen und der Touristenstrom im Frühjahr, die Kapitalflucht aus europäischen und amerikanischen Ländern, die Pfundent- Wertung usw. haben neue Kapitalien in diesen Produktionszweig geleitet. Die Zahl der Skeptiker und Pessimisten, die vor jedem Boom Angst haben, hat sich verringert. Nach wie vor kann man der Entwicklung vertrauensvoll entgegensehen. Una trotzdem muß sich eine auf lange Sicht planende Kolonisationsinstanz fragen, ob nicht diese fast schon einseitige Ein- Stellung der Landwirtschaft auf einen einzigen Artikel Gefahren mit sich bringt, denen sie Vorbeugen muß. Niemand kann dafür garantieren, daß nicht morgen ein unvorhersehbarer weltwirtschaftlicher oder weltpolitischer Umschwung einen schweren Choc auf die Orangenindustrie ausüben wird. Das Los der ägyptischen und amerikanischen Baumwollfeilachen oder der südamerikanischen Kaffeebauern darf nicht ignoriert werden. Eine vorsichtige Kolonisation muß rechtzeitig auf eine Risiko- Verteilung hinarbeiten. So wie die Landwirtschaft heute in Palästina aussieht, würde eine Orangenkrisis das gesamte Land in die schwerste Erschütterung bringen. Zwar haben Industrie und Hausbesitz sich in den letzten Jahren so konsolidiert, daß sie sich ein wenig davon unabhängig halten könnten, aber da ein unverhältnismäßig großer Teil ihrer Kunden mit dem Orangengeschäft verbunden ist, muß das Bestreben, sich noch unabhängiger davon zu machen, mit allen Kräften gefördert werden, Industrie ist an sich weniger konjunkturempfindlich als die Orange. Das Risiko verteilt sich auf viele Branchen, die nicht alle gleichzeitig leiden. Um wieder ein Gleichgewicht herzustellen, muß die Verbreiterung der Klein- und Mittelindustrie in den Vordergrund einer zionistischen Pjatiiefka für die nächsten Jahre gestellt werden. Und wo soll diese Industrie ihren Platz haben? Warum in Tel-Awiw, das häufig kein anderes Argument zu seinen Gunsten hat als den Umstand, daß die Juden (besonders die Frauen) eben lieber nach Tel-Awiw gehen? Warum in einer Stadt, die in diesem Frühjahr definitiv bewiesen hat, daß sie genug Eigenkraft besitzt, um auch ohne organisierte Förderung weiterzuwachsen? Warum nicht in Haifa, wo alle wirtschaftlichen Voraussetzungen dafür sprechen und wo nichts anderes fehlt als eben jenes eine: die gefühlsmäßige Attraktion? Warum nicht alles in Bewegung setzen, um dieser Attraktion die Wege zu bahnen? Die Aufgabe des Tages und der nächsten Jahre heißt: ln oderbei Haifa ein zweites Tei-Awiwsc haften, sei es durch Erweiterung bestehender Stadtteile, sei cs durch Schaffung ejnes neuen Platzes mitten in der jetzt sanierten Haifa Bay. 180 Arbeiterhäuser bilden dort bereits einen ersten Ansatz, ihn zu verbreiten und vielleicht bis zu jener Märchenstadt Kurdani auszubauen, die schon vor zehn Jahren auf den phantasievollen Verkaufskarten der Haifa Bay Co. eingezeichnct war. ist eine lösbare Aufgabe. 30 000 Menschen innerhalb von fünf Jahren dort zu konzentrieren: Fabrikanten und Arbeiter, Geschäftsleute, Rentner (auf dem Karmel), Siedler und Klein- Siedler: wenn das gelingt, wird nicht nur das tote Bodenkapital der Zentralstellen wieder beweglich gemacht worden sein, sondern das ganze Hinterland von Haifa, der ganze Emek werden einen Markt bekommen — und es wird die natürliche Attraktion hergestellt sein, die die Voraussetzung für neue Ein- Wanderung bildet. \ _ Tapng des American Jewlsli Congress Washington, 28. Juni. (J. T. A.) Am Sonntag, dem 26. Juni, mittags, wurde in Washington die zehnte Jahrestagung des American Jewish Congress mit einer Ansprache des Ehren- Präsidenten des Congress, Dr. Stephen S. W i s e , eröffnet. Die Tagung wurde vom Präsidenten des Congress, Bernard S. Deutsch, geleitet. Stephen W i s e widmete den Hauptteil seiner Rede der für den 14. August d. J. nach Genf einberufenen Vorbesprechung einer jüdischen Weltkonferenz und führte u. a. aus, daß die Teilnahme an der Genfer Konferenz nicht bindend sei hinsichtlich der Stellungnahme zu der Frage der Schaffung des Jüdischen Weltkongresses als ständiger Einrichtung. Zum Schluß seiner Ansprache teilte Dr. Stephen S. Wise mit: Professor Albert Einstein hat in einem Brief an Dr. Nahum Goldmann in Berlin, der ihn im Aufträge des American Jewish Congress zur Teilnahme an der für den 14. August d. J. nach Gent einberufenen Konferenz eingeladen hat, seine Stellungnahme zu dieser Konferenz wie folgt begründet: ״Nach meiner Ueberzeugung ist ein Internationaler Zusammenschluß aller Juden zur Verteidigung ihrer Rechte und überhaupt ihrer Position in den einzelnen Ländern ein Ziel von großer Dringlichkeit und Bedeutung. Ich weiß wohl, daß viele Juden einen internationalen Zusammenschluß ablehnen in der Furcht, nicht für vollwertige Bürger ihres Landes angesehen zu werden. Diese Furcht ist aber objektiv unbegründet und mir durch die schweren Leiden des jüdischen Volkes in der Vergangenheit zu erklären. Ich halte es für sehr wünschenswert, daß die geplante Konferenz in Genf zustände kommt, die über die vorteilhafteste Weise beraten soll, wie die internationale Organisation zu schaffen sei.“ Richter Julian W. Mack richtete die Mahnung an den American Jewish Congress, sich in dieser Angelegenheit nicht zu übereilen. Am Sonntagabend fand zu Ehren der Kongreßdelegierten ein Dinner statt, bei dem Senator Borah der Leiter des außenpolitischen Ausschusses des Senats der Vereinigten Staaten, der Hauptredner war. Senator Borah zollte den Bestrebungen der Juden, ein jüdisches Nationalheim in Palästina aufzurichten, seine höchste Achtung und Symathie und ermunterte die amerikanischen Juden dazu, für den chutz ihrer jüdischen Genossen gegen Entrechtung und Verfolgung überall in der Welt einzutreten. * Die Exekutive der Rabbinerversammlung (Rabbinical Assembly) des Jewish Theological Seminary of America hat auf ihrer letzten Tagung eine Resolution angenommen, in der die führenden jüdischen Organisationen Amerikas, an ihrer Spitze American Jewish Committee, American Jewish Congress und Unabhängiger Orden Bnei Brith, aufgefordert werden, sich zusammenzuschließen, um eine gemeinsame Aktion in der Frage der Einberufung des Jüdischen Weltkongresses durchzuführen. Zu der Notiz in Nr. 50 der ״Jüdischen Rundschau“ über die Sammlung für einen David Simonsen-Hain in Kopenhagen wird uns noch mitgeteilt, daß die Initiative zu dieser Aktion von der Dänischen Zionistischen Föderation ausging und daß die Sammlung durch das ständige Landeskomitee des KKL in Dänemark durchgeführt wird. Aufstand im Hcdsdias Von unserem palästinensischen Korrespondenten. gl. Tel-Awiw, 21, Juni 1932. Schon gegen Ende des Winters, als sich die Befürchtungen eines Jahres der Dürre für die arabische Wüste und einen Teil ihrer Randländer mehrten, wurde es sichtbar, daß die englische Regierung in Ost- und Westpalästina ihre Sicherheitsmaßnahmen an den Grenzen verstärkte. Es wurden größere Bewegungen der Wüstenstimme erwartet, die von dem Mangel an Wasser und Futter für ihr Vieh getrieben, sich auf die Wanderschaft machen, um bessere Weidemöglichkeiten zu suchen. Die neugeschaffenen politischen Grenzen stehen ohnedies den Grenzbegriffen mancher Wüstenstimme entgegen, und es hat Mühe genug gekostet, Wanderungen größeren Stils, die sich jenseits und diesseits der politischen Trennungslinien vollzogen, einzudämmen oder zumindest unter Kontrolle zu bringen. In Zeiten der Dürre und des Hungers wird die Ueberwachung und Absperrung des Kulturlandes doppelt schwer. Während in Palästina selbst durch das verhältnismäßig kühle und taureiche Wetter eine Milderung der Folgen der Dürre festzustellen ist, beginnen sich die Bewegungen an verscliiedenen Stellen der arabischen Halbinsel bereits stark bemerkbar zu machen. Und wie immer in solchen Fällen, spielen neben den wirtschaftlichen Motiven politische eine starke Rolle, alte Gegensätze verschärfen sich von neuem und politische Drahtzieher benutzen die Lage zur Erreichung ihrer speziellen Ziele. Das gleiche Bild, das sich Jahrhunderte hindurch in Jahren der Dürre in der Wüste und an ihren Rändern abgespielt hat, sehen wir auch heute. Die einzige Aenderung sind neue Verkehrsmittel — auch in die Wüste dringt das Auto und beginnt das Kamel zu verdrängen — und neue Waffen; Aeroplane und Maschinengewehre an Stelle von Reitkamelen und Schwertern. Ein uraltes Lied in neuer Gestalt. Die Nachrichten, die über die letzten Ereignisse im Hedschas zu uns dringen, sind teils unvollständig, teils gefärbt, teils unklar. Sicher ist, daß mit der Dürre starke Bewegungen einzelner Stämme eingesetzt haben und daß wieder einmal eine der Erhebungen im Gange Ist. die seit der Gründung des Reiches von Zeit zu Zeit — bisher immer ohne Erfolg — die Herr- Schaft Ibn Sauds über Hedschas und Nedschd bedrohten. Die verschiedenen, oft einander widersprechenden Nachrichten werden von der arabischen Presse Palästinas vielfach glossiert, wobei den internationalen Fäden nachgespürt wird, die in den Beduinenmärschen in der Oegend von Akaba zusammenlaufen. Da die Beziehungen zwischen England und Ibn Saud sich in letzter Zeit gelockert haben, gelegentlich sogar schon zu Spannungen führten, da außerdem die Bewegungen der Aufständisehen, die in der Gegend der Sinai-Halbinsel ihren Anfang nahmen, sich von Akaba aus dem nördlichen Hedschas zuwenden, werden Vermutungen über Anteilnahme Englands an der Erregung des Aufstandes laut. Dabei wird Philbys Name häufig erwähnt. Es wird auch darauf hingewiesen, daß die Gegend, der sich die Aufständischen nähern, bedenklich nahe an die Linie der Oelbahn Haifa—Bagdad grenzt, also für England überaus wichtiges Gebiet darstellt. (Die Londoner ״Times“ berichtete vor einigen Tagen über die Meldungen der ägyptischen Presse in dieser Sache. Danach hätte die Revolte durch Teile der Beni Ali und Howeitat-Stämme begonnen, die vorher in Transjordanien vor den Wahabiten Zuflucht gesucht haben. Ihr Vormarsch soll auf keinen Widerstand ge* stoßen sein, aber alle diese Nachrichten werden als völlig unzuverlässig bezeichnet. Die ägyptische Presse vertrete die Meinung, daß der Aufstand das Resultat einer britischen Intrige ist, um den Wahabi-König Ibn Sand, der sich den britischen Wünschen nicht füge, zu überrumpeln. — Im Gegeit-'" satz zu dieser Meldung der ״Times“ wird von anderer Seite der Ansicht Ausdruck gegeben, daß der Vorstoß gegen Hedschas angeblichen britischen Plänen auf Erweiterung des ägyptischen Einflusses entspreche. — A. d. R.) Man wird gut daran tun, die mannigfachen Gerüchte, die mit den Vorgängen an den Wüstenrändern verbunden werden, mit großer Vorsicht aufzunehmen. Zugleich ist es aber für Palästina äußerst wichtig, die Entwicklung aufmerksam zu verfolgen. Nicht nur örtlich sind uns diese Zusammenstöße, das Widerspiel der verschiedenen Interessen, sehr nahe. Die jüdische Siedlung im Lande ist eingekeilt in den großen mannigfach gegliederten arabischen Block, der seine speziellen Entwicklungsgesetze hat. Zur Zeit ist freilich das Interesse für die arabische Frage und auch für die erwähnten Vorgänge in fast allen Kreisen des Jischuw recht schwach. Es existiert nur ein schwacher Zusammenhang mit den wirtschaftlichen und politischen Bewegungen der Nachbarländer, soweit sie nicht unmittelbar jüdische ökonomische Interessen betreffen. Die National- und Universitäts-Bibliothek Jerusalem hat soeben die vollständigen Archive des zentralen Hilfskomitees für die Kriegs-und Pogromopfer in der Ukraine erhalten. Diese Archive enthalten reiches und wertvolles Material zur Geschichte der Pogrome und der jüdischen Fluchtlinge in den Jahren 1918—1922. Ferner erhielt die Bibliothek das Archiv des verstorbenen Schriftstellers Jakob Dineson, in welchem sich eine Anzahl von Dokumenten und Autographen befinden. Der wissenschaftliche Nachlaß des verstorbenen Dr. S. A. Poznartsky ist der Bibliothek übergeben worden. Er enthält viele Hunderte von Briefen aus der wissenschaftlichen Korrespondenz, die Dr. Poznansky mit vielen bckannten Forschern geführt hatte. Weiter enthält der Nachlaß Abschriften und Photographien von Handschriften aus den Universitätsbibliotheken in Oxford, Berlin und Leningrad, auch Dr. Poznanskys Handsehriffen, seine bibliographischen Arbeiten und, was besonders wichtig ist, Material zu seinem bibiiographisehen Wörterbuch der Karäer. — Alle drei Archive erhielt die Bibliothek von den Freunden der Hebräischen Universität in Warschau. DieSchekelsammlung5692 Alle Gruppen und Sehekelvertrauensleute werden hierdurch erneut dringend dazu aufgefordert, die bei ihnen elngegangenen Schekalim unverzüglich abzuführen. Die Schekelsamm- Iung Ist bisher ln den meisten Orten stark vernachlässigt worden, und1 wir bitten auch aul diesem Wege die für die Sammlung verantwortlichen Gesinnungsgenossen dringend darum, der Schekelaktion jetzt die größte Aufmerksamkeit zuzuwenden. Es muß gelingen, gerade in diesem Jahr eine Schekelhöchstzahl in Deutschland aufzubringen, um auch dadurch den Beweis der Stärke unserer Bewegung zu erbringen. Dl« L8ndeMcn0keiKommi8sion Postscheckkonto: Berlin 8091. Bankkonto: Volksbank Iwriah, Berlin N, Rosenthaler Str. 55.